Deutschland: Rhein erreicht bei Köln historischen Tiefstand

Niedrigwasser und Dürre in Deutschland: Wenn den Flüssen der natürliche Wasserspeicher fehlt

Die Pegelstände vieler großer Flüsse in Deutschland und Mitteleuropa sinken derzeit auf ungewöhnlich niedrige Werte. Besonders der Rhein sorgt mit rekordverdächtigen Tiefständen für Sorge. An wichtigen Messstellen wurden historische Niedrigwasserstände erreicht, die nicht ohne Folgen bleiben: Die Schifffahrt wird bereits Anfang August stark beeinträchtigt und Frachtschiffe können nur noch einen Bruchteil der normalen Ladung fassen, um den Tiefgang zu reduzieren. Vor allem Transporte von Kohle, Erzen, Mineralöl, Chemikalien, Baustoffen und Getreide werden dadurch deutlich teurer.

Niedrigwasser am Rhein (Archiv)

Die Folgen werden letztendlich die Verbraucher tragen, indem die zusätzlichen Kosten auf die Preise der Produkte umgesetzt werden. So kann es in den nächsten Wochen zu einem signifikanten Anstieg der Inflation kommen, die aufgrund des Irankonfliktes in diesem Jahr bereits deutlich gestiegen ist. Bereits bei dem extremen Niedrigwasser von 2018 war dieser Effekt für alle spürbar gewesen.

Eine wichtige Rolle bei der Wasserführung des Rheins spielen nicht nur die Niederschläge, sondern auch das alpine Wassereinzugsgebiet. Die Alpen wirken wie ein gigantischer Wasserspeicher: Im Winter wird Niederschlag als Schnee und Eis gespeichert und über Monate verzögert wieder abgegeben. Gletscher, Firnfelder und Schneedecken sorgen dafür, dass auch während trockener Sommerperioden Wasser in die Flüsse gelangt. Darüber hinaus sind diese Wasserreserven für die Trinkwasserversorgung des Alpenraums von essenzieller Bedeutung.

Doch der Wasserspeicherpuffer verliert zunehmend an Wirkung. Durch den Rückgang der Alpengletscher schrumpft der langfristige Wasserspeicher. Zwar kann der Gletscherschwund zunächst sogar mehr Schmelzwasser erzeugen, doch dieser Effekt endet, sobald die Eisreserven stark reduziert sind. Viele Gletscher haben den Punkt der maximalen Schmelzwasserabgabe bereits erreicht oder überschritten. Gleichzeitig beginnt die Schneeschmelze früher im Jahr, sodass weniger Wasser bis in den Spätsommer gespeichert bleibt.

Eine weitere Rolle spielt das Auftauen von Permafrost, wodurch sich die Hydrologie der Alpen verändert. Gefrorener Untergrund beeinflusst seit Jahrtausenden, wie Wasser gespeichert und weitergeleitet wird. Durch den Verlust dieser Struktur können sich Abflusswege verändern, Wasser kann schneller aus Hochgebirgsregionen abgeführt werden und die natürliche Verzögerung des Wassertransports nimmt ab.

Andere Flüsse, die nicht aus den Alpen gespeist werden, reagieren aufgrund des fehlenden Puffers noch empfindlicher auf ausbleibende Niederschläge. Die Elbe, Weser oder Oder erhalten kaum Wasser aus alpinen Regionen und besitzen daher keinen vergleichbaren Gletscherpuffer. Ihre Wasserstände hängen stärker von Niederschlägen ab und können in langen Trockenperioden besonders schnell sinken. Gleichzeitig können sie sich nach Regenereignissen schneller erholen.

Die aktuelle Entwicklung zeigt: Nicht nur die Menge des Wassers verändert sich, sondern auch die jahreszeitliche Verteilung. Mit dem Verlust natürlicher Wasserspeicher werden extreme Niedrigwasserereignisse wahrscheinlicher, aber auch Fluten treten schneller auf – mit Folgen für Schifffahrt, Wirtschaft, Verbraucher und das gesamte Ökosystem.

Deutschland steht vor einer Menge gewaltiger Herausforderungen: Neben maroder Infrastruktur, die über Jahrzehnte kaputtgespart wurde und nun instandgesetzt werden muss, ist es wichtig, sich den schnell ändernden Umständen des Klimawandels anzupassen und neue Infrastruktur zu schaffen, die den neuen Anforderungen gerecht wird.