
Mehrere Erdbeben südwestlich von Grindavik auf Island – Spekulationen um Verlagerung der Aktivität
In den vergangenen Tagen gab es auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel häufiger als üblich Erdbeben an der Küste südwestlich von Grindavik. In der vulkanisch geprägten Netzwelt lässt das Spekulationen über eine mögliche Verlagerung der vulkanischen Aktivität in diese Region aufleben. Sie liegt am Randgebiet der magmatisch bedingten Bodenhebung, dessen Zentrum sich unter Svartsengi befindet und seit Oktober 2023 für die Eruptionen und Intrusionen der Sundhnúkur-Kraterreihe verantwortlich ist.

Der Grund für diese Spekulationen liegt nicht alleine in den Erdbeben, sondern darin, dass die seit Monaten erwartete Eruption bei Sundhnúkur weiter auf sich warten lässt. Es wird vermutet, dass der Untergrund zwischen Svartsengi und der Kraterreihe durch die zahlreichen Magmaintrusionen versiegelt und verhärtet ist, so dass frühere Aufstiegswege des Magmas blockiert sind. Da der Druck im flachen Speicherreservoir unter Svartsengi weiter anwächst, ist es nur logisch, wenn etwaige Schwächezonen entlang von Störungen in andere Richtung nun aktiviert werden. An der Stelle der aktuellen Erdbeben gibt es zwar ein Lavafeld, dieses wurde aber von der Eldvörp-Eruptionsspalte westlich von Svartsengi mit Lava versorgt. Schon früher äußerten sich isländische Vulkanologen dahingehend, dass dieses Spaltensystem als nächstes aktiviert werden könnte, was ins Muster des Westwärtsshifts der Aktivität passen würde.
Wir erinnern uns: Die Eruptionsserie auf Reykjanes begann bereits im März 2021 mit den Vulkanausbrüchen im Fagradalsfjall-Gebiet, das östlich von Svartsengi liegt. Unter diesem Vulkansystem befindet sich wahrscheinlich auch eine große und tiefer liegende Magma-Domäne, von der ausgehend das flacher liegende Reservoir unter Svartsengi und der Blauen Lagune gespeist wird. Theoretisch könnte die Schmelze von hier aus auch nach Osten in das Krysúvik-System migrieren, wofür es auch in den Monaten vor Beginn der Bodenhebung bei Svartsengi Anzeichen gab.
Ob es in dem aktuellen Erdbebengebiet Bodendeformation auftreten ist unklar, denn hier gibt es eine größere Lücke im Messnetz. Die vorhandenen GNSS-Daten zeigten in den vergangenen Tagen bei Svartsengi eine leichte Deflation, doch hierbei könnte es sich um Messfehler handeln.
Tatsächlich rechnen die IMO-Vulkanologen in ihrer Gefahreneinschätzung weiterhin damit, dass es wieder bei Sundhnúkur zu einem Ausbruch kommen wird. Im Prinzip bleibt die Situation dynamisch und wenig vorhersehbar.