Island: Schwarmbeben am Kolbeinsey-Rücken

Erdbebenserie am Kolbeinsey-Rücken erschüttert Nordisland

Nördlich von Island hat sich heute eine Erdbebenserie ereignet, die sich vom weiten Offshorebereich bis zur Tjörnes-Fracture-Zone im Norden von Island erstreckt und mehrere Cluster bildete. Besonders aktiv war der Bereich des Kolbeinsey-Rückens, wo es mehrere Beben im Dreierbereich gab. Die stärksten Erschütterungen erreichten die Magnituden 3,8 und 3,6 und wurden am Morgen registriert. Hinzu kamen mehrere Erschütterungen mit Magnituden zwischen 2 und 3. Die Aktivität erstreckte sich über ein großes Gebiet nördlich von Island und reichte bis in den Bereich von Grímsey und Kópasker.

Shakemap © IMO

Tektonisch liegt die Region an einer besonders interessanten Stelle. Island wird vom Mittelatlantischen Rücken durchquert, an dem sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte voneinander entfernen. Nördlich von Island verläuft der Rücken als Kolbeinsey-Rücken unter dem Meer weiter, wird aber im Allgemeinen als Teil des Mittelatlantischen Rückens betrachtet. Die Plattenbewegung erfolgt nicht gleichmäßig entlang einer geraden Linie. Stattdessen wird die Spreizungszone durch mehrere Transformstörungen und Bruchzonen versetzt.

Die Tjörnes-Fracture-Zone (TFZ) bildet dabei eine komplexe Übergangszone zwischen dem Kolbeinsey-Rücken im Westen und der nordisländischen Riftzone im Osten. Mehrere aktive Störungen nehmen die Bewegungen zwischen den tektonischen Platten auf. Dadurch gehört die Region zu den seismisch aktivsten Gebieten Islands.

Die aktuelle Erdbebenserie ist deshalb als Ausdruck der anhaltenden tektonischen Aktivität im Nordatlantik zu verstehen. Besonders die räumliche Verteilung der heutigen Beben zeigt, dass nicht nur ein einzelner Störungsabschnitt aktiv ist. Vielmehr kommt es entlang verschiedener Strukturen der TFZ zu Spannungsfreisetzungen.

Für Island besitzt die Region große Bedeutung. Die Tjörnes-Fracture-Zone kann auch stärkere Erdbeben hervorbringen und stellt neben den Vulkanzonen im Süden und Südwesten eine der wichtigsten seismischen Gefahrenregionen des Landes dar.

Entlang der Spreizungszone entstehen aber nicht nur Erdbeben, sondern Magma schafft neuen Ozeanboden, indem es entlang des Rifts aufsteigt, und manchmal entstehen bei diesem Prozess sichtbare Vulkanausbrüche.

Die heutige Aktivität liefert allerdings keinen direkten Hinweis auf eine bevorstehende Vulkanausbruchstätigkeit. Sie verdeutlicht vielmehr die permanente tektonische Dynamik, durch die Island überhaupt erst entstanden ist und bis heute weiter auseinandergezogen wird.