Island: Schwarmbeben unter Katla am 26. März

Katla und Myrdalsjökull von Schwarmbeben getroffen – stärkste Magnitude Mb 3,1

In der Nacht zum 26. März manifestierte sich unter dem subglazialen Vulkan Katla ein Erdbebenschwarm. Laut EMSC hatte die stärkste Erschütterung eine Magnitude von 3,1 und eine Herdtiefe von 0 km, womit Meeresspiegelniveau gemeint ist. Das IMO stufte den Erdstoß schwächer ein und zeigt eine Magnitude von 2,7 an. Insgesamt wurden in dem Bereich des Gletschers Myrdalsjökull, unter dem die Katla verborgen liegt, innerhalb von 48 Stunden 28 Erdbeben registriert. Eines dieser Erdbeben ereignete sich unter dem benachbarten Vulkan Hekla.

Katla. © IMO

Erdbebenschwärme dieser moderaten Intensität manifestieren sich unter Katla mehrmals im Jahr und sind kein Grund zur Beunruhigung. Allerdings zeigen sie, dass es sich bei Katla um ein aktives und dynamisches Vulkansystem handelt, in dessen Speicher- und Fördersystem magmatische Fluide zirkulieren. Stärkere Schwarmbeben in geringen Tiefen wurden in der jüngeren Vergangenheit mit kleinen Eruptionen unter dem Gletschereis in Verbindung gebracht, dessen zweifelsfreien Nachweis die Wissenschaft bis heute schuldig bleibt. Stärkste Hinweise hierauf lieferten Gletscherläufe, die nach Schwefelwasserstoff riechendes Schmelzwasser unter dem Gletscher hervorschießen ließen. Doch dieses Schmelzwasser könnte auch „nur“ auf eine gesteigerte hydrothermale Tätigkeit des Vulkans hindeuten.

Dennoch bleibt Katla einer jener genaustens unter Beobachtung stehenden Zentralvulkane Islands, der als ein Kandidat für eine große Eruption innerhalb weniger Jahre gilt. Doch trotz allen wissenschaftlichen Fortschritts ist es bis heute nicht möglich, Eruptionen über längere Zeiträume hinweg vorherzusagen. Bei subglazialen und submarinen Feuerbergen ist das besonders schwierig, da schon die reine Datensammlung besonders aufwendig und damit kostenintensiv ist.

Das Beispiel Svartsengi verdeutlicht diesen Umstand: Obwohl man ein engmaschiges Messnetzwerk betreibt und neueste Techniken zum Einsatz kommen, gibt es im Untergrund eines vulkanisch aktiven Gebiets zu viele unbekannte und unbestimmbare Faktoren, die darüber entscheiden, ob und wann es zu einem Vulkanausbruch kommt, so dass selbst wenn bekannt ist, wie viel Magma sich in welchem Tempo im Speichersystem ansammelt, keine zuverlässige Prognose getroffen werden kann. Wie sich zeigte, geschehen Prognosen eigentlich immer aus einem „Bauchgefühl“ heraus, das gepaart mit wissenschaftlichen Daten zwar oft, aber nicht immer Treffer in Bezug auf die Vorhersage von Vulkanausbrüchen zulässt. In noch komplexeren Systemen ohne regelmäßige Ausbrüche in historischen Zeiten, wie etwa bei den italienischen Campi Flegrei, sind Prognosen noch schwieriger und unzuverlässiger als auf Island.