Starker Erdbebenschwarm vor Kamtschatka erinnert an Vorboten des Mw 8,8-Bebens von 2025
Seit dem Nachmittag des 2. Oktobers hat sich vor der Südostküste Kamtschatkas ein weiterer starker Erdbebenschwarm entwickelt. Den Auftakt bildete ein Beben der Magnitude 5,8, dem innerhalb weniger Stunden zahlreiche weitere Erschütterungen folgten. Darunter waren mehrere Beben der Magnitude 5,0 bis 5,3 sowie zahlreiche Ereignisse im 4er-Magnitudenbereich. Am 3. Oktober setzte sich die Aktivität fort. Die EMSC-Daten zeigen dabei Herdtiefen zwischen etwa 10 und 80 Kilometern.

Das stärkste Beben der Magnitude 5,8 manifestierte sich um 16:34:39 UTC und hatte laut EMSC-Daten ein Hypozentrum in 21 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum befand sich 155 Kilometer südöstlich von Petropawlowsk-Kamtschatski. Bis zum Abend gingen beim EMSC acht Wahrnehmungsmeldungen ein. Die USGS-Daten verorteten das Beben etwas weiter südlich bei 51,69° Nord und 159,74° Ost und ermittelte eine HEdtiefe von 29,5 Kilometer. Die unterschiedlichen Angaben sind für offshore gelegene Beben nicht ungewöhnlich.
Tektonisch befindet sich die Schwarmregion an der Kurilen-Kamtschatka-Subduktionszone. Dort taucht die Pazifische Platte unter die Okhotsk-Platte ab. Die zahlreichen flachen bis mitteltiefen Beben können daher mit Spannungsumlagerungen im Bereich der Plattengrenze und der darüberliegenden Kruste zusammenhängen. Der aktuelle Schwarm erstreckt sich allerdings über ein relativ großes Gebiet, sodass aus den Herdtiefen allein noch kein eindeutiger Bruchmechanismus abgeleitet werden kann.
Besonders interessant ist die räumliche Nähe zum Mw 8,8 vom 29. Juli 2025. Das damalige Megabeben ereignete sich etwa 90 Kilometer nordöstlich des aktuellen Schwarmzentrums. Vor dem Großbeben hatte es ebenfalls eine außergewöhnlich aktive Vorbebensequenz gegeben, die mehrere Wochen anhielt. Zu den direkten Vorläufern zählte am 20. Juli eine Erschütterung Mw 7,4. Untersuchungen zeigten eine Migration der Vorbeben in Richtung des späteren Hauptbruchs; als möglicher Mechanismus wird eine Kombination aus seismischem und aseismischem Gleiten diskutiert.
Eine Wiederholung des Szenarios lässt sich daraus noch nicht ableiten. Der jetzige Schwarm ist bislang deutlich schwächer, und es gibt noch keinen Nachweis einer vergleichbaren gerichteten Migration. Er zeigt aber, dass die Subduktionszone weiterhin stark aktiv ist und weiter unter großen Spannungen steht.
In der Folge des Megabebens vom 29. Juli 2025 (30. Juli UTC-Zeit) erwachte der Vulkan Krasheninnikov nach einem mehr als 500 Jahre währendem Schlaf und ist seitdem aktiv. Der Vulkan leigt etwa 200 km nordöstlich von Petropawlowsk-Kamtschatski.