Karibik: Erdbeben Mw 6,1 nahe Montserrat

Erdbeben Mw 6,1 in Nähe von Montserrat und Soufrière-Hills-Vulkan in der Karibik

Datum: 15.06.2026 | Zeit: 14:50:06 UTC | Koordinaten:  17.257 ; -61.327 | Tiefe: 48 km | Mw 6,1

Heute Nachmittag hat ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,1 die Region um Antigua und Barbuda erschüttert. Das Hypozentrum lag ersten Angaben zufolge in 48 Kilometern Tiefe, das Epizentrum wurde 55 Kilometer nordöstlich von Saint John’s auf Antigua lokalisiert. Das Beben wurde auf mehreren Inseln der Kleinen Antillen in der Karibik deutlich wahrgenommen. Aufgrund der Nähe zu mehreren aktiven Vulkanen, darunter Soufrière Hills auf Montserrat, rückt auch die vulkanische Aktivität in den Fokus. Der Vulkan war bereits in der vergangenen Woche aufgrund eines vulkanotektonischen Erdbebens der Magnitude Mb 3,7 in den Schlagzeilen.

Karibik. © EMSC/Leaflet

Nach Aussagen von Bebenzeugen im EMSC-Netzwerk berichteten Bewohner der karibischen Inselwelt von starkem Rütteln in Häusern, schwankenden Betten und einem dumpfen Grollen. In Antigua und Barbuda wurden viele Menschen im Schlaf von den Erschütterungen überrascht. Auf weiter entfernten Inseln wie Saint Kitts oder Guadeloupe beschrieben Beobachter eher leichte bis moderate Erschütterungen, die meist nur wenige Sekunden anhielten.

Übergeordnet betrachtet wird die Tektonik in diesem Bereich der Karibik von der Lesser-Antilles-Subduktionszone geprägt, in der die Atlantische Platte unter die Karibische Platte abtaucht. In dieser Zone treten regelmäßig mittelstarke bis starke Erdbeben auf, die durch Spannungsfreisetzungen entlang der Subduktionsfront entstehen. Die Herdtiefe von 48 Kilometern deutet auf ein intermediäres Erdbeben innerhalb der abtauchenden Platte hin. Allerdings gibt es östlich von Antigua lokale Störungszonen, die quer zur Subduktionszone verlaufen und an denen sich das Erdbeben ebenfalls ereignet haben könnte.

Erhöhte Seismizität am Soufrière Hills

Der Vulkan Soufrière Hills auf Montserrat liegt etwa 130 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Daher stellt sich die Frage nach möglichen Auswirkungen des Bebens auf die vulkanische Aktivität. Grundsätzlich können starke regionale Erdbeben vulkanische Systeme beeinflussen, etwa durch Veränderungen im Spannungsfeld. Solche Zusammenhänge sind wissenschaftlich jedoch nur schwer eindeutig nachzuweisen.

Der aktuelle Wochenbericht des Montserrat Volcano Observatory zeigt weiterhin eine geringe seismische Aktivität am Soufrière Hills Vulkan. Insgesamt wurden 59 vulkanotektonische Erdbeben registriert, darunter ein spürbares Ereignis sowie ein Schwarm von 38 Beben, der etwa 18 Stunden anhielt. Die Schwefeldioxid-Emission lag bei durchschnittlich 154 Tonnen pro Tag. Damit lagen die Emissionen etwas unter dem Durchschnitt der vergangenen vier Wochen, während die Erdbebenaktivität deutlich erhöht war. Die Gefahrenstufe bleibt auf Level 1, der Zugang zur Sperrzone ist weiterhin untersagt.

Der dort beobachtete Erdbebenschwarm wird als Teil der anhaltenden internen Druck- und Bruchprozesse im Vulkansystem interpretiert. Einen direkten Zusammenhang mit dem heutigen tektonischen Erdbeben gibt es bislang nicht. Dennoch scheint sich am Soufrière Hills in den vergangenen Tagen etwas zu verändern – ein Prozess, der durch die heutigen Erschütterungen möglicherweise zusätzlich beeinflusst werden könnte.