Am Kilauea endete die 45. Ausbruchsepisode nach 8,5 Stunden – bis zu 300 m hohe Lavafontäne gefördert
Die 45. Lavafontänen-Episode am Kilauea endete am 23. April 2026 abrupt um 10:01 Uhr HST. Damit pausiert der Vulkanausbruch in der Gipfelcaldera, der am 23. Dezember 2024 begann, erneut. Nach rund 8,5 Stunden intensiver Aktivität kam der Lavaausstoß ebenso plötzlich zum Erliegen, wie er begonnen hatte. Zur Hochphase der Eruption wurde eine bis zu 300 m hohe Lavafontäne gefördert. Lavaströme überfluteten Teile des Halemaʻumaʻu-Kraters, der sich nach seinem großen Kollaps 2018 immer weiter auffüllt.
Die Episode setzte um 1:34 Uhr HST ein, nachdem bereits seit dem 20. April vereinzelte Vorläufereruptionen registriert worden waren. Zunächst zeigte sich Aktivität am südlichen Förderschlot, die von meterhohen Fontänen geprägt war. Innerhalb kurzer Zeit verlagerte sich das Geschehen vollständig auf den nördlichen Krater, wo die Lavafontänen rasch an Intensität gewannen. Ein deutlicher Anstieg des seismischen Tremors sowie eine messbare Deflation des Vulkangebäudes signalisierten den Übergang in die Hauptphase der Eruption.
Gegen 3:00 Uhr erreichte die Aktivität ihren Höhepunkt: Lava schoss mit einer Förderrate von über 300 Kubikmetern pro Sekunde in die Höhe. Die Fontänen erreichten dabei Höhen von mindestens 220 Metern, während Ausläufer sogar über 300 Meter hinausreichten. Insgesamt wurden während Episode 45 rund 5,2 Millionen Kubikmeter Lava gefördert, die etwa die Hälfte des Kraterbodens vom Halemaʻumaʻu überfluteten.
Im weiteren Eruptionsverlauf ließ die Intensität des Ausbruchs allmählich nach. Die Fontänenhöhe sank kontinuierlich und lag kurz vor dem Ende der Episode nur noch bei etwa 100 Metern. Parallel dazu nahm auch die Höhe der Eruptionswolke ab, die zuvor bis auf etwa 6.000 Meter über dem Meeresspiegel angestiegen war und mit einiger Verzögerung eine VONA-Warnung beim VAAC Washington auslöste
Die vorherrschenden Winde aus nördlichen Richtungen transportierten Asche und vulkanisches Material vor allem nach Süden und Südwesten. Während im Hawaii-Volcanoes-Nationalpark selbst keine nennenswerten Tephra-Ablagerungen gemeldet wurden, berichtete die rund 32 Kilometer entfernte Ortschaft Pāhala von leichtem Aschefall und dem Auftreten von Lavafäden, den sogenannten Pele-Haaren.
Bemerkenswert war die vergleichsweise geringe seismische Aktivität während der gesamten Episode. Anders als beim Ende der vorherigen Episode 44 blieb eine stärkere Erdbebenserie aus. Der Tremor schwankte zwar im Rhythmus der Fontänenaktivität, bewegte sich jedoch insgesamt im erwartbaren Bereich.
Nach dem Ende der Eruption senkte das HVO die Warnstufe für den Vulkan sowie den Farbcode für den Luftverkehr. Auch eine zuvor ausgegebene Aschewarnung wurde aufgehoben.
Das Pausenintervall verkürzte sich gegenüber den letzten Eruptionen deutlich. Das macht Kalkulationen für den Beginn der 46. Episode schwierig. Vulkanspotter, die nach Hawaii reisen, sollten ein entsprechend großes Zeitfenster einplanen.
Erdbeben unter Mauna Loa
Kilauea ist nicht der einzige aktive Vulkan auf Big Island: Größer, aber seltener in Eruption begriffen ist der Mauna Loa, der gewaltigste Schildvulkan der Erde. Unter ihm wurden in den letzten Tagen vermehrt Erdbeben registriert. Gestern eins mit Mb 2,1 in nur 360 m Tiefe. Auch das tiefe Schwarmbeben bei Pahala intensivierte sich wieder. Dort steigt Magma auf, das sowohl die Reservoirs unter Mauna Loa als auch Kilauea mit Schmelze versorgt.
