Weitere Deflationsphase verzögert erwartete Lavafontänenepisode 51 des anhaltenden Vulkanausbruchs
Eigentlich wurde am Wochenende die 51. Lavafontänen-Episode am Kilauea auf Hawaii erwartet. Doch aufgrund einer erneut einsetzenden Deflation kam es zunächst nicht dazu, obwohl der Anstieg der Bodenhebung bis zum Einsetzen der Deflation hoch genug war, um eine weitere Eruptionsphase zu starten. Das Prognosefenster für die Eruption wurde daher erneut verschoben.
Nach Ansicht der HVO-Vulkanologen befindet sich der Kilauea weiterhin in einer ungewöhnlichen Phase, die durch einen Wechsel zwischen mehrstündigen Lavafontänen-Episoden und mehrtägigen Ruhepausen gekennzeichnet ist. Nach dem Ende der 50. Eruptionsepisode im Halemaʻumaʻu-Krater warten Vulkanfans und das Hawaiian Volcano Observatory (HVO) nun auf den Beginn von Episode 51.

Ursprünglich hatten die Deformationsdaten auf eine neue Lavafontänen-Phase im Zeitraum vom 12. bis 14. Juli hingedeutet. Nachdem am 11. Juli erste Vorläuferaktivität mit nahezu kontinuierlichem Lavaspattering aus der Nordöffnung beobachtet worden war, setzte unerwartet eine weitere Deflation ein. Die Aktivität an den Schloten nahm daraufhin ab, und die Prognose wurde zunächst auf den Zeitraum vom 13. bis 15. Juli verschoben. Nach aktuellen Angaben des HVO ist ein Beginn von Episode 51 nun frühestens am späten Montag, dem 13. Juli Hawaiizeit, wahrscheinlich.
Die Ursache für die Verzögerung liegt in der anhaltenden Entleerung des flach gelegenen Magmareservoirs unter dem Gipfel. Am UWD-Neigungsmesser wurde seit Beginn der aktuellen Deflationsphase am Samstag eine Absenkung von insgesamt etwa 1,5 Mikroradiant gemessen. Die Erholung der Bodenhebung, die nach Episode 50 eingesetzt hatte, verlangsamte sich dadurch zum dritten Mal. Seit dem Beginn des Wiederaufladens des flachen Magmenkörpers direkt nach Episode 50 waren bereits zwei weitere Deflationsphasen aufgetreten. Während der 50. Episode zeigte der Gipfelbereich insgesamt 15,3 Mikroradiant an Inflation und anschließender Entspannung infolge des Lavaausstoßes.
Trotz der Deflation deuten Beobachtungen darauf hin, dass Magma weiterhin sehr oberflächennah im Fördersystem steht. In der Nacht zum 12. Juli war eine starke Rotglut am Nordschlot sichtbar, während der Südschlot wechselnde thermische Aktivität zeigte. Gleichzeitig stabilisierte sich das vulkanische Tremor-Signal und wurde wieder kontinuierlich registriert, was auf anhaltende Magmabewegungen im Untergrund hindeutet.
Auffällig ist die hohe Seismizität im Bereich der Küstenebene und des Offshoregebiets vor der Küste bei Pahala. Während des episodischen Vulkanausbruchs, der bereits am 23. Dezember 2024 begann, war die Seismizität dort über weite Strecken niedriger. Es ist durchaus möglich, dass die Beben im tieferen Bereich des Magmenspeichersystems auf Prozesse hindeuten, die auch das flach liegende Speicherreservoir und den Magmaaufstieg insgesamt beeinflussen.
Es stellt sich die Frage, wohin das Magma während der Deflationsphasen abfließt. Sinkt der Pegel im Fördersystem lediglich ab, oder wandert Magma tatsächlich in die Ostriftzone, wie es in der Vergangenheit bereits beobachtet wurde? Die nächsten Tage und Wochen könnten hierzu weitere Hinweise liefern. Bis jetzt meldet das HVO keine ungewöhnlichen Vorkommnisse entlang der beiden Riftzonen des Vulkans.
