Inflation am Kilauea fluktuiert stark – Prognosefenster für Lavafontänen-Episode nach hinten verschoben
Im Halemaʻumaʻu-Krater des Vulkans Kilauea herrscht derzeit gespannte Ruhe. Der Gipfelausbruch des Vulkans auf Hawaii befindet sich zwar in einer Pause, doch die Anzeichen sprechen dafür, dass sich die nächste Episode mit spektakulären Lavafontänen zusammenbraut. Nach aktuellen Prognosen des Hawaiian Volcano Observatory (HVO) wird die 51. Fontänenphase voraussichtlich zwischen dem 11. und 15. Juli einsetzen. Dieses Prognosefenster weicht deutlich von der ursprünglichen Vorhersage ab, die den Beginn zwischen dem 6. und 12. Juli erwartete. Grund hierfür sind starke Fluktuationen der Inflation infolge des Magmenzustroms in das flache Speicherreservoir unter dem Kilauea-Gipfel.
Bei den meisten der vorangegangenen 50 Fontänenepisoden verliefen Magmaaufstieg und -akkumulation vergleichsweise gleichmäßig, sodass einigermaßen zuverlässige Prognosen zum Zeitpunkt der nächsten Episode möglich waren. Seit dem 5. Juli kam es jedoch zu zwei Phasen einer deutlichen Abschwächung des Magmenaufstiegs, was sich auch im Verlauf der Inflationskurve widerspiegelt. Die Abschwächung war zeitweise so ausgeprägt, dass sogar Deflation einsetzte, also ein Absinken des Bodens, weil Magma offenbar unterirdisch abfloss.
Möglich ist, dass der Druck des aufsteigenden Magmas zeitweise nachließ und die Schmelze deshalb wieder in größere Tiefen zurücksackte. Ebenso könnte Magma in die Ostriftzone abgedrängt worden sein – ähnlich wie während der langjährigen Aktivität am Puʻu ʻŌʻō-Krater. Als sich im Halemaʻumaʻu-Krater noch ein Lavasee befand, führten die sogenannten Deflations-/Inflations-Phasen (DI-Events) zu Pegelschwankungen des Lavasees um mehrere Meter. Derzeit zeigen jedoch weder die Ost- noch die Westriftzone Anzeichen erhöhter Unruhe. Daher gilt eine weitere Fontänenepisode weiterhin als wahrscheinlich. Schwacher vulkanischer Tremor hält an, während die Erdbebenaktivität unter der Caldera Kaluapele gering bleibt. Die Schwefeldioxid-Emissionen werden auf 1.000 bis 5.000 Tonnen pro Tag geschätzt.
In der Nacht zeigten die Webcams an beiden Förderschloten ein wechselnd starkes Glühen. Während der südliche Schlot durchgehend Aktivität erkennen ließ, kehrte die Leuchtkraft am nördlichen Schlot erst in den frühen Morgenstunden zurück. Bei einem Überflug entdeckten Wissenschaftler tief im südlichen Schlot eine glühende Lavaoberfläche; im nördlichen Schlot war hingegen keine offene Lava zu erkennen. Lavaüberläufe als Vorzeichen unmittelbar bevorstehenden Lavafontänenepisode blieben bis jetzt aus.
Die bislang jüngste Fontänenphase, Episode 50, endete am 27. Juni nach sieben Stunden abrupt. Der Aschen- und Tephraniederschlag beschränkte sich weitgehend auf gesperrte Bereiche des Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalparks. Aus dem Ort Pāhala wurde lediglich leichter Niederschlag feiner vulkanischer Glasfasern gemeldet, die als „Peles Haar“ bekannt sind. Seit Dezember 2024 wechseln sich am Kilauea kurze, intensive Ausbrüche und teils mehrwöchige Ruhephasen ab – ein Rhythmus, der Vulkanologen weiterhin in Atem hält.

