Flache Erdbeben unter Halemaʻumaʻu-Krater – 45. Ausbruchsepisode am Kilauea erwartet
Der Kilauea auf Hawaii steht relativ kurz vor der 45. Lavafontänen-Episode, die innerhalb der nächsten 4 Tage erwartet wird. Gestern begannen bereits erste Lavaüberläufe aus einem der beiden Förderschlote im Südwesten des Halemaʻumaʻu-Kraters. Der Alarmstatus des Vulkans wurde von „Advisory“ auf „Watch“ erhöht. Der Farbcode für den Flugverkehr wurde auf „Orange“ gesetzt. Heute veröffentlichte das USGS zudem eine Meldung über erhöhte Erdbebentätigkeit.
Die erhöhte seismische Aktivität geht mit einer beschleunigten Bodenhebung im südlichen Bereich der Gipfelcaldera des Kilauea einher. Der Schwerpunkt des Geschehens liegt unterhalb des Kraters Halemaʻumaʻu. In den vergangenen Monaten traten dort wiederholt flache Erdbeben auf, zuletzt etwa zehn schwache Ereignisse innerhalb eines Tages in 1–2 km Tiefe. Die meisten dieser Beben sind nicht spürbar, zeigen aber, dass sich weiterhin Magma unter dem Vulkan akkumuliert. Auch tiefere Beben unter dem Gipfel bleiben typisch für die aktuelle Eruptionsphase.
Messungen zeigen zudem eine leichte Anhebung des südlichen Kraterrandes um einige Zentimeter, deren Ursache noch unklar ist. Vergleichbare Muster gingen in der Vergangenheit mit der Öffnung neuer Spalten und kurzfristigen Ausbrüchen einher. Die nächste Aktivitätsphase wird zwischen dem 21. und 26. April 2026 erwartet und könnte sich schnell entwickeln, so dass wenig Vorwarnzeit bleibt.
Die Bodenhebung hat inzwischen wieder das Niveau wie vor der Episode 44 erreicht, dennoch könnten noch einige Tage vergehen, bis es zu einem Ausbruch kommt. Normalerweise steigern sich die Lavaüberläufe aus den Förderschloten signifikant, bevor die Lavafontänen-Episode durchstartet.
Das Gebiet bleibt äußerst gefährlich: Instabile Kraterwände, Risse und Steinschläge können durch Erdbeben verstärkt werden. Frühere Ereignisse zeigten zudem Risiken durch heiße Tephra. Besucher im Hawaii-Volcanoes-Nationalpark sollten Sperrzonen strikt meiden und sich bei Erschütterungen sofort vom Kraterrand entfernen, da sich die Lage schnell verschärfen kann.
Am Kilauea gibt es nicht nur Erdbeben unter dem Gipfel, sondern auch wieder eine Häufung von Beben unter der Küstenebene bei Pāhala. Diese Beben weisen oft Magnituden im Zweierbereich auf und liegen in Tiefen um 30 Kilometer – eine typische Tiefe für Beben infolge von Magmaaufstieg im Bereich der oberen Asthenosphäre.
