Starkregen verursacht auf Kreta katastrophale Überschwemmungen und Erdrutsche
Schwere Gewitter und Starkregen haben auf der griechischen Ferieninsel Kreta seit Mittwochabend für starke Schäden und Verkehrsbehinderungen gesorgt. Besonders betroffen ist das Bergland von Mylopotamos im Norden der Insel. In den Orten Zoniana, Livadia und Axos verwandelten sich Straßen zeitweise in reißende Bäche. Wasser, Schlamm und Geröll drangen in Häuser ein und verschütteten Zufahrten. Einsatzkräfte sind mit schwerem Gerät unterwegs, um Straßen freizuräumen und die Erreichbarkeit der Ortschaften wiederherzustellen.

In Livadia wurde eine Brücke im Bereich des Klosters Dioskouri durch die Wassermassen beschädigt. Ein Fahrzeug stürzte in das Flussbett, wobei zwei Menschen verletzt wurden. Auch die Verbindung zwischen Axos und Anogia wurde unterbrochen. Gleichzeitig kam es in mehreren Orten zu Stromausfällen. In Zoniana rissen die Wassermassen mehrere Strommasten um.
Besonders große Regenmengen wurden auf dem Lasithi-Plateau registriert. In Tzermiado fielen bis Donnerstagmorgen 174 Millimeter Niederschlag. Erdrutsche und Felsstürze behinderten den Verkehr. Auch in der Umgebung der Inselhauptstadt Heraklion kam es zu Überschwemmungen. In Palaikastro bei Sitia standen mehrere Fahrzeuge unter Wasser.
Die ablaufenden Wassermassen strebten Richtung Meer und setzten auch Küstenorte unter Wasser. Dabei wurden Fahrzeuge bis ins Meer mitgerissen. Hinzu kam eine starke Brandung, die entlang von Küstenpromenaden Schäden verursachte.
Die Behörden haben angesichts der anhaltenden Unwetter Schutzmaßnahmen eingeleitet. Für besonders gefährdete Bergregionen mit beliebten Wanderwegen und Schluchten gilt bis einschließlich Sonntag ein Verkehrs- und Aufenthaltsverbot, von dem viele Urlauber betroffen sein dürften. Der Zivilschutz warnte per 112 (Cell Broadcast, SMS und eMail) vor Fahrten in den betroffenen Gebieten. Es werden weiterer Gewitter und Starkregen erwartet.
Unwetter in anderen Mittelmeerregionen
Die Unwetter sind Teil einer großräumigen Starkregenlage im Mittelmeerraum. In Südfrankreich sorgte der erste markante Mittelmeer-Starkregen der Saison für extreme Niederschlagsmengen von bis zu 337,6 Millimetern in Saint-Hippolyte-du-Fort; Gard und Hérault waren zeitweise unter roter Warnstufe. Auch im Osten Spaniens verschärfte sich die Lage: Für Valencia, Castellón und Tarragona galt wegen drohender torrentialer Regenfälle die höchste Warnstufe. Regional wurden mehr als 150 Millimeter in sechs Stunden erwartet, während der Bahnverkehr in Valencia teilweise eingestellt wurde.
Obwohl die Unwetter im Mittelmeerraum verheerend verliefen und lokale Naturkatastrophen verursachten, fehlen einige Merkmale zu einem Medicane. Dennoch beschreibt der DWD die Wetterlage als erste großräumige Unwetterlage des Herbstes, die mehrere Mittelmeerbecken betrifft.