Laguna de Ayarza: Massiver Gasausstoß aus dem Vulkansee

Ungewöhnlicher Gasausstoß in der Laguna de Ayarza – Spekulationen über hydrothermale Aktivität

Ungewöhnliche Vorgänge in der Laguna de Ayarza in Guatemala geben derzeit Rätsel auf und beunruhigen Anwohner. Ende September begannen an mindestens drei Stellen des vulkanisch geprägten Sees Gasblasen aufzusteigen, die das Wasser turbulent aufwühlen und Schaum und Schlieren auf der Oberfläche verursachen. Videoaufnahmen zeigen zudem einen Dampf- beziehungsweise Nebeleffekt über den Blasen. Anwohner beschrieben das Erscheinungsbild als kochendes Wasser und vermuteten vulkanische Aktivität hinter dem Phänomen. Eine Untersuchung von INSIVUMEH, CONRED und MARN am 1. Oktober ergab allerdings keinen Hinweis darauf, dass der See tatsächlich kocht.


Laguna de Ayarza. © EMSC/Leaflet

Die Ursache für die Bildung der Gasblasen ist bislang ungeklärt, dennoch gibt es mehrere Erklärungsansätze. Die für die Beobachtung der guatemaltekischen Vulkane zuständige Behörde INSIVUMEH hält es für möglich, dass die jüngsten Erdbeben, die sich in den letzten Stunden in der Region manifestierten, Gase aus den Seesedimenten freigesetzt haben. Tatsächlich wurden innerhalb von 24 Stunden 32 Erdbeben registriert, darunter zwei von Magnituden 4,1 und 3,0. Nach Angaben des Instituts könnten Erschütterungen im Sediment eingeschlossene Gase mobilisieren.

Diese Erklärung wirft allerdings Fragen auf. Untersuchungen der Seesedimente zeigten bereits in den 1980er-Jahren ein anoxisches Milieu mit reichlich biogenem Gas. Außerdem fanden die Wissenschaftler Hinweise auf magnesiumreiche hydrothermale Aktivität. Ein einfacher Austritt von Sauerstoff erklärt die geologischen Befunde daher nicht vollständig. MARN hatte zuvor von austretendem CO₂ und Schwefelverbindungen vulkanischen Ursprungs gesprochen, die durch Risse im Calderaboden aufsteigen könnten. In diesem Fall könnten auch die Erdbeben südlich der Lagune vulkanisch bedingt gewesen sein.

Gasblasen

Ayarza ist ein spannender, aber bei uns kaum bekannter Doppelcalderavulkan. Sie misst 5 × 7 Kilometer und hat die Form einer Acht. Sie besteht aus einem älteren östlichen und einem größeren westlichen Becken. Die Calderen entstanden bei zwei großen rhyolithischen Eruptionen. Die ältere ereignete sich vor ca. 27.000 Jahren, die jüngere vor etwa 23.100 Jahren. Bei der jüngeren Eruption der westlichen Caldera wurden mindestens zwei Kubikkilometer Material in Form von pyroklastischen Ablagerungen ausgestoßen.

Diese Eruption vor 23.100 Jahren gilt als letzte bekannte vulkanische Aktivität des Systems. Hinweise auf spätere Eruptionen wurden weder in den Sedimenten noch bei der Untersuchung des Seebodens gefunden.

Damit bleibt offen, ob die aktuellen Blasen lediglich durch Erdbeben mobilisiertes Sedimentgas darstellen oder ob auch hydrothermale Prozesse beteiligt sind. Erst Messungen der Gaszusammensetzung und der Wassertemperatur an den aktiven Austrittsstellen könnten zwischen diesen Möglichkeiten unterscheiden.