Erdbeben Mb 3,7 bei den Liparischen Inseln – schwächere Erschütterung nördlich von Stromboli
Seit einigen Wochen ist die Seismizität im Gebiet der vulkanisch geprägten Liparischen Inseln erhöht. So kam es in den letzten 24 Stunden zu mehreren Erdbeben, von denen sich das stärkste gestern Abend um 18:25:37 UTC manifestierte und eine Magnitude von 3,7 hatte. Die Herdtiefe wird beim ESC mit 21 Kilometern angegeben. Das Epizentrum befand sich südlich der Insel Filicudi. Eine halbe Stunde später folgte in 9 km Tiefe ein zweiter Erdstoß der Magnitude Mb 2,9, dessen Epizentrum südlich des ersten Bebens ausgemacht wurde. Von besonderem Interesse ist ein Beben der Magnitude Mb 2,4, das sich um 22:08 Uhr in 17 Kilometern Tiefe nördlich von Stromboli ereignete. Die Tiefenangaben sind aufgerundet.

Die mitteltiefen Erschütterungen im Tyrrhenischen Meer sind für gewöhnlich tektonischen Ursprungs und stehen mit den plattentektonischen Prozessen in dieser tektonisch komplexen Region des Mittelmeeres in Verbindung, die übergeordnet von der Kollision Afrikas mit Europa geprägt wird. Es kommt zur Subduktion der Ionischen Platte, die Afrika vorgelagert ist und von diesem Kontinent unter Europa gedrückt wird. Dadurch entsteht ein Rückrolleffekt sowie eine Ausdünnung des tyrrhenischen Beckens, was für Spannungen in der Erdkruste sorgt und Erdbeben erzeugt. Die gleichen Prozesse sind auch für den Vulkanismus der Liparischen Inseln verantwortlich.
Obwohl es wissenschaftlich nicht bewiesen ist, zeigen meine Beobachtungen der letzten 30 Jahre, dass besonders Erdbeben im Bereich von Stromboli oft einer Phase erhöhter Aktivität des Vulkans vorausgehen. Hier reicht bereits eine leichte Häufung seismischer Ereignisse aus, um auf eine baldige Reaktion des Vulkans schließen zu können.
Die jüngsten geophysikalischen und geochemischen Daten des Wochenbulletins für den Beobachtungszeitraum vom 02.–08. März attestierten dem Vulkan eine normale strombolianische Tätigkeit, wobei die Explosionshäufigkeit schwankte und an einigen Tagen hohe Werte annahm. Eine steigende Tendenz spezieller chemischer Komponenten im Gasausstoß deutet darauf hin, dass sich frisches Magma auf dem Weg in das obere Fördersystem befindet. In der zweiten Februarhälfte gab es bereits mehrere Lavaüberläufe, die ebenfalls eine Drucksteigerung im System signalisierten. Ob letztendlich ein größerer Ausbruch resultieren wird, ist indes ungewiss; die Wahrscheinlichkeit weiterer Lavaüberläufe ist jedoch relativ hoch.