Marapi auf Sumatra stößt Vulkanasche aus – nicht-harmonischen Tremor detektiert
Eine aktuelle VONA-Meldung (Volcano Observatory Notice for Aviation) des VAAC Darwin berichtet von einem Ausbruch des Mount Marapi, der sich am 16. April 2026 um 01:43 UTC (08:43 Uhr Ortszeit) manifestierte. Dabei wurde Vulkanasche bis in eine Höhe von etwa 4,5 Kilometern (Flight-Level 150) ausgestoßen. Die Aschewolke bewegte sich anschließend mit einer Geschwindigkeit von 9 km/h in nordöstlicher Richtung. Zum Zeitpunkt der Meldung hielt die Aktivität noch an, was insbesondere für den Luftverkehr in der Region relevant ist.
Bereits am Vortag hatte der Marapi Anzeichen erhöhter Aktivität gezeigt. Visuelle Beobachtungen dokumentierten eine anhaltende Gas- und Dampffreisetzung aus dem Hauptkrater, mit weißen bis grauen Emissionen in Höhen von etwa 100 bis 300 Metern über dem Gipfel. Gleichzeitig registrierten die Messinstrumente eine erhöhte seismische Aktivität. Dazu gehörten elf Ausgasungsereignisse, 23 nicht-harmonische Tremore sowie 3 flache vulkanotektonische Beben. Diese Kombination deutet auf ein instabiles System hin, in dem sich Druck im Inneren des Vulkans aufbaut.
Besonders aufschlussreich sind die aufgezeichneten Tremore. Vulkanischer Tremor beschreibt ein anhaltendes seismisches Signal, das durch Bewegungen von Magma und Gas im Untergrund entsteht. Dabei wird zwischen harmonischem und nicht-harmonischem Tremor unterschieden. Harmonischer Tremor weist ein gleichmäßiges, rhythmisches Muster auf und wird meist mit einem kontinuierlichen Magmafluss in Verbindung gebracht. Er gilt oft als Hinweis auf eine stabile Förderbewegung.
Nicht-harmonischer Tremor hingegen ist unregelmäßig und chaotisch. Er entsteht typischerweise durch turbulente Prozesse im Fördersystem, etwa wenn Gasblasen im Magma aufsteigen, platzen oder durch Engstellen gepresst werden. Auch wechselnde Druckverhältnisse und kurzfristige Blockaden im Schlot können solche Signale erzeugen. Diese Form des Tremors weist daher eher auf eine instabile Situation hin, in der sich Gas und Magma ungleichmäßig bewegen, als auf einen gleichmäßigen Fluss aufsteigenden Magmas.
Die am 15. April beobachteten nicht-harmonischen Tremore sprechen dafür, dass im Inneren des Marapi vor dem Ausbruch vor allem gasreiche Prozesse dominierten. In Kombination mit der sichtbaren Entgasung und den Ausgasungsbeben ergibt sich das Bild eines zunehmend „aufgeladenen“ Systems. Der Ausbruch am folgenden Tag kann somit als Folge dieser Druckentwicklung interpretiert werden, wobei es sich um eine phreatomagmatische Eruption gehandelt haben könnte.
Der 2885 m hohe Marapi ist ein komplexer Stratovulkan im Westen Sumatras und erzeugt seit Monaten sporadische Eruptionen in Abstand von einigen Tagen. Anzeichen für eine dramatische Erhöhung der Aktivität gibt es trotz des Tremors nicht, eine leichte Erhöhung der Aktivität ist durchaus möglich.
