Matterhorn: Felssturz beingt Einstellung von Bergtouren

Felssturz am Matterhorn: Abbruch an der Südflanke verdeutlicht die zunehmende Instabilität der Alpen

Ein Felssturz am Matterhorn, einem der bekanntesten Berge der Alpen, sorgt derzeit für Aufregung. An der Südseite löste sich ein größeres Gesteinspaket von der steilen, pyramidenförmigen Flanke und stürzte in Richtung des Aostatals. Nach derzeitiger Einschätzung handelt es sich nicht um einen großflächigen Kollaps des Berges, sondern um einen lokalen Felssturz innerhalb der extrem steilen Gipfelregion. Als Reaktion auf das Naturereignis stellten die Bergführer ihre Touren auf den Berg ein.

Felssturz

Geologisch gehört das Matterhorn zu den markantesten Erhebungen der Alpen und besteht überwiegend aus stark verformtem Kristallingestein. Seine charakteristische Pyramidenform entstand durch die intensive Erosion während und nach der Alpenhebung. Die steilen Wände sind durch zahlreiche Klüfte und tektonische Bruchflächen geprägt, die den Berg anfällig für Felsausbrüche machen.

Eine wichtige Rolle spielt der Rückgang des alpinen Permafrosts, der infolge des anthropogenen Klimawandels immer schneller taut und hier bereits öfters thematisiert wurde. In den hochgelegenen Bereichen des Matterhorns stabilisiert gefrorenes Wasser in Felsspalten das Gestein wie ein natürlicher Kitt. Durch die steigenden Temperaturen in den Alpen taut dieser Kitt zunehmend auf. Wasser kann tiefer in Klüfte eindringen, gefriert erneut und verstärkt durch Frostsprengung die Auflockerung des Gesteins. Besonders nach längeren Wärmeperioden oder starken Niederschlägen steigt das Risiko spontaner Felsstürze.

Der Abbruch am Matterhorn steht damit im Kontext einer zunehmenden Gefährdung durch Felsstürze in den Hochgebirgslandschaften. In den vergangenen Jahren wurden in den Alpen zahlreiche größere Felsstürze registriert, darunter am Piz Cengalo in der Schweiz und an der Marmolata in den Dolomiten. Solche Ereignisse sind Teil eines natürlichen Gebirgsprozesses, werden durch den Klimawandel aber in vielen Regionen verstärkt.