Zahlreiche Lavaabgänge und anhaltende Magmazufuhr am Merapi – Vulkanfotograf liefert spektakuläre Bilder
Während der indonesische Vulkan Merapi seine effusive Eruptionsphase mit anhaltenden Lavaabgängen und einzelnen pyroklastischen Strömen fortsetzt, bestieg Vulkanfotograf André Müller den Vulkan auf Zentraljava und versorgte uns erneut mit exklusiven Aufnahmen des Geschehens. Besonders spektakulär sind die Drohnenbilder der beiden Lavadome im Gipfelkrater des Feuerbergs, der auch gestern wieder einen kleinen pyroklastischen Strom erzeugte.
Der Merapi, einer der aktivsten Vulkane Indonesiens, liegt an der Grenze zwischen der Sonderregion Yogyakarta und der Provinz Zentraljava. Sein Gipfel erreicht eine Höhe von 2.968 Metern. Laut dem aktuellen PVMBG-Bericht zeigte sich der Vulkan am 22. Juli zeitweise wolkenfrei, bevor Wolken und Dunst die Sicht einschränkten. Aus dem Hauptkrater stieg eine weiße Dampfwolke auf, die eine Höhe von etwa 50 Metern über dem Gipfel erreichte.
Besonders auffällig waren die zahlreichen, gravitativ bedingten Schutt- und Lavaabgänge aus dem südwestlichen Lavadom. Am Berichtstag wurden insgesamt 14 Lavaabgänge beobachtet, die sich in Richtung des Oberlaufs des Kali Sat/Putih bewegten und eine maximale Strecke von 2 Kilometern zurücklegten. Zudem registrierten die Beobachter einen pyroklastischen Dichtestrom, der sich aus einem größeren Kollaps des Lavadoms entwickelte.
Unter diesen Bedingungen bestieg Vulkanfotograf André Müller den Gipfelbereich des Merapi und ließ seine Drohne weit über den Krater aufsteigen, sodass beide Lavadome eindrucksvoll in Erscheinung traten – ein Perspektive, die nur wenigen Drohnenpiloten am Merapi gelingt. Besonders gut erkennbar war der zentrale, derzeit weniger aktive Lavadom, während auch der aktivere Dom am Südwestrand deutlich zu sehen ist.
Die PVMBG-Analyse der vergangenen Woche zeigt leichte morphologische Veränderungen am südwestlichen Lavadom, die auf die anhaltende Lavaextrusion und die fortgesetzten Kollapsprozesse zurückzuführen sind. Der zentrale Lavadom blieb hingegen weitgehend unverändert. Ende Juni wurde das Volumen des südwestlichen Lavadoms auf rund 4,01 Millionen Kubikmeter geschätzt, während der zentrale Lavadom etwa 2,37 Millionen Kubikmeter umfasst.
Die Wochenbilanz verdeutlicht die weiterhin hohe Aktivität des Vulkans: Insgesamt wurden zwei pyroklastische Dichteströme registriert. Darüber hinaus beobachteten die Vulkanologen 9 Lavaabgänge in Richtung Boyong mit einer maximalen Reichweite von 2 Kilometern, 57 in Richtung des Oberlaufs des Krasak, 13 in Richtung Bebeng sowie 72 in Richtung Sat/Putih. Dort erreichten einzelne Lavaabgänge eine Länge von bis zu 2,5 Kilometern.
Auch die seismischen Messdaten sprechen für eine anhaltende Magmazufuhr. Das Überwachungsnetz registrierte innerhalb einer Woche 790 Kollaps- und Steinschlagbeben, 639 Mehrphasenbeben, 4 vulkanotektonische Erdbeben, 2 pyroklastische Strombeben, 1 Niederfrequenzbeben, 1 Tremorbeben sowie 8 tektonische Erdbeben. Insgesamt lag die seismische Aktivität damit über dem Niveau der Vorwoche.
Die Behörden warnen weiterhin vor pyroklastischen Dichteströmen, Schuttlawinen und Laharen. Besonders gefährdet sind die Täler von Boyong, Bedog, Krasak und Bebeng im Südwesten sowie Woro und Gendol im Südosten. Besucher und Anwohner werden eindringlich aufgefordert, die Sperrzonen einzuhalten.

