Merapi weiterhin hoch aktiv – zahlreiche Abgänge von Lavablocklawinen registriert
Der indonesische Vulkan Merapi auf der Insel Java ist weiterhin hoch aktiv. Die Regenzeit in Indonesien nähert sich ihrem Ende, und das Wetter bessert sich entsprechend. Dadurch eröffnen sich häufiger wolkenfreie Blicke auf den Lavadom und die Vorgänge am Vulkan. Kurz nach Mitternacht gelang es indonesischen Vulkanbeobachtern mithilfe der Telkomsel-Livecam, beeindruckende Aufnahmen aus dem Gipfelbereich zu machen – genau in dem Moment, als sich eine Lava- bzw. Schuttlawine vom Dom löste und talwärts rollte. Dabei legte sie eine Strecke von gut 2.000 Metern zurück.
Innerhalb der letzten 24 Stunden wurde dieses Phänomen 147-mal registriert – ein Wert im oberen Bereich, der darauf hindeutet, dass vergleichsweise viel Magma am Dom austritt. Da der Dom von innen heraus wächst, zeigt sich an seiner Oberfläche meist nur Rotglut, sofern es – wie im dokumentierten Fall – zu einem Abbruch von Lavapaketen kommt. Gravitative Effekte und in der Lava enthaltene Gase fragmentieren das Material, sodass es in einzelne Blöcke zerfällt. Brechen besonders große, gasreiche Lavapakete ab, können pyroklastische Ströme entstehen, wie sie in der vergangenen Woche mehrfach beobachtet wurden. In solchen Phasen kann es trotz hoher effusiver Förderrate zu einem Schrumpfen des Doms kommen, wie Messungen aus der ersten Aprilwoche bestätigen.
Auf dem Seismogramm erzeugten die Abgänge gestern 147 Lawinenbeben mit Amplituden von 2 bis 36 mm und einer Dauer von 48,96 bis 211,69 Sekunden. Außerdem registrierten die Messgeräte 84 Hybridbeben mit Amplituden von 2 bis 38 mm, die bis zu 52,38 Sekunden anhielten. Zwölf flache vulkanotektonische Erdbeben deuten auf anhaltenden Magmaaufstieg hin.
Die Behörden PVMBG und VSI halten die Alarmstufe „3“ aufrecht und warnen vor verschiedenen vulkanischen Gefahren. Besonders hervorgehoben werden die beschriebenen Lavalawinen und pyroklastischen Ströme. Auch die Gefahr von Laharen bleibt bestehen, obwohl die Niederschläge im Vergleich zum Höhepunkt der Regenzeit inzwischen nachgelassen haben.
Besonders anfällig für diese vulkanischen Prozesse sind die Schluchten und Flusssysteme am Merapi. Entsprechend der Gefährdungslage gelten asymmetrische Sperrzonen, die entlang der Flüsse bis zu 7 Kilometer vom Krater entfernt reichen können. Die Bevölkerung wird dringend aufgefordert, sämtliche Aktivitäten in den potenziellen Gefahrengebieten zu unterlassen.
