Methana: Der nicht erloschene Vulkan, der 100.000 Jahre ruhte
Die Halbinsel Methana ragt in den Saronischen Golf Griechenlands hinein und gehört zu den weniger bekannten, aber geologisch interessanten Vulkanregionen Europas. Als Teil des Ägäischen Vulkanbogens liegt sie hinter dem Hellensichen Bogen, einer Zone, in der die afrikanische unter die eurasische Platte abtaucht. Dieser Prozess wird Subduktion genannt und treibt Magmenbildung und Vulkanismus an. Anders als der bekanntere ägäische Vulkan Santorin verursachte Methana keine Kataklysmen, sondern bildete zahlreiche kleinere andesitische und dacitische Lavadome und Lavaströme, die sich über die Halbinsel verteilen. Wie ein Forscherteam nun herausfand, kam es dabei zu oberflächlichen Ruhephasen, die bis zu 100.000 Jahre dauerten, während im Untergrund weiter Magma brodelte.

Die letzten Eruptionen von Methana fanden in historischer Zeit statt, etwa zwischen 270 v. Chr. und 230 n. Chr. Aus dem Jahr 1700 ist ein submariner Ausbruch vor der Küste bekannt. Danach verstummte der Vulkan vollständig und bis jetzt gab es keine Ausbrüche mehr. Dabei sind lange Ruhephasen des Vulkanfeldes nicht ungewöhnlich: Wie eine neue Studie, veröffentlicht in Science Advances, herausfand, dauerte die längste sogar ungefähr 100.000 Jahre.
In der modernen Vulkanologie gilt ein Vulkan als erloschen, dessen letzte Eruption mindestens 10.000 Jahre her ist. Doch wie sich immer mehr herausstellt, ist diese Einschätzung problematisch, denn die Grenze zwischen „erloschen“ und „ruhend“ ist oft unscharf.
Die neue Studie eines internationalen Forscherteams der ETH Zürich zeigt, dass die lange Ruhe von Methana trügerisch war, denn wie die Forscher anhand von Lavaprobenanalysen herausfanden, arbeitete der Vulkan auch während seiner langen Phase ohne Eruptionen im Untergrund weiter und akkumulierte Magma, ohne dass es zur Eruption kam.
Zentraler Punkt der Forschungsarbeiten war die Analyse von 1250 Zirkonkristallen aus Lavagesteinen, die von 31 Eruptionen des Vulkans stammten, die sich in den letzten 700.000 Jahren ereigneten. Zirkone gelten als geologische Zeitarchive, da mithilfe der Uran-Blei-Datierung Wissenschaftler das Alter dieser Kristalle bestimmen können und so rekonstruieren, wann das Magma im Untergrund entstanden ist. Bei der Methode wird der Umstand genutzt, dass radioaktives Uran zu Blei zerfällt, und zwar mit einer gut bekannten konstanten Geschwindigkeit. Aus dem Verhältnis des Urans zum Blei im Zirkon lässt sich dessen Alter bestimmen.
Ergänzt wurde dies durch geochemische Untersuchungen, bei denen die chemische Zusammensetzung der Gesteine analysiert wurde, sowie durch Thermobarometrie, die Rückschlüsse auf Druck- und Temperaturbedingungen im Magmareservoir erlaubt. Petrologische Analysen lieferten Einblicke in die Kristallisationsgeschichte, während Isotopenmessungen Hinweise auf die Herkunft des Magmas und seine Wechselwirkungen mit der Erdkruste gaben.
Das Besondere an den Ergebnissen ist die Erkenntnis, dass unter Methana über mehr als 100.000 Jahre hinweg kontinuierlich Magma gebildet und gespeichert wurde – ohne dass es zu Eruptionen kam. Der Grund dafür liegt offenbar im hohen Wassergehalt des Magmas: Dieses kristallisierte beim Aufstieg aus, wurde zähflüssig und blieb im Untergrund „stecken“. Die lange Ruhephase war also kein Zeichen fehlender Aktivität, sondern Ausdruck eines blockierten Systems, das langsam ein großes Magmareservoir aufbaute.
Diese Erkenntnis hat weitreichende Konsequenzen, zeigt sie doch, dass lange ruhende Vulkane keineswegs harmlos sein müssen. Vielmehr könnten sie im Verborgenen aktiv bleiben und unter bestimmten Bedingungen wieder ausbrechen. Die Studie legt nahe, dass solche „stillen“ Wachstumsphasen von Magmareservoiren bislang unterschätzt wurden.
Obwohl die Arbeit kein universelles Modell liefert, das ohne Weiteres auf andere lange inaktive Vulkane übertragbar ist, zeigt sie, dass selbst scheinbar erloschene Vulkane genauer überwacht werden sollten, da ihre Aktivität im Untergrund weitergehen kann und das oft über Zeiträume hinweg, die weit über menschliche Erfahrung hinausgehen.
Quelle:
Popa, R.-G., Bachmann, O., Guillong, M., & Giuliani, A. (2026).
Prolonged magmatic quiescence and storage beneath the Methana volcanic field, Greece.
Science Advances, aec9565.
https://doi.org/10.1126/sciadv.aec9565; Lizenz der CC
