Kilauea schreibt Geschichte: Episode 48 bringt neuen Eruptionsrekord
Mit der 48. Lavafontänen-Episode hat der Vulkan Kilauea auf Hawaii gestern (1. Juni) seinen eigenen Rekord gebrochen: Noch nie zuvor wurden während einer episodischen Fontäneneruption so viele Ausbruchszyklen registriert wie aktuell am Halemaʻumaʻu. Mit dem Ende der 48. Lavafontänen-Episode am 1. Juni 2026 stellte der seit dem 23. Dezember 2024 andauernde Vulkanausbruch einen Rekord auf, den selbst legendäre Ausbruchsphasen des Vulkans nicht erreichten. Der aktuelle Ausbruch übertrifft nun sogar die berühmte Puʻu-ʻŌʻō-Eruption der Jahre 1983 bis 1986, die auf 47 Episoden kam. Damit hält die laufende Aktivität am Kilauea nun den Rekord für die höchste Zahl dokumentierter Lavafontänen-Episoden innerhalb einer einzelnen episodisch verlaufenden Eruption.

Vergleicht man den episodisch verlaufenden Vulkanausbruch am Kilauea mit den Paroxysmenphasen am Ätna – bei denen es sich ebenfalls um eine ähnlich episodisch ablaufende Eruptionsform handelt –, dann wird das aktuelle Geschehen am Kilauea noch von der Ätna-Paroxysmenphase der Jahre 2011 bis 2013 übertroffen: Damals kam es im Zuge der Paroxysmen zu insgesamt 66 Lavafontänen.
Die Episode 48 begann am Kilauea um 4:40 Uhr morgens Ortszeit und endete nach knapp neun Stunden abrupt um 13:37 Uhr. Während dieser Zeit schoss Lava ausschließlich aus dem nördlichen Schlot empor. Die Fontäne erreichte eine maximale Höhe von rund 200 Metern und speiste einen gewaltigen Lavastrom, der sich über etwa 40 Prozent des Kraterbodens des Halemaʻumaʻu ausbreitete. Insgesamt wurden schätzungsweise 5,6 Millionen Kubikmeter Lava gefördert.
Schon in den Tagen vor dem eigentlichen Ausbruch hatte sich die Aktivität angekündigt. Aus dem südlichen Schlot traten insgesamt 95 kurze Lavaüberläufe aus, die in erstaunlich regelmäßigen Intervallen von 15 bis 30 Minuten auftraten. Diese Überläufe dienten gewissermaßen als Vorspiel für die eigentliche Eruptionsphase. Erst kurz vor Beginn von Episode 48 wurde auch der nördliche Schlot zunehmend aktiv und entwickelte schließlich die mächtige Lavafontäne.
Die Eruption erzeugte zudem eine Asche- und Gaswolke, die bis in Höhen von etwa 7.600 Metern aufstieg. Veränderte Windrichtungen führten dazu, dass Asche, vulkanische Glaspartikel und Peles-Haare über Teile des Hawaii-Volcanoes-Nationalparks sowie benachbarte Siedlungen verfrachtet wurden. Während der Eruption stand der Alarmcode auf Orange, inzwischen wurde er auf Gelb herabgestuft.

Doch auch danach blieb es spannend am Vulkan: Starke Regenfälle kühlten die heiße Lava schnell ab, wodurch enorme Dampfmengen entstanden. Dabei bildeten sich sogar mehrere tornadoähnliche Dampfschläuche. Das Zusammenspiel aus Dampf und Wirbelbildungen schuf eine einzigartige Stimmung in der jungen Vulkanlandschaft.
Darüber hinaus bleibt die Situation dynamisch: Direkt mit dem Ende der Eruption begann sich das entleerte Magmenreservoir wieder aufzufüllen, wie eine unmittelbar einsetzende Zunahme der Hangneigung belegt. Episode 49 befindet sich somit bereits in Vorbereitung.