Pakistan: Murengang richtet Zerstörungen an

Sturzflut aus Schlamm und Geröll verwüstet Chitral in Pakistan – Video des Murengang geht viral

Ein zerstörerischer Murgang hat im Distrikt Chitral im Norden Pakistans schwere Schäden verursacht und eine Naturkatastrophe ausgelöst. Ungewöhnlich starke Monsunniederschläge mobilisierten Sedimente, Geröll und anderes Lockermaterial und bildeten Muren und Schlammlawinen, denen die Flussläufe und Schluchten folgten. Besonders betroffen waren Bereiche von Lower Chitral, darunter das Shishi-Koh-Tal und angrenzende Seitentäler. Videos aus der Region zeigen gewaltige graue Schlamm- und Geröllfluten, die durch Siedlungen fließen, Menschen vor sich hertreiben und Gebäude zerstören.



Murengang

Dabei hatten die direkt Betroffenen Glück im Unglück und konnten sich offenbar in Sicherheit bringen. Nach bisherigem Kenntnisstand wurden keine Todesopfer gemeldet. Allerdings entstanden Sachschäden: Häuser wurden eingerissen oder beschädigt, Straßenverbindungen unterbrochen und Brücken zerstört. Mehrere Gemeinden waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. In den schwer zugänglichen Bergregionen kann sich die endgültige Schadensbilanz allerdings noch ändern, da Rettungsarbeiten und Aufklärung des genauen Schadensstandes durch die zerstörte Infrastruktur erschwert werden.

Auslöser des Ereignisses waren intensive Niederschläge während der sommerlichen Monsunperiode. Nordpakistan liegt zwar außerhalb der klassischen Monsun-Hauptgebiete Südasiens, dennoch können feuchte Luftmassen aus dem Indischen Ozean weit nach Norden transportiert werden. Treffen diese auf die hohen Gebirgszüge des Hindukusch, werden sie zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kühlt die Luft ab, und es können lokal extrem starke Regenfälle entstehen.

Besonders gefährlich sind sogenannte Cloudburst-Ereignisse – kleinräumige, aber außergewöhnlich intensive Niederschlagszellen, die innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen über einem begrenzten Gebiet abladen. In steilen Gebirgsregionen kann der Boden diese Wassermengen nur unzureichend aufnehmen. Wasser und Schlamm fließen daher in kurzer Zeit in Schluchten und Bachläufen und entwickeln große Zerstörungskraft.

Geologische Faktoren verstärken die Gefahr von Murengängen

Chitral liegt im Hindukusch, einem geologisch jungen und tektonisch aktiven Faltengebirge. Die Täler sind tief eingeschnitten, die Hänge steil und vielerorts von lockerem Verwitterungsmaterial bedeckt. Genau diese Bedingungen begünstigen die Entstehung von Murgängen.

Bei einem Murgang handelt es sich nicht um schlammige Schuttlawinen, bei denen Wasser große Mengen Sediment und Geröll aufnimmt und sich eine zähflüssige Mischung aus Schlamm, Sand, Steinen und Felsblöcken bildet. Die Dichte dieser Gemische ist deutlich höher als die von reinem Wasser, wodurch selbst tonnenschwere Blöcke mitgerissen werden, die ganze Gebäude einreißen können.

Zusätzlich verändern sich die Hochgebirgsregionen durch den Klimawandel. Rückzug von Gletschern und der auftauende Permafrost sorgen für zunehmende Instabilität von Hängen, was die Erosion verstärkt, wodurch mehr Lockermaterial verfügbar ist, das bei Starkregen mobilisiert werden kann.

Das aktuelle Geschehen in Chitral zeigt die besondere Verwundbarkeit junger Gebirgsregionen gegenüber extremen Wetterereignissen und verdeutlicht, dass Murgänge zu den größten Naturgefahren zählen.