Erdbebenserie am East Pacific Rise – vier Erdbeben mit Magnituden 5,0 bis 5,2
Am 6. September hat sich am südlichen East Pacific Rise (EPR) eine interessante Serie mittelstarker Seebeben ereignet. Zwischen 10:32 und 12:00 UTC registrierten die weit entfernten seismischen Messstationen vier Beben der Magnituden 5,0 bis 5,2. Die Epizentren konzentrierten sich auf einen vergleichsweise kleinen Bereich zwischen 24,02 und 24,54° südlicher Breite sowie 115,69 und 116,03° westlicher Länge. Drei der Beben lagen nur 35 bis 40 Kilometer voneinander entfernt, während das nördlichste Ereignis etwa 60 Kilometer Abstand aufwies. Damit handelt es sich eindeutig um eine lokale seismische Sequenz. Das jüngste Beben wurde vom EMSC 728 km westlich von Hanga Roa in Chile verortet. Ein fünftes Erdbeben wurde einige Hundert Kilometer weiter nördlich festgestellt.

Tektonisch befindet sich das Gebiet an einer der aktivsten Spreizungszonen der Erde. Am East Pacific Rise driften die Pazifische und die Nazca-Platte auseinander. Entlang des mittelozeanischen Rückens steigt heißes Mantelmaterial auf, bildet neue basaltische Ozeankruste und treibt die Platten auseinander. Die schnelle Spreizung erzeugt zahlreiche Störungen, an denen sich Spannungen durch Erdbeben abbauen.
Komplexer wird die Situation durch die Lage im Bereich der Easter-Mikroplatte. Hier verzweigen sich Spreizungsachsen und Riftstrukturen, sodass neben den eigentlichen Rückenachsen zusätzliche aktive Störungen auftreten. Die registrierten Herdtiefen von etwa 9 bis 10 Kilometern passen zu flachen Beben in der ozeanischen Kruste, wobei die genaue Lokalisierung der Beben aufgrund der großen Entfernung zu den nächsten Seismometern oft ungenau sind.
Eine magmatische Beteiligung lässt sich daher nicht ausschließen, ist aber nicht belegt. Wahrscheinlicher ist zunächst eine tektonische Bruchaktivität im Umfeld des Spreizungszentrums.
Weitere Beben in der Region zeigen, dass die Aktivität großräumig ist. Ein M5,0 bei 22,08°S gehört wahrscheinlich ebenfalls zum EPR-System, liegt aber deutlich außerhalb der aktuellen Sequenz. Das M5,9 vom 2. September bei 34,93°S ist hingegen rund 1.350 Kilometer entfernt und als eigenständiges Ereignis am südlichen EPR zu betrachten. In sofern handelt es sich bei der aktuellen Sequenz um eine eigenständige und nicht um Nachbeben des stärkeren aber weit entfernten Events.