Vulkanausbruch am Piton Fournaise: Ocean Entry wahrscheinlich
Der Ausbruch am Vulkan Piton de la Fournaise auf der Insel La Réunion geht weiter und hat am Samstag, dem 14. März 2026, eine neue Phase erreicht. Nachdem der südliche Lavastromarm gestern die Küstenstraße RN2 überquerte, bewegt er sich weiter in Richtung Meer. Nach Angaben des Vulkanologischen Observatoriums Piton de la Fournaise (OVPF) war die Lavafront heute Morgen (Ortszeit) nur noch rund 300 Meter vom Indischen Ozean entfernt. Die Lavafront bewegt sich mit ca. 40 m pro Stunde vorwärts und könnte bereits am Nachmittag einen Ocean Entry generieren. Hierbei handelt es sich um eines der spektakulärsten Naturphänomene unserer Erde.
Die Lava bedeckt inzwischen einen etwa 260 Meter breiten Abschnitt der Nationalstraße RN2. Bereits gestern hatte ein erster Lavaarm die Straße mit einer 150 cm hohen Lavaschicht bedeckt. Seitdem wächst das Lavafeld nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Breite: Mehrere Nebenarme des Lavastroms haben die Straße an drei Stellen überquert – um 8:02 Uhr, 8:37 Uhr und 12:35 Uhr Ortszeit. Der Lavastrom setzt seinen Weg über die steilen Hänge der sogenannten Grandes Pentes fort. Die aktuelle Geschwindigkeit wird auf etwa 40 Meter pro Stunde geschätzt, wobei Topografie und Vegetation den Fluss lokal verlangsamen oder kanalisieren können.
Der Lavastrom wird weiterhin aus dem mittlerweile geschlossenen Kegel an der unteren Südwestflanke des Kraterkegels Dolomieu gespeist und fließt im oberen Bereich des Vulkans durch ein Tunnelsystem, das in den letzten 4 Wochen durch Abkühlung der Oberfläche der Lavaströme entstanden ist. Das gesamte Lavafeld bildet zwei Hauptarme: Während der nördliche Strom weiterhin rund 2,6 Kilometer von der RN2 entfernt in etwa 660 Metern Höhe liegt, hat der südliche Arm inzwischen die Küstenstraße überquert und setzt seinen Weg zum Meer fort.
Seit Beginn der Eruption wurden nach Schätzungen zwischen 13 und 15 Millionen Kubikmeter Lava eruptiert, was immer noch unter dem liegt, was die Eruptionen durchschnittlich im isländischen Svartsengiegebiet hervorgebracht haben. Die aktuell beobachteten Oberflächenflussraten liegen meist unter 5 m³ pro Sekunde, wobei zu berücksichtigen gilt, dass die meiste Lava unterirdisch abfließt.
Parallel dazu zeigen Messungen des permanenten GNSS-Netzwerks eine leichte Aufblähung des Vulkangebäudes, was auf einen steigenden Druck im Magmazufuhrsystem hindeutet. Die seismische Aktivität bleibt allerdings weiterhin gering.
Angesichts der starken Besucherströme warnt die Gemeinde Saint-Philippe vor Falschparkern entlang der Lava-Straße bei Le Tremblet. Fahrzeuge in Sperrzonen können abgeschleppt werden. Zudem hat die Präfektur eine temporäre Flugverbotszone für Drohnen über der gesamten Caldera bis 1.000 Meter vor der Küste eingerichtet, um die Sicherheit von Überwachungs- und Rettungsflügen zu gewährleisten. Während der Zugang zum Lavastrom für Neugierige gesperrt ist, können sich Pressevertreter mit einem entsprechenden Ausweis bei der Präfektur in Saint-Denis eine Genehmigung holen, um das Sperrgebiet auf eigene Gefahr zu betreten.
