Eruption am Piton Fournaise hält an – Lava fließt durch Tubes ins Meer
Die Aktivität am Piton Fournaise ist weiterhin äußerst dynamisch und seit meinem letzten Update am Samstag änderten sich mehrere Parameter, sowohl geophysikalische Messgrößen als auch visuell zu beobachtende.

Am neu entstandenen Krater auf 2056 m Höhe ist die sichtbare Aktivität weiterhin hoch und es sind Lavafontänen sichtbar, die mehrere Zehnermeter über den Kraterrand hinaus aufsteigen. In Schüben kommt es zu Lavaüberläufen aus dem Krater, die von großen Gasblasen getriggert werden, die die Lava aus dem Fördersystem drücken.
Aus dem Förderschlot werden weiterhin Lavaströme gespeist, doch von den beiden Lavafeldern ist nur das südliche noch sichtbar aktiv und multiple Fronten schreiten voran. Das nördliche Lavafeld scheint seine Aktivität eingestellt zu haben. Die Förderrate reduzierte sich von 22 m³/s, die am Wochenende erreicht wurden, auf 13 m³/s.
Die Lava des südlichen Hauptstroms erreicht immer noch das Meer und vergrößert das Lavadelta, allerdings gibt es praktisch keine sichtbaren Oberflächenlavaströme mehr. Die Tubes (Lavaröhren), die sich durch Abkühlen der Lava an der Oberfläche gebildet haben, während unter der Erstarrungskruste die Schmelze weiterhin fließt, reichen bis zur Steilkante der Lavaplattform, wo die Lava erst in dem Moment sichtbar wird, in dem sie sich in den Ozean ergießt.

Seit Freitag ist die Seismizität wieder deutlich erhöht und es ereigneten sich täglich mehr als 100 vulkanotektonische Erdbeben. In den letzten 24 Stunden ließ ihre Anzahl zwar nach, aber es wurden immer noch 133 Erschütterungen detektiert. Für eine Eruption, die seit über 5 Wochen andauert, ist das ein hoher Wert. Zeitgleich mit dem Einsetzen der Erdbeben stoppte die Deflation, die in den Vortagen gemessen wurde. Das bedeutet, dass sich Lavanachschub aus der Tiefe und Lavaausstoß durch die Eruption im Gleichgewicht befinden.
Der Tremor hatte seinen Zenit am Freitag und fällt seitdem genauso schnell ab, wie er angestiegen ist, liegt aber noch auf deutlich erhöhtem Niveau. Trotz dieser Schwankungen ist ein Ende der Eruption nicht in Sicht und niemand kann sagen, wie lange die Eruption noch andauern wird.
