Schneller Lavastrom am Piton de la Fournaise – Lavafront 1700 m von der Küstenstraße entfernt
Der Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise auf La Réunion ist dynamischer, als ich noch vor drei Wochen vermutet hätte: Entgegen meinen früheren Annahmen verlagerte sich die bis zum Wochenende stationäre Lavastromfront in 2600 m Entfernung zur Nationalstraße schnell und war heute Morgen um 05:30 Uhr nur noch 1700 m von der Straße entfernt. Diese Verlagerung ist dem schnellen Vorstoß eines neuen Lavaarms südlich des bisherigen Lavastroms zu verdanken, der neben der bis dahin am weitesten fortgeschrittenen Lavafront floss und sich einen Weg durch die Vegetation am Steilhang des Grand Brûlé brannte. Die oberflächlich messbare Lavaflussrate bewegte sich im Bereich dessen, was in den letzten Wochen üblich war. Damit ist klar, dass der schnelle Vorstoß der Lava, die sich jetzt auf 478 Höhenmetern befindet, weniger einer Verstärkung des Vulkanausbruchs als vielmehr neu gefundenen Wegsamkeiten geschuldet ist.
Der Lavastrom wird weiterhin aus einer Quelle gespeist, die mittlerweile von einem sich immer weiter schließenden Krater eingefasst ist. Durch den Verschluss des Kraters bildete sich ein großes Netz aus Lavatubes, sodass die Lava erst in einiger Entfernung vom Krater an der Oberfläche austritt. Diesem Lavatunnel-Netzwerk ist der weite Vorstoß des südlichen Lavastroms zu verdanken. Die Tunnel führten die Lava, gut gegen Abkühlung isoliert, bis an den Rand des Grand Brûlé, wo das Gelände steiler wird und sich die Lava an der Oberfläche schnell ausbreiten kann.
Wie die Vulkanologen des OVPF berichten, setzt der südliche Lavastrom mit etwas reduzierter Geschwindigkeit seinen Vorstoß in Richtung Nationalstraße 2 fort. Die Förderrate der Lava betrug gestern ca. 8 Kubikmeter pro Sekunde. Die Front des nördlichen Lavastromarms liegt weiterhin etwa 2,6 km von der Nationalstraße 2 entfernt auf rund 660 m Höhe.
Die Aufblähung des Vulkans setzt sich fort, was besonders an den GNSS-Messstationen am Gipfel und am Fuß des zentralen Kraters sichtbar ist. Seit Ende Februar wurde eine zunehmende Distanz entlang mehrerer Messlinien registriert, die den Gipfelbereich kreuzen. Diese Veränderungen deuten auf eine fortschreitende Ausdehnung des Vulkangebäudes hin und sprechen für einen erneuten Druckanstieg im magmatischen Fördersystem. Möglicherweise wird dieser durch eine Nachlieferung von Magma aus einem oberflächennahen Reservoir verursacht. Ein Ende der Eruption ist nicht in Sicht.