Lavafront gewinnt am Piton Fournaise an Boden – 2200 m bis zur Nationalstraße
Der Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise auf La Réunion geht weiter und hat sich in Bezug auf das Voranschreiten der Lavafront intensiviert: Heute Morgen war die Front des aktivsten Lavastroms noch 2200 m von der Nationalstraße oberhalb der Küste entfernt und machte somit über das Wochenende gut 400 m wett. Die sichtbare Oberflächenförderrate der Lava lag bei maximal 7 m³ pro Sekunde und damit unter vorherigen Werten. Dass die Lavafront trotzdem voranschritt, ist ein Indiz dafür, dass die meiste Lava unterirdisch abfloss.
Dennoch gab es am Wochenende im unteren Bereich der Grandes Pentes gut sichtbare Oberflächenlavaströme, die einer Tube unterhalb des mittlerweile fast geschlossenen Kraterkegels entsprangen. Dieser ist inzwischen so hoch, dass kaum noch Lavaspritzer seinen Kraterrand überragen und sichtbar werden. Das bedeutet, dass in dem Kegel ein kleiner Lavasee kocht, der die Lavaströme speist, die unterirdisch abfließen und erst ein Stück weiter unterhalb des Kegels austreten. Dabei bildeten sich vor allem seit dem 3. März neue Lavaströme, die im oberen Bereich der Grandes Pentes unterwegs sind.
Korrektur: Der Tremor steigt weiterhin an, was in dieser Form nach fast vier Wochen ununterbrochener Aktivität eher selten ist. Zudem werden immer noch vulkanotektonische Erdbeben registriert, die durch Magmenaufstieg aus der Tiefe zustande kommen. Das Magma tritt nicht sofort aus dem neuen Kraterkegel aus, sondern wird in geringer Tiefe zwischengespeichert, was eine neuerliche Aufblähung des Vulkangebäudes verursacht. Das bedeutet, dass die Magmenaufstiegsrate höher ist als die Förderrate und die Eruption über längere Zeiträume anhalten könnte oder sich sogar weiter verstärkt.
Bevor die Aktivität nach gut zweieinhalbjähriger Pause im Januar wieder begann, scheint sich in größerer Tiefe einiges an Magma angesammelt zu haben, das nun Richtung Oberfläche drängt. Während die erste Eruption nach der Pause im Januar vergleichsweise kurzlebig war und nur wenig Schmelze hervorbrachte, scheint lediglich der Korken aus der Flasche gezogen worden zu sein – der Magmenaufstieg findet nun offenbar kein Halten mehr.