Piton Fournaise: Neuer Lavastrom überquert Strasse

Eruption am Piton Fournaise stabilisierte sich – neuer Lavastrom unterbricht Küstenstrasse

Die Eruption am Süd-Südosthang des Piton de la Fournaise geht weiter und hat nach dem kurzen Rücksetzer vorgestern wieder deutlich an Dynamik gewonnen. Heute Abend um 21:25 Uhr Lokalzeit überquerte ein weiterer Lavastrom die Nationalstraße RN 2 oberhalb der Küste. Die neue Unterbrechung liegt 300 m von der ersten Stelle entfernt, an der die Lava die Straße unterbrach. In dem neu gebildeten Schlackenkegel brodelt ein Lavapond.

Lavastrom

Die Lava brodelt seit dem 28. März wieder in dem Kegel, der sich bereits zwischen dem 13. Februar und dem 25. März gebildet hatte. Damit knüpft die aktuelle Phase direkt an die vorherige Aktivität an, ohne dass sich ein neuer Ausbruchspunkt gebildet hat.

Der Lavaspiegel im Kegel steht hoch, immer wieder steigen Gasblasen auf, die für starke Turbulenzen sorgen. Dabei kommt es regelmäßig zu kleineren Überläufen, wenn Lava über den Kraterrand schwappt. Dieses Verhalten deutet auf eine kontinuierliche, wenn auch nicht extrem starke Magmazufuhr hin.

Unterhalb des Kegels dominiert ein gut entwickeltes System aus Lavatunneln das Geschehen. Die Lava fließt größtenteils im Verborgenen und tritt nur an einzelnen Stellen wieder an die Oberfläche. Besonders im Bereich der „Grandes Pentes“ sind mehrere dieser Austrittsstellen sichtbar. Aktuell ist jedoch nur der südliche Arm des Lavafeldes aktiv, der dem Verlauf des früheren Hauptstroms folgt.

Dieser Strom hatte bereits Mitte März das Meer erreicht – und auch jetzt gelangt weiterhin Lava bis zur Küste. Allerdings ist die Zufuhr deutlich schwächer geworden. Die Küstenplattform wird derzeit nur gering oder zeitweise gar nicht gespeist. Dennoch steigt weiterhin eine schwache, aber potenziell gefährliche Gaswolke auf, sobald Lava ins Meer eintritt. Diese sogenannte „Laze“ kann Atemwege, Haut und Augen reizen.

Parallel dazu zeigt die instrumentelle Überwachung eine zunehmende seismische Aktivität. Über 90 Erdbeben an einem Tag sowie eine leichte Absenkung des Vulkangebäudes deuten darauf hin, dass sich das oberflächennahe Magmareservoir langsam entleert. Trotz dieser Veränderungen bleibt der vulkanische Tremor insgesamt stabil.

Die Lage bleibt dynamisch – sowohl eine Abschwächung als auch eine erneute Intensivierung der Eruption sind möglich. Sie könnte auch stabil eine Weile weitergehen.