Eruption am Kraterkegel des Piton de la Fournaise – Lavafontänen speisen Lavaströme
Auf La Réunion kam es heute Morgen zu einem erneuten Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise. Laut dem zuständigen Observatorium OVPF begann die Eruption gegen 10:00 Uhr Lokalzeit, nachdem um 09:25 Uhr ein Erdbebenschwarm eingesetzt hatte. Es blieb also nur eine kurze Vorwarnzeit vor der Eruption. Die Aktivität führte dazu, dass sich Eruptionsspalten an der Südflanke des Kraterkegels im Gipfelbereich des Vulkans öffneten und Lavafontänen aufstiegen, die die Lavaströme speisten. Das Geschehen ist auf Livecams am Piton Bert im Süden der Caldera sichtbar. Dort befindet sich auch ein Aussichtspunkt.
Die Behörden riefen heute schnell den Notfallplan ORSEC „Volcan“ aus und erhöhten die Alarmstufe auf 2.1, was eine offizielle Eruption in der Caldera Enclos Fouqué beschreibt. Der Zugang zur Caldera wurde gesperrt und ihr Betreten ist strikt untersagt. Die Präfektur von La Réunion hat das gesamte Gebiet um den Vulkan abgesperrt, um die Sicherheit von Wanderern und Touristen zu gewährleisten. Da nur wenig Vorwarnzeit blieb, befanden sich bereits Wanderer in dem Gebiet, die inzwischen evakuiert wurden.
Der Piton de la Fournaise zählt zu den aktivsten Vulkanen der Welt, mit durchschnittlich zwei bis drei Eruptionen pro Jahr. Nach einer 17-monatigen Pause begann am 18. Januar dieses Jahres ein neuer Eruptionszyklus. Der Ausbruch dauerte nur drei Tage. Seitdem blieb die Seismizität erhöht und man rechnete mit einer zeitnahen zweiten Eruption.
Aufgrund der steilen Hänge des Kraterkegels, auf dessen oberer Südflanke sich die Eruptionsspalten bildeten, schießen die Lavaströme mit hoher Geschwindigkeit zu Tal. Sie bleiben zwar innerhalb der Caldera, könnten bei längerer Eruptionsdauer allerdings über ihren Südhang in Richtung Ozean fließen. Bis jetzt besteht keine direkte Gefahr für die bewohnten Gebiete der Insel, doch die Lage kann sich schnell ändern, wenn Magma neue Pfade findet oder sich weitere Spalten öffnen. Allerdings waren Eruptionen im Bereich der Gipfelkrater Dolomieu und Bory in den vergangenen Jahren vergleichsweise kurzlebig, so dass das Risiko überschaubar ist.
Update 09:30 Uhr: Das VAAC Toulouse hat eine VONA-Warnung für den Flugverkehr rausgegeben. Zwar konnte keine Vulkanasche auf Satellitenfotos gesichtet werden, doch der Alarmcode für den Flugverkehr wurde auf „Rot“ erhöht.
