Popocatépetl: Lavadom am Grund des Kraters

Popocatépetl eruptiert weniger explosiv, dafür stärker effusiv: Lavadom im Krater entdeckt

Der mexikanische Vulkan Popocatépetl befindet sich derzeit in einer vergleichsweise ruhigen, aber weiterhin aktiven Phase. Während in den letzten Tagen größere Explosionen und ausgedehnte Aschewolken ausgeblieben sind, liefern aktuelle Beobachtungen der Vulkanologen ein differenziertes Bild der Prozesse im Inneren des Vulkans. Im Zentrum des Interesses steht dabei ein Lavadom am Kraterboden.

In den vergangenen 24 Stunden wurden insgesamt zehn Exhalationen kleiner Asche-Dampf-Wolken registriert. Diese gingen mit nur geringen Ascheemissionen einher und bestätigen den aktuell eher ruhigen Charakter der Aktivität. Die letzte größere Aschewolke wurde vom VAAC Darwin am 6. April gemeldet, als sie bis auf etwa 7000 Meter Höhe aufstieg und nach Osten driftete. Eine am 17. April registrierte Aschewolke bestand hingegen aus vom Wind aufgewirbelter Asche. Trotz des Fehlens stärkerer Explosionen bleibt die offizielle Warnstufe auf Gelb Phase 2, was auf eine anhaltende Aktivität mit potenziellen Gefahren hinweist – und das aus gutem Grund.

Dieser Grund manifestiert sich in Form eines Lavadoms am Kraterboden, der bereits bei einem Drohnenüberflug im März gesichtet wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte er einen Durchmesser von gut 100 Metern und zeigte eine deutliche thermische Anomalie, wie auf Wärmebildaufnahmen erkennbar war. Solche Dome entstehen durch zähflüssige Lava, die langsam austritt und sich im Krater aufstaut. Sie sind typisch für den aktuellen Aktivitätsstil des Vulkans – ein zyklischer Prozess aus Wachstum und anschließender Zerstörung der Dome durch stärkere Explosionen.

Der im CENAPRED-Aktivitätsbericht für März beschriebene Dom könnte durch die Explosionen Anfang April bereits zerstört worden sein. Es gibt jedoch deutliche Hinweise darauf, dass sich erneut Lava im Krater akkumuliert. Diese zeigen sich unter anderem in Bildern, die rot illuminierte Wolken über dem Krater dokumentieren. Zudem registriert MIROVA eine moderate Wärmestrahlung von bis zu 46 MW, was für den Popocatépetl eher ungewöhnlich ist, da Lavadome an der Oberfläche häufig vergleichsweise kühl erscheinen und nur geringe Wärmesignaturen aufweisen. Neben einem Dom könnte es auch einen offenen Förderschlot geben, in dem strombolianische Eruptionen in größerer Tiefe stattfinden.

Bemerkenswert ist zudem, dass im März die Anzahl vulkanotektonischer Erdbeben sowie Tremorereignisse zunahm, während Explosionen und Exhalationen gleichzeitig zurückgingen. Dies kann als Hinweis auf eine mögliche Verstopfung des Hauptschlotes durch einen Lavadom interpretiert werden.

Die Behörden von CENAPRED warnen eindringlich davor, den Vulkan zu betreten oder zu besteigen. Trotz der derzeit schwächeren Aktivität kann es jederzeit zu plötzlichen Explosionen kommen, bei denen glühende Gesteinsfragmente ausgeworfen werden. Die bestehende Sperrzone von 12 Kilometern rund um den Krater ist daher strikt einzuhalten. Zusätzlich besteht bei Starkregen die Gefahr von Schlamm- und Gerölllawinen in den umliegenden Schluchten.

Die aktuellen Prognosen gehen davon aus, dass sich dieses Aktivitätsmuster fortsetzt: kleinere Explosionen, Ascheemissionen sowie die wiederholte Bildung und Zerstörung von Lavadomen. Eine kurzfristige deutliche Intensivierung der Aktivität wird derzeit nicht erwartet. Langfristig bleibt der Popocatépetl jedoch ein aktiver Vulkan, dessen eruptiver Zyklus – der bereits seit 1994 andauert – weiterhin anhalten dürfte.