
Neue Daten und Bilder zur Explosion am Stromboli vom 12. Juni
Nachdem ich gestern quasi live über die stärkere Explosion am Stromboli auf Basis von Bildern und Augenzeugenaussagen berichtet habe, möchte ich heute noch einmal einen Bericht mit den Beobachtungen und Daten der Vulkanologen vom INGV und LGS nachschieben, die erst veröffentlicht wurden, nachdem ich die erste Fassung des Liveberichts geschrieben hatte. Was zunächst nicht ersichtlich war, ist die Bildung eines kleinen pyroklastischen Dichtestroms gewesen, der infolge der Explosion und des Kollapses von einem Stück Kraterrand freigesetzt wurde.
Die Explosion manifestierte sich am Morgen des 12. Juni 2026 um 05:12 UTC (07:12 Uhr Ortszeit) und förderte eine vom Ort aus sichtbare Aschewolke, die mehrere hundert Meter hoch aufstieg, beim VAAC Toulouse aber keine VONA-Warnung auslöste. Die Explosion ereignete sich im nordöstlichen Kratersektor des Vulkans.

Nach Angaben des Laboratoriums für Experimentelle Geophysik (LGS) der Universität Florenz wurde das Ereignis von den Überwachungsinstrumenten deutlich registriert. Im seismischen Very-Long-Period-Band (VLP) wurde eine maximale Bodenverschiebung von 2,0 × 10⁻⁵ Metern gemessen. Gleichzeitig zeichnete ein Neigungsmesser eine Bodenverformung von etwa 0,3 Mikroradianten auf. Besonders auffällig war der starke Infraschallimpuls mit einem akustischen Druck von rund 276 Pascal, der typisch für ein größeres explosives Ereignis ist. Ordnet man das Ereignis in der Skala der stärkeren Explosionen ein, befindet sie sich am unteren Ende des stärkeren Spektrums.
Aufnahmen von Wärmebild- und Überwachungskameras zeigen, dass vulkanisches Material weit über den Kraterrand hinausgeschleudert wurde und den Gipfelbereich erreichte. Dabei lösten sich Teile des Kratersektors, die anschließend als Steinschläge und kleinere Erdrutsche entlang der Sciara del Fuoco talwärts rutschten. Dabei entstand ein kleinerer Dichtestrom, der im LGS-Bericht nicht explizit erwähnt wird, aber auf den Livecam-Aufnahmen deutlich zu erkennen ist. Wahrscheinlich wurde ein Stück vom heißen Schlotrand herausgesprengt.
Laut INGV gingen die durch die Explosion ausgeworfenen Produkte überwiegend im oberen Bereich der Sciara nieder. Bei der Sciara del Fuoco – der Feuerrutsche – handelt es sich um die berühmte Abflussfläche am Nordhang des Vulkans.
Seismisch zeigte sich unmittelbar nach der Explosion ein ungewöhnlich starkes Signal. In den ersten acht Minuten nach dem Ereignis wurde ein schneller Anstieg der Tremoramplitude registriert, bevor die Werte wieder auf das übliche mittlere Niveau zurückgingen. Signifikante Veränderungen der allgemeinen explosiven Aktivität wurden jedoch nicht festgestellt. Auch die hochfrequenten GNSS-Messungen und die Kippmeterdaten zeigten keine Hinweise auf eine relevante Verformung des Vulkangebäudes.
Das am 13. Juni veröffentlichte LGS-Bulletin weist weiterhin auf eine erhöhte Aktivität hin. Die Zahl der VLP-Ereignisse lag mit 15,1 Ereignissen pro Stunde über dem Normalbereich, aber unter dem Niveau der Vortage. Zudem wurde ein hoher Explosionsdruck von bis zu 1,69 bar gemessen. Die thermische Aktivität blieb dagegen moderat, während Satellitendaten nur geringe Wärmeanomalien von etwa 1 Megawatt erfassten. Der Schwefeldioxid-Ausstoß betrug 82 Tonnen pro Tag und lag damit im mittleren Bereich. Insgesamt wird der Aktivitätsindex des Stromboli derzeit als „mittel“ eingestuft, was aber dem Umstand geschuldet sein kann, dass nicht alle Messinstrumente ihre Werte übermittelten.
Bildquelle: Laboratoriums für Experimentelle Geophysik (LGS) der Universität Florenz