Hayli Gubbi: Neuer Krater am Erta Alé

Neue Caldera im Süden der Erta-Alé-Caldera. © Copernicus

Expedition entdeckte neue Caldera im Süden des Erta Alé – Magmaabfluss zum Hayli Gubbi wahrscheinlich

Die Vorgänge im äthiopischen Afar-Dreieck sind spannender als jeder Krimi, da sie äußerst komplex zu sein scheinen und im Detail weitestgehend unbeobachtet abliefen. Der äthiopische Geotourismusführer Enku Mulugeta berichtet heute auf FB, dass er eine Reisegruppe von Volcano Discovery zum Eruptionsgebiet und dem benachbarten Erta Alé führte, wo man im Süden der Caldera eine neue Caldera entdeckte, die inzwischen auch auf dem neusten Sentinel-Foto sichtbar ist. Die neue Caldera scheint ohne sichtbare eruptive Tätigkeit am Erta Alé selbst durch den unterirdischen Abfluss von Magma entstanden zu sein. Die Vermutung liegt nahe, dass Magma eines unterirdischen Speicherreservoirs in Richtung Hayli Gubbi abgeflossen ist und dort zumindest an der Eruption beteiligt gewesen war. Damit scheint eingetreten zu sein, worüber ich bereits spekulierte: Eine Intrusion traf am Hayli Gubbi entweder auf Wasser oder auf einen älteren Magmenkörper, wodurch die starken Explosionen ausgelöst wurden.

Es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei diesem Magmenkörper um einen sekundär angelegten handelte, bei dem sich die Schmelze des Erta-Alé-Ablaufs von Mitte Juli in einer Kaverne unter dem Hayli Gubbi angesammelt hat. Im Gestein isoliert differenzierte die Schmelze, während sie nur langsam abkühlte. Bei der neuen Intrusion am Sonntag mischten sich die beiden Schmelzen, die sich inzwischen in Temperatur und Chemismus unterschieden, was extrem starke Explosionen verursachen kann, selbst wenn es sich von Grund her um Magma handelte, das nicht dazu neigt, explosiv gefördert zu werden. So ein Magmamixing ist für die stärksten Eruptionen in der Geschichte des Vulkanismus verantwortlich, kann letztendlich aber nur durch die Beprobung der Lava nachgewiesen werden. Manchmal kann das sogar makroskopisch geschehen, indem man Handstücke unterschiedlicher Zusammensetzung bzw. mit sichtbaren Einsprenglingen findet.

Die Schlussfolgerung aus diesen spekulativen Gedanken ist, dass der Hayli Gubbi wohlmöglich gar nicht selbst erwacht ist, sondern Schauplatz sekundärer Eruptionen war. Das wiederum macht möglicherweise eine wissenschaftliche Neubewertung des gesamten Vulkanismus dieser Region erforderlich.

Der neue Krater am Erta Alé misst ca. 760 × 350 m. Die Tiefe wurde nicht kommuniziert, doch anhand des Videos schätze ich sie auf ca. 50 m. Das Volumen des ellipsoiden Hohlraums dieser Dimension nähert sich 7 Millionen Kubikmetern an. Eine beachtliche Menge Magma, die da in Richtung Hayli Gubbi abgeflossen zu sein scheint.

Bei dem Magmaabfluss im Juli floss die Schmelze unterirdisch bis in die Nähe der Siedlung Afdera und bildete einen 40 Kilometer langen magmatischen Gang. Für die Siedlung besteht meiner Meinung nach ein hohes Gefahrenpotenzial. Gute Erinnerungen habe ich an den Ort nicht, denn bei meiner ersten Expedition zum Erta Ale wurde unsere Reisegruppe von der ortsansässigen Polizeitruppe in Schutzhaft genommen. Die Flucht gelang uns erst nach einer Schmiergeldzahlung.

Hayli Gubbi: Zwei neue Krater entstanden

Hayli Gubbi fördert weiterhin Aschewolken – Eruption am Sonntag ließ zwei neue Krater entstehen

Der äthiopische Vulkan Hayli Gubbi ist weiterhin aktiv und emittierte in den vergangenen zwei Tagen sporadisch Aschewolken, die bis in eine Höhe von rund 10 Kilometern aufsteigen und in nordöstlicher Richtung abdriften. Der Vulkan war am Sonntagmorgen überraschend ausgebrochen und sorgte sowohl bei der lokalen Bevölkerung als auch im Netz für Unruhe. Zunächst wurde ein Ausbruch des Erta Alé vermutet, später hieß es, der benachbarte Ale Bagu sei aktiv geworden. Letztendlich wurde die Eruption jedoch dem Hayli Gubbi zugeordnet, der zur gleichen Vulkankette gehört. Bei der initialen Eruption stiegen Aschewolken bis zu 14 Kilometer hoch auf und drifteten weit über das Rote Meer hinaus.

Zwei neue Krater

Vor wenigen Minuten veröffentlichte der europäische Copernicus-Dienst auf seiner frei zugänglichen Onlineplattform neue Satellitenbilder des Vulkans. Zu erkennen ist, dass bei der Eruption am Sonntag zwei neue Krater im Südosten der Gipfelcaldera entstanden sind. Sie sind unterschiedlich groß, und im Infrarotspektrum zeigt der kleinere Krater eine leichte thermische Anomalie. Im alten Hauptkrater steht eine Dampfwolke, wie sie bereits auf Satellitenfotos vor der Eruption zu sehen war.

Auf dem aktuellen Bild sind zudem hellbraune Ascheablagerungen nördlich des Vulkans sichtbar. Die Farbe deutet an, dass es sich hier um altes Material handelt, wahrscheinlich um das ausgeblasene Gestein, das von den Stellen stammt, wo jetzt die Krater sind. Leider liegen noch keine weiter gefassten Satellitenaufnahmen vor, sodass sich das gesamte Ausmaß der Ablagerungen derzeit noch nicht überblicken lässt.

Interessant wäre auch, ob sich nördlich des Hayli Gubbi am Hauptvulkan Erta Alé etwas verändert hat, doch dieser liegt ebenfalls außerhalb des aktuellen Satellitenausschnitts. Das hängt damit zusammen, dass die Sentinel-Satelliten die Erde in niedrigen Orbits umkreisen und sie bei jeder Passage streifenweise, jeweils leicht versetzt, abtasten.

Der Hayli Gubbi eruptiert im Holozän, das vor etwa 12.000 Jahren begann, zum ersten Mal – zumindest sind keine früheren Ausbrüche bekannt. Das würde nach gängiger Definition bedeuten, dass der Vulkan eigentlich als erloschen eingestuft war. Zum Vergleich: Der letzte Ausbruch des Laacher-See-Vulkans liegt rund 12.900 Jahre zurück. Das zeigt einmal mehr, dass die Abgrenzung zwischen aktiven und erloschenen Vulkanen einer Überarbeitung bedarf.

Allerdings ist die Afar-Region geologisch jung und sehr instabil, und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der Hayli Gubbi über einen derart langen Zeitraum inaktiv gewesen sein soll. Im Prinzip ähnelt das Afar-Dreieck ozeanischer Kruste, und es entsteht dort ein neuer Ozean. Korallen, die ich bei meiner ersten Expedition im Jahr 2001 dort entdeckte, belegen, dass zumindest Teile der Afar-Senke bereits unter Wasser lagen.

Vulkanausbruch in Äthiopien: Hayli Gubbi als Eruptionsort bestätigt

Starke explosive Eruption in Äthiopien ging vom Hayli Gubbi aus – lange Phase der Unsicherheit

Gestern Morgen war es gegen 8:30 UTC in der äthiopischen Afar-Region zu einer starken explosiven Eruption gekommen, die eine Eruptionswolke bis auf fast 14 Kilometer Höhe aufsteigen ließ. Da die Eruption nur aus großer Distanz von den ortsansässigen Afars beobachtet wurde, herrschte zunächst Unklarheit über den Ort des Geschehens: Als Erstes ging man davon aus, dass sich die Explosion am bekannten Schildvulkan Erta Alé ereignete, dann nahm man an, dass die Eruption vom benachbarten Stratovulkan Ale Bagu ausging. Letztendlich wurden fast 7 Stunden später erste Satellitenaufnahmen veröffentlicht, die den Hayli Gubbi als Ort des Geschehens identifizierten. Das VAAC Toulouse bestätigte nach 15 Uhr die Eruption und brachte eine VONA-Warnung für den Flugverkehr heraus, lange nachdem sich die Aschewolke bereits in 13.700 m Höhe über ein großes Gebiet verteilt hatte und eine Gefahr für den Flugverkehr darstellte.

Als ich gegen 14 Uhr in die Berichterstattung einstieg, ging man davon aus, dass der Ale Bagu für die Eruption verantwortlich sei. Im Endeffekt liegen alle drei erwähnten Vulkane in einem Umkreis mit einem Radius von 7 Kilometern ausgehend von einem zentralen Punkt zwischen den Vulkanen und da war es für Augenzeugen in mehr als 50 Kilometern Entfernung schwierig, den genauen Eruptionsort zu bestimmen.

Generell gehören alle 3 Vulkane zur Erta-Alé-Vulkankette, wobei Ale Bagu am Westrand des Areals liegt und nicht ganz in das Schema der calderabildenden Schildvulkane der Kette passt. Weder Ale Bagu noch Hayli Gubbi waren in historischen Zeiten aktiv, oder zumindest gibt es keine Berichte über Aktivität. Das GVP geht sogar so weit und schreibt, dass es keine bekannten größeren holozänen Eruptionen der beiden Vulkane gab, womit sie so offiziell als erloschen gelistet werden. Etwas, dass ich mir in Bezug auf den Hayli Gubbi kaum vorstellen kann.

Ich erwähnte den Hayli Gubbi erstmalig im Juli 2025 im Zusammenhang mit einer massiven Magmaintrusion, die offenbar vom Erta Alé ausgegangen war und bis in den südöstlichen Randbereich der Erta-Alé-Range vorgedrungen war. Zunächst war auf Satellitenaufnahmen zu erkennen gewesen, dass Lava durch unterirdische Tunnel bis in die Hayli-Gubbi-Region geflossen war und dort an Entgasungslöchern thermische Anomalien verursacht hatte. Damals gab ich zu bedenken, dass es auch nicht völlig ausgeschlossen ist, dass der Hayli Gubbi selbst aktiv geworden war.

Eine InSAR-Aufnahme, die ich aus den Tiefen des Netzes gefischt habe und deren Datum oder Ursprung mir nicht bekannt ist, zeigt massive Bodendeformationen entlang der Erta-Alé-Kette. Die Bodendeformation lässt vermuten, dass die Eruption gestern erst der Anfang einer intensiven Eruptionsphase gewesen sein könnte.

Bis ein Wissenschaftlerteam vor Ort ist und Berichte liefert, wird es wohl noch einige Tage dauern, sofern sich überhaupt jemand spontan auf den Weg in die entlegene Region machen kann.

Hayli Gubbi – Schildvulkan in der Danakil-Depression

Vulkanbeschreibung Hayli Gubbi

Der Hayli Gubbi ist ein bislang kaum erforschter Schildvulkan in Äthiopien. Er liegt im südlichen Teil der Erta-Alé-Vulkankette, die sich im Herzen der Danakil erstreckt. Mit einer Höhe von ca. 520 Metern zählt er zu den kleineren, aber dennoch geologisch bedeutsamen Vulkanen dieser tektonisch aktiven Zone. Der Vulkan fand zum ersten Mal Mitte Juli 2025 auf Vnet Erwähnung – Grund genug hier einen Steckbrief zu veröffentlichen.

Hayli Gubbi. © Copernicus

Die Danakil-Depression gehört zu den heißesten und trockensten Regionen der Erde und ist zugleich ein Paradebeispiel für aktive kontinentale Rifttektonik: Hier zerbricht die Afrikanische Platte, wodurch sich der Ostafrikanische Grabenbruch formt. Im Norden des Grabenbruchs, wo drei Riftsysteme aufeinandertreffen, senkt sich das sogenannte Afar-Dreieck ab, an dem sich der Ostafrikanische Graben, das Rote Meer und der Golf von Aden treffen.

Der Vulkan liegt im südlichsten Abschnitt der Erta-Alé-Kette, einer rund 100 Kilometer langen Reihe aus Schildvulkanen, Spalten und Kratern. Anders als der nördlich gelegene, berühmte Erta Alé, der durch seinen persistierenden Lavasee weltweite Bekanntheit erlangt hat, sind vom Hayli Gubbi rezente Eruptionen unbekannt. Nach heutigem Wissensstand gibt es keine dokumentierten Ausbrüche in historischer Zeit.  Allerdings gibt es Augenzeugenberichte, dass der Vulkan im Februar 2002 eine Dampfwolke ausstieß. Möglicherweise war es zu einer phreatischen Eruption gekommen.

Im Juli 2025 waren auf Satellitenaufnahmen im Infrarotspektrum eine Kette kleiner Hotspots zu erkennen gewesen, die wenige Kilometer nördlich des Hayli Gubbi lagen und bis an seine Flanke heranreichten. Die Vermutung liegt nahe, dass die thermischen Anomalien von unterirdisch fließender Lava verursacht wurden. Allerdings stammte die Lava wahrscheinlich nicht vom Hayli Gubbi, sondern vom Erta Alé, der zu dieser Zeit an seiner Südflanke eruptierte. Die Vermutung liegt nahe, dass Lava von dort aus in einem unterirdischen Riss oder einer alten Tube in Richtung Hayli Gubbi floss.

Typologisch handelt es sich bei Hayli Gubbi um einen basaltischen Schildvulkan mit flachen Flanken, der durch effusive Ausbrüche dünnflüssiger Lava entstanden ist. Im Zentrum des Vulkans befindet sich in einem Krater ein etwa 200 Meter breiter Schlackenkegel, der innerhalb eines grabenartigen Einbruchs sitzt. Diese Struktur lässt darauf schließen, dass tektonische Dehnungsvorgänge – typisch für die Danakil-Region – das ursprüngliche Schild deformiert und möglicherweise eine zentrale Einsenkung verursacht haben. Die umgebenden Laven bestehen größtenteils aus tholeiitischen Basalten, wie sie typisch für Riftzonen und ozeanische Rücken sind. Ihre petrographische Zusammensetzung umfasst meist Plagioklas, Klinopyroxen und gelegentlich Olivin – ein Hinweis auf einen heißen, magnesiumreichen Ursprung im oberen Mantel.

In geodynamischer Hinsicht ist Hayli Gubbi Teil eines Systems, das sich im Übergang von kontinentaler zu ozeanischer Kruste befindet, und ist wohlmöglich Zeugnis der Geburt eines neuen Ozeans.

Erta Alé: Lavastrom im Süden ausgetreten

Lavastrom im Süden des Erta Alé – Kraterbildung durch Kollaps infolge Deflation

Mekele, 17.07.2025 – Die Ereignisse am Erta Alé, über die ich in den letzten beiden Tagen berichtet habe, stehen offenbar mit der Eruption eines Lavastroms ganz weit im Süden des Vulkans in Verbindung. Ein neues Sentinel-Satellitenfoto zeigt im Infrarotspektrum die Signatur eines Lavastroms, der erst 5 Kilometer südlich der bekannten Hauptcaldera des Vulkans austritt. Dort, im Süden des Vulkans, befindet sich eine weitere Caldera, an deren Rand der Lavastrom sichtbar wird. Möglicherweise hat sich dort eine Eruptionsspalte gebildet.

Der Lavastrom teilt sich in 3 Arme, die sowohl nach Osten als auch nach Westen und Süden fließen. Der letztgenannte Arm scheint in einem Tunnel entlang eines Rifts zu verschwinden, denn noch einmal 5 Kilometer weiter südlich gibt es einige Hotspots, die nördlich des Vulkans Hayli Gubbi liegen. Es ist auch möglich, dass sich hier eigenständige Eruptionszentren öffneten.

Leider ist das Satellitenfoto aus mehreren Bildern zusammengesetzt. Die Naht der Bilder verläuft kurz oberhalb des Lavaaustritts am Rand der Südcaldera. Ausgerechnet das Bild, auf dem die eigentliche Erta-Alé-Caldera liegt, ist noch nicht aktualisiert worden und stammt von den Tagen vor der Eruption, so dass weitere Informationen über die Vorgänge dort fehlen. Es ist aber naheliegend, dass die Bildung des neuen Pitkraters mit dem Abfließen der Lava aus dem Magmenkörper unter dem Vulkan zusammenhängt und durch Kollapsereignisse ausgelöst wurde. Ein Umstand, auf den unser FB-Gruppenmoderator Mike Schüler früh hinwies.

Paradoxerweise ist das Wetter in der Danakil momentan schlecht und in einer der trockensten Wüsten der Erde ist es zu starken Regenfällen gekommen. In Afdera, einer der letzten ständig bewohnten Siedlungen in ca. 50 Kilometern Entfernung zum Erta Alé, ist es durch den Starkregen zu Überflutungen gekommen. Die ärmliche Infrastruktur des Ortes wurde stark beschädigt und die Menschen dort, die sowieso nicht viel haben, stehen vor dem Nichts. Meine persönlichen Erinnerungen an Afdera sind allerdings zwiespältig: Auf meiner ersten Expedition zum Erta Alé im Jahr 2002 wurde unsere Reisegruppe dort von der Polizei in „Schutzhaft“ genommen, aus der wir nur mit Schmiergeldzahlungen entkommen konnten.