Island: 100 Zentimeter Bodenhebung auf Reykjanes

Das Satellitenbild zeigt sehr schön die beiden Lavafelder von Sundhnúkur und Fagradalsfjall (rechts). © Copernicus

Bodenhebung auf Reykjanes-Halbinsel hält an – 1-Meter-Marke geknackt

Unaufhaltsam hebt sich seit Oktober 2023 der Boden auf der isländischen Halbinsel Reykjanes und hat nun die 1-Meter-Marke geknackt – und das, obwohl 9 Vulkanausbrüche und Gangbildungen immer wieder einen Großteil der Hebung abbauten. Dennoch entleerte sich der Magmenkörper nur bei dem ersten Ereignis am 9. November 2023 so sehr, dass eine Deflation entstand, die unter die 0-Marke abfiel, wobei diese Bodensenkung zum Teil auch dem Rifting geschuldet war. Damals sackte der Boden um 20 Zentimeter ab, sodass man nun eigentlich bereits auf 120 Zentimeter Netto-Bodenhebung kommt.

Reykjanes. © IMO

Der Prozess der Bodenhebung verlangsamte sich in den letzten Monaten deutlich, wobei unklar bleibt, ob dies geschieht, weil in der Tiefe nicht mehr genug Schmelze vorhanden ist und der Druck nachlässt, oder ob der Gegendruck im oberen Stockwerk der Magmadomäne zu groß ist und die Speicherkapazitäten im Porenraum des Gesteins nahezu erschöpft sind, was weiteren Magmenaufstieg erschwert. Die Eruption der Krafla in den 1970er Jahren zeigte, dass die Pausenintervalle auch damals immer länger wurden und es immer größeren Druck bedurfte, damit die nächste Eruption durchstarten konnte.

Wie auch immer, die Bodenhebung geht langsam, aber relativ stetig weiter und aus der Tiefe strömt ca. 1 Kubikmeter Magma pro Sekunde in das oberflächennahe Speichersystem. Auffällig ist, dass sich die Hebegeschwindigkeit an den bei Grindavik gelegenen Messstationen zuletzt steigerte. In der Region der gebeutelten Stadt wurden in den letzten 24 Stunden 3 schwache Erdbeben registriert.

Ebenfalls auffällig ist, wie still es in der Wissenschaftswelt um die Vorgänge geworden ist. Nach einer Zeit der medialen Überpräsenz mit einer Menge Spekulationen ist in den letzten Monaten kaum noch was zu lesen, obgleich das Thema nicht vom Tisch ist. Die nächste IMO-Gefahrenanalyse soll am 3. März veröffentlicht werden. Ich greife hier mal ein wenig vor und gehe davon aus, dass im Wesentlichen die Einschätzungen vom 17. Februar bestehen bleiben und man weiterhin mit einer Eruption bei Sundhnúkur rechnen muss.

Darüber hinaus gab es in den letzten 2 Tagen eine erhöhte Seismizität unter den subglazialen Vulkanen Grimsvötn und Katla, aber auch im Gebiet der Torfajökull-Caldera und in anderen Bereichen entlang von Störungen im Süden von Island.

Update:
Ich habe hier eine Grafik einer anderen Messstation eingebunden, die bereits 120 cm Bodenhebung anzeigt.

Island: 22 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt

Magmaakkumulation unter Svartsengi auf Island setzt sich langsam fort – 22 Millionen Kubikmeter seit letztem Ausbruch angesammelt

Unter der isländischen Reykjanes-Halbinsel sammelt sich langsam, aber stetig Magma an, was den Boden im Gebiet von Svartsengi weiterhin anhebt. Die Hebungsrate hat sich in den vergangenen Tagen weiter verlangsamt, dennoch steuert man auf einen neuen Rekord zu: Seit dem Ende der letzten Eruption im August 2025 hob sich der Boden um rund 300 mm an, und es akkumulierten sich gut 22 Millionen Kubikmeter Schmelze im Untergrund. Damit liegt man sehr nahe am bisherigen Rekord von 22,6 Millionen Kubikmetern. Bedenkt man, dass bei der Eruption nicht die gesamte zuvor angesammelte Schmelze eruptiert wurde, dürfte der Magmenkörper inzwischen sogar Rekordgröße erreicht haben.

Hebung
Bodenhebung

Die Magma-Aufstiegsrate vom tiefen in den flachen Magmakörper hat sich in den letzten Wochen deutlich verlangsamt und liegt nun unter einem Kubikmeter pro Sekunde, genauer bei etwa 0,83 Kubikmetern pro Sekunde. Das ist der niedrigste Zuflusswert seit Beginn der Eruptionen auf Reykjanes im Jahr 2021. Ob dies daran liegt, dass die Magmaansammlung inzwischen so groß ist und zunehmend Widerstand für aufsteigendes Magma bietet, oder ob schlicht weniger Magma verfügbar ist, bleibt Gegenstand von Spekulationen. Klären ließe sich dies erst im Falle einer erneuten Eruption: Wenn sich der Magmenkörper entleert und anschließend neue Schmelze aufsteigt. Bleibt die Aufstiegsrate dann niedrig, wäre das ein Hinweis darauf, dass insgesamt weniger Magma zur Verfügung steht und man davon ausgehen kann, dass die Eruptionsserie bei Sundhnúkur abklingt.

Die Erdbebentätigkeit im Eruptionsgebiet blieb in den vergangenen Tagen gering. Gestern gab es jedoch immerhin zwei Erschütterungen nördlich von Grindavík. Laut Icelandic Meteorological Office gibt es bei Víti, am Nordende einer früheren Intrusion, Schwärme von Mikrobeben, die nicht in den öffentlichen Erdbebenlisten auftauchen. Sie zeugen von wachsenden Spannungen im Untergrund. Die Schwarmbeben der letzten Woche, die sich westlich von Svartsengi manifestierten, übten offenbar keinen Einfluss auf die Aktivität im potenziellen Eruptionsgebiet aus.

Das IMO belässt seine Gefahreneinschätzung in dem gestern veröffentlichten Update unverändert. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt weiterhin eine Intrusion oder Eruption bei Sundhnúkur.

Island: Schwarmbeben westlich von Grindavik

Schwarmbeben westlich von Grindavik auf Island – Gut 30 Erdbeben bis jetzt

Heute Morgen manifestierte sich auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel ein Schwarmbeben an einer eher ungewöhnlichen Lokation: Seit 08:26:56 Uhr bebt die Erde genau in der Mitte zwischen dem Leuchtturm von Reykjanestá und Grindavík. Die Distanz zwischen den beiden Orten beträgt gut 14 Kilometer. Die Epizentren liegen unter dem Lavafeld Berghraun an der Südküste von Reykjanes und in unmittelbarer Nähe zur Küstenstraße Nesvegur. Die Tiefe der meisten Erdbebenherde liegt bei rund 5 Kilometern. Das stärkste Beben hatte laut IMO eine Magnitude von 2,5 und ein Hypozentrum in 0,6 Kilometern Tiefe.

Island. © VAFRI

Obwohl das Schwarmbeben bislang nicht weiter bedrohlich ist, könnte es mit den Spannungen in der Erdkruste zusammenhängen, die infolge der Magmaakkumulation bei Svartsengi entstehen. Es ist auch möglich, dass sich hier direkt magmatische Fluide entlang von Störungszonen bewegen. Die am nächsten gelegene GNSS-Messstation GEVK westlich von Grindavík zeigt in den letzten Tagen eine leichte Deflation. Es ist also denkbar, dass sich der unterirdische Schmelzfluss verlagert. An der nördlich von Berghraun gelegenen Kraterreihe Eldvörp stoppte die Bodenhebung laut den letzten Messungen jedoch ebenso wie bei Svartsengi. Die nächsten Tage werden zeigen, ob es sich erneut um Messfehler oder um einen neuen Trend handelt.

Über die letzten Monate hinweg verfestigte sich der Trend der Bodenhebung in einem weiten Teil von Zentralisland. An der Messstation KISA hob sich der Boden seit Juli 2025 um bis zu 70 mm. Diese Messstation liegt westlich von Bárðarbunga am Rand des Gletschers Vatnajökull. Aber auch an anderen Stationen rund um den Gletscher Hofsjökull ist eine Hebung von etwa 20 mm festzustellen.

Die Hebung Zentralislands ist unter Wissenschaftlern seit Längerem bekannt, war bis dato aber eher subtil und nahm erst in den letzten Monaten deutlich an Fahrt auf. Es gibt Überlegungen, dass die Hebung mit dem isländischen Mantelplume in Verbindung stehen könnte, dessen aktivster Teil unter dem Vatnajökull mit seinen mächtigen Zentralvulkanen angesiedelt ist.

Island: Mehr als 500 Beben infolge des Erdbebenschwarms

Über 500 Erdbeben durch Schwarm bei Eldey vor Island – Aktivität lässt nach

Seit gestern Abend hat die Aktivität des Schwarmbebens bei der Insel Eldey vor der Südwestspitze der Reykjanes-Halbinsel nachgelassen. Heute Morgen gibt es nur noch vereinzelte Erschütterungen. Während der gut 36 Stunden dauernden Hochphase der Aktivität wurden über 500 Beben detektiert. Das stärkste hatte eine Magnitude von 3,9. Während IMO-Wissenschaftler Benedikt Gunnar Ófeigsson einen direkten Zusammenhang mit der Magmaansammlung bei Svartsengi für unwahrscheinlich hält, meinte er gegenüber MBL, dass es durchaus einen indirekten Zusammenhang geben könnte.

Island. © IMO

Der unwahrscheinliche direkte Zusammenhang besteht darin, dass die Schwarmbeben durch aufsteigendes Magma bei Eldey ausgelöst wurden. Wie ich bereits in meinem gestrigen Update schrieb und was nun von Benedikt bestätigt wurde, gibt es dafür keine Messdaten wie Tremor oder Bodenhebung. Die Geräte auf Eldey sind diesbezüglich nicht ausgeschlagen. Dafür könnte es einen indirekten Zusammenhang geben, der mit der Bereitung von Aufstiegswegen an der Basis der tiefen Magmaquelle der Region in Verbindung steht In der Frühphase des eruptiven Geschehens auf Reykjanes, die bereits im Jahr 2018 auffällig wurde und sich bis 2021 deutlich steigerte, weitete sich die Riftzone des Mittelatlantischen Rückens in der nun erneut von dem Schwarmbeben betroffenen Region um mehrere Meter und bereitete so den Magmenaufstieg Richtung Fagradalsfjall und Svartsengi einen Weg. Daher ist es nicht auszuschließen, dass sich ähnliche Prozesse nun anfangen, zu wiederholen Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob eine neue Serie starker Schwarmbeben vor Reykjanes einsetzt.

Die Beben wirkten sich bis jetzt offenbar nicht auf die bestehende Magmenansammlung bei Svartsengi aus. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Schmelze ihren finalen Aufstieg begonnen hat.

Unterdessen bestehen bei einigen Anwohnern Sorgen, dass geplante Geothermiebohrungen bei der Eldvörp-Kraterreiche, die praktisch das westlich von Svartsengi gelegene Gegenstück zu Sundhnúkur darstellt, dort einen Ausbruch oder Erdbeben triggern könnten. Der Geologe Ármann Höskuldsson dementierte, dass Bohrungen einen Effekt auf das Phänomen haben. Selbst wenn der Bohrer auf eine Magmatasche stoßen würde, käme wohl nur dieser zu Schaden.

Island: Schwarmbeben bei Eldey vor Reykjanes hält an

Schwarmbeben bei Eldey auf Island geht weiter – über 400 Beben soweit

Der wohl stärkste Erdbebenschwarm, den Island in den letzten 6 Monaten erschütterte, geht auch heute Morgen weiter. Seit Beginn des Schwarmes gestern Mittag wurden über 400 Beben registriert, die direkt mit dem Schwarm bei Eldey zusammenhängen. Allerdings ist der Erdbebenschwarm so stark, dass er auch in weiter entfernten Regionen Südislands Erschütterungen auslöst. Betrachtet man ganz Island, wurden innerhalb von 48 Stunden fast 500 Beben detektiert.

Erdbeben

Das stärkste Beben des Schwarms ereignete sich gestern um 18:10 UTC und hatte eine Magnitude von 3,9. Das Epizentrum befand sich ein Stück abseits des Hauptschwarms, 62 Kilometer westlich der kleinen Insel Eldey. Die Herdtiefe betrug nur 1,1 Kilometer. Das zweitstärkste Beben brachte es auf Mb 3,4 und lag in unmittelbarer Nähe der Insel. Das Hypozentrum wurde in 6 km Tiefe festgestellt. Das verdeutlicht, dass die Beben nicht nur geografisch streuen, sondern auch in der Tiefe.

Der Ursprung des Schwarms ist wahrscheinlich tektonischer Natur und hängt mit Spannungen infolge der Kontinentaldrift zusammen: Die Beben manifestieren sich an der divergenten Naht zwischen Europa und Nordamerika, was regelmäßig für Spannungen bzw. Dehnungsstress im Untergrund sorgt. Da sich entlang des Mittelatlantischen Rückens die Platten mit einer Geschwindigkeit von mehreren Zentimetern pro Jahr voneinander entfernen, wird die Kruste bis zum Reißen ausgedünnt. Die entstehenden Spalten werden von Magma gefüllt und die Lehrbücher gehen davon aus, dass ständig Schmelze entlang des Rückens aufsteigt. Tatsächlich vollziehen sich die Prozesse nicht so gleichmäßig, wie man sich das vorstellen mag, sondern in Schüben, so wie wir es jetzt wahrscheinlich sehen. Dadurch steigt das Magma aus der Tiefe schneller auf als sonst, was zu vulkanischen Aktivitätsphasen führen kann, die die Erdoberfläche erreichen.

Tremor

Die geophysikalischen Daten liefern derzeit aber keine Hinweise darauf, dass Magma bei Eldey aufsteigt. Es wird weder Tremor noch eine signifikante Bodenhebung detektiert. Im Gegenteil: In den letzten Wochen gab es auf der Insel eine leichte Subsidenz von 15 mm. Mal sehen, ob sich dieser Trend mit dem Schwarmbeben wieder ändern wird.

Auch wenn bei Eldey direkt kein Magma aufsteigt, kann der Erdbebenschwarm mit den magmatischen Prozessen der Reykjanes-Halbinsel zusammenhängen. Obwohl nicht nur ich darüber spekuliere, sondern auch isländische Wissenschaftler, stehen wissenschaftliche Beweise hierfür noch aus.

 

Island: Signifikanter Erdbebenschwarm vor Reykjanes

Starker Erdbebenschwarm vor Reykjanes – mögliches Alarmsignal für Island

Heute begann um 12:40 UTC vor der Felseninsel Eldey im Südwesten Islands ein starker Erdbebenschwarm. Das seismische Messnetz von IMO registrierte bisher deutlich mehr als 100 Erdstöße, wobei das kräftigste Beben eine Magnitude von 2,9 erreichte. Die Spannungen sind groß genug, dass die Erdbeben bis über Reykjanes hinaus streuen. Damit zählt es zu einem der stärksten Events seit dem Ende der letzten Eruption im letzten Sommer.

Island. © IMO

Schwarmbeben in dieser Region werden im Allgemeinen der tektonischen Aktivität entlang des Reykjanes-Rückens zugeordnet, traten in den letzten 3 Jahren aber besonders häufig wenige Wochen oder Tage vor Eruptionen bei Sundhnúkur auf, weswegen ich sie als mögliche Reaktion auf starke Spannungen durch Magmenaufstieg und Akkumulation bei Svartsengi interpretiere, was wissenschaftlich allerdings nicht bewiesen ist. Sollte sich allerdings in den nächsten Tagen der erwartete Vulkanausbruch zeigen, sollte man sich dieser Interpretation erinnern.

Bereits am 6. Februar wurde in etwa 30 km südwestlicher Richtung ein weiterer Erdbebenschwarm beobachtet, der in das beschriebene Muster des Spannungsaufbaus passt.  Beide Schwärme zusammen verursachten bislang 222 Erschütterungen. Der Erdbebenschwarm ist noch nicht vorbei und könnte noch einige Stunden anhalten.

Bei Svartsengi gibt es bisher nur vereinzelte Erdbeben. Die Bodenhebung machte gestern bei der letzten Messung einen kleinen Satz nach oben, aber wie so häufig sind einzelne Messungen mit Vorsicht zu betrachten. Erst eine Messreihe kann neue Trends bestätigen oder widerlegen.

Die allgemeingültige Interpretation von Schwarmbeben rückt die Plattengrenze entlang des Reykjanes-Rückens, zu dem auch die Eldey-Region gehört, in den Fokus der Erklärungen: Der Rücken liegt entlang der Ränder von Eurasien und der Nordamerikanischen Platte, die sich hier auseinanderbewegen. Dadurch kommt es immer wieder zu Serien kleiner bis mäßiger Erdbeben, teils rein tektonischer Natur, teils im Zusammenhang mit vulkanischer Aktivität. In den letzten Jahren wurden dort mehrere Erdbebenschwärme registriert, teilweise begleitet von Magmapulsationen und zeitweiligen Erhöhungen der Warnstufen durch das Isländische Meteorologische Amt.

Update 19:30 Uhr: Inzwischen gab es 2 Erdbeben mit den Magnituden 3,9 und 3,2. Insgesamt wurden 241 Erschütterungen innerhalb von 48 stunden registriert.

Island: Magmaakkumulation nähert sich Höchsstand

Das Geothermalkraftwerk Svartsengi liegt genau im Brennpunkt der größten Bodenhebung.

Magmaakkumulation bei Svartsengi nähert sich Höchststand – Gefahreneinschätzung bleibt unverändert

Im isländischen Svartsengi-Gebiet hebt sich der Boden langsam, aber vergleichsweise konstant, und nach fast einem halben Jahr Pause wird es langsam mal wieder Zeit für eine neue Eruption entlang von Sundhúkur Doch ob es dazu kommt, bleibt ungewiss, obwohl sich im flachen Magmenkörper inzwischen mehr als 21 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt haben – ein Wert nahe dem Höchststand von 22,3 Millionen Kubikmetern, der vor der Eruption vom Dezember 2023 angesammelt wurde. Die Bodenhebung ist bereits jetzt die höchste, da nach dem letzten Ausbruch im August nicht alles Magma eruptiert wurde und sich der Boden nicht so weit absenkte wie bei vorherigen Eruptionsphasen.

Gestern veröffentlichte das Meteorologische Amt Islands (IMO) eine neue Gefahreneinschätzung, die gegenüber den beiden letzten Veröffentlichungen unverändert bleibt. Sie wurde bis zum 3. März verlängert. Die Entwicklungen werden weiterhin engmaschig überwacht. Entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe gilt das größere Eruptionsrisiko. Die Gefahreneinschätzung für Gridnvik wird als moderat eingeschätzt. Obwohl sich die letzten Eruptionsspalten vermehrt Richtung Norden öffneten, kann eine Ausbreitung in südlicher Richtung und damit nach Grindaik nicht ausgeschlossen werden.

Insgesamt kam es seit Dezember 2023 zu neun Vulkanausbrüchen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe. Die derzeitige Ruhephase ist mit 183 Tagen die längste seit Beginn dieser Ausbruchsserie. Parallel dazu setzt sich die Bodenhebung im Gebiet von Svartsengi fort und nähert sich inzwischen einem Meter, ein deutliches Zeichen für anhaltenden Magmazufluss und steigenden Druck im System.

Das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden Wochen ist laut IMO eine erneute Magmaintrusion von Svartsengi in Richtung der Sundhnúkur-Kraterreihe, die in einem weiteren Ausbruch münden könnte. Sollte es dazu kommen, würde dieser voraussichtlich ähnliche Merkmale wie die bisherigen Eruptionen entlang dieser Spalte aufweisen.

Ich frage mich allerdings inzwischen, ob der Druckanstieg nicht zu langsam vonstatten geht, um noch eine Eruption zu triggern.

Abseits von Svartsengi gibt es derzeit keine Hinweise auf neue Magmaansammlungen auf der Reykjanes-Halbinsel. Ein kürzlich ausgewertetes satellitengestütztes InSAR-Bild zeigt Bodenverformungen ausschließlich im Bereich von Svartsengi, während andere Regionen unverändert bleiben.

Die seismische Aktivität in unmittelbarer Nähe der Kraterreihe ist weiterhin gering. Am 28. Januar wurde jedoch östlich der Halbinsel, nahe Lambafell, ein Erdbebenschwarm mit rund 200 Beben registriert. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche etwas mehr als 260 Erdbeben erfasst, das stärkste mit einer Magnitude von M3 – ein für die Region typisches Niveau.

Heute gab es einen Erdbebenschwarm am Grjotarvatn bei der Snæfellsnes-Halbinsel Erstmalig seit langem bebte es auch vor der Nordküste der Westspitze der Halbinsel, wo der Vulkan Snæfelsjökull liegt.

Island: Schadensbilanz für Grindavik steht

Schadensbilanz für Grindavik steht – Ausbruchsprognose unsicher

Seitdem im Oktober/November 2023 die von Erdbeben begleitete Serie magmatischer Gangintrusionen und Vulkanausbrüche im isländischen Svartsengi-Gebiet begann, waren Versicherer beschäftigt, die Schäden zu begutachten, die die Naturkatastrophe in Grindavik verursachte. Nun nähert sich die Aufarbeitung und Bilanzierung ihrem Abschluss. Mehr als 70 Gebäude wurden infolge massiver Bodenverformungen und direkter Lavaeinwirkung zerstört oder beschädigt. Bei der isländischen Naturkatastrophenversicherung NTÍ gingen rund 800 Schadensmeldungen ein. Die Gesamtsumme der Entschädigungen dürfte sich auf nahezu 12 Milliarden isländische Kronen (ca. 83 Millionen Euro) belaufen und könnte durch noch laufende Prüfverfahren geringfügig ansteigen.

Ein Teil der betroffenen Immobilien gilt als wirtschaftlich nicht mehr zu retten. Zwölf Gebäude wurden so stark beschädigt, dass eine Reparatur unverhältnismäßig teuer wäre, weshalb sie als finanzielle Totalschäden eingestuft werden. Bei diesen Gebäuden handelt es sich überwiegend um große Hallen oder öffentliche Einrichtungen. Es wurden auch 47 geotechnische Gutachten erstellt, um zu gucken, inwiefern für Gebäude eine Gefährdung durch große Erdspalten besteht. Dazu wurden unter Einsatz von Baggern größere Erdmassen bewegt, um verborgene Strukturen und Schäden sichtbar zu machen.

Parallel zur Schadensbewertung laufen in und um Grindavík weiterhin umfangreiche Schutzmaßnahmen. Seit Ende 2023 wurden großflächige Erd- und Lavawälle errichtet, um künftige Lavaströme von Wohngebieten und kritischer Infrastruktur wie dem Geothermiekraftwerk Svartsengi abzulenken. Diese Barrieren werden laufend angepasst, erhöht und verlängert, da sich Ausbruchszentren und Fließrichtungen der Lava mehrfach verändert haben. Die Arbeiten erfolgen mit schwerem Gerät und unter Zeitdruck, da neue Eruptionen jederzeit möglich sind. Dabei entstanden Kosten in Höhe von sieben Milliarden isländischen Kronen (rund 48 Millionen Euro). Finanziert werden sie größtenteils aus staatlichen Mitteln, für die zum Teil Kredite aufgenommen werden mussten.

Ob es zu weiteren Eruptionen kommen wird, ist ungewiss. Der Prozess der Bodenhebung durch Magmenintrusion in 4 bis 5 Kilometer Tiefe unter Svartsengi ist noch nicht abgeschlossen, verlor in den letzten 3 Monaten aber deutlich an Schwung. IMO stuft die Wahrscheinlichkeit weiterer Ausbrüche als hoch ein. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sich die Aktivität in den nächsten Monaten oder Jahren auf ein anderes Spaltensystem von Reykjanes verlagern wird oder dass die Aktivität vorerst zum Erliegen kommt.

Island: Erdbebenschwarm im Hengill System

Erdbebenschwarm bei Lambafell erschüttert Region westlich von Þrengslin auf Island-  stärkstes Beben M 3,0

Das Erdbeben der Magnitude 3,0, welches heute Nacht um 02:01 Uhr die Region bei Lambafell im Hengill-System auf Reykjanes getroffen hat, war der bislang stärkste Stoß eines anhaltenden Erdbebenschwarms. Der Erdstoß war stark genug, um von Anwohnern am Rand der nahen Hauptstadtregion verspürt zu werden. Seit Beginn der Aktivität gegen 16:30 Uhr am 27. Januar wurden inzwischen mehr als 200 Erschütterungen registriert – Tendenz anhaltend.

Erdbebenschwarm Island

Erdbebenschwärme sind in diesem Gebiet kein ungewöhnliches Phänomen. Die betroffene Region liegt auf der Reykjanes-Halbinsel, einem der geologisch aktivsten Gebiete Islands. Hier verläuft ein Teil des Mittelatlantischen Rückens, an dem die Nordamerikanische und Eurasische Platte auseinanderdriften. Diese kontinuierliche Dehnung der Erdkruste führt regelmäßig zu Spannungsaufbau und -abbau in Form von Erdbeben entlang von Störungszonen.

Die Ursache hinter dem aktuellen Erdbebenschwarm ist nicht zur Gänze geklärt. Es könnte sich um rein tektonisch bedingte Erdbeben handeln und mit dem oben beschriebenen Spannungsabbau im Zusammenhang stehen. Darüber hinaus beherbergt die Reykjanes-Halbinsel mehrere aktive Vulkansysteme, und in den vergangenen Jahren kam es hier wiederholt zu magmatischen Intrusionen und Eruptionen. In Vulkanregionen stehen Schwarmbeben entlang von Störungen oft von magmatischen Fluiden ausgelöst. Es kann sich aber auch genauso gut um vulkanotektonische Beben handeln, die direkt von Fluidbewegungen ausgelöst werden, ohne dass Störungszonen involviert werden. Als Drittes ist auch die Einflussnahme des nahen Geothermalkraftwerks Hellisheiði eine mögliche Ursache, indem man mit hohem Druck Wasser in Bohrungen verpresst.

Nach aktuellem Stand besteht an dieser Stelle keine akute Gefahr und ein sich anbahnender Vulkanausbruch gilt als unwahrscheinliches Szenario. Anders sieht es an einem anderen Geothermalkraftwerk auf Reykjanes aus: Unter Svartsengi gibt es eine große Magmaansammlung bei anhaltendem Druckaufbau. Entsprechend groß ist das Eruptionsrisiko. Allerdings flachte die Kurve der Bodenhebungsgeschwindigkeit in den letzten Tagen merklich ab und es sieht beinahe so aus, als würde die Inflation stoppen, wodurch das Ausbruchsrisiko abnimmt. Der vermeintliche Rückgang der Hebegeschwindigkeit könnte aber auch auf Messungenauigkeiten zurückzuführen sein. Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich der Trend bestätigt.