Weitere Erdbeben unter Teneriffa – 20 Erschütterungen M größer 1,0 seit gestern Abend
Die Kanareninsel Teneriffa befindet sich seit einigen Wochen in einer Phase erhöhter seismovulkanischer Aktivität. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem das Vulkansystem um den Teide-Pico-Viejo-Komplex innerhalb der Caldera Las Cañadas, wo es seit Februar bereits tausende schwache Erdbeben gegeben hat. Trotz der registrierten Aktivität bleibt die vulkanische Warnstufe der Insel auf grün, genauso die der meisten anderen Inseln der Kanaren. Eine Ausnahme bildet weiterhin La Palma, wo mehr als drei Jahre nach dem Ausbruch von 2021 die Warnstufe aufgrund noch nicht vollständig normalisierter geophysikalischer und geochemischer Parameter auf Gelb steht.

Während der Woche vom 6. bis 13. März 2026 registrierte das seismische Netzwerk der Kanaren insgesamt 196 schwache Erdbeben im Archipel. Das stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von 2,6 und ereignete sich am 13. März im Seegebiet zwischen Teneriffa und Gran Canaria. Die insgesamt freigesetzte seismische Energie lag bei rund 0,10 Gigajoule. Die meisten Beben konzentrierten sich auf Teneriffa, daneben wurden auch Ereignisse auf El Hierro, Gran Canaria und La Palma registriert. Ein Teil der Beben hängt mit der moderaten tektonischen Aktivität des Archipels zusammen, etwa entlang von Störungszonen zwischen Teneriffa und Gran Canaria.
Auf Teneriffa ist die seismische Aktivität jedoch besonders auffällig. Bereits seit Februar werden unter dem Teide-System wiederholt Erdbebenschwärme registriert. Diese bestehen meist aus zahlreichen Mikrobeben mit Magnituden von kleiner 1 bis 2 und Tiefen zwischen etwa 8 und 16 Kilometern. Die Ereignisse treten überwiegend im Bereich südlich bis westlich der Caldera Las Cañadas auf und werden teilweise als Hybrid- oder niederfrequente Signale interpretiert. Solche Signale können neben Gesteinsbruch auch Bewegungen von Fluiden im vulkanisch-hydrothermalen System anzeigen.
Vor diesem Hintergrund ist auch der neue Erdbebenschwarm vom 14. März 2026 zu sehen. Dabei wurden 21 Beben mit Magnituden zwischen 1,1 und 1,8 registriert und lokalisiert, deren Hypozentren ebenfalls in etwa 10 bis 16 Kilometern Tiefe liegen. Auf den öffentlich zugänglichen Seismogrammen nicht sichtbar sind sehr schwache Mikrobeben, von denen sich zahlreiche ereignet haben könnten. Offiziell berichtet IGN von 30 nicht lokalisierten Beben, so dass der Schwarm aus mehr als 50 Erschütterungen bestand. Dieser Schwarm fügt sich damit in das Muster der vergangenen Wochen ein und bestätigt das Anhalten der seismischen Aktivität unter dem Teide-System.
Begleitende Messungen zeigen derzeit keine auffälligen Bodenverformungen im Archipel. Allerdings registriert das geochemische Messnetz weiterhin erhöhte diffuse Kohlendioxid-Emissionen auf Teneriffa. Diese stehen im Zusammenhang mit einem seit etwa 2016 beobachteten Druckaufbau im vulkanisch-hydrothermalen System, der nach Einschätzung von Vulkanologen ein normaler Prozess innerhalb aktiver Vulkansysteme ist, langfristig betrachtet aber zu einer Eruption führen könnte.
Auch auf den übrigen Inseln – insbesondere Gran Canaria, El Hierro und La Palma – wird weiterhin schwache Seismizität registriert. Insgesamt bleibt die Aktivität im regionalen Vergleich jedoch moderat und deutlich unter den Werten, die vor oder während größerer Ausbrüche beobachtet wurden.