Weiterer Schwarm hybrider Erdbeben unter dem Teide auf Teneriffa – Vulkan bereitet sich möglicherweise langsam auf Ausbruch vor
Auf der bei deutschen Urlaubern beliebten Ferieninsel Teneriffa gab es gestern einen weiteren Schwarm hybrider Erdbeben unter dem Vulkan Pico del Teide. Hybriderdbeben stehen mit der Bewegung magmatischer Fluide in Verbindung, und eine zunehmende Häufung dieser Erdbeben deutet auf Magmenaufstieg und die Bildung eines Magmenkörpers im Untergrund hin. Tatsächlich kann man hier meiner Meinung nach bereits von einer Häufung sprechen: Traten Erdbebenschwärme dieses Typs unter Teneriffa bislang nur sehr selten auf, so häufen sie sich in den letzten Wochen.

Das kanarische seismische Netzwerk von INVOLCAN registrierte den Beginn des Schwarmbebens am 16. Februar gegen 20:00 Uhr kanarischer Zeit. Innerhalb weniger Stunden wurden mehr als 300 Ereignisse mit sehr geringer Amplitude aufgezeichnet. Ein Blick auf das Seismogramm zeigt, dass die Erdbebensignale nur geringe Ausschläge erzeugten, dafür aber in kurzen und relativ gleichmäßigen Intervallen auftraten. Mich erinnert der Rhythmus des Schwarms an eine klopfende Wasserleitung.
Die Vulkanologen von INVOLCAN und dem Instituto Geográfico Nacional (IGN) interpretieren die Erdbeben als Eindringen magmatischer Fluide in das Hydrothermalsystem des Vulkans. Leider werden keine Angaben zu den Herdtiefen gemacht. Der bekannte Wissenschaftsblogger Enrique berichtet jedoch, dass einige lokalisierbare Erdbebensignale in 10 bis 11 Kilometern Tiefe auftraten – was natürlich zu tief für ein oberflächennahes Hydrothermalsystem ist. In dieser Tiefe befindet sich die Übergangszone zwischen Erdkruste und oberem Mantel, also jener Bereich, in dem sich aufsteigendes Magma bemerkbar machen kann, wenn es dabei ist, aus plastischen Gesteinsschichten in die starre Erdkruste einzudringen. Bei diesen lokalisierbaren Ereignissen könnte es sich allerdings auch um vulkanotektonische Erdbeben abseits des eigentlichen Schwarms gehandelt haben.
Die seismische Aktivität auf Teneriffa nimmt bereits seit 2016 langsam, aber stetig zu. Ein erster Hybridschwarm wurde am 2. Oktober 2016 registriert. Seitdem gab es acht solcher Schwärme, unter anderem am 14. Juni 2019, 16. Juni 2022, 12. Juli 2022, 14. November 2024, 7. August 2025 sowie zwei weitere Schwärme seit Ende Januar 2026.
Signifikante Steigerung der Seismizität in der 7. Kalenderwoche
Die GUAYOTA-Infografik vom 13. Februar weist für die Vorwoche 514 Erdbeben auf Teneriffa aus. Ein Spitzenwert, der eine signifikante seismische Aktivitätssteigerung darstellt.
Seit 2016 wurden zudem verschiedene geochemische und geophysikalische Daten erhoben, die auf ein langsames Aufheizen des magmatischen Systems unter dem Teide hindeuten. Dazu zählen unter anderem erhöhte diffuse CO₂-Emissionen im Kraterbereich sowie eine leichte Bodenverformung im nordöstlichen Gipfelbereich.
Nach Angaben von INVOLCAN führt dieser neue Schwarm kurz- und mittelfristig zu keiner Veränderung der Eruptionswahrscheinlichkeit auf Teneriffa. Zudem gibt es weiterhin keine Hinweise darauf, dass der seit Ende 2016 registrierte erhöhte vulkanische Unruhepegel unmittelbar auf eine bevorstehende Eruption hindeutet.
Tatsächlich verhält es sich hier meiner Einschätzung nach jedoch ähnlich wie an anderen Vulkanen der Kanaren und weltweit: Die aktuellen Prozesse auf Teneriffa werden mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig in einer oberflächennahen Magmenintrusion oder sogar in einem Vulkanausbruch gipfeln. Auch wenn bis dahin sehr wahrscheinlich noch mehrere Jahre vergehen können, ist es ebenso möglich, dass sich die Situation innerhalb weniger Monate deutlich zuspitzt.
Die Bedeutung der Erdbeben unter Teneriffa für deutsche Touristen
Für Touristen besteht derzeit kein unmittelbarer Anlass, Urlaubspläne nach Teneriffa zu ändern. Dennoch empfiehlt es sich, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Generell kann es nicht schaden, eine Reise durch eine entsprechende Versicherung abzusichern, sodass man im Falle einer überraschend schnellen Eskalation flexibel reagieren kann.
Bis jetzt lässt sich nicht prognostizieren, ob und wann es zu einem Vulkanausbruch kommen wird und welcher Art bzw. wie groß er sein wird, noch in welchem Inselteil er stattfinden wird. Neben einer Eruption des Pico del Teide innerhalb der Caldera ist eine Flankeneruption denkbar, die Lavaströme fördert, die die Küstenregionen erreichen könnten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass Vulkanasche den Flugverkehr beeinträchtigen wird. Im Vorfeld einer Eruption könnte es auch zu stärkeren Erdbeben kommen, die für sich genommen eine Gefahr darstellen könnten.
Dass Vorsorge und Aufmerksamkeit nicht schaden, scheint man auch in einigen Kommunen innerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone des Vulkans zu denken, denn dort werden die Zivilschutzübungen derzeit intensiviert.
Update 14:30 Uhr: Das IGN veröffentlichte weitere Daten zum Erdbebenschwarm. Er hielt bis in die Morgenstunden an und brachte mindestens 755 Hybridbeben hervor. Gegen 4:18 Uhr setzten langperiodische Erdbeben ein. Die Herdtiefen lagen überwiegend zwischen 7 und 8 Kilometern, also deutlich tiefer, als sich normalerweise Hydrothermalsysteme befinden. Die Tiefe spricht für aufsteigendes Magma oder eine Akkumulation in mittlerer Tiefe.