Bis in den roten Bereich: Tremor am Ätna deutlich gestiegen – Vulkanausbruch wahrscheinlich
Eine Woche nach der finalen Hochphase der jüngsten Eruption am Ätna geschieht das, worauf zahlreiche Vulkanfans gewartet und gehofft haben: Der Tremor – ein geophysikalischer Indikator für Magmabewegungen im Untergrund bis hin zu einem Vulkanausbruch – ist am Sonntagnachmittag bis in den roten Bereich angestiegen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass bereits ein neuer Vulkanausbruch eingesetzt hat.
Allerdings geben die Livecam-Aufnahmen bislang nur wenig her. Visuelle Anzeichen einer Eruption sind derzeit ebenso wenig zu erkennen wie entsprechende Berichte des INGV. Denkbar ist, dass es in einem der vier Gipfelkrater zu strombolianischen Eruptionen oder zu einer verdeckten effusiven Tätigkeit gekommen ist. Ebenso ist möglich, dass sich das Magma noch im Aufstieg befindet und es erst in den kommenden Stunden zu einem neuen Vulkanausbruch kommt.

Sollten sich diese Spekulationen bewahrheiten und tatsächlich eine neue Eruption begonnen haben, könnte sich ein episodisches Aktivitätsmuster entwickeln, das an die Paroxysmen der vergangenen Jahre erinnert. In diesem Fall wären weitere Eruptionsphasen wahrscheinlich.
Bereits gestern Morgen war es zu einem kurzen Tremorpeak gekommen, der weit in den roten Bereich reichte. Dieser sorgte unter den Mitgliedern unseres Vulkanvereins für Diskussionen. Viele waren sich einig, dass der Ätna „noch nicht fertig hat“.

Noch während ich diese Zeilen schreibe, zeigt ein aktualisiertes Webcambild eine Dampfwolke, die aus dem Zentralkraterbereich aufsteigt und meiner Einschätzung nach auch geringe Mengen Vulkanasche enthält. Es könnte also durchaus sein, dass bereits schwache explosive Eruptionen im Gange sind.
Update: Nachdem der Ätna einige kleine Aschewolken ausgestoßen hatte und im Dunklen kleine strombolianische Eruptionen aus der Voragine dokumentiert wurden, sank der Tremor wieder ab und es fand keine größere Eruption statt. Nach einer seismisch ruhigen Phase ohne neue Erdbeben, hatte es am Samstag einige Erschütterungen in geringen Tiefen unter dem Gipfelbereich gegeben. Sie zeigen, dass einer der mächtigsten Vulkane Europas nicht plötzlich eingeschlafen ist.