Überflutungen in der Türkei – starke Zerstörungen und zahlreiche Verletzte
In den vergangenen Tagen haben extreme Regenfälle in der zentraltürkischen Provinz Samsun eine schwere Flutkatastrophe ausgelöst. Besonders betroffen ist der Landkreis Havza östlich von Ankara. Infolge des Starkregens traten mehrere Bachläufe und Flüsse über die Ufer und verwandelten Straßen innerhalb kürzester Zeit in reißende Ströme. Vor allem der Bach Hacı-Osman und der Tersakan-Fluss überfluteten zahlreiche Wohnviertel. Bilder dokumentieren, wie Fahrzeuge von den Fluten mitgerissen wurden, Keller und Erdgeschosse vollliefen und Geschäfte zerstört wurden. Während Einsatzkräfte Schlamm und Trümmer beseitigen, bleibt die Lage angespannt: Für große Teile Zentral- und Nordanatoliens gelten weiterhin Hochwasserwarnungen, die vor lebensgefährlichen Bedingungen warnen.

In sozialen Medien veröffentlichte Aufnahmen zeigen das Ausmaß der Katastrophe: Autos, Müllcontainer und allerlei Unrat wurden von den schlammigen Fluten erfasst, durch die Straßen gespült und an Hindernissen zusammengeschoben, wo sich Wasser und Treibgut stauten. Wie bei solchen Hochwasserereignissen üblich, trat auch Abwasser aus der Kanalisation aus, wodurch zusätzlich Seuchengefahr besteht.
Trotz der dramatischen Bilder gibt es bislang zumindest eine vorsichtig positive Nachricht: Nach aktuellem Stand wurden keine Todesopfer bestätigt. Die Behörden sprechen jedoch von mindestens zwölf Verletzten – überwiegend Menschen, die während der Überschwemmungen stürzten, in Fahrzeugen eingeschlossen waren oder bei Rettungsaktionen leichte Verletzungen erlitten. Mehrere Bewohner mussten aus überfluteten Häusern oder eingeschlossenen Autos gerettet werden. In einigen Fällen kamen Bagger und schwere Maschinen zum Einsatz, um Menschen trotz der starken Strömungen in Sicherheit zu bringen.
Die Schäden sind enorm. Neben beschädigten Wohnhäusern und Geschäften wurden zahlreiche Fahrzeuge zerstört oder zusammengeschoben. Straßenbeläge brachen auf, Brücken und Unterführungen waren zeitweise unpassierbar. Schulen blieben geschlossen. In einigen Vierteln behinderten Stromausfälle und verschlammte Straßen die Rettungsarbeiten zusätzlich.
Die Gefahr ist jedoch noch nicht gebannt. Türkische Wetterdienste warnen weiterhin vor anhaltenden Regenfällen und möglichem Hochwasser. Betroffen sind mehr als 30 Provinzen, darunter Samsun, Tokat, Amasya, Ordu, Trabzon und Rize. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem durch kleinräumige Sturzfluten entlang von Bächen und in engen Tälern. Die bereits gesättigten Böden können weitere Niederschläge kaum noch aufnehmen, sodass selbst kurze Starkregenereignisse neue Überschwemmungen auslösen könnten.
Geologisch und morphologisch gilt die Region als besonders flutanfällig. Havza liegt in einer Übergangszone zwischen dem anatolischen Hochland und den zum Schwarzen Meer hin abfallenden Gebirgszügen. Zahlreiche kleinere Wasserläufe entwässern dort steile Hänge in relativ engen Tälern. Hinzu kommt, dass die Schwarzmeerregion der Türkei regelmäßig feuchte Luftmassen aufnimmt. Werden diese an den Gebirgen gehoben, entstehen intensive Niederschläge, die lokal große Wassermengen freisetzen können. Verstärkt wird das Risiko durch Bebauung in Talböden sowie durch versiegelte Flächen, die das Versickern des Wassers erschweren.