Flammenhölle von Spokane: Waldbrand greift auf Stadt über und vernichtet mehr als 600 Gebäude
Die am Samstag ausgebrochenen Waldbrände rund um Spokane im US-Bundesstaat Washington haben sich innerhalb weniger Stunden zu einer der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte der Region entwickelt. Mehrere Feuer – darunter das Old Trails Fire, das Autumn Lane Fire und das Fairview Fire – breiteten sich aufgrund starker Winde mit hoher Geschwindigkeit aus, vereinigten sich und hinterließen in der Stadt eine Spur der Verwüstung. Nach Angaben der Behörden wurden inzwischen über 600 Gebäude zerstört. Etwa 60.000 Menschen mussten evakuiert werden. Tausende weitere Gebäude sind bedroht.
Besonders ungewöhnlich war die Geschwindigkeit, mit der sich die Flammen ausbreiteten. Sturmböen von bis zu 72 Kilometern pro Stunde trieben die Feuerfronten unaufhaltsam voran und verteilten glühende Funken über große Entfernungen. Dadurch entstanden immer wieder neue Brandherde weit vor der eigentlichen Feuerfront.
In den sozialen Medien werden zahlreiche Aufnahmen der Katastrophe gezeigt, auf denen nicht nur das Ausmaß der Schäden zu erahnen ist, sondern auch die Hilflosigkeit der Bewohner der verbrannten Häuser. Die Häuser ganzer Straßenzüge wurden dem Erdboden gleichgemacht und brannten bis auf die Fundamente ab, während die Häuser eine Straße weiter unversehrt blieben. Neben den Häusern brannten auch zahlreiche Fahrzeuge nieder. Offensichtlich waren die Besitzer nicht in der Lage gewesen, sie in Sicherheit zu bringen.
Die außergewöhnliche Wetterlage verschärfte die Situation zusätzlich. Seit Wochen leidet Ost-Washington unter extremer Trockenheit. Ausgedörrte Gräser, Büsche und Wälder boten den Flammen ideale Nahrung. Zusätzlich sank die Luftfeuchtigkeit auf sehr niedrige Werte. Der nationale Wetterdienst hatte deshalb erstmals für den Bundesstaat Washington eine sogenannte „Particularly Dangerous Situation“-Red-Flag-Warnung ausgegeben – die höchste Alarmstufe für außergewöhnlich gefährliche Waldbrandbedingungen.
Ein weiterer Grund für das enorme Schadensausmaß ist die Lage vieler Wohngebiete. Zahlreiche Häuser grenzen unmittelbar an bewaldete Flächen oder trockenes Buschland bzw. stehen mitten in einer bewaldeten Zone. Gelangen Funken in solche Siedlungen, können Brände schnell von Gebäude zu Gebäude überspringen. Genau dieses Szenario spielte sich in mehreren Stadtteilen im Norden und Westen Spokanes ab. Hinzu kommt, dass die Häuser im Wald – in Amerika spricht man von Wildland-Urban-Interface-Zonen – überwiegend aus Holz erbaut sind.
Die Brandursache ist bislang ungeklärt. Ermittler prüfen verschiedene Möglichkeiten, darunter menschliche Fahrlässigkeit oder technische Defekte. Offizielle Hinweise auf Brandstiftung oder natürliche Auslöser wie Blitzschlag liegen derzeit nicht vor. In der Bevölkerung wird spekuliert, dass der Old-Trails-Brand möglicherweise entlang einer Bahnstrecke entstanden sein könnte und durch Funken eines Zuges ausgelöst wurde.
Trotz des extrem großen Ausmaßes der Zerstörung meldeten die Behörden zunächst keine Todesopfer. Dieser Umstand ist vor allem den schnellen Evakuierungen zu verdanken. Im Spokane Convention Center wurde ein großes Notfallzentrum eingerichtet. Gouverneur Bob Ferguson rief den Ausnahmezustand aus und beantragte Unterstützung durch die Bundeskatastrophenschutzbehörde FEMA.