Reise der Vulkansurrogate: Agrigent und Syrakus statt Ätna und Stromboli
Vulcano, die Insel, die allen Feuerbergen ihren Namen gab, fasziniert mich seit meiner frühen Jugend: Ich entdeckte die Insel in einem Stern-Bericht der 1980er-Jahre und nahm mir vor, diesem entlegenen Eiland nördlich von Sizilien eines Tages einen Besuch abzustatten. Tatsächlich war der Inselvulkan dann auch einer der ersten Vulkane, die ich gut zehn Jahre später besuchen sollte. Und es blieb nicht bei diesem einen Besuch. Zuletzt kehrte ich mit meinem Sohn Leroy in den Osterferien 2026 dorthin zurück, der jetzt etwa in dem Alter ist, in dem ich besagten Stern-Bericht las. Ein Teil meiner Faszination übertrug sich auf ihn, denn es war unsere dritte gemeinsame Reise dorthin, wobei eigentlich Stromboli unser Hauptziel war.

Tatsächlich nahmen wir die Unbequemlichkeit auf uns, über Frankfurt anstatt von Düsseldorf aus zu fliegen, was dem Umstand geschuldet war, dass der Flug nach Catania von Frankfurt aus halb so teuer war wie von Düsseldorf. Zu allem Überfluss ging der Flieger morgens um 7 Uhr und da nachts keine Züge von Oberhausen nach Frankfurt fahren – was ich immer wieder unglaublich bescheuert finde, denn auch nach Amsterdam mit seinem Fernflughafen kommt man nachts nicht –, mussten wir schon abends aufbrechen, sodass wir kurz nach Mitternacht am Flughafen ankamen. Zum Glück war es die Nacht der Umstellung auf Sommerzeit, sodass die Wartezeit eine Stunde kürzer ausfiel.
Auf Richtung Vulcano und Stromboli
Nach ereignislosem Flug kamen wir am Vormittag in Catania an, holten uns den Mietwagen und begannen unsere Sizilienreise auf dem Domplatz von Catania, wo wir einen tollen Blick auf den Ätna hatten. Doch das gute Wetter währte nicht lange und bald hüllte sich der Dominator Siziliens in dichte Wolken. Den Wetterprognosen nach sollte sich das auch so schnell nicht wieder ändern, denn es wurden schwere Unwetter vorausgesagt, weswegen wir spontan unseren Plan änderten, den Ätna cancelten und sofort Richtung Vulcano durchstarteten, wo wir am späten Nachmittag eintrafen. Vom Hafen Milazzo aus hatte ich noch schnell ein Zimmer in der Casa Schmidt gebucht, wo wir schon im Vorjahr Gast waren und die zu unseren ursprünglich geplanten Reisedaten aber ausgebucht war, weswegen wir später in ein ebenfalls nettes Ferienhaus umziehen sollten, das wir schon von zu Hause aus gebucht hatten.
Am Hafen empfing uns der so vertraute Geruch nach faulen Eiern, den Leroy bei seinen ersten Inselkontakten so gar nicht mochte. Inzwischen rümpfte er nur einmal kurz die Nase, dann war gut. Der Gestank entströmt den Fumarolen am Faraglione genannten Felsen und dem Fangobad an seinem Fuß. Zu unserem Entsetzen war das Bad erneut geschlossen, obwohl sich die Gaswerte, die in den Jahren der seismovulkanischen Krise zur Schließung des Bades geführt hatten, inzwischen wieder deutlich normalisiert hatten. Der Grund der Schließung: Für den privaten Pächter lohnte es sich in der Vorsaison wohl nicht, den mittlerweile von der Kommune vorgeschriebenen Bademeister zu bezahlen, weshalb Touristen, die auch extra wegen eines Bades im Fango kommen, nun vor dem hölzernen Gatter stehen und dumm gucken. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich von Holzzäunen und Toren nicht einfach von MEINEM Fangobad abhalten lasse, und so beschloss ich später trotzdem, ein Bad zu nehmen. Doch leider kam es anders als geplant: Die Unwetter, vor denen wir mittags aus Catania geflohen waren, holten uns ein. Und so fanden Leroy und ich uns abends in einem der wenigen offenen Restaurants bei einer Pizza sitzend wieder, anstatt in dem Fangotopf.
Am nächsten Morgen standen wir mit Sonnenaufgang auf und das Wetter war besser. So nutzten wir die Gelegenheit und machten uns gleich an den Aufstieg zum Vulkankrater der Fossa 2, den wir auch recht schnell erreichten. Anders als im Vorjahr war das Fumarolenfeld nicht mehr gesperrt und so erkundeten wir es ausführlich. Mit meiner kleinen Thermalkamera maß ich Temperaturen von bis zu 198 Grad Celsius und blieb damit unter den von den Vulkanologen ermittelten Werten von ca. 250 Grad. In Ermangelung einer Gasmaske drang ich aber auch nicht bis zu den heißesten Fumarolen vor. Nach einer Umrundung des Kraters machten wir uns über die Ascherutsche an den Abstieg. Leroy, der mittlerweile schon dabei ist, ein Vulkanprofi zu werden, fand besonders hieran Gefallen.
Unten angekommen marschierten wir zur Casa Schmidt, packten unser deponiertes Gepäck und zogen in das Ferienhaus um, das für die nächsten zwei Nächte unser Zuhause sein sollte. Leider kamen nachmittags erneut Unwetter auf und es wurde wieder nichts aus einem Fangobad.
Am nächsten Tag regnete es Bindfäden und in Ermangelung besserer Ideen mieteten wir einen recht vergammelten Wagen und unternahmen eine Inselrundfahrt. Doch das Wetter wollte sich nicht bessern und so blieben wir, abgesehen von ein paar kurzen Spaziergängen, im Wagen und chillten in unserem Ferienhaus.
Einmal am Stromboli anschlagen, dann zurück nach Sizilien
Und schon war unsere Zeit auf Vulcano um. Am nächsten Morgen war das Wetter besser und wir saßen gegen 7 Uhr bereits im Tragflächenboot nach Stromboli, wo wir die nächsten drei Nächte verbringen wollten. Die Freude war groß, denn bei unserem letzten Versuch, den Vulkan zu erreichen, scheiterten wir am hohen Seegang, wegen dem der Fährbetrieb ausgesetzt wurde. Das sollte uns heute nicht passieren. Oder doch? Nach gut zweieinhalb Stunden im Schnellboot erreichten wir Stromboli bei schönstem Sonnenschein. Voller Erwartung erhoben wir uns von unseren Plätzen und schauten den Matrosen durch die bereits offene Tür bei den Vorbereitungen zum Anlanden zu, als aufgrund ein paar sich kreuzender Wellen Palaver aufkam. Nach nicht einmal einer Minute des Anlegeversuchs warf die Crew das Handtuch und meinte: „Das wird heute nichts mehr.“ Das Boot drehte ab und machte sich auf den Rückweg nach Milazzo, wo wir dreieinhalb Stunden später – immer noch verdutzt – ankamen.
Was nun tun, es morgen noch einmal versuchen? Erst einmal holten wir unseren Wagen aus der Garage, fuhren nach McDonald’s, um Essen zu fassen und uns zu beraten. Die Wetterprognose für die nächsten Tage ließ schwer zu wünschen übrig und so beschlossen wir, erst einmal nach Cefalù zu fahren und uns ein Hotel zu nehmen. Sollte das Wetter am nächsten Tag besser sein, könnte man von hier aus wieder nach Milazzo fahren und es erneut versuchen. Doch schon während der Besichtigung des pittoresken Ortes mit seinem maurischen Waschplatz frischte der Wind auf und die See brandete schwer gegen die Küste. Schnell wurde klar, dass uns Neptun erneut nicht wohlgesonnen war. Unserer Tour drohte, in einer Odyssee zu enden.

So sollte es dann auch kommen. Ein Blick vom Hotelzimmer aus Richtung Meer machte klar, dass dieser Tag bereits um 7 Uhr morgens gelaufen war: Gewitterwolken hingen tief über dem sturmgepeitschten Meer und für einen Moment war mir so, als würde ich eine hässlich grinsende Gestalt in der Gischt erkennen, die einen Dreizack schwang. So cancelten wir Stromboli endgültig und fuhren weiter nach Palermo und Monreale, wo das Wasser nur so von den Hängen schoss und die Kanalisation überlastet war. Auch das machte wenig Sinn und so querten wir Sizilien zu dem einzigen Ort mit einer akzeptablen Wetterprognose: Agrigent. Hier schauten wir uns abends die berühmte Tempelanlage an, bezogen ein weiteres beliebiges Hotel und fuhren am Folgetag nach Syrakus, um auch hier die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern.
Am Ende einer recht enttäuschenden ungeplanten Sizilienrundreise erlebte Flugzeugfan Leroy dann doch noch ein Highlight, als wir am letzten Abend am Flughafen von Catania nahe der Startbahn zum Plane-Spotting aufschlugen und – wen wundert’s – bei aufklarendem Wetter und guten Prognosen für die nächsten Tage Flugzeuge vor der Silhouette des Ätna fliegen sahen.











