
Lavaströme am Ätna bleiben aktiv – großes Lavafeld bildete sich im Valle del Bove
Der Vulkanausbruch am Ätna setzt sich auch am 4. Tag in Folge fort und hat seinen Charakter von einem Paroxysmus in eine überwiegend effusive Flankeneruption geändert. Im Valle del Bove auf der Ostflanke des Vulkans sind mindestens zwei Förderspalten aktiv, die am 7. und 8. August entstanden sind. Bei der Öffnung der Eruptionsspalten kam es zur Bildung pyroklastischer Ströme, von denen eine besondere Gefahr ausgeht. Da weitere Spaltenöffnungen nicht auszuschließen sind, sollte man insbesondere in den Tälern der Ostflanke besondere Vorsicht walten lassen.
Die Lavaströme entspringen zwei frisch gebildeten Eruptionsspalten auf 2750 und 2360 m Höhe und bilden ein komplexes Lavafeld, dessen Front in der Nacht weiter vorgedrungen ist. Auf der Thermal-Livecam des INGV ist zu sehen, dass sie ein flaches Stück im Valle del Bove überquert hat und nun auf dem unteren Steilhang des Valle del Bove unterwegs ist. Bis jetzt besteht zwar noch keine direkte Gefahr für Ortschaften wie Milo, die unterhalb des Valle del Bove liegen. Sollte die Eruption jedoch länger andauern, liegt es im Bereich des Möglichen, dass die Lava besiedeltes Gebiet erreicht.
Neben den beiden großen Lavaströmen fließt weiterhin Lava vom höher gelegenen Voragine-Kraterkegel in den Nordostkrater, der sich zunehmend auffüllen dürfte. Möglicherweise bildet sich hier gerade ein sekundärer Lavasee.
Während sich also die effusive Komponente der Eruption verstärkte, schwächte sich der explosive Anteil ab. Dennoch wird weiterhin Vulkanasche gefördert, die überwiegend aus der Voragine austritt. Das VAAC Toulouse veröffentlichte um 05:00 UTC die bislang jüngste VONA-Warnung für den Flugverkehr. Demnach steigt Vulkanasche bis auf FL160 (rund 4900 m) auf und driftet nach Süden. Bereits gestern Nachmittag wurde der Alarmcode von Rot auf Orange gesenkt und der reguläre Flugbetrieb am Flughafen Catania wieder aufgenommen. Flugreisende sollten sich dennoch weiterhin informieren, da sich die Situation jederzeit wieder ändern kann.
Der Tremor bewegt sich mit leichten Fluktuationen im unteren roten Bereich, wie es bei überwiegend effusiven Eruptionen typisch ist. Prognosen über den weiteren Verlauf der Eruption lassen sich anhand der bislang bekannten Daten nicht treffen.
Weiterführender Link: Valle del Bove
