Eruptionen am Bezymianny steigern sich – Vulkanasche in 9000 m Höhe detektiert
Der russische Vulkan Bezymianny eruptierte heute Nacht eine Aschewolke, die laut einer VONA-Warnung des VAAC Tokyo per Satellit detektiert wurde. Satellitenbilder vom 19. Mai um 02:20 UTC zeigen eine Aschewolke, die bis auf Flughöhe FL300 (ca. 9000 m) aufstieg. Sie erstreckt sich über ein Gebiet nordwestlich des Vulkans und bewegt sich mit etwa 56 km/h in nordwestlicher Richtung. Dabei breitete sie sich über eine Strecke von mehr als 240 Kilometern aus. Die Emissionen halten an. Der Alarmstatus für den Flugverkehr wurde auf „Rot“ erhöht.

Die Ascheeruptionen begannen am 13. Mai und folgen dem für diesen Vulkan typischen Muster einer sich aufbauenden Aktivitätsphase: Zunächst steigen kleinere Aschewolken auf, gefolgt von zunehmend stärkeren Ausbrüchen, die neben hoch aufragenden Aschewolken häufig auch weitreichende pyroklastische Ströme erzeugen. Ob solche Ströme bereits für die heutige Aschewolke verantwortlich waren, ist bislang unbekannt. MIROVA detektierte bereits gestern Nachmittag eine sehr hohe Thermalstrahlung mit einer Leistung von 1432 MW. Diese könnte mit einem Kollaps am Lavadom sowie mit einer heißen Glutwolke beziehungsweise einem pyroklastischen Dichtestrom in Zusammenhang stehen.
Die Vulkanologen von KVERT berichteten zuletzt gestern Abend von explosiven Eruptionen als Ursache der Aschewolke und erklärten, dass diese jederzeit Höhen von bis zu 6 Kilometern erreichen könnten – eine Prognose, die bereits wenige Stunden später deutlich übertroffen wurde. Außerdem wurde von starken Entgasungen am Lavadom sowie einer anhaltenden effusiven Tätigkeit berichtet.

Der Bezymianny ist einer der kleineren Vulkane der zentralen Vulkangruppe Kamtschatkas. Trotz seiner vergleichsweise geringen Größe zählt er zu den aktivsten Feuerbergen der sibirischen Halbinsel.
Bei der gewaltigen Eruption vom 30. März 1956 wurde sein Gipfel weggesprengt, zudem rutschte ein Teil der Ostflanke ab. Eine enorme Eruptionswolke stieg bis auf eine Höhe von ca. 38 Kilometern auf. Es handelte sich um einen der stärksten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts.
Bereits kurz nach der Eruption begann das Lavadomwachstum in der entstandenen Depression, die eine Dimension von 1,7 × 2,8 km hatte. Dieser neue Dom, der sich seitdem mehrfach umstrukturiert hat, ist die Quelle der aktuellen Eruptionen.