Yellowstone-Caldera: Lange ruhender Geysir aktiv geworden

Reaktivierung des Valentine-Geysirs im hochdynamischen Norris-Geysir-Basin der Yellowstone-Caldera

Das Norris-Geysir-Basin im Yellowstone-Nationalpark gilt als eines der dynamischsten Hydrothermalgebiete der Erde. Es liegt am nordwestlichen Rand der Yellowstone-Caldera, wo sich zahlreiche Verwerfungen kreuzen und heißes Wasser durch eine komplexe unterirdische Struktur zirkuliert. In diesem Umfeld entstehen ständig neue heiße Quellen, Dampfaustritte und manchmal auch neue Geysire, während andere inaktiv werden oder lange Zeit ruhen – ein Spiegelbild des sich ständig ändernden thermischen Systems unter der Erdoberfläche.

Ein Beispiel für die Dynamik des Norris-Geyser-Beckens (NGB) ist der Valentine-Geysir: Wie das YVO jüngst berichtete, brach der Geysir nach 20 Jahren der Ruhe am 7. August 2025 wieder aus. Seitdem springt er etwa alle 4–6 Tage. Solche Phasenwechsel zwischen langen Ruhephasen und plötzlicher Aktivität, sind typisch für Geysire wie Valentine und auch für andere Ausbruchsquellen in Norris.

Ein besonders berühmter Vertreter der Norris-Features ist der Steamboat-Geysir – der größte aktive Geysir der Welt. Im Gegensatz zu Valentine, der eher moderat hohe Wasserfontänen entwickelt, kann Steamboat bei seinen großen Eruptionen Wasser über 90 Meter in die Luft schleudern, gefolgt von einer massiven Dampfausstoßphase, die Stunden bis Tage dauern kann.

In den letzten Jahren bis etwa 2022/2023 war Steamboat außergewöhnlich aktiv: Von 2018 bis 2020 wurden über 40 große Eruptionen pro Jahr registriert, ein deutlich höheres Niveau als in früheren Jahrzehnten. Danach nahm die Häufigkeit allmählich ab, und 2025 wurden nur noch wenige größere Ausbrüche dokumentiert, bevor der Geysir erneut in eine ruhigere Phase eintrat.

Könnte Valentine das „Geschäft übernommen“ haben? Wissenschaftlich lässt sich das nicht so einfach sagen: Geysire teilen sich zwar oft dasselbe hydrothermale Reservoir oder angrenzende Leitungen, doch direkte Konkurrenz im Sinne einer Verdrängung eines anderen Geysirs ist nicht nachgewiesen. Vielmehr zeigt das gleichzeitige Aufleben verschiedener Geysire – wie Valentine und zuvor Steamboat – die starke Variabilität und Sensitivität des hydrothermalen Systems im Norris-Becken. Beobachtungen und Messdaten aus diesen aktiven Perioden können helfen, besser zu verstehen, wie solche Phasenwechsel entstehen und welche geologischen Prozesse sie antreiben.

Auch wenn es von offiziellen Stellen gerne dementiert wird, ist naheliegend, dass die hohe Dynamik des NGB mit Magmenmigration im Untergrund im Zusammenhang stehen könnte. Zwar wies eine Studie im letzten Jahr nach, dass sich Magma vor allem im Nordosten der Caldera ansammelt, das schließt meiner Meinung nach aber nicht aus, dass unter dem NGB selbst Magma aufsteigen könnte. Hierfür spricht, dass sich seit letztem Sommer der Boden im Norris-Geyser-Basin um ca. 20 mm angehoben hat. Der Effekt könnte aber auch durch Druckänderungen im Hydrothermalsystem zustande kommen.