
Der Kelimutu ist einer der außergewöhnlichsten Vulkane Indonesiens und vor allem für seine drei Kraterseen bekannt, die je nach Temperatur und Mineralstoffeintrag ihre Farbe ändern können. Der Vulkan erhebt sich auf 1.639 m Höhe im Regierungsbezirk Ende auf der Insel Flores und liegt rund 60 Kilometer östlich der Stadt Ende. Er ist Teil des Kelimutu-Nationalparks, der wegen seiner einzigartigen Vulkanlandschaft und der artenreichen Bergwälder unter Schutz steht.
Morphologisch handelt es sich beim Kelimutu um einen komplexen Stratovulkan, dessen Gipfelbereich von mehreren überlappenden Kratern geprägt wird. Die drei Hauptkrater ‐ Tiwu Ata Mbupu, Tiwu Koofai Nuwamuri und Tiwu Ata Polo ‐ beherbergen jeweils einen Kratersee. Diese unterscheiden sich häufig deutlich in ihrer Farbe und können je nach geochemischen Bedingungen zwischen Türkis, Grün, Blau, Rotbraun oder nahezu Schwarz wechseln. Die Farbwechsel entstehen durch chemische Reaktionen zwischen vulkanischen Gasen, Mineralien und dem stark sauren Wasser. Der Kelimutu zählt deshalb zu den weltweit bedeutendsten hydrothermal aktiven Vulkanen und ist ein bei Touristen beliebtes Reiseziel.
Tektonisch betrachtet liegt der Vulkan im Sunda-Bogen, der durch die Subduktion der Indisch-Australischen Platte unter die Sunda-Platte entsteht. Diese Plattengrenze ist nicht nur wegen ihrer hohen Seismizität von Bedeutung, sondern gehört zu den aktivsten Vulkanregionen der Erde. Sie bildet eine Vulkankette, die von Sumatra über Java bis zu den Kleinen Sundainseln reicht. Das aufsteigende Magma speist ein aktives hydrothermales System mit Energie und Fluiden, das für die ungewöhnlichen Kraterseen verantwortlich ist.
Petrografisch besteht der Kelimutu überwiegend aus andesitischen bis basaltisch-andesitischen Laven sowie pyroklastischen Ablagerungen. Die relativ zähflüssigen Magmen führten im Verlauf seiner Entwicklung zum Aufbau eines steilen Schichtvulkans, dessen heutige Gipfelregion durch mehrere explosive Eruptionen und Kraterbildung umgestaltet wurde. Die Kraterseen entstanden erst nach Abschluss dieser explosiven Phase durch die Ansammlung von Niederschlagswasser und den Zustrom hydrothermaler Lösungen.
Historische Ausbrüche sind vergleichsweise selten. Der letzte bestätigte Ausbruch ereignete sich 1968 und bestand aus einer kleinen phreatischen Eruption, bei der Wasserdampf, Gesteinsmaterial und vulkanische Gase ausgestoßen wurden. Frische Lava trat dabei nicht aus. Frühere dokumentierte Ausbrüche in den Jahren 1865, 1938 und 1965 verliefen ebenfalls überwiegend hydrothermal oder phreatisch. Seitdem beschränkt sich die Aktivität auf Veränderungen der Kraterseen, erhöhte Gasaustritte sowie Temperaturschwankungen.
Auch in jüngster Zeit beobachten die Vulkanologen des indonesischen PVMBG regelmäßig Veränderungen. Im Juni 2026 wurde ein deutlicher Temperaturanstieg im Kratersee Tiwu Koofai Nuwamuri von 31,3 auf 35,0 °C registriert. Gleichzeitig stiegen die Temperaturen der heißen Quellen am Vulkan an, begleitet von Schwefelablagerungen und zeitweise intensivem Schwefelgeruch. Trotz dieser Anzeichen blieb der Alarmstatus auf Stufe I, da weder erhöhte Seismizität noch sichtbare Dampfaustritte auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch hindeuteten.
Der Kelimutu gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen auf Flores. Vom Besucherzentrum führt eine asphaltierte Straße bis in Gipfelnähe. Von dort erreichen Wanderer den Aussichtspunkt nach einem etwa 20- bis 30-minütigen Fußweg über Treppen und befestigte Wege. Besonders beliebt ist die Besteigung vor Sonnenaufgang, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen in den farbigen Kraterseen spiegeln und die spektakuläre Vulkanlandschaft in ein einzigartiges Licht tauchen. Trotz der guten Erreichbarkeit sollten Besucher die ausgewiesenen Wege nicht verlassen, da sich giftige vulkanische Gase in den Kratern ansammeln können und der Untergrund lokal instabil ist.
Online seit 2026. Foto: © Unsplash