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Zirkone

Die Bedeutung von Zirkonen für die Altersbestimmung magmatischer Gesteine

Zirkone haben die chemische Formel ZrSiO₄ und spielen eine besondere Rolle in der geochronologischen Untersuchung magmatischer Gesteine und vulkanischer Systeme. Obwohl sie meist nur als akzessorische Minerale in geringen Mengen und Größen vorkommen, gehören sie zu den wichtigsten „Uhrmineralen“ der Geowissenschaften. Ihre besondere Bedeutung ergibt sich aus ihrer Fähigkeit, Uran (U) in das Kristallgitter einzubauen, während sie beim Kristallwachstum nahezu kein Blei (Pb) enthalten. Dadurch lässt sich das im Zirkon vorhandene Blei zuverlässig als Zerfallsprodukt von Uran interpretieren und für radiometrische Altersbestimmungen nutzen.

Zirkon unter dem REM

Die wichtigste Methode ist die Uran-Blei-Datierung (U-Pb-System). Dabei wird das Verhältnis der Uranisotope (^238U und ^235U) zu ihren stabilen Blei-Tochterisotopen (^206Pb und ^207Pb) gemessen. Da die Halbwertszeiten dieser Zerfallsreihen genau bekannt sind, kann der Zeitpunkt der Zirkon-Kristallisation sehr präzise bestimmt werden. In magmatischen und plutonischen Gesteinen entspricht dieses Alter in der Regel dem Zeitpunkt, an dem das Magma erstarrte und die Zirkone aus der Schmelze auskristallisierten.

Die Halbwertzeit von Uran-238 zu Blei-206 beträgt 4,47 Milliarden Jahren. Nach diesem Zeitraum ist die Hälfte des ursprünglichen Uran-238 zerfallen. Das Uran-235-Isotop zerfällt zu Blei-207 und hat eine Halbwertzeit von Nach 704 Millionen Jahren.

Besonders wertvoll sind Zirkone, weil sie extrem widerstandsfähig gegenüber geologischen Prozessen sind. Sie überstehen Metamorphose, Verwitterung und sogar erneute Aufschmelzung teilweise unbeschadet. Dadurch bewahren sie selbst in komplex deformierten Gesteinen noch das ursprüngliche Kristallisationsalter.

Eine zusätzliche Informationsquelle bieten sogenannte Anwachssäume. Zirkonkristalle wachsen häufig nicht in einem einzigen Ereignis, sondern in mehreren Phasen. Dabei bildet sich um einen älteren Kristallkern ein jüngerer äußeren Saum. Diese Anwachssäume entstehen, wenn sich die Bedingungen im Magma verändern – etwa durch Abkühlung oder durch Zufuhr neuer Schmelzen. Chemisch unterscheiden sich die Säume oft vom Kern, insbesondere im Gehalt an Uran, Thorium oder Hafnium.

Geochronologisch sind diese Anwachssäume von großer Bedeutung, da sie ein zweites oder sogar drittes Altersfenster innerhalb eines einzelnen Kristalls liefern können. Während der Kern häufig ein älteres geologisches Ereignis repräsentiert, dokumentiert der Saum spätere magmatische Aktivität. Dadurch lassen sich komplexe Magmenentwicklungen und Vulkanprozesse zeitlich auflösen, etwa wiederholte Intrusionen oder lange aktive Magmakammern.

In Vulkaniten ermöglichen Zirkone somit nicht nur die Bestimmung des Eruptions- oder Erstarrungsalters, sondern auch die Rekonstruktion der gesamten Magmengenese. Sie fungieren als mikroskopische Archive der Erdkruste, in denen mehrere Stadien geologischer Entwicklung in einem einzigen Kristall gespeichert sein können.