Ätna: Tremorschwankungen und hohe Helium-Werte

Deutliche Schwankungen des Ätna-Tremors und hohe Helium-Isotopen-Verhältnisse gemessen

Wer in diesen Tagen den INGV-Tremorgraphen für den Ätna im Auge behält, dem fallen nicht nur die vielen Peaks auf, die vermutlich durch Neustart des Systems verursacht werden, sondern auch drei Anstiege der Tremoramplitude aus dem Grünen bis in den hohen gelben Bereich. Diese schnell ablaufenden Schwankungen unterscheiden sich deutlich von den technisch bedingten Peaks und könnten auf Ausbruchsversuche des Vulkans hindeuten.



Darüber hinaus zog die Seismizität in den vergangenen Tagen deutlich gegenüber der recht ruhigen Phase nach den Eruptionen im August an. Der Magmaspeicher füllt sich wieder auf und verursacht vermehrt Spannungen, die zu den Erdbeben führen. Signifikante Bodendeformationen blieben in den vergangenen Tagen aber aus.

Ätna-Tremor mit 3 Schwankungen. © INGV

Der INGV-Wochenbericht für den Beobachtungszeitraum 5. und 11. Oktober liefert Hinweise auf einen anhaltenden Zustrom magmatischer Gase aus der Tiefe, der wiederum darauf hindeutet, dass größere Mengen Magma vorhanden sein müssen, die entgasen. Einer dieser Hinweise stammt vom CO₂-Ausstoß aus dem Boden, der gegenüber der Vorwoche zugenommen hat, sich allerdings weiterhin im mittleren Wertebereich bewegt. Gleichzeitig bleibt das Helium-Isotopenverhältnis ³He/⁴He an den Messstellen erhöht. Der letzte Messwert vom 22. September bestätigte das bereits zuvor beobachtete hohe Niveau.  Besonders das erhöhte Helium-Isotopenverhältnis spricht für einen bedeutenden Anteil von Gasen magmatischen beziehungsweise mantelnahen Ursprungs.

Obwohl die Tremoramplitude im Beobachtungszeitraum eher gering blieb, zeigt die Tremorquellenanalyse eine wachsende Fluidansammlung unter dem zentralen Kraterkomplex. Diese erstreckt sich ausgehend von 500 Höhenmeterniveau bis auf gut 3000 m Höhe unter dem 3400 m hoch gelegenen Kraterkomplex. Flächenmäßig hat sich das Areal des Tremors ebenfalls ausgedehnt und dehnt sich von der Voragine ausgehend bis nördlich des Nordostkraters aus. Der Südostkrater bleibt unberührt und präsentiert sich seit längerem kalt und größtenteils inaktiv.

Aus den Daten der letzten Woche lässt sich keine unmittelbar bevorstehende Eruption ableiten, allerdings deuten die drei Phasen des schnellen Tremoranstiegs darauf hin, dass der Ätna bald für eine weitere Eruption bereit sein könnte.

Griechenland: Starke Unwetter richten Überflutungen an

Schwere Unwetter verwüsten Teile Griechenlands – warmes Mittelmeer als Verstärker

Teile Griechenlands werden seit gestern von starken Unwettern getroffen, die Starkregen und Orkanböen mit sich bringen und Überflutungen und Erdrutsche verursachen. Es entstanden erhebliche Schäden an öffentlicher Infrastruktur und privaten Gebäuden. Besonders betroffen sind die Sporaden, Euböa und die Region Athen. Auslöser ist ein langsam ziehendes Tiefdruckgebiet. Das außergewöhnlich warme Mittelmeer gilt als Verstärker der Niederschläge.

Mylos

Am 14. Oktober 2026 kämpfen zahlreiche Regionen Griechenlands mit den Folgen schwerer Unwetter. Auf der Insel Skiathos verwandelten sich Straßen in reißende Wasserläufe. Überflutungen beschädigten Häuser und Geschäfte und geparkte Autos wurden von den Wassermassen fortgerissen. Auf der Nachbarinsel Skopelos kam es zudem zu Stromausfällen. Die Behörden erwägen, Skiathos zum Katastrophengebiet zu erklären.

Auf Euböa trat der Fluss Kireas über die Ufer. Eine wichtige Straßenverbindung in Richtung Chalkida musste gesperrt werden. Bei Politika stürzte eine Brücke ein. Auch in der Region Attika mit der Hauptstadt Athen verursachten Starkregen und umgestürzte Bäume enorme Verkehrsprobleme. Auf Rhodos wurden Straßen überflutet und Busverbindungen zeitweise eingestellt.

Langsam ziehendes Tief bringt Starkregen und Sturm

Meteorologischen Angaben zufolge werden die Unwetter von einem ausgedehnten Tiefdruckgebiet mit Frontensystemen über der zentralen Ägäis ausgelöst. Das Tief bewegt sich nur langsam nach Südosten. Gleichzeitig liegt höherer Luftdruck über dem zentralen Balkan. Die daraus entstehenden Druckunterschiede sorgen für starke nördliche bis nordöstliche Winde. Im Ägäischen Meer erreichen sie örtlich Stärke 9 bis 10 Beaufort. Zahlreiche Fährverbindungen mussten deshalb ausgesetzt werden.

Bereits vor dem Durchzug des Tiefs prognostizierten die Wetterdienste 50 bis 150 Millimeter Niederschlag auf den Quadratmeter. Besonders hohe Regenmengen wurden für die Sporaden erwartet. Wo Gewitter stundenlang über dieselben Gebiete kreisen, können Flüsse und Bäche binnen kurzer Zeit anschwellen. Versiegelte Flächen und enge Täler begünstigen dabei den schnellen Abfluss des Wassers.

Warmes Mittelmeer liefert zusätzliche Feuchtigkeit

Ein möglicher Verstärker ist das außergewöhnlich warme Mittelmeer. Im September erreichte die mittlere Meeresoberflächentemperatur nach einer Auswertung von Klimadaten 27,34 Grad Celsius und damit einen neuen Rekord für diesen Monat. Über warmem Wasser verdunstet mehr Feuchtigkeit, die in die Atmosphäre gelangt. Wird diese feuchtwarme Luft angehoben, kann sie kräftige Niederschläge begünstigen.

Santiaguito: Satelltienfoto zeigt Lavaabgänge

Santiaguito mit anhaltenden Explosionen und Ascheemission – Abgänge glühender Lava per Satellit detektiert

Am guatemaltekischen Domvulkan Santiaguito hält die Aktivität am Domo Caliente an. Nach INSIVUMEH-Angaben wurden während der vergangenen Nacht zwischen zwei und vier schwache bis moderate Explosionen pro Stunde registriert. Gleichzeitig beobachteten Vulkanologen Aschewolken und eine Gasfahne, die bis zu 400 Meter über dem Dom aufstieg und durch die vorherrschenden Winde in südöstliche Richtung verfrachtet wurde.



Santiaguito

Neben den Explosionen wurde auch anhaltende Glut im Krater beobachtet und es kam zu Kollapsen an den steilen Flanken des Lavadoms, bei denen glühende Gesteinsblöcke talwärts rollten. Solche Ereignisse sind für den Santiaguito charakteristisch und stehen mit dem fortgesetzten Wachstum und der Instabilität des Lavadoms in Verbindung. Größere Kollapsereignisse können dabei pyroklastische Dichteströme auslösen.

Am 12. Oktober gaben die Wolken einen Blick auf den Dom frei und ermöglichten es Sentinel-2-Satelliten, die Vorgänge am Santiaguito zu dokumentieren – etwas, das während der Regenzeit in Guatemala selten vorkommt, weswegen die Berichterstattung zu den Vulkanen des Landes weniger üppig als üblich ausfällt. Der Satellit machte seine Bilder genau in dem Moment, als eine glühende Schuttlawine vom Dom abging und über die Südwestflanke des Doms rollte.

Am 13. Oktober wurde vom VAAC Washington eine Ascheemission vom Santiaguito gemeldet: Die Vulkanaschewolke breitete sich auf einer Höhe von rund 4.300 Metern aus und wurde mit einer Geschwindigkeit von 18 km/h nach Westen verfrachtet. Wegen dichter Bewölkung im Gipfelbereich konnte die Emission auf Satellitenbildern allerdings nicht direkt erkannt werden. In mehreren Ortschaften und Siedlungen im Umfeld des Vulkans war Ascheeregen gemeldet worden, darunter La Trinidad, Santa Nita und San Marcos Palajunoj.

Die Behörden warnen angesichts der anhaltenden Aktivität vor der Gefahr größerer pyroklastischer Dichteströme. Insbesondere bei einem Kollaps des Lavadoms könnten solche extrem heißen Gas-Asche-Gemische eine deutlich größere Reichweite erreichen als gewöhnliche Blocklawinen. Der Zugang zu den Bereichen um die Lavadome bleibt deshalb eingeschränkt. Es wird empfohlen, einen Sicherheitsabstand von mindestens fünf Kilometern zu den aktiven Domstrukturen einzuhalten.

Der Santiaguito gehört zum Santa-María-Vulkankomplex und befindet sich seit Jahrzehnten in einer überwiegend kontinuierlichen Phase der Lavadomaktivität.

Der Vulkan gehört zu den aktivsten Vulkanen Kamtschatkas. Sein aktueller Eruptionskomplex liegt am sogenannten Jungen Shiveluch, wo sich seit Jahren Lavadome aufbauen. Kollapsereignisse solcher Dome können neben explosiven Eruptionen auch pyroklastische Ströme und größere Aschewolken auslösen.

Shiveluch eruptiert Vulkanasche am 14. Oktober

Shiveluch mit neuer Ascheeruption – Aschewolke zieht über den Pazifik

Nach 9 Tagen ohne VONA-Meldung ist es heute am Shiveluch, der auf der russischen Halbinsel Kamtschatka liegt, wieder zu einer explosiven Ascheeruption gekommen. Das VAAC Tokio registrierte mithilfe des Wettersatelliten Himawari-9 eine Aschewolke, die gegen 01:40 UTC (03:40 Uhr MESZ) ausgestoßen wurde. Die Vulkanasche stieg dabei bis auf ca. 4.000 Meter über dem Meeresspiegel auf. 

VONA

Bei anschließender Beobachtung um 02:40 UTC erstreckte sich die Wolke bereits über mehrere Dutzend Kilometer östlich des Vulkans. Sie wurde mit einer Geschwindigkeit von 55 km/h nach Osten verfrachtet. Teile der Aschewolke waren allerdings von meteorologischen Wolken verdeckt, sodass die tatsächliche Ausdehnung möglicherweise größer war. Nach den Prognosen des VAAC sollte die Asche in den folgenden Stunden weiter über den Nordpazifik ziehen und sich dabei weit nach Osten verlagern.

Der Begriff Vulkanasche ist irreführend und hat nichts mit der Asche als Verbrennungsprodukt zu tun. Bei Vulkanasche handelt es sich um fein fragmentiertes Lavagestein. Die Gesteinskörner können durch Explosionen zu sehr feinen Partikeln zerkleinert werden, so dass Gesteinsstaub entsteht. Auch größere „Sandkörner“ werden noch als Asche bezeichnet.

Der Ausbruch ist Teil der seit Jahren andauernden extrusiven Aktivität am Shiveluch, bei der ein Dom wächst, aus dem heraus es auch immer wieder zu explosiven Ereignissen kommt. Nach Angaben des Kamtschatkanischen Teams für vulkanische Eruptionsreaktion (KVERT) wächst weiterhin ein neuer Lavablock im nördlichen Bereich des Lavadoms. Gleichzeitig kommt es immer wieder zu starken Gas- und Dampfemissionen sowie explosiven Ascheausstößen.

Zuletzt wurde am 4. Oktober eine Explosion registriert, deren Aschewolke bis auf 6,5 Kilometer Höhe aufgestiegen war. Anschließend wurde die Asche über eine Distanz von 87 Kilometern nach Nordosten verfrachtet. Auch thermische Anomalien wurden zuletzt mehrfach auf Satellitenbildern registriert.

Der Farbcode für die Warnung des Flugverkehrs steht weiterhin auf Orange. KVERT warnt, dass jederzeit stärkere Explosionen auftreten können, bei denen Asche bis in Höhen von etwa 12 Kilometern gelangen könnte. Damit bleibt der Shiveluch insbesondere für den internationalen und regionalen Flugverkehr relevant.

Stromboli: Wie beeinflussen Erdbeben die Vulkanaktivität?

Beeinflussen tiefe Erdbeben im Bereich des Tyrrhenischen Meeres die Vulkanaktivität am Stromboli?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Erdbeben im Tyrrhenischen Meer und Aktivitätsschüben am Stromboli? Mehrfach stellte ich die These auf, dass eine Häufung von Erdbeben im Tyrrhenischen Meer einer Aktivitätssteigerung am Stromboli vorangeht, da ich eine entsprechende Korrelation beobachtet habe, ohne wissenschaftliche Statistiken zu führen. Das brachte mich auf den Gedanken, nach vorhandenen Studien zu dem Thema zu recherchieren. Tatsächlich wurde ich fündig, denn mehrere Wissenschaftler befassten sich mit ähnlichen Fragestellungen. Die Untersuchungen aus den vergangenen Jahren zeigen, dass Wechselwirkungen zwischen tektonischen Erdbeben und dem aktiven Vulkansystem durchaus möglich sind.


Ein gemeinsames geodynamisches System

Ionischer Slab. KI-generiert

Der Stromboli liegt im Bereich der Äolischen Inseln am südlichen Rand des Tyrrhenischen Meeres. Die Region wird durch die Subduktion der Ionischen Platte unter den kalabrischen Inselbogen geprägt. Dabei taucht die ozeanische Lithosphäre von Südwesten kommend zunächst in einem ungewöhnlich flachen Winkel in den Erdmantel ab, um dann im Bereich der Äolischen Inseln in einen genauso ungewöhnlich steilen Winkel überzugehen. Unter Stromboli hat die abtauchende Lithosphäre eine Tiefe von ca. 200 Kilometern erreicht. Die mit dem Subduktionsprozess verbundenen tektonischen Spannungen und Mantelprozesse spielen auch bei der Entstehung und Versorgung der Magmensysteme Süditaliens eine Rolle.

Tiefe Erdbeben können Ausdruck dieser großräumigen geodynamischen Prozesse sein. Eine zeitliche Häufung solcher Beben könnte deshalb auf Veränderungen innerhalb eines tektonisch aktiven Systems hinweisen, zu dem auch die Äolischen Inseln gehören. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass die Erdbeben die Aktivität des Stromboli beeinflussen. Beide Phänomene könnten ebenso auf gemeinsame geodynamische Prozesse zurückgehen.

Das Palermo-Erdbeben von 2002

Dass Erdbeben die Aktivität eines bereits unruhigen Vulkans möglicherweise beeinflussen können, zeigt eine Untersuchung zur Ereignisfolge im Jahr 2002. Am 6. September ereignete sich nördlich von Palermo ein Erdbeben der Magnitude 5,6. In den darauffolgenden Monaten kam es zu außergewöhnlichen vulkanischen Ereignissen: Der Ätna begann Ende Oktober eine große Flankeneruption, bei Panarea wurde im November verstärkte submarine Entgasung beobachtet und Ende Dezember setzte am Stromboli eine bedeutende Eruption ein, die von einem Hangrutsch und einem Tsunami begleitet wurde.

Walter und Kollegen untersuchten, ob das Erdbeben diese Ereignisse beeinflusst haben könnte. Ihre 2009 in der Fachzeitschrift „Geology“ veröffentlichte Studie kam zu dem Schluss, dass die durch die Erdbebenwellen ausgelösten dynamischen Dehnungen und Spannungsänderungen die langfristigen tektonischen Spannungsänderungen deutlich übersteigen konnten. Sie könnten dadurch den Transport von Gasen und Flüssigkeiten in bereits aktiven hydrothermalen und magmatischen Systemen angeregt haben.

Eine ergänzende Untersuchung von 2007 fand zudem Hinweise auf Zusammenhänge zwischen regionalen Erdbeben, Radonfreisetzung und dem Magmenausstoß am Stromboli. Die Autoren stellten aber auch die Grenzen dieses Mechanismus dar: Einzelne tiefe Erdbeben könnten zwar Fluide mobilisieren, ihre Wirkung auf das oberflächennahe Störungsnetz und das Fördersystem sei wegen der Dämpfung seismischer Wellen aber möglicherweise begrenzt. Mehrere zusammenwirkende Beben könnten einen stärkeren Effekt haben.

Auch die Erdbeben unter dem Vulkan sind aufschlussreich

Eine andere Perspektive eröffnet eine 2025 veröffentlichte Studie von Salvatore Gambino und Antonio Scaltrito. Die Wissenschaftler untersuchten 98 vulkanotektonische Erdbeben aus den Jahren 2005 bis 2024. Sie identifizierten zwei Tiefenbereiche: Erdbeben in etwa vier bis fünf Kilometern Tiefe unter dem Stromboli-Gipfel und Ereignisse zwischen sieben und zwölf Kilometern Tiefe im untermeerischen Vulkanbau südwestlich des Gipfels.

Die Autoren bringen die flachere Seismizität mit Spannungsänderungen infolge aufsteigenden Magmas und einer möglichen Wiederaufladung des hochdruckbeaufschlagten Magmareservoirs in Verbindung. Eine Zunahme der Erdbebenhäufigkeit ging den größeren effusiven Eruptionen von 2007 und 2024 voraus. Die tieferen Beben werden dagegen mit der Dynamik eines tiefer gelegenen Magmareservoirs in Verbindung gebracht.

Diese Ergebnisse zeigen, dass Seismizität tatsächlich Hinweise auf Veränderungen im Fördersystem des Stromboli liefern kann. Sie belegen allerdings keinen direkten Zusammenhang mit Erdbeben in großer Tiefe unter dem Tyrrhenischen Meer.

Eine interessante Hypothese – aber noch kein Nachweis

Grundsätzlich können seismische Wellen auch in größerer Entfernung Spannungsänderungen in einem Vulkansystem hervorrufen. Bei einem bereits aktiven, gasreichen Vulkan wie dem Stromboli könnten solche Impulse unter bestimmten Bedingungen die Bewegung von Fluiden beeinflussen oder einen ohnehin bevorstehenden Prozess begünstigen. Eine konkrete Eruption lässt sich daraus jedoch nicht zuverlässig vorhersagen.

Ob die beobachtete Häufung tiefer Erdbeben im Tyrrhenischen Meer tatsächlich mit Aktivitätsschüben am Stromboli zusammenhängt, müsste anhand systematischer Zeitreihen geprüft werden. Dazu müssten Erdbebenhäufigkeit, Magnitude, Tiefe und Entfernung mit Messdaten zur Explosionsrate, zum Tremor, zur VLP-Seismizität, zur Bodenverformung und zur thermischen Aktivität verglichen werden.

Die Beobachtung ist daher eine interessante Ausgangshypothese. Die bisherigen Studien liefern plausible Mechanismen, mit denen sich ein möglicher Zusammenhang erklären ließe. Ob diese Prozesse auch die aktuell beobachteten Aktivitätsschwankungen am Stromboli beeinflussen, bleibt offen.

Quellen und weiterführende Studien

Walter, T. R. et al. (2009): Simultaneous magma and gas eruptions at three volcanoes in southern Italy: an earthquake trigger. Geology 37, 251–254. Studie lesen

Earthquake–volcano interactions detected from radon degassing at Stromboli (Italy), Earth and Planetary Science Letters (2007).

Gambino, S. & Scaltrito, A. (2025): 2005–2024 Time–Space Features of VT Seismicity at Stromboli: New Insights into the Volcano Plumbing System and Link to Effusive Eruptions. Applied Sciences 15(16), 9182. Studie lesen

Deutschland: Drei Erdbeben mit M größer 2,0

Drei Erdbeben mit Magnituden im Zweierbereich erschüttern Deutschland – gibt es einen Zusammenhang?

Heute registrierten Seismometer innerhalb weniger Stunden drei Erdbeben in Deutschland, die Magnituden im Zweierbereich hatten – etwas, das bei uns relativ selten vorkommt. Die Erschütterungen erreichten Magnituden zwischen 2,4 und 2,5. Die Epizentren lagen im Rhein-Main-Gebiet sowie im Westen Deutschlands nahe der belgischen Grenze. Ob die Beben tatsächlich von Anwohnern gespürt wurden, ließ sich bislang nicht eindeutig bestätigen – dem EMSC liegen keine Wahrnehmungsmeldungen vor. Generell können flache Erdbeben dieser Größenordnung bestenfalls im direkten Umkreis des Epizentrums verspürt werden.


Shakemap © EMSC/Leaflet

Das jüngste der drei Beben ereignete sich um 13:12 Uhr MESZ im Raum Worms. Das Europäisch-Mediterrane Seismologische Zentrum (EMSC) gab eine Magnitude von 2,5 und eine Herdtiefe von neun Kilometern an. Das Epizentrum wurde 10 km nord-nordwestlich von Mannheim lokalisiert, womit es in der Oberrheinebene lag.

Ebenfalls am Oberrhein lag das Beben der Magnitude 2,4, welches sich um 10:33 Uhr MESZ im Raum Mainz manifestierte. Dieses Ereignis lag in zwölf Kilometern Tiefe und wurde 8 km östlich von Mainz lokalisiert.

Wenige Minuten zuvor, nämlich um 10:26 Uhr MESZ, wurde ein drittes Beben mit Magnitude 2,5 und einer Herdtiefe von 13 Kilometern registriert. Sein Epizentrum lag bei Heckhuscheid in der westlichen Eifel, nahe der belgischen Grenze. Der belgische Erdbebendienst verortete den Erdstoß 12 km südöstlich und berechnete eine Lokalmagnitude von 2,6. Geografisch gesehen ereignete sich dieses Beben am Rand der Westeifel.

Unterschiedliche tektonische Regionen

Die beiden Beben im Rhein-Main-Gebiet ereigneten sich im Umfeld des Oberrheingrabens, einer bedeutenden tektonischen Störungszone Mitteleuropas mit dem Charakter eines kontinentalen Rifts. Die Erdkruste wurde dort im Verlauf der Erdgeschichte gedehnt und abgesenkt. Zahlreiche Verwerfungen durchziehen den Untergrund. Entlang solcher Störungen können sich Spannungen lösen und Erdbeben auslösen. Der Oberrheingraben gehört deshalb zu den seismisch aktiveren Regionen Deutschlands.

Das dritte Beben liegt dagegen im westlichen Teil der Eifelregion. Auch dort können sich Spannungen innerhalb der europäischen Erdkruste an bestehenden Störungen entladen. Die Region ist zudem für ihren quartären Vulkanismus bekannt, der vordergründig von einem Mantelplume gespeist wurde. Aus dem einzelnen Erdbeben ergeben sich jedoch keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit magmatischen Vorgängen.

Gemeinsame Ursache nicht belegt

Dass sich alle drei Erdbeben innerhalb von weniger als drei Stunden ereigneten, ist bemerkenswert, reicht aber nicht aus, um einen gemeinsamen Auslöser anzunehmen. Die beiden Ereignisse im Rhein-Main-Gebiet könnten tektonisch in einem ähnlichen regionalen Spannungsfeld stehen. Das Beben nahe der belgischen Grenze liegt jedoch in einem anderen Störungsgebiet.

Kanaren: Hohe Vulkanausbruchswahrscheinlichkeit berechent

Zivilschutz beziffert Wahrscheinlichkeit für Vulkanausbruch auf den Kanaren in den nächsten 50 Jahren auf 77,69 Prozent

Die Kanarischen Inseln müssen sich langfristig auf weitere Vulkanausbrüche einstellen. Eine neue spanische Zivilschutzrichtlinie beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb der nächsten 50 Jahre mindestens eine Eruption im Archipel geben wird, auf 77,69 Prozent. Die Zahl klingt alarmierend, ist aber keine Vorhersage eines unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs. Zudem lässt sich daraus nicht ableiten, welche Insel betroffen sein wird.


Eruption auf La Palma

Hintergrund ist die neue „Directriz Básica de Planificación de Protección Civil ante el riesgo volcánico“, die im spanischen Staatsanzeiger veröffentlicht wurde. Sie ersetzt die bisherige, aus dem Jahr 1996 stammende Regelung und legt fest, wie die Behörden vulkanische Gefahren bewerten, überwachen und im Krisenfall darauf reagieren sollen.

Die Wahrscheinlichkeit von 77,69 Prozent bezieht sich auf das gesamte Kanarenarchipel. Sie beschreibt die statistische Chance, dass innerhalb des betrachteten Zeitraums mindestens eine Eruption stattfindet. Sie bedeutet weder, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht, noch, dass jede einzelne Insel einem vergleichbaren Risiko ausgesetzt ist. Grundlage der Berechnung sind die bisherige Eruptionsgeschichte der Inselgruppe und ein statistisches Modell zur Wiederkehr vulkanischer Aktivität.

Die geologische Vergangenheit zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Inseln. Auf La Palma kam es 2021 zu einem mehrmonatigen Ausbruch, während sich 2011 vor El Hierro ein unterseeischer Vulkan entwickelte. Auch Teneriffa und Lanzarote weisen jüngere vulkanische Aktivität auf. Fuerteventura und Gran Canaria sind dagegen wesentlich älter und zeigen keine vergleichbare historische Eruptionsaktivität.

Die neue Richtlinie ermöglicht es den Behörden, das Risiko für einzelne Inseln und sogar kleinere Gebiete genauer zu untersuchen. Dabei werden die Verteilung früherer Ausbruchszentren, die geologische Struktur, mögliche Eruptionsszenarien sowie die Besiedlung und Infrastruktur berücksichtigt. Auf diese Weise lässt sich das Gefahrenpotenzial räumlich differenzierter bewerten. Eine sichere Vorhersage, welche Insel innerhalb der nächsten 50 Jahre von einem Ausbruch betroffen sein wird, ist jedoch nicht möglich.

Die Überwachung der Vulkane obliegt vor allem dem Instituto Geográfico Nacional (IGN). Die Geowissenschaftler beobachten mithilfe eines umfangreichen Netzes von Messstationen die Erdbebenaktivität, Bodenverformungen und Veränderungen der Gasemissionen. Solche Veränderungen können Hinweise auf Magmenbewegungen im Untergrund liefern, die einer Eruption vorausgehen können. Die neue Richtlinie sieht außerdem die Erstellung von Gefahrenkarten, die Einrichtung von Frühwarnsystemen und die Ausarbeitung abgestimmter Evakuierungspläne vor.

Die 77,69 Prozent beschreiben somit ein langfristiges Risiko für den gesamten Archipel. Welche Insel tatsächlich einen Ausbruch erleben wird, bleibt offen. Die Zahl ist deshalb kein Anlass für akute Alarmstimmung, verdeutlicht aber die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Vulkanüberwachung und einer umfassenden Katastrophenvorsorge.

Die aktuellen Entwicklungen lassen einen Ausbruch auf Teneriffa als mögliches Szenario erscheinen. Dort wurde in den vergangenen Monaten Schwarmbebenaktivität registriert, die auf Magmenbewegungen oder eine Magmenakkumulation in größerer Tiefe hindeuten könnte. Da sich vulkanische Unruhen über Jahre oder sogar Jahrzehnte entwickeln können, könnten die Erdbeben, deren Häufigkeit in den vergangenen Wochen nachgelassen hat, Teil eines längerfristigen Prozesses sein. Ob sie tatsächlich frühe Anzeichen einer bevorstehenden Eruption darstellen, ist allerdings unklar. Zudem ist nicht auszuschließen, dass sich auf einer der anderen Inseln, die in jüngerer Zeit vulkanisch aktiv waren, zuvor ein Ausbruch entwickeln wird.

Stromboli zeigt weiteren Lavaüberlauf und erhöhte Explosivität

Lavaüberlauf und stärkere Explosionen am Stromboli bestätigt – Erdbeben in großer Tiefe registriert

Am Stromboli hat die Aktivität in den vergangenen Stunden erneut zugenommen und zeichnet sich durch explosive und effusive Tätigkeit aus. Nachdem bereits Sonntagabend ein Lavaüberlauf stattfand, über den offizielle Stellen nicht berichtet haben, kam es nach Angaben des INGV am Abend des 12. Oktober gegen 19:00 UTC zu einem weiteren Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kraterbereich. Gleichzeitig hält die strombolianische Aktivität an, die zeitweise deutlich intensiver als üblich ist. Die Vulkanologen registrierten dabei bislang keine wesentliche Veränderung der als mittelhoch eingestuften Tremoramplitude oder der Explosionsseismizität. Eine ungewöhnliche Bodendeformation wurde nicht beobachtet. Lediglich das am Pizzo installierte Neigungsmessgerät SELI registrierte seit Beginn des Lavaüberlaufs eine geringe Änderung von etwa 0,1 Mikroradiant.


Stromboli

Die Messungen des Laboratorio di Geofisica Sperimentale (LGS) zeigen allerdings ein deutlich komplexeres Bild. Besonders auffällig ist die akustische Aktivität: Der maximale Schalldruck der Explosionen erreichte gestern 2,63 bar und wird damit weiterhin als sehr hoch eingestuft. Auch das Puffen beziehungsweise Spattering ist mit rund 64,7 mbar stark ausgeprägt. Hinzu kommen 21 registrierte Felsstürze innerhalb eines Tages, womit diese Aktivität als sehr hoch gilt. Der Tremor liegt dagegen im mittleren Bereich. Die SO₂-Emissionen werden mit 77 Tonnen pro Tag, der CO₂-Fluss mit 405 Tonnen pro Tag ebenfalls als mittel eingestuft.

Der vom LGS angegebene vulkanische Aktivitätsindex liegt dennoch nur im Bereich „mittel“. Diese Einstufung sollte allerdings mit Vorsicht interpretiert werden. Mehrere wichtige Messgrößen sind derzeit nicht verfügbar. Dazu gehören insbesondere die Zahl der VLP-Ereignisse sowie praktisch sämtliche Parameter der thermischen Überwachung. Damit fließen gerade Daten, die bei einem Lavaüberlauf besonders relevant sein können, nicht vollständig in die Bewertung ein. Der Aktivitätsindex stellt deshalb kein vollständiges Abbild der aktuellen Situation dar.

Darüber hinaus registrierte das EMSC heute Nacht ein weiteres sehr tief gelegenes Erdbeben der Magnitude 2,7 im Bereich von Stromboli. Das Epizentrum lag nur wenige Kilometer vor der Ostküste und somit unter der Vulkanflanke. Das Hypozentrum wurde in 203 Kilometern Tiefe ausgemacht und lag somit im oberen Erdmantel. Ob und wie sich die Vibrationen eines schwachen Erdstoßes auf die Aktivität des Vulkans auswirken, ist wissenschaftlich nicht ausreichend erforscht. Es gibt aber einige Studien, die darauf hinweisen, dass die tektonischen Prozesse in der Tiefe – die mit der Subduktion der Ionischen Platte zusammenhängen – die Magmaförderung am Stromboli beeinflussen können.

Die aktuelle Kombination aus Lavaüberlauf, Explosionen, intensivem Spattering und zahlreichen Felsstürzen zeigt jedenfalls eine erhöhte Aktivität. Auch der Luftfahrt-Farbcode wurde für Stromboli auf Orange gesetzt.

Sangay zeigt hohe Thermalstrahlung am 13. Oktober

Sangay mit deutlich erhöhter thermischer Aktivität und Ascheemissionen

Am ecuadorianischen Vulkan Sangay hat sich die anhaltende Eruption in der Nacht in Form einer ausgeprägten thermischen Anomalie verstärkt. Das Satellitensystem MIROVA registrierte am 13. Oktober gegen 01:35 UTC eine hohe Wärmestrahlung mit einer berechneten Leistung von 337 Megawatt (MW). Solch ein hoher Wert deutet auf eine beträchtliche Menge an heißem bzw. frisch gefördertem Material hin, das sich entweder im Kraterbereich ansammelte oder sogar über die Vulkanflanke abstieg. Möglicherweise fand die Messung genau zum Zeitpunkt einer explosiven Eruption statt, bei der rotglühende Tephra ausgestoßen wurde.


Sangay im September

Die Beobachtung passt zu den aktuellen Berichten des ecuadorianischen Geophysikalischen Instituts (IG-EPN). Im jüngsten Tagesbericht wurde eine moderate Oberflächenaktivität festgestellt. In der Nacht und am frühen Morgen beobachteten die Kameras mehrfach starke Rotglut im Kraterbereich sowie den Abgang glühenden Materials bis etwa 100 Meter unterhalb des Gipfels. Zudem wurden sechs Explosionssignale, sechs langperiodische Erdbeben und acht Episoden von Emissionstremor registriert.

Darüber hinaus hat das Satellitensystem MOUNTS Schwefeldioxid-Emissionen von 192 Tonnen registriert und die Ausbreitung der Emissionen in Richtung Westen verfolgt. Zusätzlich wurden mehrere thermische Anomalien durch MIROVA und FIRMS festgestellt.

Inzwischen bestätigt auch die Vulkanaschewarnung des VAAC Washington die Fortdauer der Eruption. Um 06:39 UTC meldete die Behörde anhaltende Ascheemissionen. Die Aschewolke erreichte eine Höhe von 6.400 Metern über dem Meeresspiegel und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 29 km/h nach Nordwesten. Wegen dichter Bewölkung war die Asche auf Satellitenbildern allerdings nicht direkt erkennbar; die Aktivität wurde über Webcam-Beobachtungen bestätigt. Auch die ecuadorianische Flugsicherheitsbehörde meldete zuvor Asche in der Guayaquil-Fluginformationsregion.

Der 5.230 Meter hohe Sangay gehört zu den aktivsten Vulkanen Ecuadors. Die aktuelle Kombination aus Explosionsaktivität, Ascheemissionen, Abgängen von Schuttlawinen und der außergewöhnlich starken Wärmeanomalie zeigt, dass der Vulkan weiterhin erhöht aktiv ist.