Island: Schwarmbeben am 11.08.2026

Erdbebenaktivität auf dem Reykjanes-Rücken – Bodenhebung geht weiter

Am Dienstag, 11. August 2026, hat sich auf dem Reykjanes-Rücken südwestlich von Island ein moderates Erdbeben ereignet. Nach IMO-Angaben wurde um 08:40 Uhr Ortszeit ein Beben der Magnitude Mb 3,3 registriert. Das Epizentrum lag 30 Kilometer südwestlich von Reykjanestá, der südwestlichsten Spitze der Reykjanes-Halbinsel, die für ihren markanten Leuchtturm bekannt ist. Das Hypozentrum lag in ca. 10 km Tiefe.



Island. © IMO

Das Beben war Teil eines Schwarmbebens aus ca. 30 Erschütterungen. Bereits um 08:32 Uhr wurde ein Beben der Magnitude M2,3 registriert. Das IMO weist darauf hin, dass Erdbeben auf diesem Abschnitt des Reykjanes-Rückens häufig auftreten und Menschen normalerweise nicht gefährden.

Tektonisch befindet sich das Gebiet in einer besonders aktiven Zone des Mittelatlantischen Rückens. Hier driften die nordamerikanische und die eurasische Platte auseinander. Der mittelozeanische Rücken tritt im Bereich Islands an die Oberfläche und setzt sich südwestlich der Insel unter dem Atlantik fort. Die Dehnung der Erdkruste wird durch zahlreiche Störungen und Erdbeben aufgenommen. Das Reykjanes-Gebiet ist deshalb auch unabhängig von den jüngsten vulkanischen Ereignissen auf der Halbinsel seismisch aktiv.

Die aktuelle Aktivität liegt auf dem Reykjanes-Rücken und damit deutlich westlich der vulkanisch aktiven Zone bei Grindavík und der Sundhnúkur-Kraterreihe. Ein einzelnes M3,3-Beben mit anschließenden Nachbeben stellt daher zunächst keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch dar. Allerdings zeigen wiederkehrende Schwarmaktivitäten, dass sich die tektonischen Spannungen in dieser Region regelmäßig durch Serien kleiner und moderater Erdbeben abbauen.

Die Bodenhebung im Svartsengigebiet geht praktisch unverändert auf niedrigem Niveau weiter. Ob der Druckaufbau reicht, um zeitnah eine neue Eruption auszulösen, ist ungewiss. IMO-Vulkanologen halten einen Ausbruch bei Sundhnukur nach wie vor für ein wahrscheinliches Szenario.

Die meisten Islandreisenden dürften sich aktuell allerdings mehr für die Sonnenfinsternis am 12. August interessieren, wo im Westen Islands Totalität herrscht. Leider sind die Wetteraussichten für morgen Abend nicht besonders gut. Es könnten sich im äußersten Nordwesten an einigen Orten allerdings Wolkenlücken auftun.

Vulkanausbruch am Ätna: Weitere Spaltenöffnung

Ätna bleibt hochaktiv – neue Eruptionsöffnung in der Valle del Bove

Der Vulkanausbruch am Ätna auf Sizilien geht nicht nur weiter, sondern hat sich seit gestern weiter intensiviert. Neben den anhaltenden explosiven Eruptionen am Krater Voragine speist der Vulkan mehrere Lavaströme an seiner Ostflanke. In der Nacht zum Dienstag kam es zudem zur Öffnung einer neuen Eruptionsstelle im Valle del Bove. Gleichzeitig führt die Ascheentwicklung zu Einschränkungen am Flughafen Catania.



Nach Angaben des INGV öffnete sich am Montagabend gegen 21:30 UTC eine neue Eruptionsöffnung im Valle del Bove auf etwa 1900 Metern Höhe in der Nähe des Monte Simone. Damit verlagerte sich die effusive Aktivität weiter hangabwärts. Bereits zuvor waren Lavaströme aus Öffnungen auf etwa 2750 und 2360 Metern Höhe aktiv.

Lavaströme. © INGV

Bei einer Erkundung am Montagnachmittag stellten INGV-Mitarbeiter fest, dass die am weitesten vorgedrungene Lavastromfront weiterhin gut gespeist wird. Gegen 17:00 UTC hatte sie bereits die Rocca delle Palombe passiert und befand sich auf einer Höhe von etwa 1370 Metern. Das Valle del Bove (Tal des Ochsen) ist eine mehrere Kilometer große, nach Osten geöffnete Depression an der Ostflanke des Ätna, die vor etwa 9500 Jahren durch den Kollaps der Vulkanflanke entstand. Ihre steilen Hänge leiten Lavaströme bevorzugt in Richtung des unbewohnten Talbodens.

Am Gipfelkrater setzt sich die starke explosive Aktivität fort. Sie geht in erster Linie von der Voragine aus und fördert reichlich Vulkanasche, die sich vor allem über die Südflanke des Ätna verteilt. Der Ascheausstoß hält auch am heutigen Morgen an und ist via Livecam gut zu beobachten. Das VAAC Toulouse gab deshalb den Luftfahrt-Farbcode Rot aus. Die Aschewolke steigt bis in etwa 15.000 Fuß (4600 Meter) Höhe auf und driftet mit dem Wind in südliche Richtungen, was den Flugverkehr am Flughafen Catania beeinträchtigt: Die Sperrung des Luftraumsektors C1 wurde verlängert und eingehende Flüge bleiben zunächst bis 19:00 Uhr ausgesetzt bzw. werden auf andere Flughäfen Siziliens umgeleitet. Starts von der Startbahn 08 sind aber weiterhin möglich. Fluggäste wurden aufgefordert, sich vor der Anreise bei ihrer Fluggesellschaft über den aktuellen Flugstatus zu informieren.

Die geophysikalischen Messungen bestätigen die anhaltend hohe Aktivität. Das vulkanische Tremor-Signal blieb im Bereich hoher Werte. Die Tremorquellen liegen überwiegend im Bereich der Voragine beziehungsweise zwischen Voragine und Nordostkrater in 2500 bis 3000 Metern Höhe. Die Infraschallaktivität nahm zunächst ab und lag zuletzt auf mittlerem Niveau. Bei den Bodenverformungen zeigten sich keine signifikanten neuen Veränderungen. Die Neigungsmessungen bestätigen weiterhin die zuvor beobachteten Trends.

Prognosen des weiteren Eruptionsverlaufs lassen sich anhand der Messdaten nicht anstellen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass Lavastromeruptionen zuletzt bis zu 14 Tage andauerten. Frühere Lateraleruptionen im Valle del Bove konnten aber auch mehrere Monate oder sogar Jahre anhalten.

Sakurajima: Japanischer Vulkan hält Kagoshima in Atem

Sakurajima bleibt explosiv: Sechs VONA-Warnungen innerhalb von 24 Stunden

Der japanische Vulkan Sakurajima liegt im Süden der japanischen Insel Kyushu und ist weiterhin explosiv aktiv. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden löste der Vulkan sechs VONA-Warnungen für den Flugverkehr aus. Mehrere explosive Eruptionen schleuderten Vulkanasche und Gesteinsfragmente in die Atmosphäre. Dunkle Eruptionswolken zogen dabei in Richtung Kagoshima, wo mehr als eine halbe Million Menschen leben.



In den vergangenen Tagen stand der Wind ungünstig für die Metropole in rund 10 Kilometern Entfernung zum Vulkan, sodass die Eruptionswolken in Richtung Stadt geweht wurden und Ascheregen verursachten. Auch für den Flugverkehr könnten die Aschewolken, die zuletzt bis auf 2.700 m Höhe (FL090) aufgestiegen waren, problematisch sein. Allerdings wurden die Eruptionswolken in den vergangenen Tagen auch nach Süden geweht, während der Flughafen Kagoshima nördlich des Vulkans liegt.

Eine der jüngsten vom VAAC Tokio registrierten Eruptionen ereignete sich am 10. August um 20:41 UTC. Eine Aschewolke stieg bis auf etwa 2.700 Meter über dem Meeresspiegel auf und wurde vom Wind mit einer Geschwindigkeit von 9 km/h nach Westen verfrachtet. Die Aschewolke konnte sich anschließend über größere Entfernungen ausbreiten.

Auch die japanische Wetterbehörde JMA meldete in den vergangenen Tagen explosive Aktivität am Minamidake-Gipfelkrater. Demnach stieg eine Eruptionswolke sogar bis zu 3.000 Meter über den Kraterrand auf. Vulkanasche wurde in südwestlicher Richtung transportiert. Für Teile von Kagoshima wurde kurzfristig mäßiger Aschefall erwartet. Zudem bestand in einem Bereich bis etwa drei Kilometer vom Krater die Gefahr niedergehender kleiner vulkanischer Bomben.

Die Aktivität entspricht dem länger anhaltenden Muster des Sakurajima. Nach Angaben der JMA wurden zwischen dem 7. und 10. August mehrere Eruptionen registriert, die vom Gipfelkrater Minamidake ausgingen. Dabei wurden Lavabrocken ballistisch bis in die Umgebung der achten Messstation geschleudert, die sich etwa 600 Meter vom Krater entfernt befindet. Für das Gebiet um den Gipfel- und den Showa-Krater gilt weiterhin Alarmstufe 3 mit Zugangsbeschränkungen.

Auch die längerfristigen Messungen deuten auf anhaltenden Magmanachschub hin. GNSS-Daten zeigen seit Mai leichte Veränderungen bestimmter Messstrecken auf Sakurajima und eine allmähliche Ausdehnung des Untergrunds der Aira-Caldera, unter der sich ein großes Magmareservoir befindet. Gleichzeitig bleibt der Schwefeldioxidausstoß vergleichsweise hoch.

Die Daten und Beobachtungen sprechen dafür, dass die vulkanische Aktivität zunächst anhält. Neben Ascheregen stellen insbesondere ballistische Geschosse und pyroklastische Ströme Gefahren dar, die im Umfeld des Sakurajima auftreten können.

Kolumbien: Sehr starkes Erdbeben fordert Menschenleben

Schweres Erdbeben der Magnitude 7,4 verursacht Schäden in Kolumbien – mindestens 20 Tote

Datum: 10.08.2026 | Zeit: 12:34:28 UTC | Koordinaten: 4.877 ; -76.21 | Tiefe: 110 km | Mw 7,4

Ein starkes Erdbeben hat am Montagmorgen weite Teile Kolumbiens erschüttert. Nach Angaben des EMSC erreichte das Beben eine Magnitude von 7,4. Es ereignete sich um 12:34:28,7 UTC, entsprechend 07:34 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum wurde 13 km nördlich von El Cairo im Westen des Landes verortet. Das Hypozentrum lag in 110 Kilometern Tiefe. Dieser Tiefe ist es zu verdanken, dass sich das Beben nicht noch stärker an der Oberfläche auswirkte. Dennoch richtete es Zerstörungen an und forderte mindestens 20 Menschenleben.


Frau stürzt auf Flucht
In der Nähe des Epizentrums und in den Städten des Eje Cafetero kam es zu Gebäudeschäden. Aus Pereira, Manizales und Quibdó wurden beschädigte oder teilweise eingestürzte Gebäude gemeldet, darunter auch eine Kathedrale, deren Glockenturm umkippte. Auch aus Cali liegen Berichte über Gebäudeschäden vor. In Pereira wurden zudem Schäden am Terminal des Flughafens Matecaña gemeldet. Ferner kam es zu Stromausfällen. Die Schadensbilanz ist noch vorläufig und dürfte sich im Laufe der Bergungs- und Inspektionsarbeiten weiter verändern. Auch die Zahl der Verletzten und Todesopfer ist noch nicht abschließend geklärt.

Auf Videos des Ereignisses ist zu erkennen, dass einige Gebäude komplett kollabierten oder regelrecht als Block umkippten. Davon waren offenbar auch moderne Gebäude betroffen. Großflächige Zerstörungen, wie sie zuletzt bei dem starken Megabeben in Venezuela auftraten, sind den ersten Eindrücken zufolge jedoch ausgeblieben.

Besonders deutlich waren die Erschütterungen in den Städten des kolumbianischen Kaffeeanbaugebiets zu spüren. Bewohner berichteten von heftigem und lang anhaltendem Schwanken von Gebäuden. Auch aus Cali und Bogotá gingen Meldungen über deutlich spürbare Erschütterungen ein. Das Beben wurde zudem in Teilen von Ecuador und Panama wahrgenommen.

Bemerkenswert ist die große Herdtiefe von rund 110 Kilometern. Das Beben ereignete sich damit nicht unmittelbar an der Erdoberfläche, sondern in der Asthenosphäre, beziehungsweise der abtauchenden Lithosphäre einer Subduktionszone. Westkolumbien liegt in einer tektonisch hochaktiven Region, in der die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte abtaucht. Zusätzlich wird die Region durch komplexe Bewegungen verschiedener Platten- und Krustenblöcke geprägt. Die Subduktion erzeugt sowohl flache als auch sogenannte intermediäre Tiefenbeben wie das aktuelle Ereignis.

Kolumbien. © EMSC
Obwohl sich das Beben an einer Störungszone der Westlichen Kordillere ereignete und sich die meisten Vulkane Kolumbiens entlang der zentralen Andenkordillere aufreihen, liegt mit dem Nevado del Ruiz ein besonders bekannter Vulkan im Wirkungskreis des Bebens. Er befindet sich nur etwa 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt und war in den vergangenen Wochen vergleichsweise ruhig. Sollte er seine Ascheemissionen wieder aufnehmen, könnte dies möglicherweise mit dem Erdbeben in Zusammenhang stehen.

Die große Tiefe dürfte dazu beigetragen haben, dass die Erschütterungen über ein weiträumiges Gebiet hinweg wahrgenommen wurden. Gleichzeitig kann ein solches Beben auch in größerer Entfernung noch starke Kräfte auf Gebäude ausüben. Das kolumbianische Kaffeeanbaugebiet gehört deshalb zu den seismisch besonders gefährdeten Regionen des Landes.

Die Region ist bereits mehrfach von schweren Erdbeben getroffen worden. Besonders verheerend war das Beben von 1999, das vor allem Armenia und Pereira schwer beschädigte und gut 1.900 Menschen das Leben kostete.

Vulkan Fuego: Starke Explosion in Orten hörbar gewesen

Starke Explosion des Fuego weithin hörbar gewesen – Acatenango-Park wieder geöffnet

Auch nach dem Ende des Paroxysmus vom 3. August ist der guatemaltekische Vulkan Fuego aktiv geblieben und kehrte zu seiner gewohnten strombolianischen Tätigkeit zurück. Diese erfuhr gestern erneut eine Steigerung, als es zu einer stärkeren Explosion kam, die nicht nur glühende Tephra hunderte Meter über den Krater aufsteigen ließ, sondern sich auch in den Ortschaften am Fuß des Feuervulkans lautstark bemerkbar machte. Auf Livecam-Aufnahmen ist nicht nur die Explosion selbst zu hören, sondern auch das Prasseln der Tephra, als diese auf die Vulkanflanke einschlug. Die Geräuschentwicklung bzw. das Hören der Geräusche am Fuß des Vulkans ist nicht alleine auf die Stärke der Explosion zurückzuführen, sondern auch auf die ungewöhnliche Windstille am Vulkan.

Fuego

Die Asche wurde dabei in unterschiedlichen Höhen transportiert. Eine Wolke erreichte etwa 13.000 Fuß (ca. 4.000 Meter) über dem Meeresspiegel und driftete mit dem Wind nach Südwesten. Eine weitere, höher reichende Emission wurde bis auf etwa 16.000 Fuß (rund 4.900 Meter) transportiert und bewegte sich nach Nordwesten. Die Prognosen des VAAC gehen davon aus, dass sich die Asche in den folgenden Stunden weiterhin überwiegend in südwestlicher und nordwestlicher Richtung ausbreiten wird.

Zudem traten kontinuierlich schwächere Emissionen auf. Der Vulkan produziert damit weiterhin regelmäßig explosive Ereignisse, wie sie für den Fuego charakteristisch sind.

Die Aktivität hatte zuletzt auch Auswirkungen auf den Tourismus in der Region. Die Gemeinde Acatenango gab am 7. August die Wiedereröffnung des Regionalen Gemeindeparks „Astillero Volcán Acatenango“ bekannt. Das beliebte Wandergebiet, das die Terrassen auf der Vulkanflanke gegenüber des Fuegos mit einschließt, als auch den Gipfel des Acatenango, war am 3. August vorsorglich geschlossen worden, als die Aktivität des Fuego in einem Paroxysmus kumulierte. Mit der Verbesserung der Sicherheitslage wurde der Zugang nun wieder freigegeben.

Ätna: Verstärkung der Explosivität verursacht Flugumleitungen

Intensivierung der explosiven Aktivität am Voragine-Krater – Lavaströme am Ätna erreichen 1.500 Meter Höhe

Der Vulkanausbruch am Ätna hält weiter an und in der Nacht kam es zu einer Intensivierung der explosiven Aktivität am Voragine-Krater, wodurch aufgrund der Vulkanasche im Südwesten des Flughafens Catania Landungen bis mindestens 17.00 Uhr ausgesetzt wurden. Außerdem fließt im Valle del Bode weiterhin Lava, was zur Bildung eines komplexen Lavafelds führte. Noch sind Ortschaften nicht bedroht, doch die Frage stellt sich, ob dem so bleiben wird. 



Am Montagvormittag wurde die Aschewolke erneut in südwestliche Richtung verfrachtet und zog in einer Höhe von FL 170 (5200 m über dem Meeresspiegel) in den Luftraumsektor C1, weshalb ankommende Flugzeuge in Catania nicht mehr landen können. Wie es während der aktuellen Eruptionsphase bereits mehrfach vorkam, werden die Maschinen auf andere Flughäfen auf Sizilien umgeleitet. Startende Flugzeuge sind hiervon nicht betroffen, dennoch bringt die Umleitung der Flugzeuge für Tausende Reisende während der Urlaubssaison Unannehmlichkeiten mit sich. Da die Explosivität der Eruptionen und damit die Stärke des Ascheausstoßes phasenweise schwanken, sollten Reisende vor Flugantritt unbedingt die Website des Flughafens aufrufen, um sich über den aktuellen Stand informiert zu halten.

Parallel zur explosiven Tätigkeit speisen zwei aktive Förderschlote auf 2.750 und 2.360 Metern Höhe mehrere Lavaströme. Diese bilden komplexe, teilweise übereinanderliegende Lavafelder. Während die Lavafronten am Sonntag noch auf Höhen zwischen etwa 1.850 und 2.100 Metern beschränkt waren, hatten sie bis Montag deutlich an Höhe verloren bzw. an Länge dazugewonnen. Die am weitesten vorgedrungenen Fronten erreichten nun etwa 1.500 Meter Höhe am Fuß der Nordwand des Valle del Bove im Bereich des Monte Rinatu. Damit hat sich die Lava innerhalb eines Tages um mehrere hundert Höhenmeter talwärts bewegt. Die obersten Ortschaften an der Ätna-Ostflanke, Zafferana und Milo, liegen auf etwa 780 m Höhenniveau. Bereits oberhalb der Orte verflacht sich das Gelände und bildet einige Senken aus, so dass die Lavaströme langsamer werden sollten und die Orte aktuell nicht direkt gefährdet sind. Bei früheren langandauernden Lavaströmen kam es aber bereits vor, dass besonders Zafferana von Lavaströmen fast erreicht wurde.

Wärmestrahlung © MIROVA
Die Daten zur Wärmestrahlung zeigen, dass die aktuellen Lavaströme die heißesten im Jahresverlauf sind, was man sehr schön auf der bei MIROVA veröffentlichten Strahlungsbilanz ablesen kann. Der Spitzenwert lag gestern bei einer Leistung von 4374 MW. Am 8. August wurden sogar Werte von mehr als 6200 MW. gemessen.

Die seismischen Daten zeigen weiterhin eine erhöhte Aktivität. Die durchschnittliche Amplitude des vulkanischen Tremors liegt im unteren roten Bereich, stieg seit gestern Abend aber wieder leicht an. Das Zentrum der Tremorquellen verlagerte sich am Sonntagabend vorübergehend vom Voragine-Krater in den Bereich zwischen Voragine und Nordostkrater auf etwa 2.400 bis 2.700 Metern Höhe. Seit den frühen Morgenstunden des 10. August liegt es wieder unterhalb des Voragine-Kraters in rund 3.000 Metern Höhe.

Die an Neigungsmessung nahe des Gipfels registrierte Trendänderung setzt sich fort. Nach zunächst rund 6,6 Mikroradiant Neigungsänderung am Sonntag wurde inzwischen eine maximale Veränderung von etwa 8 Mikroradiant an der Station Cratere del Piano gemessen. Zuletzt zeigte sich dieser Trend jedoch leicht rückläufig. Das INGV schreibt nicht direkt, ob die Veränderung eine Versteilung oder Abflachung des Hangs widerspiegelt, also ob es sich um eine Inflation oder Deflation handelt, doch ich vermute, dass hier eine Deflation infolge des Lavaausstoßes gemeint ist. Da keine vorherigen Werte einer evtl. Inflationsphase bekannt sind, lassen sich aus diesen Werten keine Prognosen zur Dauer der Eruption ableiten.

Offensichtlich ist, dass es sich nicht um einen Paroxysmus handelt, sondern um eine länger andauernde Eruption mit Spaltenöffnungen auf der Vulkanflanke.

Weiterführender Link: Flughafen Catania

Campi Flegrei: Spürbares Erdbeben Md 3,0 am 10. August

Neuer Erdbebenschwarm erschüttert Campi Flegre – vorläufige Schadensbilanz nach schwerem Beben vom 31. Juli

In der süditalienischen Caldera Campi Flegrei gab es nach einigen ruhigen Tagen mit wenigen Erdbeben heute Nacht erneut einen Erdbebenschwarm. Seit Beginn um 00:27 UTC (02:27 Uhr Ortszeit) wurden 18 Erschütterungen detektiert. Die stärkste hatte eine Magnitude Md 3,0 und wurde im gesamten Stadtgebiet von Pozzuoli gespürt. Das Hypozentrum lag in gut 3.600 Metern Tiefe bei Arco Felice zwischen Monte Nuovo und der Solfatara. Die Tiefe des Hypozentrums liegt unterhalb des eigentlichen Hydrothermalsystems und stand vermutlich mit Bruchmechanismen im Deckgestein der Caldera im Zusammenhang.



Erdbebenkarte © INGV

Der neue Schwarm ereignet sich nur wenige Tage nach dem schweren Md-4,7-Erdbeben vom 31. Juli. Das Beben war das stärkste in den Messaufzeichnungen der Campi Flegrei und verursachte insbesondere im Raum Pozzuoli vergleichsweise große Schäden. Nach einem am 6. August veröffentlichten Zwischenbericht konnten etwa 1.700 Menschen nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. 691 Wohnhäuser waren als unbewohnbar eingestuft worden. In Pozzuoli waren 1.652 Menschen untergebracht worden, darunter 1.514 in Ferienunterkünften, 78 in Hotels und 60 im Palatrincone. Weitere Betroffene gab es in Bacoli und Monte di Procida. 37 Feuerwehrteams führten zu diesem Zeitpunkt noch Gebäudeüberprüfungen durch. Zudem waren vier Schulen in Pozzuoli schwer betroffen und insgesamt 17 Kirchen als unbewohnbar eingestuft worden. Zudem wurde ein Tunnel der Cumana-Eisenbahnlinie beschädigt. Ein zweiter Tunnel ist seit Wochen aufgrund extrem hoher Kohlendioxidwerte gesperrt. Die letzten Messungen bestätigten eine CO₂-Konzentration von 7 Vol. % in der Luft, was unter Umständen bereits tödlich wirken kann.

Der neue Schwarm sorgt auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil in den vergangenen Tagen intensiv darüber diskutiert wurde, ob das Md-4,7-Beben eine überraschende Entwicklung darstellte. Der Seismologe Aldo Zollo erklärte in einem aktuellen Interview, Erdbeben dieser Größenordnung seien wissenschaftlich bereits untersucht und als mögliche Entwicklung des Systems berücksichtigt worden. Gemeint ist damit allerdings keine konkrete Vorhersage des Bebens vom 31. Juli. Vielmehr hatten Untersuchungen gezeigt, dass mit zunehmender Bodenhebung und dem damit verbundenen Spannungsaufbau auch stärkere Erdbeben möglich werden. Studien zeigten, dass Beben mit Magnituden von etwa 5,2 erwartet werden müssen, sollte die aktuelle Hebungsphase anhalten.

Interessant ist die neuerliche historische Aufarbeitung des Geschehens. Entgegen der landläufigen Annahme, den Bradyseismus habe es in den letzten Jahrhunderten ständig in wechselnden Phasen gegeben, zeigen Studienarbeiten, unter anderem von De Natale, dass dem nicht so war. Vor der Eruption des Monte Nuovo hatte es eine mehrere Jahrzehnte dauernde Hebungsphase gegeben, die nach der Eruption von 1538 in eine etwa 400 Jahre dauernde Senkung überging. Ob es zwischendurch Phasen mit einer Trendumkehr gegeben hat, lässt sich heute nicht mehr sagen. Dennoch resultierten vor der Eruption eine Hebung und danach eine Senkung.

Einen Regimewechsel setzte etwa 1950 ein, als es zu ersten Bodenhebungen kam, die sich ab 1970 verstärkten und von ersten Erdbeben begleitet wurden. Seitdem gab es mehrere Hebungs- und Senkungsphasen. Dabei steht einer summierten Hebung von etwa 5,7 m eine Senkung von ca. 0,94 m gegenüber. Netto hob sich der Boden also seit 1950 um gut 4,8 m, wobei utnerschiedliche Zahlen im Umlauf sind, weswegen man die hier genannten Werte als Näherungen betrachten sollte. Kein Wunder also, dass Bausubstanz und Menschen unter der Dauerkrise leiden.

Anak Krakatau: Neue Ascheemissionen am 09.08.2026

Anak Krakatau mit erneuter Ascheemission – Tremor ging voraus

Der Anak Krakatau im Sundastrait zwischen Java und Sumatra emittiert nach ein paar ruhigeren Tagen erneut Vulkanasche. Am 9. August 2026 registrierte das Volcanic Ash Advisory Center (VAAC) Darwin eine Aschewolke, die bis in eine Höhe von gut 3.000 Fuß (etwa 900 Meter) über dem Meeresspiegel aufstieg. Die Emission wurde anhand von Satellitenaufnahmen des Wettersatelliten Himawari-9 beobachtet. Nach Einschätzung des VAAC dürften die Ascheemissionen weiter anhalten und niedrig fliegende Flugzeuge gefährden.

Histogramm

Die Aschewolke wurde um 05:10 UTC, also 13:10 Uhr Ortszeit, beobachtet. Der Wind war schwach und wechselte seine Richtung, sodass die Wolke zunächst nur langsam nach Norden verfrachtet wurde. Das VAAC weist allerdings darauf hin, dass die Asche auf späteren Satellitenbildern wegen dichter Bewölkung nicht mehr eindeutig auszumachen war. Die Angaben zu Höhe und Ausbreitung beruhen daher teilweise auf Modellberechnungen.

Die Messungen des indonesischen Vulkanüberwachungsdienstes PVMBG vom 8. August bestätigten eine anhaltende seismische Unruhe in Form von Tremor und hybriden Erdbeben. Innerhalb von 24 Stunden wurden 43 harmonische Tremore registriert, deren Dauer zwischen 11 und 130 Sekunden lag. Hinzu kamen vier vulkanisch bedingte niederfrequente Beben sowie acht Hybrid- beziehungsweise Mehrphasenbeben. Außerdem wurde ein flaches vulkanotektonisches Beben aufgezeichnet. Besonders bemerkenswert ist der Nachweis kontinuierlichen Tremors, der viermal registriert wurde und Amplituden von bis zu 25 Millimetern erreichte. Die Daten für den 9. August liegen noch nicht vollständig vor. Soweit vorhanden, bestätigen sie den Trend vom Vortag. Die Beben lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass es weitere Ascheeruptionen geben wird.

Aufgrund der anhaltenden vulkanischen Aktivität gilt weiterhin eine Sperrzone. Das PVMBG empfiehlt, sich dem Anak Krakatau nicht auf weniger als drei Kilometer vom aktiven Krater zu nähern. Dies gilt insbesondere für Bewohner, Besucher, Touristen und Bootsfahrer.

Puracé: Stärkste Ascheeruption der aktuellen Phase

Puracé erzeugte eine der stärksten Ascheeruptionen der aktuellen Tätigkeitsphase – Seismizität weiterhin hoch

Die Aktivität am kolumbianischen Vulkan Puracé bleibt im Brennpunkt vulkanologischer Aufmerksamkeit. Das SGC warnt weiterhin vor erhöhter Seismizität und anhaltendem Tremor. Seit dem Abend des 7. August kam es zu mehreren Ascheemissionen und Eruptionen. Livebilder zeigen, dass einer dieser Ausbrüche deutlich stärker war und mehr Asche förderte als die meisten vorangegangenen Eruptionen.

Puracé. © SGC

Dieser Ausbruch ereignete sich am Freitagabend um 17:57 Uhr Ortszeit und förderte Asche mehrere Kilometer hoch. Das VAAC registrierte Vulkanasche in einer Höhe von 5500 m, also gut 850 m über der Kraterhöhe. Meiner Einschätzung nach stimmt diese Angabe allerdings nicht mit der Höhe der auf dem Bild zur Eruption erkennbaren Aschewolke überein. Auf dem Bild ist zu erkennen, dass sich die Aschewolke bodennah ausbreitete und Dichteströme erzeugte. Ein weiterer Ascheausstoß wurde am Morgen des 8. August um 9:12 Uhr beobachtet. Bewohner der Orte Puracé und Coconuco sowie aus Popayán meldeten Aschefall.

Die vulkanische Seismizität weist auf anhaltende Prozesse im Inneren des Vulkans hin, die in einer weiteren Verstärkung der Aktivität gipfeln könnten. Das Seismogramm wird von kontinuierlichem Tremor und langperiodischen Erdbeben dominiert. Diese stehen mit der Bewegung von Fluiden und Gasen im vulkanischen Fördersystem in Zusammenhang und konzentrieren sich weniger als einen Kilometer unterhalb des Kraters. Dagegen bleibt die durch Gesteinsbruch verursachte Seismizität gering.

Besonders auffällig sind die Gasemissionen. Der Schwefeldioxidausstoß erreichte zuletzt 2100 Tonnen pro Tag und liegt damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Gleichzeitig steigen die Kohlendioxidkonzentrationen weiter an.

Das SGC hält die Alarmstufe Orange aufrecht. Kurzfristige Schwankungen der Aktivität seien möglich, bedeuteten jedoch nicht zwangsläufig eine Entspannung. Der Zugang zu den Kratern von Puracé, Piocollo und Curiquinga bleibt wegen möglicher plötzlicher Asche- und Gasemissionen gefährlich.

Der Puracé ist ein aktiver Schichtvulkan in den kolumbianischen Anden und Teil der komplexen Vulkankette Los Coconucos. Er liegt im Departamento Cauca, rund 30 Kilometer östlich von Popayán. Sein Gipfel erreicht eine Höhe von 4646 Metern. Der Vulkan besitzt einen großen Gipfelkrater und zählt zu den aktivsten Vulkanen Kolumbiens.