Deutschland: Drei Erdbeben mit M größer 2,0

Drei Erdbeben mit Magnituden im Zweierbereich erschüttern Deutschland – gibt es einen Zusammenhang?

Heute registrierten Seismometer innerhalb weniger Stunden drei Erdbeben in Deutschland, die Magnituden im Zweierbereich hatten – etwas, das bei uns relativ selten vorkommt. Die Erschütterungen erreichten Magnituden zwischen 2,4 und 2,5. Die Epizentren lagen im Rhein-Main-Gebiet sowie im Westen Deutschlands nahe der belgischen Grenze. Ob die Beben tatsächlich von Anwohnern gespürt wurden, ließ sich bislang nicht eindeutig bestätigen – dem EMSC liegen keine Wahrnehmungsmeldungen vor. Generell können flache Erdbeben dieser Größenordnung bestenfalls im direkten Umkreis des Epizentrums verspürt werden.


Shakemap © EMSC/Leaflet

Das jüngste der drei Beben ereignete sich um 13:12 Uhr MESZ im Raum Worms. Das Europäisch-Mediterrane Seismologische Zentrum (EMSC) gab eine Magnitude von 2,5 und eine Herdtiefe von neun Kilometern an. Das Epizentrum wurde 10 km nord-nordwestlich von Mannheim lokalisiert, womit es in der Oberrheinebene lag.

Ebenfalls am Oberrhein lag das Beben der Magnitude 2,4, welches sich um 10:33 Uhr MESZ im Raum Mainz manifestierte. Dieses Ereignis lag in zwölf Kilometern Tiefe und wurde 8 km östlich von Mainz lokalisiert.

Wenige Minuten zuvor, nämlich um 10:26 Uhr MESZ, wurde ein drittes Beben mit Magnitude 2,5 und einer Herdtiefe von 13 Kilometern registriert. Sein Epizentrum lag bei Heckhuscheid in der westlichen Eifel, nahe der belgischen Grenze. Der belgische Erdbebendienst verortete den Erdstoß 12 km südöstlich und berechnete eine Lokalmagnitude von 2,6. Geografisch gesehen ereignete sich dieses Beben am Rand der Westeifel.

Unterschiedliche tektonische Regionen

Die beiden Beben im Rhein-Main-Gebiet ereigneten sich im Umfeld des Oberrheingrabens, einer bedeutenden tektonischen Störungszone Mitteleuropas mit dem Charakter eines kontinentalen Rifts. Die Erdkruste wurde dort im Verlauf der Erdgeschichte gedehnt und abgesenkt. Zahlreiche Verwerfungen durchziehen den Untergrund. Entlang solcher Störungen können sich Spannungen lösen und Erdbeben auslösen. Der Oberrheingraben gehört deshalb zu den seismisch aktiveren Regionen Deutschlands.

Das dritte Beben liegt dagegen im westlichen Teil der Eifelregion. Auch dort können sich Spannungen innerhalb der europäischen Erdkruste an bestehenden Störungen entladen. Die Region ist zudem für ihren quartären Vulkanismus bekannt, der vordergründig von einem Mantelplume gespeist wurde. Aus dem einzelnen Erdbeben ergeben sich jedoch keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit magmatischen Vorgängen.

Gemeinsame Ursache nicht belegt

Dass sich alle drei Erdbeben innerhalb von weniger als drei Stunden ereigneten, ist bemerkenswert, reicht aber nicht aus, um einen gemeinsamen Auslöser anzunehmen. Die beiden Ereignisse im Rhein-Main-Gebiet könnten tektonisch in einem ähnlichen regionalen Spannungsfeld stehen. Das Beben nahe der belgischen Grenze liegt jedoch in einem anderen Störungsgebiet.

Kanaren: Hohe Vulkanausbruchswahrscheinlichkeit berechent

Zivilschutz beziffert Wahrscheinlichkeit für Vulkanausbruch auf den Kanaren in den nächsten 50 Jahren auf 77,69 Prozent

Die Kanarischen Inseln müssen sich langfristig auf weitere Vulkanausbrüche einstellen. Eine neue spanische Zivilschutzrichtlinie beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb der nächsten 50 Jahre mindestens eine Eruption im Archipel geben wird, auf 77,69 Prozent. Die Zahl klingt alarmierend, ist aber keine Vorhersage eines unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs. Zudem lässt sich daraus nicht ableiten, welche Insel betroffen sein wird.


Eruption auf La Palma

Hintergrund ist die neue „Directriz Básica de Planificación de Protección Civil ante el riesgo volcánico“, die im spanischen Staatsanzeiger veröffentlicht wurde. Sie ersetzt die bisherige, aus dem Jahr 1996 stammende Regelung und legt fest, wie die Behörden vulkanische Gefahren bewerten, überwachen und im Krisenfall darauf reagieren sollen.

Die Wahrscheinlichkeit von 77,69 Prozent bezieht sich auf das gesamte Kanarenarchipel. Sie beschreibt die statistische Chance, dass innerhalb des betrachteten Zeitraums mindestens eine Eruption stattfindet. Sie bedeutet weder, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht, noch, dass jede einzelne Insel einem vergleichbaren Risiko ausgesetzt ist. Grundlage der Berechnung sind die bisherige Eruptionsgeschichte der Inselgruppe und ein statistisches Modell zur Wiederkehr vulkanischer Aktivität.

Die geologische Vergangenheit zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Inseln. Auf La Palma kam es 2021 zu einem mehrmonatigen Ausbruch, während sich 2011 vor El Hierro ein unterseeischer Vulkan entwickelte. Auch Teneriffa und Lanzarote weisen jüngere vulkanische Aktivität auf. Fuerteventura und Gran Canaria sind dagegen wesentlich älter und zeigen keine vergleichbare historische Eruptionsaktivität.

Die neue Richtlinie ermöglicht es den Behörden, das Risiko für einzelne Inseln und sogar kleinere Gebiete genauer zu untersuchen. Dabei werden die Verteilung früherer Ausbruchszentren, die geologische Struktur, mögliche Eruptionsszenarien sowie die Besiedlung und Infrastruktur berücksichtigt. Auf diese Weise lässt sich das Gefahrenpotenzial räumlich differenzierter bewerten. Eine sichere Vorhersage, welche Insel innerhalb der nächsten 50 Jahre von einem Ausbruch betroffen sein wird, ist jedoch nicht möglich.

Die Überwachung der Vulkane obliegt vor allem dem Instituto Geográfico Nacional (IGN). Die Geowissenschaftler beobachten mithilfe eines umfangreichen Netzes von Messstationen die Erdbebenaktivität, Bodenverformungen und Veränderungen der Gasemissionen. Solche Veränderungen können Hinweise auf Magmenbewegungen im Untergrund liefern, die einer Eruption vorausgehen können. Die neue Richtlinie sieht außerdem die Erstellung von Gefahrenkarten, die Einrichtung von Frühwarnsystemen und die Ausarbeitung abgestimmter Evakuierungspläne vor.

Die 77,69 Prozent beschreiben somit ein langfristiges Risiko für den gesamten Archipel. Welche Insel tatsächlich einen Ausbruch erleben wird, bleibt offen. Die Zahl ist deshalb kein Anlass für akute Alarmstimmung, verdeutlicht aber die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Vulkanüberwachung und einer umfassenden Katastrophenvorsorge.

Die aktuellen Entwicklungen lassen einen Ausbruch auf Teneriffa als mögliches Szenario erscheinen. Dort wurde in den vergangenen Monaten Schwarmbebenaktivität registriert, die auf Magmenbewegungen oder eine Magmenakkumulation in größerer Tiefe hindeuten könnte. Da sich vulkanische Unruhen über Jahre oder sogar Jahrzehnte entwickeln können, könnten die Erdbeben, deren Häufigkeit in den vergangenen Wochen nachgelassen hat, Teil eines längerfristigen Prozesses sein. Ob sie tatsächlich frühe Anzeichen einer bevorstehenden Eruption darstellen, ist allerdings unklar. Zudem ist nicht auszuschließen, dass sich auf einer der anderen Inseln, die in jüngerer Zeit vulkanisch aktiv waren, zuvor ein Ausbruch entwickeln wird.

Stromboli zeigt weiteren Lavaüberlauf und erhöhte Explosivität

Lavaüberlauf und stärkere Explosionen am Stromboli bestätigt – Erdbeben in großer Tiefe registriert

Am Stromboli hat die Aktivität in den vergangenen Stunden erneut zugenommen und zeichnet sich durch explosive und effusive Tätigkeit aus. Nachdem bereits Sonntagabend ein Lavaüberlauf stattfand, über den offizielle Stellen nicht berichtet haben, kam es nach Angaben des INGV am Abend des 12. Oktober gegen 19:00 UTC zu einem weiteren Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kraterbereich. Gleichzeitig hält die strombolianische Aktivität an, die zeitweise deutlich intensiver als üblich ist. Die Vulkanologen registrierten dabei bislang keine wesentliche Veränderung der als mittelhoch eingestuften Tremoramplitude oder der Explosionsseismizität. Eine ungewöhnliche Bodendeformation wurde nicht beobachtet. Lediglich das am Pizzo installierte Neigungsmessgerät SELI registrierte seit Beginn des Lavaüberlaufs eine geringe Änderung von etwa 0,1 Mikroradiant.


Stromboli

Die Messungen des Laboratorio di Geofisica Sperimentale (LGS) zeigen allerdings ein deutlich komplexeres Bild. Besonders auffällig ist die akustische Aktivität: Der maximale Schalldruck der Explosionen erreichte gestern 2,63 bar und wird damit weiterhin als sehr hoch eingestuft. Auch das Puffen beziehungsweise Spattering ist mit rund 64,7 mbar stark ausgeprägt. Hinzu kommen 21 registrierte Felsstürze innerhalb eines Tages, womit diese Aktivität als sehr hoch gilt. Der Tremor liegt dagegen im mittleren Bereich. Die SO₂-Emissionen werden mit 77 Tonnen pro Tag, der CO₂-Fluss mit 405 Tonnen pro Tag ebenfalls als mittel eingestuft.

Der vom LGS angegebene vulkanische Aktivitätsindex liegt dennoch nur im Bereich „mittel“. Diese Einstufung sollte allerdings mit Vorsicht interpretiert werden. Mehrere wichtige Messgrößen sind derzeit nicht verfügbar. Dazu gehören insbesondere die Zahl der VLP-Ereignisse sowie praktisch sämtliche Parameter der thermischen Überwachung. Damit fließen gerade Daten, die bei einem Lavaüberlauf besonders relevant sein können, nicht vollständig in die Bewertung ein. Der Aktivitätsindex stellt deshalb kein vollständiges Abbild der aktuellen Situation dar.

Darüber hinaus registrierte das EMSC heute Nacht ein weiteres sehr tief gelegenes Erdbeben der Magnitude 2,7 im Bereich von Stromboli. Das Epizentrum lag nur wenige Kilometer vor der Ostküste und somit unter der Vulkanflanke. Das Hypozentrum wurde in 203 Kilometern Tiefe ausgemacht und lag somit im oberen Erdmantel. Ob und wie sich die Vibrationen eines schwachen Erdstoßes auf die Aktivität des Vulkans auswirken, ist wissenschaftlich nicht ausreichend erforscht. Es gibt aber einige Studien, die darauf hinweisen, dass die tektonischen Prozesse in der Tiefe – die mit der Subduktion der Ionischen Platte zusammenhängen – die Magmaförderung am Stromboli beeinflussen können.

Die aktuelle Kombination aus Lavaüberlauf, Explosionen, intensivem Spattering und zahlreichen Felsstürzen zeigt jedenfalls eine erhöhte Aktivität. Auch der Luftfahrt-Farbcode wurde für Stromboli auf Orange gesetzt.

Sangay zeigt hohe Thermalstrahlung am 13. Oktober

Sangay mit deutlich erhöhter thermischer Aktivität und Ascheemissionen

Am ecuadorianischen Vulkan Sangay hat sich die anhaltende Eruption in der Nacht in Form einer ausgeprägten thermischen Anomalie verstärkt. Das Satellitensystem MIROVA registrierte am 13. Oktober gegen 01:35 UTC eine hohe Wärmestrahlung mit einer berechneten Leistung von 337 Megawatt (MW). Solch ein hoher Wert deutet auf eine beträchtliche Menge an heißem bzw. frisch gefördertem Material hin, das sich entweder im Kraterbereich ansammelte oder sogar über die Vulkanflanke abstieg. Möglicherweise fand die Messung genau zum Zeitpunkt einer explosiven Eruption statt, bei der rotglühende Tephra ausgestoßen wurde.


Sangay im September

Die Beobachtung passt zu den aktuellen Berichten des ecuadorianischen Geophysikalischen Instituts (IG-EPN). Im jüngsten Tagesbericht wurde eine moderate Oberflächenaktivität festgestellt. In der Nacht und am frühen Morgen beobachteten die Kameras mehrfach starke Rotglut im Kraterbereich sowie den Abgang glühenden Materials bis etwa 100 Meter unterhalb des Gipfels. Zudem wurden sechs Explosionssignale, sechs langperiodische Erdbeben und acht Episoden von Emissionstremor registriert.

Darüber hinaus hat das Satellitensystem MOUNTS Schwefeldioxid-Emissionen von 192 Tonnen registriert und die Ausbreitung der Emissionen in Richtung Westen verfolgt. Zusätzlich wurden mehrere thermische Anomalien durch MIROVA und FIRMS festgestellt.

Inzwischen bestätigt auch die Vulkanaschewarnung des VAAC Washington die Fortdauer der Eruption. Um 06:39 UTC meldete die Behörde anhaltende Ascheemissionen. Die Aschewolke erreichte eine Höhe von 6.400 Metern über dem Meeresspiegel und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 29 km/h nach Nordwesten. Wegen dichter Bewölkung war die Asche auf Satellitenbildern allerdings nicht direkt erkennbar; die Aktivität wurde über Webcam-Beobachtungen bestätigt. Auch die ecuadorianische Flugsicherheitsbehörde meldete zuvor Asche in der Guayaquil-Fluginformationsregion.

Der 5.230 Meter hohe Sangay gehört zu den aktivsten Vulkanen Ecuadors. Die aktuelle Kombination aus Explosionsaktivität, Ascheemissionen, Abgängen von Schuttlawinen und der außergewöhnlich starken Wärmeanomalie zeigt, dass der Vulkan weiterhin erhöht aktiv ist.

Atlantik: Erdbeben Mw 6,7 am Zentralen Mittelatlantischen Rücken

Erdbeben M6,7 erschüttert Zentralen Mittelatlantischen Rücken zwischen Afrika und Südamerika

Am zentralen Mittelatlantischen Rücken hat sich am 13. Oktober 2026 ein starkes Erdbeben in geringer Tiefe von 10 Kilometern ereignet. Der Erdstoß erreichte nach ersten Daten eine Magnitude von 6,7 und wurde um 05:44:46 UTC registriert. Das Epizentrum lag bei den Koordinaten 0,169° nördlicher Breite und 19,860° westlicher Länge mitten im Atlantik. Die nächstgelegenen größeren bewohnten Gebiete liegen an der Küste Sierra Leones, mehr als 1.100 Kilometer entfernt. Schäden an Land sind daher nicht zu erwarten.

Shakemap © EMSC/Leaflet

Dennoch ist das Beben von tektonischer Bedeutung, weil es direkt am Mittelatlantischen Rücken (Mid-Atlantic Ridge, MAR) stattfand. Dabei handelt es sich um eine der bedeutendsten divergenten Plattengrenzen der Erde. Der unterseeische Gebirgszug aus magmatischen Gesteinen zieht sich über Tausende Kilometer durch den Atlantik und trennt die Kontinentalplatten voneinander, die auf beiden Seiten des Ozeans auseinanderdriften. Im Bereich des zentralen Südatlantiks verläuft die Grenze zwischen der Südamerikanischen und der Afrikanischen Platte.

Anders als an einer Subduktionszone bewegen sich die Platten hier voneinander weg. Dabei steigt heißes Mantelmaterial auf, schmilzt teilweise und bildet neue ozeanische Kruste. Dieser Prozess wird als Seafloor Spreading bezeichnet und lässt den Atlantik jedes Jahr um einige Zentimeter breiter werden. Die durchschnittliche Spreizungsrate des Mittelatlantischen Rückens beträgt etwa 2,5 Zentimeter pro Jahr.

Die Dehnung der Erdkruste erzeugt Spannungen und zahlreiche flache Erdbeben. Eine Tiefe von nur zehn Kilometern passt daher gut zum tektonischen Umfeld des aktuellen Bebens. Allerdings ist der Mittelatlantische Rücken nicht durchgehend eine einfache gerade Bruchzone: Die Rückenabschnitte werden durch zahlreiche Transformstörungen versetzt, an denen sich die Platten seitlich gegeneinander bewegen. Auch dort können stärkere Erdbeben entstehen. Die Lokalisierung des Epizentrums des aktuellen Bebens zeigt, dass es an einer solchen Transformstörung entstand.

Vulkan Nevados de Chillán eruptiert am 12. Oktober

Nevados de Chillán mit weiteren Ascheeruptionen – Aktivität bleibt erhöht

Am chilenischen Vulkan Nevados de Chillán gab es in den vergangenen Tagen weitere Eruptionen. Zuletzt registrierte das VAAC Buenos Aires am 12. Oktober gegen 10:20 UTC eine Aschewolke, die bis in 3.700 Meter Höhe über dem Meeresspiegel transportiert wurde. Satellitenbilder zeigten einen Aschepuls, während die Webcam intermittierende Emissionen von Wasserdampf und leichter Vulkanasche dokumentierte. Die Wolke bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 38 km/h in südliche Richtung.


Nevados de Chillán

Der Ausbruch wurde auf Video dokumentiert und zeigt eine tosende Eruption von Wasserdampf, Vulkanasche und größeren Vulkanbomben, die zur Zeit ihres Ausstoßens noch glühten. Solche Vulkanbomben können für Beobachter oder Touristen in Kraternähe besonders gefährlich werden.

Die Aktivität kam nicht völlig überraschend, denn das Vulkanologische Observatorium der chilensischen Bergbaubehörde SERNAGEOMIN registrierte bereits am Sonntag um 22:12 Uhr Ortszeit ein langperiodisches Erdbeben, das mit der Bewegung von Fluiden im Inneren des Vulkans zusammenhing. Das Ereignis erreichte einen reduzierten Versatz von 318 cm². Gleichzeitig nahm die thermische Strahlung im Bereich des aktiven Kraters deutlich zu. Auch am 11. Oktober hatte es ein vulkanisches Erdbeben und eine Verstärkung der nächtlichen Rotglut im Kraterbereich gegeben. Die Beobachtungen sprechen für eine anhaltende Bewegung von Magma und vulkanischen Fluiden im oberflächennahen Bereich.

Bereits am 8. Oktober war eine explosive Eruption beobachtet worden. Dabei stieg eine Aschewolke rund 860 Meter über dem Krater auf und driftete nach Südosten. Das Ereignis war von einem LP-Erdbeben mit einem reduzierten Versatz von 131 cm² und einem akustischen Signal begleitet.

Die aktuelle Aktivitätsphase hatte bereits Ende September deutlich an Dynamik gewonnen. Am 29. September wurde ein neuer Lavastrom am westlichen Rand des Gipfelkraterkomplexes festgestellt. Gleichzeitig verstärkte sich die Seismizität. Anfang Oktober wurden wiederholt explosive Ereignisse, anhaltende Rotglut und Aschewolken beobachtet.

Sernageomin hält deshalb eine zwei Kilometer große Sperrzone um das aktive Zentrum aufrecht. Besonders bei stärkeren Explosionen besteht dort Gefahr durch glühende Gesteinsbrocken, Asche und pyroklastisches Material. Zudem wird weiterhin untersucht, ob sich ein neuer Lavakörper beziehungsweise Lavadom entwickelt. Die Behörden meinen, dass auch künftig stärkere explosive Ereignisse nicht ausgeschlossen werden können.

USA: Tropensturm Rachel löst Sturzfluten in Las Vegas aus

Tropensturm Rachel löst Sturzfluten in Las Vegas und Umgebung aus – Parkhäuser liefen voll

Die Überreste des Tropensturms Rachel haben am Sonntag ungewöhnlich starke Regenfälle und Überschwemmungen im Südwesten der USA ausgelöst. Besonders betroffen war der Großraum Las Vegas im Bundesstaat Nevada. Dort verwandelten sich Straßen zeitweise in reißende Wasserläufe, die auch Keller und Tiefgaragen überfluteten. Der US-Wetterdienst warnte vor lebensgefährlichen Sturzfluten.

Las Vegas

Am Harry-Reid-International-Airport in Las Vegas wurden 1,08 Zoll Niederschlag gemessen, was 27,4 Millimetern entspricht. Damit wurde der bisherige Tagesrekord für den 11. Oktober von 19,8 mm aus dem Jahr 2012 deutlich übertroffen. In anderen Teilen des Las-Vegas-Valley fiel örtlich noch deutlich mehr Regen. Im Nordwesten des Ballungsraums wurden Niederschlagsmengen von mehr als 60 Millimetern registriert.

Die Wassermassen überfluteten Straßen und Entwässerungskanäle. Auch in der Umgebung des berühmten Las Vegas Strip mit seinen bekannten Themenhotels und Casinos kam es zu Problemen. Einsatzkräfte sperrten zeitweise mehrere Straßen, darunter Abschnitte der Koval Lane und der Winnick Avenue. Schlamm und Treibgut mussten anschließend beseitigt werden, bevor die betroffenen Straßen wieder freigegeben werden konnten.

Tropische Feuchtigkeit über der Wüste

Verantwortlich für die Unwetter waren die Überreste des pazifischen Tropensturms Rachel. Nachdem das Sturmsystem über die mexikanische Halbinsel Baja California gezogen war, verlor es seine tropischen Eigenschaften. Die verbliebene Tiefdruckzirkulation transportierte allerdings weiterhin große Mengen feuchter Luft in Richtung der Mojave-Wüste und des Colorado-River-Valley. Starke Schauer und Gewitter führten dadurch innerhalb kurzer Zeit zu außergewöhnlichen Niederschlägen in Gegenden, die für ihrer Trockenheit bekannt sind.

Auch im Death Valley – dem trockensten Ort der USA – in Kalifornien wurde Regen registriert. An der dortigen Messstation fielen nach vorläufigen Angaben 4,6 Millimeter Niederschlag. Ob andere Bereiche des Nationalparks größere Regenmengen abbekamen, ist anhand dieser Einzelmessung nicht zu beurteilen. Hier gibt es Parallelen zu einem der trockensten Orte Südamerikas: Aufgrund des starken El Nino regnete es in der Atacama-Wüste, die daraufhin erblühte.

In Wüstenregionen können selbst vergleichsweise kurze Regenereignisse gefährliche Folgen haben. Trockene, teilweise verkrustete Böden nehmen große Wassermengen nicht immer schnell genug auf. Das Wasser sammelt sich in Senken, strömt durch ausgetrocknete Flussbetten und kann binnen Minuten Sturzfluten auslösen.

Der Wetterdienst hielt auch am Montag die Warnung vor weiteren Niederschlägen und örtlicher Überschwemmungsgefahr aufrecht.

Guatemala: Starke Unwetter erhöhen Lahargefahr

Starke Unwetter sorgen in Guatemala für Überflutungen – Lahargefahr an den Vulkanen besonders hoch

Starke Regenfälle haben in Guatemala am Wochenende nicht nur für Überschwemmungen in Städten gesorgt, sondern auch die Gefahr von Laharen an mehreren Vulkanen erhöht. Besonders betroffen ist die Region um den Santa-María-Santiaguito-Komplex, während auch am Volcán de Fuego vor Schlammströmen gewarnt wird.


Starkregen setzt Mazatenango unter Wasser

Überflutungen

In der Stadt Mazatenango die im Departamento Suchitepéquez in Sichtweite des Santiaguito liegt, gingen am 11. Oktober außergewöhnlich starke Niederschläge nieder. Nach Angaben lokaler Wetterbeobachter fielen innerhalb von nur einer Stunde gut 83 Millimeter Regen. Mehrere Straßen und Alleen wurden überflutet, Fahrzeuge und Mototaxis blieben im Wasser stecken.

Die außergewöhnliche Niederschlagsintensität trifft vielerorts auf bereits gesättigte Böden, da es im Rahmen der Regenzeit bereits starke Niederschläge gegeben hatte. Das guatemaltekische Wetterinstitut INSIVUMEH hatte für das Wochenende weitere kräftige Schauer und Gewitter vorhergesagt, die im Rahmen der Tiefdruckstörung „Ost-Welle Nr. 44“ auftreten sollten und es dann auch taten. Aufgrund der gesättigten Böden wurde ausdrücklich vor Überschwemmungen, Erdrutschen und Laharen entlang der Vulkankette gewarnt.

Lahar-Gefahr am Santiaguito

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Domkomplex Santiaguito. Dort können starke Regenfälle große Mengen lockeren vulkanischen Materials mobilisieren. Das Wasser vermischt sich mit Asche, Geröll und Blöcken und fließt anschließend als Lahar durch die Barrancas und Flussläufe talwärts.

Bereits am 23. September registrierte INSIVUMEH Lahare in den Flüssen Nimá I und Tambor, Nebenflüssen des Río Samalá. Die Ströme führten neben Wasser und Sedimenten auch Baumstämme, Äste und Gesteinsblöcke mit Durchmessern von bis zu einem Meter. Wegen der anhaltenden Regenfälle wurde damals vor weiteren Laharen gewarnt.

Am Santiaguito existiert inzwischen ein spezielles Frühwarnsystem. 13 Messstationen registrieren Niederschläge und die charakteristischen seismischen Signale von Laharen. Bei einem erkannten Schlammstrom können Warnungen mit einem Vorlauf von mehreren zehn Minuten ausgegeben werden.

Auch am Fuego drohen Lahare

Auch am weiterhin aktiven Volcán de Fuego warnte CONRED gestern vor Laharen. Der Vulkan erzeugt aktuell vier bis sechs Explosionen pro Stunde. Aschewolken erreichten Höhen von bis zu 4.800 Metern und es gibt genug abgelagertes Material, das mit Wasser vermischt in den vulkanischen Barrancas Schlamm und Geröllströme erzeugen kann. Die Behörden raten deshalb dringend davon ab, sich in den Barrancas der Vulkane aufzuhalten oder angeschwollene Flüsse und Lahare zu überqueren.

Stromboli: Murenabgänge durch Unwetter

Unwetter verursachten Geröllabgänge auf Stromboli – Insel vom Fährverkehr abgeschnitten

Am Freitag und Samstag wurden die Liparischen Inseln von einem heftigen Unwetter getroffen. Dabei kam es nicht nur auf Lipari zu Beeinträchtigungen (Vnet berichtete), sondern, wie sich inzwischen herausgestellt hat, auch auf Stromboli. Auf der Vulkaninsel führten die starken Regenfälle zu kleineren Murenabgängen, bei denen Geröll und Schlamm auf die Straßen gespült wurden. Die erneuten Vorfälle verdeutlichen, wie gefährdet die Siedlungen an den steilen Hängen des Inselvulkans bei Starkregen sind. Gleichzeitig beeinträchtigen die schlechten Wetterbedingungen den Schiffsverkehr und erschweren die Versorgung der Insel.



Stromboli nach Unwetter (Archiv)

Wie die sizilianische Medien am 12. Oktober berichteten, genügte ein einzelner Wolkenbruch, um enge Gassen auf Stromboli mit Geröll und Schlamm zu bedecken. Die Präsidentin der örtlichen Organisation Pro Loco Amo Stromboli, Rosa Oliva, erklärte, dass die Bewohner bereits seit 2022 mit solchen Ereignissen konfrontiert seien. Sie bekundete zwar ihre Solidarität mit den Menschen auf Lipari, die am Wochenende ebenfalls von Überschwemmungen betroffen waren, forderte zugleich aber konkrete Maßnahmen zum Schutz Strombolis und des Ortes Ginostra.

Besonders problematisch ist die Situation an den Bachläufen und Abflussrinnen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur ANSA ist das Bachbett des Montagna Russo inzwischen stark mit Geröll aufgefüllt. Bei erneuten Niederschlägen könnten große Steine und weitere Sedimente die vorhandenen Schutzvorrichtungen überwinden und bis in bewohnte Gebiete gelangen. Die Gefahr beschränkt sich daher nicht auf verschmutzte Straßen: Bei Starkregen können sich gefährliche Sturzfluten und größere Muren entwickeln.

Oliva verwies darauf, dass der regionale Katastrophenschutz die Gemeinden bereits im September zu vorbeugenden Maßnahmen aufgefordert habe. Dazu gehörten die Reinigung von Abflüssen, Schächten und Bachbetten sowie die Beseitigung von Hindernissen. Die Bewohner beklagen jedoch, dass bislang keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen worden seien.

Die Lage wird durch den unterbrochenen Fährverkehr zusätzlich verschärft: Stromboli und Ginostra sind bereits seit Mittwoch von den Schiffsverbindungen abgeschnitten. Dadurch drohen Engpässe bei der Versorgung mit frischen Lebensmitteln. Ob die Verbindungen am 12. Oktober wieder aufgenommen wurden, war zunächst nicht zuverlässig bestätigt. Auch auf den Livecams deuteten die Wetterbedingungen nicht auf eine baldige Entspannung hin.

Bereits in der kommenden Woche beginnen in einigen deutschen Bundesländern die Herbstferien, und sicherlich planen einige Urlauber einen Besuch auf der Vulkaninsel. Zwar war es schon immer so, dass raue See den Fährverkehr und insbesondere den Einsatz der Tragflächenboote zu den abgelegenen Inseln beeinträchtigt. In den vergangenen Jahren scheint sich die Situation jedoch verschärft zu haben, da vor allem im Frühjahr und Herbst häufiger Stürme und Unwetter auftreten. Ein möglicher Faktor sind die ungewöhnlich hohen Temperaturen des Mittelmeeres, die die Entwicklung intensiver Unwetter begünstigen können.

Hinzu kommt, dass seit dem verheerenden Vegetationsbrand auf Stromboli im Jahr 2022 bei Niederschlägen vermehrt Schlamm- und Geröllströme abgehen. Durch den Verlust der Vegetation kann Regenwasser schlechter zurückgehalten werden, während Boden und loses Gesteinsmaterial leichter mobilisiert werden. Dadurch steigt die Gefahr, dass Starkregen innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen an Schlamm und Geröll in die Siedlungen transportiert, Straßen blockiert und den Abfluss des Regenwasseres erschwert, wodurch Sturzfluten entstehen.