Antarktis: Eisschmelze könnte sich auf Vulkanaktivität auswirken

Studie zeigt: Schmelzende Eisbedeckung könnte sich auf Aktivität der antarktischen Vulkane auswirken

In Zeiten immer stärker werdender Auswirkungen des Klimawandels auf die Ökosphäre machen sich Geowissenschaftler auch zunehmend Gedanken über mögliche Auswirkungen auf den Vulkanismus. Eine neue Studie, die im Fachjournal „Geochemistry, Geophysics, Geosystems“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass der Klimawandel langfristig gesehen auch den Vulkanismus der Antarktis beeinflussen könnte. Die Forschenden untersuchten mithilfe von Computermodellen, wie Magmakammern unter dem Westantarktischen Eisschild auf den fortschreitenden Eisverlust reagieren könnten. Zwar gibt es keine Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Vulkanausbrüche jenseits des bereits aktiven Mount Erebus, doch die Arbeit zeigt einen geologischen Mechanismus auf, der über lange Zeiträume die Aktivität subglazialer Vulkane verstärken könnte.



Die Westantarktis gehört zu den vulkanisch aktivsten Regionen der Erde unter einer Eisdecke. Dort erstreckt sich das Westantarktische Rift-System, ein Dehnungsgebiet der Erdkruste, in dem mehr als 130 bekannte oder vermutete Vulkane liegen. Viele von ihnen sind vollständig von bis zu mehreren Kilometern mächtigem Eis bedeckt. Diese Eismassen üben einen enormen Druck auf den Untergrund und die darunter liegenden Magmakammern aus.

Genau dieser Druck steht im Mittelpunkt der neuen Studie. Die Wissenschaftler simulierten, wie sich Magmareservoire verhalten, wenn der Eisschild durch die globale Erwärmung allmählich dünner wird. Nimmt die Auflast des Eises ab, sinkt der Druck auf das Magma. Dadurch können sich Schmelze und darin gelöste Gase ausdehnen. Die Gasblasenbildung setzt früher ein, wodurch der Druck innerhalb der Magmakammer steigt. Unter bestimmten Bedingungen kann dies die Wahrscheinlichkeit von Eruptionen erhöhen oder dazu führen, dass bei einem Ausbruch größere Magmamengen gefördert werden.

Zu den wichtigsten Vulkanen der Westantaktis gehören:

Mount Erebus

  • Der südlichste dauerhaft aktive Vulkan der Erde.
  • Liegt allerdings nicht in der Westantarktis, sondern auf Ross Island am Übergang zur Ostantarktis.
  • Bekannt für seinen seit Jahrzehnten bestehenden Lavasee.

Mount Sidley

  • Mit 4.181 m der höchste Vulkan der Antarktis.
  • Ein großer Schildvulkan mit einer Gipfelcaldera.
  • Letzte Eruptionen liegen vermutlich im Pleistozän.

Mount Berlin

  • Einer der geologisch aktivsten Vulkane Westantarktikas.
  • Fumarolen mit Temperaturen von über 90 °C wurden gemessen.
  • Ascheablagerungen belegen holozäne Eruptionen (innerhalb der letzten etwa 10.000 Jahre).

Hudson Mountains

  • Vulkanfeld mit mehreren subglazialen Vulkanen.
  • Hier ereignete sich vermutlich vor rund 2.200 Jahren eine subglaziale Eruption, deren Asche in Eisbohrkernen identifiziert wurde.

Allerdings schreiben die Autoren ausdrücklich, dass ihre Ergebnisse keine Vorhersage bevorstehender Eruptionen darstellen. Vielmehr handelt es sich um einen physikalischen Mechanismus, der sich erst über sehr lange Zeiträume bemerkbar macht. Selbst wenn der Westantarktische Eisschild in den kommenden Jahrhunderten deutlich an Masse verliert, würde die geologische Reaktion verzögert erfolgen. Die Modelle zeigen, dass sich Magmakammern über mehrere Jahrhunderte bis Jahrtausende an die veränderten Druckverhältnisse anpassen. Ein verstärkter Vulkanismus wäre daher frühestens in einigen hundert Jahren zu erwarten und könnte sich über viele tausend Jahre erstrecken.

Ein ähnlicher Zusammenhang ist bereits aus der Erdgeschichte bekannt. Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren nahm beispielsweise auf Island die Häufigkeit großer Vulkanausbrüche deutlich zu. Damals verschwand der mehrere hundert Meter mächtige Eisschild innerhalb weniger Jahrtausende. Durch die Entlastung des Untergrundes stieg nicht nur Magma leichter auf, sondern auch die Magmaproduktion im Erdmantel nahm zu.

Für die Antarktis liefert die neue Studie nun erstmals detaillierte Modellrechnungen, die diesen Zusammenhang für subglaziale Magmakammern beschreiben. Sollten sich die heutigen Klimaprognosen bestätigen und der Westantarktische Eisschild weiter schrumpfen, könnte der Eisverlust langfristig zu einer stärkeren vulkanischen Aktivität beitragen. Für die heutige Generation besteht allerdings kein erhöhtes Vulkanrisiko – die entscheidenden Prozesse laufen auf geologischen Zeitskalen ab und werden sich, wenn überhaupt, erst weit in der Zukunft bemerkbar machen. Die Zeitskalen, in denen sich geologische Prozesse abspielen, verdeutlicht ein weiterer nacheiszeitlicher Effekt: Mit dem Verschwinden der Eisbedeckung begann sich die skandinavische Landmasse langsam zu heben – ein Prozess, der heute noch nicht abgeschlossen ist.

Quelle: Coonin, A. N. et al. (2024): Magma Chamber Response to Ice Unloading: Applications to Volcanism in the West Antarctic Rift System. Geochemistry, Geophysics, Geosystems, 25(12). DOI: 10.1029/2024GC011743.

Aso-san: Erhöhung der Alarmstufe des Vulkans in Japan

Warnstufe 3 nach deutlicher Zunahme der Aktivität am Aso – Zusammenhang mit Kumamoto-Erdbeben denkbar

Am Aso auf Kyushu hat sich die vulkanische Aktivität innerhalb weniger Tage deutlich verstärkt. Die japanische Meteorologische Agentur JMA hob am 14. August um 15:45 Uhr die Vulkanwarnstufe von 2 auf 3 an. Damit gilt rund um den bei Touristen beliebten ersten Krater des Nakadake eine Sperrzone von etwa zwei Kilometern. Dort besteht im Falle einer Eruption Gefahr durch große vulkanische Bomben und pyroklastische Ströme.


Aso-san

Auslöser der Hochstufung war vor allem eine signifikante Zunahme des vulkanischen Tremors, dessen Amplitude seit dem Abend des 12. August anstieg. Am Nachmittag des 14. August überschritt der gleitende Ein-Minuten-Mittelwert an einer Messstation 4 Mikrometer pro Sekunde. Gleichzeitig nahm die Freisetzung von Schwefeldioxid massiv zu: Bei der Messung vom 14. August wurden 2.700 Tonnen SO₂ pro Tag registriert, nachdem am 6. August noch 1.200 Tonnen gemessen worden waren.

Die Entwicklung ist allerdings nicht völlig neu. Bereits am 21. Juni war der Aso wegen zunehmenden Tremors und einer erhöhten SO₂-Freisetzung auf Warnstufe 2 gesetzt worden. Damals wurden 1.700 Tonnen SO₂ täglich gemessen.

Von besonderem Interesse ist der zeitliche Zusammenhang der Aktivitätssteigerung des Aso mit dem jüngsten starken Erdbeben Mw 6,8 vom 28. Juli in der Region Kumamoto. Ob das Beben die Aktivitätszunahme am Vulkan beeinflusst hat, ist derzeit nicht geklärt. Die JMA erklärte am 14. August, es gebe keine eindeutigen Daten für einen Zusammenhang, gleichzeitig könne ein Einfluss nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich wäre ein solches Wirken des Erdbebens auf den Vulkan denkbar. Starke Erdbeben können Spannungen in der Erdkruste verändern, vorhandene Störungen reaktivieren und Fluid- oder Magmawege beeinflussen. Gerade am Aso ist eine solche Wechselwirkung von besonderem Interesse, da das Vulkansystem von einem komplexen Störungsnetz durchzogen wird.

Allerdings sprechen die über Wochen und Monate beobachteten Veränderungen auch für eine eigenständige Entwicklung des Vulkansystems. Der aktuelle Tremoranstieg und die extreme Zunahme der Gasemissionen sind deshalb kein Beleg dafür, dass das Erdbeben die vulkanische Aktivität ausgelöst hat. Möglich bleibt vielmehr, dass ein Erdbeben als zusätzlicher Trigger auf ein bereits angespanntes magmatisches System gewirkt haben könnte. Ein solcher Zusammenhang müsste durch die weitere Entwicklung der seismischen, geodätischen und vulkanischen Messdaten erst nachgewiesen werden, was sich grundsätzlich schwierig gestaltet.

Ätna: Tremorabsturz und Erdbeben am 15. August

Erdbeben verursachte Risse in der Mareneve. Fahrzeug per KI umpositioniert.

Erdbeben ML 3,9 folgt Tremorabsturz am Ätna – das Ende der Eruption?

Am Ätna hat sich am 15. August eine ungewöhnliche Abfolge seismischer und eruptiver Ereignisse abgespielt, in deren Folge die  Mareneve genannte Straße im Norden des Vulkans beschädigt wurde. Obwohl der Vulkan zurzeit weiterhin effusiv aktiv ist, brach die Tremoramplitude nach einem kurzen, aber deutlichen Anstieg innerhalb weniger Minuten auf niedrige Werte ein. Gut anderthalb Stunden später erschütterte ein flaches Erdbeben der Magnitude ML 3,9 den Nordosthang des Vulkans. Dort verläuft die bekannte und signifikante Pernicana-Störung, deren Erdbebenaktivität bereits mehr als einmal eine bevorstehende Eruption angekündigt hat. Sollte es sich diesmal andersherum verhalten?


Erdbeben © EMSC/Leaflet

Nach Angaben des INGV begann die Tremoramplitude gegen 08:20 UTC schnell anzusteigen, und erreichte um 08:40 UTC ihren Höchststand. Genau zu diesem Zeitpunkt ereignete sich am Nordostkrater eine kurze Explosion, die eine Aschewolke erzeugte. Anschließend fiel der Tremor abrupt ab und lag ab etwa 09:00 UTC wieder im niedrigen Bereich. Die Tremorquellen wurden während des Anstiegs ungewöhnlicherweise am Nordostkrater in rund 2000 Metern Höhe lokalisiert; inzwischen liegt die Quelle wieder im Bereich des Voragine-Kraters auf etwa 2600 Metern Höhe – deutlich tiefer als zuvor.

Parallel dazu registrierte das Observatorium zwischen 08:26 und etwa 08:56 UTC mindestens 20 starke Infraschallereignisse am Nordostkrater. Die Kombination aus Infraschallserie, Tremoranstieg und Explosion zeigt, dass sich in diesem Zeitraum eine deutliche Veränderung der eruptiven Aktivität abspielte.

Um 10:24:08 UTC folgte dann das ML-3,9-Erdbeben. Der Herd lag nur 1,2 Kilometer tief bei 37,832° N und 15,070° E, lediglich 2,8 Kilometer nördlich von Piano Pernicana. Damit befand sich das Beben unmittelbar im Bereich des Pernicana-Störungssystems, einer bedeutenden tektonischen Struktur am Nordosthang des Ätna.

Tremor. © INGV

Auf der Tremor-Zeitreihe ist nach dem Einbruch ein Peak zu erkennen, der zeitlich sehr gut mit dem Erdbeben übereinstimmt. Das ist plausibel, als seismisches Signal des Bebens zu interpretieren. Wichtig ist jedoch: Das Erdbeben kann den vorherigen Tremorabsturz nicht verursacht haben (was mein erster Gedanke war), da es erst rund 84 Minuten später stattfand. Möglich ist vielmehr, dass beide Ereignisse Teil einer veränderten Spannungsdynamik des Vulkans sind.

Die INGV-Forscher kommentierten, dass das Erdbeben mit der aktuellen Aktivität des Vulkans zusammenhängt, ließen weitere Interpretationen aber offen. Vergleichbare Erdbeben kündigten 2002 die große Flankeneruption an und wurden zumindest indirekt von aufsteigendem Magma verursacht. Ohne Deformationsmessungen an der Nordflanke bleibt zunächst unklar, ob es sich diesmal wieder so verhält oder ob das Beben mit dem Ende der aktuellen Aktivität in Zusammenhang stehen könnte.

Obwohl die Lavaströme anhalten und auf dem wolkenfreien Valle del Bove via Thermal-Livecam beobachtet werden können, ist es aufgrund der Gipfelbewölkung nicht klar, ob es hier noch Aktivität gibt. Die starken Explosionen am Nordostkrater sprechen für das Finale der Eruption. Zugleich registriert das INGV eine rückläufige Deformation und einen sich verstärkenden Deflationstrend des Vulkangebäudes.

Indonesien: Starkes Erdbeben Mw 7,7 trifft Flores

Schweres Erdbeben erschüttert Flores in Indonesien – Schäden, Todesopfer und Tsunamiwarnung

Ein schweres Erdbeben der Magnitude 7,7 hat am Samstagmorgen die indonesische Insel Flores erschüttert. Das Beben ereignete sich um 05:58 Uhr Ortszeit und hatte nach Angaben des USGS eine Herdtiefe von nur etwa zehn Kilometern. Das EMSC gibt 20 Kilometer an, was ich aufgrund des Schadensbildes für realistischer halte. Das Epizentrum lag 68 Kilometer nordwestlich von Ende vor der Nordküste von Flores. Es gab Schäden, Todesopfer und Verletzte. Ein zunächst ausgerufener Tsunamialarm wurde inzwischen aufgehoben.



Indonesien. © EMSC/Leaflet

Ersten Bilanzen zufolge sind die Folgen schwerwiegend. Nach aktuellem Stand kamen mindestens 38 Menschen ums Leben, mehr als ein Dutzend weitere wurden verletzt. Besonders betroffen ist die Region Sikka mit der Stadt Maumere, wo 20 Todesopfer gemeldet wurden. In Reok löste das Beben einen Erdrutsch aus, bei dem 16 Menschen starben. Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt, Straßen wurden durch Hangrutsche blockiert und die Stromversorgung fiel teilweise aus. Auch die wichtige Trans-Flores-Straße wurde unterbrochen. Rund 2.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Da mehrere betroffene Gebiete nur schwer erreichbar sind, könnte sich die Schadensbilanz noch verändern.

Unmittelbar nach dem Beben wurde eine Tsunamiwarnung ausgelöst. Die indonesische Katastrophenschutz- und Geophysikbehörde BMKG warnte vor möglichen gefährlichen Wellen und forderte Bewohner tiefer Küstengebiete zur Flucht in höher gelegene Bereiche auf. Tatsächlich wurden an der Küste Wellen von weniger als einem Meter registriert; bei Maurole wurde eine maximale Wellenhöhe von etwa 0,94 Metern gemeldet. Nach rund drei Stunden wurde die Warnung aufgehoben.

Tektonisch steht das Ereignis mit der extrem komplexen Plattengrenze im Bereich der Kleinen Sundainseln im Zusammenhang. Die Region wird von der Konvergenz der Australischen und der Sunda-Platte geprägt. Neben der eigentlichen Subduktionszone südlich der Insel verläuft nördlich von Flores das Überschiebungssystem des Flores-Back-Arc-Thrust. Das aktuelle Beben wird diesem tektonischen Umfeld zugeordnet.

Dem Hauptbeben folgten weit über 100 spürbare Nachbeben, darunter Ereignisse im Bereich von Magnitude 5 bis über 6. Betrachtet man die Shakemap genauer, erkennt man mindestens 2 Erdbebencluster, was darauf hindeutet, dass ein längeres Segment des FBAT gebrochen sein könnte.

Für uns besonders interessant ist die Nähe des Bebenclusters zu mehreren Vulkanen. Zu den bekanntesten zählen Lewotobi Laki-laki und Lewotolok im Osten der Region. Hinzu kommen Batu Tara im Floresmeer sowie Rokatenda, auch Paluweh genannt. Rokatenda liegt auf der Insel Palu’e unmittelbar nördlich von Flores und nur wenige Kilometer östlich des Epizentrums. Der Vulkan war 2012 und 2013 effusiv und explosiv aktiv und generierte einen Lavadom. Die Eruption von 2013 erzeugte hohe Aschewolken, pyroklastische Ströme und Evakuierungen. Auch Batu Tara war bis vor wenigen Jahren aktiv.

Damit erschütterte das M7,7 eine Region, in der starke tektonische Aktivität und zahlreiche aktive Vulkane eng nebeneinanderliegen. Bislang gibt es keinen belastbaren Hinweis darauf, dass das Erdbeben unmittelbar eine neue vulkanische Eruption ausgelöst hat. Dennoch dürfte die Aktivität der umliegenden Vulkane in den kommenden Tagen besonders genau beobachtet werden.

Ich selbst saß zur Zeit des Bebens nicht weit entfernt am Kraterrand des Mount Batur auf Bali und habe von dem Erdbeben nichts gespürt. Inzwischen kam mir der Gedanke, dass ich das Erdbeben vielleicht durch mein Fluchen ob des aberwitzigen Massentourismus ausgelöst haben könnte: Eine Menschenschlange, etwa doppelt so lang wie die Aufstiegsroute, schob sich den steilen Hang hinauf und ließ mich an der Sinnhaftigkeit meines Tuns stark zweifeln. In den nächsten Tagen ist ein Besuch am Kawah Ijen geplant, den ich noch recht frei vom Tourismus kenne … Wahrscheinlich gibt es dann das nächste schwere Erdbeben hier.

Sizilien im April 2026 – eine Neptunstory

Reise der Vulkansurrogate: Agrigent und Syrakus statt Ätna und Stromboli

Vulcano, die Insel, die allen Feuerbergen ihren Namen gab, fasziniert mich seit meiner frühen Jugend: Ich entdeckte die Insel in einem Stern-Bericht der 1980er-Jahre und nahm mir vor, diesem entlegenen Eiland nördlich von Sizilien eines Tages einen Besuch abzustatten. Tatsächlich war der Inselvulkan dann auch einer der ersten Vulkane, die ich gut zehn Jahre später besuchen sollte. Und es blieb nicht bei diesem einen Besuch. Zuletzt kehrte ich mit meinem Sohn Leroy in den Osterferien 2026 dorthin zurück, der jetzt etwa in dem Alter ist, in dem ich besagten Stern-Bericht las. Ein Teil meiner Faszination übertrug sich auf ihn, denn es war unsere dritte gemeinsame Reise dorthin, wobei eigentlich Stromboli unser Hauptziel war.



Ätnablick

Tatsächlich nahmen wir die Unbequemlichkeit auf uns, über Frankfurt anstatt von Düsseldorf aus zu fliegen, was dem Umstand geschuldet war, dass der Flug nach Catania von Frankfurt aus halb so teuer war wie von Düsseldorf. Zu allem Überfluss ging der Flieger morgens um 7 Uhr und da nachts keine Züge von Oberhausen nach Frankfurt fahren – was ich immer wieder unglaublich bescheuert finde, denn auch nach Amsterdam mit seinem Fernflughafen kommt man nachts nicht –, mussten wir schon abends aufbrechen, sodass wir kurz nach Mitternacht am Flughafen ankamen. Zum Glück war es die Nacht der Umstellung auf Sommerzeit, sodass die Wartezeit eine Stunde kürzer ausfiel.

Auf Richtung Vulcano und Stromboli

Nach ereignislosem Flug kamen wir am Vormittag in Catania an, holten uns den Mietwagen und begannen unsere Sizilienreise auf dem Domplatz von Catania, wo wir einen tollen Blick auf den Ätna hatten. Doch das gute Wetter währte nicht lange und bald hüllte sich der Dominator Siziliens in dichte Wolken. Den Wetterprognosen nach sollte sich das auch so schnell nicht wieder ändern, denn es wurden schwere Unwetter vorausgesagt, weswegen wir spontan unseren Plan änderten, den Ätna cancelten und sofort Richtung Vulcano durchstarteten, wo wir am späten Nachmittag eintrafen. Vom Hafen Milazzo aus hatte ich noch schnell ein Zimmer in der Casa Schmidt gebucht, wo wir schon im Vorjahr Gast waren und die zu unseren ursprünglich geplanten Reisedaten aber ausgebucht war, weswegen wir später in ein ebenfalls nettes Ferienhaus umziehen sollten, das wir schon von zu Hause aus gebucht hatten.

Am Hafen empfing uns der so vertraute Geruch nach faulen Eiern, den Leroy bei seinen ersten Inselkontakten so gar nicht mochte. Inzwischen rümpfte er nur einmal kurz die Nase, dann war gut. Der Gestank entströmt den Fumarolen am Faraglione genannten Felsen und dem Fangobad an seinem Fuß. Zu unserem Entsetzen war das Bad erneut geschlossen, obwohl sich die Gaswerte, die in den Jahren der seismovulkanischen Krise zur Schließung des Bades geführt hatten, inzwischen wieder deutlich normalisiert hatten. Der Grund der Schließung: Für den privaten Pächter lohnte es sich in der Vorsaison wohl nicht, den mittlerweile von der Kommune vorgeschriebenen Bademeister zu bezahlen, weshalb Touristen, die auch extra wegen eines Bades im Fango kommen, nun vor dem hölzernen Gatter stehen und dumm gucken. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich von Holzzäunen und Toren nicht einfach von MEINEM Fangobad abhalten lasse, und so beschloss ich später trotzdem, ein Bad zu nehmen. Doch leider kam es anders als geplant: Die Unwetter, vor denen wir mittags aus Catania geflohen waren, holten uns ein. Und so fanden Leroy und ich uns abends in einem der wenigen offenen Restaurants bei einer Pizza sitzend wieder, anstatt in dem Fangotopf.

Am nächsten Morgen standen wir mit Sonnenaufgang auf und das Wetter war besser. So nutzten wir die Gelegenheit und machten uns gleich an den Aufstieg zum Vulkankrater der Fossa 2, den wir auch recht schnell erreichten. Anders als im Vorjahr war das Fumarolenfeld nicht mehr gesperrt und so erkundeten wir es ausführlich. Mit meiner kleinen Thermalkamera maß ich Temperaturen von bis zu 198 Grad Celsius und blieb damit unter den von den Vulkanologen ermittelten Werten von ca. 250 Grad. In Ermangelung einer Gasmaske drang ich aber auch nicht bis zu den heißesten Fumarolen vor. Nach einer Umrundung des Kraters machten wir uns über die Ascherutsche an den Abstieg. Leroy, der mittlerweile schon dabei ist, ein Vulkanprofi zu werden, fand besonders hieran Gefallen.

Unten angekommen marschierten wir zur Casa Schmidt, packten unser deponiertes Gepäck und zogen in das Ferienhaus um, das für die nächsten zwei Nächte unser Zuhause sein sollte. Leider kamen nachmittags erneut Unwetter auf und es wurde wieder nichts aus einem Fangobad.

Am nächsten Tag regnete es Bindfäden und in Ermangelung besserer Ideen mieteten wir einen recht vergammelten Wagen und unternahmen eine Inselrundfahrt. Doch das Wetter wollte sich nicht bessern und so blieben wir, abgesehen von ein paar kurzen Spaziergängen, im Wagen und chillten in unserem Ferienhaus.

Einmal am Stromboli anschlagen, dann zurück nach Sizilien

Und schon war unsere Zeit auf Vulcano um. Am nächsten Morgen war das Wetter besser und wir saßen gegen 7 Uhr bereits im Tragflächenboot nach Stromboli, wo wir die nächsten drei Nächte verbringen wollten. Die Freude war groß, denn bei unserem letzten Versuch, den Vulkan zu erreichen, scheiterten wir am hohen Seegang, wegen dem der Fährbetrieb ausgesetzt wurde. Das sollte uns heute nicht passieren. Oder doch? Nach gut zweieinhalb Stunden im Schnellboot erreichten wir Stromboli bei schönstem Sonnenschein. Voller Erwartung erhoben wir uns von unseren Plätzen und schauten den Matrosen durch die bereits offene Tür bei den Vorbereitungen zum Anlanden zu, als aufgrund ein paar sich kreuzender Wellen Palaver aufkam. Nach nicht einmal einer Minute des Anlegeversuchs warf die Crew das Handtuch und meinte: „Das wird heute nichts mehr.“ Das Boot drehte ab und machte sich auf den Rückweg nach Milazzo, wo wir dreieinhalb Stunden später – immer noch verdutzt – ankamen.

Was nun tun, es morgen noch einmal versuchen? Erst einmal holten wir unseren Wagen aus der Garage, fuhren nach McDonald’s, um Essen zu fassen und uns zu beraten. Die Wetterprognose für die nächsten Tage ließ schwer zu wünschen übrig und so beschlossen wir, erst einmal nach Cefalù zu fahren und uns ein Hotel zu nehmen. Sollte das Wetter am nächsten Tag besser sein, könnte man von hier aus wieder nach Milazzo fahren und es erneut versuchen. Doch schon während der Besichtigung des pittoresken Ortes mit seinem maurischen Waschplatz frischte der Wind auf und die See brandete schwer gegen die Küste. Schnell wurde klar, dass uns Neptun erneut nicht wohlgesonnen war. Unserer Tour drohte, in einer Odyssee zu enden.

Flughafen Catania. © Leroy Szeglat

So sollte es dann auch kommen. Ein Blick vom Hotelzimmer aus Richtung Meer machte klar, dass dieser Tag bereits um 7 Uhr morgens gelaufen war: Gewitterwolken hingen tief über dem sturmgepeitschten Meer und für einen Moment war mir so, als würde ich eine hässlich grinsende Gestalt in der Gischt erkennen, die einen Dreizack schwang. So cancelten wir Stromboli endgültig und fuhren weiter nach Palermo und Monreale, wo das Wasser nur so von den Hängen schoss und die Kanalisation überlastet war. Auch das machte wenig Sinn und so querten wir Sizilien zu dem einzigen Ort mit einer akzeptablen Wetterprognose: Agrigent. Hier schauten wir uns abends die berühmte Tempelanlage an, bezogen ein weiteres beliebiges Hotel und fuhren am Folgetag nach Syrakus, um auch hier die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern.

Am Ende einer recht enttäuschenden ungeplanten Sizilienrundreise erlebte Flugzeugfan Leroy dann doch noch ein Highlight, als wir am letzten Abend am Flughafen von Catania nahe der Startbahn zum Plane-Spotting aufschlugen und – wen wundert’s – bei aufklarendem Wetter und guten Prognosen für die nächsten Tage Flugzeuge vor der Silhouette des Ätna fliegen sahen.

Sizilien: Erdbebenserie vor Ustica

Erdbebenserie vor Ustica – seismische Aktivität im Tyrrhenischen Meer vor Sizilien

Vor der Nordküste Siziliens hat sich am Freitagmorgen eine kleine Erdbebenserie ereignet. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 2,9 und hatte sein Epizentrum 59 Kilometer nordnordwestlich von Palermo beziehungsweise wenige Kilometer südlich der Vulkaninsel Ustica. Nach Angaben des EMSC lag der Erdbebenherd in etwa 14 Kilometern Tiefe. Das Beben ereignete sich um 05:45 Uhr Ortszeit.

Ustica © EMSC/Leaflet

Dem Beben gingen vier schwächere Erschütterungen voran, die ebenfalls im Bereich vor Ustica registriert wurden. Damit konzentrierte sich die Aktivität auf einen relativ kleinen Abschnitt des Tyrrhenischen Meeres. Bei einer Magnitude unter 3 sind Schäden nicht zu erwarten; ob einzelne Erschütterungen auf Ustica oder an der sizilianischen Küste verspürt wurden, hängt stark von Herdtiefe und lokalen Untergrundbedingungen ab. Beim EMSC gibt es keine Wahrnehmungsmeldungen, während italienische Medien berichten, dass das Erdbeben von der Bevölkerung verspürt wurde.

Ustica ist im Rahmen von Vulkane.net von besonderem Interesse, da es sich um eine aus Feuer geborene Insel handelt, ähnlich den weiter ostwärts gelegenen Liparischen Inseln. Die heute nur rund acht Quadratkilometer große Insel bildet den über den Meeresspiegel ragenden Teil eines größeren untermeerischen Vulkankomplexes. Die letzte vulkanische Aktivität liegt allerdings weit zurück. Die aktuelle Erdbebenserie liefert daher keinen Hinweis auf eine Reaktivierung des Vulkans. Ustica befindet sich zugleich in einer tektonisch aktiven Region des südlichen Tyrrhenischen Meeres.

Auch weiter östlich war die Region seismisch aktiv. Vor der Nordküste Siziliens wurden in der Nacht zwei Erdstöße mit den Magnituden 2,3 und 2,1 registriert. Der Herd des stärkeren Bebens lag ungewöhnlich tief bei 157 Kilometern und wurde etwa 43 Kilometer westlich von Tropea verortet. Interessant ist die Nähe zum westlich gelegenen Stromboli. Solche tiefen Erdbeben werden wegen ihrer großen Herdtiefe meist kaum oder überhaupt nicht wahrgenommen. Eine Häufung solcher tiefen Erdbeben in Strombolinähe geht meiner Wahrnehmung nach oft einer Aktivitätssteigerung des Vulkans voran.

Die unterschiedliche Herdtiefe der Ereignisse verdeutlicht die komplexe Tektonik des süditalienischen Raumes: Während die flacheren Beben vor Ustica mit Störungen in der Erdkruste zusammenhängen können, reichen im Bereich des kalabrisch-äolischen Bogens seismische Prozesse bis weit in die Tiefe und hängen mit der Subduktion der Ionischen Mikroplatte zusammen.

Vulkanausbruch am Ätna: Verstärkte Explosivität der Eruption


Vulkanausbruch am Ätna dauert seit über einer Woche an – Verstärkung der Explosivität, Lava vom Weltall aus sichtbar

Am Ätna auf Sizilien hält die seit mehr als einer Woche andauernde Eruption weiter an. Nach offiziellen Angaben des INGV setzte sich am 13. August die effusive Aktivität an den Eruptionsöffnungen auf etwa 2750 und 1900 Metern Höhe fort. Der zuvor noch aktive Lavastrom an der Öffnung auf 2090 Metern ist dagegen inzwischen erloschen. Am späten Nachmittag steigerte sich die Explosivität der Eruption deutlich.


Wärmebild. © INGV

Besonders weit vorgedrungen ist die Lava aus der Öffnung auf 1900 Metern Höhe. Bei einer Kontrolle am Donnerstagvormittag lag die Lavafront auf etwa 1340 Metern Höhe und hatte damit die markante Rocca Capra im Valle del Bove bereits knapp überschritten. Am Vortag hatte die Front noch eine Höhe von 1365 Metern erreicht. Die Lava bewegt sich damit langsam weiter talwärts durch das Valle del Bove, wobei ihre Geschwindigkeit und Reichweite stark vom Gelände und der Versorgung mit Magma abhängen. Letztere hatte gestern nachgelassen, sich in der Nacht zum Freitag wieder deutlich intensiviert, wie man mal auf Bildern der Wärmebildkamera EMCT erkennen kann.

Das Copernicus-Sentinel-2L-Foto (oben) vom 11. August ist eine Kombination aus 2 Fotos: Zugrunde liegt ein Satellitenbild im sichtbaren Lichtspektrum, in das ich die Wärmesignatur eines SWIR-Bildes hineingerendert habe, das die Lavaströme visualisiert. Auf dem Foto erkennt man neben der beeindruckenden Aschewolke sehr schön die Lage des Lavafelds am Nordrand des Valle del Bove und wie weit fortgeschritten die Lavafronten sind. Die Lavaströme lassen sich von der Serra delle Concazze aus gut beobachten.

Während die Speisung der Lavaströme gestern Nachmittag nachließ, verstärkte sich die explosive Aktivität am Gipfelkrater Voragine deutlich. Ab 16:55 UTC registrierten die Überwachungssysteme eine Zunahme der Explosionen und Ascheemissionen. Die Asche wurde in südliche Richtungen verfrachtet. Außerdem gab es vereinzelt starke Explosionen aus dem Nordostkrater.

Auch die seismischen und infrasonischen Signale zeigten am 13. August eine deutliche Aktivierung. Die durchschnittliche Tremoramplitude nahm ab etwa 10:00 UTC markant zu und erreichte zwischen 12:00 und 15:00 UTC ihren bisherigen Höchstwert. Anschließend blieb das Tremorniveau hoch. Die Quellen des Tremors lagen weiterhin im Bereich der Voragine und nördlich der Bocca Nuova in rund 3000 Metern Höhe. Aktuell nimmt der Tremor wieder etwas ab und damit auch die Stärke der Explosionen, obgleich diese weiter anhalten.

Die hohe Explosivität ging mit einer Verstärkung der Infraschallsignale einher. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Voragine und erreichten dort hohe Amplituden. Auch am Nordostkrater wurden starke infrasonische Ereignisse registriert.

Weitere signifikante Veränderungen an den Messstationen zur Bodenverformung blieben hingegen aus.

Die erhöhte explosive Aktivität ging mit verstärktem Ascheausstoß einher, der den Flugverkehr weiter beeinträchtigt. Das VAAC Toulouse gab am Donnerstagabend weiterhin den Aviation Colour Code RED aus. Eine Aschewolke wurde bis Flugfläche 150, also etwa 4500 Meter, beobachtet und bewegte sich mit 9 km/h nach Südwesten. Die schwachen Winde sind mit dafür verantwortlich, dass sich die Asche lange in der Luft hält und sich um den Ätna konzentriert.

Am Flughafen Catania wurde deshalb die Sperrung der Sektoren C1 und B3 verlängert. Nach dem Stand vom Donnerstagabend bleiben Ankünfte und Abflüge bis 2:00 Uhr am 15. August ausgesetzt. Reisende werden aufgefordert, den Status ihrer Flüge direkt bei der jeweiligen Fluggesellschaft zu überprüfen.

Trotz der Sperrung des Flughafens sind zahlreiche Touristen auf Sizilien unterwegs, die den Ätna stürmen, um einen Blick auf die Lava zu riskieren. Anders als im Januar gibt es bisher keine mir bekannten offiziellen Verbote, sich der Lava zu nähern, und vom Rand des Valle del Bove auf der Citelli-Seite kann man das Naturschauspiel relativ gefahrlos beobachten, eine Gelegenheit, die auch von Tausenden wahrgenommen wird.

Das aktuelle Geschehen mit sich abwechselnden Intensitäten des explosiven und effusiven Anteils der Eruption verdeutlicht die außerordentliche Dynamik des Geschehens. Wie lange die Eruption anhalten wird, lässt sich anhand verfügbarer Messdaten nicht abschätzen. Bisher wurde vom INGV nicht kommuniziert, wie viel Magma sich vor der Eruption unter dem Vulkan akkumulierte und wie groß die Förderrate ist. Was wir wissen, ist, dass die vor der Eruption festgestellte Bodenverformung entlang der Prernicana-Störung ein Anzeichen für die sich anbahnende Lateraleruption war und auf den Durchgang unüblich großer Magmamengen geschuldet war. Die Deformationen blieben aber deutlich unter jenen vor den großen Flankeneruptionen 2001 und 2002. Dementsprechend könnte sich der Ausbruch auf aktuellem Niveau stabilisieren, ohne sich zu einer katastrophalen Eruption auszuweiten. Wobei Ätna immer für eine Überraschung gut ist.

Campi Flegrei: Schäden im Evakuierungsfall problematisch

Weitere stärkere Erdbeben in den Campi Flegrei möglich – Evakuierung problematisch

Die Erde unter den Campi Flegrei kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Erdbeben der Magnitude 4,7 vom 31. Juli, dem stärksten instrumentell registrierten Ereignis seit Beginn der aktuellen Bradyseismus-Krise, warnt Lucia Pappalardo, Direktorin des Osservatorio Vesuviano in Neapel, vor weiterer Seismizität. Auch stärkere Erdbeben könnten auftreten. Wann und mit welcher Magnitude sie kommen, lässt sich allerdings nicht vorhersagen.



Der Hafen von Pozzuoli, © Marc Szeglat

Damit stellt sich für die rund um Pozzuoli lebenden Menschen eine essentielle Frage: Wie gut wäre die Stadt im Ernstfall tatsächlich evakuierbar? Der nationale Katastrophenschutz sieht für den Fall einer vulkanischen Eskalation die Räumung der roten Zone vor: Eine halbe Million Menschen müssten innerhalb von 72 Stunden aus dem Gebiet gebracht werden. Doch bereits die jüngsten Erdbeben haben gezeigt, wie empfindlich die Infrastruktur reagiert. Nach dem Beben vom 31. Juli wurde der Hafen von Pozzuoli zeitweise geschlossen. Zudem sorgt aktuell die Galleria Monte Corvara zwischen Pozzuoli und Quarto für Aufmerksamkeit: Nach den jüngsten Erschütterungen wurde dort ein möglicherweise instabiler Felsblock oberhalb des Tunnels festgestellt. Sollte so ein Felsen bei einem Erdbeben auf die Straße stürzen, wäre der Fluchtweg blockiert.

Nicht besser sieht es mit dem Hafen aus, einem wichtigen Drehkreuz in Evakuierungsszenarien. Seit August sollen schwere Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen, die zu den Inseln Ischia und Procida transportiert werden, von Neapel aus eingeschifft werden; leichtere Fahrzeuge können weiterhin Pozzuoli nutzen. Die Maßnahme zeigt, dass der Bradyseismus und seine Folgen inzwischen auch den normalen Hafenbetrieb beeinflussen. Zum einen sind die Kaimauern instabil geworden, zum anderen wird das Wasser durch die Hebung der Küste immer seichter, so dass große Schiffe kaum noch anlegen können. Da die Hebung weiter anhält, spitzt sich die Situation weiter zu, eine Lösung der Probleme ist nicht in Sicht.

Das aktuelle INGV-Wochenbulletin für den Zeitraum 3. bis 9. August registriert 39 Erdbeben, davon 22 mit Magnitude Md ≥ 0,0. Das stärkste erreichte Md 1,3. Gleichzeitig hält die Bodenhebung an: Seit Februar liegt die mittlere Hebungsrate im Bereich maximaler Deformation bei etwa 10 ± 3 Millimetern pro Monat. Daran änderte auch das starke Beben vom 31. Juli nichts. An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die Hebung seit Januar 2025 auf rund 30 Zentimeter.

Auch die Geophysik folgt den bekannten Trends: Das INGV beschreibt weiterhin eine Erwärmung und Druckzunahme des hydrothermalen Systems sowie langfristig erhöhte Fluidflüsse. Die BG-Fumarole in der Solfatara erreichte zuletzt rund 173 °C, während die Temperatur der Hauptfumarole in Pisciarelli bei etwa 95 °C lag. Trotz der anhaltenden Unruhe sieht das Observatorium derzeit keine Anzeichen für eine signifikante kurzfristige Veränderung des vulkanischen Zustands.

Aus den Daten und Beobachtungen folgt, dass weitere, möglicherweise stärkere Erdbeben möglich sind – ihr Zeitpunkt und ihre Stärke sich aber nicht vorhersagen lassen. Im Falle einer Evakuierung ist ein schneller Erfolg nicht garantiert.

Kilauea: Lavafontänen-Episode Nr. 53 hat angefangen

Vulkanausbruch am Kilauea: Episode 53 mit neuen Lavafontänen hat begonnen

Am Gipfel des Kilauea auf Hawaii hat die 53. Lavafontänen-Episode der seit Ende 2024 anhaltenden Eruption begonnen. Nach einer Phase zunehmender Inflation setzte am 12. August um 15:45 Uhr Ortszeit (HST) starkes Lavafontänieren im Halemaʻumaʻu-Krater ein. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels erreichten die Fontänen etwa 40 Meter Höhe und begannen, einen ausgeprägten Lavastrom zu speisen, der sich schnell über dem Kraterboden des sich mehr und mehr auffüllenden Kraters ausbreitete.



Kilauea

Der Pit im Halemaʻumaʻu-Krater hatte infolge des Kollapses von 2018 im Zuge der Leilani-Eruption eine Tiefe von mehr als 500 m erreicht. Inzwischen ist der gewaltige Pit aufgefüllt und auch ein Großteil des Kraterbodens wurde von Lava geflutet. Die HVO-Vulkanologen gehen davon aus, dass bei anhaltenden Lavafontänen-Episoden der Boden bald wieder den Stand wie vor 2018 erreicht haben wird.

Der Eruption gingen mehrere Stunden intensiver Unruhe voraus. Bereits am Vormittag traten aus dem Nordschlot erste kleine Lavaspatter-Erscheinungen und kurzlebige Lavaüberläufe auf. Ab 13 Uhr entwickelte sich daraus ein anhaltender Lavastrom. Gegen 13:45 Uhr nahm die Förderrate abrupt zu. Gleichzeitig wechselte das Signal der Bodenhebung von Inflation zu Deflation, und eine Doppel-Domfontäne entstand. Der daraus gespeiste Lavaüberlauf breitete sich schnell über mehr als 600 Meter auf dem Kraterboden aus.

Kurz vor Beginn der eigentlichen Episode kam es auch am Südschlot zu mehreren starken Überläufen. Zudem wurde Lava aus einem Kollapskrater hinter dem Südschlot beobachtet. Diese Strukturen entstanden möglicherweise infolge des gestrigen Erdbebens Mb 5,2 vor der Küste.

Sollte die Episode dem typischen Muster der letzten Monate folgen, dürften die Fontänen ihren Höhepunkt etwa ein bis zwei Stunden nach Beginn der Episode erreichen. Für die einzelnen Episoden dieser Eruptionsphase werden typischerweise Höhen von 150 bis 450 Metern erwartet. Gleichzeitig können sich die Gas- und Aschewolken bis in Höhen von mehreren Kilometern entwickeln. Bis jetzt wurde eine Wolkenhöhe von 3.700 Metern über dem Meeresspiegel gemeldet. Für den Flugverkehr gilt die Warnfarbe Orange, während die Vulkanwarnstufe auf „Watch“ steht.

Der Wind kann Tephra und vulkanische Gase in Richtung Südwesten transportieren; in höheren Luftschichten wird eine westliche Verfrachtung erwartet. Besonders im Umkreis von etwa fünf Kilometern um die Schlote ist mit Ascheniederschlag zu rechnen. Leichte Partikel, darunter feine Asche und Pele’s Hair, können jedoch deutlich weiter verfrachtet werden. Die meisten bisherigen Eruptionsepisoden des Kīlauea dauerten weniger als einen Tag.