Ubud – Paradies für Götter und Schlemmerer im Osten von Bali
Der erste Teil unserer Reisedokumentation über Bali 2026
Bali ist die wohl am touristischsten geprägte der großen Inseln Indonesiens und dementsprechend gut besucht. Besonders im Osten ist man auf gesundheitsbewusste Wellnesstouristen aus Übersee eingestellt, die es sich eine Zeitlang gut gehen lassen und die freundliche Atmosphäre auf sich wirken lassen wollen, die die hinduistisch geprägte Gesellschaft mit sich bringt. Darüber hinaus ist Bali für seine vergleichsweise luxuriösen Häuser bekannt, die architektonisch oft asiatische Tradition mit westlicher Moderne kombinieren. Genau hier setzte unser diesjähriger Sommerurlaub an, denn für Sightseeing ist Bali aufgrund seines enorm dichten Verkehrs wenig geeignet, obgleich wir natürlich einige Sehenswürdigkeiten ansteuerten, hierunter u.a. die Vulkane Batur und den Kawah Ijen auf der benachbarten Insel Java. Beide Vulkane – so viel sei vorweggenommen – stellten für mich eine herbe Enttäuschung dar!

Eigentlich war für dieses Jahr ein Safariurlaub in Tansania geplant gewesen, doch ausgerechnet als es ans Buchen der Flüge ging, griff dieser Idiot Trump den Iran an und durch die Angriffe des Irans auf die Nachbarländer kam es zu massiven Störungen des Flugbetriebs der Fluggesellschaften, die in den Emiraten zwischenlanden. Entsprechend explodierten nicht nur Bomben und Raketen, sondern auch die Flugpreise in Richtung Ostafrika, weswegen wir umdisponierten und gen Bali buchten. Leroy stieß auf die bei uns kaum bekannte Fluggesellschaft Xiamen Airlines, die aus China stammt und von Amsterdam aus Bali ansteuert – für Preise, zu denen man in den Sommerferien von Düsseldorf aus gerade mal bis Kreta kommt. Da Sohn und Frau mal im Luxus schwelgen wollten, anstatt sich in einem Camper zu quetschen, ließ ich mich zur Buchung einiger Villen hinreißen, die ich normalerweise für dekadent gehalten hätte, was der Vergleich zu europäischen Hotelpreisen allerdings schnell wieder relativierte, insbesondere unter der Berücksichtigung, dass man hier mit einem Jugendlichen im Schlepp zu Dritt oft 2 Zimmer buchen muss. Tatsächlich kostete auf Bali eine Nacht in einem Luxushaus mit eigenem Pool und 2 bis 3 Schlafzimmern so viel, wie man inzwischen für ein Mittelklassehotel in Deutschland zahlt.
Der Flug mit Zwischenlandung in Xiamen – dem Herkunftsort der Fluggesellschaft – verlief reibungslos und ich wunderte mich über die Pünktlichkeit der Chinesen, von der sich andere Fluggesellschaften eine Scheibe abschneiden können. Das Umsteigen klappte gut, auch wenn die Kontrollen ernst genommen wurden und man sich besorgt zeigte, dass Passagiere ein Feuerzeug mit an Bord nehmen könnten. Diese wurden gnadenlos einkassiert und ich fragte mich, ob China schon von der Gasmangellage betroffen ist, die man bei uns im nächsten Winter fürchten muss.
Die Immigration im Flughafen Denpasar lief vollautomatisch ab, da wir bereits zuhause das Visum nebst allen geforderten Formularen und Bestätigungen online erledigt hatten, was allerdings eine nervenaufreibende Sache gewesen war.
Für die erste Nacht hatten wir ein Hotel in ca. 5 Kilometern Entfernung zum Flughafen reserviert und wollten uns mit dem Taxi dorthin bringen lassen. Der Fahrer rief mal eben 60 USD für die Fahrt auf, woraufhin ich ihm einen Vogel zeigte. Ich bezahle doch keinen indonesischen Wochenlohn für eine 10 Minuten Fahrt! Er ließ sich zwar auf 25 runterhandeln, was mir aber immer noch zu teuer erschien. Zum Schluss fuhren wir mit dem hiesigen Uber-Äquivalent Grab für umgerechnet 5 Euro. Auf Bali gilt die Regel: Meide Taxis, wann immer es geht!
Als Erstes steuerten wir ein Haus in Ubud an, von wo aus nicht nur die Reisterrassen von Tegallalang und diverse Tempelanlagen schnell zu erreichen waren, sondern auch Wasserfälle und ein Affenwald, der sich als ziemlicher Reinfall erwies. Während die Villa in einer kleinen Anlage in einem ruhigen Viertel gut 20 Fahrtminuten vom Stadtzentrum Ubud entfernt lag, war die Stadt selbst alles andere als ruhig: Hier schoben sich wahre Autokolonnen durch die schmalen Straßen, begleitet von Schwärmen stinkender Mopeds, die sich überall vordrängelten und selbst durch die kleinste Lücke quetschten. Wer als Fußgänger unterwegs ist, muss nicht nur aufpassen, nicht umgefahren zu werden, sondern sollte auch tunlichst nicht auf eines der kleinen Blumenpäckchen treten, die praktisch vor jedem Hauseingang auf dem Boden rumliegen. Hierbei handelt es sich um Opfergaben für die vielfältige hinduistische Götterwelt. Bei genauerem Hinblicken entdeckte ich nicht nur Kronkorken mit brauner Flüssigkeit, sondern auch vereinzelt Zigaretten. OK, das passt vielleicht zu Göttern, die in Vulkanen wohnen.
Zum Glück bin ich diesmal nicht selbst gefahren, sondern wir nutzten die oben erwähnte Grab-App um private Fahrer zu bestellen, was gut funktionierte und vergleichsweise günstig war. Die Fahrer verwickelten einen sofort in Gespräche, was man denn bereits gesehen hat und noch unternehmen will, in der Hoffnung, eine Folgebuchung zu bekommen oder sogar für einen ganzen Tag engagiert zu werden. Tatsächlich erwies es sich oft günstiger, einen Grap-Fahrer für den ganzen Tag zu mieten, was so mit ca. 30 bis 40 € zu Buche schlug, als organisierte Touren zu unternehmen, bei denen der Fahrtpreise deutlich höher lagen.
Generell sind die vergleichsweise geringen Lebenshaltungskosten das Hauptargument für einen Bali-Urlaub. Ein 3-Gänge-Menü inklusive Bier oder Cocktail bzw. Mocktail zum Abendessen belastete das Portemonnaie mit ca. 15 bis 20 € pro Person, eine einstündige Massage oder einen Yogakurs konnte man für nicht einmal 10 € die Stunde buchen und eine Tour zum Batur kostete mit Fahrer und Guide ca. 50 € pro Person. Womit wir beim Thema wären…
Die Besteigung des Vulkans Batur zum Sonnenaufgang
Wir ließen uns gegen 2 Uhr nachts von unserem Haus abholen und erreichten nicht mal eine dreiviertel Stunde später die Caldera, aus der sich der Gunung Batur am Ufer Batur-Sees (Danau Batur) erhebt. Unser Chauffeur parkte uns auf einem großen Parkplatz, der von Verkaufsbuden umgeben war, und meinte, wir müssten noch auf den Führer warten. Der kam dann erst eine halbe Stunde später, als die anderen Touristen eintrudelten. Wir begannen unseren Marsch in Richtung Vulkan über eine schmale Asphaltstraße, die zunächst sanft bergauf führte und in ihrem 3 Kilometer langen Verlauf immer steiler wurde. Zu Fuß waren nur wenige andere Touristen unterwegs, doch zu meinem Erstaunen nahm der Verkehr permanent zu, bis ständig Autos und Mopeds an uns vorbeifuhren und ich langsam sauer wurde: Warum latschten wir hier lang, wenn man noch weiter hochfahren konnte, und was sollte dieser Verkehr mitten in der Nacht? Von einem schönen Vulkantrekking, um vom Gipfel des Vulkans den Sonnenaufgang über Bali zu erleben – was schlichtweg der Klassiker ist – konnte hier kaum die Rede sein. Ich fauchte den Führer an, ob es nicht einen vernünftigen Wanderweg ohne Verkehr gebe, auf dem man nicht um sein Leben fürchten müsse, als wir auch schon das Ende des Asphalts erreichten und an einer schier endlosen Kolonne geparkter Autos entlangschlenderten. Kurz darauf traf mich endgültig der Schlag, als ich die nicht enden wollende Lichterkette erspähte, die sich die steile Flanke des Batur hinaufbewegte. Nun befanden wir uns inmitten unzähliger Füße, die sich den viel zu steilen Pfad hochwühlten und dabei Tonnenweise Schlacken und Lapilli nach unten traten, so dass sich Nachfolgende in einer permanenten Staubwolke bewegen mussten.
Natürlich war ich mir bereits zuvor bewusst gewesen, dass man hier nicht alleine unterwegs ist, aber mit mehreren Tausend Leidensgenossen hatte ich nicht gerechnet. Doch irgendwann ist auch das schlimmste Trekking vorbei und so standen wir nach gut 90 Minuten Steilstück auf einer Terrasse kurz unterhalb des Batur-Kraters und gafften wie Mondkälber in Richtung Sonnenaufgang. Unnötig zu erwähnen, dass ich mir albern und deplatziert vorkam, die Kids – kaum einer der Gipfelstürmer war älter als 30 – dabei zu beobachten, wie sie ihre TikTok- und Insta-Selfies schossen und dabei nicht nur wie Enten befremdliche Grimassen schnitten, sondern sich auch seltsam verrenkten: Wenn ich irgendetwas noch mehr als lila Elefanten (siehe unten) hasse, dann sind es Fotos von Silikongespritzten Lippen auf Duckface in Tanzpose auf einem Vulkan!
Mit meinen inzwischen fast 60 Jahren war ich der Senior unter den Vulkanbesteigern und heilfroh, dass ich dieses Ziel nicht früher angesteuert habe, denn es hätte wahrscheinlich meine Vulkanbegeisterung im Keim erstickt, wobei ich noch nie besonders gerne auf inaktive Vulkanruinen gestiegen bin. Enttäuschend kam hinzu, dass die Sicht auf den Koloss Agung durch eine weitere Vulkanruine – Gunung Abang – auf der gegenüberliegenden Seite des Sees blockiert war und man nur die Ränder des Sitzes der Götter Balis sehen konnte. Wenigstens dauerte es nicht lange, bis die Sonne aufging.
Der Sonnenaufgang war … nun ja, ein Sonnenaufgang! Runter wählten wir einen angenehmeren Weg, der in Serpentinen verlief. Der Pfad führte zunächst recht steil durch einen Wald auf der oberen Flanke und meine Laune wurde langsam besser, bis der Pfad durch weniger steiles Gelände verlief und uns Dutzende knatternder Mopeds entgegenkamen, um all jene aufzulesen, die aus eigener Kraft den Abstieg nicht mehr schafften. Gegen eine für balinesische Verhältnisse unverschämte Gebühr, die kleiner wurde, je weiter unten man sich auflesen ließ. Aber nix da, Senior stapfte weiter und wollte sich nun auch nicht vom Fahrer am Ende der Straße abholen lassen, sondern marschierte stur bis zum unteren Parkplatz durch. Leroy und Ullah zogen mit, wobei der Sohn vorneweg sprintete.
Nach dem nächtlichen Trekking ging es zu einem Thermalressort am Ufer des Danau-Batur, um die müden Knochen ein wenig im warmen Wasser zu entspannen. Warum man die wasserspeienden Elefanten am Beckenrand allerdings lila strich, ist mir bis heute ein Rätsel. Spätestens da wurde mir bewusst: Auch das Paradies hat seine Höllen!
Dieses Bild sollte mich auch am nächsten Tag nicht loslassen, als wir einen Ausflug zu den Reisterrassen von Sidemen unternahmen. Die Reisterrassen liegen in einem idyllischen Tal zu Füßen des Gunung Agung, über den ich im Rahmen seiner jüngsten Eruption im Jahr 2017 häufig berichtete. Angesichts seiner beachtlichen Höhe, gepaart mit Inaktivität, verzichtete ich auf einen Aufstieg. Obwohl die Entfernung zwischen Ubud und Sidemen nur etwas mehr als 30 Kilometer beträgt, dauerte die Fahrt auf den verstopften Straßen fast 2 Stunden.
Ausflug nach Sidemen im Schatten des Agung
Auf den Straßen Indonesiens herrscht Anarchie und jeder Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen, etwa in Form von Verkehrsschildern und insbesondere Ampeln, führt unweigerlich zu kilometerlangen Rückstaus. Hinzu kommen zahlreiche LKWs, die oft maßlos überladen sind und an der kleinsten Steigung versagen. Besonders in der Nähe des Agung, wo man in den Flussbetten vulkanischen Schotter schürft, um ihn als Baumaterial zu verwenden, standen mehrere Laster mit Platten oder Achsbruch am Straßenrand und erschwerten ein Durchkommen. Einen 5-Tonner belädt man halt besser nicht mit 15 Tonnen Steinen. Ausgerechnet auf dieser Fahrt erwischten wir den Intellektuellen unter den Grap-Fahrern – nennen wir ihn Taki – und er war der Teufel in Person! Ausgestattet mit Brille und guten Englischkenntnissen löcherte mich Taki laufend mit Fragen, die zu beantworten ich eigentlich keine große Lust hatte. Am Ende der Fahrt wusste Taki nicht nur, wie viel ein Croissant in Deutschland kostet, wie unser Bildungssystem (nicht) funktioniert und warum unser Kanzler als unfähig deklariert wird, sondern auch, wie viele Stunden am Tag ich arbeite und was man im Durchschnitt in Deutschland verdient. Dass er mich nicht nach der PIN meiner Kreditkarte fragte, grenzte an ein Wunder.
In Sidemen unternahmen wir eine kleine Rundwanderung durch die Schwüle, um uns dann von Taki zum Wasserfall von Tukad Cepung fahren zu lassen. Obwohl Luftlinie nur wenige Kilometer von Sidemen entfernt, dauerte auch diese Fahrt gut eine Stunde. Neben dem dichten Verkehr lag das Problem darin begründet, dass man ein tief eingeschnittenes Tal großräumig umfahren musste; ein Problem, das auf Bali typisch ist.
Der Wasserfall selbst ist recht idyllisch gelegen, am Grund einer höhlenartigen Schlucht, in die man über unzählige Stufen absteigt, die selbst für meine langen Beine viel zu hoch waren und obendrein noch ungleichmäßige Abstände aufwiesen, so dass man hier mehr stolperte als stieg. Zum Glück war es inzwischen später Nachmittag und es waren nur noch wenige Besucher unterwegs. Unten angekommen wateten wir durch den Bach zum Wasserfall und nahmen in einem Becken weiter Strom ab, ein kurzes Bad.
Eigentlich standen noch weitere Sehenswürdigkeiten auf dem Tagesprogramm, doch angesichts der fortgeschrittenen Stunde und der fast 2-stündigen Rückfahrt skippten wir diese. Auf der Rückfahrt entzog ich mich Takis Fragen, indem ich vorgab zu schlafen. Am Ende des Tages saßen wir für 2 Stunden Sightseeing 5 Stunden im Auto, aber wenigstens wusste ich jetzt, dass Balinesen neugierig sind und keine Treppen bauen können!
Am nächsten Tag endete der erste Teil unserer Reise in Ostbali und wir zogen in den Westen, doch das ist eine andere Geschichte.























