Anak Krakatau: Deutliche Steigerung explosiver Vulkanausbrüche

Anak Krakatau steigert seine Aktivität – Explosionen folgen in kurzen Abständen und fördern rotglühende Tephra

-Update 21:20 Uhr: Starke Explosion schickt Asche bis auf FL 500 (15.000 m)-

Am indonesischen Inselvulkan Anak Krakatau hat sich die eruptive Aktivität heute signifikant verstärkt. Nachdem der Vulkan bereits in den vergangenen Tagen durch eine erhöhte Seismizität aufgefallen war, häufen sich nun explosive Eruptionen. Nach Angaben des indonesischen Überwachungssystems MAGMA wurden heute insgesamt neun Explosionen registriert, die nicht nur Aschewolken förderten, sondern auch vermehrt rotglühende Tephra auswarfen. Mehrere Ereignisse ereigneten sich in kurzen zeitlichen Abständen.


Anak Krakatau

Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung der vergangenen Stunden. Um 22:53 Uhr Ortszeit registrierte das Seismografennetz eine Eruption mit einer maximalen Amplitude von 70 Millimetern und einer Dauer von 40 Sekunden. Bereits 14 Minuten später folgte um 23:07 Uhr die nächste Eruption. Zum Zeitpunkt der zweiten Meldung hielt die Eruption noch an. Diese hohe Explosionsfrequenz steht im Kontrast zu den längeren Intervallen früherer Aktivitätsphasen im Juli und August, bei denen überwiegend nur Asche emittiert wurde.

Auch die Höhe der Ascheförderung nimmt zu. Bereits am Morgen wurde eine Eruption gemeldet, bei der eine etwa 300 Meter über dem Krater aufsteigende Aschewolke beobachtet wurde. Später registrierte das Darwin Volcanic Ash Advisory Center eine deutlich größere Aschewolke. Satellitendaten zeigten am 4. September um 16:00 UTC eine Ascheemission, die bis FL070, also gut 2100 Meter Höhe, aufgestiegen war. Die Wolke driftete mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 km/h nach Westnordwesten.

Anak Krakatau ist bereits seit Juni unruhig. Damals intensivierte sich die seismische Aktivität, gleichzeitig wurden thermische Anomalien und zunehmende Schwefeldioxidemissionen festgestellt. Anfang Juli wurde die Warnstufe auf Level III (Siaga) angehoben und es setzten Ascheeruptionen ein. Seitdem hielt die Eruptionstätigkeit mit einigen mehrtägigen Unterbrechungen an. Im August wurden phasenweise mehrere Explosionen pro Tag registriert. Nun zeigt sich eine weitere Verstärkung der Aktivität. Wie sich diese entwickeln wird, lässt sich nur schwer vorhersagen. Aufgrund der hohen Seismizität der letzten Tage rechne ich aber mit einer weiteren Intensivierung der Explosivität.

Update: Am Abend ereignete sich um 19:10 Uhr UTC (21:10 UHR MESZ) eine sehr starke Explosion am Krakatau, die eine Aschewolke bis auf 15 Kilometer Höhe aufsteigen ließ. Das VAAC Darwin veröffentlichte eine entsprechende VONA-Warnung für den Flugverkehr, der durch die Eruption beeinträchtigt wird.

Anak Ranakah: Hochstufung des Alarms nach Megabeben

Anak Ranakah nach Flores-Beben auf Alarmstufe II gesetzt – Anstieg vulkanisch bedingter Erdbeben

Am Vulkan Anak Ranakah auf der indonesischen Insel Flores hat sich die seismische Aktivität deutlich erhöht. Das indonesische Badan Geologi erhöhte die Warnstufe des Vulkans am 1. September 2026 um 23:00 Uhr Ortszeit von Level I (Normal) auf Level II (Waspada). Ausschlaggebend waren vor allem Veränderungen der Erdbebenaktivität, die im zeitlichen Zusammenhang mit dem schweren Flores-Erdbeben der Magnitude 7,7 vom 15. August stehen. Hier scheint es einen der seltenen Belege zu geben, in dem nachgewiesen werden kann, dass starke tektonische Erdbeben vulkanische Aktivität beeinflussen können. Ein Glücksfall für die Vulkanforscher, obwohl das Megabeben einigen Schaden verursachte und auch Todesopfer bedingte.



Histogram

Das starke Erdbeben, welches die Aktivität am Vulkan auslöste, ereignete sich vor der Nordküste von Flores und ging auf die aktive Flores-Back-Arc-Thrust-Zone zurück. Es war ein flaches Überschiebungsbeben und wurde von einer außergewöhnlich großen Nachbebentätigkeit begleitet. Bis zum 20. August registrierte die indonesische Erdbebenwarte bereits 3394 Nachbeben; innerhalb der ersten sechs Tage waren es mehr als 4200.

Offensichtlich reagierte der Vulkan Anak Ranakah, indem Magmabewegungen bzw. Aufstieg ausgelöst wurden. Davon zeugen zahlreiche vulkanisch bedingte Erdstöße – zu einem Vulkanausbruch ist es bis jetzt aber noch nicht gekommen. Nach Angaben des Badan Geologi wurden im August 367 tiefe vulkanische Erdbeben, 3272 lokale und 2776 weiter entfernte tektonische Beben registriert. Besonders auffällig war die Entwicklung Anfang September: Allein bis zum 1. September, 18:30 Uhr, traten bereits 94 tiefe vulkanotektonische Beben (VT) auf. Gleichzeitig stieg die seismische Energie deutlich an. Am 3. September wurden 75 VT-Beben festgestellt.

Die Behörde interpretiert die tiefen vulkanischen Erdbeben als Hinweis auf Gesteinsbruch infolge veränderter Spannungen und möglicherweise einer Zufuhr von Magma in das Vulkansystem. Ob das Magma bis zur Oberfläche aufsteigen wird, lässt sich nicht prognostizieren.

Der Anak Ranakah – der in den letzten Jahren ruhig war und auf Vnet nur einmal im Jahr 2011 Erwähnung fand – liegt im zentralen Westen von Flores und gehört zum Ranakah-Vulkankomplex am Rand der wenig bekannten Poco-Leok-Caldera. Vulkanologisch handelt es sich um einen Lavadom, nicht um einen klassischen Stratovulkan. Der heute junge Dom entstand erst während einer Eruption Ende 1987. Damals folgten auf explosive Ausbrüche die Extrusion eines Lavadoms und das Wachstum von Lavaströmen.

Die letzte bestätigte Eruption ereignete sich 1991, als schwache Ascheemissionen aus Rissen im Lavadom beobachtet wurden.

Aktuell gibt es keine beobachtete neue Eruption. Allerdings veränderte sich auch die Solfatarenaktivität westlich des Domes. Deshalb gilt nun eine Sperrzone von einem Kilometer um das Aktivitätszentrum.

Ätna: Warnstufe Rot für den Flugverkehr

Rote VONA-Warnung für den Flugverkehr – weiterhin starke Ascheemissionen am Ätna

Die aktuelle Entwicklung am Ätna wird weiterhin von passiven Ascheemissionen geprägt, die durchaus als kräftig bezeichnet werden können. Daher erhöhte das INGV am Nachmittag des 4. September den Warncode für den Flugverkehr von Orange auf Rot. Eine größere, klar abgegrenzte Aschewolke entstand nach Angaben der Vulkanbeobachter allerdings nicht. Die Asche wird in Richtung Süd-Südwest verfrachtet.



Noch am Morgen bot sich via Livecam ein anderes Bild: Man konnte eine ausgeprägte, rotbraun gefärbte Aschewolke beobachten, die aus dem Nordostkrater aufstieg. Starke Winde drückten die Aschewolke wie bereits am Vortag nieder und verhinderten einen Aufstieg in größere Höhen. Dennoch wurden beachtliche Mengen Asche gefördert. Bemerkenswert ist dies insofern, als sich der Tremor weiterhin im unteren gelben Bereich bewegt und als schwach bis mäßig bezeichnet werden kann. Der geringe Tremor lässt vermuten, dass derzeit keine starken Magmabewegungen im Fördersystem stattfinden und die Ascheemissionen vergleichsweise wenig explosiv sind.

Interessant ist dabei die Bocca Nuova. Auf aktuellen Satellitenaufnahmen im kurzwelligen Infrarotbereich (SWIR) zeichnet sich eine thermische Anomalie ab. Zusammen mit den Beobachtungen der Überwachungskameras spricht dies dafür, dass sich im Inneren des Kraters eine erhöhte thermische Aktivität entwickelt hat. Ob die Anomalie unmittelbar mit den gegenwärtigen Ascheemissionen zusammenhängt, lässt sich anhand der Satellitendaten allein jedoch nicht zweifelsfrei feststellen.

Vergleichbare Ascheemissionen aus dem Nordostkrater wurden bereits in der Vergangenheit beobachtet. Sie hängen vermutlich mit Kollapsereignissen im Schlotsystem zusammen und könnten entweder durch steigenden Druck infolge eines Magmenaufstiegs ausgelöst werden oder mit gegenläufigen Prozessen zusammenhängen.

Die Erdbeben entlang der Pernicana-Störung, über die ich bereits im August berichtete, standen in der Vergangenheit ebenfalls mit dem Aufstieg von Magma in Verbindung. Seit dem Ablaufen der Lavaseen auf Ambrym (Vanuatu) wissen wir allerdings auch, dass Magma aus höher gelegenen Speichersystemen wieder in größere Tiefen abfließen kann und dabei ebenfalls Erdbeben und Bodenverformungen verursachen kann.

Welcher dieser Prozesse aktuell am Ätna eine Rolle spielt, werden wir spätestens dann wissen, wenn es zu einer stärkeren Eruption kommt – oder eine solche gegebenenfalls ausbleibt.

Sinabung mit anhaltender Tätigkeit

Sinabung bleibt aktiv – Parallelen zur Eruptionsphase von 2013

Am Sinabung auf Sumatra hält die aktuelle eruptive Phase an. Nachdem der Vulkan am 31. August erstmals seit fünf Jahren wieder explosiv ausgebrochen war, wurden auch am 4. September wieder Ascheemissionen registriert. Die aktuelle VAAC-Darwin-Warnung basiert auf Satellitenbeobachtungen von Himawari-9. Um 04:30 UTC wurde eine Aschewolke festgestellt, die sich vom Gipfel nach Osten erstreckte und bis auf einer Höhe von gut 4,3 Kilometer aufstieg. Die Asche driftete mit einer Geschwindigkeit von 9 km/h ostwärts. Es wurden auch weitere Erdbeben festgestellt, deren Anzahl im Vergleich zu den Vortagen allerdings abgenommen hat.

Sinabung 2014. © Marc Szeglat

Besonders interessant wird die aktuelle Entwicklung am Sinabung durch einen Blick auf die Eruptionsgeschichte des Vulkans. Nach dem Erwachen aus einem langen Schlaf im Jahr 2010 blieb die Aktivität erst einmal auf explosive und überwiegend phreatische Eruptionen beschränkt. Die Aktivität schlief nach kurzer Zeit wieder ein, doch der Sinabung war weiter fumarolisch aktiv.  Ein Lavadom entstand damals noch nicht. Erst die Aktivitätsphase von 2013 leitete die Entwicklung ein, die schließlich zur lang anhaltenden Domaktivität führte.

Zwischen den ersten explosiven Eruptionen im September 2013 und dem Erscheinen des ersten Lavadoms am 18. Dezember lagen gut drei Monate. Die phreatomagmatische Phase dauerte dabei insgesamt bis zum 18. Dezember. An diesem Tag wurde erstmals die extrusion eines neuen Lavakörpers am Gipfelkrater beobachtet.

Für die gegenwärtige Situation ist dieser Vergleich interessant. Auch jetzt gingen den Explosionen bereits Veränderungen der Seismizität voraus. Registriert wurden unter anderem tiefe vulkanische Beben, Low-Frequency-Ereignisse und Hybridbeben, die auf eine Bewegung von Magma im Untergrund hindeuten. Ein wachsender Lavadom ist derzeit allerdings noch nicht eindeutig nachgewiesen.

Die Aschewolke heute zeigt, dass das Fördersystem weiterhin aktiv ist. Sollte sich die Seismizität erneut verstärken und zunehmend, wäre dies ein wichtiges Signal für einen möglichen Übergang von der explosiven zur effusiven Domaktivität. Historisch folgte dieser Übergang 2013 erst nach mehreren Monaten.

Mayotte: Vulkanisch bedingte Erdbeben halten an

Seismomagmatische Aktivität bei Mayotte hält Jahre nach der Eruption an – Vulkan Fani Maoré noch nicht vollkommen still

Auch 6 Jahre nach dem Ende der ungewöhnlich starken submarinen Eruption am Vulkan Fani Maoré vor der Küste der Insel Mayotte im Indischen Ozean gibt es Anzeichen vulkanischer Unruhe. Bei Mayotte und vor allem im Meeresgebiet östlich von Petite-Terre wird weiterhin seismomagmatische Aktivität registriert. Sie äußert sich in zahlreichen vulkanisch bedingten Erdbeben und Gasausstoß. Das aktuelle Monatsbulletin des französischen Vulkanüberwachungsnetzes REVOSIMA registrierte im August 305 vulkanotektonische Erdbeben, 39 Langperiodenbeben und ein sehr langperiodisches Ereignis. Der Schwerpunkt des Geschehens liegt 5 bis 15 Kilometer östlich von Petite-Terre in 20 bis 50 Kilometern Tiefe.



Mayotte

Die Erdbeben sind dabei nicht die einzigen Hinweise auf ein weiterhin aktives magmatisches System. Besonders bemerkenswert sind die magmatischen Gase, die sowohl unterseeisch als auch auf Petite-Terre nachgewiesen werden. Im Bereich der untermeerischen hufeisenförmigen Caldera Fer à Cheval treten weiterhin zahlreiche Fluidfahnen aus dem Meeresboden aus. Analysen von CO₂ und Helium belegen eine tiefe Mantelquelle. Die Gaszusammensetzung ähnelt dabei jener, die an Land auf Petite-Terre gemessen wird. Seit November 2023 ist zudem der Anteil magmatischen Kohlenstoffs in den Bodenfluiden gestiegen und erreicht teilweise Werte, die an die Frühphase der Eruption von 2018 erinnern.

Eine neue Eruption lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Signifikante Bodenverformungen werden seit Ende 2020 nicht mehr registriert. Auch bei den jüngsten Meereskampagnen wurden keine neuen Lavaströme am submarinen Vulkan Fani Maoré festgestellt. Die derzeitigen Aktivitätssignale sprechen daher eher für ein weiterhin tiefreichendes und fluidreiches magmatisches System als für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch.

Rückblick auf die außergewöhnliche Eruption

Die heutige Situation geht auf die spektakuläre vulkanische Krise zurück, die im Mai 2018 begann. Damals setzte ein gewaltiger Erdbebenschwarm östlich von Mayotte ein. Gleichzeitig begann sich die Insel nach Osten zu bewegen und abzusinken. Später wurde klar, dass sich rund 50 Kilometer östlich von Mayotte ein bis dahin unbekannter Unterwasservulkan bildete: Fani Maoré. Der Vulkan erhebt sich rund 800 Meter über den mehrere Kilometer tiefen Meeresboden.

Die Eruption förderte nach bisherigen Schätzungen etwa 6,55 Kubikkilometer Lava und gehört damit zu den außergewöhnlich großen bekannten submarinen Eruptionen. Lavaausflüsse wurden letztmals Anfang 2021 eindeutig nachgewiesen. Die Eruption gilt inzwischen als wahrscheinlich beendet; als mögliches Ende der eruptiven Tätigkeit wird der 4. Dezember 2020 diskutiert.

Fani Maoré und umliegende Vulkansysteme haben weiterhin das Potenzial, wieder zu eruptieren. Der Vulkanismus nahe der Komoren wird vermutlich von einem großen Magmenkörper gespeist, der jüngsten Studien zufolge ein Schmelzvolumen von 200 Kubikkilometern umfassen soll. Die Herkunft des Magmas ist nicht völlig geklärt, doch es wird ein tiefer Mantelplume vermutet, der auf divergente tektonische Strukturen trifft, die durch ein Zusammenspiel des Somaliabeckens mit den Ausläufern des Ostafrikanischen Rifts in Zusammenhang stehen.

Reventador: Vulkan explosiv und effusiv tätig

Reventador zeigt intensive explosive und effusive Aktivität – Feldbeobachtungen im August

Am Reventador in Ecuador hält die seit 2002 andauernde Eruption mit hoher Aktivität an. Aktuelle Feldbeobachtungen des Instituto Geofísico de la Escuela Politécnica Nacional (IG-EPN) zeigen ein komplexes Zusammenspiel aus Explosionen, Ascheemissionen, glühenden Auswürfen und langsam vorrückender Lava. Zudem gab es auch heute wieder VONA-Warnungen für den Flugverkehr.

Bei einer Beobachtungskampagne vom 19. bis 21. August installierten Vulkanologen am 3,6 Kilometer östlich des Vulkans gelegenen Refugio neue optische und thermische Kameras. Mehrfach wurden Explosionen registriert, die von Gas- und Ascheemissionen sowie dem Auswurf ballistischer Blöcke begleitet waren. Glühendes Material stürzte dabei über die steilen Flanken des Reventador ab.

Besonderes Augenmerk legten die Vulkanologen auf den aktiven Lavastrom am Ost-Südosthang, der mit einer Drohne abgeflogen wurde. Die dabei entstandenen Aufnahmen zeigen, dass sich die Lava nur sehr langsam bewegt und die Front weiterhin im oberen bis mittleren Bereich des Vulkangebäudes liegt. Die Front und die Ränder des Stroms kollabieren immer wieder, wodurch Blocklawinen und kleinere pyroklastische Dichteströme entstehen. An der Lavafront wurden Temperaturen von mehr als 500 Grad Celsius gemessen, während die Schlote im Gipfelkrater Werte um 400 Grad erreichten.

Die Aktivität setzte sich Anfang September fort. Das VAAC Washington registrierte am 2. September mehrere Ascheemissionen. Zeitweise wurde Vulkanasche auf Flugfläche 160, also gut 4,9 Kilometer Höhe, eruptiert. Wegen dichter Bewölkung waren einzelne Emissionen allerdings weder auf Satellitenbildern noch auf der Webcam eindeutig sichtbar.

Auch am 3. September wurde eine Ascheemission gemeldet. Der aktuelle VAAC-Bericht beschreibt eine Aschewolke in 4600 m Höhe, deren Ausbreitung durch Winde nach Westen bis Westnordwesten erfolgte.

In der Nacht zum 2. September wurde zudem eine besonders eindrucksvolle explosive Episode beobachtet: Glühendes Material wurde aus dem Gipfelbereich ausgeworfen und stürzte über die steilen Flanken ab. Damit bestätigt sich das Bild eines weiterhin sehr aktiven Vulkans. Das IG-EPN bewertet die innere Aktivität als moderat und unverändert, die oberflächennahe Aktivität dagegen als hoch und ebenfalls unverändert.

Anak Krakatau: Erdbebenaktivität weiterhin deutlich erhöht

Seismizität am Anak Krakatau bleibt hoch – anhaltende Ascheeruptionen

Am Inselvulkan Anak Krakatau im indonesischen Sundastrait hat sich die Aktivität in den vergangenen Tagen deutlich intensiviert. Besonders auffällig ist die Seismizität, die den heute dem siebten Tag in Folge signifikant erhöht ist . Gleichzeitig kommt es zu Ascheemissionen, während nachts auf den Livekameras Rotglut im Dampf über dem Krater zu erkennen ist. Der Vulkan steht unverändert auf Alarmstufe III, der Sicherheitsradius beträgt drei Kilometer um den Krater. ein Anlanden auf Anak ist damit verboten.



Anak Krakatau

Die aktuellen Messungen des indonesischen PVMBG vom 2. September zeigen das Ausmaß der Unruhe. Innerhalb von 24 Stunden wurden nicht nur 49 starke Entgasungsbeben aufgezeichnet, sondern vor allem 160 Erdbeben mit niedrigen Frequenzen und 209 Hybridbeben registriert. Hinzu kamen vier Episoden kontinuierlichen Tremors. Damit dominieren inzwischen insbesondere die niederfrequenten und hybriden Erdbeben, die auf magmatische Prozesse im oberflächennahen Speicher und Fördersystem hindeuten.

Auch heute setzt sich die Aktivität fort. Das PVMBG beobachtete am Vormittag Dampf, der bis zu 150 Meter über den Gipfel aufstieg. Gleichzeitig wurden erneut zahlreiche Low-Frequency- und Hybridbeben registriert.

Darüber hinaus kam es auch zu Ascheemissionen, die zwar nicht vom PVMGB bestätigt wurden, dennoch beim VAAC Darwin VONA-Warnungen auslösten- Demnach zeigen Bilder des japanischen Wettersatelliten Himawari-9 Vulkanasche bis etwa FL050 bzw. 1,5 Kilometer Höhe aufsteigen. Die Aschewolke bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 km/h nach Westen. Bemerkenswert ist der Hinweis des VAAC, dass die Ascheemission auf aktuellen Satellitenbildern kontinuierlich erkennbar war.

Anak Krakatau wurde bereits im Juli aktiv und auch im August wurden mehrfach Aschewolken von 100 bis 400 Metern Höhe und glühende Auswurfprodukte beobachtet. Die aktuelle Entwicklung knüpft an dieser Eruptionsphase an, die hohe Erdbebenaktivität liefert Hinweise auf ein mögliche Verstärkung der eruptiven Aktivität, die in Bälde einsetzen könnte.

Vulkan-Studie: Wie viele Fehlalarme sind gesellschaftlich vertretbar?

Wie viele Fehlalarme sind gesellschaftlich und wirtschaftlich akzeptabel, wenn dadurch das Risiko eines übersehenen Ausbruchs deutlich sinkt?

Eine Ende August in Nature Communications veröffentlichte Studie stellt einen interessanten neuen Ansatz für Vulkanüberwachung und Risikoanalyse vor. Alberto Ardid und Kollegen untersuchten die Ausbrüche von fünf Vulkanen, um die Grundsatzfrage zu beantworten, wie viele Fehlalarme gesellschaftlich und wirtschaftlich akzeptabel sind, wenn dadurch das Risiko eines nicht prognostizierten katastrophalen Ausbruchs deutlich sinkt. Eine wichtige Frage, die von Forschenden und Behörden auch an vielen anderen Vulkanen weltweit diskutiert wird, darunter auch in den Campi Flegrei, auf die sich die Studie allerdings nicht direkt bezieht. Eines der Probleme bei Fehlalarmen ist neben wirtschaftlichen Schäden, dass die Bevölkerung irgendwann nicht mehr auf Alarme hört, sollten mehrere Fehlalarme erfolgen. Diese Gefahr wird bei folgenden Betrachtungen ausgeblendet.



Die Forscher entwickelten einen neuen Bewertungsansatz für Risikoanalysen indem sie mit Hilfe von maschinellem Lernen Warnsignale eines Vulkans beobachteten und diese mit wirtschaftlichen Bewertung von Warnentscheidungen kombinierten. Grundlage für das maschinelle Lernen sind kontinuierliche seismische Daten, aus denen ein Modell Wahrscheinlichkeiten für bevorstehende Eruptionen ableitet. Anschließend wird nicht nur betrachtet, wie häufig das System bei den eruptionsvorhersagen richtig oder falsch liegt, sondern auch die möglichen Folgen berücksichtigt: Ein Fehlalarm kann Evakuierungen, Einschränkungen des Tourismus oder andere wirtschaftliche Schäden verursachen. Ein übersehener Ausbruch kann dagegen Menschenleben fordern und enorme Sachschäden verursachen.

Die Autoren verwenden dafür das Konzept des „Potential Economic Value“ (PEV). Ihre rückblickenden Untersuchungen, unter anderem der Eruptionen von White Island/ Whakaari 2019 und Ontake 2014, zeigen, dass sich die erwarteten Verluste in den untersuchten Fällen um etwa 30 bis 90 Prozent reduzieren ließen. Dafür musste das Warnsystem allerdings relativ viele Fehlalarme in Kauf nehmen. Die zentrale Erkenntnis lautet deshalb: Bei Vulkanen mit hohem Schadenspotenzial kann es sinnvoller sein, einen Fehlalarm zu akzeptieren, als einen tatsächlichen Ausbruch zu übersehen. Voraussetzung ist allerdings, dass die häufigeren Warnungen nicht das Vertrauen der Bevölkerung in das Warnsystem untergraben.

Die Studie bezieht sich ausdrücklich nicht auf Campi Flegrei. Ihr Ansatz lässt sich jedoch als Idee auf die Situation in der italienischen Caldera übertragen. Denn dort existiert mit Bayesian Event Tree for Eruption Forecasting (Bayesianischer Ereignisbaum für Eruptionsvorhersagen) oder kurz BET_EF bereits ein probabilistisches (auf Wahrscheinlichkeiten beruhendes) Vorhersagesystem. Es wurde speziell für Campi Flegrei entwickelt und verarbeitet unterschiedliche Informationen aus dem Vulkanmonitoring. Der Bayesian Event Tree verfolgt dabei vereinfacht den Weg von einer vulkanischen Unruhe über Hinweise auf magmatische Prozesse bis zum möglichen Ausbruch. Aus den einzelnen Wahrscheinlichkeiten wird eine Eruptionswahrscheinlichkeit berechnet.

Damit stellt sich eine interessante Frage: Könnte der Ansatz von Ardid und Kollegen eine zusätzliche Entscheidungsebene für BET_EF bilden?

BET_EF beantwortet im Wesentlichen die Frage: Wie wahrscheinlich ist eine Eruption? Die ökonomische Entscheidungsanalyse nach Ardid würde daran anschließend fragen: Welche Konsequenz sollte aus dieser Wahrscheinlichkeit gezogen werden?

Denkbar wäre beispielsweise ein System, das neben der Eruptionswahrscheinlichkeit auch die möglichen Folgen verschiedener Entscheidungen berücksichtigt. Bei einer geringen Wahrscheinlichkeit könnte eine verstärkte Überwachung ausreichend sein. Bei zunehmender Wahrscheinlichkeit könnten vorbereitende Maßnahmen ausgelöst werden. Dazu könnten etwa die Evakuierung besonders gefährdeter Einrichtungen, die Vorbereitung von Transportkapazitäten für Evakuierungen oder eine verstärkte Information der Bevölkerung gehören. Erst wenn der erwartete Schaden eines Nicht-Handelns die Kosten einer großflächigen Evakuierung übersteigt, wäre eine Räumung der roten Zone wirtschaftlich und gesellschaftlich betrachtet zu rechtfertigen. Dabei sollte man natürlich nicht der KI die Entscheidung überlassen, sondern einem Expertengremium.

Die 2025 aktualisierte italienische Alarmstruktur enthält bereits eine qualitative Verbindung zwischen Monitoring, Eruptionswahrscheinlichkeit und Maßnahmen der Behörden. Ein mehrstufiges Alarmsystem weist auf das Stadium des präeruptiven Zustands hin. Mit steigender Alarmstufe wird auch die erwartete Wahrscheinlichkeit einer Eruptionsentwicklung höher eingestuft und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Dazu zählt auch die Bereitstellung von Geldern und großflächige Evakuierungen.

Der mögliche nächste Schritt wäre die Ergänzung von BET_EF: Ein erweitertes System könnte die prognostizierte Eruptionswahrscheinlichkeit mit Bevölkerungszahl, Evakuierungsdauer, wirtschaftlichen Schäden und der erwarteten Gefährdung verschiedener Gebiete verknüpfen.

Die entscheidende Frage wäre dann nicht mehr allein, wann eine Eruption wahrscheinlich wird, sondern wann es rationaler ist, eine möglicherweise unnötige Evakuierung auszulösen, als das Risiko eines übersehenen Ausbruchs einzugehen. Gerade wegen der enormen Bevölkerungsdichte könnte eine solche Verknüpfung von Eruptionsprognose und Schadensabwägung helfen, die schwierige Entscheidung zwischen Fehlalarm und zu später Reaktion transparenter und nachvollziehbarer zu machen.

Quelle der Ardid-Studie: Ardid, A., Dempsey, D., McDonald, G. & Cronin, S. (2026): Socio-economic value of data-driven eruption forecasts to balance false alarms against catastrophic loss. Nature Communications. DOI: 10.1038/s41467-026-77242-4.

Originalarbeit zur BET_EF: Marzocchi, W., Sandri, L. & Selva, J. (2008): BET_EF: A probabilistic tool for long- and short-term eruption forecasting. Bulletin of Volcanology, 70, 623–632. DOI: 10.1007/s00445-007-0157-y.

Ätna: Vulkan erzeugt anhaltende Ascheemissionen

Ätna emittiert Aschewolken – VONA-Warnung ausgegeben

Der Ätna ist weiterhin aktiv und emittiert Aschewolken, die seit gestern den Himmel über Sizilien trüben. Das VAAC Toulouse gab bereits gestern Morgen eine VONA-Warnung für den Flugverkehr aus. Demnach erreichte die Asche eine Höhe von FL130, also gut 3.600 m über dem Meeresspiegel. Heute Morgen ist auf den Livecams zu erkennen, wie starker Wind die Aschewolke niederdrückt und in Richtung Süden verfrachtet. Auffällig ist die rotbraune Färbung der Wolke, sodass es sich vermutlich um bereits erkaltetes Material aus dem Schlotbereich handelt.



Ätna

Neben der auffälligen Färbung spricht auch die vergleichsweise geringe Tremoramplitude dafür, dass hier keine aktiven Explosionen stattfinden, bei denen frische, fragmentierte Tephra gefördert wird. Stattdessen könnte älteres Material aus dem Schlotbereich ausgestoßen werden. Als möglicher Fragmentierungsmechanismus kommen Kollapsereignisse im Schlotbereich infrage. Die dabei entstehende Asche könnte anschließend exhalativ infolge starker Entgasung und thermischen Auftriebs gefördert werden.

Die Quelle des Ascheausstoßes ist offenbar überwiegend der Nordostkrater. Während der letzten beiden Eruptionen floss Lava aus der höher gelegenen Voragine in diesen Krater und muss dort teilweise verblieben sein. Möglich ist, dass die Lava den Schlot teilweise verfüllt hat und es nun zu einem Kollaps innerhalb des Schlotbereichs gekommen ist.

Der Schlot kann allerdings nicht vollständig blockiert sein, denn er emittiert weiterhin eine in SWIR-Aufnahmen erkennbare thermische Anomalie. Diese war zumindest auf dem letzten Satellitenbild vom 31. August deutlich sichtbar. Die übrigen Schlote der Gipfelkrater zeigten sich hingegen thermisch unauffällig.

Die Seismizität unter dem Ätna ist momentan gering. Auf der INGV-Shakemap sind seit dem 29. August lediglich sechs Erdbeben verzeichnet. Aktuell deutet daher wenig auf einen erneuten Magmenaufstieg hin. Aufgrund der derzeitigen Messwerte lässt sich ein stärkerer Vulkanausbruch momentan nicht prognostizieren.

Allerdings zeigten die Analysen der Tremorquellen im letzten Wochenbericht, dass sich Magma weiterhin in einem flachen Speicher unterhalb der Krater befindet. Somit können neben den aktuellen Ascheexhalationen jederzeit auch magmatische Eruptionen im Gipfelbereich des Ätnas einsetzen.