Griechenland: Erdbebenserie zwischen Kreta und Kasos

Erdbebenserie zwischen Kreta und Kasos – spürbare Erschütterungen in der Nacht

In der Nacht zum 7. Oktober hat sich im Meeresraum zwischen Ostkreta und der Insel Kasos eine kleine, aber deutlich spürbare Erdbebenserie manifestiert. Das stärkste Ereignis ereignete sich um 02:43 Uhr Ortszeit und erreichte nach der revidierten Berechnung des Geodynamischen Instituts des Nationalen Observatoriums Athen eine Magnitude von 4,1. Das Epizentrum lag 29 Kilometer westlich von Kasos und 41 km nordöstlich von Palekastro (Kreta). Die Herdtiefe wurde mit 14,5 Kilometern angegeben.



Shakemap © EMSC/Leaflet

Nur sieben Minuten später, um 02:50 Uhr, folgte ein weiteres Beben der Magnitude 3,9. Sein Epizentrum lag 28 Kilometer westlich von Kasos, die Herdtiefe bei etwa 13 Kilometern. Danach setzte sich die Aktivität mit weiteren schwachen Erdbeben fort. Bis zum Vormittag wurden insgesamt acht Erschütterungen zwischen Magnitude 2,4 und 4,1 registriert.

Die Daten vom EMSC kommen teilweise zu etwas anderen Ergebnissen. Für das Beben um 02:50 Uhr wurde eine Magnitude von 4,2 angegeben. Die Abweichungen sind bei solchen regionalen Ereignissen nicht ungewöhnlich.

Die Erschütterungen wurden vor allem in der näheren Umgebung der Epizentren verspürt. Berichte sprechen von schwach wahrnehmbaren Bodenbewegungen auf Kasos und im östlichen Kreta. Auf Kreta wurden insbesondere in Sitia und Palekastro Erschütterungen mit einer schwachen Intensität von etwa MMI III angegeben; in Agios Nikolaos, Ierapetra und Heraklion war die Bewegung deutlich schwächer. Schäden oder Verletzte wurden nicht gemeldet.

Tektonisch liegt das Epizentrum in einer besonders komplex gegliederten Störungszone des Kreta-Kasos-Beckens, einem mehr als 50 Kilometer langen, SW-NE gestreckten Tiefseebecken zwischen Ostkreta und Kasos. Das Becken wird von großen SW-NE verlaufenden Randverwerfungen sowie untergeordneten SSW-NNE orientierten Störungen begrenzt und durch diese in mehrere, bis etwa 2.800 Meter tiefe Teilbecken gegliedert. Die Störungen stehen mit der großräumigen Tektonik des östlichen Hellenischen Bogens in Verbindung, wo die Afrikanische Platte unter die Ägäische Mikroplatte abtaucht, ein Prozess, der in der gesamten Region zu Spannungen in den Erdkrustensegmenten führt und Erdbeben auslöst.

Bei Kasos traten bereits früher deutlich stärkere Erdbebenserie auf. Eine der markantesten Erschütterungen stammte von einem Mw-6,1-Beben im Jahr 2015, das gleich durch verschiedene Bewegungen entlang komplexer Störungszonen entstand.

Campi Flegrei: Verdopplung des CO2-Ausstoßes bei Pisciarelli

Extrem hoher CO₂-Ausstoß bei Pisciarelli – geringere Seismizität in den Campi Flegrei sind kein Signal einer nachhaltigen Entspannung

In der süditalienischen Caldera Campi Flegrei ist die Erdbebentätigkeit in den letzten Wochen niedriger gewesen als während der besonders aktiven Phasen der vergangenen zwei Jahre. Daraus lässt sich allerdings keine eindeutige Abschwächung der seismomagmatischen Krise ableiten. Das zeigen die jüngsten Daten des INGV-Wochenbulletins, das am Dienstag veröffentlicht wurde.



Zwischen dem 28. September und dem 4. Oktober registrierten die Messstationen 36 Erdbeben, von denen 23 lokalisiert werden konnten und eine Magnitude von mindestens 0,0 aufwiesen. Das stärkste Ereignis erreichte Magnitude 1,7. Damit liegt die Seismizität zwar deutlich unter den Spitzenwerten besonders aktiver Phasen, aber im Mittel des langjährigen Aktivitätsniveaus der seit über 20 Jahren dauernden Krise. Auch ohne augenblicklich stattfindendes stärkeres Erdbeben liegt die Seismizität deutlich über dem Normalzustand.

Bodenhebung © INGV

Leider wird eine Aktivität ohne ständige Superlative schnell als Anzeichen dafür angesehen, dass sich die Krise ihrem Ende nähert, wodurch Aufmerksamkeit und Engagement in der Krisenbewältigung nachlassen. Jüngstes Beispiel des grundlosen Optimismus wurde im Portal Pozzuoli News 24 in Form eines Interviews mit Vulkanologe a.D. Giuseppe Luongo verbreitet. Giuseppe interpretiert den Rückgang der seismischen Energie als mögliches Zeichen für eine beginnende Endphase der aktuellen bradyseismischen Krise. Die aktuellen Überwachungsdaten des INGV stützen diese Schlussfolgerung allerdings nicht. Sie zeigen vielmehr ein weiterhin aktives System, in dem sich einzelne Parameter unterschiedlich entwickeln.

Seit Anfang Februar hebt sich der Untergrund im Bereich der stärksten Deformation weiterhin mit durchschnittlich etwa zehn Millimetern pro Monat. In Spitzenzeiten war der Wert dreimal so hoch, was die Optimisten ebenfalls als Indiz eines insgesamt nachlassenden Bradyseismos ansehen. An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die Hebung seit Januar 2025 auf über 32 Zentimeter. Nach der Korrektur der durch den starken Erdbebenschwarm vom 31. Juli verursachten kurzfristigen Verschiebungen erkennt das INGV keine wesentliche Änderung des Deformationsmusters.

Verdoppelter CO₂-Ausstoß. © INGV

Auch die Geochemie liefert keinen Hinweis auf ein bevorstehendes Ende der Aktivitätsphase. Das INGV beschreibt weiterhin langfristige Trends einer Erwärmung und zunehmenden Fluidfreisetzung des hydrothermalen Systems. Besonders auffällig war in der letzten Woche ein starker Anstieg des CO₂-Flusses an der Station FLXOV8 im Gebiet von Pisciarelli. Dort erreichten die Tagesmittel etwa 70 Kilogramm CO₂ pro Quadratmeter und Tag – nahezu eine Verdoppelung gegenüber den vorherigen Werten. Das Observatorium weist allerdings darauf hin, dass dieser Anstieg an den anderen Messstellen nicht festgestellt wurde und wahrscheinlich auf einen lokalen Prozess zurückgeht.

Die emittierten Gase der Pisciarelli-Fumarole sind in 5 m Abstand zum Hauptstrom weiterhin 95 Grad heiß, während die Bocca-Grande-Fumarole im Sofatarakrater 173 Grad heiße Gase ausstößt. In den Nachkommastellen wird weiterhin eine leicht steigende Tendenz festgestellt. Somit kann von einer nachhaltigen Abschwächung des Geschehens keine Rede sein. Die stärkeren Erdbeben kommen zudem immer in Schüben, die nicht gleichmäßig verteilt sind. Mit der Zeit verändern sich die elastischen Eigenschaften des Bodens, so dass die Spannungen nicht immer gleichmäßig abgebaut werden und sich die Heberaten verändern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass von einer signifikanten Abschwächung oder gar einem unmittelbar bevorstehenden Ende der Krisederzeit nicht gesprochen werden kann. Das INGV sieht nach dem aktuellen Datenstand keine Anzeichen für eine wesentliche kurzfristige Veränderung der Situation.

Vulkan Alcedo: Erdbebenschwarm detektiert

Erdbebenschwarm unter Vulkan Alcedo erreicht Jahresrekord – Galápagos-Riesenschildkröten durch möglichen Vulkanausbruch bedroht

Der bei uns wenig bekannte Vulkan Alcedo liegt auf der zu den Galápagos-Inseln gehörenden Insel Isabela und zeigt seit Anfang Oktober eine signifikant verstärkte Erdbebenaktivität. Das für die Beobachtung des Vulkans zuständige Geografische Institut Ecuadors (IG-EPN) berichtet von einer ungewöhnlichen Zunahme sowohl der Zahl als auch der Stärke der Erdbeben. Besonders am vergangenen Wochenende erreichte die Aktivität ein für das Jahr 2026 bislang einmaliges Niveau.

Shakemap

Seit Jahresbeginn wurden unterhalb und in der näheren Umgebung des Kraters insgesamt 282 Erdbeben lokalisiert. Zwischen dem 3. und 4. Oktober registrierten die seismischen Stationen des IG-EPN mindestens 95 vulkanotektonische Ereignisse (VT), von denen aber nur 14 stark genug für eine Lokalisierung waren. Damit wurde der höchste Tageswert des Jahres erreicht. Die meisten dieser Beben entstanden durch das Zerbrechen von Gestein und hatten Magnituden zwischen 1,0 und 2,0. Zwei Ereignisse erreichten allerdings beinahe Magnitude 3,0.

Die Erdbebenherde konzentrieren sich in Tiefen zwischen etwa null und sechs Kilometern unter dem Meeresspiegel und liegen damit relativ oberflächennah unter dem Vulkan. Auf den Seismogrammen waren insbesondere die stärkeren Ereignisse vom 4. Oktober deutlich anhand ihrer hohen Amplituden zu erkennen.

Am 5. Oktober zeichnete sich eine Abschwächung des Erdbebenschwarms ab. Bis 12:57 Uhr Ortszeit wurden rund 20 weitere Erdbeben registriert. Sowohl die Anzahl als auch die Stärke der Signale gingen damit gegenüber dem Höhepunkt des Wochenendes zurück.

Die Erdbebenaktivität für sich betrachtet ist kein eindeutiger Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption. Der ungewöhnliche vulkanotektonische Schwarm zeigt aber, dass sich die Spannungsverhältnisse im Untergrund des Alcedo verändert haben. Dies kann infolge von aufsteigendem Magma geschehen sein. Die weitere Entwicklung der Erdbebenaktivität und mögliche begleitende Veränderungen der Vulkanstruktur werden daher besonders aufmerksam beobachtet.

Der Alcedo liegt im zentralen Bereich der Insel Isabela und ist von bewohnten Gebieten weitgehend isoliert. Die Caldera ist aber die Heimat zahlreicher Tiere. Unter ihnen befindet sich eine große Population der Galápagos-Riesenschildkröten, die im Falle einer Eruption gefährdet wären. Der letzte bekannte Ausbruch ereignete sich 1993 und war eine phreatische Explosion, bei der durch erhitztes Gestein aufgeheiztes Wasser explosionsartig verdampfte. Von benachbarten Vulkanen kennen wir große effusive Spalteneruptionen, die schon öfters seltene Tierarten gefährdeten.

Österreich: Erneutes Erdbeben bei Innsbruck

Spürbares Erdbeben Mb 3,4 erschütterte Innsbruck in Österreich – zahlreiche Wahrnehmungsmedungen

In der Nacht hat ein erneutes Erdbeben die Region rund um Innsbruck erschüttert. Der Erdstoß ereignete sich am 7. Oktober 2026 um 03:02 Uhr MESZ und erreichte eine Magnitude von 3,4. Das Hypozentrum lag nur vier Kilometer tief. Das Epizentrum befand sich laut EMSC-Daten neun Kilometer südöstlich von Innsbruck. Der Erdstoß konnte von Anwohnern deutlich gespürt werden und riss Menschen aus dem Schlaf.



Shakemap © EMSC/Leaflet

Wegen der geringen Herdtiefe fiel die Wahrnehmung trotz der moderaten Magnitude vergleichsweise stark aus, Meldungen über Schäden liegen aber nicht vor. Bebenzeugen beschrieben einen kurzen, kräftigen Ruck beziehungsweise ein starkes Schütteln. Mehrere Personen berichteten von lautem Grollen oder einem Geräusch, das wie eine Explosion klang. In Lans wurde das Beben als „kurz, aber extrem stark“ beschrieben. In Aldrans vibrierte das Gebäude drei bis fünf Sekunden lang, Fensterscheiben und Gläser klirrten und mehrere Bewohner wurden aus dem Schlaf gerissen. Auch aus Hall in Tirol, Rum, Mieders und verschiedenen Stadtteilen Innsbrucks wurden deutliches Rütteln, schwankende Gebäude und aufgewachte Personen gemeldet.

Tektonisch liegt das Beben in einer der aktivsten Erdbebenregionen Österreichs und steht mit der anhaltenden Orogenese des Gebirges im Zusammenhang. Die Alpen wachsen durch die langsame Kollision der Adriatischen Mikroplatte mit Europa. Dabei werden Spannungen in der Erdkruste aufgebaut und über bereits vorhandene Störungszonen abgebaut. Im Inntal konzentriert sich die Seismizität unter anderem auf Störungen, die mit der Inntal-Störungszone und tiefer reichenden Überschiebungen verbunden sind.

Das aktuelle Beben ist kein alleine vorkommendes Ereignis, denn besonders im Inntal kommt es relativ häufig zu vergleichbaren Erschütterungen der Erde. Erst am 26. September ereignete sich in dem Gebiet ein Erdbeben der Magnitude 3,8. Das Epizentrum lag sieben Kilometer südöstlich von Innsbruck. Es wurde von mehr als 1700 Menschen gemeldet und erreichte Intensität 5 auf der EMS-98-Skala. Damit gab es erst vor elf Tagen ein sogar etwas stärkeres, räumlich sehr nahe gelegenes Beben. Bereits am 8. August wurde bei Hall in Tirol ein Beben der Magnitude 3,5 registriert.

Sangay eruptiert am 7. Oktober Aschewolken

Sangay in Ecuador bleibt aktiv – Ascheemissionen und glühende Schuttströme

Am ecuadorianischen Vulkan Sangay hält die seit September verstärkte eruptive Aktivität an. Das VAAC Washington meldete am 7. Oktober eine Ascheemission, die sich möglicherweise über einen längeren Zeitraum fortsetzte. Möglicherweise deswegen, weil Beobachter am Grund über einen längeren Zeitraum Asche feststellten, diese aber per Satellit nicht verfolgt werden konnte. Die Aschewolke wurde auf eine Höhe von bis zu rund 7.000 Metern über dem Meeresspiegel geschätzt und bewegte sich mit dem Wind mit etwa 20 km/h nach Westen.

Sangay

Die Aktivität passt zu einem seit dem 19. September 2026 beobachteten neuen Eruptionspuls. Das Geophysikalische Institut der Nationalen Polytechnischen Schule Ecuadors (IG-EPN) bewertet die Oberflächenaktivität derzeit als moderat, während die interne Aktivität als gering eingestuft wird. Beide Parameter zeigen laut dem aktuellen Tagesbericht keinen deutlichen Trend.

Am 5. Oktober registrierten die Überwachungsstationen nur zwei Explosionen, zwei Langperioden-Ereignisse und sieben Tremorphasen im Zusammenhang mit der Emission vulkanischer Gase und Asche. Bei der langjährigen Eruptionsphase, die 2019 begann, wurden bis zum letzten Jahr täglich oft mehrere hundert Explosionssignale festgestellt. Über die Kameras wurden Asche- und Gaswolken beobachtet, die bis zu 1.100 Meter über den Krater aufstiegen. Sie breiteten sich zeitweise in unterschiedliche Richtungen aus. Zusätzlich wurden mehrere thermische Anomalien registriert. Besonders auffällig war während der Nacht das Absteigen glühenden Materials über die Vulkanflanken bis etwa 200 Meter unterhalb des Kraters.

Die Schwefeldioxid-Emissionen belegen den anhaltenden Magmen- bzw. Entgasungsprozess. Das Satellitensystem MOUNTS erfasste am 5. Oktober eine SO₂-Emission von 73,9 Tonnen, was ein vergleichsweise niedriger Wert ist.

Die derzeitige Eruptionsphase verursacht zudem messbaren Aschefall. Das IG-EPN sammelte Ende September an 25 Messstellen im Kanton Guamote Ascheproben und wartete das dort installierte Messnetz. Zwischen dem 17. und 23. September waren 18 Ascheemissionen mit Wolkenhöhen von bis zu 3.200 Metern über dem Krater registriert worden. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen allerdings nur leichten Aschefall.

Der Sangay bleibt damit kontinuierlich aktiv, ohne dass die Überwachungsdaten derzeit auf eine signifikante Intensivierung hindeuten.

Karangetang: Kurzzeitige Ascheemission registriert

Karangetang im Jahr 2015. © Marc Szeglat

Ascheemission am Karangetang bis auf 2400 m Höhe – rotglühende Schuttlawinen fotografiert

Der Karangetang auf der indonesischen Insel Siau eruptierte am 6. Oktober und stieß dabei eine Aschewolke aus. Das Flugwarnzentrum Darwin veröffentlichte dazu eine Vulkansasche-Meldung, nach der eine Aschewolke beobachtet wurde, die eine Höhe von etwa 2.400 Metern über dem Meeresspiegel erreichte und in nordöstliche Richtung driftete. Auf Livecam-Aufnahmen sieht man zudem Rotglut im Kraterbereich und in einer schmalen Bahn auf der oberen Flanke. Bei diesem Phänomen handelt es sich entweder um einen zähen Lavastrom oder um Abgänge glühender Lava. Auf der MAGMA-Livecamaufnahme lässt sich das nicht einwandfrei erkennen.



Die Ascheeruption wurde anhand von Satellitendaten des Wettersatelliten Himawari-9 registriert. In der Meldung heißt es, dass die Aschewolke zuletzt um 07:28 UTC beobachtet worden war. Bei der späteren Auswertung um 13:20 UTC war die Aschewolke auf den Satellitenbildern allerdings nicht mehr eindeutig erkennbar. Das VAAC Darwin geht davon aus, dass sich die Asche inzwischen vollständig aufgelöst hat.

Die Aktivität steht im Zusammenhang mit der anhaltenden Unruhe des Karangetang, die Anfang August begann und sich auch in den seismischen Daten widerspiegelt. Am 5. Oktober wurden neben zwei Abgangsbeben insgesamt 54 Beben registriert, die von starken, teils explosionsartigen Entgasungen verursacht wurden. Hinzu kamen 21 harmonische Tremore und 33 nichtharmonische Tremorphasen. Außerdem wurden zwei Hybridbeben sowie jeweils ein tiefes vulkanotektonisches und ein lokales tektonisches Beben registriert. Die hohe Zahl an Ausgasungs- und Tremorsignalen deutet auf eine weiterhin aktive Dynamik im Vulkansystem hin, die von Fluidbewegungen und Magmaaufstieg dominiert wird.

Die Behörden warnen weiterhin davor, sich dem Gipfelbereich zu nähern. Eine Sperrzone gilt im Radius von 1,5 Kilometern um die Krater Dua und Utama. Südwestlich ist die Gefahrenzone auf 2,5 Kilometer erweitert. Besonders besteht die Gefahr von Lavaabbrüchen und pyroklastischen Strömen, da ältere Lavamassen instabil sind. Zudem wird vor Laharen und Sturzfluten in den Flussläufen gewarnt, die vom Vulkan bis zur Küste führen können.

Anak Krakatau wirft wieder rotglühende Tephra aus

KI-koloriert

Livecambild vom Anak Krakatau zeigt Auswurf rotglühender Tephra – Vulkanasche in 1500 Metern Höhe detektiert

Die vorgestern am Anak Krakatau erneut aufgeflammte eruptive Aktivität hält weiter an. Das VAAC Darwin registrierte am 6. Oktober eine Eruption, bei der Vulkanasche bis in eine Höhe von etwa 1.500 Metern über dem Meeresspiegel aufstieg. Die Aschewolke bewegte sich unter dem Einfluss des Windes mit einer Geschwindigkeit von 9 km/h in westliche Richtung. Außerdem wurde am Vorabend von MAGMA ein Livecam-Bild veröffentlicht, das um 20:18 Uhr Ortszeit den Auswurf rotglühender Tephra zeigt. Anak Krakatau eruptierte also innerhalb weniger Stunden mindestens 2 mal.



Livecambild

Nach Angaben des VAAC wurde die Ascheemission heute um 05:20 UTC beobachtet. Die Ausbreitung der Asche konnte anhand von Satelliten- und Modelldaten rekonstruiert werden. Auf den Satellitenbildern selbst war die Aschewolke zum Zeitpunkt der Meldung allerdings nicht eindeutig zu erkennen. Die Warnung basiert daher auf der Kombination verschiedener Datenquellen. Das VAAC erwartet zunächst eine weitere Ausbreitung der Asche nach Westen.

Auch die indonesische Vulkanüberwachung registrierte zuletzt wieder mehrere Eruptionen. Im Tagesbericht für den 5. Oktober wurden insgesamt vier Explosionsereignisse festgestellt. Dabei konnten wegen der Bewölkung keine Eruptionssäulen beobachtet werden. Die aufgezeichneten Eruptionsbeben dauerten zwischen 20 und 798 Sekunden und erreichten Amplituden von 39 bis 55 Millimetern.

Daneben wurden fünf Hybrid- bzw. Mehrphasenbeben, drei flache vulkanische Beben und zwei sogenannte Low-Frequency-Ereignisse registriert. Außerdem trat ein kontinuierliches Tremorsignal mit einer überwiegend geringen Amplitude von etwa 2 Millimetern auf. Die kombinierte Seismizität aus Explosionen, vulkanischen Erdbeben und Tremor zeigt, dass der Vulkan weiterhin sehr aktiv ist und seine Tätigkeit steigern könnte. Eine seismische Krise, wie sie kurz vor den starken Eruptionen Anfang September stattfand, findet bis jetzt nicht statt.

Die Behörden empfehlen weiterhin, einen Sicherheitsabstand von mindestens zwei Kilometern zum aktiven Krater einzuhalten. Dies gilt insbesondere für Besucher und Boote in der Umgebung des Vulkans.

Ambrym mit sehr hoher thermischer Strahlung

Ambrym emittiert sehr hohe Thermalstrahlung – größere effusive Eruption möglich

Der Inselvulkan Ambrym gehört zum Vanuatu-Archipel und liegt nordöstlich von Australien. Die per Satellit erfassten MODIS-Daten weisen heute eine sehr hohe Thermalstrahlung mit einer Leistung von fast 1600 MW auf, die am 6. Oktober um 04:05 UTC detektiert wurde. Die hohe Strahlung spricht für eine Intensivierung der eruptiven Aktivität im Marum-Krater, über die Vnet bereits in der vergangenen Woche berichtete. Da das VAAC Wellington keine Vulkanaschewarnung für Ambrym herausgegeben hat, kann man davon ausgehen, dass eine überwiegend effusive Eruption die Ursache für die Wärmestrahlung ist, wobei auch Lavafontänen generiert werden können.



Eines der wahrscheinlichsten Szenarien ist eine Flutung des Kraterbodens mit Lava oder die Entstehung eines neuen Lavasees, wie er bis 2018 im Marum-Krater brodelte. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich die eruptive Aktivität ausgeweitet hat und auch Bereich ausßerhalb des Marumkraters betrifft.

Ambrym

Bereits das jüngste Satellitenfoto vom 4. Oktober zeigte ausgeprägte Wärmeanomalien, die sich auf zwei aktive Schlote konzentrierten. Auffällig waren auch thermische Signaturen entlang des Randes des Kraterbodens, die entweder von Lavaströmen zeugen oder auf Risse hinweisen, aus denen heiße Gase austreten. Das hier gezeigte Bild ist eine Kombination aus dem Infrarot-Wärmesignal im SWIR-Band und einem Satellitenbild im sichtbaren Lichtspektrum. Ungewöhnlich ist, dass selbst auf dem Bild im sichtbaren Lichtspektrum bei entsprechender Vergrößerung schwache Rotglut in den beiden Förderschloten zu sehen ist. Dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass sich hier bereits Lavalinsen gebildet haben, wobei der größere Westschlot einen Durchmesser von gut 50 m hat.

Leider sind keine aktuellen Online-Daten mehr verfügbar. Das Vanuatu Geological Hazards Department verfügte bis vor einigen Jahren noch über eine gut ausgebaute Infrastruktur inklusive Webcams und Webcodern, die seit einiger Zeit jedoch offline sind. Ebenso fehlen aktuelle Updates zur Aktivität des Vulkans. Der Alarmstatus steht weiterhin auf 2. Um die aktiven Krater der Ambrym-Caldera gibt es Sperrzonen von bis zu 2 Kilometern.

Bislang konzentrierte sich der Fokus der Vulkanologen aus Vanuatu auf den Inselvulkan Ambae, der südlich von Ambrym liegt und seit Monaten effusiv und teilweise auch explosiv aktiv ist. Hier steht der Alarmstatus auf 3, und es gibt eine 3-Kilometer-Sperrzone um den Kratersee Lake Voui. Aktuelle Satellitenfotos zeigen hier zwar hoch aufsteigende Dampfwolken, aber keine thermische Anomalie, die auf anhaltende Lavastromtätigkeit hindeuten würde.

Die Aktivität konzentriert sich als auf Ambrym, wo sehr wahrscheinlich eine stärkere effusive Eruption im Gang ist.

Island: Erdbeben Mb 4,7 unter Bardarbunga

Erdbeben der Magnitude 4,7 erschüttert großen subglazialen Zentralvulkan Bardarbunga auf Island

Unter dem isländischen Gletschervulkan Bardarbunga (isländische Schreibweise Bárðarbunga) hat sich am Montagabend ein vergleichsweise starkes Erdbeben ereignet. Der Erdstoß erreichte nach den vorliegenden Messdaten von IMO und EMSC eine Magnitude von 4,7 und wurde um 17:28:23 UTC registriert. Das Hypozentrum lag in nur etwa 1 Kilometer Tiefe bei 64,626° nördlicher Breite und 17,384° westlicher Länge. Damit befand sich das Beben direkt im Bereich der großen Bardarbunga-Caldera unter dem Vatnajökull. Das Epizentrum wurde 122 km süd-südöstlich von Akureyri und 224 km ost-nordöstlich von Reykjavík verortet. 



Shakemap © IMO

Nach Angaben des isländischen Wetterdienstes sind solche stärkeren Erdbeben für Bardarbunga nicht ungewöhnlich und kommen immer wieder vor. Ein Beben vergleichbarer Magnitude wurde zuletzt am 28. Juli 2026 registriert. Insgesamt treten in der Region nahezu monatlich Erdbeben mit Magnituden über 3 auf. Nach Einschätzung von Steinunn Helgadóttir, Naturgefahrenexpertin beim Icelandic Meteorological Office, gibt es derzeit keine Hinweise auf zunehmenden vulkanischen Unruhezustand. Zudem wurde nach dem M4,7-Ereignis kaum Nachbebenaktivität beobachtet. Doch auch wenn keine Zunahme des vulkanischen Unruhezustands festgestellt wird, stehen die Erdbeben unter dem Zentralvulkan mit seiner anhaltenden Unruhe in Verbindung, die durch einen langsamen Wiederaufladungsprozess des Vulkansystems nach seiner großen Eruption 2014/15 verursacht wird.

Damals bildete Magma aus dem Bereich der Caldera einen gut 50 Kilometer langen Gang und erreichte schließlich das Gebiet Holuhraun nordöstlich des Vulkans. Dort begann Ende August 2014 eine große Spalteneruption, die bis Februar 2015 andauerte. Das entstandene Lavafeld bedeckt rund 85 Quadratkilometer.

Bardarbunga gehört zu den größten und aktivsten Vulkansystemen Islands. Der etwa 2.000 Meter hohe Zentralvulkan liegt unter dem mächtigen Eisschild des Vatnajökull. Seine Caldera ist rund 11 Kilometer breit und wird von ungefähr 850 Metern Eis bedeckt. Das zugehörige Vulkansystem erstreckt sich über etwa 190 Kilometer und umfasst ausgedehnte Spaltenschwärme.

Die damalige Aktivität ging mit einer deutlichen Absenkung der Caldera einher. Zwischenzeitlich sank die Eisoberfläche um mehr als 60 Meter ab. Auch deshalb werden stärkere Erdbeben unter Bardarbunga aufmerksam überwacht. Das aktuelle M4,7-Beben liefert nach derzeitiger Einschätzung jedoch keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.

Ein Blick auf die Shakemap zeigt, dass es in den letzten 48 Stunden nicht nur ein stärkeres Erdbeben unter Bardarbunga gab, sondern auch an der Tjörnes-Fracture-Zone im Norden sowie auf der Reykjanes-Halbinsel und unter Katla im Süden. Über diese Beben berichtete Vnet bereits.