Taal: Starke phreatomagmatische Eruption mit Blitzen

Taal eruptiert phreatomagmatisch – Rotglut und Blitze in der Eruptionswolke

Nach einer mehrwöchigen Phase ohne nennenswerte eruptive Aktivität erzeugte der philippinische Taal-Vulkan heute eine magmatophreatische Eruption, die stärker war als alles, was der Vulkan in diesem Jahr hervorgebracht hat. Bilder der Überwachungskameras zeigen, dass nicht nur eine Aschewolke aus dem Main Crater auf Volcano Island aufstieg und rotglühende Tephra mitführte, sondern dass sich auch vulkanische Blitze in der Eruptionswolke bildeten.



Die markante Eruption begann am Donnerstagabend um 18:06 Uhr Ortszeit und dauerte nach Angaben der philippinischen Vulkanüberwachungsbehörde PHIVOLCS gut fünf Minuten. Dabei entstand am Main Crater eine dunkelgraue Eruptionswolke, die bis auf eine Höhe von 4.000 Metern über dem Krater aufstieg.

Das VAAC Tokio registrierte die Eruption um 10:06 UTC und schätzte, dass die Aschewolke bis auf Flugfläche 150 aufstieg, was einer Höhe von etwa 4.600 Metern über dem Meeresspiegel entspricht. Sie wurde in südwestlicher Richtung verfrachtet. In den unmittelbar danach verfügbaren Satellitendaten ließ sich die Aschewolke allerdings nicht eindeutig identifizieren.

PHIVOLCS erwartet leichten Aschefall in den südwestlich des Vulkans gelegenen Gemeinden Agoncillo, Lemery, San Nicolas und Taal sowie in angrenzenden Gebieten. Die Bevölkerung muss insbesondere mit kurzfristigen und lokal begrenzten Ascheablagerungen rechnen.

Auf den Videoaufnahmen ist außerdem zu sehen, wie sich die Eruptionswolke über dem Boden von Volcano Island ausbreitete und dabei pyroklastische Dichteströme bildete. Sollte sich jemand widerrechtlich in Kraternähe aufgehalten haben, hätte dies lebensgefährliche Folgen haben können.

Der Ausbruch kam nicht völlig überraschend, doch die geophysikalischen Parameter waren am Vortag nicht so ausgeprägt, dass sie auf eine derart starke Explosion am Folgetag hingedeutet hätten. Das deutlichste Signal stammte von einem vulkanischen Tremor, der 82 Minuten lang anhielt. Der Schwefeldioxidausstoß lag am 6. Oktober bei 952 Tonnen pro Tag. Zudem weist die Überwachung auf eine Inflation von Volcano Island hin, was auf eine Veränderung des Druckzustands im flachen Vulkansystem hindeuten kann. Allerdings wird dieses Phänomen bereits seit mehreren Jahren beobachtet. Zusätzlich wurde eine moderate, etwa 1.500 Meter hohe Gas- und Dampfemission registriert, die nach Südwesten driftete.
Trotz der aktuellen Eruption bleibt die Warnstufe 1 bestehen. PHIVOLCS stuft die Aktivität damit weiterhin als niedriggradige Unruhe ein. Der Zutritt zur Permanent Danger Zone, insbesondere zum Main Crater und den Daang-Kastila-Spalten, bleibt verboten. Auch der Aufenthalt auf dem Taal Lake und der Bootsverkehr sowie Flüge in unmittelbarer Nähe des Vulkans werden nicht empfohlen.

Die aktuelle Eruption zeigt, dass trotz vergleichsweise geringer Seismizität weiterhin explosive Dampf-Wasser-Interaktionen im Krater möglich sind. PHIVOLCS weist daher auch auf die Gefahr weiterer phreatischer oder gasgetriebener Explosionen, vulkanischer Erdbeben, Aschefalls und gefährlicher Gaskonzentrationen hin.

Marsili-Seamount: Erdbeben nahe des Unterwasservulkans

Marsili. KI-gerendert nach Grafikvorlage eines Radarbildes.

Mittelstarkes Erdbeben in großer Tiefe nahe dem Marsili-Seamount

Ein ungewöhnlich tiefes Erdbeben hat am Donnerstagmorgen das südliche Tyrrhenische Meer erschüttert. Das Beben ereignete sich um 05:42 Uhr Ortszeit und wurde vom italienischen Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) zunächst mit einer Magnitude von 4,7 und einer Herdtiefe von 372 Kilometern bestimmt. Internationale Messnetze kommen auf eine Magnitude von 4,9 und eine Tiefe von 367 Kilometern. Die unterschiedlichen Koordinaten sind auf die noch laufende Neubestimmung des Hypozentrums zurückzuführen. Das EMSC verortet den Erdstoß 56 Kilometer nordwestlich von Lipari. Damit wird deutlich, dass neben dem Marsili-Seamount auch der Inselvulkan Stromboli in relativer Nähe zum Epizentrum liegt.



Shakemap © EMSC/Leaflet

Das Epizentrum befand sich nördlich der Äolischen Inseln und damit in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Marsili-Seamount. Nach der internationalen Lokalisierung beträgt die Entfernung zu dem submarinen Vulkan nur etwa zehn Kilometer. Trotz dieser auffälligen Lage gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass das Erdbeben durch eine Aktivierung des riesigen Unterwasservulkans ausgelöst wurde.

Das entscheidende Merkmal, das Beben als tektonisch bedingt einzustufen, ist die extreme Herdtiefe. Erdbeben, die durch Magmaaufstieg ausgelöst werden, treten nur sehr selten in Tiefen von mehr als 40 Kilometern auf. Der Grund liegt darin, dass die Gesteine der Asthenosphäre und des oberen Erdmantels aufgrund der dort herrschenden Druck- und Temperaturbedingungen zunehmend plastisch reagieren. Ein aufsteigender Magmakörper kann das Gestein daher eher verformen und verdrängen, als dass es spröde bricht. Sehr tiefe Erdbeben stehen deshalb meist mit einer subduzierten Lithosphärenplatte in Verbindung, die auch in großen Tiefen noch spröde genug ist, um durch Spannungsänderungen zu brechen.

Tektonisch befindet sich die Region über der nach Nordwesten abtauchenden Ionischen Platte. Ihre Subduktion unter den Kalabrischen Bogen ist maßgeblich für die komplexe Geodynamik des südlichen Tyrrhenischen Meeres verantwortlich. Der abtauchende Slab bildet eine ausgeprägte Wadati-Benioff-Zone, in der Erdbeben bis in Tiefen von etwa 500 Kilometern auftreten können. Die heutige Geometrie der Subduktionszone und ihr Rückzug nach Südosten standen zugleich mit der Öffnung des Marsili-Backarc-Beckens in Zusammenhang.

Das aktuelle Erdbeben ist daher am ehesten als tiefes Subduktionsbeben innerhalb beziehungsweise im Umfeld der abtauchenden ionischen Lithosphäre einzuordnen. Die räumliche Nähe zum Marsili ist geologisch interessant, stellt jedoch keinen Beleg für eine vulkanische Ursache dar. Allerdings lässt sich nicht grundsätzlich ausschließen, dass starke Erschütterungen auf den nahe gelegenen Stromboli einwirken und dort möglicherweise Veränderungen der vulkanischen Aktivität auslösen. Ob ein solcher Effekt tatsächlich auftritt, lässt sich erst anhand der weiteren Entwicklung der Aktivität beurteilen.

An der Oberfläche blieben die Auswirkungen gering. Schäden wurden nicht gemeldet. Lokale Berichte sprechen allerdings von einzelnen Wahrnehmungen eines leichten, einige Sekunden dauernden Tremors auf den Äolischen Inseln und an der tyrrhenischen Küste. Die große Herdtiefe dürfte dazu beigetragen haben, dass die Bodenbewegungen an der Oberfläche deutlich abgeschwächt wurden.

Warum Marsili als gefährlich eingestuft wird

Der Marsili gilt trotz seiner Lage unter dem Meer als potenziell gefährlicher Vulkan: Der Seamount erhebt sich bis zu 3000 m über dem Meeresboden und weist teils instabile Hänge auf, an denen es zu Hanginstabilitäten und großen submarinen Rutschungen kommen kann. Solche Rutschungen könnten besonders durch Eruptionen oder starke Erdbeben ausgelöst werden. Ein größerer Flankenkollaps könnte erhebliche Wassermengen verdrängen und dadurch einen Tsunami im Tyrrhenischen Meer auslösen, der insbesondere die Küsten Süditaliens gefährden würde.

Vesuv: Niederfrequente Erdbeben und hohe Fumarolentemperaturen

Niederfrequente Erdbeben und weiterhin hohe Fumarolentemperaturen: Droht ein Regimewechsel am Vesuv?

Nach offiziellen Angaben des INGV blieb die seismische Aktivität des Vesuv im September 2026 auf einem insgesamt moderaten Niveau. Das aktuelle Monatsbulletin weist 121 Erdbeben aus, von denen 107 lokalisiert werden konnten. Die meisten Hypozentren lagen im Bereich des Kraters und konzentrierten sich auf den obersten Kilometer. Das stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von Md 1,7. Auf Jahressicht ereigneten sich bereits 819 lokalisierte Beben; das sind bereits 25 Beben mehr als im gesamten letzten Jahr.



Spektogram © INGV

Fünf seismische Signale fielen aus dem üblichen Rahmen und stehen besonders im Fokus der Vulkanbeobachter: Bei ihnen handelte es sich um Erdbeben mit langen Perioden und niedrigen Frequenzen zwischen 2 und 5 Hz, die am 3., 9., 14. und 17. September registriert wurden. Damit unterscheiden sie sich vom klassischen vulkanotektonischen Erdbeben, das durch spröde Gesteinsbrüche infolge von Fluidbewegungen entsteht. Niederfrequente beziehungsweise LP-Ereignisse können dagegen direkt mit der Bewegung von Fluiden und Gasen im vulkanischen System zusammenhängen und erzeugen Druckschwankungen und Schwingungen, die über das umgebende Gestein als seismische Signale registriert werden. Veranschaulichen lässt sich das mit den Vibrationen, wie sie in einem Topf mit kochendem Wasser entstehen.

Derartige Signale wurden am Vesuv bereits früher beobachtet, sind aber vergleichsweise selten. Wenn sie vorkommen, dann meistens gehäuft. Obwohl es sich bei Fluiden auch um Magma handeln kann, sehen die INGV-Wissenschaftler keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption des Vesuv.

Auffällig bleiben zudem die Temperaturen einiger Fumarolen. An der Station FLXOV6 im südwestlichen Kraterrand lag die Temperatur der überwachten Fumarole im September rund 5 °C über dem Mittelwert. Gleichzeitig blieb der diffuse CO₂-Fluss des Bodens unverändert. Auch die Bodentemperaturen und Temperaturgradienten zeigten keine entsprechende großräumige Zunahme. Das INGV interpretiert den Temperaturanstieg deshalb als lokale Veränderung des Entgasungsprozesses.

Die thermischen Messungen der permanenten Infrarotkamera zeigen zudem, dass die Oberflächentemperaturen nach dem seit Juni beobachteten Anstieg im September zwar eine Stabilisierung erkennen lassen, der langfristige Trend aber weiterhin erhöht ist.

Insgesamt ergibt sich damit kein Hinweis auf eine kurzfristige magmatische Aktivierung des Vulkans. Die wiederkehrenden LP-Signale und lokal erhöhten Fumarolentemperaturen bleiben aber interessantere Beobachtungsaspekte des aktuellen Vesuv-Zustands, die langfristig anhaltend auf einen Regimewechsel von einer Abkühlung des Systems zu einer beginnenden Aufheizung hindeuten könnten. Sollte die anhaltende schwache Subsidenz des Vulkans in eine Inflation umschwenken, wäre dies ein starker Beleg für solch eine Veränderung des Systemzustandes.

USA: Hurrikan Isaias bedroht Golfküste

Hurrikan Isaias stellt Gefahr für US-Golfküste dar – Evakuierungen laufen

Hurrikan Isaias nähert sich mit rasch zunehmender Stärke der nördlichen Golfküste der USA. Am Donnerstag erreichte der Sturm bereits Hurrikanstärke und soll sich auf seinem Weg über den Golf weiter intensivieren. Für Freitag werden maximale Windgeschwindigkeiten von 176 km/h erwartet. Damit könnte Isaias als starker Hurrikan der Kategorie 2 auf die Küste treffen. Der Landfall wird derzeit zwischen Louisiana und dem westlichen Florida Panhandle erwartet.


Informationsblatt

Eine besondere Gefahr geht für die Küsten und Meeresbereiche aus, da erwartet wird, dass der Hurrikan extrem hohe Wellen erzeugen wird. Für die zentralen Golfgewässer werden am Freitag Wellenhöhen von 7,3 bis 11 Metern vorhergesagt. Auch in der Nacht zum Samstag können noch bis zu 10 m hohe Wellen auftreten, wobei einzelne Wellen noch deutlich höher ausfallen können. Das National Hurricane Center weist ausdrücklich darauf hin, dass einzelne Wellen mehr als doppelt so hoch sein könnten.

Das bedeutet für die Küstenregionen und für die Schifffahrt extreme Bedingungen. Große Frachter und Tanker müssen die gefährlichsten Seegebiete meiden, während kleinere Schiffe bereits deutlich früher aus den betroffenen Gewässern abgezogen werden sollten. Neben den Wellen stellen Orkanböen, schlechte Sicht durch Starkregen und Gewitter sowie starke Strömungen hohe Risiken dar.

Unmittelbar betroffen ist die Offshore-Ölindustrie, deren Förderplattformen nicht in Sicherheit gebracht werden können. Bereits am Mittwoch waren acht bemannte Förderplattformen evakuiert worden. Zusätzlich wurden Bohrplattformen aus der erwarteten Zugbahn des Hurrikans geschleppt. Rund 25 Prozent der Öl- und 16 Prozent der Erdgasproduktion im Golf waren vorsorglich stillgelegt. Dabei werden Unterwasser-Sicherheitsventile geschlossen, um die Förderung sicher zu unterbrechen und das Risiko von Lecks zu reduzieren. Diese Ausfälle dürften die Öl- und Gaspreise weiter steigen lassen.

An Land drohen schwere Überschwemmungen durch Starkregen und Sturmfluten und windbedingte Schäden durch Orkanböen und Tornados. Für Teile der Küste wurden bereits Hurrikan- und Sturmflutwarnungen ausgegeben. In einigen Orten wurden Evakuierungen angeordnet. Es werden außerdem extreme Regenfälle erwartet, die bis zu 180 Millimeter Regen mit sich bringen. Lokal könnte der Niederschlag noch stärker ausfallen.

Isaias ist dabei aus mehreren Gründen außergewöhnlich. Er ist der erste Hurrikan der Atlantiksaison 2026 und entsteht extrem spät. Ein ähnlich später Hurrikan wurde zuletzt 1905 beobachtet. Besonders bemerkenswert ist zudem, dass dies trotz eines starken El Niño geschieht, der die atlantische Hurrikanaktivität normalerweise durch stärkere Windscherung hemmt. Über dem ungewöhnlich warmen Golf von Mexiko und bei vergleichsweise geringer Windscherung konnte sich Isaias dennoch schnell intensivieren.

Kilauea zeigt sich nach Intrusionen relativ ruhig

Kilauea weiter unter Druck, doch Episode 55 verliert ihre Vorhersagbarkeit

Am Kilauea bleibt die seit Wochen erwartete Episode 55 aus – und inzwischen kann das Hawaiian Volcano Observatory (HVO) ihren Beginn nicht mehr zuverlässig vorhersagen. Nach dem Ende von Episode 54 am 25. August setzte zwar erneut eine Aufblähung des Gipfelbereichs ein, doch die Deformation verlief ungewöhnlich unregelmäßig. Die für frühere Episoden charakteristische Abfolge aus Inflation, Vorläuferaktivität und anschließendem Lavafontänen-Ereignis wurde mehrfach unterbrochen.



Kilauea

Dabei akkumulierte sich seit Episode 54 erheblicher Druck im flachen Magmasystem. Der Uēkahuna-Neigungsmesser (UWD) registrierte zwischenzeitlich rund 16 Mikroradianen zusätzliche Inflation – mehr als die 12,7 Mikroradianen, um die der Gipfel während Episode 54 deflationierte. Mitte September öffneten sich zudem sechs neue kleine Schlote an der Nordwestwand von Halemaʻumaʻu. Zwischen dem 14. und 16. September förderten sie kleinere Lavaströme, ohne dass eine deutliche seismische oder deformative Vorwarnung vorausging. Das deutet darauf hin, dass Magma bereits vorhandene Risssysteme nutzte.

Eine zweite, deutlich ausgeprägtere Intrusion folgte am 30. September und 1. Oktober. Zunächst konzentrierten sich Erdbeben etwa 1,5 Kilometer unterhalb des aktiven Ventbereichs. Anschließend verlagerte sich die Seismizität nach Nordosten. Gleichzeitig setzte eine außergewöhnlich schnelle Deformation ein, die mit dem Wachstum eines annähernd ost-westlich orientierten Ganges unter Halemaʻumaʻu vereinbar ist. Der UWD-Neigungsmesser registrierte dabei innerhalb weniger Stunden rund 40 Mikroradianen Inflation. Am 2. Oktober gab es eine zweite, aber deutlich schwächere Intrusion, die eine Flankenversteilung von ca. 18 Mikrorad mit sich brachte.

Die flachen Intrusionen waren ein starkes Indiz für eine baldige Eruption im Halemaʻumaʻu-Krater, doch diese blieb aus. Damit handelt es sich bei den Vorgängen um klassische Beispiele, bei denen eine oberflächennahe Gangbildung vorläufig im Untergrund stecken blieb. Mehr noch, die Intrusion beendete die Überlaufaktivität der Nord- und Südschlote. Seit dem 5. Oktober gibt es dort lediglich wieder schwaches Spattering. Am 6. Oktober registrierte HVO zwar erneut geringfügige Inflation, doch die Intrusion hat sich bislang nicht reaktiviert. Offenbar hat sich im Fördersystem des Kilaueas etwas verändert, was eine Eruption erschwert.

Inzwischen sind mehrere Szenarien denkbar: Episode 55 könnte noch als Fontänenereignis aus dem bestehenden Nord-Süd-West-Komplex beginnen, ebenso könnte Magma erneut in die bestehenden Risssysteme eindringen oder einen neuen Schlot innerhalb der Gipfelcaldera öffnen. Gerade weil die jüngsten Intrusionen und Ausbrüche ohne die sonst erwartbaren eindeutigen Vorzeichen erfolgten, kann HVO das Zeitfenster für Episode 55 inzwischen nicht mehr modellieren. Der Kilauea bleibt hochgradig unter Druck, doch der nächste Schritt des Eruptionssystems ist nicht vorhersehbar.

Griechenland: Erdbebenserie zwischen Kreta und Kasos

Erdbebenserie zwischen Kreta und Kasos – spürbare Erschütterungen in der Nacht

In der Nacht zum 7. Oktober hat sich im Meeresraum zwischen Ostkreta und der Insel Kasos eine kleine, aber deutlich spürbare Erdbebenserie manifestiert. Das stärkste Ereignis ereignete sich um 02:43 Uhr Ortszeit und erreichte nach der revidierten Berechnung des Geodynamischen Instituts des Nationalen Observatoriums Athen eine Magnitude von 4,1. Das Epizentrum lag 29 Kilometer westlich von Kasos und 41 km nordöstlich von Palekastro (Kreta). Die Herdtiefe wurde mit 14,5 Kilometern angegeben.



Shakemap © EMSC/Leaflet

Nur sieben Minuten später, um 02:50 Uhr, folgte ein weiteres Beben der Magnitude 3,9. Sein Epizentrum lag 28 Kilometer westlich von Kasos, die Herdtiefe bei etwa 13 Kilometern. Danach setzte sich die Aktivität mit weiteren schwachen Erdbeben fort. Bis zum Vormittag wurden insgesamt acht Erschütterungen zwischen Magnitude 2,4 und 4,1 registriert.

Die Daten vom EMSC kommen teilweise zu etwas anderen Ergebnissen. Für das Beben um 02:50 Uhr wurde eine Magnitude von 4,2 angegeben. Die Abweichungen sind bei solchen regionalen Ereignissen nicht ungewöhnlich.

Die Erschütterungen wurden vor allem in der näheren Umgebung der Epizentren verspürt. Berichte sprechen von schwach wahrnehmbaren Bodenbewegungen auf Kasos und im östlichen Kreta. Auf Kreta wurden insbesondere in Sitia und Palekastro Erschütterungen mit einer schwachen Intensität von etwa MMI III angegeben; in Agios Nikolaos, Ierapetra und Heraklion war die Bewegung deutlich schwächer. Schäden oder Verletzte wurden nicht gemeldet.

Tektonisch liegt das Epizentrum in einer besonders komplex gegliederten Störungszone des Kreta-Kasos-Beckens, einem mehr als 50 Kilometer langen, SW-NE gestreckten Tiefseebecken zwischen Ostkreta und Kasos. Das Becken wird von großen SW-NE verlaufenden Randverwerfungen sowie untergeordneten SSW-NNE orientierten Störungen begrenzt und durch diese in mehrere, bis etwa 2.800 Meter tiefe Teilbecken gegliedert. Die Störungen stehen mit der großräumigen Tektonik des östlichen Hellenischen Bogens in Verbindung, wo die Afrikanische Platte unter die Ägäische Mikroplatte abtaucht, ein Prozess, der in der gesamten Region zu Spannungen in den Erdkrustensegmenten führt und Erdbeben auslöst.

Bei Kasos traten bereits früher deutlich stärkere Erdbebenserie auf. Eine der markantesten Erschütterungen stammte von einem Mw-6,1-Beben im Jahr 2015, das gleich durch verschiedene Bewegungen entlang komplexer Störungszonen entstand.

Campi Flegrei: Verdopplung des CO2-Ausstoßes bei Pisciarelli

Extrem hoher CO₂-Ausstoß bei Pisciarelli – geringere Seismizität in den Campi Flegrei sind kein Signal einer nachhaltigen Entspannung

In der süditalienischen Caldera Campi Flegrei ist die Erdbebentätigkeit in den letzten Wochen niedriger gewesen als während der besonders aktiven Phasen der vergangenen zwei Jahre. Daraus lässt sich allerdings keine eindeutige Abschwächung der seismomagmatischen Krise ableiten. Das zeigen die jüngsten Daten des INGV-Wochenbulletins, das am Dienstag veröffentlicht wurde.



Zwischen dem 28. September und dem 4. Oktober registrierten die Messstationen 36 Erdbeben, von denen 23 lokalisiert werden konnten und eine Magnitude von mindestens 0,0 aufwiesen. Das stärkste Ereignis erreichte Magnitude 1,7. Damit liegt die Seismizität zwar deutlich unter den Spitzenwerten besonders aktiver Phasen, aber im Mittel des langjährigen Aktivitätsniveaus der seit über 20 Jahren dauernden Krise. Auch ohne augenblicklich stattfindendes stärkeres Erdbeben liegt die Seismizität deutlich über dem Normalzustand.

Bodenhebung © INGV

Leider wird eine Aktivität ohne ständige Superlative schnell als Anzeichen dafür angesehen, dass sich die Krise ihrem Ende nähert, wodurch Aufmerksamkeit und Engagement in der Krisenbewältigung nachlassen. Jüngstes Beispiel des grundlosen Optimismus wurde im Portal Pozzuoli News 24 in Form eines Interviews mit Vulkanologe a.D. Giuseppe Luongo verbreitet. Giuseppe interpretiert den Rückgang der seismischen Energie als mögliches Zeichen für eine beginnende Endphase der aktuellen bradyseismischen Krise. Die aktuellen Überwachungsdaten des INGV stützen diese Schlussfolgerung allerdings nicht. Sie zeigen vielmehr ein weiterhin aktives System, in dem sich einzelne Parameter unterschiedlich entwickeln.

Seit Anfang Februar hebt sich der Untergrund im Bereich der stärksten Deformation weiterhin mit durchschnittlich etwa zehn Millimetern pro Monat. In Spitzenzeiten war der Wert dreimal so hoch, was die Optimisten ebenfalls als Indiz eines insgesamt nachlassenden Bradyseismos ansehen. An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die Hebung seit Januar 2025 auf über 32 Zentimeter. Nach der Korrektur der durch den starken Erdbebenschwarm vom 31. Juli verursachten kurzfristigen Verschiebungen erkennt das INGV keine wesentliche Änderung des Deformationsmusters.

Verdoppelter CO₂-Ausstoß. © INGV

Auch die Geochemie liefert keinen Hinweis auf ein bevorstehendes Ende der Aktivitätsphase. Das INGV beschreibt weiterhin langfristige Trends einer Erwärmung und zunehmenden Fluidfreisetzung des hydrothermalen Systems. Besonders auffällig war in der letzten Woche ein starker Anstieg des CO₂-Flusses an der Station FLXOV8 im Gebiet von Pisciarelli. Dort erreichten die Tagesmittel etwa 70 Kilogramm CO₂ pro Quadratmeter und Tag – nahezu eine Verdoppelung gegenüber den vorherigen Werten. Das Observatorium weist allerdings darauf hin, dass dieser Anstieg an den anderen Messstellen nicht festgestellt wurde und wahrscheinlich auf einen lokalen Prozess zurückgeht.

Die emittierten Gase der Pisciarelli-Fumarole sind in 5 m Abstand zum Hauptstrom weiterhin 95 Grad heiß, während die Bocca-Grande-Fumarole im Sofatarakrater 173 Grad heiße Gase ausstößt. In den Nachkommastellen wird weiterhin eine leicht steigende Tendenz festgestellt. Somit kann von einer nachhaltigen Abschwächung des Geschehens keine Rede sein. Die stärkeren Erdbeben kommen zudem immer in Schüben, die nicht gleichmäßig verteilt sind. Mit der Zeit verändern sich die elastischen Eigenschaften des Bodens, so dass die Spannungen nicht immer gleichmäßig abgebaut werden und sich die Heberaten verändern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass von einer signifikanten Abschwächung oder gar einem unmittelbar bevorstehenden Ende der Krisederzeit nicht gesprochen werden kann. Das INGV sieht nach dem aktuellen Datenstand keine Anzeichen für eine wesentliche kurzfristige Veränderung der Situation.

Vulkan Alcedo: Erdbebenschwarm detektiert

Erdbebenschwarm unter Vulkan Alcedo erreicht Jahresrekord – Galápagos-Riesenschildkröten durch möglichen Vulkanausbruch bedroht

Der bei uns wenig bekannte Vulkan Alcedo liegt auf der zu den Galápagos-Inseln gehörenden Insel Isabela und zeigt seit Anfang Oktober eine signifikant verstärkte Erdbebenaktivität. Das für die Beobachtung des Vulkans zuständige Geografische Institut Ecuadors (IG-EPN) berichtet von einer ungewöhnlichen Zunahme sowohl der Zahl als auch der Stärke der Erdbeben. Besonders am vergangenen Wochenende erreichte die Aktivität ein für das Jahr 2026 bislang einmaliges Niveau.

Shakemap

Seit Jahresbeginn wurden unterhalb und in der näheren Umgebung des Kraters insgesamt 282 Erdbeben lokalisiert. Zwischen dem 3. und 4. Oktober registrierten die seismischen Stationen des IG-EPN mindestens 95 vulkanotektonische Ereignisse (VT), von denen aber nur 14 stark genug für eine Lokalisierung waren. Damit wurde der höchste Tageswert des Jahres erreicht. Die meisten dieser Beben entstanden durch das Zerbrechen von Gestein und hatten Magnituden zwischen 1,0 und 2,0. Zwei Ereignisse erreichten allerdings beinahe Magnitude 3,0.

Die Erdbebenherde konzentrieren sich in Tiefen zwischen etwa null und sechs Kilometern unter dem Meeresspiegel und liegen damit relativ oberflächennah unter dem Vulkan. Auf den Seismogrammen waren insbesondere die stärkeren Ereignisse vom 4. Oktober deutlich anhand ihrer hohen Amplituden zu erkennen.

Am 5. Oktober zeichnete sich eine Abschwächung des Erdbebenschwarms ab. Bis 12:57 Uhr Ortszeit wurden rund 20 weitere Erdbeben registriert. Sowohl die Anzahl als auch die Stärke der Signale gingen damit gegenüber dem Höhepunkt des Wochenendes zurück.

Die Erdbebenaktivität für sich betrachtet ist kein eindeutiger Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption. Der ungewöhnliche vulkanotektonische Schwarm zeigt aber, dass sich die Spannungsverhältnisse im Untergrund des Alcedo verändert haben. Dies kann infolge von aufsteigendem Magma geschehen sein. Die weitere Entwicklung der Erdbebenaktivität und mögliche begleitende Veränderungen der Vulkanstruktur werden daher besonders aufmerksam beobachtet.

Der Alcedo liegt im zentralen Bereich der Insel Isabela und ist von bewohnten Gebieten weitgehend isoliert. Die Caldera ist aber die Heimat zahlreicher Tiere. Unter ihnen befindet sich eine große Population der Galápagos-Riesenschildkröten, die im Falle einer Eruption gefährdet wären. Der letzte bekannte Ausbruch ereignete sich 1993 und war eine phreatische Explosion, bei der durch erhitztes Gestein aufgeheiztes Wasser explosionsartig verdampfte. Von benachbarten Vulkanen kennen wir große effusive Spalteneruptionen, die schon öfters seltene Tierarten gefährdeten.

Österreich: Erneutes Erdbeben bei Innsbruck

Spürbares Erdbeben Mb 3,4 erschütterte Innsbruck in Österreich – zahlreiche Wahrnehmungsmedungen

In der Nacht hat ein erneutes Erdbeben die Region rund um Innsbruck erschüttert. Der Erdstoß ereignete sich am 7. Oktober 2026 um 03:02 Uhr MESZ und erreichte eine Magnitude von 3,4. Das Hypozentrum lag nur vier Kilometer tief. Das Epizentrum befand sich laut EMSC-Daten neun Kilometer südöstlich von Innsbruck. Der Erdstoß konnte von Anwohnern deutlich gespürt werden und riss Menschen aus dem Schlaf.



Shakemap © EMSC/Leaflet

Wegen der geringen Herdtiefe fiel die Wahrnehmung trotz der moderaten Magnitude vergleichsweise stark aus, Meldungen über Schäden liegen aber nicht vor. Bebenzeugen beschrieben einen kurzen, kräftigen Ruck beziehungsweise ein starkes Schütteln. Mehrere Personen berichteten von lautem Grollen oder einem Geräusch, das wie eine Explosion klang. In Lans wurde das Beben als „kurz, aber extrem stark“ beschrieben. In Aldrans vibrierte das Gebäude drei bis fünf Sekunden lang, Fensterscheiben und Gläser klirrten und mehrere Bewohner wurden aus dem Schlaf gerissen. Auch aus Hall in Tirol, Rum, Mieders und verschiedenen Stadtteilen Innsbrucks wurden deutliches Rütteln, schwankende Gebäude und aufgewachte Personen gemeldet.

Tektonisch liegt das Beben in einer der aktivsten Erdbebenregionen Österreichs und steht mit der anhaltenden Orogenese des Gebirges im Zusammenhang. Die Alpen wachsen durch die langsame Kollision der Adriatischen Mikroplatte mit Europa. Dabei werden Spannungen in der Erdkruste aufgebaut und über bereits vorhandene Störungszonen abgebaut. Im Inntal konzentriert sich die Seismizität unter anderem auf Störungen, die mit der Inntal-Störungszone und tiefer reichenden Überschiebungen verbunden sind.

Das aktuelle Beben ist kein alleine vorkommendes Ereignis, denn besonders im Inntal kommt es relativ häufig zu vergleichbaren Erschütterungen der Erde. Erst am 26. September ereignete sich in dem Gebiet ein Erdbeben der Magnitude 3,8. Das Epizentrum lag sieben Kilometer südöstlich von Innsbruck. Es wurde von mehr als 1700 Menschen gemeldet und erreichte Intensität 5 auf der EMS-98-Skala. Damit gab es erst vor elf Tagen ein sogar etwas stärkeres, räumlich sehr nahe gelegenes Beben. Bereits am 8. August wurde bei Hall in Tirol ein Beben der Magnitude 3,5 registriert.