Mittelstarkes Erdbeben vor der Südostküste von Kreta – mehrere Wahrnehmungsmeldungen
Datum: 19.04.2026 | Zeit: 07:04:41 UTC | Koordinaten: 34.897 ; 25.881 | Tiefe: 10 km | Mb 4,6
Am Sonntagmorgen erschütterte ein moderates Erdbeben die Region vor der Südostküste von Kreta. Der Erdstoß ereignete sich am 19. April um 07:04 UTC (10:04 Uhr Ortszeit) und erreichte eine Magnitude von 4,6. Das Epizentrum lag rund 18 Kilometer südöstlich von Ierápetra sowie etwa 82 Kilometer ostsüdöstlich von Irákleion. Mit einer Herdtiefe von 10 Kilometern handelte es sich um ein vergleichsweise flaches Erdbeben, das in der näheren Umgebung deutlich wahrgenommen werden konnte. Außerdem gab es zwei Nachbeben mit Magnituden im Dreierbereich.
Berichte von Bebenzeugen deuten darauf hin, dass das Beben vor allem im Süden und Osten der Insel spürbar war. Viele Menschen beschrieben ein kurzes, aber deutlich wahrnehmbares Rütteln, begleitet von einem leichten Zittern von Gebäuden. In Innenräumen kam es vereinzelt zum Klappern von Geschirr oder Fenstern. Im Freien hingegen wurde das Ereignis teilweise nur schwach oder gar nicht bemerkt. Schäden wurden nicht gemeldet und sind nach aktuellem Stand auch nicht zu erwarten, was der moderaten Magnitude entspricht.
Tektonisch betrachtet liegt Kreta in einer der aktivsten Erdbebenzonen Europas. Die Insel befindet sich im Bereich des Hellenischen Bogens, wo die Afrikanische Platte unter die Eurasische Platte abtaucht. Diese Subduktionszone erzeugt regelmäßig Spannungen in der Erdkruste, die sich in Form von Erdbeben entladen. Das aktuelle Ereignis dürfte ein sogenanntes Krustenbeben innerhalb der oberen eurasischen Platte gewesen sein, ausgelöst durch lokale Spannungsumlagerungen.
Entlang der kretischen Südküste spiegeln sich die tektonischen Prozesse in den Gesteinen wider. So gibt es in einigen Aufschlüssen typische Gesteine eines Akkretionskeils, der durch die Konvergenz der Platten vor Kreta aufgeschoben wird. Die Gesteine umfassen sowohl Ophiolithe (auf den Kontinent geschobene ozeanische Lithosphäre) als auch stark metamorph überprägtes Gestein wie Serpentinit, das aus dem Mantelgestein Peridotit hervorgeht. Serpentinit ist aufgrund seiner glatten Oberfläche auch als „Schmeichelstein“ bekannt. Ich habe an der Südküste Kretas während einer Kartierung Serpentinite gefunden, die entlang einer Störungsfläche geradezu aus dem Erdinneren herausgequetscht wurden.
Pyroklastischer Strom am Semeru legt 4-km-Gleitstrecke zurück – Vulkanasche in 4600 m Höhe
Der Vulkan Semeru auf der indonesischen Insel Java zeigte am 18. und 19. April 2026 weiterhin erhöhte Aktivität, die sich insbesondere durch wiederholte explosive Eruptionen und die Bildung eines pyroklastischen Stroms auszeichnete. Diese heißen, schnell fließenden Gemische aus Gas, Asche und Gesteinsfragmenten stellen eine der größten Vulkangefahren dar, da sie sich mit hoher Geschwindigkeit hangabwärts bewegen und große Distanzen zurücklegen können. In diesem Fall legte der pyroklastische Dichtestrom eine Gleitstrecke von 4 Kilometern zurück, wie das indonesische PVMGB berichtet.
Semeru
Am Sonntagmorgen, dem 19. April, ereignete sich um 7:06 Uhr WIB ein Ausbruch, der sich von den vorangegangenen unterschied. Dabei wurde eine dichte Aschesäule etwa 1.000 Meter über den Gipfel hinaus in die Atmosphäre geschleudert. Besonders bemerkenswert war die Bildung eines pyroklastischen Stroms, der sich bis zu vier Kilometer vom Krater entfernte. Die Eruption erzeugte auf dem Seismogramm eine Amplitude von 22 mm und von rund viereinhalb Minuten Dauer. Die Aschewolke driftete nach Südwesten und erreichte eine Höhe von 4600 m.
Weitere Eruptionen folgten im Verlauf des Vormittags, unter anderem um 7:33 Uhr und 10:15 Uhr. Aufgrund dichter Bewölkung blieben diese visuell unsichtbar, konnten aber eindeutig durch seismische Signale nachgewiesen werden. Diese kontinuierliche Aktivität bestätigt den instabilen Zustand des Vulkans, dessen Alarmstufe auf „3“ steht.
Bereits am Samstag zeigte sich der Semeru von seiner aktiven Seite. Die Messdaten zeugen von 59 explosiven Eruptionen, die von zahlreichen Entgasungen begleitet wurden, die seismische Signale erzeugten. Zudem gab es harmonischen Tremor und tektonische Fernbeben. Diese Vielzahl an seismischen Ereignissen weist auf einen anhaltenden Magmenaufstieg und Druckaufbau im Inneren des Vulkans hin.
Die Gefährdung durch pyroklastische Ströme bleibt besonders hoch entlang der Flusstäler, die vom Gipfel ausgehen. Das Gebiet des Besuk Kobokan ist besonders gefährdet, da dort Dichteströme Reichweiten von bis zu 17 Kilometern erreichen können. Entsprechend wurden Sperrzonen eingerichtet: Innerhalb von 13 Kilometern im südöstlichen Sektor sind Aktivitäten untersagt, ebenso im Umkreis von fünf Kilometern um den Krater.
Erhöhte Seismizität auf Island – Schwarmbeben an der Tjörnes-Fracture-Zone
Seit einigen Tagen zeigt die IMO-Shakemap eine zunehmende seismische Aktivität in mehreren Regionen Islands an. Insgesamt ereigneten sich innerhalb von zwei Tagen rund 230 automatisch detektierte Erdbeben. Besonders auffällig ist ein Schwarmbeben an der TFZ (Tjörnes-Fracture-Zone) vor der Nordküste der Insel. Aber auch an einigen Zentralvulkanen wie Bárðarbunga und Katla werden Erdbeben registriert. Die Mehrzahl der Beben wurde allerdings noch nicht von einem Seismologen überprüft und bestätigt. Auf Reykjanes hält die Bodenhebung weiter an, während die Seismizität insbesondere bei Svartsengi gering ist.
Bodenhebung
Im Bodenhebungsgebiet von Svartsengi treten weiterhin nur wenige Erdbeben auf, wobei ein schwaches Mikrobeben hervorzuheben ist, das sich am Freitagabend unter Grindavík ereignete. Obwohl die Seismizität dort gering ist und man fast von einer seismischen Lücke sprechen kann – da in benachbarten Systemen durchaus Aktivität herrscht –, setzt sich die Bodenhebung fort. Entgegen den GNSS-Messungen vom März scheint sie sich im Vergleich zum Jahresanfang nicht signifikant verlangsamt zu haben. Entweder waren die Messungen ungenau, oder die Bodenhebung hat sich im April wieder auf frühere Werte beschleunigt. Da in der vergangenen Woche gemeldet wurde, dass sich seit Ende der letzten Eruption im August 2025 bereits 25 Millionen Kubikmeter Magma akkumuliert haben, ist eher davon auszugehen, dass die Messwerte fehlerhaft waren und der Magmaaufstieg kontinuierlich anhielt. Dies bestätigt die Einschätzung der IMO-Forscher, dass es weiterhin jederzeit zu einem neuen Vulkanausbruch entlang der Sundhnúkur-Spalte kommen kann. Seismizität
Neben Svartsengi befinden sich auch die beiden Zentralvulkane Katla und Bárðarbunga in einem langsamen, aber stetigen Aufladungsprozess, der sich in erhöhter Seismizität widerspiegelt. Die Deformationsdaten sind hier zwar weniger eindeutig als bei Svartsengi, was jedoch daran liegen könnte, dass die Messung der Bodenverformung bei diesen subglazialen Vulkanen deutlich schwieriger ist.
Im Westen Islands wurden im Bereich von Grjótárvatn ebenfalls einige schwache Erdbeben in Tiefen von mehr als 15 Kilometern registriert. Auch hier wird ein magmatischer Zusammenhang vermutet. Innerhalb von 48 Stunden wurden 15 Erschütterungen detektiert.
Die meisten Beben – insgesamt 137 – traten jedoch an der eingangs erwähnten Tjörnes-Fracture-Zone auf. Diese seismische Zone befindet sich dort, wo die Hauptstörungszonen Islands mit dem Mittelatlantischen Rücken verschmelzen. Neben starken tektonischen Prozessen spielt hier auch Magmatismus eine Rolle, insbesondere in der Nähe der Insel Grímsey, wo sich ein submarines Vulkanfeld befindet.
Weiterer Lavastrom aus dem Krater des Stromboli – hohe Thermalstrahlung detektiert
Am liparischen Inselvulkan Stromboli, der nördlich von Sizilien im Tyrrhenischen Meer liegt und neben dem Ätna der aktivste Vulkan Europas ist, fließt seit gestern Abend um 22:00 UTC erneut ein Lavastrom aus dem N2-Schlot. Dieser liegt an der basalen Außenseite des Kraters, sodass die Lava direkt über die Sciara del Fuoco abfließen kann. Im oberen Bereich der „Feuerrutsche“ bewegt sich der Lavastrom in einer Schlucht, weshalb er am besten von der Meerseite aus zu beobachten ist.
In sozialen Medien geteilte Drohnenaufnahmen – die ich hier leider nicht einbinden kann – zeigen, dass die Lavafront bereits gut ein Drittel der Berghöhe zurückgelegt hat. Zudem gehen glühende Steinschläge ab, die bis ins Meer reichen. Mehrere Schlote im nördlichen Kratersektor erzeugten nachts gut sichtbare strombolianische Eruptionen. Neben diesen Aufnahmen belegen auch MODIS-Satellitendaten, dass die Aktivität intensiver zu sein scheint als bei den letzten Lavaüberläufen: Während üblicherweise nur moderate Wärmeanomalien detektiert werden, sind die aktuellen Werte hoch. Die Lava emittiert derzeit eine Wärmestrahlung von etwa 109 MW.
Laut den Infraschalldaten des LGS traten vor dem Lavaüberlauf einige vergleichsweise starke Explosionen auf, die einen Infraschalldruck von bis zu 2,1 bar erzeugten. Als normal gelten Werte unter 1 bar. Mit dem Einsetzen des Lavastroms nahm die Explosionsstärke wieder ab, wobei es noch eine Explosion gab, die einen akustischen Druck von 1,3 bar erreichte.
Ein Tremorpeak blieb ebenso aus wie ungewöhnliche Bodendeformationen, sodass keine eindeutigen geophysikalischen Anzeichen für eine stärkere Eskalation der Lage vorliegen – was allerdings nicht ausschließt, dass es dennoch dazu kommen könnte. Die schlechte Vorhersagbarkeit größerer Ereignisse am Stromboli ist ein generelles Problem. Häufig zeigt sich ein größerer aufsteigender Magmakörper bzw. eine Gasblase erst wenige Minuten vor einer Eskalation am Krater, etwa durch eine Versteilung der Vulkanflanke. Oft – aber nicht immer – gehen solchen Ereignissen mehrtägige Phasen kontinuierlichen Lavaspatterings voraus.
Mehrere explosive Eruptionen am Sakurajima – Vulkanasche in 3700 m Höhe
Am Sakurajima kam es in den Abendstunden des 18. Aprils und in der Nacht zum 19. April (Ortszeit) zu mindestens 3 explosiven Ascheeruptionen aus dem Gipfelkrater Minamidake. Es wurden VONA-Warnungen ausgelöst, die den Flugverkehr vor Aschewolken warnten, die bis auf eine Höhe von 4700 m (Flight-Level 120) aufgestiegen sind und in Richtung Westen drifteten. Die Aschewolken wurden mit Hilfe des HIMAWARI-9-Satelliten detektiert, waren aber auch per Livecam zu beobachten gewesen.
Die Aufnahmen der stärksten Eruption um 23:30 Uhr Ortszeit zeigen, wie Gasschwaden und Wolken über dem Krater zu Beginn der Eruption rot aufleuchteten. Sekunden später schoss glühende Tephra in die Luft und landete auf der äußeren Vulkanflanke. Größere Bomben wurden bis in eine Entfernung von etwa 700 Metern über den Krater hinaus geschleudert. Die Aschewolke stieg vergleichsweise langsam auf und ohne dass es zu einem vulkanischen Gewitter gekommen wäre.
Laut einer JMA-Notiz stieg bei dieser Eruption Vulkanasche bis zu 2300 Meter über den Kraterrand auf. Die Asche wurde in Richtung der Stadt Kagoshima geweht. Für die betroffenen Gebiete wurde innerhalb kurzer Zeit mäßig starker Aschefall prognostiziert. Dieser kann die Sicht deutlich einschränken und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Behörden riefen dazu auf, Schutzmaßnahmen wie Masken und Regenschirme zu nutzen sowie im Straßenverkehr vorsichtig zu sein.
Nur wenig später, am 19. April um 01:12 Uhr Ortszeit, folgte eine weitere Explosion. Dabei erreichte die Aschewolke etwa 1000 Meter Höhe über dem Krater, was rund 6800 Fuß über dem Meeresspiegel entspricht. Die Eruptionswolke driftete erneut in westliche Richtung. Das Aschevolumen wurde als mittelgroß eingestuft.
Begleitend wurden auch ballistische Auswürfe beobachtet: große vulkanische Gesteinsbrocken landeten in ca. 500 m Entfernung zum Gipfelkrater. Zudem registrierten Instrumente wie der Seto-Infrarot-Sensor erhöhte Werte, was auf aktive magmatische Prozesse hinweist.
Laut aktuellen Statusberichten bleibt die Eruptionswarnstufe 3 bestehen, was Zugangsbeschränkungen rund um den Vulkan bedeutet. Messungen zeigen eine weiterhin hohe Freisetzung von Schwefeldioxid sowie eine langsame Ausdehnung der Aira-Caldera, ein Hinweis auf Magmaansammlungen in der Tiefe.
Neben Ascheregen besteht weiterhin Gefahr durch größere Gesteinsbrocken und möglicherweise auch pyroklastische Ströme. In windabgewandten Gebieten können zudem kleinere Partikel mehrere Kilometer weit transportiert werden. Auch Druckwellen infolge von Explosionen stellen ein Risiko dar, da sie Schäden wie zerbrochene Fensterscheiben verursachen können. Die Behörden fordern die Bevölkerung daher auf, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen und Schutzmaßnahmen konsequent einzuhalten.
Starkes Erdbeben bei den neuseeländischen Kermadec-Inseln – 2 mittelstarke Begleitbeben
Datum: 18.04.2026 | Zeit: 10:47:54 UTC | Koordinaten: -32.088 ; -178.063 | Tiefe: 10 km | Mw 5,9
Am 18. April 2026 ereignete sich um 10:47:54 UTC ein Erdbeben der Magnitude 5,9 südlich der zu Neuseeland gehörenden Kermadec-Inseln im Pazifik. Das Hypozentrum lag in nur etwa 10 km Tiefe, was auf ein relativ flaches Beben hinweist. Flache Erdbeben können grundsätzlich stärkere Bodenbewegungen verursachen, allerdings relativiert sich dies hier durch die große Entfernung zu bewohnten Gebieten. Die nächstgelegenen Orte auf der Nordinsel Neuseelands – Tauranga (ca. 815 km süd-südwestlich) und Hicks Bay (ca. 697 km süd-südwestlich) – liegen weit außerhalb eines Bereichs, in dem mit nennenswerten Schäden zu rechnen wäre. Das Beben dürfte dort höchstens schwach oder gar nicht gespürt worden sein.
Der Erdstoß trat nicht alleine auf, sondern wurde von 2 etwas schwächeren Beben begleitet, die sich sowohl vor als auch nach dem stärkeren Beben ereigneten.
Tektonisch liegt das Ereignis in einer der aktivsten Subduktionszonen der Erde: der Kermadec-Tonga-Subduktionszone. Hier taucht die Pazifische Platte unter die Australische Platte ab. Diese Plattengrenze setzt sich nach Süden in die Hikurangi-Subduktionszone fort, die direkt vor der Ostküste der neuseeländischen Nordinsel verläuft. Das aktuelle Beben steht somit im direkten geodynamischen Zusammenhang mit den Prozessen, die auch für die Seismizität Neuseelands verantwortlich sind.
Die geringe Herdtiefe und die Lage nahe der Plattengrenze sprechen für ein typisches Subduktionsbeben, vermutlich ausgelöst durch Spannungsfreisetzung entlang der Kontaktfläche der beiden Platten oder im oberen Bereich der subduzierten Pazifikplatte. Die Region südlich der Kermadec-Inseln ist bekannt für häufige moderate bis starke Erdbeben sowie gelegentliche sehr starke Ereignisse mit Magnituden über 7.
Doch auch weiter südlich, an der Nordküste Neuseelands und der Bay of Plenty manifestierten sich drei schwache Beben mit Magnituden im Dreierbereich, die zumindest theoretisch im spürbaren Bereich lagen. Sie nahmen aber keinen Einfluss auf den Inselvulkan White Island, der zuletzt vor 2 Wochen mit Ascheemissionen die Aufmerksamkeit neuseeländischer Geowissenschaftler auf sich zog. Trotz der Ruhe der letzten Tage steht die Alarmstufe auf „2“.
Neue Studie liefert Hinweise auf stärkeren tektonischen Einfluss bei der Magmaentstehung unter Yellowstone und relativiert die reine Mantelplume-Theorie
Über Jahrzehnte hinweg wurde angenommen, dass die Yellowstone-Caldera von einem Mantelplume gespeist wird, der die magmatischen Prozesse und Eruptionen steuert. In den letzten Jahren mehren sich jedoch die Hinweise, dass ein Mantelplume allein die komplexen vulkanischen Vorgänge unter Yellowstone nicht ausreichend erklären kann und ein weiterer Steuerungsmechanismus berücksichtigt werden muss.
Eine im April 2026 veröffentlichte Studie hat das magmatische System unter dem Yellowstone-Vulkan detailliert untersucht und das bisherige Verständnis der vulkanischen Architektur im tieferen Untergrund deutlich erweitert.
Zentrale Probleme der klassischen Mantelplume-Theorie bestehen darin, dass sie weder das überwiegend geförderte rhyolithische Magma noch die Struktur der unter dem Vulkan nachgewiesenen Magmazonen schlüssig erklärt. Auch die gekrümmte Spur der Vorläufercalderen und der großflächige Vulkanismus der Snake-River-Plain stehen im Widerspruch zu einem einfachen, senkrecht aufsteigenden Mantelplume.
Frühere Arbeiten gingen davon aus, dass subduzierte Krustensegmente der alten Farallon-Platte den Mantelplume beeinflussen, indem sie den Magmenaufstieg umlenken und auffächern. Neuere Studien zeigen jedoch, dass auch dieses Modell die beobachteten Phänomene nicht vollständig erklären kann.
Die neue Untersuchung wurde von einem internationalen Forschungsteam unter der Leitung von Zebin Cao durchgeführt. Dabei wurden verschiedene geophysikalische Methoden kombiniert und hochauflösende Datensätze aus seismischen Netzwerken sowie geodynamischen Simulationen gemeinsam ausgewertet.
Im Zentrum der Methodik steht die seismische Tomographie, die sich in den letzten Jahren als eine der wichtigsten Methoden zur Untersuchung des tiefen Untergrunds etabliert hat. Mithilfe von Erdbebenwellen werden Unterschiede in Temperatur und Dichte im Erdinneren sichtbar gemacht, wodurch sich u.a. Magmareservoire identifizieren lassen.
Diese Daten wurden mit geodynamischen 3D-Simulationen kombiniert, die Mantelströmungen, Schmelzbildung und die mechanische Reaktion der Lithosphäre modellieren. Ergänzend wurden Daten zur Krustenverformung sowie magnetotellurische Messungen einbezogen, die Hinweise auf geschmolzene oder teilweise geschmolzene Zonen liefern. Durch die Kombination dieser Ansätze konnte erstmals ein räumlich zusammenhängendes Modell des Magmasystems unter Yellowstone erstellt werden.
Magmatisches System unter Yellowstone
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Rekonstruktion eines schräg verlaufenden, translithosphärischen Magmafördersystems, das sich über mehr als 150 Kilometer durch die Erdkruste und den oberen Mantel erstreckt. Im Gegensatz zum klassischen Modell eines vertikal aufsteigenden Mantelplumes zeigt sich ein System, dessen Aufstieg stark durch die Deformation der Nordamerikanischen Platte beeinflusst wird und das in Tiefen von etwa 80 bis 100 Kilometern mit Magma gespeist wird.
Das Magma entsteht dabei überwiegend durch partielles Schmelzen von Gestein in der Asthenosphäre. Der Mantelplume fungiert in diesem Modell vor allem als Wärmequelle und besteht nicht aus Schmelze, sondern aus plastischem Gestein, das den Wärmetransport aus dem tieferen Erdmantel ermöglicht.
Unterhalb der Erdkruste bildet sich eine ausgedehnte Schmelzzone, deren Ausrichtung vermutlich auch durch die Dynamik der bereits vor Millionen Jahren subduzierten Farallon-Platte beeinflusst wird, die vor den Rocky Mountains im Erdmantel verschwindet. Da sich die Yellowstone-Caldera am Rand der Basin-and-Range-Provinz befindet, kommt es dort trotz der Orogenese der Rocky Mountains zu einer Dehnung der Erdkruste. In der Folge entstehen Brüche und Scherzonen, die als Aufstiegswege für das Magma dienen.
Was ist die Farallon-Platte?
Die Farallon-Platte war eine große ozeanische Platte im Pazifik, die seit dem Jura (vor über 150 Millionen Jahren) unter die Nordamerikanische Platte subduzierte. Über lange Zeit erzeugte diese Subduktion einen ausgedehnten Vulkangürtel entlang der Westküste Nordamerikas.
Im späten Mesozoikum und frühen Känozoikum änderte sich der Subduktionswinkel: Die Platte tauchte teilweise sehr flach ab. Dadurch verlagerte sich die tektonische Aktivität weit ins Landesinnere, während der Vulkanismus an der Küste zeitweise nachließ. Gleichzeitig wurde die Erdkruste im Westen der USA stark verformt.
Ab etwa 30 Millionen Jahren vor heute begann die Farallon-Platte zu zerbrechen und wurde nach und nach vollständig vom Erdmantel „verschluckt“. Übrig blieben kleinere Platten wie die Juan-de-Fuca-Platte.
Durch das Zerreißen der Farallon-Platte im Erdinneren entstanden Lücken („Slab Windows“), durch die heißes Mantelmaterial leichter aufsteigen konnte, während sich die Kruste im Westen zunehmend dehnte.
Diese tiefgreifenden Veränderungen im Untergrund beeinflussten die Tektonik und begünstigten den Magmatismus im Inneren des Kontinents – darunter die Orogenese der Rocky Montanis und den Yellowstone-Hotspot, der sich vor etwa 16 Millionen Jahren entwickelte.
Unter der Caldera identifiziert die Studie zwei miteinander verbundene Magmareservoire: ein tieferes, basaltisches, überwiegend kristallines „Mush“-Reservoir sowie ein flacheres, stärker schmelzreiches rhyolithisches System, das die hydrothermalen Prozesse des Yellowstones maßgeblich steuert.
Diese Ergebnisse verändern die Interpretation der vulkanischen Dynamik des Systems, ohne die Existenz tiefer Mantelprozesse grundsätzlich infrage zu stellen. Der klassische Mantelplume wird in seiner Rolle relativiert, während die Plattentektonik als aktiver Steuerungsmechanismus stärker in den Vordergrund rückt. Sie beeinflusst maßgeblich die Verteilung und den Transport der Schmelzen.
Das Yellowstone-System erscheint damit weniger als punktueller Hotspot, sondern eher als großräumig deformiertes Schmelz- und Transportsystem.
Für die Bewertung zukünftiger Eruptionen ergeben sich daraus keine Hinweise auf eine kurzfristig erhöhte Gefährdung. Zwar bestätigen die Daten das Vorhandensein großer Mengen teilweise geschmolzenen Materials, dieses liegt jedoch überwiegend in einem kristallreichen und hochviskosen Zustand vor, was meiner Meinung nach allerdings auch die Explosivität erhöht.
Solche „Mush“-Systeme erschweren die schnelle Akkumulation großer, eruptiv verfügbarer Magmamengen. Zudem deutet die komplexe, verzweigte Struktur darauf hin, dass sich Druck im System eher verteilt als lokal konzentriert aufbaut. Es gibt daher weiterhin keine Anzeichen für eine bevorstehende Supereruption.
Quelle der Studie: Cao, Z., et al. (2026).
Tectonic origin of Yellowstone’s translithospheric magma plumbing system.
Science. https://doi.org/10.1126/science.ady2027
Serie von mehr als 20 Tornados richtet Zerstörungen im Mittleren Westen der USA an
Ein massiver Tornadoausbruch hat den Mittleren Westen der USA erschüttert und in mehreren Bundesstaaten eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Besonders betroffen waren die Bundesstaaten Missouri, Illinois, Wisconsin und Minnesota, wo mehr als 20 bestätigte Tornados gleichzeitig oder kurz nacheinander auftraten. Innerhalb eines rund 1.600 Kilometer langen Korridors waren mehr als 50 Millionen Menschen von schweren Unwettern bedroht. Die Wirbelstürme entwurzelten nicht nur Bäume, sondern rissen Stromleitungen nieder und beschädigten Wohnhäuser, Schulen und öffentliche Gebäude stark. Obwohl die Schadensaufnahme nicht abgeschlossen ist, steht fest, dass alleine in Wisconsin und Kansas mindestens 175 Gebäude beschädigt oder zerstört wurden. Die Schäden gehen in die Millionen.
Tornado
Augenzeugen berichteten von dramatischen Szenen, als sie in den Wirkungskreis der rotierenden Wolkentrichter gerieten, die sich vom Himmel bis zum Boden erstreckten und nicht nur von starken Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h begleitet wurden, sondern auch von peitschendem Regen und Hagel. In Orten wie Lena in Illinois oder Ringle in Wisconsin wurden ganze Straßenzüge verwüstet. Bilder zeigen abgedeckte Dächer, abgerissene Fassaden und zerstörte Fahrzeuge, die sogar durch die Luft geschleudert wurden. Trotz der schweren Schäden blieb die Zahl der Verletzten vergleichsweise gering – ein Umstand, der auch funktionierenden Warnsystemen und schnellem Handeln der Bevölkerung zugeschrieben wird. Schutzkeller zählen zum Standard vieler Gebäude in der Tornado-Risikozone des Mittleren Westens.
Neben den Tornados brachten die Unwetter Starkregen mit sich, was besonders in den nördlichen Gebieten der betroffenen Region zu Überflutungen führte.
Tornados gehören zu den heftigsten Wetterphänomenen der Erde. Sie entstehen meist aus sogenannten Superzellen-Gewittern, einer besonders langlebigen Gewitterform, die sich durch rotierende Wolkenformationen auszeichnet. Entscheidend für ihre Bildung ist das Zusammentreffen verschiedener Luftmassen: Feuchtwarme Luftmassen aus dem Golf von Mexiko treffen auf kühlere und trockene Luft aus dem Norden oder Westen. Gleichzeitig sorgt starke Windscherung dafür, dass die Luft zu rotieren beginnt. Wird diese Rotation durch aufsteigende Luft weiter verstärkt, kann sich ein Tornado bilden, der schließlich den Boden erreicht.
Der Mittlere Westen ist besonders anfällig für solche Extremwetterlagen. Hier liegt die sogenannte „Tornado Alley“, ein Gebiet, in dem die geografischen und klimatischen Bedingungen ideal für die Entstehung von Tornados sind. Weite, flache Landschaften bieten kaum natürliche Barrieren, sodass sich Luftmassen ungehindert bewegen und aufeinandertreffen können. Hinzu kommen jahreszeitliche Übergänge, wie im Frühling, wenn Temperaturgegensätze besonders stark ausgeprägt sind. Allerdings liegt die aktuell betroffene Region mehr am Rand der „Tornado Alley“, was das Auftreten dieser extremen Tornadoserie umso bemerkenswerter macht.
Anak Krakatau mit kleiner Ascheemission – erstes Lebenszeichen seit Monaten
Der indonesische Vulkan Krakatau gilt als das Sinnbild des Verderbens, das eine Vulkankatastrophe über die Menschen bringen kann: Im Jahr 1883 zerstörte sich der Inselvulkan in der Sundastraße in einer gigantischen Eruption selbst, die einen Tsunami auslöste, infolge dessen mindestens 36.000 Menschen starben – eine Katastrophe, die bei der heutigen dichten Besiedelung der indonesischen Küsten ein Vielfaches an Opfern fordern würde.
Anak Krakatau
Doch von einer neuerlichen Katastrophe ist der Nachfolger des Krakatau – Anak Krakatau – weit entfernt, obgleich auch er sich im Jahr 2018 beinahe selbst zerstört hätte. In den letzten Monaten zeigte er kaum Aktivität. Am Abend des 17. April 2026 emittierte er aber um 19:51 UTC eine kleine Aschewolke, die beim VAAC Darwin eine VONA-Warnung auslöste.
Demnach erreichte die Asche eine Höhe von ca. 300 m (Flughöhe 010) und driftete mit einer Geschwindigkeit von etwa 9 km/h in Richtung West-Nordwesten. Die Eruption selbst erfolgte bereits um 14:06 UTC. Wodurch die Verzögerung zwischen Eruption und Veröffentlichung der VONA-Warnung entstand, ist nicht bekannt. Möglicherweise wurde die Eruption nicht auf Satellitenbildern entdeckt, sondern von Beobachtern am Boden gemeldet, die etwas Zeit benötigten, um die Information weiterzugeben.
Anak Krakatau wird kontinuierlich instrumentell überwacht. Die Auswertung der seismischen Daten der letzten Tage zeigt, dass es am 15. April zwei Hybriderdbeben gab, die wahrscheinlich durch sich bewegende Fluide ausgelöst wurden. Darüber hinaus wird ein kontinuierlicher schwacher Tremor registriert, den die indonesischen Vulkanologen als „Tremor Menerus“ bezeichnen. Er zeichnet sich durch sehr geringe Amplituden und niedrige Frequenzen aus und wird nahezu täglich aufgezeichnet. Dieser Tremor weist nicht direkt auf eruptive Aktivität hin, zeigt jedoch, dass sich kontinuierlich Fluide im Untergrund des Anak Krakatau bewegen. Die geophysikalischen Daten liefern aktuell keine Hinweise auf eine bevorstehende stärkere Eruptionsphase.