Lavaüberlauf am Stromboli-Nordschlot – explosiv Aktivität hält an
Auf den Liparischen Inseln kommt es am Inselvulkan Stromboli heute Abend zu einem erneuten Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kratersektor. Livecam-Aufnahmen des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) dokumentieren die effusive Aktivität. Gleichzeitig ist ein weiterer Schlot explosiv aktiv und schleudert glühende Lava aus. Auch die Messdaten des Vulkanobservatoriums LGS-Florenz dokumentieren seit gestern eine erhöhte explosive Aktivität.
Im aktuellen LGS-Bulletin vom 11. Oktober wird die vulkanische Aktivität insgesamt als mittelstark eingestuft. Allerdings zeigen einzelne Messparameter deutlich erhöhte Werte. Besonders auffällig ist die akustische Druckstärke der Explosionen: Sie erreichte Maximalwerte von 3,12 bar und lag damit weit über dem üblichen Referenzbereich von weniger als einem Bar. Auch die Infraschall-Aktivität und das sogenannte Puffing, das mit stoßweisem Gasausstoß und Spattering verbunden ist, waren erhöht. Die Druckamplitude des Puffings betrug 55,1 Millibar. Einige wichtige Messdaten, etwa die zu den thermischen Durchgängen, fehlen, was zur Einstufung einer nur mittelstarken Aktivität beigetragen haben kann.
Bereits gestern wurde eine hohe Steinschlagaktivität festgestellt, die zum einen von der erhöhten Explosivität herrühren kann, zum anderen auch immer dann erhöht ist, wenn Lava auf der Sciara del Fuoco fließt oder es besondere Instabilität am Kraterrand gibt, wodurch Lavabrocken aus der Kraterwand brechen. Die Überwachungsstationen registrierten innerhalb von 24 Stunden insgesamt 29 Felsstürze. Die meisten davon waren allerdings mit geringen geschätzten Volumina verbunden.
Der seismische Tremor bewegte sich gestern im mittleren Bereich und ist aktuell eher niedrig, was nicht so ganz zu der steigenden Aktivität passt. Die Schwefeldioxid-Emissionen lagen bei etwa 80 Tonnen pro Tag, während der Kohlendioxidfluss mit 1.215 Tonnen täglich als mittel eingestuft wurde. Auffällige thermische Anomalien wurden von den Satellitenmessungen nicht festgestellt. Die Neigungsmesser registrierten außerdem keine signifikanten Verformungen des Vulkangebäudes.
Die aktuelle Situation zeigt, dass am Stromboli effusive und explosive Prozesse gleichzeitig ablaufen. Während Lava aus dem nördlichen Kraterbereich überläuft, bleibt die Aktivität an anderen Schloten explosiv. Die besonders hohen Explosionsdrücke und die zahlreichen Steinschläge unterstreichen die Dynamik des Geschehens. Trotz der insgesamt mittleren Einstufung durch das LGS ist daher weiterhin Vorsicht im Gipfelbereich geboten. Darüber hinaus ist das Besteigungsverbot weiterhin in Kraft und Stromboli darf nur mit Führer bis auf Quota 400 bestiegen werden.









