Fluktuierende Ätna-Eruption rückt verändertes Fördersystem in den Fokus der Forscher
Die Aktivität am Ätna bleibt auch am 18. August ausgesprochen wechselhaft. Während der Lavastrom aus der Öffnung auf rund 1900 Metern Höhe weiter gespeist wird und inzwischen bis auf etwa 1330 Meter im Bereich Rocca Capra in der Valle del Bove vorgedrungen ist, öffnete sich am frühen Morgen auf etwa 3100 Metern eine weitere Eruptionsöffnung. Der daraus gespeiste Lavastrom war wegen dichter Bewölkung zunächst nicht einsehbar, kann inzwischen auf Wärmebildkameras aber visualisiert werden. Gleichzeitig ist die explosive Aktivität am Krater Voragine seit Mitternacht erloschen und es werden nur noch schwache Emissionen beobachtet. Der Flughafen Catania hat seinen Betrieb inzwischen wieder uneingeschränkt aufgenommen.

Der abrupte Wechsel hatte sich bereits am Vorabend angekündigt. Nach zunächst hohem Tremor fiel dessen Amplitude gegen 23:30 UTC innerhalb kurzer Zeit in den niedrigen Bereich zurück. Seitdem bewegt er sich mit stark fluktuierenden Amplituden im gelben Bereich und erzeugt dabei ein Muster, wie es häufig in den Ruhephasen zwischen 2 Paroxysmen auftaucht. Parallel dazu brach auch die Infraschallaktivität nahezu vollständig ein. Die Tremorquellen liegen weiterhin im Bereich der Voragine, inzwischen zwischen 1900 und 2500 Metern Höhe. Das GNSS-Netz zeigt keine signifikanten Veränderungen. Das Klinometer am Cratere del Piano registrierte nach vorherigen Schwankungen eine kumulative Änderung von etwa einem Mikroradiant, ausgelöst durch Deflation. Seit etwa 23:50 UTC zeichnet sich dort allerdings eine Trendwende ab.
Vulkantourist im Sperrgebiet tödlich vom Blitz getroffen
Wie unberechenbar die Situation am Berg derzeit ist, zeigte sich auch am Sonntag. Ein 29-jähriger US-Tourist aus Kansas wurde im Bereich Rocca Capra von einem Blitz getroffen und starb später im Krankenhaus. Der Mann war in einem von offizieller Stelle gesperrten Bereich unterwegs. Die Behörden hatten wegen der anhaltenden vulkanischen Aktivität Teile des Ätna gesperrt. Ob es sich bei dem Blitz um ein meteorologisches Phänomen handelte oder um einen vom Vulkan erzeugten Vulkanblitz, wurde nicht kommuniziert. Generell ist im Alpin mit Gewittern nicht zu spaßen.
Änderung der internen Dynamik des Fördersystems
Vulkanologisch besonders interessant ist die Rolle der Voragine. Bereits früher hatte ich die Vermutung geäußert, dass bei den Eruptionen der letzten Wochen das Magma nicht nur aus dem flachen Magmenkörper unterhalb des Gipfels stammen kann, da es dünnflüssiger und heißer zu sein scheint als bei vorherigen Eruptionen. Der Vulkanologe Marco Viccaro wies nun gegenüber italienischen Medien darauf hin, dass die Reaktivierung der Voragine mit tiefgreifenden Veränderungen im Magmafördersystem des Ätna verbunden ist und Forscher an Studien hierzu arbeiten. Die Voragine ist nicht lediglich einer der vier Gipfelkrater, sondern steht mit dem tiefreichenden zentralen Versorgungssystem des Vulkans in Verbindung. Untersuchungen zeigen, dass sich nach ihrer Reaktivierung die Dynamik des Magmatransports verändern kann – einschließlich der Geschwindigkeit, mit der Magma durch die oberen Bereiche des Systems aufsteigt.
Damit könnte die seit 2024 beobachtete Dominanz der Voragine auf eine längerfristige Veränderung der internen Dynamik des Vulkans hinweisen. Zu diesem Kontext passt auch das Erdbeben M 3,9 an der Pernicana-Störung, dass den Norden des Ätna am 15. August erschütterte.
Die jüngste Aktivität mit gleichzeitigem Lavaausfluss an der oberen Ostflanke, wechselnder Aktivität aus Voragine und dem Nordostkrater und abrupten Änderungen von Tremor und Infraschall passt zu einem komplexen, sich neu organisierenden Fördersystem. Die aktuelle Beruhigung der Voragine bedeutet daher nicht zwangsläufig eine nachhaltige Entspannung des Vulkans. Möglicherweise wird uns der Ausbruch noch länger beschäftigen.










