Lewotolok: Explosive Tätigkeit weiterhin auf hohem Niveau

Zahlreiche explosive Eruptionen am Lewotolok-Vulkan in 1800 m Höhe

Am Ili Lewotolok auf der indonesischen Insel Lembata bewegte sich die explosive Eruption auch am 16. September weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Das Vulkanobservatorium registrierte innerhalb von 24 Stunden 216 Eruptionen, deren seismische Amplituden zwischen 11,1 und 40 mm lagen und die 23 bis 127 Sekunden dauerten. Hinzu kamen 178 Entgasungsereignisse, 16 nichtharmonische Tremorphasen sowie einzelne vulkanische und hybride Erdbeben.



Lewotolok

Die Eruptionen folgen relativ schnell aufeinander und pro Stunde ereignen sich zwischen 9 und 10 Eruptionen. Doch nicht jede Eruption erzeugt Aschewolken, die deutlich sichtbar aufsteigen. Die stärkeren Explosionen generieren Aschewolken, die mehrere hundert Meter über Kraterhöhe aufsteigen und auch glühende Tephra auf ballistischen Flugbahnen auswerfen, die auf nächtlichen Langzeitbelichtungen die typischen roten Leuchtspuren strombolianischer Eruptionen hinterlassen.

Im Tagesupdate des VSI wurden 5 Aschewolken erzeugende Eruptionen besonders hervorgehoben: Um 08:19 Uhr Ortszeit stieg eine graue Aschewolke etwa 200 m über den Gipfel auf. Um 13:14 Uhr erreichte die Eruptionssäule bereits 500 m über dem Krater, entsprechend etwa 1.923 m über dem Meeresspiegel. Die Asche wurde dabei mit mittlerer bis starker Intensität nach Westen verfrachtet. Weitere Eruptionen um 16:31, 19:04 und 22:59 Uhr erzeugten Säulen von etwa 300, 200 beziehungsweise 100 m Höhe.

Das VAAC Darwin veröffentlichte eine VONA-Warnung über Vulkanasche, die bis FL060 (gut 1.800 m) über dem Meeresspiegel aufgestiegen war. Die Asche wurde mit einer Geschwindigkeit von 18 km/h nach Nordwesten verfrachtet. Auf aktuellen Satellitenbildern war die Wolke allerdings wegen dichter Bewölkung nicht eindeutig zu erkennen. Höhe und Ausbreitung wurden deshalb zusätzlich anhand von Bodenbeobachtungen und Modellberechnungen abgeschätzt.

Die Aktivität konzentrierte sich damit weiterhin auf häufige, überwiegend kurz andauernde Explosionen mit vergleichsweise niedrigen Aschesäulen. Das Observatorium warnt zudem vor möglichen Lavaabbrüchen und pyroklastischen Strömen, insbesondere an den Süd- und Südosthängen sowie im Westen und Nordosten.

Für den Gipfelbereich gelten weiterhin Sperrzonen von 2 km um den Krater sowie 3 km in den Sektoren Süd und Südost.

Campi Flegrei: Kohlendioxidausstoß hat im September zugenommen

Kohlendioxidausstoß der Campi Flegrei hat im September leicht zugenommen – Bodenhebung konstant

Trotz der momentan eher geringen Erdbebentätigkeit kann in der süditalienischen Caldera nicht von einer nachhaltigen Entspannung der Situation ausgegangen werden, da mehrere geophysikalische und geochemische Parameter unverändert von einer weiteren Druck- und Temperaturbeaufschlagung des von magmatischen Prozessen gesteuerten Hydrothermalsystems zeugen. Von besonderer Bedeutung ist eine erneute Zunahme der Kohlendioxid-Emissionen.



Campi Flegrei. © INGV

Im gestern erschienenen INGV-Wochenbericht zum Status des Vulkans wurden die Beobachtungsdaten für den Zeitraum 7. bis 13. September dargelegt. In dieser Periode wurden 31 schwache Erdbeben detektiert, von denen 17 positive Magnituden hatten. In der aktuellen Woche ist die Erdbebentätigkeit bisher noch geringer und es gibt vereinzelt Tage mit keinem oder nur 1 bis 2 Beben. Dass man aus der relativ schwachen Seismizität nicht auf eine generelle Beruhigung der Aktivität schließen kann, war bereits mehrfach Diskussionsgegenstand. Tatsächlich hält die Bodenhebung laut INGV-Einschätzung unverändert an und hat eine Geschwindigkeit von 10 mm pro Monat, wobei immer ein Toleranzbereich von ±3 mm berücksichtigt wird. Betrachtet man den Graphen allerdings genau, so erkennt man, dass die tatsächliche Bodenhebung unter Einberechnung der nicht korrigierten, blau markierten Daten der letzten Woche eher eine doppelt so schnelle Bodenhebung ergibt. Möglicherweise wird die Einschätzung der Vulkanologen in Bälde angepasst.

Ebenfalls leicht gestiegen ist der Kohlendioxidausstoß an der Messstation V07 in Pisciarelli, wo es seit Februar 2025 einen leichten Rückgang der CO₂-Werte gegeben hatte. Generell sind die Kohlendioxidemissionen mit durchschnittlich 1000 Tonnen pro Tag viel zu hoch für einen nicht eruptierenden Vulkan.

Gastemperatur. © INGV

Die Gastemperaturen lagen bei Pisciarelli weiterhin bei ca. 95 Grad und an der Bocca Grande in der Solfatara bei 173. Diese Werte werden seit Monaten angegeben, dennoch sprechen die Vulkanologen von einem langfristig steigenden Trend, der sich fortsetzt. Entscheidend sind hier wohl die Nachkommastellen der Messungen.

Die Daten zeigen, dass trotz geringerer Seismizität keine Entwarnung gegeben wurde. Meiner Meinung nach steigt momentan das Risiko für stärkere Erdbeben im Vierer-Magnituden-Bereich oder sogar darüber an, je weniger schwache Erdbeben die Spannungen abbauen, die unweigerlich infolge der Bodenhebung entstehen. Das Erdbebenrisiko ist weiterhin hoch, während das Risiko eines Vulkanausbruchs zumindest größer als Null und somit vorhanden ist.

Ätna: Ascheemissionen trotz Absenkung des Flugwarncodes

Ascheemissionen setzen sich am Ätna trotz Absenkung des Flugwarncodes fort – Flughafen Catania ist wieder offen

Beginnen wir mit einer guten Nachricht für Flugreisende in Sizilien: Der Flughafen Catania hat gestern Abend wieder geöffnet, nachdem der Flugwarncode des Ätnas um 16:37 UTC von „Rot“ auf „Orange“ gesenkt wurde. Dennoch kann noch keine komplette Entwarnung gegeben werden, denn es werden weiterhin Ascheemissionen beobachtet. Bereits in den vergangenen Tagen wurde der VONA-Code mehrfach innerhalb kurzer Zeit verändert, so könnte die Öffnung des Flughafens nur von kurzer Dauer sein. Ein Ende der Aktivität zeichnet sich noch nicht ab, obgleich es Veränderungen der Tremoramplitude gab, die von einem Tiefstand im grünen Bereich wieder bis in die Mitte des gelben Bereichs gestiegen ist.


Ätna

Der Verlauf des Tremorgraphen bleibt trotz des Anstiegs bis in Bereiche der Werte, die wir seit langem als normal für den Ätna ansehen, auffällig: Immer wieder tauchen kurze Peaks auf, die steil bis in den roten Bereich ragen. Die Gründe hierfür können vielfältig sein und das Spektrum reicht von Störungen des Messsystems, menschengemachten Signalen bis hin zu dem Versuch des Vulkans, mit einem stärkeren Ausbruch zu beginnen, obgleich man hier einen langsameren Anstieg der Peaks erwarten würde.

Das gestern veröffentlichte Wochenbulletin des INGV fasst die Aktivität vom 7. bis 13. September zusammen. Demnach kam es am Nordostkrater nahezu kontinuierlich zu Ascheemissionen. Die pulsartig ausgestoßene Asche erreichte dabei Höhen von etwa 4.000 Metern und wurde hauptsächlich nach Osten und Süden verfrachtet. Der Spitzenwert lag bei 5000 m und wurde am 10. September erreicht. Auch die Bocca Nuova erzeugte am 7. und 8. September Ascheemissionen. An der Voragine und am Südostkrater dominierte dagegen die fumarolische Entgasung.

Bemerkenswert ist, dass sich die verschiedenen Überwachungsparameter nicht parallel entwickelten. Die Erdbebenaktivität blieb niedrig; lediglich ein Beben erreichte Magnitude 2,3. Auch die Bodenverformung zeigte keine signifikanten Veränderungen.

Der vulkanische Tremor lag während des größten Teils der untersuchten Woche auf niedrigem bis mittlerem Niveau, ist inzwischen wie oben aufgeführt aber wieder auf mittelhohe Werte gestiegen. Die Analyse der Tremorquellen zeigt erneut eine weite Ausbreitung der Bodenunruhen bis in den westlichen Gipfelbereich.

Die Infraschallaktivität hatte sich im Verlauf der Berichtswoche abgeschwächt, zeigte am 8. September aber hohe bis sehr hohe Ereignisraten, die dem Nordostkrater zugerechnet werden.

Geochemisch ging der SO₂-Ausstoß auf ein mittleres Niveau zurück, während der CO₂-Fluss aus dem Boden leicht zunahm.  Auffällig war hingegen eine positive Anomalie bei den Radon-Emissionen, die auf größere Magmamengen im tieferen Untergrund hindeuten könnte.

Die thermische Aktivität war insgesamt relativ gering; das INGV registrierte in der Berichtswoche maximal etwa 7 MW.

Das INGV schließt eine schnell verlaufende Intensivierung der Aktivität ausdrücklich nicht aus. Möglich sind demnach stärkere explosive Eruptionen mit größeren Aschewolken und sogar Kollapsen von Teilen der Gipfelkegel, die pyroklastische Ströme erzeugen könnten. Die Gesamtsituation am Ätna bleibt dynamisch.

Island: Starkes Erdbeben Mb 4,3 am Langjökull

Starkes Erdbeben Mb 4,3 erschüttert Langjökull auf Island – Schwarmbeben vor Reykjanestá

In den letzten Stunden kam es gleich zu zwei erwähnenswerten seismischen Ereignissen auf Island. Zunächst manifestierte sich unter dem Gletscher Langjökull ein mögliches Doppelbeben der Magnituden 4,3 und 4,2, die sich mit nur 11 Sekunden Abstand ereigneten. Daher ist nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um zwei unterschiedliche Beben handelte oder lediglich um ein einzelnes Erdbeben mit einer ausgeprägten Bruchstruktur. Während das IMO auf seiner alten Erdbebenkarte zwei Beben dieser Magnitude anzeigt, ist auf der neuen Karte nur ein Erdstoß zu sehen. Auch das EMSC registrierte lediglich eine Erschütterung. Darüber hinaus wurden mehr als 60 weitere Erschütterungen registriert, von denen vier Beben Magnituden im Zweierbereich erreichten.


Langjökull

Das Epizentrum des stärksten Erdbebens wurde bei den Koordinaten 64,650; –20,605 verortet und lag gut 14 Kilometer östlich von Húsafell am Nordrand der Langjökull-Caldera. Das Hypozentrum wurde auf Höhe des Meeresspiegels ausgemacht. Der Erdstoß manifestierte sich um 14:18:30 UTC. Das zweite Beben mit der Magnitude Mb 4,2 war eigentlich der erste Erdstoß und ereignete sich um 14:18:19 UTC. Es lag einige Kilometer weiter westlich, knapp außerhalb der Caldera.

Die Beben könnten hier mit tektonischen Prozessen infolge von Fluidaufstieg beziehungsweise der Ansammlung magmatischer Fluide im Zusammenhang stehen. Seit 2022, als sich zuletzt ein vergleichbar starkes Erdbeben ereignete, beobachten die isländischen Vulkanologen einen Anstieg der Seismizität im Bereich des Langjökull. Sie könnte ein Anzeichen für ein langsames Aufladen des Zentralvulkans sein.

Neben dem Erdbebenschwarm am Langjökull zog auch ein weiterer Erdbebenschwarm westlich von Reykjanestá Aufmerksamkeit auf sich. Hier detektierte das seismische Netzwerk des IMO bislang 80 Beben. Die beiden stärksten Erschütterungen hatten Magnituden von 3,2 und 3,1. Das Epizentrum des stärksten Bebens wurde 9,4 Kilometer südwestlich des Felsens Eldeyjarboði verortet, was etwa 70 Kilometer offshore von Reykjanestá entspricht. Das Hypozentrum befand sich in 10 Kilometern Tiefe. Die Erdbebensequenz hängt aller Wahrscheinlichkeit nach mit tektonischen Prozessen entlang des Mittelatlantischen Rückens zusammen.

Auswirkungen auf das Bodenhebungsgebiet von Svartsengi lassen sich bislang nicht erkennen. Hier scheint es trotz – oder gerade wegen – der anhaltenden langsamen Bodenhebung infolge von Magmaakkumulation eine seismische Lücke zu geben, denn Erdbeben traten sowohl westlich als auch östlich dieses Systems auf.

Studie deckt Fehler medialer Vulkan-Berichterstattung auf

Neue Studie zeigt, wie sich Fehlinformationen über Vulkane verbreiten – und warum selbst wissenschaftlich fundierte Warnungen häufig missverstanden werden

Vulkanausbrüche sorgen regelmäßig für spektakuläre Bilder und große mediale Aufmerksamkeit. Gleichzeitig verbreiten sich häufig Behauptungen, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Eine im August 2026 im Journal of Applied Volcanology veröffentlichte Arbeit von Janine B. Krippner und zahlreichen weiteren Vulkanologen untersucht systematisch die häufigsten Missverständnisse über Vulkanismus. Die Autoren – unter ihnen auch der deutschstämmige Boris Behncke vom INGV – identifizieren 18 typische Irrtümer in sechs Themenbereichen und zeigen anhand von sieben Fallbeispielen, wie Fehlinformationen während realer Vulkanunruhen entstehen.



Schaubild

Die Arbeit ist dabei keine neue Mess- oder Modellierungsstudie, sondern eine wissenschaftliche Analyse von Vulkan-Kommunikation. Die Forscher werteten unter anderem 375 Medienberichte aus, die während Phasen großer internationaler Aufmerksamkeit erschienen. Ihre zentrale Erkenntnis: Vereinfachungen, Gerüchte und spektakuläre Fehlinterpretationen können sich wesentlich schneller verbreiten als wissenschaftliche Korrekturen. Besonders soziale Medien und der permanente Nachrichtenzyklus verstärken diesen Effekt.

Eine der wichtigsten Fehlvorstellungen betrifft die Seismizität. Eine zunehmende Zahl von Erdbeben bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Vulkan unmittelbar ausbrechen wird. Umgekehrt kann die Erdbebenaktivität unmittelbar vor einer Eruption deutlich zurückgehen. Die Autoren warnen deshalb ausdrücklich davor, öffentlich zugängliche Seismogramme isoliert zu interpretieren. Für eine belastbare Einschätzung müssen unter anderem Erdbebentiefe, Magnitude, Erdbebentyp, Deformation, Gasemissionen und weitere Messungen berücksichtigt werden. Selbst überwachte Phasen seismischer Unruhe münden häufig nicht in einer Eruption.

Besonders eindrucksvoll zeigt dies der Agung auf Bali. Nach Beginn der Unruhe im August 2017 nahm die Seismizität zwischen dem 14. und 22. September drastisch zu. Die Behörden erhöhten die Warnstufe auf die höchste Stufe 4 und leiteten Evakuierungen ein. Dennoch setzte die Eruption nicht unmittelbar ein. Der Vulkan blieb mehr als drei Monate in Unruhe, bevor am 21. November der Ausbruch begann. Gerade diese Verzögerung sorgte für Verwirrung und Zweifel an den wissenschaftlichen Warnungen.

Während der Krise wurden außerdem Gasaustritte und meteorologische Wolken teilweise als Eruptionswolken interpretiert. Bilder und Videos des Sinabung wurden fälschlich als Aufnahmen des Agung verbreitet. Auch Laien interpretierten öffentlich zugängliche Seismogramme und Radarinterferogramme und leiteten daraus eigene Prognosen ab. Zeitweise entstand sogar der Eindruck, eine Eruption könne die gesamte Insel Bali gefährden. Tatsächlich konzentrierten sich die unmittelbaren Gefahren auf die Umgebung des Vulkans.

Infokasten: Sechs häufige Irrtümer über Vulkane

1. Erdbeben und Seismologie
Mehr Erdbeben bedeuten nicht automatisch einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch. Auch eine Abnahme der Seismizität kann einer Eruption vorausgehen. Tektonische Erdbeben lösen nur in seltenen Fällen kurzfristig einen Vulkanausbruch aus.

2. Vulkane und Klima
Vulkane können das Klima beeinflussen, kehren den menschengemachten Klimawandel aber nicht einfach um. Auch gibt es keinen eindeutigen Beleg dafür, dass der Klimawandel weltweit zu mehr Vulkanausbrüchen führt.

3. Vulkansysteme und Strukturen
Der „Ring of Fire“ ist kein einzelner geschlossener Vulkangürtel. Auch die Vorstellung großer, klar abgegrenzter Magmakammern ist eine starke Vereinfachung. Magma bewegt sich häufig durch komplexe Netzwerke und Gänge.

4. Vulkanische Gefahren
Vulkanasche ist kein Rauch. Lava- und pyroklastische Ströme sind grundlegend verschiedene Gefahren und lassen sich nicht einfach beliebig umlenken. Auch bei Asche sind die Auswirkungen auf Gesundheit und Wasserversorgung differenziert zu betrachten.

5. Zeitmaßstäbe und Vorhersagen
Ein Vulkan ist nicht „überfällig“, nur weil er lange nicht ausgebrochen ist. Auch eine zunehmende Aktivität bedeutet nicht zwangsläufig eine bevorstehende Eruption. Vulkanologen können Wahrscheinlichkeiten und Szenarien bestimmen, aber einen Ausbruch nicht immer exakt vorhersagen.

6. Fotos und Videos
Bilder und Videos werden bei Vulkanunruhen häufig falsch zugeordnet. Aufnahmen eines anderen Vulkans können innerhalb kürzester Zeit als angebliche aktuelle Eruption verbreitet werden – wie 2017 beim Agung auf Bali, als Videos des Sinabung fälschlich als Agung-Ausbruch ausgegeben wurden.

 

Hinzu kamen sprachliche Probleme. Der Begriff „lahar“ wurde bei Übersetzungen aus dem Indonesischen teilweise fälschlich als „cold lava“ wiedergegeben. Dadurch entstanden in internationalen Medien irreführende Vorstellungen über die tatsächliche Gefahr.

Die Autoren sehen deshalb eine wichtige Aufgabe darin, wissenschaftliche Informationen bereits vor einer Krise verständlich zu vermitteln. Vertrauen zwischen Wissenschaftlern, Behörden, Medien und Bevölkerung müsse langfristig aufgebaut werden. Während einer Krise sei es wesentlich schwieriger, einmal entstandene Gerüchte wieder zu korrigieren.

Die Studie liefert damit weniger neue Erkenntnisse über einzelne Vulkane als vielmehr eine wichtige Botschaft für den Umgang mit Vulkanrisiken: Vulkanische Aktivität lässt sich nicht anhand eines einzelnen Signals oder einer spektakulären Beobachtung beurteilen. Entscheidend ist die Kombination verschiedener Daten – und eine Kommunikation, die Unsicherheiten ehrlich vermittelt, ohne Gefahren zu verharmlosen oder unnötig zu dramatisieren.

Statement zur Arbeit der Vulkanologen

Als Vulkanjournalist und Fotograf fühle ich mich von der Arbeit der Vulkanologen natürlich selbst angesprochen und muss den Forschern in vielen Punkten zustimmen. Viele der Falschmeldungen und Fehlinterpretationen werden tatsächlich in sozialen Medien von Leuten verbreitet, die schnell möglichst viele Klicks generieren wollen, ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit. Die meisten seriösen Journalisten versuchen sich letztendlich an die Fakten zu halten, obwohl natürlich viele Geschichten spannender erzählt werden als sie tatsächlich sind, was hilft, das Interesse beim wissenschaftlichen Laien zu wecken. Ich persönlich meine, dass es wichtig ist, sich an Fakten zu halten. Es sollte allerdings keine Rolle spielen, die stärkst möglichen Eruptionen mit einem Superlativ zu belegen und wissenschaftliche Erklärungen allgemeinverständlich zu vereinfachen.

Aber nicht nur die Journalisten und Vulkanberichterstatter müssen sich Kritik gefallen lassen, denn auch Vulkanologen und Behörden sind nicht frei von Fehlern! Oft gibt es nur unzureichende Kommunikation mit den Journalisten und diese werden meistens vom Ort des Geschehens ausgesperrt. Journalisten und Fotografen, die von der Lavafront berichten, sind für gewöhnlich im Umgang mit gefährlichen Situationen geübt und sicherlich nicht weniger qualifiziert, sich in Sperrgebieten zu bewegen, als die Sicherheitskräfte, die sie draußen halten sollen. Tatsächlich habe ich es mehr als einmal erlebt, dass professionelle Vulkanfotografen wie Verbrecher am Vulkan gejagt werden, anstatt dass ihnen Zugang und Unterstützung gewährt werden! Von Pressestellen und Informationszentren an Vulkanen ganz zu schweigen! Wen wundert es da, dass vermehrt auf KI-generierte Bilder zurückgegriffen wird? Die Öffentlichkeit erwartet vielfach nicht nur, mit wissenschaftlichen Fakten informiert zu werden, sondern bedarf auch deren allgemeinverständlicher Aufarbeitung und weiterer Erklärungen zum Geschehen.

Von Seiten der Forscher werden aus Angst vor Fehlalarmen und späteren Klagen praktisch keine Prognosen getroffen und vielfach werden in sich anbahnenden Krisensituationen die Bälle so flach gehalten, dass sich die Bevölkerung schlecht informiert fühlt und so auf unseriöse Quellen ausweicht. Schließlich sollte man sich trauen, mündige Bürger auch über mögliche Worst-Case-Szenarien zu informieren, anstatt diese auszuschließen und zu beschwichtigen.

Letztendlich kann es nur im Interesse aller Beteiligten sein, einen möglichst detaillierten Informationsfluss aufrechtzuerhalten und abseits von Schreckensszenarien die Begeisterung für den Vulkanismus zu fördern. Dazu gehört auch eine offene und interessant gestaltete Kommunikation mit Journalisten als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Allgemeinbevölkerung.

(Quelle: Krippner, J. B. et al. (2026): Getting the story straight: common misconceptions around volcanoes and eruptions with case studies of recent events. Journal of Applied Volcanology 15, 12. DOI: 10.1186/s13617-026-00168-5.)

Kilauea: Neue Spaltenöffnung am Kraterrand

Neuer Lavastrom quillt aus Spalte am Kraterrand – Bericht der Vulkanologen steht aus

Am Kilauea auf Hawaii wartet man weiterhin mit Spannung auf die Lavafontänen-Episode Nr. 55, mit der man eigentlich schon vor fast einer Woche gerechnet hatte, die bislang jedoch ausblieb. Während die inflationsbedingte Bodenhebung signifikante Schwankungen aufwies, nahm sie in den letzten Tagen langsam, aber kontinuierlich zu, sodass neue Höchstwerte von 16µrad Hangneigungsänderung erreicht wurden. Nun legen Webcam-Aufnahmen und Meldungen von Beobachtern vor Ort nahe, dass sich am Südrand des Halema’uma’u-Kraters und etwas abseits der drei bekannten Schlote ein neuer Riss geöffnet hat, aus dem ein keiner Lavastrom austritt.

Kilauea

In den sozialen Medien wurden Aufnahmen eines kleinen Lavafalls geteilt, der über den Rand des Halema’uma’u-Kraters stürzt und aus einem Riss stammt, die sich in der Kraterwand gebildet hat. Die Livecams des HVO sind leider gerade alle auf die bekannten Förderschlote ausgerichtet, und ein Überblick über den gesamten Kraterbereich fehlt, sodass es derzeit nicht möglich ist, die Berichte und Aufnahmen unabhängig zu verifizieren. Da es auf Hawaii Nacht ist, fehlen zudem aktuelle Updates der Vulkanologen des HVO. Allerdings gelang es der Thermalkamera F1 am Westrand des Kraters, die thermische Signatur eines Lavastroms einzufangen, der sich vom Rand her in das Bild schiebt. Insofern könnten Aufnahmen und Berichte über eine neue Eruptionsstelle authentisch sein.

Der Vulkanausbruch ist bislang nur schwach und fördert vergleichsweise wenig Lava. Zudem ist unklar, ob der Lavastrom weiterhin gespeist wird. Die Bodenhebung schwächte sich nur wenig ab, allerdings wurde offenbar etwas „Druck aus dem Kessel“ genommen, wodurch sich das Lavaspattering aus dem bekannten Nordschlot abschwächte.

Inwiefern sich diese Entwicklung auf die erwartete Episode 55 auswirkt, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen. Die Eruption auf einem Höhenniveau, das wahrscheinlich oberhalb der drei bekannten Schlote liegt, legt jedoch nahe, dass sich im Fördersystem oder bei der Entwicklung des Magmas etwas verändert haben könnte. Möglicherweise verschiebt sich dadurch der Lavafontänenzyklus weiter oder wird sogar nachhaltig unterbrochen. In diesem Fall dürften sich zeitnah neue Eruptionsaktivitäten entwickeln, denn eines steht fest: Der Kilauea ist geladen!

Ätna: Flughafen in Catania bleibt geschlossen

Anhaltende Ascheemissionen am Ätna – Flughafen Catania bleibt vorerst geschlossen

Am Ätna auf Sizilien dauern die schwachen Ascheemissionen an. Obwohl die Aktivität vergleichsweise gering ist und sich die Aschewolke rasch auflöst, bleiben die Emissionen für den Flugverkehr relevant. So verlängerte der Flughafen Catania am Dienstag die Sperrung der Luftraumsektoren B3 und C1. Nach Angaben des Flughafens sollen die Flugoperationen voraussichtlich bis mindestens 14:30 Uhr Ortszeit ausgesetzt bleiben. Danach wird entschieden, ob der Flughafen öffnet oder weiter gesperrt bleibt. Reisende wurden aufgefordert, sich vor der Fahrt zum Flughafen bei ihrer Airline über den aktuellen Flugstatus zu informieren.



Die anhaltenden Einschränkungen sorgen auf Sizilien für Verkehrsprobleme, da viele Flüge entweder ersatzlos gestrichen wurden oder auf andere Flughäfen umgeleitet wurden. Unter den Betroffenen waren am Montag auch zahlreiche Urlauber aus Bayern, die nach dem Ende ihres Urlaubs die Heimreise antreten wollten. In Bayern enden heute die Sommerferien, sodass sich die Beeinträchtigungen des Flugverkehrs für Rückreisende zeitlich besonders ungünstig auswirken.

Das VAAC Toulouse geht davon aus, dass die Ascheemission seit dem Beginn der jüngsten Emissionsphase am 14. September gegen 02:40 Uhr UTC weiter anhält. Satellitendaten konnten am Dienstagmorgen allerdings keine eindeutig erkennbare Aschewolke ausmachen. Auf Livecam-Aufnahmen waren sie allerdings noch sichtbar. Jetzt am Vormittag sind Wolken aufgezogen, dennoch kann man die Asche zeitweise noch erahnen. Nach Einschätzung des VAAC zieht die Asche nach Süden und löst sich aufgrund der geringen Emissionsrate schnell auf.

Eine VONA-Meldung des Ätna-Vulkanobservatoriums bestätigte am Montag die anhaltende Ascheemission. Die Höhe der Vulkanwolke wurde anhand von Überwachungskameras auf etwa 4000 Meter über dem Gipfel geschätzt. Auch thermische Kameras registrierten das Phänomen. Der VONA-Flugfarbencode steht weiterhin auf Rot, nachdem zuvor die Warnstufe Orange gegolten hatte.

Von Interesse ist auch der Umstand, dass gestern auf Nachtaufnahmen zwei rote Spots im Gipfelbereich des Südostkraters auszumachen waren. Es handelt sich um die erste Rotglut an diesem Kraterkegel seit Monaten. Möglich, dass sich die Eruptionen demnächst ausweiten. Dafür spricht auch die großflächige Ausdehnung der Tremorquellen. Die Tremoramplitude ist in den letzten Stunden bis in den niedrigen gelben Bereich gestiegen.

Am Montag wurde auch ein weiteres Erdbeben im Bereich der Nordostflanke des Ätna registriert. Das Beben ereignete sich in nur etwa 170 Metern Tiefe unter dem Meeresspiegel gut 1,6 Kilometer südöstlich des Monte Nero und erreichte eine Magnitude von 2,3. Das Epizentrum liegt im Bereich der Pernicana-Störung, einer tektonisch aktiven Störungszone an der Nordostflanke des Vulkans. Erdbeben hier werden häufig durch fluidbedingte Spannungsänderungen ausgelöst, die auf Magmaaufstieg hindeuten können.

Rincón de la Vieja: Weitere phreatische Eruptionen im September

Rincón de la Vieja bleibt aktiv: Mehr als 200 phreatische Eruptionen seit Juli

Am costa-ricanischen Vulkan Rincón de la Vieja gehen die phreatischen Eruptionen weiter. Die jüngste Dampfexplosion ereignete sich am 14. September um 11:56 Uhr Ortszeit und wurde von den OVISCOR-Vulkanologen als mittelstark eingestuft. Die Explosion wurde anhand von seismischen und Infraschallmessungen registriert. Die Höhe der Eruptionswolke konnte aufgrund von Bewölkung nicht bestimmt werden. Berichte über Ascheniederschlag oder Lahare liegen nicht vor.

Damit setzt der Rincon de la Vieja seine außerordentlich hohe phreatische Aktivität fort: Seit dem 2. Juli wurden insgesamt mehr als 200 phreatische Eruptionen registriert. Genau summiert sich die Zahl inzwischen auf 212 Ereignisse. Die meisten Explosionen sind von geringer Stärke, doch acht Eruptionen lösten Lahare aus, die über Flüsse an der Nordflanke des Vulkans abgingen. Der stärkste dieser Schlammströme wurde am 31. August beobachtet.

Signale der phreatischen Eruption. © OVISCORI

Auch in der vergangenen Woche blieb der Vulkan ausgesprochen aktiv. OVSICORI registrierte 57 Eruptionen, darunter drei mit moderater akustischer Energie. Die meisten Ereignisse waren allerdings schwach. Am 6. September verursachte eine stärkere Eruption einen sogenannten syn-eruptiven Lahar. Weitere, sekundäre Lahare gingen am 5. und 6. September nach starken Regenfällen ab.

Interessant ist die Entwicklung der seismischen Aktivität, die darauf hindeutet, dass sich magmatische Fluide unter dem Vulkan bewegen. Der niederfrequente Hintergrundtremor nimmt insgesamt ab, während gleichzeitig mehr Erdbeben mit langen Perioden registriert werden. Am 11. September wurden 16 dieser Ereignisse aufgezeichnet.

Die Gasemissionen bleiben ebenfalls erhöht. Der durchschnittliche Schwefeldioxid-Ausstoß lag zuletzt bei 293 Tonnen pro Tag, mit einem Spitzenwert von 3586 Tonnen. So hohe Werte kommen an Vulkanen für gewöhnlich nur vor, wenn Magma hoch in einem offenen Fördersystem steht. Die Werte liegen weiterhin deutlich über der seit Mitte Juni erhöhten Basislinie.

Dem scheint zu widersprechen, dass geodätische Messungen eine Kontraktion des Gipfelbereichs zeigen und auf längerer Zeitskala eine Absenkung des Vulkangebäudes. Doch nach den jüngsten Studien muss eine Subsidenz nicht gleichbedeutend mit einer Deflation des Magmasystems sein.

OVSICORI schließt weitere moderate Eruptionen nicht aus. Die wichtige Frage, ob hiermit phreatische Eruptionen gemeint sind oder ob die Vulkanologen Hinweise auf aufsteigendes Magma sehen, das eine magmatische Eruption auslösen könnte, bleibt unklar.

Aufgrund der anhaltenden Eruptionen und der erhöhten Gasemissionen hält OVSICORI die Alarmstufe 3 (Vorsicht) aufrecht. Weitere, auch stärkere phreatische Eruptionen können nicht ausgeschlossen werden.

Merapi: Anhaltendes Domwachstum bestätigt

Merapi bleibt auf Alarmstufe 3 – Lavadom wächst weiter

Am indonesischen Vulkan Merapi hält die effusive Eruption mit hoher Aktivität an. Der 2.968 Meter hohe Vulkan auf Java steht weiterhin auf Alarmstufe „3“ bzw. „Orange“. Messungen des BPPTKG zeigen, dass die Magmazufuhr anhält, der Dom wächst und damit weiterhin die Gefahr von Lavaabbrüchen und pyroklastischen Strömen besteht.

Merapi (Archiv)

Besonders deutlich wird die Aktivität an den beiden Lavadomen im Gipfelbereich. Bei einem Drohnen-Observierungsflug wurde am 9. September festgestellt, dass das Volumen des Südwestdoms innerhalb einer Woche um 10.300 Kubikmeter angewachsen ist und nun 4,174 Millionen Kubikmeter beträgt. Der Dom in der Kratermitte konnte wegen der Dampfentwicklung nicht vollständig vermessen werden. Sein Volumen wurde deshalb unverändert mit 2,370 Millionen Kubikmetern angesetzt. Thermalkameras ermittelten am Südwestdom Temperaturen bis 331,7 Grad Celsius, am zentralen Dom wurden maximal 315,9 Grad gemessen. Die hohen Wärmeemissionen zeigen, dass beide Dome als aktiv eingestuft werden müssen.

Auch die Abgänge von glühenden Schuttströmen gehen weiter. Zwischen dem 4. und 10. September wurden 18 Abgänge in Richtung des Oberlaufs des Krasak und weitere 29 in Richtung Kali Sat/Putih registriert. Die längsten Laufstrecken betrugen 1,8 beziehungsweise 2 Kilometer. Am 14. September wurden weitere acht Lavaabgänge zum Kali Sat/Putih beobachtet, ebenfalls mit einer maximalen Reichweite von 2 Kilometern.

Die Seismizität bleibt ebenfalls hoch. Allein am 14. September registrierte das Überwachungsnetz 96 Abgangsbeben und 66 Hybrid- beziehungsweise Mehrphasenbeben. Hinzu kamen drei flache vulkanotektonische Beben und drei tektonische Fernbeben. Die zahlreichen Hybridbeben gelten als Hinweis auf anhaltende magmatische Prozesse im Inneren des Vulkans.

Trotz der anhaltenden Aktivität zeigte die Deformation in der ersten Septemberwoche keine signifikanten Veränderungen. Das BPPTKG bewertet die Eruption weiterhin als effusiv und warnt vor Lavaabgängen und pyroklastischen Strömen, insbesondere im Süden bis Südwesten. Gefährdet sind unter anderem die Flusstäler Boyong, Bedog, Krasak und Bebeng sowie im Südosten Woro und Gendol. Bei Regen steigt zudem die Gefahr von Laharen. Die Sperrzone mit einem Radius von bis zu 7 Kilometern um den Krater wird aufrechterhalten.

Fünf indonesische Vulkane auf Alarmstufe „3“

In Indonesien stehen derzeit insgesamt 5 Vulkane auf Alarmstufe „3“. Neben dem Merapi sind dies Anak Krakatau, Lewotobi Lakilaki, Semeru und Sinabung. Der Anak Krakatau, der uns Anfang September in Atem hielt, ist inzwischen seismisch als auch eruptiv ruhiger geworden, dennoch könnte sich das bald wieder ändern.