Sizilien: Erdbebenserie vor Ustica

Erdbebenserie vor Ustica – seismische Aktivität im Tyrrhenischen Meer vor Sizilien

Vor der Nordküste Siziliens hat sich am Freitagmorgen eine kleine Erdbebenserie ereignet. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 2,9 und hatte sein Epizentrum 59 Kilometer nordnordwestlich von Palermo beziehungsweise wenige Kilometer südlich der Vulkaninsel Ustica. Nach Angaben des EMSC lag der Erdbebenherd in etwa 14 Kilometern Tiefe. Das Beben ereignete sich um 05:45 Uhr Ortszeit.


Ustica © EMSC/Leaflet

Dem Beben gingen vier schwächere Erschütterungen voran, die ebenfalls im Bereich vor Ustica registriert wurden. Damit konzentrierte sich die Aktivität auf einen relativ kleinen Abschnitt des Tyrrhenischen Meeres. Bei einer Magnitude unter 3 sind Schäden nicht zu erwarten; ob einzelne Erschütterungen auf Ustica oder an der sizilianischen Küste verspürt wurden, hängt stark von Herdtiefe und lokalen Untergrundbedingungen ab. Beim EMSC gibt es keine Wahrnehmungsmeldungen, während italienische Medien berichten, dass das Erdbeben von der Bevölkerung verspürt wurde.

Ustica ist im Rahmen von Vulkane.net von besonderem Interesse, da es sich um eine aus Feuer geborene Insel handelt, ähnlich den weiter ostwärts gelegenen Liparischen Inseln. Die heute nur rund acht Quadratkilometer große Insel bildet den über den Meeresspiegel ragenden Teil eines größeren untermeerischen Vulkankomplexes. Die letzte vulkanische Aktivität liegt allerdings weit zurück. Die aktuelle Erdbebenserie liefert daher keinen Hinweis auf eine Reaktivierung des Vulkans. Ustica befindet sich zugleich in einer tektonisch aktiven Region des südlichen Tyrrhenischen Meeres.

Auch weiter östlich war die Region seismisch aktiv. Vor der Nordküste Siziliens wurden in der Nacht zwei Erdstöße mit den Magnituden 2,3 und 2,1 registriert. Der Herd des stärkeren Bebens lag ungewöhnlich tief bei 157 Kilometern und wurde etwa 43 Kilometer westlich von Tropea verortet. Interessant ist die Nähe zum westlich gelegenen Stromboli. Solche tiefen Erdbeben werden wegen ihrer großen Herdtiefe meist kaum oder überhaupt nicht wahrgenommen. Eine Häufung solcher tiefen Erdbeben in Strombolinähe geht meiner Wahrnehmung nach oft einer Aktivitätssteigerung des Vulkans voran.

Die unterschiedliche Herdtiefe der Ereignisse verdeutlicht die komplexe Tektonik des süditalienischen Raumes: Während die flacheren Beben vor Ustica mit Störungen in der Erdkruste zusammenhängen können, reichen im Bereich des kalabrisch-äolischen Bogens seismische Prozesse bis weit in die Tiefe und hängen mit der Subduktion der Ionischen Mikroplatte zusammen.

Vulkanausbruch am Ätna: Verstärkte Explosivität der Eruption


Vulkanausbruch am Ätna dauert seit über einer Woche an – Verstärkung der Explosivität, Lava vom Weltall aus sichtbar

Am Ätna auf Sizilien hält die seit mehr als einer Woche andauernde Eruption weiter an. Nach offiziellen Angaben des INGV setzte sich am 13. August die effusive Aktivität an den Eruptionsöffnungen auf etwa 2750 und 1900 Metern Höhe fort. Der zuvor noch aktive Lavastrom an der Öffnung auf 2090 Metern ist dagegen inzwischen erloschen. Am späten Nachmittag steigerte sich die Explosivität der Eruption deutlich.


Wärmebild. © INGV

Besonders weit vorgedrungen ist die Lava aus der Öffnung auf 1900 Metern Höhe. Bei einer Kontrolle am Donnerstagvormittag lag die Lavafront auf etwa 1340 Metern Höhe und hatte damit die markante Rocca Capra im Valle del Bove bereits knapp überschritten. Am Vortag hatte die Front noch eine Höhe von 1365 Metern erreicht. Die Lava bewegt sich damit langsam weiter talwärts durch das Valle del Bove, wobei ihre Geschwindigkeit und Reichweite stark vom Gelände und der Versorgung mit Magma abhängen. Letztere hatte gestern nachgelassen, sich in der Nacht zum Freitag wieder deutlich intensiviert, wie man mal auf Bildern der Wärmebildkamera EMCT erkennen kann.

Das Copernicus-Sentinel-2L-Foto (oben) vom 11. August ist eine Kombination aus 2 Fotos: Zugrunde liegt ein Satellitenbild im sichtbaren Lichtspektrum, in das ich die Wärmesignatur eines SWIR-Bildes hineingerendert habe, das die Lavaströme visualisiert. Auf dem Foto erkennt man neben der beeindruckenden Aschewolke sehr schön die Lage des Lavafelds am Nordrand des Valle del Bove und wie weit fortgeschritten die Lavafronten sind. Die Lavaströme lassen sich von der Serra delle Concazze aus gut beobachten.

Während die Speisung der Lavaströme gestern Nachmittag nachließ, verstärkte sich die explosive Aktivität am Gipfelkrater Voragine deutlich. Ab 16:55 UTC registrierten die Überwachungssysteme eine Zunahme der Explosionen und Ascheemissionen. Die Asche wurde in südliche Richtungen verfrachtet. Außerdem gab es vereinzelt starke Explosionen aus dem Nordostkrater.

Auch die seismischen und infrasonischen Signale zeigten am 13. August eine deutliche Aktivierung. Die durchschnittliche Tremoramplitude nahm ab etwa 10:00 UTC markant zu und erreichte zwischen 12:00 und 15:00 UTC ihren bisherigen Höchstwert. Anschließend blieb das Tremorniveau hoch. Die Quellen des Tremors lagen weiterhin im Bereich der Voragine und nördlich der Bocca Nuova in rund 3000 Metern Höhe. Aktuell nimmt der Tremor wieder etwas ab und damit auch die Stärke der Explosionen, obgleich diese weiter anhalten.

Die hohe Explosivität ging mit einer Verstärkung der Infraschallsignale einher. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Voragine und erreichten dort hohe Amplituden. Auch am Nordostkrater wurden starke infrasonische Ereignisse registriert.

Weitere signifikante Veränderungen an den Messstationen zur Bodenverformung blieben hingegen aus.

Die erhöhte explosive Aktivität ging mit verstärktem Ascheausstoß einher, der den Flugverkehr weiter beeinträchtigt. Das VAAC Toulouse gab am Donnerstagabend weiterhin den Aviation Colour Code RED aus. Eine Aschewolke wurde bis Flugfläche 150, also etwa 4500 Meter, beobachtet und bewegte sich mit 9 km/h nach Südwesten. Die schwachen Winde sind mit dafür verantwortlich, dass sich die Asche lange in der Luft hält und sich um den Ätna konzentriert.

Am Flughafen Catania wurde deshalb die Sperrung der Sektoren C1 und B3 verlängert. Nach dem Stand vom Donnerstagabend bleiben Ankünfte und Abflüge bis 2:00 Uhr am 15. August ausgesetzt. Reisende werden aufgefordert, den Status ihrer Flüge direkt bei der jeweiligen Fluggesellschaft zu überprüfen.

Trotz der Sperrung des Flughafens sind zahlreiche Touristen auf Sizilien unterwegs, die den Ätna stürmen, um einen Blick auf die Lava zu riskieren. Anders als im Januar gibt es bisher keine mir bekannten offiziellen Verbote, sich der Lava zu nähern, und vom Rand des Valle del Bove auf der Citelli-Seite kann man das Naturschauspiel relativ gefahrlos beobachten, eine Gelegenheit, die auch von Tausenden wahrgenommen wird.

Das aktuelle Geschehen mit sich abwechselnden Intensitäten des explosiven und effusiven Anteils der Eruption verdeutlicht die außerordentliche Dynamik des Geschehens. Wie lange die Eruption anhalten wird, lässt sich anhand verfügbarer Messdaten nicht abschätzen. Bisher wurde vom INGV nicht kommuniziert, wie viel Magma sich vor der Eruption unter dem Vulkan akkumulierte und wie groß die Förderrate ist. Was wir wissen, ist, dass die vor der Eruption festgestellte Bodenverformung entlang der Prernicana-Störung ein Anzeichen für die sich anbahnende Lateraleruption war und auf den Durchgang unüblich großer Magmamengen geschuldet war. Die Deformationen blieben aber deutlich unter jenen vor den großen Flankeneruptionen 2001 und 2002. Dementsprechend könnte sich der Ausbruch auf aktuellem Niveau stabilisieren, ohne sich zu einer katastrophalen Eruption auszuweiten. Wobei Ätna immer für eine Überraschung gut ist.

Campi Flegrei: Schäden im Evakuierungsfall problematisch

Weitere stärkere Erdbeben in den Campi Flegrei möglich – Evakuierung problematisch

Die Erde unter den Campi Flegrei kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Erdbeben der Magnitude 4,7 vom 31. Juli, dem stärksten instrumentell registrierten Ereignis seit Beginn der aktuellen Bradyseismus-Krise, warnt Lucia Pappalardo, Direktorin des Osservatorio Vesuviano in Neapel, vor weiterer Seismizität. Auch stärkere Erdbeben könnten auftreten. Wann und mit welcher Magnitude sie kommen, lässt sich allerdings nicht vorhersagen.



Der Hafen von Pozzuoli, © Marc Szeglat

Damit stellt sich für die rund um Pozzuoli lebenden Menschen eine essentielle Frage: Wie gut wäre die Stadt im Ernstfall tatsächlich evakuierbar? Der nationale Katastrophenschutz sieht für den Fall einer vulkanischen Eskalation die Räumung der roten Zone vor: Eine halbe Million Menschen müssten innerhalb von 72 Stunden aus dem Gebiet gebracht werden. Doch bereits die jüngsten Erdbeben haben gezeigt, wie empfindlich die Infrastruktur reagiert. Nach dem Beben vom 31. Juli wurde der Hafen von Pozzuoli zeitweise geschlossen. Zudem sorgt aktuell die Galleria Monte Corvara zwischen Pozzuoli und Quarto für Aufmerksamkeit: Nach den jüngsten Erschütterungen wurde dort ein möglicherweise instabiler Felsblock oberhalb des Tunnels festgestellt. Sollte so ein Felsen bei einem Erdbeben auf die Straße stürzen, wäre der Fluchtweg blockiert.

Nicht besser sieht es mit dem Hafen aus, einem wichtigen Drehkreuz in Evakuierungsszenarien. Seit August sollen schwere Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen, die zu den Inseln Ischia und Procida transportiert werden, von Neapel aus eingeschifft werden; leichtere Fahrzeuge können weiterhin Pozzuoli nutzen. Die Maßnahme zeigt, dass der Bradyseismus und seine Folgen inzwischen auch den normalen Hafenbetrieb beeinflussen. Zum einen sind die Kaimauern instabil geworden, zum anderen wird das Wasser durch die Hebung der Küste immer seichter, so dass große Schiffe kaum noch anlegen können. Da die Hebung weiter anhält, spitzt sich die Situation weiter zu, eine Lösung der Probleme ist nicht in Sicht.

Das aktuelle INGV-Wochenbulletin für den Zeitraum 3. bis 9. August registriert 39 Erdbeben, davon 22 mit Magnitude Md ≥ 0,0. Das stärkste erreichte Md 1,3. Gleichzeitig hält die Bodenhebung an: Seit Februar liegt die mittlere Hebungsrate im Bereich maximaler Deformation bei etwa 10 ± 3 Millimetern pro Monat. Daran änderte auch das starke Beben vom 31. Juli nichts. An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die Hebung seit Januar 2025 auf rund 30 Zentimeter.

Auch die Geophysik folgt den bekannten Trends: Das INGV beschreibt weiterhin eine Erwärmung und Druckzunahme des hydrothermalen Systems sowie langfristig erhöhte Fluidflüsse. Die BG-Fumarole in der Solfatara erreichte zuletzt rund 173 °C, während die Temperatur der Hauptfumarole in Pisciarelli bei etwa 95 °C lag. Trotz der anhaltenden Unruhe sieht das Observatorium derzeit keine Anzeichen für eine signifikante kurzfristige Veränderung des vulkanischen Zustands.

Aus den Daten und Beobachtungen folgt, dass weitere, möglicherweise stärkere Erdbeben möglich sind – ihr Zeitpunkt und ihre Stärke sich aber nicht vorhersagen lassen. Im Falle einer Evakuierung ist ein schneller Erfolg nicht garantiert.

Kilauea: Lavafontänen-Episode Nr. 53 hat angefangen

Vulkanausbruch am Kilauea: Episode 53 mit neuen Lavafontänen hat begonnen

Am Gipfel des Kilauea auf Hawaii hat die 53. Lavafontänen-Episode der seit Ende 2024 anhaltenden Eruption begonnen. Nach einer Phase zunehmender Inflation setzte am 12. August um 15:45 Uhr Ortszeit (HST) starkes Lavafontänieren im Halemaʻumaʻu-Krater ein. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels erreichten die Fontänen etwa 40 Meter Höhe und begannen, einen ausgeprägten Lavastrom zu speisen, der sich schnell über dem Kraterboden des sich mehr und mehr auffüllenden Kraters ausbreitete.



Kilauea

Der Pit im Halemaʻumaʻu-Krater hatte infolge des Kollapses von 2018 im Zuge der Leilani-Eruption eine Tiefe von mehr als 500 m erreicht. Inzwischen ist der gewaltige Pit aufgefüllt und auch ein Großteil des Kraterbodens wurde von Lava geflutet. Die HVO-Vulkanologen gehen davon aus, dass bei anhaltenden Lavafontänen-Episoden der Boden bald wieder den Stand wie vor 2018 erreicht haben wird.

Der Eruption gingen mehrere Stunden intensiver Unruhe voraus. Bereits am Vormittag traten aus dem Nordschlot erste kleine Lavaspatter-Erscheinungen und kurzlebige Lavaüberläufe auf. Ab 13 Uhr entwickelte sich daraus ein anhaltender Lavastrom. Gegen 13:45 Uhr nahm die Förderrate abrupt zu. Gleichzeitig wechselte das Signal der Bodenhebung von Inflation zu Deflation, und eine Doppel-Domfontäne entstand. Der daraus gespeiste Lavaüberlauf breitete sich schnell über mehr als 600 Meter auf dem Kraterboden aus.

Kurz vor Beginn der eigentlichen Episode kam es auch am Südschlot zu mehreren starken Überläufen. Zudem wurde Lava aus einem Kollapskrater hinter dem Südschlot beobachtet. Diese Strukturen entstanden möglicherweise infolge des gestrigen Erdbebens Mb 5,2 vor der Küste.

Sollte die Episode dem typischen Muster der letzten Monate folgen, dürften die Fontänen ihren Höhepunkt etwa ein bis zwei Stunden nach Beginn der Episode erreichen. Für die einzelnen Episoden dieser Eruptionsphase werden typischerweise Höhen von 150 bis 450 Metern erwartet. Gleichzeitig können sich die Gas- und Aschewolken bis in Höhen von mehreren Kilometern entwickeln. Bis jetzt wurde eine Wolkenhöhe von 3.700 Metern über dem Meeresspiegel gemeldet. Für den Flugverkehr gilt die Warnfarbe Orange, während die Vulkanwarnstufe auf „Watch“ steht.

Der Wind kann Tephra und vulkanische Gase in Richtung Südwesten transportieren; in höheren Luftschichten wird eine westliche Verfrachtung erwartet. Besonders im Umkreis von etwa fünf Kilometern um die Schlote ist mit Ascheniederschlag zu rechnen. Leichte Partikel, darunter feine Asche und Pele’s Hair, können jedoch deutlich weiter verfrachtet werden. Die meisten bisherigen Eruptionsepisoden des Kīlauea dauerten weniger als einen Tag.

Vulkan Merapi: Pyroklastische Ströme ändern Richtung

Merapi mit drei pyroklastischen Strömen in Folge – der letzte änderte Richtung

Am Merapi auf Java hat sich die Aktivität in den vergangenen Tagen leicht verstärkt. Zwischen dem 10. und 12. August gingen an drei aufeinanderfolgenden Tagen pyroklastische Dichteströme vom Dom im Gipfelkrater ab. Besonders bemerkenswert ist dabei eine Veränderung der Fließrichtung: Während die ersten beiden Ereignisse nach Südwesten abgingen, erreichte der jüngste Strom erstmals den Bereich der südlichen Abflussrinne Kali Boyong.



Merapi

Am 10. August registrierte das BPPTKG einen pyroklastischen Dichtestrom mit einer Reichweite von 2.000 Metern. Das zugehörige seismische Signal erreichte eine maximale Amplitude von 66,31 Millimetern und dauerte 134,77 Sekunden. Am folgenden Tag wurde ein Abgang mit einer Reichweite von 2.000 Metern registriert: Der Strom lief ebenfalls nach Südwesten in Richtung Kali Sat und Kali Putih. Am 12. August folgte um 08:50 Uhr ein dritter Dichtestrom, der 1.800 Meter weit bis in die Oberläufe von Kali Krasak und Kali Boyong glitt. Die maximale Signalamplitude betrug 49,58 Millimeter bei einer Dauer von 82,61 Sekunden.

Die neue Fließrichtung ist für die Gefahreneinschätzung relevant. Für den Kali Boyong gilt ein Gefahrenbereich von fünf Kilometern ab dem Gipfel, während für Kali Bedog, Krasak und Bebeng bis zu sieben Kilometer angegeben werden.

Hintergrund der Aktivität ist das anhaltende Wachstum des Lavadoms. Eine Drohnenvermessung vom 1. August ergab für den südwestlichen Dom ein Volumen von rund 4,04 Millionen Kubikmetern. Gegenüber der vorherigen Vermessung nahm das Volumen um etwa 18.400 Kubikmeter zu. BPPTKG geht weiterhin von einer anhaltenden Magmazufuhr aus. Das neu aufsteigende Material wird am Dom abgelagert und anschließend durch die Schwerkraft und Instabilität teilweise wieder in Form von Schuttlawinen und pyroklastischen Strömen abgetragen.

Auch die Seismizität zeigt eine leichte Zunahme. Am 12. August wurden 76 Hybrid-/Mehrphasenbeben und 11 flache vulkanotektonische Beben registriert. Hinzu kamen 86 Schuttlawinenbeben. Insgesamt wurden an diesem Tag sieben Lavaabgänge mit einer maximalen Reichweite von 1.900 Metern beobachtet.

Der Merapi bleibt auf Alarmstufe III (Siaga). Die aktuelle Entwicklung spricht für eine weiterhin aktive Magmazufuhr und eine leicht intensivierte Domkollaps-Aktivität, liefert allerdings keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende große explosive Eruption.

Ätna: Multiple Lavaströme und Chaos am Flughafen

Vulkanausbruch am Ätna verursacht Chaos am Flughafen Catania – Mehrere Lavaströme aktiv, erste Fronten kühlen ab

Die außergewöhnlich starke Eruptionsphase am Ätna hält bei fluktuierender Intensivität weiter an und sorgt inzwischen nicht nur am Vulkan selbst, sondern auch im sizilianischen Flugverkehr für Probleme: Die Aschewolken bedingten inzwischen für eine vollständige Einstellung des Flugbetriebs und Tausende Urlauber sind gestrandet oder von Verzögerungen betroffen.



Nach Angaben des INGV setzte sich am 12. August die effusive Aktivität an mehreren Eruptionsöffnungen fort. Lava tritt weiterhin aus den Öffnungen auf  2750, 2090 und 1900 Metern Höhe aus. Die Front des aktivsten Lavastrom erreichte am Vormittag ein Höhenniveau von 1365 Metern und floss damit bis in die Nähe der Rocca Capra im Valle del Bove. Die Fronten des älteren Stroms aus der Öffnung auf 2360 Metern kühlen dagegen ab.

Gleichzeitig hält die explosive Aktivität am Krater Voragine an. Immer wieder wird Asche ausgestoßen, die überwiegend nach Süden verfrachtet wird. Am Vortag hatte eine explosive Ascheemission aus der Bocca Nuova sogar kleinere pyroklastische Ströme ausgelöst, die aber auf den Gipfelbereich beschränkt blieben. Der vulkanische Tremor bleibt auf hohem Niveau und zeigt zuletzt eine langsame Zunahme. Die Aktivität im Infraschallbereich ging dagegen am 12. August zurück.

Besonders gravierend sind die Folgen für den Flugverkehr. Wegen der Aschewolke wurde der Luftraumsektor B3 erneut gesperrt. Der Flughafen Catania-Fontanarossa stellte daraufhin sämtliche Starts und Landungen ein. Die Sperrung wurde am 12. August erneut verlängert und soll nach Angaben der Betreibergesellschaft SAC nun bis zum 13. August um 16 Uhr gelten. Entscheidend ist dabei die Entwicklung der Aschewolke, die sich abhängig von Windrichtung und Eruptionsintensität jederzeit verändern kann.

Für Reisende entwickelte sich die Situation zum Verkehrschaos. Seit Beginn der aktuellen Störungen sind in Catania rund 700 Flüge ausgefallen. Mehr als 250 weitere Flüge wurden auf andere Flughäfen umgeleitet oder neu organisiert. Zahlreiche Verbindungen gingen nach Palermo, Trapani und Comiso. Allein nach Palermo wurden seit Beginn der Krise rund 190 Flüge umgeleitet, wodurch etwa 30.000 Passagiere betroffen waren.

Am Flughafen bildeten sich lange Schlangen an den Schaltern der Fluggesellschaften. Gestrandete Passagiere mussten teilweise kurzfristig auf andere Flughäfen ausweichen. Gleichzeitig waren Busse überfüllt, Mietwagen kaum verfügbar und Taxis teilweise nur zu hohen Preisen zu bekommen. Auch der Flughafen Comiso war zeitweise wegen der Asche geschlossen, konnte inzwischen jedoch wieder vollständig geöffnet werden.

Das VAAC Toulouse registrierte am 12. August eine Aschewolke bis etwa 5500 Meter Höhe und prognostizierte eine weitere Verlagerung nach Süden. Damit bleibt die Luftfahrtlage unsicher.

Hawaii: Erdbeben Mb 5,2 vor der Küste

Relativ starkes Erdbeben vor Hawaii – Kilauea wartet auf Lavafontänen der Episode 53

Ein Erdbeben der Magnitude 5,2 hat am Dienstagabend den Südosten der Insel Hawaii erschüttert. Das Beben ereignete sich um 17:48 Uhr Ortszeit und hatte sein Epizentrum 42 Kilometer südöstlich von Naʻalehu vor der Küste. Nach Angaben des US Geological Survey (USGS) lag der Erdbebenherd etwa 11 Kilometer unter dem Meeresspiegel – direkt unter dem submarinen Vulkan Kamaʻehuakanaloa, dem früheren Lōʻihi.



Hawaii

Das Beben wurde in weiten Teilen der Süd- und Ostküste von Big Island wahrgenommen. Schäden wurden nicht gemeldet, ebenso wenig die Auslösung eines Tsunamis. Bereits in den frühen Morgenstunden hatte es in derselben Region eine Serie kleinerer Erdbeben gegeben. Die stärksten Ereignisse erreichten Magnituden von weniger als 3,2.

Die Geoforscher des HVO werteten die Aktivität als Teil eines seit Sonntag, dem 9. August, andauernden Schwarmbebens unter Kamaʻehuakanaloa. Hinweise darauf, dass die Beben die beiden großen Vulkane Mauna Loa oder Kilauea beeinflussen, gibt es nach Ansicht der Forscher nicht. Dennoch gab es nach dem Erdebben zwei bemerkenswerte Ereignisse am Kilauea.

Dort herrscht derzeit eine Eruptionspause. In den Förderschloten im Halemaʻumaʻu-Krater ist weiterhin schwaches bis mäßiges Glühen zu beobachten, während sich der Vulkan auf Lavafontänen-Episode No. 53 vorbereitet. Wie schon bei den beiden Vorgängereruptionen läuft der Wiederaufladungsprozess nicht so gleichmäßig ab wie zuvor: Es wechseln sich Inflations- und Deflationsphasen ab. Das Auffällige: Die letzte Deflationsphase endete just in dem Moment des Erdbebens Mb 5,2 und wechselte zur Inflation. Das Uēkahuna-Tiltmeter registrierte innerhalb von rund zwölf Stunden mehr als zwei Mikroradiant an Inflation; zeitweise lag die Rate bei etwa drei Mikroradiant pro Tag.

Kurz nach dem Beben kam es zudem zu einem Kollaps im Bereich des Südschlotes. Danach begann der Bereich zu glühen und Gasflammen stiegen auf. Zusammen mit dem weiterhin aktiven Nordschlot und einer neuen Fissur sind damit derzeit drei glühende Öffnungen im Gipfelbereich von Halemaʻumaʻu sichtbar.

Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich Magma unter dem Gipfel sammelt. Modelle des USGS prognostizieren deshalb den Beginn der Episode 53 zwischen dem 13. und 17. August. Sollte die derzeitige Inflationsrate anhalten, könnte die nächste Phase bereits am Donnerstagnachmittag einsetzen.

Wie bei den vorherigen Episoden werden erneut spektakuläre Lavafontänen erwartet. Die einzelnen Fountaining-Phasen dauern gewöhnlich weniger als zwölf Stunden und werden von unterschiedlich langen Pausen unterbrochen. Seit Dezember 2024 eruptiert der Kilauea auf diese episodische Weise aus dem Gipfelbereich.

Totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026

Totale Sonnenfinsternis über Island: Der Mond lässt den Tag zur Nacht werden

Am Mittwoch, 12. August 2026, zieht der Mondschatten über den Nordatlantik und sorgt für ein seltenes Himmelsschauspiel: Eine totale Sonnenfinsternis wird unter anderem in Island sichtbar sein. Der schmale Streifen der Totalität beginnt im hohen Norden, überquert Grönland und den westlichen Teil Islands und zieht anschließend weiter über den Atlantik nach Spanien und einen kleinen Teil Portugals.

Sofi Archiv

Bei uns in Deutschland kommt es leider nicht zur Totalität, dennoch wird sich die Sonne – je nach Standort des Betrachters – bis zu 90% verfinstern. Bei gutem Wetter, wie es vorhergesagt ist, dürfte es trotzdem für viele Menschen ein faszinierendes Naturschauspiel sein, das man allerdings nicht ungeschützten Augen betrachten darf.

Für Island ist die Finsternis besonders interessant. Der Totalitätsstreifen verläuft über die Westfjorde, die Halbinsel Snæfellsnes sowie die Reykjanes-Halbinsel und reicht bis nach Reykjavík. In den westlichsten Bereichen der Westfjorde dauert die vollständige Bedeckung der Sonne bis zu 2 Minuten und 13 Sekunden. In Reykjavík beginnt die Totalität gegen 17:48 Uhr Ortszeit und dauert rund eine Minute. Auch Keflavík liegt im Kernschatten; dort dauert die Totalität knapp 1:40 Minuten.

Damit bietet sich entlang der Westküste eine besonders gute Gelegenheit, das Ereignis zu verfolgen – vorausgesetzt, die Wolken geben den Blick auf die Sonne frei. Gerade in Island kann das Wetter zum entscheidenden Faktor werden. Außerhalb des Totalitätsstreifens ist die Finsternis ebenfalls sichtbar, allerdings nur partiell.

Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn Mond, Erde und Sonne nahezu auf einer Linie stehen und der Mond von der Erde aus gesehen vor die Sonne tritt. Trifft der Kernschatten des Mondes die Erdoberfläche, wird die Sonnenscheibe vollständig verdeckt. Für wenige Minuten werden dabei die äußere Sonnenatmosphäre, die Korona, und helle Sterne sichtbar.

Bei der Beobachtung ist höchste Vorsicht geboten: Während der gesamten partiellen Phase darf niemals ungeschützt in die Sonne geblickt werden. Erforderlich sind geprüfte Sonnenfinsternisbrillen nach ISO 12312-2 oder geeignete Sonnenfilter. Auch Ferngläser, Teleskope und Kameras dürfen nur mit speziellen Filtern vor der Optik verwendet werden. Nur während der kurzen Totalität ist der direkte Blick ohne Schutz sicher.

Telica: Vulkan in Nicaragua stößt Vulkanasche aus

Telica in Nicaragua eruptiert erneut – Aschewolke zieht über 140 Kilometer

Der Telica im Westen Nicaraguas befindet sich weiterhin in einer Phase erhöhter eruptiver Aktivität. Am Dienstag, 11. August 2026, registrierte das Washington Volcanic Ash Advisory Center (VAAC) erneut eine Ascheemission. Satellitenaufnahmen des Wettersatelliten GOES-19 zeigten gegen 12:30 UTC eine Vulkanaschewolke über dem Krater. Sattelittenaufnahmen zeigten, dass sie weit über das Meer hinaus zog.

Telica. © VAAC Waschington

Die Asche erreichte nach Angaben des VAAC eine Höhe von bis zu Flugfläche FL055, entsprechend etwa 1.700 Metern über dem Meeresspiegel. Da der Gipfel des Telica rund 1.036 Meter hoch ist, stieg die Eruptionswolke damit ungefähr 650 Meter über den Kraterrand auf. Starke Höhenwinde verfrachteten die Asche mit 58 km/h nach Südwesten bis Westsüdwesten. Auf Satellitenbildern konnte die Aschewolke bis zu 75 nautische Meilen, also rund 140 Kilometer, vom Vulkan verfolgt werden.

Die Eruption steht im Zusammenhang mit einer seit Ende Juli anhaltenden Aktivitätsphase. Am 24. Juli war eine Explosion registriert worden, bei der eine Aschewolke etwa 150 Meter über den Gipfel aufstieg. In den folgenden Tagen kam es wiederholt zu Ascheemissionen. Ende Juli wurden dabei deutlich größere Wolken beobachtet. Das Smithsonian Global Volcanism Program wertete die Entwicklung als neue eruptive Aktivität.

Der Telica gehört zu den aktivsten Vulkanen Nicaraguas. Sein Vulkankomplex besteht aus mehreren ineinander verschachtelten Kegeln und Förderschloten. Der Gipfel wird von einem etwa 700 Meter breiten Doppelkrater geprägt. Historisch sind zahlreiche explosive Eruptionen überliefert.

Die aktuelle Aktivität beschränkt sich nach den vorliegenden Beobachtungen bislang auf Explosionen und Ascheemissionen. Hinweise auf größere Lavaströme oder pyroklastische Ströme liegen nicht vor. Aufgrund der wiederholten Explosionen bleibt der Vulkan jedoch aufmerksam zu beobachten.