Aschewolke stört Flugverkehr am Ätna – weitere Spaltenöffnung erzeugte pyroklastischen Dichtestrom
Am Ätna hat sich die eruptive Aktivität ein weiteres Mal deutlich verstärkt. Seit dem Abend des 16. August werden wieder intensive Ascheeruptionen registriert, deren Auswirkungen auch auf den Flugverkehr der Region übergreifen. Das VAAC Toulouse setzte den Alarmcode für den Flugverkehr auf Rot. Eine am 17. August um 09:00 UTC beobachtete Aschewolke erreichte nach Angaben des VAAC etwa 7000 Meter über dem Meeresspiegel und driftete mit fast 40 km/h nach Südosten. Die Aschekonzentration ist vor allem im Umkreis von 100 Kilometern um den Vulkan hoch.
Am Flughafen Catania wurde deshalb die Einschränkung des Flugbetriebs verlängert. Im Sektor B1 dürfen bis Dienstagmittag, 18. August, nur noch zehn ankommende Flugzeuge pro Stunde abgefertigt werden. Abflüge sind dagegen nicht eingeschränkt. Reisende werden aufgefordert, vor der Fahrt zum Flughafen den Status ihrer Flüge zu überprüfen. Vor allem sollte man bedenken, dass nur Flugzeuge, die in Catania landen konnten, auch wieder abheben können. Von daher täuschen die Informationen des Flughafens oft über die tatsächliche Lage hinweg: Trotz der vermeintlichen freien Startmöglichkeit für Flugzeuge gibt es starke Einschränkungen auch bei den abgehenden Flügen.
Neben der explosiven Aktivität des Voragine-Kraters hat sich die effusive Aktivität im Valle del Bove weiterentwickelt. Das INGV dokumentierte am 17. August um 06:09 UTC die Öffnung einer neuen effusiven Spalte im Valle del Bove, die sich auf einem Höhenniveau zwischen 2200 und 2350 Metern befindet. Aus der neu entstandenen Öffnung trat nicht nur Lava aus, sondern im Initialstadium der Öffnung wurde von zahlreichen Beobachtern ein kleiner pyroklastischer Dichtestrom dokumentiert. Das Phänomen tritt bei den meisten Öffnungen neuer Eruptionsspalten auf und kann unter Umständen gefährlich werden. Daher sollte man es tunlichst unterlassen, das Valle del Bove unterhalb der Eruptionszentren zu betreten.
Auch die Lavaströme aus den Ausbruchsöffnungen auf etwa 2750 und 1990 Metern werden weiterhin gespeist; ihre Front erreichte rund 1395 Meter Höhe.
Die Messdaten bestätigen die erneute Verstärkung der Eruption. Der vulkanische Tremor stieg am 16. August auf hohe Werte und blieb anschließend trotz leichter Schwankungen auf erhöhtem Niveau. Die Tremorquellen konzentrierten sich im Bereich der Voragine. Die Infraschallaktivität schwankte stark. Das INGV registrierte zudem Veränderungen an einzelnen Neigungsmessstationen mit Werten zwischen 0,5 und 2 µrad, obwohl das GNSS-Netz keine signifikanten Veränderungen zeigte. Die Hangneigung nimmt infolge der Deflation durch die Lavaförderung ab. Was mich persönlich bei den Daten des INGV verwundert, ist der Umstand, dass zwar von Deflation gesprochen wird, aber in den wöchentlichen Zustandsberichten zum Ätna nie die Rede von Inflation ist. Wird tatsächlich Lava gefördert, deren Magmen sich bereits seit Jahrzehnten im flachen Speicherreservoir des Ätnas befinden, oder wird Magmaaufstieg explizit nicht erwähnt, wohlmöglich um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen?











