Heard Island: Vulkan Big Ben eruptierte Vulkanasche

Vulkanasche in 7300 m Höhe – Vulkan Big Ben auf Heard Island ausgebrochen

„VA TO FL240 … ADVISORY TERMINATED.“ Mit diesen nüchternen Worten endete am 12. Februar 2026 eine VONA-Meldung des VAAC Darwin zum Vulkan Big Ben auf der abgelegenen subantarktischen Heard Island. Am Vortag kam es gegen 14:00 UTC zu einer explosiven Eruption, bei der Vulkanasche bis zur Flugfläche 240 – rund 7.300 Meter Höhe – aufgestiegen war. Satellitendaten zeigten wenig später keine identifizierbare Asche mehr. Die Warnung für den Luftverkehr wurde aufgehoben.




herad
Herad © Copernicus

Solche Meldungen sind für Big Ben, den mächtigen Stratovulkan im Zentrum der Insel, nicht ungewöhnlich. Sein Gipfel, der 2.745 Meter hohe Mawson Peak, ist der höchste Punkt im australischen Staatsgebiet – und einer der entlegensten aktiven Vulkane der Erde. Vor Ort beobachtet ihn praktisch niemand, alle zur Verfügung stehenden Informationen stammen von Satelliten. Diese detektierten in den letzten Tagen auch immer wieder schwache Thermalstrahlung, zuletzt am Abend des 11. Februar. Sie hatte eine Leistung von 3 MW.

Seit etwa 2012 befindet sich der Vulkan in einer anhaltenden Phase erhöhter Aktivität. Immer wieder registrieren Satelliten schwache bis mäßige thermische Anomalien am Gipfel – Hinweise auf heiße Lava im Krater oder kleine Lavaströme. Die Eruptionen verlaufen meist effusiv oder strombolianisch, mit begrenzten Ascheemissionen. Größere explosive Ereignisse sind selten.

Auch in den vergangenen Jahren wurden wiederholt kurzfristige Aschewolken gemeldet, die sich rasch auflösten. Die Explosion und die schwachen thermischen Signale deuten darauf hin, dass im Fördersystem weiterhin Magma nahe der Oberfläche steht. Solche Wärmeanomalien passen zum bekannten Aktivitätsmuster: episodische Entgasung und kleinere Explosionen mit gelegentlicher Lavaextrusion, die in einer länger andauernden Eruptionsphase eingebettet sind, die als schwach bis moderat eingestuft werden kann.

Heard Island bleibt damit ein spektakuläres Beispiel für „Feuer und Eis“: Ein aktiver Vulkan ragt aus einem stark vergletscherten Inselmassiv im Südozean – fernab menschlicher Siedlungen, aber unter genauer Beobachtung aus dem All.

Yellowstone-Caldera: Lange ruhender Geysir aktiv geworden

Reaktivierung des Valentine-Geysirs im hochdynamischen Norris-Geysir-Basin der Yellowstone-Caldera

Das Norris-Geysir-Basin im Yellowstone-Nationalpark gilt als eines der dynamischsten Hydrothermalgebiete der Erde. Es liegt am nordwestlichen Rand der Yellowstone-Caldera, wo sich zahlreiche Verwerfungen kreuzen und heißes Wasser durch eine komplexe unterirdische Struktur zirkuliert. In diesem Umfeld entstehen ständig neue heiße Quellen, Dampfaustritte und manchmal auch neue Geysire, während andere inaktiv werden oder lange Zeit ruhen – ein Spiegelbild des sich ständig ändernden thermischen Systems unter der Erdoberfläche.



Valentine

Ein Beispiel für die Dynamik des Norris-Geyser-Beckens (NGB) ist der Valentine-Geysir: Wie das YVO jüngst berichtete, brach der Geysir nach 20 Jahren der Ruhe am 7. August 2025 wieder aus. Seitdem springt er etwa alle 4–6 Tage. Solche Phasenwechsel zwischen langen Ruhephasen und plötzlicher Aktivität, sind typisch für Geysire wie Valentine und auch für andere Ausbruchsquellen in Norris.

Ein besonders berühmter Vertreter der Norris-Features ist der Steamboat-Geysir – der größte aktive Geysir der Welt. Im Gegensatz zu Valentine, der eher moderat hohe Wasserfontänen entwickelt, kann Steamboat bei seinen großen Eruptionen Wasser über 90 Meter in die Luft schleudern, gefolgt von einer massiven Dampfausstoßphase, die Stunden bis Tage dauern kann.

In den letzten Jahren bis etwa 2022/2023 war Steamboat außergewöhnlich aktiv: Von 2018 bis 2020 wurden über 40 große Eruptionen pro Jahr registriert, ein deutlich höheres Niveau als in früheren Jahrzehnten. Danach nahm die Häufigkeit allmählich ab, und 2025 wurden nur noch wenige größere Ausbrüche dokumentiert, bevor der Geysir erneut in eine ruhigere Phase eintrat.

Könnte Valentine das „Geschäft übernommen“ haben? Wissenschaftlich lässt sich das nicht so einfach sagen: Geysire teilen sich zwar oft dasselbe hydrothermale Reservoir oder angrenzende Leitungen, doch direkte Konkurrenz im Sinne einer Verdrängung eines anderen Geysirs ist nicht nachgewiesen. Vielmehr zeigt das gleichzeitige Aufleben verschiedener Geysire – wie Valentine und zuvor Steamboat – die starke Variabilität und Sensitivität des hydrothermalen Systems im Norris-Becken. Beobachtungen und Messdaten aus diesen aktiven Perioden können helfen, besser zu verstehen, wie solche Phasenwechsel entstehen und welche geologischen Prozesse sie antreiben.

Auch wenn es von offiziellen Stellen gerne dementiert wird, ist naheliegend, dass die hohe Dynamik des NGB mit Magmenmigration im Untergrund im Zusammenhang stehen könnte. Zwar wies eine Studie im letzten Jahr nach, dass sich Magma vor allem im Nordosten der Caldera ansammelt, das schließt meiner Meinung nach aber nicht aus, dass unter dem NGB selbst Magma aufsteigen könnte. Hierfür spricht, dass sich seit letztem Sommer der Boden im Norris-Geyser-Basin um ca. 20 mm angehoben hat. Der Effekt könnte aber auch durch Druckänderungen im Hydrothermalsystem zustande kommen.

Indonesien: Massive hydrogeologische Landbewegungen

Anhaltende Landbewegungen in Zentraljava: Region um den Vulkan Slamet betroffen

In Teilen Indonesiens und besonders in Zentraljava kommt es seit einigen Wochen vermehrt zu massiven Landbewegungen, die bereits Erdrutsche verursacht haben, in deren Folge große Schäden entstanden sind. Die Landbewegungen sollen zumindest teilweise den außergewöhnlich starken Regenfällen der letzten Monate geschuldet sein, die das Erdreich mit Wasser gesättigt und Hänge destabilisiert haben. Stark betroffen ist auch eine Vulkanregion.



Zentraljava. © BNPB

Im Dorf Padasari in Zentraljava kommt es seit Anfang Februar zu anhaltenden Landbewegungen, die große Schäden an der Infrastruktur verursacht haben. Mindestens 464 Häuser wurden beschädigt, und mehr als 2.460 Menschen sind von den Auswirkungen betroffen. Zahlreiche Familien mussten ihre Häuser verlassen und wurden in Notunterkünften untergebracht.

Auslöser der Bodeninstabilität sind nach Einschätzung der Geologen der Katastrophenschutzbehörde BNPB lang anhaltende und teils extreme Regenfälle. Die starken Niederschläge führten dazu, dass sich der wassergesättigte Boden lockerte und langsam talwärts zu gleiten begann. Anders als bei plötzlichen Erdrutschen handelt es sich hier um eine schleichende Bewegung des Untergrunds, die sich über Tage hinweg verstärkt hat. In vielen Gebäuden entstanden Risse in Wänden und Fundamenten; einige Häuser neigten sich deutlich und gelten inzwischen als unbewohnbar.

Die betroffene Region liegt im Einflussbereich des rund 3.430 Meter hohen Vulkans Gunung Slamet, eines der höchsten und aktivsten Vulkane Javas. Die Hänge des Slamet bestehen aus vulkanischem Material, das sehr fruchtbar ist, aber bei starker Durchfeuchtung schnell instabil wird. Während der Regenzeit steigt hier das Risiko für Erdrutsche, Sturzfluten und Bodenbewegungen signifikant an. In den vergangenen Tagen wurden auch in anderen Regentschaften rund um den Vulkan – darunter Purbalingga, Pemalang und Brebes – Überschwemmungen und Hangrutsche gemeldet.

Neben Wohnhäusern sind in Padasari auch Straßen betroffen. Sie weisen Brüche und Verformungen auf. Einzelne öffentliche Gebäude wurden ebenfalls vorsorglich gesperrt. Einsatzkräfte und Katastrophenschutzbehörden überwachen die Lage weiterhin, da sich der Boden noch immer bewegt.

Für die Betroffenen wurden Notunterkünfte in Gemeindezentren und Schulen eingerichtet. Hilfsorganisationen versorgen die Menschen mit Lebensmitteln, Trinkwasser und medizinischer Betreuung. Das Ereignis macht deutlich, wie verwundbar Siedlungen in regenreichen, vulkanisch geprägten Gebirgsregionen sind – und wie wichtig Präventionsmaßnahmen, Hangüberwachung und angepasste Bauweisen für die Sicherheit der Bevölkerung bleiben.

Vulkaneifel: Messungen bestätigen magmatischen Einfluss

Eifel unter Beobachtung: Was verraten Gase und Quellen über Magma unter dem Laacher-See-Vulkan?

Unter der malerischen Vulkanlandschaft der Eifel brodelt es – dieses Brodeln verursacht nicht nur fortlaufende Erdbeben, sondern erreicht in Form von kalten Gasaustritten an Mofetten und sauren Mineralquellen die Erdoberfläche. Diese Erscheinungen spiegeln in gewisser Weise tiefe magmatische Prozesse wider, die im Zusammenhang mit dem Eifel-Mantelplume und sogar einem flacher liegenden Magmenkörper unter dem Laacher-See-Vulkan stehen. Eine neue Studie von Forschern des GFZ-Potsdam zeigt, wie sich Gase und mineralische Wässer an der Oberfläche verändern und was das über Prozesse tief in der Erdkruste und im oberen Mantel verrät.




Seit 2020 betreiben die Forscher zwölf Messstationen an CO₂-Quellen, Mofetten, Brunnen und sogar in einem Keller nahe des Laacher Sees. Die Sensoren zeichnen Druck und Temperatur der Fluide auf und können ihre chemische Zusammensetzung teils in Echtzeit analysieren. Besonders aufmerksam werden Elemente und Verbindungen untersucht, wie sie typischerweise dem Boden in aktiven Vulkangebieten entströmen: Kohlendioxid, Radon und – hier besonders aufschlussreich – Helium, dessen Isotope Hinweise auf die Tiefe eines Magmenkörpers liefern können.

Anstoß für die Installationen des neuen Messsystems lieferte die zunehmende Seismizität der Osteifel bzw. der Umstand, dass nach dem Ausbruch des seismischen Netzwerkes viele Erdbeben detektiert wurden, die früher entgangen sind oder die es erst seit kurzer Zeit gibt. Besonders im Fokus wissenschaftlicher Aufmerksamkeit stehen Erdbeben, die sich südöstlich des Laacher Sees manifestieren: Hier treten Schwärme ungewöhnlich tiefer, niederfrequenter Erdbeben auf. Diese sogenannten DLF-Beben ziehen sich wie an einer „Leitung“ von mehr als 40 Kilometern Tiefe bis in die obere Erdkruste. Seismologen deuten sie als Zeichen aktiver magmatischer Fluidströme – also Gase wie CO₂ und Tiefenwässer, möglicherweise sogar Schmelzen, die aus dem Erdmantel aufsteigen. Hier setzt die neue Messstrategie an: Wenn sich magmatische Fluide bewegen, ändern sich Zusammensetzung und Fluss der Gase an der Oberfläche.

Wichtige Voraussetzung für die Interpretation der Messdaten war es, eine mehrjährige Datenbasis zu schaffen, anhand derer man etwaige saisonale und meteorologische Einflüsse auf die Fluide feststellen konnte, damit man sie von den relevanten Änderungen in der Tiefe unterscheiden konnte.

Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick subtil, bergen aber eine gewisse Brisanz: An zwei Messstationen zeigen sich über mehrere Jahre hinweg klare Veränderungstrends: Das Verhältnis der Helium-Isotope (3He/4He) nimmt zu. Parallel steigen Radon-Konzentrationen und Wassertemperaturen. An der Messstation Elisabethbrunnen nahm die Temperatur im Verlauf von vier Jahren um 0,2 Grad zu. Besonders aufschlussreich ist ein Ort nahe der Ochtendung-Störungszone, ein Hotspot der DLF-Erdbeben: Dort wuchs der Anteil an Helium, der auf wachsenden magmatischen Einfluss aus dem Erdmantel Richtung Erdkruste hindeutet, zwischen 2021 und 2025 um rund zehn Prozent – zeitgleich mit einer Migration tiefer Erdbebenschwärme Richtung Oberfläche. Die Forscher interpretieren das als Hinweis auf neu geschaffene oder verbesserte Aufstiegswege im Gestein: Frische Risse und erhöhte Durchlässigkeit lassen Mantelfluide schneller zur Oberfläche gelangen, ohne stark „verdünnt“ zu werden.

Für den Laacher-See-Vulkan bedeutet das keine akute Ausbruchsgefahr, dennoch zeugen die Veränderungen von einem aktiven magmatischen System. Die Grundvoraussetzung, dass es in ferner Zukunft weitere Vulkanausbrüche in der Region geben könnte. Die gemessenen Trends ähneln Mustern, die an anderen Vulkanen Jahre vor Eruptionen beobachtet wurden. In der Eifel verlaufen diese Prozesse deutlich langsamer und schwächer, doch sie belegen eine anhaltende Kopplung zwischen tiefem Mantel, Störungszonen und Oberflächenentgasung. Die Studie liefert damit ein neues Frühwarninstrument. Je länger das Netzwerk misst, desto klarer wird, ob die Eifel nur leise gärt – oder ob sich ihr magmatisches System reorganisiert und auflädt.

(Quelle: Woith, H., Riße, A., Strauch, B., Zimmer, M., Niedermann, S., Schmidt, B., & Dahm, T. (2026). Results of the first real-time monitoring of CO₂-rich mineral waters and mofettes in the volcanic fields of the Eifel. International Journal of Earth Sciences, 115, Article 10.  doi.org/10.1007/s00531-026-02559-w)

Sangay: Vulkanasche driftet in 7300 m Höhe

Anhaltende Aktivität am Vulkan Sangay – Aschewolken bis FL240 und hohe Explosionsrate

Der 5.230 m hohe Vulkan Sangay bleibt weiterhin eruptiv aktiv und förderte nach Angaben des Washington VAAC in den frühen Morgenstunden des 11. Februar Vulkanasche, die bis auf eine Höhe von 7.300 m aufgestiegen ist und eine Gefahr für den Flugverkehr darstellt.



VONA

Laut einer VONA-Warnung wurde um 02:00 UTC eine Aschewolke im Höhenbereich FL240 (ca. 7.300 m) beobachtet. Die Asche driftete mit rund 10 Knoten (19 km/h) nach Westen. Prognosen geben an, dass sich der Wind drehen wird und dass die Aschewolke dann Richtung Süden geweht wird. Aufgrund dichter meteorologischer Bewölkung war die Vulkanasche in Satellitenbildern zeitweise nicht eindeutig sichtbar. Die Emissionen gelten jedoch auf Basis der vorangegangenen Aktivität als anhaltend.

Parallel dazu meldeten bodengestützte Kamerasysteme und das Satellitensystem GOES-19 seit dem Vortag mehrere Gas- und Ascheemissionen in südliche und südwestliche Richtung. Die Eruptionssäulen erreichten Höhen von 800 bis 1.200 Metern über Kraterhöhe. Das VAAC veröffentlichte hierzu zwei Aschewolkenmeldungen mit Ausbreitung nach Süden und Höhen bis etwa 900 Meter über Kraterniveau.

Die seismische Überwachung des IGPN registrierte innerhalb von 24 Stunden 316 Explosionssignale. Damit ist man zwar ein gutes Stück von früheren Spitzenwerten entfernt, doch es zeigt, dass die explosive Aktivität des Sangay hoch bleibt. Die hohe Explosivität, bei der glühende Tephra gefördert wird, bedingt auch die Detektion von Wärmeanomalien im Kraterbereich. Möglicherweise ist auch wieder ein kleiner Lavastrom auf der Flanke unterwegs.

Regenfälle wurden im Berichtszeitraum nicht festgestellt. Es wird aber darauf hingewiesen, dass starke Niederschläge potenziell Lahare (Schlamm- und Gerölllawinen) auslösen könnten. Solche Ströme würden sich entlang der Flanken bewegen und in angrenzende Flusssysteme gelangen. In früheren Jahren veränderten Lahar-Ablagerungen den Lauf von Flüssen am Vulkanfuß deutlich, was Überflutungen verursachte.

Der Sangay liegt am Rand der Anden und entwässert in Richtung des Amazonasbeckens. Somit beeinflussen die Mineralstoffeinträge durch die Vulkanasche auch eines der wichtigsten Ökosysteme unseres Planeten.

Ochotskischen Meer: Starkes Erdbeben an ungewöhnlicher Stelle

Erdbeben Mw 5,6 unter dem Ochotskischen Meer – starke Erschütterung Mitten auf der Platte

Datum: 11.02.2026 | Zeit: 06:29:50 UTC | Koordinaten  57.905 ; 146.567 | Tiefe: 10 km | Mw 5,6

Am 11. Februar 2026 um 06:29:50 UTC ereignete sich im Ochotskischen Meer (Sea of Okhotsk) ein vergleichsweise starkes Erdbeben der Magnitude 5,6. Das Hypozentrum lag in nur 10 Kilometern Tiefe bei 57,905° nördlicher Breite und 146,567° östlicher Länge. Das als flach einzustufende Beben erzeugte deutlich spürbare Erschütterungen entlang der Nordostküste des Ochotskischen Meeres. Tatsächlich liegt dem EMSC eine Wahrnehmungsmeldung aus mehr als 300 km Entfernung zum Epizentrum vor, welches sich 253 Kilometer ostsüdöstlich der Stadt Ochotsk sowie etwa 929 Kilometer westnordwestlich von Petropawlowsk-Kamtschatski befand.

Okhotsk-Platte. © EMSC

Tektonisch liegt das Ereignis im Einflussbereich einer der aktivsten Plattengrenzen der Erde. Das Ochotskische Meer wird im Osten und Südosten von der Kurilen-Kamtschatka-Subduktionszone begrenzt. Entlang dieser Zone taucht die Pazifische Platte mit hoher Geschwindigkeit unter die Okhotsk-Platte ab, die häufig als eigenständige Mikroplatte betrachtet wird, teilweise aber auch der Nordamerikanischen Platte zugeordnet wird. Diese Subduktion ist verantwortlich für die intensive seismische Aktivität sowie für den ausgeprägten Vulkanbogen der Kurilen und Kamtschatkas, wo es auch heute bereits einige Erdbeben gab.

Das aktuelle Beben ereignete sich allerdings hunderte Kilometer westlich der Tiefseerinne und damit weit weg von der aktiven Subduktionsfront, mitten auf der Okhotsk-Platte, was eine ungewöhnliche Lage für ein stärkeres Erdbeben in geringer Tiefe ist. In dieser Region können Spannungen entweder durch die fortgesetzte Kompression im Hinterland der Subduktionszone oder durch Deformationsprozesse innerhalb der Okhotsk-Platte selbst freigesetzt werden. Die geringe Herdtiefe spricht eher für ein Krustenbeben innerhalb der oberen Platte als für ein typisches Subduktionsbeben entlang der abtauchenden Pazifischen Platte, die oft auch größere Tiefen erreicht.

Ich halte es für denkbar, dass es eine Beziehung zum Megabeben vom 31. Juli 2025 und der anhaltend hohen Seismizität vor der Südostküste von Kamtschatka gibt: Beide Gebiete sind Teil desselben konvergenten Plattensystems. Die Subduktion der Pazifischen Platte erzeugt nicht nur die Vulkane und häufigen starken Erdbeben entlang der Ostküste Kamtschatkas, sondern beeinflusst auch das Spannungsfeld im gesamten Ochotskischen Meer. Die Kräfte, die das Megabeben auslösten, wirken auch auf lokale Störungszonen mitten auf der Okhotsk-Platte.

Teneriffa: Neuer Erdbebenschwarm bestätigt

Zunehmende seismische Aktivität unter dem Teide: Wissenschaftler beobachten ungewöhnlichen Erdbebenschwarm

Unter dem Vulkan Teide auf Teneriffa hat sich in den vergangenen Tagen eine deutlich verstärkte seismische Aktivität entwickelt. Seit dem Wochenende registrieren die seismischen Netzwerke von INVOLCAN und IGN im Bereich der Caldera Cañadas del Teide (auch als Ucanca-Caldera bekannt) einen anhaltenden Schwarm vulkanisch bedingter Erdbeben, der in Umfang, Vielfalt und Kontinuität der Signale als ungewöhnlich gilt.



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Teneriffa. © IGN

Nach Angaben des spanischen Instituto Geográfico Nacional (IGN) wurden seit Samstag, dem 7. Februar, mehr als 100 seismische Ereignisse aufgezeichnet. Die meisten davon ereigneten sich in Tiefen zwischen 10 und 15 Kilometern unter der Erdoberfläche, also im Bereich bekannter Magmen- und Fluidreservoire. Die Epizentren konzentrieren sich vor allem im westlichen Teil der Cañadas del Teide, unweit von Orten wie Vilaflor de Chasna und Guía de Isora.

Geoforscher verfolgten die große Bandbreite der registrierten Signale aufmerksam und zum Teil staunend. Neben vulkanotektonischen Erdbeben wurden am Dienstagvormittag zwischen 8:45 und 10:15 Uhr niederfrequente Ereignisse mit langen Perioden (LP) und hybride Signale registriert. Die Vulkanologen staunten insbesondere über die lange Dauer von 90 Minuten, in denen diese Signale auftraten. Ein solches Signal wurde in dieser Form bislang noch nie auf Teneriffa aufgezeichnet.

In einem Bericht der Wissenschaftsseite „Volcanes y Ciencia Hoy“ ist sogar von Tornillos (schraubenförmige Erdbebensignale) sowie von lang anhaltenden Tremorphasen die Rede. Diese Bebenarten werden oft als Warnsignale bevorstehender Eruptionen angesehen, doch da andere geophysikalische Änderungen fehlen, interpretiert man sie hier als Hinweis auf eine anhaltende Reaktivierung des vulkanischen Systems.

Auffällig ist zudem, dass selbst Mikrobeben mit Magnituden um 0,4 erfasst wurden. Bislang konnten solche Vibrationen kaum lokalisiert werden. Fachleute sehen darin ein Indiz für ein verbessertes seismisches Messnetz auf der Insel.

Forscher und Behörden beruhigen, dass es keine Anzeichen eines unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs gibt, räumen aber ein, dass es nur wenige historische Vergleichsfälle für eine derart dichte und vielfältige seismische Aktivität gibt. „Irgendetwas verändert sich im System“, so die Einschätzung aus Fachkreisen – auch wenn dies nicht zwangsläufig in einer Eruption münden müsse.

Prävention und Aufklärung im Fokus

Parallel zur wissenschaftlichen Überwachung setzt die kanarische Vulkanforschung verstärkt auf Prävention und Aufklärung. Gestern traf sich INVOLCAN (Vulkanologisches Institut der Kanaren) mit Vertretern von acht Gemeinden im Süden Teneriffas.

Ziel des Treffens war es, die institutionelle Zusammenarbeit zu vertiefen und die Bevölkerung besser auf vulkanische Risiken vorzubereiten. Im Mittelpunkt stand das Bildungsprogramm „Kanarische Inseln – ein vulkanisches Fenster im Atlantik“, das seit 2008 mehr als 25.000 Menschen im Archipel erreicht hat, über 13.700 davon auf Teneriffa.

Dieses Programm gilt als einer der zentralen Pfeiler des spanischen Vulkan-Katastrophenschutzes (PEVOLCA) und soll langfristig eine Gesellschaft fördern, die informierter, widerstandsfähiger und weniger verwundbar gegenüber vulkanischen Gefahren ist.

Update 11.02.2025: In einem heute veröffentlichten Statement räumen die Vulkanologen erstmalig ziemlich klar ein, dass man langfristig betrachtet sehr wohl mit einem Vulkanausbruch auf Teneriffa rechnen müsse. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dieses „längerfristig“ nicht unbedingt auf geologische Zeitträume anzusehen ist. Tatsächlich können sich Eruptionen auf den Kanaren von dem aktuell beobachteten Aktivitätsstadium innerhalb weniger Monate entwickeln.

Ätna: Erdbeben im Osten und tiefe Tremorquellen

Erdbeben im Osten des Ätnas – Tremorquellen vergleichsweise tief und weit im Norden

Am Ätna gab es in den letzten Tagen wieder mehrere Erdbeben im Osten des Vulkans. Dabei bildete sich ein Cluster im Bereich von Milo, wobei die Erdbebenherde tiefer als 5 Kilometer lagen. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 2,5 und ein Epizentrum gut 1 Kilometer nordwestlich von Milo. Weitere flachere Beben gab es näher an der Küste. Vereinzelte Erschütterungen wurden auch im Norden und Süden registriert. Im Vergleich zu den letzten beiden Monaten hat die Seismizität aber deutlich abgenommen. Trotzdem steigt weiter Magma auf, wie man anhand der Tremorquellenanalyse sehr schön erkennen kann.

Tremor
Tremorquellen. © INGV

Laut den INGV-Daten für den Beobachtungszeitraum 2.–8. Februar 2026 war die Tremoramplitude schwach bis mittelhoch. Doch die Lageanalyse liefert uns praktisch ein Röntgenbild des Ätnas, auf dem man zwar keine gebrochenen Knochen erkennen kann, aber ein Abbild des oberen Speicher- und Fördersystems. Aktuell steigt ein Magmenkörper aus größeren Tiefen auf und bewegt sich ungewöhnlich weit nördlich des Gipfelkraterkomplexes in einer Höhe von ca. 1,5 Kilometern über dem Meeresspiegel. Damit befindet sich das Magma noch ein Kilometer unter dem oberen Reservoir, von wo es dann bei Ausbrüchen seinen finalen Aufstieg antritt. Sollte der Magmenkörper seinen aktuell eingeschlagenen Weg beibehalten, dann liegt eine baldige Reaktivierung des Nordostkraters an. Mich würde es auch nicht wundern, wenn sich im Norden des Ätna Spalten bzw. Förderschloten öffnen würden. Mögliche Warnsignale hierfür sind flach liegende Beben unter der Nordflanke und eine Aktivierung des Pernicana-Fault.

Die moderaten geochemischen Daten der Gasemissionen bestätigen, dass das Magma noch in etwas größerer Tiefe steckt. Auch die Infraschalltätigkeit war in der letzten Woche relativ gering, mit nur wenigen Signalen, die auf Explosionen hindeuteten.

Erdbeben gab es in den letzten Tagen nicht nur unter dem Ätna, sondern auch im äußersten Westen des Liparischen Archipels, wo das EMSC mehrere Erdbeben detektierte. Das stärkste hatte eine Magnitude von 3,4 und eine Herdtiefe von 31 Kilometern – eine Tiefe, die typisch für Magma ist, das dabei ist, in der Erdkruste einzudringen, oder für Beben an einem Stück subduzierter Kruste.

Übrigens: In den Höhenlagen des Ätnas liegt dieses Jahr ungewöhnlich viel Schnee und es kommt besonders an den Wochenenden zu massiven Staubildungen in Richtung der beiden Skigebiete. Offenbar sind die Straßen durch aufgetürmten Schnee an den Rändern so eng, dass Wenden unmöglich ist und keine Rettungsgassen gebildet werden können. So kam es bereits mehrmals zu unschönen Situationen, als es galt, Verletzte abzutransportieren. Vulkanführer bemängeln zu Recht die schlechte Organisation und Räumung der Straßen von Seiten der Kommune und kritisieren im gleichen Atemzug erneut die übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen am jüngsten Lavastrom. Tatsächlich halte ich Skifahren für deutlich gefährlicher, als sich mit Bedacht einem Lavastrom zu nähern, und die Unfallbilanz bestätigt das eindeutig. Ich selbst habe höchsten Respekt vor dem Skifahren und halte es für wesentlich gefährlicher, als effusive Vulkanausbrüche zu beobachten: Speed kills!

Mayon: Gefahrenpotenzial des Vulkanausbruchs bleibt hoch

Hohes Aktivitätsniveau des Mayon bestätigt – pyroklastische Ströme glitten bis zu 4 Kilometer weit

Der Vulkan Mayon auf den Philippinen bleibt laut Einschätzung der zuständigen Vulkanologen von PHILVOLCS weiterhin hochaktiv. Die überwiegend effusive Eruption des Lavadoms und die damit einhergehenden Abgänge von pyroklastischen Strömen und die hohe Lahar-Gefahr stellen für die umliegenden Gemeinden weiterhin eine ernste Gefahr dar.



PDC
PDC Mayon

Die Eruption hat seit dem 6. Januar deutlich an Fahrt aufgenommen: Vom Dom ausgehend fließen Lavaströme an den Süd- und Osthängen. Diese Aktivität wird begleitet von häufigen Felsstürzen, glühenden Schuttlawinenabgängen und pyroklastischen Dichteströmen (PDCs). Diese fließen besonders durch die Schluchten Mi-isi, Bonga und Basud und bewegen sich noch innerhalb der permanenten Gefahrenzone von sechs Kilometern.

Laut der aktuellen Tätigkeitszusammenfassung der Vulkanologen kam es am 8. und 9. Februar zu einer markanten Intensivierung der Aktivität. Die Zahl der Felsstürze erreichte einen neuen Höchstwert. Am Folgetag wurden die bislang größten PDC-Ereignisse registriert. Mehrere Abgangsserien erzeugten kilometerhohe Aschewolken, die westwärts verfrachtet wurden und in Teilen von Camalig und Guinobatan teils kräftigen Ascheregen verursachten. Als besonders alarmierend werden die Abgänge von bis zu 4 Kilometer langen PDCs gewertet, die sich in der Mi-isi-Schlucht bewegten. Es waren die längsten Dichteströme seit Beginn der Eruption. Sie sind auf Einstürze instabiler Lavafronten nahe dem Krater zurückzuführen, die große Mengen Materials mobilisierten.

Die geophysikalischen Überwachungsdaten belegen – abseits der sichtbaren Aktivität – die anhaltende Unruhe: häufige niederfrequente Erdbeben als Hinweis auf Gasbewegungen im flachen Untergrund, hohe Schwefeldioxid-Emissionen sowie messbare Bodenaufblähung durch Magmaintrusionen. Trotz der jüngsten PDC-Serie bewerten Vulkanologen die Ereignisse als kurzzeitige Zuspitzung innerhalb eines insgesamt stabil hohen Aktivitätsniveaus.

Die Alarmstufe bleibt bei 3. Das bedeutet: Eine weitere Aktivitätssteigerung bis hin zu einem Vulkanausbruch mit deutlich höherem Gefahrenpotenzial ist jederzeit und ohne weitere Vorwarnung möglich. Die Situation könnte eskalieren und pyroklastische Dichteströme hervorbringen, die die Grenzen der Sperrzone überschreiten Zudem sind Paroxysmen möglich. Behörden mahnen, die Sechs-Kilometer-Sperrzone strikt zu meiden und auch im Umkreis bis acht Kilometer wachsam zu bleiben.