Nyiragongo: Studie zur Subsidenz während Lavasee-Phase

Kraterboden des Nyiragongo sank ab – Subsidenz ist nicht zwingend ein Hinweis auf Deflation

Der Nyiragongo in der Demokratischen Republik Kongo gehört zu den ungewöhnlichsten Vulkanen der Erde. In seinem Gipfelkrater kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zur Bildung eines Lavasees, der sich alle paar Jahre in einer großen Flankeneruption entleert, nur um sich nach einiger Zeit neu zu bilden. Zuletzt lief der Lavasee im Jahr 2021 ab. In den letzten Monaten bildete sich ein neuer Lavasee. Eine neue Studie im Bulletin of Volcanology zeigt nun, dass eine starke Absenkung des Kraterbodens zwischen 2012 und 2016 wahrscheinlich nicht durch eine Entleerung des Magmareservoirs verursacht wurde. Stattdessen spielte vermutlich die Abkühlung und Komprimierung von Lavaablagerungen eine entscheidende Rolle.


Kratersee Nyiragongo

Die Wissenschaftler um Arthur Wan Ki Lo von der Pennsylvania State University untersuchten die Deformation des Kraters mithilfe hochauflösender Radarinterferometrie (InSAR). Dabei wurde eine kontinuierliche Absenkung des Kraterbodens von durchschnittlich etwa 39 Zentimetern pro Jahr festgestellt. Modellrechnungen ließen zunächst auf eine Deflation einer flachen, etwa 90 Meter tief liegenden Struktur eines möglichen Sills schließen. Die Autoren betonen jedoch, dass daraus nicht auf eine tatsächlich existierende oder sich entleerende Magmaintrusion geschlossen werden kann; zwar passte ein sich entleerender Sill zum mathematischen modell der Subsidenz (Absenkung) doch die anderen Parametrer vulkansicher Beobachtungen und geophysiklaischer Messdaten passten nicht dazu.

Vielmehr halten die Forscher einen thermischen Prozess für für die gemessene Absenkung verantwortlich. Seit der großen Flankeneruption von 2002 hatten sich durch Lavaüberäufe des Lavasees im Krater zahlreiche dicke Lavaschichten abgelagert. Beim Abkühlen ziehen sich diese zusammen und verdichten sich. Die dadurch entstehende Volumenabnahme kann eine entsprechende Absenkung der Oberfläche verursachen. Die Studie zeigt damit, dass vulkanische Deformation nicht zwangsläufig ein direktes Abbild von Vorgängen im Magmareservoir ist. Ähnliches erleben wir derzeit am Vesuv, wo es eine leichte Subsidenz und Erdbeben infolge der Abkühlung einer Schlotfüllung gibt.

Nach dem Untersuchungszeitraum entwickelte sich der Nyiragongo allerdings weiter. Im Februar 2016 entstand im Krater ein neuer aktiver Spatterkegel beziehungsweise ein Hornito auf der Terrasse über dem Lavasee. Die Lavaaktivität setzte sich anschließend über Jahre fort. Im Mai 2021 kam es zu einer erneuten und äußerst gefährlichen Flankeneruption. Lavaströme traten aus Spalten an den Flanken aus und bewegten sich in Richtung der Stadt Goma und richteten Zerstörungen in vorgelagerten Siedlungen an. Die Eruption zeigte erneut, wie schnell sich das Gefahrenbild des Nyiragongo verändern kann.


Nach der Eruption kehrte die Lava relativ schnell in den Gipfelkrater zurück. Bereits im September 2021 wurden wieder thermische Anomalien beobachtet. Ende 2021 kam es zu Lavafontänen und Kollapsereignissen an aktiven Schloten; anschließend entwickelte sich erneut eine Lavaansammlung. Auch 2022 und 2023 wurde anhaltende Lavaaktivität im Krater registriert. Im Sommer 2023 breitete sich Lava über größere Bereiche des Kraterbodens aus. Von Ende 2023 bis Frühjahr 2024 nahm die thermische Aktivität erneut deutlich zu. Satellitenbilder zeigten im April und Mai 2024 wieder helle Lavaflächen und starke thermische Anomalien.

Aktuell zeigt der Nyiragongo weiterhin eine ausgeprägte thermische Signatur: Auf einer aktuellen SWIR-Aufnahme ist eine nahezu 200 Meter durchmessende thermische Anomalie im Krater erkennbar. Das spricht für eine starke Wärmequelle und stammt wahrscheinlich von einem neuen Lavasee. Die Größe der thermischen Anomalie entspricht allerdings nicht zwangsläufig der tatsächlichen Größe eines offenen Lavasees.

Die Studie liefert damit einen wichtigen Hinweis für die Überwachung des Nyiragongo: Eine starke Kraterdeformation allein reicht nicht aus, um Veränderungen des Magmasystems zu diagnostizieren. Erst die Kombination aus Deformation, Seismizität, Gasemissionen und thermischen Beobachtungen erlaubt eine zuverlässigere Einschätzung der Aktivität.

(Quelle: Wan Ki Lo, A., Wauthier, C., Smets, B., d’Oreye, N., Barrière, J. & Samsonov, S. (2026): Imaging and modeling crater floor subsidence at Nyiragongo Volcano, DRC. Bulletin of Volcanology, 88, 112. DOI: 10.1007/s00445-026-02041-0. Veröffentlicht am 5. September 2026.)

Ätna: Flugbetrieb in Catania eingeschränkt

Ätna-Asche legt Flughafen Catania lahm – Einschränkung gilt zunächst bis 16 Uhr

Bereits heute Morgen habe ich über die gesteigerte Aktivität des Ätnas berichtet und darüber, dass der Alarmcode für den Flugverkehr bereits in den frühen Morgenstunden auf „Rot“ erhöht wurde. Kurz nachdem ich meinen Bericht veröffentlicht hatte, gab es möglicherweise eine weitere Aktivitätssteigerung, weswegen der Flughafen Catania-Fontanarossa den Luftraumsektor C1 für ankommende Flüge sperrte. Der Flugbetrieb wurde stark eingeschränkt. Zunächst wurden die Ankünfte bis 16 Uhr Ortszeit ausgesetzt, zahlreiche Maschinen wurden auf andere Flughäfen wie Palermo umgeleitet.



Flughafen Catania. © Leroy Szeglat

Nach Angaben des Toulouse Volcanic Ash Advisory Centre begann die aktuelle Eruptionsphase bereits um 02:40 UTC (04:40 Uhr MESZ). Um 04:52 UTC wurde für den Ätna die höchste Luftfahrt-Warnstufe Rot ausgegeben. Satellitenbilder und Kameras des INGV zeigten eine Aschewolke, die bis in etwa 4 Kilometer Höhe aufstieg. Die Wolke bewegte sich mit 18 km/h nach Südosten und damit in Richtung des Großraums Catania.

Das VAAC beschrieb die Aschefahne allerdings als relativ dünn und rasch zerfallend. Aufgrund der geringen Intensität wurden keine quantitativen Ascheprognosen ausgegeben. Dennoch kam es zu der beschriebenen Einschränkung des Flugverkehrs, da die feinen Aschepartikel in Triebwerke gelangen können, dort schmelzen und anschließend wieder erstarren. Im Extremfall kann dies zu einem Triebwerksausfall führen.

Die Betreibergesellschaft SAC schloss deshalb den Luftraumsektor C1. Die Maßnahme trat am Vormittag in Kraft und führte zur Einstellung sämtlicher Ankünfte bis zunächst 16 Uhr. Bereits mehrere Flüge wurden nach Palermo umgeleitet; weitere Maschinen wichen auf andere sizilianische Flughäfen aus.

Die jüngste VONA-Warnung vom VAAC Toulouse konnte um 10:00 UTC (12:00 MESZ) keine Asche mehr auf Satellitenaufnahmen ausmachen und hob die Warnung auf. Die Chancen stehen gut, dass der Flughafen die Sperrung ab 16 Uhr aufhebt. Dennoch sollten sich Flugreisende zuvor erkundigen, ob ihre Flüge stattfinden werden.

Die Sperrung zeigt die besondere Verwundbarkeit des Flughafens Catania gegenüber Ascheemissionen des Ätna. Schon während der intensiven vulkanischen Aktivität im August war der Flugbetrieb mehrfach eingeschränkt worden und kam über mehrere Tage hinweg zum Erliegen. Die weitere Entwicklung hängt nun vor allem von der Stärke der Ascheemission und der Windrichtung ab.

Kilauea: Intensives Lavaspattering aus dem Nordschlot

Kilauea: Erdbeben MB 4,1 unter Südflanke – Lavafontänen-Episode 55 lässt weiter auf sich warten

Am Kilauea auf Hawaii verharrt die vulkanische Aktivität auf dem Niveau einer Vorläuferphase, der seit Tagen erwarteten Lavafontänen-Episode 55. Dabei wird die Aktivität inzwischen von intensivem Lavaspattering aus dem Nordschlot des Halemaʻumaʻu-Kraters dominiert, während die Lavastromtätigkeit abgenommen hat. Und das, obwohl die Bodenhebung wieder von Inflation bestimmt wird, die einen neuen Rekordwert für die aktuelle Eruptionspahse erreicht hat. Der Vulkan steht weiterhin auf Alarmstufe WATCH, der Flugfarbencode lautet ORANGE.



Lavaspattering. © HVO

Am Sonntagabend nahm das Spattering am Nordschlot deutlich zu. Gegen 18:30 Uhr Ortszeit wurden nahezu kontinuierliche Spratzerauswürfe beobachtet, wobei größere Fontänen Höhen von etwa 10 bis 20 Metern erreichten. Bereits zuvor war an den drei Schloten Glühen beobachtet worden. Das anhaltende Tremorsignal deutet darauf hin, dass Magma weiterhin sehr oberflächennah im Fördersystem steht.

Gleichzeitig setzt sich die Inflation des Gipfelbereichs fort. Nach Angaben des Hawaiian Volcano Observatory hat das UWD-Tiltmeter seit dem Ende der letzten Lavafontänen-Episode am 25. August einen Anstieg von insgesamt etwa 15 Mikroradian registriert. Damit liegt die Bodenhebung mehrere Mikroradian über dem Wert, der vor Beginn der Episode 54 erreicht worden war. Die Magmakammer unter dem Gipfelbereich hat somit inzwischen offenbar erheblichen Druck aufgebaut, dennoch scheint der richtige Anstoß zu fehlen, um mit einer paroxysmusartigen neuen Lavafontänen-Episode durchzustarten.

Bodenhebung geht weiter. © HVO

Seit dem 7. September wurden insgesamt 104 präparatorische Lavaüberläufe am Nordschlot registriert. Diese Aktivität gilt normalerweise als Vorläufer einer neuen Fontänenphase. Nachdem das Prognosefenster für Episode 55 mehrfach verschoben wurde und die Eruption nun für den 13. oder 14. September erwartet wird, ist inzwischen unklar, wann genau die Eruption einsetzen wird. Das HVO betont, dass die bisherigen Modelle zur Vorhersage anhand der Bodenhebung nicht mehr zuverlässig funktionieren.

Zusätzliche seismische Aktivität wurde am Sonntag durch ein Magnitude-4,1-Erdbeben unter der Südflanke des Kilauea registriert. Das Hypozentrum lag in 13 Kilometern Tiefe, etwa fünf Kilometer südlich von Pāhala. Das Beben wurde laut HVO nicht mit der laufenden Eruption in Verbindung gebracht. Es steht vielmehr im Zusammenhang mit der regionalen tektonischen Aktivität im Bereich der Südflanke des Vulkans.

Trotz des Bebens und der weiterhin hohen Inflation bleibt die erwartete Episode 55 somit aus. Die Kombination aus oberflächennahem Magma, kontinuierlichem Tremor, Spattering und zunehmender Bodenhebung spricht jedoch dafür, dass eine neue Phase intensiver Lavafontänen weiterhin unmittelbar bevorstehen kann.

Sakurajima eruptiert auch am 14. September Vulkanasche

Sakurajima eruptiert heute erneut und verursacht Aschefall im Norden von Kagoshima

Am japanischen Vulkan Sakurajima ist die Aktivität weiterhin erhöht. Am 14. September 2026 kam es zu einer weiteren Eruption am Minamidake-Gipfelkrater. Nach Angaben des JMA begann der Ausbruch um 14:25 Uhr Ortszeit (05:25 UTC). Die Aschewolke stieg dabei bis auf etwa 2500 Meter über dem Krater auf und wurde anschließend in nördliche Richtung verfrachtet. Das VAAC Tokio veröffentlichte eine VONA-Warnung, nach der die Aschewolke bis auf FL 120 aufstieg, was einer Höhe von 3650 m über dem Meer entspricht.



Sakurajima

Für die Stadt Kagoshima, insbesondere den Bereich der Sakurajima-Halbinsel in der Bucht von Kagoshima, wurde kurzfristig mäßig starker Aschefall vorhergesagt. Innerhalb einer Stunde konnten dort zwischen 0,1 und 1 Millimeter Vulkanasche niedergehen. Die Asche wurde in Richtung Aira-Stadt und Kajiki verfrachtet. Autofahrer wurden vor eingeschränkter Sicht und rutschigen Straßen gewarnt.

Im Umfeld des Gipfelkraters besteht zudem die Gefahr, dass kleinere vulkanische Bomben und Gesteinsbrocken bis etwa einen Kilometer weit ausgeworfen werden. Größere ballistische Geschosse wurden bei den jüngsten Eruptionen bis zu 600 Meter weit ausgestoßen. Die japanischen Behörden halten deshalb die Vulkanwarnstufe 3 mit Zugangsbeschränkungen aufrecht. Im Bereich von etwa zwei Kilometern um die Gipfelkrater muss mit größeren Gesteinsbrocken und pyroklastischen Strömen gerechnet werden.

Zwischen dem 11. und 14. September wurden insgesamt 25 Eruptionen am Minamidake registriert. Der Showa-Krater blieb dagegen ohne Eruptionen oder beobachtete Glüherscheinungen. Anders verheilt es sich am Gipfelkrater, wo nachts ein deutliches Glühen dokumentiert werden konnte. Vulkanische Erdbeben treten derzeit nur selten auf, während explosionsbedingte vulkanische Tremoren gelegentlich registriert werden. Der Schwefeldioxid-Ausstoß ist hoch und lag bei der letzten Messung am 10. September bei 2100 Tonnen am Tag, was für entgasendes Magma nahe der Oberfläche spricht.

Die längerfristige Entwicklung deutet ebenfalls auf anhaltenden Magmanachschub hin. GNSS-Messungen zeigen seit etwa Mai 2026 eine leichte Verlängerung einiger Distanz-Messlinien auf Sakurajima, was darauf hindeutet, dass sich der Vulkan infolge intrudierenden Magmas aufbläht. Auch im Bereich der Aira-Caldera wird eine langfristige Ausdehnung des Untergrunds beobachtet. Nach Einschätzung der JMA sammelt sich dort weiterhin Magma in größerer Tiefe. Die Behörde geht daher davon aus, dass die vulkanische Aktivität am Sakurajima anhalten wird.

USA: Starkregen führt im Osten zu Überflutungen

Extremregen verursachte Überflutungen in Connecticut und New York – Autos versinken in den Fluten

Heftige Unwetter haben am Sonntag, 13. September 2026, Teile von Connecticut und dem angrenzenden Bundesstaat New York unter Wasser gesetzt. Besonders schwer betroffen war die Region um Westport im Fairfield County. Innerhalb weniger Stunden fielen dort außergewöhnlich große Regenmengen, die zahlreiche Straßen in reißende Wasserläufe verwandelten.

Überflutung

Im Raum Westport und Norwalk wurden örtlich 15 bis 18 Zentimeter Niederschlag gemessen. Besonders problematisch war die hohe Intensität der Regenfälle: Zeitweise wurden Niederschlagsraten von mehreren Zentimetern pro Stunde erreicht. Dadurch konnte das Wasser nicht schnell genug abfließen und es bildeten sich innerhalb kürzester Zeit Sturzfluten.

Auf den Straßen spielten sich teils dramatische Szenen ab. Zahlreiche Fahrzeuge wurden von den Wassermassen eingeschlossen. Nach Angaben der örtlichen Behörden mussten in Westport 13 Menschen aus ihren Fahrzeugen gerettet werden. Auf Bildern aus dem Ort ist zu sehen, wie Autos teilweise bis zum Dach im Wasser stehen. In einem Fall ist ein Fahrzeug unter den Wassermassen nahezu vollständig verschwunden.

Auch im benachbarten Bundesstaat New York kam es zu schweren Überschwemmungen. Besonders betroffen war Rye im Westchester County. Dort wurden mehr als 70 Liter Regen auf dem Quadratmeter gemessen. Straßen wie der Playland Parkway und Bereiche um die Midland Avenue standen unter Wasser. Auch in Rye mussten Menschen aus einem von den Fluten eingeschlossenen Fahrzeug gerettet werden.

Auslöser des Extremereignisses war ein Unwettersystem, das auf eine außergewöhnlich feuchte und warme Luftmasse traf. Der hohe Feuchtegehalt der Atmosphäre ermöglichte die Bildung sehr niederschlagsreicher Gewitter und Schauer.

Das Unwetter betraf weite Teile des südlichen New England und der angrenzenden Region. Neben Connecticut und New York wurden auch Gebiete in New Jersey von Überschwemmungen betroffen. Die Ereignisse verdeutlichen, wie schnell intensive Starkregenfälle in dicht besiedelten Regionen zu gefährlichen Sturzfluten führen können. In Zeiten des Klimawandels und immer stärkeren Extremwetterereignissen bleibt dem Menschen nichts anderes übrig, als sich den veränderten Bedingungen anzupassen. Dazu gehört ein Ausbau der Infrastruktur, wie leistungsfähigere Kanalisationen, aber auch Wasserspeicher und Hitzeschutz werden benötigt.

Ätna: Flugwarncode am 14. September auf Rot angehoben

Wechselspiel des Alarmcodes am Ätna geht weiter – Erneute Ascheemissionen gefährden Flugverkehr

Am Ätna auf Sizilien wurde nach einem ruhigen Wochenende heute Morgen der Alarmcode für den Flugverkehr erneut von „Orange“ auf „Rot“ erhöht. Das INGV veröffentlichte um 04:43 UTC eine entsprechende Meldung. Grund für die Erhöhung sind neue Ascheemissionen, die überwiegend aus dem Nordostkrater austreten und vom starken Wind in Richtung Süden verfrachtet werden.



Ätna

Südlich des Ätnas liegt der Flughafen von Catania, doch die Ascheemissionen sind derzeit zu schwach, als dass sie den Flugbetrieb tatsächlich beeinträchtigen würden. Da eine Verstärkung der Aktivität nicht ausgeschlossen werden kann und spontan ohne weitere Vorwarnung einsetzen könnte, wurde der Alarmcode vorsorglich erhöht.

Je nach Windrichtung führt der Landeanflug vieler Maschinen in einer Schleife am Ätna vorbei. Dadurch können die Flugzeuge den Aschewolken sehr nahe kommen, und es besteht die Gefahr, dass sie diese durchfliegen. Vulkanasche kann Triebwerke beschädigen und hat auf Cockpitscheiben einen ähnlichen Effekt wie ein Sandstrahlgebläse, der umso stärker wirkt, je schneller das Flugzeug fliegt. Im Extremfall können die Scheiben dadurch matt werden und dem Piloten die Sicht rauben.

Gegen eine spontane Verstärkung der Explosivität spricht aktuell der sehr niedrige Tremor, der einen derart tiefen Stand im grünen Bereich erreicht hat, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen habe. Interessant sind allerdings einzelne scharfe Peaks im Graphen, die so weit in den roten Bereich springen, dass dadurch die Skala des Tremorgraphen automatisch verkleinert wird.

Niedriger Tremor mit Peaks. © INGV

Wodurch diese Peaks ausgelöst werden, ist unklar. Einerseits könnten sie auf eine kurzzeitige Verstärkung der Magmabewegungen im Untergrund hindeuten. Andererseits können solche Ausschläge auch durch stärkere Erdbeben in der Nähe ausgelöst werden oder auf technische Probleme zurückgehen. Sprengungen in den Lavasteinbrüchen an der unteren Ätnaflanke sind ein weiterer möglicher Erklärungsansatz.

Die übrige Seismizität bleibt gering, mit einigen Erschütterungen im Valle del Bove und unter den Gipfelkratern.

Auf dem letzten wolkenfreien Satellitenfoto vom 8. September ist im SWIR-Band eine thermische Anomalie im Nordostkrater zu erkennen. Zudem zeigen sich winzige Wärmequellen entlang der Fraktur im Voragine-Kegel, die bei den Eruptionen im Juli und August entstanden ist. Aus der Bocca Nuova wurden starke Entgasungen beobachtet.

Anhand der teils widersprüchlichen Daten bleiben Prognosen zur weiteren Entwicklung des Vulkans schwierig. Thermische Signale und anhaltende Ascheemissionen sprechen für einen hohen Stand des Magmas im Fördersystem. Die geringe Tremoramplitude und Seismizität sprechen allerdings gegen einen starken Magmaaufstieg.

Möglicherweise ist das Fördersystem des Vulkans teilweise blockiert, wodurch der Druck im Vulkaninneren steigt und sich Magma nur noch eingeschränkt bewegen kann. Dies wäre ein möglicher Erklärungsansatz für den geringen Tremor bei gleichzeitig anhaltenden Ascheemissionen: Der steigende Druck könnte die Schlotfüllung im Nordostkrater zunehmend fragmentieren und dadurch die Ascheemissionen erzeugen. Aus so einer Situation heraus wären jederzeit stärkere Explosionen möglich.

Studie zeigt: Magma kann noch nach Jahrzehnten ausbrechen

Tickend Zeitbomben im Untergrund: Warum Magma jahrzehntelang eruptierbar bleiben kann

Eine neue Studie zeigt, dass die Gefahr eines Vulkanausbruchs nicht zwangsläufig mit dem Ende eines Magmenaufstiegs verschwindet. Selbst in extrem flachen Magmaintrusionen von bis zu einem Kilometer Tiefe unter der Oberfläche können Bereiche mit heißer, potenziell eruptierbarer Schmelze über Jahrzehnte erhalten bleiben und noch lange nach der Intrusion Eruptionen auslösen, insbesondere wenn es zum erneuten Eindringen von Schmelze kommen sollte. Wie lange die Schmelze eruptionsfähig bleibt, hängt nicht nur von der Menge der in den Untergrund eingedrungenen Gesteinsschmelze ab, sondern auch von deren Geschwindigkeit beim Eindringen und die Strömungen innerhalb des Magmenkörpers. Zugleich können nur langsam abkühlenden Intrusionen stabile Wärmequellen für Geothermiekraftwerke darstellen.


Puyehue-Cordón Caulle

Forscher der schwedischen Universität Uppsala und anderer Institute modellierten die Entwicklung einer flachen rhyolithischen Intrusion, wie sie sich beispielsweise 1980 während der Eruption am Mount St. Helens oder dem Vulkan Puyehue-Cordón Caulle im Jahr 2011 bildete. Dabei wurden Magmenzufuhrraten zwischen sehr langsamem Wachstum über mehr als ein Jahrhundert und einer schnellen Intrusion innerhalb weniger Wochen simuliert. Berücksichtigt wurden Wärmeleitung, Konvektion und Kristallisation der Schmelze.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Magma innerhalb der Intrusion keineswegs gleichmäßig abkühlt. Vielmehr können sich komplexe Strömungen entwickeln. Durch Konvektion zirkuliert heißes Magma innerhalb des Intrusivkörpers, während gleichzeitig andere Bereiche schneller abkühlen und sich Kristalle bilden. Dadurch entstehen Zonen, in denen noch über lange Zeiträume genügend flüssige Schmelze vorhanden ist, um grundsätzlich eruptiert werden zu können.

Von besonderer Bedeutung ist, dass die Wachstumsgeschwindigkeit der Intrusion eine entscheidende Rolle in Bezug auf das Eruptionspotenzial eines Vulkans spielt. Bei rascher Magmazufuhr kann sich ein deutlich größerer Bereich mit heißer Schmelze und hohem Eruptionspotenzial entwickeln. Bei langsamerem Wachstum hat das umgebende Gestein dagegen mehr Zeit, Wärme abzuleiten und die Schmelze kristallisieren zu lassen. Die endgültige Größe einer Intrusion sagt deshalb allein wenig über ihr Eruptionspotenzial aus.

Ein reales Beispiel – an dem sich die Forschenden um Erika Ronchin orientierten – liefert der Vulkan Cordón Caulle in Chile. Dort begann am 4. Juni 2011 eine explosive rhyolithische Eruption. Während der folgenden Wochen und Monate drang weiteres Magma in geringer Tiefe ein und führte zur Bildung einer mächtigen unterirdischen Intrusion, die auch als Kryptodom bezeichnet wird. Die Eruption und das Wachstum der Intrusion waren somit Teil desselben magmatischen Prozesses.

Nach dem Ende der Eruption kam es am Cordón Caulle zu mehreren erneuten Hebungsphasen. Diese wurden als Magmennachschub interpretiert, führten aber nicht zu einer neuen Eruption. Hier greift die Studie, indem sie modelliert, was mit dem in nur wenigen Hundert Metern Tiefe gespeichertem Magma passiert. Unter günstigen Bedingungen können Restschmelzen über lange Zeiträume erhalten bleiben. Eine spätere erneute Magmazufuhr könnte diese Bereiche zusätzlich aufheizen und mobilisieren.

Damit ergeben sich wichtige Aspekt für die Vulkanüberwachung:

  • Eine Phase starker Deformation oder Seismizität muss nicht unmittelbar zu einer Eruption führen. Umgekehrt bedeutet das Ausbleiben eines Ausbruchs nicht zwangsläufig, dass die Gefahr eines Ausbruchs vollständig verschwunden ist. Eine flache Intrusion kann zunächst als „magmatischer Speicher“ fungieren und später erneut aktiviert werden.
  • Nicht jede Magmaintrusion erhöht das Eruptionsrisiko im gleichen Maß. Dringt Magma langsam in die flache Kruste ein, kann sie als Intrusion stecken bleiben und über längere Zeit abkühlen. Ein schneller Magmenimpuls könnte dagegen wesentlich größere Mengen heißer Schmelze in kurzer Zeit bereitstellen und damit die Wahrscheinlichkeit einer Eruption erhöhen.

Die Ergebnisse lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf alle Vulkane übertragen. Besonders untersucht wurde hochviskoses rhyolithisches Magma. Basaltische Schmelzen sind heißer und deutlich dünnflüssiger und zeigen daher andere Strömungs- und Kristallisationsprozesse. Auch bei ihnen können langlebige Magmenkörper entstehen, doch die physikalischen Bedingungen unterscheiden sich deutlich von jenen saurer Magmen.

Die Grafik verdeutlicht, dass MAgma über JAhrzehnte Eruptonsfähig bleiben kann. © Erika Ronchin und andere

Dennoch gibt es aktuell 2 sehr schöne Beispiele von basaltischen Intrusionen auf Island: Seit über einem Jahr sammelt sich Magma im Svartsengigebiet der Reykjaneshalbinsel an und Vulkanologen rechnen mit einem Vulkanausbruch. Doch seit Januar nahm die Geschwindigkeit der Intrusion ab und es darf gefragt werden, ob die Geschwindigkeit der Intrusion noch ausreicht, um eine Eruption zu triggern. Ähnliches geschah in der Askja-Caldera. Hier stoppte die Intrusion nach fast 5 Jahren. Selbst wenn man nicht mehr unmittelbar mit einem Vulkanausbruch rechnet, könnte eine erneute Intrusion schnell zur Eruption führen. Darüber hinaus könnten die Studienergebnisse auch für die italienische Caldera Campi Flegrei interessant sein, wo sich Magma offenbar über lange Zeiträume ansammelt und Intrusionen verursacht.

Die Studie verdeutlicht, dass Magma im Untergrund kein statischer Körper ist. Während eine Intrusion wächst, strömt und kristallisiert die Schmelze gleichzeitig. Dadurch kann ein Vulkan noch lange nach einer Phase intensiver magmatischer Aktivität über Bereiche verfügen, in denen grundsätzlich eruptierbares Magma vorhanden ist. Die eigentliche Gefahr kann somit deutlich länger bestehen bleiben, als es die Aktivität an der Oberfläche vermuten lässt. Zugleich verdeutlicht sie, dass die Vorstellung eines sich immer wieder füllenden Hohlraums unter einem Vulkan, der gemeinhin als Magmakammer bezeichnet wird und in dem Magma brodelt, überholt ist.

Quelle: Ronchin, E. et al. (2026): Magma dynamics and cooling in sub-volcanic intrusions: insights on eruption potential from finite element modelling. Bulletin of Volcanology, 88, 110. DOI: 10.1007/s00445-026-02031-2.

Griechenland: Erdbeben Mb 4,8 vor Kefalonia

Erdbeben Mb 4,8 vor griechischer Insel Kefalonia löste Nachbebenschwarm aus

Vor der griechischen Insel Kefalonia hat sich am 12. und 13. September 2026 ein Nachbebenschwarm entwickelt, dem am 12. September um 17:51 UTC ein stärkstes Erdbeben vorangegangen war. Nach Angaben des EMSC hatte dieses Beben eine Magnitude von 4,8. Das Hypozentrum lag in 10 Kilometern, gut 23 Kilometer westlich von Argostoli.

Kefalonia. © EMSC/Leaflet

In den folgenden Stunden registrierten die Seismometer zahlreiche weitere Erschütterungen. Darunter waren Beben der Magnituden 2,5 bis 2,8 in unmittelbarer Umgebung des Hauptbebens. Am 13. September folgten unter anderem Beben mit M3,0 um 05:34 UTC sowie ein M2,7 um 04:18 UTC. Die Aktivität konzentriert sich dabei auf einen Bereich westlich und südwestlich von Kefalonia.

Das Hauptbeben wurde auf der gesamten Insel deutlich wahrgenommen. Besonders zahlreiche Meldungen gingen aus Lixouri und Argostoli ein. Bewohner beschrieben kurze, teilweise kräftige Erschütterungen, Möbelbewegungen und ein Schwanken von Gebäuden. In Lixouri berichteten Augenzeugen sogar von einem dumpfen Geräusch unmittelbar vor dem Beben. In Argostoli wurden unter anderem schwankende Möbel und Vibrationen von mehreren Sekunden Dauer beobachtet. Erschütterungen wurden außerdem auf Zakynthos, Lefkada und bis in die Regionen von Agrinio und Patras registriert. Schäden wurden in den bisher vorliegenden Meldungen nicht angegeben.

Die Region gehört zu den aktivsten Erdbebengebieten Griechenlands. Tektonisch betrachtet liegt Kefalonia an der gleichnamigen Transformstörung, einem bedeutenden Blattverschiebungssystem am westlichen Ende der Hellenischen Subduktionszone. Die Störung nimmt die Bewegungen zwischen der Ionischen Platte im Westen und der Ägäis auf. Entlang der Störungszone treten überwiegend dextrale Seitenverschiebungen auf.

Bemerkenswert ist, dass die Region auch in jüngerer Vergangenheit wiederholt Schwarmbebenaktivität zeigte. Besonders gut untersucht ist ein Erdbebenschwarm nördlich von Kefalonia im Februar 2024. Dabei wurden innerhalb von etwa zwei Monaten rund 2495 schwache bis moderate Erdbeben registriert. Studien deuteten unter anderem auf eine mögliche Beteiligung von magmatischen Fluiden im Untergrund hin.

Noch wesentlich stärker war die Erdbebenserie von 2014 mit zwei schweren Beben der Magnituden 6,1 und 6,0. Auch 2015 erschütterte ein M6,4 die benachbarte Region von Lefkada.

Der aktuelle Schwarm ist damit zunächst als tektonische Aktivität an einem ohnehin hochaktiven Störungssystem einzuordnen. Ob sich das Schwarmbeben weiter intensiviert, bleibt abzuwarten.

Vulkan Sakurajima: Ascheeruption am 13. September

Japanischer Vulkan Sakurajima eruptiert Vulkanasche bis auf 3700 m Höhe

Am Sakurajima im Süden von Kyushu ist es am 13. September zu einer weiteren Eruption gekommen. Der explosive Vulkanausbruch manifestierte sich um 17:10 Uhr Ortszeit im Gipfelkrater Minamidake. Nach Angaben der japanischen Wetter- und Meteorologiebehörde JMA stieg die Eruptionswolke bis auf eine Höhe von 2.400 Metern über dem Kraterrand auf. Die Vulkanasche wurde vom Wind in nordwestliche Richtung verfrachtet und zog damit in Richtung des Internationalen Flughafens von Kagoshima.



Die JMA-Prognosen zum Ascheniederschlag gehen davon aus, dass es bis 23:00 Uhr Ortszeit zu mäßig starkem Ascheniederschlag kommen kann. In den Orten auf der Kirschblüteninsel wird mit etwas stärkerem Aschefall gerechnet, während unter anderem Tarumizu, Aira, Satsumasendai, Hioki und Akune von geringerem Aschefall betroffen sein können. In den stärker belasteten Gebieten empfiehlt die JMA, Schutzmaßnahmen gegen die Asche wie Atemschutzmasken und Regenschirme zu verwenden und langsamer zu fahren, da Vulkanasche die Sicht beeinträchtigen und Straßen rutschig machen kann.

Neben der Asche wurde größere Tephra ausgeworfen. Größere Blöcke gingen – wie auch bei den letzten stärkeren Eruptionen – bis in einer Entfernung von 1 Kilometer zum Gipfelkrater nieder.

Auch das VAAC Tokyo bestätigte die Eruption. Der Ausbruch wurde um 08:10 UTC registriert, wobei die Aschewolke eine Flughöhe von gut 3.700 Metern über dem Meeresspiegel erreichte. Auf Satellitenbildern war die Aschewolke anschließend nicht eindeutig auszumachen, da sich die Aschewolke unter Wetterwolken mischte.

Auf den diversen Livecams in der Region Kagoshima ist zu erkennen, wie sich die Aschewolke fast senkrecht über den Krater erhebt. Dabei stieg sie relativ langsam auf. Es herrschte relativ schwacher Wind und die Wolke wurde erst in der Höhe seitwärts verfrachtet.

Die neue Eruption fügt sich in eine anhaltende Phase erhöhter Aktivität ein. Bereits Anfang September wurden wiederholt vulkanische Erdbeben registriert. Zwischen dem 7. und 11. September traten täglich mehrere vulkanische Beben auf.

Auffällig ist auch der Schwefeldioxidausstoß, der bei einer Messung am 10. September 2.100 Tonnen pro Tag betrug. Die Vulkanologen bewerten die Gasfreisetzung als weiterhin hoch und gehen davon aus, dass die eruptive Aktivität anhalten wird.

Die Vulkanwarnstufe 3 bleibt bestehen. Damit gelten Einschränkungen für den Zugang zu den Gipfelbereichen. Neben Ascheregen besteht insbesondere eine Gefahr durch ballistisch ausgeworfene Gesteinsbrocken und pyroklastische Ströme. Ein Ende der eruptiven Phase ist nicht in Sicht.