Ätna: Wiederaufgelebte Ascheeruption stört Flugverkehr

Aschewolke stört Flugverkehr am Ätna – weitere Spaltenöffnung erzeugte pyroklastischen Dichtestrom

Am Ätna hat sich die eruptive Aktivität ein weiteres Mal deutlich verstärkt. Seit dem Abend des 16. August werden wieder intensive Ascheeruptionen registriert, deren Auswirkungen auch auf den Flugverkehr der Region übergreifen. Das VAAC Toulouse setzte den Alarmcode für den Flugverkehr auf Rot. Eine am 17. August um 09:00 UTC beobachtete Aschewolke erreichte nach Angaben des VAAC etwa 7000 Meter über dem Meeresspiegel und driftete mit fast 40 km/h nach Südosten. Die Aschekonzentration ist vor allem im Umkreis von 100 Kilometern um den Vulkan hoch.

Am Flughafen Catania wurde deshalb die Einschränkung des Flugbetriebs verlängert. Im Sektor B1 dürfen bis Dienstagmittag, 18. August, nur noch zehn ankommende Flugzeuge pro Stunde abgefertigt werden. Abflüge sind dagegen nicht eingeschränkt. Reisende werden aufgefordert, vor der Fahrt zum Flughafen den Status ihrer Flüge zu überprüfen. Vor allem sollte man bedenken, dass nur Flugzeuge, die in Catania landen konnten, auch wieder abheben können. Von daher täuschen die Informationen des Flughafens oft über die tatsächliche Lage hinweg: Trotz der vermeintlichen freien Startmöglichkeit für Flugzeuge gibt es starke Einschränkungen auch bei den abgehenden Flügen.

Neben der explosiven Aktivität des Voragine-Kraters hat sich die effusive Aktivität im Valle del Bove weiterentwickelt. Das INGV dokumentierte am 17. August um 06:09 UTC die Öffnung einer neuen effusiven Spalte im Valle del Bove, die sich auf einem Höhenniveau zwischen 2200 und 2350 Metern befindet. Aus der neu entstandenen Öffnung trat nicht nur Lava aus, sondern im Initialstadium der Öffnung wurde von zahlreichen Beobachtern ein kleiner pyroklastischer Dichtestrom dokumentiert. Das Phänomen tritt bei den meisten Öffnungen neuer Eruptionsspalten auf und kann unter Umständen gefährlich werden. Daher sollte man es tunlichst unterlassen, das Valle del Bove unterhalb der Eruptionszentren zu betreten.

Auch die Lavaströme aus den Ausbruchsöffnungen auf etwa 2750 und 1990 Metern werden weiterhin gespeist; ihre Front erreichte rund 1395 Meter Höhe.

Die Messdaten bestätigen die erneute Verstärkung der Eruption. Der vulkanische Tremor stieg am 16. August auf hohe Werte und blieb anschließend trotz leichter Schwankungen auf erhöhtem Niveau. Die Tremorquellen konzentrierten sich im Bereich der Voragine. Die Infraschallaktivität schwankte stark. Das INGV registrierte zudem Veränderungen an einzelnen Neigungsmessstationen mit Werten zwischen 0,5 und 2 µrad, obwohl das GNSS-Netz keine signifikanten Veränderungen zeigte. Die Hangneigung nimmt infolge der Deflation durch die Lavaförderung ab. Was mich persönlich bei den Daten des INGV verwundert, ist der Umstand, dass zwar von Deflation gesprochen wird, aber in den wöchentlichen Zustandsberichten zum Ätna nie die Rede von Inflation ist. Wird tatsächlich Lava gefördert, deren Magmen sich bereits seit Jahrzehnten im flachen Speicherreservoir des Ätnas befinden, oder wird Magmaaufstieg explizit nicht erwähnt, wohlmöglich um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen?

Rincón de la Vieja: Phreatische Eruptionen am 16. und 17. August

Neue phreatische Eruptionen erschütterten den Rincón de la Vieja am 16. und 17. August

Der Rincón de la Vieja in Costa Rica ist ungewöhnlich aktiv geworden und erzeugt häufig Dampfexplosionen. Nachdem der Vulkan bereits am 15. August eine schwache phreatische Eruption produziert hatte, wurden am Wochenende zwei weitere Explosionen registriert. Nach Angaben von OVSICORI-UNA ereignete sich die jüngste am 17. August um 21:04 Uhr Ortszeit. Bereits am 16. August um 11:35 Uhr war eine weitere kleine phreatische Eruption registriert worden. Beide Ereignisse wurden durch seismische Messungen und Infraschallsensoren erfasst. Eine Aschewolke oder ein Aschefall wurde aufgrund der Dunkelheit nicht beobachtet.

Rincón de la Vieja

Damit setzte sich die Serie überwiegend schwacher phreatischer Explosionen fort, die den Vulkan seit mehreren Wochen prägt. Seit Anfang Juli hat die Aktivität deutlich zugenommen. Zwischen Anfang Juli und dem 7. August dokumentierte OVSICORI bereits 62 phreatische Eruptionen. Mehrere der Ereignisse waren stärker und lösten Lahare an den Flanken des Vulkans aus. Die bisher stärkste Eruption der jüngsten Aktivitätsphase ereignete sich am 20. Juli.

Besonders auffällig waren zwei Explosionen am 11. August. Sie ereigneten sich um 17:17 und 17:25 Uhr. Trotz dichter Bewölkung zeigten Webcams weiße Eruptionswolken, die überwiegend aus Wasserdampf bestanden und gut 1000 Meter über den Krater aufstiegen. Eine der Eruptionen erzeugte zudem einen Lahar.

Die jüngsten Ereignisse waren dagegen schwach, zeugen aber von der anhaltenden Aktivität des hydrothermalen Systems des Rincón de la Vieja.

Phreatische Explosionen entstehen durch die schlagartige Freisetzung von Wasserdampf und müssen nicht mit einem neuen Magmaaufstieg verbunden sein. Allerdings berichten die Vulkanologen von steigendem Schwefeldioxid-Ausstoß, was nahelegt, dass es eine wachsende Magmaansammlung in geringer Tiefe gibt.

OVSICORI führt den Rincón de la Vieja weiterhin unter Aktivitätsstufe „Precaución“ (Vorsicht). Auch künftig sind sowohl weitere kleine Explosionen als auch stärkere Ereignisse mit Laharen möglich.

Cumbre Vieja: Einfluss von Magmaüberhitzung auf Eruptionen untersucht

Studie untersucht Einfluss überhitzen Magmas auf Eruption am Cumbre Vieja auf La Palma

Eine aktuelle Studie aus Nature Communications zeigt, dass die thermische Vorgeschichte von Magma einen entscheidenden Einfluss auf Vulkanausbrüche haben kann. Im Zentrum der Forschung steht die Fragestellung, wieso es während eines Vulkanausbruchs sich abwechselnde Eruptionsphasen mit unterschiedlichem Verhalten gibt. Im Zentrum der Forschung steht die Eruption von Tajogaite auf La Palma, die sich am Cumbre Vieja im Jahr 2021 ereignete. Lavaströme zerstörten Tausende Häuser und es kam zu einem häufigen Wechsel zwischen Lavaströme speisenden Fontänen, aschereichen Phasen und strombolianischen Eruptionen. Das Geschehen erinnerte in seinem Verlauf an Paroxysmen, wie wir sie auch vom Ätna her kennen, mit dem Unterschied, dass es praktisch keine richtigen Eruptionspausen gab.



Ausbruch des Tajogaite-Vulkans auf La Palma 2021. © Marc Szeglat

Die Wissenschaftler unter Leitung von Barbara Bonechi (Universität Manchester) untersuchten, wie sogenanntes „Superheating“, also das starke Überhitzen des Magmas über seine Kristallisationsgrenze hinaus, die Bildung von Kristallen beeinflusst. Laborexperimente, bei denen Lavaproben geschmolzen wurden, zeigen, dass stark überhitzte Schmelze vorhandene Kristallkeime auflöst und dadurch die Neubildung von Mineralen deutlich verzögert.

In den Laborversuchen dauerte die Kristallisation der Gesteinsschmelze ohne Überhitzung etwa zwanzig Minuten, während sie nach starker Überhitzung erst nach mehr als acht Stunden einsetzte. Diese Verzögerung beeinflusst direkt die Viskosität des Magmas, also wie zähflüssig es ist und wie schnell es durch die Erdkruste aufsteigen kann.

Der Begriff „Überhitzung“ (aus dem Englischen „Overheating“) ist insofern irreführend, als beim Aufstieg des Magmas von außen keine neue Wärmeenergie zugefügt wird, so wie es im Laborversuch geschah, sondern dass sich das Magma während des Aufstiegs infolge veränderter Druckbedingungen und des Verlusts flüchtiger Komponenten wie Gase endotherm erhitzen kann. Bei den Experimenten muss man auch berücksichtigen, dass wieder aufgeschmolzene Lava nicht mit Magma gleichzusetzen ist, da dieser Schmelze die wichtigen volatilen Komponenten bereits zum großen Teil fehlen.

Als Untersuchungsmethoden wurden hochauflösende Röntgentomographie, Laborpetrologie und Computersimulationen eingesetzt, um die Prozesse in der Gesteinsschmelze sichtbar zu machen. Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass nicht nur Druck und Gasgehalt, sondern auch die thermische Vorgeschichte des Magmas entscheidend für den Ablauf eines Vulkanausbruchs sind.

Nukleation

Die Modelle der Forscher zeigen, dass lange Nukleationsverzögerungen (verzögerte Bildung von Kristallkeimen) zu schnellerem Schmelzaufstieg und höheren Eruptionsraten führen können. Im Gegensatz dazu führt geringe oder keine Überhitzung der Schmelze zu schneller Kristallbildung, höherer Viskosität und eher ruhigen effusiven Eruptionen. Die Ergebnisse helfen zu verstehen, warum ein und dasselbe Vulkansystem sehr unterschiedliche Ausbruchsformen zeigen kann.

Im Fall der Eruption von Tajogaite zeigt sich, dass solche thermischen Effekte wahrscheinlich eine Rolle bei den beobachteten Wechseln zwischen Lavafontänen, strombolianischer Aktivität und effusiven Lavaströmen gespielt haben. Die Forschenden weisen aber darauf hin, dass Superheating nur ein Faktor unter mehreren ist und nicht allein die Komplexität vulkanischer Eruptionen erklärt.

Weitere Untersuchungen sollen helfen, diese Prozesse besser in Gefahrenmodelle für Vulkane zu integrieren und Vorhersagen über Eruptionsstile zu verbessern. Die Ergebnisse sind besonders relevant für basaltische Vulkane, da diese oft schnelle Übergänge zwischen effusiven und explosiven Phasen zeigen, und könnten auch für den Ätna und seine Paroxysmen relevant sein.

Quelle: Bonechi, B., Arzilli, F., Polacci, M., Fabbrizio, A., La Spina, G., Michailidou, E., Biagioli, E., Brooker, R. A., Hazemann, J.-L., Atwood, R. C., Di Genova, D., Abeykoon, S., Neave, D. A., Burton, M. R. (2026). „Superheating in mafic magmas controls clinopyroxene nucleation delay and magma ascent dynamics.“ Nature Communications.
https://www.nature.com/articles/s41467-026-73352-1, Lizenz der CC

Ätna: Rissbildungen und Entstehung eines Pitkraters

Signifikante morphologische Veränderungen am Ätna – multiple Rissbildungen nach Erdbeben ML 3,9

 – Der Artikel erhielt ein Update –

Das äußerst interessante Erdbeben, das sich am Samstag im Norden des Ätnas an der Penicana-Fault ereignete und eine Magnitude von ML 3,9 hatte, führte zu multiplen Rissbildungen in der Nähe des Epizentrums, die an der Mareneve-Straße deutlich zu Tage treten und diese unpassierbar machten. Darüber hinaus kam es bereits in den letzten Tagen zu mehreren morphologischen Veränderungen am Ätna, die zeigen, dass sich der Vulkan in Bewegung befindet.



Der Pit bildete sich in der Nacht zum 14. August und befindet sich an der Basis des Nordostkraters, in der Nähe der Hornitos der Eruption vom Sommer 2014 und hat einen Durchmesser von ca. 50 Metern.

Bereits zuvor entstand eine Fraktur in der Flanke des Monte Simone. Der Schlackenkegel befindet sich im Valle del Bove, dem effusiven Zentrum der aktuellen Eruption.

Die Eruption hat sich deutlich abgeschwächt, ist aber noch nicht ganz beendet. Nach einer ruhigen Phase ohne nennenswerte Ascheemissionen gab es gestern Morgen erneut Ascheausstoß aus der Voragine. Auf der Thermalcam erkennt man noch die Wärmestrahlung von Lavaströmen im Valle del Bove, die aber zusehends schwächer wird.

Tremor. © INGV

Die Amplitude des vulkanischen Tremors kletterte nach ihrem jähen Absturz am 15. August wieder bis in den oberen gelben Bereich und kratzt am roten Bereich, der hohe Tremoramplituden abbildet.

Die Interpretationen des Geschehens lassen sowohl ein baldiges Ende des Vulkanausbruchs möglich erscheinen als auch eine signifikante Verstärkung bis hin zu einer tiefen Flankeneruption, die sich innerhalb weniger Tage entwickeln könnte.

Das INGV hat bis jetzt zwar das Erdbeben gemeldet, aber noch keine weiteren mit bekannten Interpretationen veröffentlicht. Verständlicherweise will man die Anwohner der Ätnaregion nicht aufgrund von Spekulationen beunruhigen. Spätestens mit der Veröffentlichung des nächsten Wochenberichts, den wir für Dienstag erwarten können, sollten wir weitere Daten erhalten, die detailreichere Schlussfolgerungen zulassen.

Update 02:00 Uhr: Abends nahm der Ätna seine explosive Aktivität am Gipfel wieder auf, während die auf der Thermalcam sichtbaren Lavaströme bis auf einen kleinen Bereich weiter abkühlten. Der Tremor stieg sprunghaft an, die Eruption geht weiter.

Krasheninnikov eruptierte erneut Vulkanasche

Ascheemissionen am Krasheninnikov – Lavastromeruption hält an

Am Vulkan Krasheninnikov auf der russischen Halbinsel Kamtschatka hält die aktuelle effusive Eruption an. Nach Angaben des zuständigen Vulkanobservatoriums KVERT strömt weiterhin Lava an den östlichen Hängen des Nordkegels des 1.856 Meter hohen Vulkans ab. Die effusive Aktivität wird von Gas- und Dampfemissionen begleitet, die zeitweise auch Asche enthalten. Gelegentlich kommt es auch zu stärkeren Ascheeruptionen. Der Vulkan steht weiterhin unter dem Flugalarmcode Gelb.



Die jüngsten Satellitenbeobachtungen dokumentieren die anhaltende Aktivität. Am 15. August registrierte der Satellit MODIS eine starke thermische Anomalie mit einer Leistung von 137 MW. Sie deutet auf einen Wärmeeintrag durch die weiterhin aktiven Lavaströme hin. KVERT meldete zudem eine bis zu 60 Kilometer lange Aschewolke, die sich vom Vulkan nach Südosten erstreckte.

Auch der aktuelle Vulkansonderbericht des VAAC Tokyo bestätigt die Ascheemission. Demnach wurde am 15. August um 22:50 UTC eine Aschewolke bis auf eine Höhe von etwa 2.100 Metern über dem Meeresspiegel, ausgestoßen. Die Wolke bewegte sich mit 18 km/h nach Südosten. Für die folgenden Stunden wurde eine weitere Ausbreitung der Aschewolke über dem östlichen Kamtschatka prognostiziert.

Krasheninnikov ist ein komplexer Vulkan im Osten Kamtschatkas und wurde im letzten August nach einer gut 500 Jahre dauernden Ruhe aktiv. Wahrscheinlich wurde die Eruptionsphase durch ein sehr starkes Megabeben der Magnitude 8,8 getriggert, das sich am 30. Juli manifestierte.

Die aktuelle Eruption ist vor allem durch effusiven Lavaausfluss geprägt, wobei die begleitenden Ascheemissionen eine zusätzliche Gefahr für den Flugverkehr darstellen.

Eine unmittelbare Verschärfung des Aviation Colour Codes wurde bislang nicht gemeldet. Die weitere Entwicklung hängt insbesondere davon ab, ob die Lavaförderung zunimmt oder die explosive Aktivität am Nordkegel stärker wird.

Antarktis: Eisschmelze könnte sich auf Vulkanaktivität auswirken

Studie zeigt: Schmelzende Eisbedeckung könnte sich auf Aktivität der antarktischen Vulkane auswirken

In Zeiten immer stärker werdender Auswirkungen des Klimawandels auf die Ökosphäre machen sich Geowissenschaftler auch zunehmend Gedanken über mögliche Auswirkungen auf den Vulkanismus. Eine neue Studie, die im Fachjournal „Geochemistry, Geophysics, Geosystems“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass der Klimawandel langfristig gesehen auch den Vulkanismus der Antarktis beeinflussen könnte. Die Forschenden untersuchten mithilfe von Computermodellen, wie Magmakammern unter dem Westantarktischen Eisschild auf den fortschreitenden Eisverlust reagieren könnten. Zwar gibt es keine Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Vulkanausbrüche jenseits des bereits aktiven Mount Erebus, doch die Arbeit zeigt einen geologischen Mechanismus auf, der über lange Zeiträume die Aktivität subglazialer Vulkane verstärken könnte.



Die Westantarktis gehört zu den vulkanisch aktivsten Regionen der Erde unter einer Eisdecke. Dort erstreckt sich das Westantarktische Rift-System, ein Dehnungsgebiet der Erdkruste, in dem mehr als 130 bekannte oder vermutete Vulkane liegen. Viele von ihnen sind vollständig von bis zu mehreren Kilometern mächtigem Eis bedeckt. Diese Eismassen üben einen enormen Druck auf den Untergrund und die darunter liegenden Magmakammern aus.

Genau dieser Druck steht im Mittelpunkt der neuen Studie. Die Wissenschaftler simulierten, wie sich Magmareservoire verhalten, wenn der Eisschild durch die globale Erwärmung allmählich dünner wird. Nimmt die Auflast des Eises ab, sinkt der Druck auf das Magma. Dadurch können sich Schmelze und darin gelöste Gase ausdehnen. Die Gasblasenbildung setzt früher ein, wodurch der Druck innerhalb der Magmakammer steigt. Unter bestimmten Bedingungen kann dies die Wahrscheinlichkeit von Eruptionen erhöhen oder dazu führen, dass bei einem Ausbruch größere Magmamengen gefördert werden.

Zu den wichtigsten Vulkanen der Westantaktis gehören:

Mount Erebus

  • Der südlichste dauerhaft aktive Vulkan der Erde.
  • Liegt allerdings nicht in der Westantarktis, sondern auf Ross Island am Übergang zur Ostantarktis.
  • Bekannt für seinen seit Jahrzehnten bestehenden Lavasee.

Mount Sidley

  • Mit 4.181 m der höchste Vulkan der Antarktis.
  • Ein großer Schildvulkan mit einer Gipfelcaldera.
  • Letzte Eruptionen liegen vermutlich im Pleistozän.

Mount Berlin

  • Einer der geologisch aktivsten Vulkane Westantarktikas.
  • Fumarolen mit Temperaturen von über 90 °C wurden gemessen.
  • Ascheablagerungen belegen holozäne Eruptionen (innerhalb der letzten etwa 10.000 Jahre).

Hudson Mountains

  • Vulkanfeld mit mehreren subglazialen Vulkanen.
  • Hier ereignete sich vermutlich vor rund 2.200 Jahren eine subglaziale Eruption, deren Asche in Eisbohrkernen identifiziert wurde.

Allerdings schreiben die Autoren ausdrücklich, dass ihre Ergebnisse keine Vorhersage bevorstehender Eruptionen darstellen. Vielmehr handelt es sich um einen physikalischen Mechanismus, der sich erst über sehr lange Zeiträume bemerkbar macht. Selbst wenn der Westantarktische Eisschild in den kommenden Jahrhunderten deutlich an Masse verliert, würde die geologische Reaktion verzögert erfolgen. Die Modelle zeigen, dass sich Magmakammern über mehrere Jahrhunderte bis Jahrtausende an die veränderten Druckverhältnisse anpassen. Ein verstärkter Vulkanismus wäre daher frühestens in einigen hundert Jahren zu erwarten und könnte sich über viele tausend Jahre erstrecken.

Ein ähnlicher Zusammenhang ist bereits aus der Erdgeschichte bekannt. Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren nahm beispielsweise auf Island die Häufigkeit großer Vulkanausbrüche deutlich zu. Damals verschwand der mehrere hundert Meter mächtige Eisschild innerhalb weniger Jahrtausende. Durch die Entlastung des Untergrundes stieg nicht nur Magma leichter auf, sondern auch die Magmaproduktion im Erdmantel nahm zu.

Für die Antarktis liefert die neue Studie nun erstmals detaillierte Modellrechnungen, die diesen Zusammenhang für subglaziale Magmakammern beschreiben. Sollten sich die heutigen Klimaprognosen bestätigen und der Westantarktische Eisschild weiter schrumpfen, könnte der Eisverlust langfristig zu einer stärkeren vulkanischen Aktivität beitragen. Für die heutige Generation besteht allerdings kein erhöhtes Vulkanrisiko – die entscheidenden Prozesse laufen auf geologischen Zeitskalen ab und werden sich, wenn überhaupt, erst weit in der Zukunft bemerkbar machen. Die Zeitskalen, in denen sich geologische Prozesse abspielen, verdeutlicht ein weiterer nacheiszeitlicher Effekt: Mit dem Verschwinden der Eisbedeckung begann sich die skandinavische Landmasse langsam zu heben – ein Prozess, der heute noch nicht abgeschlossen ist.

Quelle: Coonin, A. N. et al. (2024): Magma Chamber Response to Ice Unloading: Applications to Volcanism in the West Antarctic Rift System. Geochemistry, Geophysics, Geosystems, 25(12). DOI: 10.1029/2024GC011743.

Aso-san: Erhöhung der Alarmstufe des Vulkans in Japan

Warnstufe 3 nach deutlicher Zunahme der Aktivität am Aso – Zusammenhang mit Kumamoto-Erdbeben denkbar

Am Aso auf Kyushu hat sich die vulkanische Aktivität innerhalb weniger Tage deutlich verstärkt. Die japanische Meteorologische Agentur JMA hob am 14. August um 15:45 Uhr die Vulkanwarnstufe von 2 auf 3 an. Damit gilt rund um den bei Touristen beliebten ersten Krater des Nakadake eine Sperrzone von etwa zwei Kilometern. Dort besteht im Falle einer Eruption Gefahr durch große vulkanische Bomben und pyroklastische Ströme.

Aso-san

Auslöser der Hochstufung war vor allem eine signifikante Zunahme des vulkanischen Tremors, dessen Amplitude seit dem Abend des 12. August anstieg. Am Nachmittag des 14. August überschritt der gleitende Ein-Minuten-Mittelwert an einer Messstation 4 Mikrometer pro Sekunde. Gleichzeitig nahm die Freisetzung von Schwefeldioxid massiv zu: Bei der Messung vom 14. August wurden 2.700 Tonnen SO₂ pro Tag registriert, nachdem am 6. August noch 1.200 Tonnen gemessen worden waren.

Die Entwicklung ist allerdings nicht völlig neu. Bereits am 21. Juni war der Aso wegen zunehmenden Tremors und einer erhöhten SO₂-Freisetzung auf Warnstufe 2 gesetzt worden. Damals wurden 1.700 Tonnen SO₂ täglich gemessen.

Von besonderem Interesse ist der zeitliche Zusammenhang der Aktivitätssteigerung des Aso mit dem jüngsten starken Erdbeben Mw 6,8 vom 28. Juli in der Region Kumamoto. Ob das Beben die Aktivitätszunahme am Vulkan beeinflusst hat, ist derzeit nicht geklärt. Die JMA erklärte am 14. August, es gebe keine eindeutigen Daten für einen Zusammenhang, gleichzeitig könne ein Einfluss nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich wäre ein solches Wirken des Erdbebens auf den Vulkan denkbar. Starke Erdbeben können Spannungen in der Erdkruste verändern, vorhandene Störungen reaktivieren und Fluid- oder Magmawege beeinflussen. Gerade am Aso ist eine solche Wechselwirkung von besonderem Interesse, da das Vulkansystem von einem komplexen Störungsnetz durchzogen wird.

Allerdings sprechen die über Wochen und Monate beobachteten Veränderungen auch für eine eigenständige Entwicklung des Vulkansystems. Der aktuelle Tremoranstieg und die extreme Zunahme der Gasemissionen sind deshalb kein Beleg dafür, dass das Erdbeben die vulkanische Aktivität ausgelöst hat. Möglich bleibt vielmehr, dass ein Erdbeben als zusätzlicher Trigger auf ein bereits angespanntes magmatisches System gewirkt haben könnte. Ein solcher Zusammenhang müsste durch die weitere Entwicklung der seismischen, geodätischen und vulkanischen Messdaten erst nachgewiesen werden, was sich grundsätzlich schwierig gestaltet.

Ätna: Tremorabsturz und Erdbeben am 15. August

Erdbeben verursachte Risse in der Mareneve. Fahrzeug per KI umpositioniert.

Erdbeben ML 3,9 folgt Tremorabsturz am Ätna – das Ende der Eruption?

Am Ätna hat sich am 15. August eine ungewöhnliche Abfolge seismischer und eruptiver Ereignisse abgespielt, in deren Folge die  Mareneve genannte Straße im Norden des Vulkans beschädigt wurde. Obwohl der Vulkan zurzeit weiterhin effusiv aktiv ist, brach die Tremoramplitude nach einem kurzen, aber deutlichen Anstieg innerhalb weniger Minuten auf niedrige Werte ein. Gut anderthalb Stunden später erschütterte ein flaches Erdbeben der Magnitude ML 3,9 den Nordosthang des Vulkans. Dort verläuft die bekannte und signifikante Pernicana-Störung, deren Erdbebenaktivität bereits mehr als einmal eine bevorstehende Eruption angekündigt hat. Sollte es sich diesmal andersherum verhalten?


Erdbeben © EMSC/Leaflet

Nach Angaben des INGV begann die Tremoramplitude gegen 08:20 UTC schnell anzusteigen, und erreichte um 08:40 UTC ihren Höchststand. Genau zu diesem Zeitpunkt ereignete sich am Nordostkrater eine kurze Explosion, die eine Aschewolke erzeugte. Anschließend fiel der Tremor abrupt ab und lag ab etwa 09:00 UTC wieder im niedrigen Bereich. Die Tremorquellen wurden während des Anstiegs ungewöhnlicherweise am Nordostkrater in rund 2000 Metern Höhe lokalisiert; inzwischen liegt die Quelle wieder im Bereich des Voragine-Kraters auf etwa 2600 Metern Höhe – deutlich tiefer als zuvor.

Parallel dazu registrierte das Observatorium zwischen 08:26 und etwa 08:56 UTC mindestens 20 starke Infraschallereignisse am Nordostkrater. Die Kombination aus Infraschallserie, Tremoranstieg und Explosion zeigt, dass sich in diesem Zeitraum eine deutliche Veränderung der eruptiven Aktivität abspielte.

Um 10:24:08 UTC folgte dann das ML-3,9-Erdbeben. Der Herd lag nur 1,2 Kilometer tief bei 37,832° N und 15,070° E, lediglich 2,8 Kilometer nördlich von Piano Pernicana. Damit befand sich das Beben unmittelbar im Bereich des Pernicana-Störungssystems, einer bedeutenden tektonischen Struktur am Nordosthang des Ätna.

Tremor. © INGV

Auf der Tremor-Zeitreihe ist nach dem Einbruch ein Peak zu erkennen, der zeitlich sehr gut mit dem Erdbeben übereinstimmt. Das ist plausibel, als seismisches Signal des Bebens zu interpretieren. Wichtig ist jedoch: Das Erdbeben kann den vorherigen Tremorabsturz nicht verursacht haben (was mein erster Gedanke war), da es erst rund 84 Minuten später stattfand. Möglich ist vielmehr, dass beide Ereignisse Teil einer veränderten Spannungsdynamik des Vulkans sind.

Die INGV-Forscher kommentierten, dass das Erdbeben mit der aktuellen Aktivität des Vulkans zusammenhängt, ließen weitere Interpretationen aber offen. Vergleichbare Erdbeben kündigten 2002 die große Flankeneruption an und wurden zumindest indirekt von aufsteigendem Magma verursacht. Ohne Deformationsmessungen an der Nordflanke bleibt zunächst unklar, ob es sich diesmal wieder so verhält oder ob das Beben mit dem Ende der aktuellen Aktivität in Zusammenhang stehen könnte.

Obwohl die Lavaströme anhalten und auf dem wolkenfreien Valle del Bove via Thermal-Livecam beobachtet werden können, ist es aufgrund der Gipfelbewölkung nicht klar, ob es hier noch Aktivität gibt. Die starken Explosionen am Nordostkrater sprechen für das Finale der Eruption. Zugleich registriert das INGV eine rückläufige Deformation und einen sich verstärkenden Deflationstrend des Vulkangebäudes.

Indonesien: Starkes Erdbeben Mw 7,7 trifft Flores

Schweres Erdbeben erschüttert Flores in Indonesien – Schäden, Todesopfer und Tsunamiwarnung

Ein schweres Erdbeben der Magnitude 7,7 hat am Samstagmorgen die indonesische Insel Flores erschüttert. Das Beben ereignete sich um 05:58 Uhr Ortszeit und hatte nach Angaben des USGS eine Herdtiefe von nur etwa zehn Kilometern. Das EMSC gibt 20 Kilometer an, was ich aufgrund des Schadensbildes für realistischer halte. Das Epizentrum lag 68 Kilometer nordwestlich von Ende vor der Nordküste von Flores. Es gab Schäden, Todesopfer und Verletzte. Ein zunächst ausgerufener Tsunamialarm wurde inzwischen aufgehoben.



Indonesien. © EMSC/Leaflet

Ersten Bilanzen zufolge sind die Folgen schwerwiegend. Nach aktuellem Stand kamen mindestens 38 Menschen ums Leben, mehr als ein Dutzend weitere wurden verletzt. Besonders betroffen ist die Region Sikka mit der Stadt Maumere, wo 20 Todesopfer gemeldet wurden. In Reok löste das Beben einen Erdrutsch aus, bei dem 16 Menschen starben. Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt, Straßen wurden durch Hangrutsche blockiert und die Stromversorgung fiel teilweise aus. Auch die wichtige Trans-Flores-Straße wurde unterbrochen. Rund 2.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Da mehrere betroffene Gebiete nur schwer erreichbar sind, könnte sich die Schadensbilanz noch verändern.

Unmittelbar nach dem Beben wurde eine Tsunamiwarnung ausgelöst. Die indonesische Katastrophenschutz- und Geophysikbehörde BMKG warnte vor möglichen gefährlichen Wellen und forderte Bewohner tiefer Küstengebiete zur Flucht in höher gelegene Bereiche auf. Tatsächlich wurden an der Küste Wellen von weniger als einem Meter registriert; bei Maurole wurde eine maximale Wellenhöhe von etwa 0,94 Metern gemeldet. Nach rund drei Stunden wurde die Warnung aufgehoben.

Tektonisch steht das Ereignis mit der extrem komplexen Plattengrenze im Bereich der Kleinen Sundainseln im Zusammenhang. Die Region wird von der Konvergenz der Australischen und der Sunda-Platte geprägt. Neben der eigentlichen Subduktionszone südlich der Insel verläuft nördlich von Flores das Überschiebungssystem des Flores-Back-Arc-Thrust. Das aktuelle Beben wird diesem tektonischen Umfeld zugeordnet.

Dem Hauptbeben folgten weit über 100 spürbare Nachbeben, darunter Ereignisse im Bereich von Magnitude 5 bis über 6. Betrachtet man die Shakemap genauer, erkennt man mindestens 2 Erdbebencluster, was darauf hindeutet, dass ein längeres Segment des FBAT gebrochen sein könnte.

Für uns besonders interessant ist die Nähe des Bebenclusters zu mehreren Vulkanen. Zu den bekanntesten zählen Lewotobi Laki-laki und Lewotolok im Osten der Region. Hinzu kommen Batu Tara im Floresmeer sowie Rokatenda, auch Paluweh genannt. Rokatenda liegt auf der Insel Palu’e unmittelbar nördlich von Flores und nur wenige Kilometer östlich des Epizentrums. Der Vulkan war 2012 und 2013 effusiv und explosiv aktiv und generierte einen Lavadom. Die Eruption von 2013 erzeugte hohe Aschewolken, pyroklastische Ströme und Evakuierungen. Auch Batu Tara war bis vor wenigen Jahren aktiv.

Damit erschütterte das M7,7 eine Region, in der starke tektonische Aktivität und zahlreiche aktive Vulkane eng nebeneinanderliegen. Bislang gibt es keinen belastbaren Hinweis darauf, dass das Erdbeben unmittelbar eine neue vulkanische Eruption ausgelöst hat. Dennoch dürfte die Aktivität der umliegenden Vulkane in den kommenden Tagen besonders genau beobachtet werden.

Ich selbst saß zur Zeit des Bebens nicht weit entfernt am Kraterrand des Mount Batur auf Bali und habe von dem Erdbeben nichts gespürt. Inzwischen kam mir der Gedanke, dass ich das Erdbeben vielleicht durch mein Fluchen ob des aberwitzigen Massentourismus ausgelöst haben könnte: Eine Menschenschlange, etwa doppelt so lang wie die Aufstiegsroute, schob sich den steilen Hang hinauf und ließ mich an der Sinnhaftigkeit meines Tuns stark zweifeln. In den nächsten Tagen ist ein Besuch am Kawah Ijen geplant, den ich noch recht frei vom Tourismus kenne … Wahrscheinlich gibt es dann das nächste schwere Erdbeben hier.