Erdbebenserie vor Ustica – seismische Aktivität im Tyrrhenischen Meer vor Sizilien
Vor der Nordküste Siziliens hat sich am Freitagmorgen eine kleine Erdbebenserie ereignet. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 2,9 und hatte sein Epizentrum 59 Kilometer nordnordwestlich von Palermo beziehungsweise wenige Kilometer südlich der Vulkaninsel Ustica. Nach Angaben des EMSC lag der Erdbebenherd in etwa 14 Kilometern Tiefe. Das Beben ereignete sich um 05:45 Uhr Ortszeit.

Dem Beben gingen vier schwächere Erschütterungen voran, die ebenfalls im Bereich vor Ustica registriert wurden. Damit konzentrierte sich die Aktivität auf einen relativ kleinen Abschnitt des Tyrrhenischen Meeres. Bei einer Magnitude unter 3 sind Schäden nicht zu erwarten; ob einzelne Erschütterungen auf Ustica oder an der sizilianischen Küste verspürt wurden, hängt stark von Herdtiefe und lokalen Untergrundbedingungen ab. Beim EMSC gibt es keine Wahrnehmungsmeldungen, während italienische Medien berichten, dass das Erdbeben von der Bevölkerung verspürt wurde.
Ustica ist im Rahmen von Vulkane.net von besonderem Interesse, da es sich um eine aus Feuer geborene Insel handelt, ähnlich den weiter ostwärts gelegenen Liparischen Inseln. Die heute nur rund acht Quadratkilometer große Insel bildet den über den Meeresspiegel ragenden Teil eines größeren untermeerischen Vulkankomplexes. Die letzte vulkanische Aktivität liegt allerdings weit zurück. Die aktuelle Erdbebenserie liefert daher keinen Hinweis auf eine Reaktivierung des Vulkans. Ustica befindet sich zugleich in einer tektonisch aktiven Region des südlichen Tyrrhenischen Meeres.
Auch weiter östlich war die Region seismisch aktiv. Vor der Nordküste Siziliens wurden in der Nacht zwei Erdstöße mit den Magnituden 2,3 und 2,1 registriert. Der Herd des stärkeren Bebens lag ungewöhnlich tief bei 157 Kilometern und wurde etwa 43 Kilometer westlich von Tropea verortet. Interessant ist die Nähe zum westlich gelegenen Stromboli. Solche tiefen Erdbeben werden wegen ihrer großen Herdtiefe meist kaum oder überhaupt nicht wahrgenommen. Eine Häufung solcher tiefen Erdbeben in Strombolinähe geht meiner Wahrnehmung nach oft einer Aktivitätssteigerung des Vulkans voran.
Die unterschiedliche Herdtiefe der Ereignisse verdeutlicht die komplexe Tektonik des süditalienischen Raumes: Während die flacheren Beben vor Ustica mit Störungen in der Erdkruste zusammenhängen können, reichen im Bereich des kalabrisch-äolischen Bogens seismische Prozesse bis weit in die Tiefe und hängen mit der Subduktion der Ionischen Mikroplatte zusammen.








