Neuer Lavastrom quillt aus Spalte am Kraterrand – Bericht der Vulkanologen steht aus
Am Kilauea auf Hawaii wartet man weiterhin mit Spannung auf die Lavafontänen-Episode Nr. 55, mit der man eigentlich schon vor fast einer Woche gerechnet hatte, die bislang jedoch ausblieb. Während die inflationsbedingte Bodenhebung signifikante Schwankungen aufwies, nahm sie in den letzten Tagen langsam, aber kontinuierlich zu, sodass neue Höchstwerte von 16µrad Hangneigungsänderung erreicht wurden. Nun legen Webcam-Aufnahmen und Meldungen von Beobachtern vor Ort nahe, dass sich am Südrand des Halema’uma’u-Kraters und etwas abseits der drei bekannten Schlote ein neuer Riss geöffnet hat, aus dem ein keiner Lavastrom austritt.

In den sozialen Medien wurden Aufnahmen eines kleinen Lavafalls geteilt, der über den Rand des Halema’uma’u-Kraters stürzt und aus einem Riss stammt, die sich in der Kraterwand gebildet hat. Die Livecams des HVO sind leider gerade alle auf die bekannten Förderschlote ausgerichtet, und ein Überblick über den gesamten Kraterbereich fehlt, sodass es derzeit nicht möglich ist, die Berichte und Aufnahmen unabhängig zu verifizieren. Da es auf Hawaii Nacht ist, fehlen zudem aktuelle Updates der Vulkanologen des HVO. Allerdings gelang es der Thermalkamera F1 am Westrand des Kraters, die thermische Signatur eines Lavastroms einzufangen, der sich vom Rand her in das Bild schiebt. Insofern könnten Aufnahmen und Berichte über eine neue Eruptionsstelle authentisch sein.
Der Vulkanausbruch ist bislang nur schwach und fördert vergleichsweise wenig Lava. Zudem ist unklar, ob der Lavastrom weiterhin gespeist wird. Die Bodenhebung schwächte sich nur wenig ab, allerdings wurde offenbar etwas „Druck aus dem Kessel“ genommen, wodurch sich das Lavaspattering aus dem bekannten Nordschlot abschwächte.
Inwiefern sich diese Entwicklung auf die erwartete Episode 55 auswirkt, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen. Die Eruption auf einem Höhenniveau, das wahrscheinlich oberhalb der drei bekannten Schlote liegt, legt jedoch nahe, dass sich im Fördersystem oder bei der Entwicklung des Magmas etwas verändert haben könnte. Möglicherweise verschiebt sich dadurch der Lavafontänenzyklus weiter oder wird sogar nachhaltig unterbrochen. In diesem Fall dürften sich zeitnah neue Eruptionsaktivitäten entwickeln, denn eines steht fest: Der Kilauea ist geladen!









