Stromboli: Lavaüberlauf am Abend des 11. Oktober

Lavaüberlauf am Stromboli-Nordschlot – explosiv Aktivität hält an

Auf den Liparischen Inseln kommt es am Inselvulkan Stromboli heute Abend zu einem erneuten Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kratersektor. Livecam-Aufnahmen des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) dokumentieren die effusive Aktivität. Gleichzeitig ist ein weiterer Schlot explosiv aktiv und schleudert glühende Lava aus. Auch die Messdaten des Vulkanobservatoriums LGS-Florenz dokumentieren seit gestern eine erhöhte explosive Aktivität.



Im aktuellen LGS-Bulletin vom 11. Oktober wird die vulkanische Aktivität insgesamt als mittelstark eingestuft. Allerdings zeigen einzelne Messparameter deutlich erhöhte Werte. Besonders auffällig ist die akustische Druckstärke der Explosionen: Sie erreichte Maximalwerte von 3,12 bar und lag damit weit über dem üblichen Referenzbereich von weniger als einem Bar. Auch die Infraschall-Aktivität und das sogenannte Puffing, das mit stoßweisem Gasausstoß und Spattering verbunden ist, waren erhöht. Die Druckamplitude des Puffings betrug 55,1 Millibar. Einige wichtige Messdaten, etwa die zu den thermischen Durchgängen, fehlen, was zur Einstufung einer nur mittelstarken Aktivität beigetragen haben kann.

Bereits gestern wurde eine hohe Steinschlagaktivität festgestellt, die zum einen von der erhöhten Explosivität herrühren kann, zum anderen auch immer dann erhöht ist, wenn Lava auf der Sciara del Fuoco fließt oder es besondere Instabilität am Kraterrand gibt, wodurch Lavabrocken aus der Kraterwand brechen. Die Überwachungsstationen registrierten innerhalb von 24 Stunden insgesamt 29 Felsstürze. Die meisten davon waren allerdings mit geringen geschätzten Volumina verbunden.

Der seismische Tremor bewegte sich gestern im mittleren Bereich und ist aktuell eher niedrig, was nicht so ganz zu der steigenden Aktivität passt. Die Schwefeldioxid-Emissionen lagen bei etwa 80 Tonnen pro Tag, während der Kohlendioxidfluss mit 1.215 Tonnen täglich als mittel eingestuft wurde. Auffällige thermische Anomalien wurden von den Satellitenmessungen nicht festgestellt. Die Neigungsmesser registrierten außerdem keine signifikanten Verformungen des Vulkangebäudes.

Die aktuelle Situation zeigt, dass am Stromboli effusive und explosive Prozesse gleichzeitig ablaufen. Während Lava aus dem nördlichen Kraterbereich überläuft, bleibt die Aktivität an anderen Schloten explosiv. Die besonders hohen Explosionsdrücke und die zahlreichen Steinschläge unterstreichen die Dynamik des Geschehens. Trotz der insgesamt mittleren Einstufung durch das LGS ist daher weiterhin Vorsicht im Gipfelbereich geboten. Darüber hinaus ist das Besteigungsverbot weiterhin in Kraft und Stromboli darf nur mit Führer bis auf Quota 400 bestiegen werden.

Vulkan Karangetang eruptiert auch am 11. Oktober

Karangetang bleibt aktiv – Aschewolken erreichen 700 Meter über dem Gipfel

Der Karangetang liegt auf der indonesischen Insel Siau und bleibt auch am 11. Oktober aktiv. Wie das Zentrum für Vulkanologie und geologische Gefahrenabwehr (PVMBG) in einer kurzen Notiz mitteilte, wurden im Laufe des Nachmittags 2 kleinere Aschewolken registriert. Auf Nachtaufnahmen der letzten Tage ist zudem sichtbar, dass auch rotglühende Tephra gefördert wird. Auf einem Bild vom 8. Oktober sind glühende Schuttlawinenabgänge dokumentiert worden.



Karangetang-Archiv

Die erste gemeldete Eruption heute ereignete sich um 14:02 Uhr Ortszeit. Dabei stieg eine etwa 700 Meter über dem Gipfel aufragende Aschewolke auf. Wenig später, um 14:59 Uhr, wurde eine weitere Eruption registriert. Auch bei diesem Ausbruch reichte die Aschewolke 700 Meter über Gipfelhöhe, entsprechend etwa 2.484 Metern über dem Meeresspiegel. Die Wolke zeigte eine hellgraue, bis braune Färbung und driftete aufgrund der vorherrschenden Windrichtung vor allem nach Westen und Nordwesten. Beide Eruptionen waren zum Zeitpunkt der Berichte noch nicht abgeschlossen.

Die teils braune Färbung der Eruptionswolke deutet darauf hin, dass bei den Eruptionen nicht nur Lava aus frisch aufgestiegenem Magma eruptiert wird, sondern auch älteres, bereits chemisch umgewandeltes Material.

Die aktuellen Ausbrüche stehen im Zusammenhang mit einer bereits zuvor erhöhten Aktivität des Vulkans. Im Tagesbericht für den 10. Oktober wurden unter anderem 13 Abgänge von Gesteins- und Lavabrocken, 43 Exhalationssignale sowie zwölf harmonische Tremorphasen registriert. Hinzu kamen zwei nichtharmonische Tremorphasen und zwei weit entfernte tektonische Erdbeben. Die seismischen Signale belegen damit eine anhaltende magmatische Unruhe im Vulkansystem.

Der Karangetang ist 1.784 Meter hoch und zählt zu den aktivsten Vulkanen Indonesiens. Wegen der instabilen Lavamassen besteht weiterhin die Gefahr von Lavaabbrüchen und pyroklastischen Strömen. Das PVMBG warnt deshalb vor einem Aufenthalt innerhalb eines Radius von 1,5 Kilometern um die beiden Gipfelkrater. Südlich und südwestlich erweitert sich die Gefahrenzone sektoral auf 2,5 Kilometer.

Zusätzlich wird vor Laharen und Sturzfluten gewarnt. Besonders bei starken Regenfällen können vulkanische Ablagerungen mobilisiert werden und über die Flussläufe bis zur Küste gelangen.

Neapl: Erneute Sturzflut verwüstete Flusstal

Gewaltige Flutwelle am Budhi Gandaki verwüstet Flusstal in Nepal – mindestens 5 Personen vermisst

Eine gewaltige Schlammflut lief heute durch das Flusstal Budhi-Gandaki im zentralen Nepal und richtete schwere Schäden an. Im Distrikt Gorkha wurden neben Häusern auch Brücken fortgerissen und somit Straßenverbindungen unterbrochen. Zudem wurde ein Wasserkraftwerk beschädigt. Mindestens 5 Menschen werden vermisst. Rettungskräfte brachten Bewohner aus gefährdeten Gebieten in Sicherheit. Auch flussabwärts gelegene Ortschaften wurden vor weiteren Überschwemmungen gewarnt.

Besonders eindrucksvoll sind Aufnahmen, die die herannahende Front der schlammigen Flutwelle zeigen, wie sie sich durch das Flussbett wälzt. Die Schlammmassen traten über die Ufer und rissen alles mit sich, was sich auf ihrem Weg befand. Die genaue Schadensbilanz ist bis jetzt noch unklar.

Erdrutsch könnte Flutwelle ausgelöst haben

Schlammflut

Als mögliche Ursache für die weitere Naturkatastrophe in Nepal gilt ein Erdrutsch im oberen Einzugsgebiet des Budhi Gandaki. Dabei könnte eine große Menge Gestein und Erdmaterial einen Flussabschnitt oder Zufluss blockiert und einen natürlichen Damm gebildet haben. Hinter dieser Barriere staute sich vermutlich Wasser auf, bis der Druck auf den natürlichen Schüttdamm zu groß wurde und dieser barst. Eine solche Flutwelle kann innerhalb kurzer Zeit enorme Wassermengen freisetzen und selbst weit flussabwärts schwere Zerstörungen verursachen.

Berichten zufolge gab es im oberen Einzugsgebiet des Flusses zuvor keinen nennenswerten Niederschlag, der die plötzliche Flut allein erklären würde. Das würde zu einem durch einen Erdrutsch ausgelösten Dammbruch passen. Die genaue Ursache muss allerdings noch untersucht werden. Auch ein Lawinenabgang wurde als mögliche Erklärung diskutiert; doch auch ein Gletscherabbruch ist bislang nicht bestätigt.
Die Behörden warnten Anwohner entlang des Budhi Gandaki und des weiterführenden Flusssystems vor weiteren Flutwellen. Besonders kritisch ist die Situation, wenn sich oberhalb der betroffenen Gebiete erneut Wasser hinter Geröll oder Erdrutschmaterial aufstaut. Rettungskräfte und lokale Behörden bemühten sich, gefährdete Menschen rechtzeitig zu evakuieren.

Erneute Flut nur 6 Wochen nach großer Katastrophe

Die aktuelle Katastrophe ereignet sich nur gut sechs Wochen nach einer der verheerendsten Flutkatastrophen der jüngeren Geschichte Nepals. Am 26. August 2026 hatte ein gewaltiger Hang- beziehungsweise Gletscherkollaps nahe der Grenze zu China eine Gerölllawine und Flutwelle ausgelöst. Die Wassermassen bewegten sich fast 100 Kilometer flussabwärts und verwüsteten Siedlungen und Infrastruktur am Lende Khola und Trishuli. Mindestens 1.455 Menschen kamen dabei ums Leben, mehr als 5.000 weitere galten zuletzt noch als vermisst. Die jetzige Flut am Budhi Gandaki ist räumlich davon getrennt und deutlich kleiner, zeigt aber erneut, wie schnell Hanginstabilitäten im Himalaya verheerende Flutwellen auslösen können. Für die zunehmenden Hanginstabilitäten könnte das Auftauen des Permafrost infolge des Klimawandels mitverantwortlich sein.

Kanlaon: Anhaltende Ascheemissionen nach stärkerem Ausbruch

Weitere Ascheemissionen nach stärkerer Eruption – Ascheniederschlag östlich des Vulkans

Am philippinischen Vulkan Kanlaon kommt es nach der stärkeren explosiven Eruption am 10. Oktober weiterhin zu Ascheemissionen. Am Sonntag, dem 11. Oktober, registrierten die Vulkanologen des philippinischen Instituts PHIVOLCS mehrere Aschewolken, die etwa 600 Meter über den Krater aufstiegen und anschließend in Richtung Nordwesten drifteten. Die Beobachtung erfolgte über eine Überwachungskamera der Messstation Canlaon City.



Kanlaon

Die Aschewolken lösten beim VAAC Tokyo Aschewarnmeldungen aus. Demnach fanden am 10. Oktober um 22:42 UTC und am Folgetag um 08:13 UTC Ascheemissionen statt. Die Vulkanasche stieg bis auf Flugfläche FL100 auf, was ungefähr 3.000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel entspricht, und driftete nach Westnordwesten. Die Beobachtung erfolgte teilweise mit dem Wettersatelliten Himawari 9. Aufgrund von Bewölkung waren die Aschewolken auf späteren Aufnahmen nicht sichtbar.

Das Tagesbulletin vom Mittag des 11. Oktober blickt auf die letzten 24 Stunden zurück und registrierte eine mäßig explosive Eruption mit einer Dauer von zwei Minuten sowie eine länger anhaltende Ascheemission, die insgesamt 161 Minuten dauerte. Zudem wurden zehn vulkanische Erdbeben erfasst. Die Schwefeldioxidfreisetzung lag im Mittel bei 802 Tonnen pro Tag; am 10. Oktober war zeitweise ein deutlich höherer Wert von 4.656 Tonnen pro Tag gemessen worden, der mit der stärkeren Eruption einherging.

Die Eruptionswolke des Ausbruchs vom 10. Oktober erreichte laut PHIVOLCS zeitweise eine Höhe von 6.000 Metern über dem Krater. Ein pyroklastischer Strom, wie er in den sozialen Medien auf Aufnahmen zu sehen ist, wurde von den Vulkanologen nicht explizit erwähnt. Dafür wiesen sie aber auf Ascheniederschlag in Ortschaften östlich des Vulkans hin und empfahlen der Bevölkerung das Tragen von Atemschutzmasken.

PHIVOLCS hält die Warnung vor dem Betreten der permanenten Gefahrenzone im Umkreis von vier Kilometern um den Krater aufrecht. Auch Flüge in unmittelbarer Nähe des Vulkans sollen unterbleiben. Neben weiteren explosiven Eruptionen sind phreatische Ausbrüche möglich.

USA: Hurrikan Isaia forderte 4 Menschenleben

Hurrikan Isaias verursachte Naturkatastrophe und fordert vier Todesopfer

Hurrikan Isaias hat im Südosten der USA eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Der erste Hurrikan der eigentlich auslaufenden Atlantiksaison 2026 traf am Freitag als Hurrikan der Kategorie 2 nahe Destin in Florida auf Land. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben. Zwei der Opfer starben in ihren Häusern, als diese von umstürzenden Bäumen getroffen wurden. Der Hurrikan deckte Dächer ab und ließ Bäume auf Leitungen stürzen, so dass der Strom für fast 670.000 Haushalte und Betriebe ausfiel. Die US-Bundesstaaten Alabama, Georgia und Mississippi wurden von Starkregen, Sturm und Überschwemmungen getroffen. Inzwischen hat sich Isaias zu einem posttropischen Wirbelsturm abgeschwächt, doch die Gefahr durch Hochwasser und Tornados besteht weiter.



Hurrikanschäden

Der Zeitpunkt, an dem der Hurrikan auftrat, ist ungewöhnlich: Isaias ist erst der erste Hurrikan der atlantischen Sturmsaison 2026. Zwar bildeten sich zuvor mehrere Tropenstürme, doch keiner erreichte Hurrikanstärke. Der erste Hurrikan entstand damit erst Anfang Oktober – ungewöhnlich spät. Die Ursache liegt vor allem in einem außergewöhnlich starken El Niño im Pazifik. Nach Angaben des US Climate Prediction Center erreichten die positiven Meerestemperatur-Anomalien im östlichen äquatorialen Pazifik teilweise mehr als vier Grad Celsius.

El Niño beeinflusst die Atmosphäre auf beiden Seiten Amerikas gegensätzlich. Über dem Atlantik verstärken sich die vertikalen Windscherungen: Winde in verschiedenen Höhen wehen stärker aus unterschiedlichen Richtungen und zerreißen dadurch entstehende tropische Wirbelstürme. Im östlichen Pazifik geschieht das Gegenteil. Dort nimmt die Windscherung ab – und damit verbessern sich die Bedingungen für die Entwicklung und Verstärkung von Hurrikanen. Die amerikanische Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA beschreibt genau dieses Muster als typischen Einfluss von El Niño.

Pazifik erlebt außergewöhnliche Sturmsaison

Das erklärt die ungewöhnliche Zweiteilung der Sturmsaison: Während der Atlantik bis auf Isaia außergewöhnlich ruhig blieb, war der östliche Pazifik extrem aktiv. Mehrere Stürme erreichten dort große Intensität. Aktuelles Beispiel ist Hurrikan Simon, der sich vor der mexikanischen Pazifikküste schnell zu einem Kategorie-4-Hurrikan mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 km/h verstärkte. Der Landfall an der Küste des westlichen Mexikos wird für heute Früh 06:00 Uhr (Ortszeit) erwartet.

Für die Küstenregion besteht Gefahr durch Orkanböen mit Sturmfluten und gewaltigen Regenmengen. Das National Hurricane Center erwartete örtlich bis zu 30 Zoll beziehungsweise rund 760 Millimeter Niederschlag in Michoacán, Colima, Jalisco und Nayarit. Besonders in den bergigen Regionen drohen dadurch lebensgefährliche Sturzfluten und Erdrutsche.

Simon ist damit ein weiteres Beispiel für die außergewöhnliche pazifische Hurrikansaison 2026 – während Isaias zeigt, dass der extrem ruhige Atlantik selbst unter ungünstigen Bedingungen nicht völlig sturmfrei bleibt.

Yellowstone: Studie untersuchte Entwicklung der letzten 15.000 Jahre

Studie zum Yellowstone stellt fest: Klima wirkte sich auf hydrothermale Aktivität aus, während beides die Landschaft formte

Eine neue Studie, erschienen im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), untersucht, wie sich das Zusammenspiel von Klima, Vegetation, Waldbränden und hydrothermaler Aktivität im Yellowstone-Nationalpark seit dem Ende der letzten Eiszeit verändert hat und wie diese Prozesse die heutige Landschaft prägten. Die Ergebnisse zeigen, dass die hydrothermalen Systeme nicht ausschließlich von der vulkanischen Wärme beeinflusst werden, sondern auch auf langfristige Schwankungen der Wasserverfügbarkeit reagieren. Dieser Zusammenhang wurde bereits seit Längerem vermutet und könnte unter anderem die saisonalen Bodendeformationen erklären.


Sedimentkerne liefern Hinweise auf die Vergangenheit

Lower-Lakes

Das Forschungsteam untersuchte Sedimentkerne aus fünf Süßwasserseen im Lower Geyser Basin, dem größten Thermalgebiet des Nationalparks. Die Ablagerungen bewahren Spuren früherer Umweltbedingungen wie Pollen, verkohlte Holzreste und Schalen von Braunalgen, den sogenannten Diatomen. Außerdem wurden Kalkablagerungen der Geysire in die Untersuchungen mit einbezogen. Durch die Analyse der Pflanzenreste und geochemischen Indikatoren sowie der Hinweise auf Waldbrände rekonstruierten die Wissenschaftler die Landschaftsentwicklung während der vergangenen 15.000 Jahre, als mit der Gletscherschmelze die ersten Seen entstanden.

Die Forscher verwendeten zudem hochauflösende Klimasimulationen. Dafür übertrugen sie mithilfe eines USGS-Supercomputers globale Klimadaten auf die regionalen Bedingungen Yellowstones. Die aufwendigen Berechnungen ermöglichten es, Veränderungen von Temperatur und Feuchtigkeit für weit zurückliegende Zeiträume genauer einzuordnen.

Sie fanden heraus, dass es in der direkten Phase des Postglazials relativ feucht war und es zu einer starken hydrothermalen Aktivität kam. Mindestens 2 der Seen im Lower-Geyser-Basin sind in einer Phase größeren Feuchteeinflusses durch starke hydrothermale Explosionen entstanden, bei denen überhitztes Wasser und Dampf Gestein und Sedimente explosionsartig aus dem Untergrund herausbrechen lassen. Nach dieser relativ kurzen Feuchtphase änderte sich das Klima und damit die hydrothermale Aktivität.

Trockenperioden förderten Waldbrände

Die Rekonstruktion zeigt, dass zwischen etwa 12.000 und 4.000 Jahren vor heute vergleichsweise warme und trockene Bedingungen herrschten. Die Seen waren flach und nährstoffarm und Waldbrände traten häufiger auf. Die geothermalen Erscheinungen waren weniger aktiv.

Geochemische Veränderungen, darunter Schwankungen der Arsenkonzentrationen in den Sedimenten, geben Hinweise darauf, wie stark hydrothermale Prozesse die Seen beeinflussten. Die Ergebnisse unterstreichen damit die Bedeutung der Wasserzufuhr: Niederschläge und Schneeschmelze beeinflussen, wie viel Wasser in den Untergrund gelangt und dort mit erhitztem Gestein wechselwirkt, wodurch die hydrothermale Aktivität zunimmt. Das Ergebnis überrascht wenig und bestätigt die aus Untersuchungen des Kalksinters der Geysirbecken gewonnenen Erkenntnis, dass es während historischer Dürreperioden praktisch keine Aktivität mehr an den Geysiren Old Faithful und Steamboat gab.

Obwohl sich das Klima seit dem Ende der Eiszeit deutlich wandelte, blieb die Zusammensetzung der Wälder vergleichsweise stabil. Die nährstoffarmen, rhyolithischen Böden begünstigen Drehkiefern (lodgepole pine) und begrenzen die Ausbreitung anderer Baumarten. Die Vegetation reagierte weniger stark auf Klimaschwankungen als die Waldbrandaktivität, die in Trockenphasen natürlich deutlich zunahm.

Bedeutung für die Zukunft

Die Autoren sehen in den Ergebnissen ihrer Arbeit Hinweise auf mögliche Folgen des anthropogenen Klimawandels: Wärmere und trockenere Bedingungen könnten die hydrothermale Aktivität verringern und gleichzeitig das Waldbrandrisiko erhöhen. Eine weithin stabile Vegetation wäre aufgrund der besonderen Bodenverhältnisse denkbar.

Quelle: Whitlock et al. (2026): Postglacial ecosystem development of a hydrothermal landscape in Yellowstone National Park. PNAS, 123(35), e2613422123. DOI: 10.1073/pnas.2613422123.

Taiwan: Schlammvulkan von Wandan bricht erneut aus

Schlammvulkan von Wandan bricht erneut aus und eruptiert an vier Stellen

Der Schlammvulkan von Wandan ist heute im Süden Taiwans erneut ausgebrochen. Gegen 3 Uhr morgens schossen Schlammfontänen aus mehreren Öffnungen und ergossen sich über angrenzende Felder. Das Ereignis ereignete sich nur 96 Tage nach dem letzten Ausbruch am 6. Juli. Es war bereits die dritte Schlammeruption in diesem Jahr. Auch am 10. Februar war der Schlammvulkan aktiv gewesen.


Der Schlammvulkan im Juli.

Nach Angaben der taiwanischen Nachrichtenagentur CNA wurden diesmal vier Austrittsstellen beobachtet. Der Schlamm verteilte sich unter anderem auf benachbarte Adzukibohnenfelder, deren Pflanzen erst rund 20 Tage zuvor ausgesät worden waren. Um größere landwirtschaftliche Schäden zu verhindern, ließen örtliche Verantwortliche mit Baggern Abflussrinnen anlegen, durch die der Schlamm gezielt abgeleitet werden sollte.

Der Schlammvulkan liegt im Landkreis Pingtung nahe der Grenze zwischen den Gemeinden Wandan und Xinyuan. Anders als bei magmatischen Vulkanen stammt das ausgeworfene Material nicht aus einem Magmaspeicher. Unterirdische Gase, darunter Methan, treiben unter Druck stehendes Wasser und feinkörniges Sediment durch Spalten an die Oberfläche. Dort entsteht eine Schlammfontäne, die je nach Gasdruck große Mengen Material freisetzen kann. Entzündet sich das austretende Methan, können zusätzlich Flammen auftreten. Manchmal wird das Gas gezielt abgefackelt.

Zusammenhang mit dem Erdbeben vom 30. September?

Bemerkenswert ist, dass sich erst zehn Tage zuvor, am 30. September, ein Erdbeben der Magnitude Mb 6,0  (Mw 5,6) vor der Ostküste Taiwans ereignet hatte, über das Vnet berichtete. Das Epizentrum lag nach Angaben der taiwanischen Erdbebenwarte 130 Kilometer östlich des Landkreises Hualien; die Herdtiefe betrug etwa 43 Kilometer.

Erdbeben können grundsätzlich den Druck in unterirdischen Fluidsystemen verändern und dadurch Gas- oder Schlammfreisetzungen beeinflussen. Ob das Beben vom 30. September den Ausbruch von Wandan begünstigte, ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt. Zwischen dem Epizentrum vor der Ostküste und dem Schlammvulkan im Südwesten liegen mehrere hundert Kilometer.

Die Schlammeruptionen in Wandan treten in unregelmäßigen Abständen auf. Die aktuelle Eruption ist zunächst als weiteres Ereignis eines bereits länger aktiven geologischen Systems einzuordnen. Prognosen zur Tätigkeit gibt es nicht.

Neue Studien belegen dafür, dass der Wandan-Schlammvulkan in der jüngeren Vergangenheit 1 bis 2 Mal im Jahr ausbrach und radioaktive Nukleoide fördert, die an feinem Material angeheftet sind. Zudem treten Salze aus, die umweltschädlich sind. Bei einer Eruption im Jahr 219 wurden mehr als 13.000 Kubikmeter Schlamm gefördert.

Lipari: Schlammfluten durch Unwetter

Starkregen löst Schlamm- und Sturzflut auf Lipari aus – Wellen beschädigten Boote

In der Nacht zum 10. Oktober wurde die Äolische Insel Lipari von einem starken Unwetter getroffen, das innerhalb kurzer Zeit eine Schlamm- und Sturzflut ausgelöst hat. Besonders betroffen waren die Bereiche Zinzolo und Salita San Leonardo. Nach Angaben italienischer Medien fielen zeitweise rund 50 Millimeter Regen in kurzer Zeit. Die intensivste Phase wurde zwischen 1:00 und 1:40 Uhr registriert; am Morgen setzte zwischen etwa 7:00 und 8:30 Uhr ein weiteres Mal kräftiger Regen ein.

Lipari

Die Wassermassen überforderten die Entwässerung und ließen die Torrenti Ponte und Valle über die Ufer treten. Wasser, Schlamm und Geröll strömten durch bewohnte Gebiete und überfluteten zahlreiche Straßen und rissen allerlei Unrat mit. Besonders eindrücklich sind Bilder aus Zinzolo und von der Salita San Leonardo, wo sich zeitweise regelrechte Wasser- und Schlammströme durch die Straßen bewegten.

Dutzende Häuser wurden von den Sturzflutmassen erfasst, wo Keller und Geschäfte vollliefen. Im Bereich des Hafens Sottomonastero gerieten mehrere Fahrzeuge in den Wassermassen beziehungsweise im Schlamm unterhalb der Kaimauer in Schwierigkeiten. Die aus den höher gelegenen Bereichen herabströmenden Fluten transportierten große Mengen Sediment und Geröll bis in den Küstenbereich. Teile des Materials gelangten schließlich an die Strände und ins Meer, wo eine starke Brandung wütete, die ihrerseits Schäden anrichtete und Fischerboote an Land warf.

Die Feuerwehr war mit zahlreichen Einsätzen beschäftigt und musste unter anderem Autofahrer aus gefährlichen Situationen befreien sowie überflutete Gebäude und Verkehrswege sichern. Zeitweise waren Familien in ihren Häusern durch die Wasser- und Schlammmassen eingeschlossen. Nach Angaben von Bürgermeister Riccardo Gullo konnte die Situation im Laufe des Tages weitgehend stabilisiert werden; die betroffenen Familien wurden befreit und wichtige Straßen wieder passierbar gemacht. Gleichzeitig blieb die Gefahr weiterer starker Niederschläge bestehen.

Das Ereignis verdeutlicht die hohe Sturzflutgefährdung der vulkanischen Insel: Bei extremem Starkregen kann das Wasser von den steilen Hängen innerhalb kürzester Zeit in die dicht besiedelten Küstenbereiche abfließen und dabei Schlamm und Geröll mitreißen. Die regionale Protezione Civile hatte für Sizilien eine orange Wetterwarnung ausgegeben.

Die Unwetter machten auch vor den anderen Inseln des Archipels nicht halt. Meldungen über katastrophale Zustände liegen von ihnen nicht vor. Allerdings ist der Fährverkehr zu den äußeren Inseln bereits seit Mittwoch eingeschränkt oder teilweise sogar ganz eingestellt. Stromboli, Alicudi und Filicudi sind praktisch von der Außenwelt abgeschnitten.

Campi Flegrei: Studien liefern ein Bild des Untergrunds

Der verborgene Motor des Bradyseismus: Wie ein tiefes Magma-Mush-System die Campi Flegrei antreiben könnte

Was treibt die seit Jahren anhaltende seismomagmatische Bodenhebungskrise der Campi Flegrei an? Drei aktuelle Studien liefern darauf Teilantworten, die sich zu einem erstaunlich konsistenten Bild zusammenfügen. Sie beschreiben nicht einfach einen einzelnen Magmakörper, der sich unter Pozzuoli aufbläht, sondern ein mehrstufiges System aus kristallreichem Magma, aufsteigenden magmatischen Fluiden und einem unter Druck stehenden hydrothermalen Reservoir nahe der Oberfläche.



Die tiefste Ebene des komplexen Systems wurde 2025 durch eine dreidimensionale magnetotellurische Untersuchung sichtbar. Isaia und Kollegen identifizierten zwischen etwa 8 und mehr als 20 Kilometern Tiefe eine ausgedehnte Zone, die als kristallreiches Magma-Mush interpretiert wird. Nur ungefähr zehn Prozent des Volumens bestehen dem Modell zufolge aus Schmelze – dennoch entspräche dies rund 90 Kubikkilometern Magma. Oberhalb dieser tiefen Mush-Zone verlaufen kanalartige Strukturen bis in den Bereich von etwa 3 bis 8 Kilometern Tiefe. Sie könnten als Aufstiegswege für Magma und insbesondere für magmatische Fluide dienen. Darüber schließt sich das flachere hydrothermale System an.

Damit verändert sich auch die Vorstellung davon, woher die für den Bradyseismus verantwortlichen Fluide stammen könnten. Sie müssen nicht zwangsläufig aus einem einzelnen flachen Magmakörper stammen. Vielmehr könnte das ausgedehnte Mush-System eine langfristige Quelle für Wärme und flüchtige Komponenten darstellen. Die mittlere Kruste fungiert dabei als Transferzone, in der Magma steckenbleiben, kristallisieren und entgasen kann. Die Autoren schreiben allerdings auch, dass aus den geophysikalischen Daten kein durchgehender, aktuell aktiver Fluidstrom direkt nachgewiesen werden kann.

Die zweite Ebene beschreibt die im Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung von Bini und Kollegen. Mehr als 30.000 CO₂-Messungen über zwei Jahrzehnte zeigen eine enge Verbindung zwischen zunehmender Bodengasfreisetzung, Bodenhebung und Seismizität. Die Autoren interpretieren die Entwicklung als Folge einer Druckzunahme durch magmatische Fluide in etwa 3 bis 4 Kilometern Tiefe. Besonders zwischen 2018 und 2022 registrierten sie einen markanten Impuls der magmatischen Gaszufuhr unterhalb der Solfatara. Aufsteigende Fluide heizen dem Modell zufolge das darüberliegende hydrothermale System auf und führen zu Kondensation, wobei große Mengen latenter Wärme an das Gestein abgegeben werden.

Hier setzt die dritte Studie an. Vanorio und Kollegen zeigen, warum die Campi Flegrei überhaupt wiederholt in Phasen intensiver Deformation und Seismizität eintreten können. In einem Reservoir zwischen etwa 2 und 4 Kilometern Tiefe können sich Fluide sammeln und Druck aufbauen. Gleichzeitig kann hydrothermales Wasser die darüberliegende Deckschicht durch mineralische Ausfällungen zunehmend abdichten. Dadurch wird das System gewissermaßen selbstversiegelnd: Fluide können nachströmen, während ihre Entweichung erschwert wird. Steigt der Porendruck ausreichend an, kommt es schließlich zur Deformation und zum Bruch der Gesteine.

Zusammengenommen ergibt sich damit ein möglicher Kreislauf: Ein langlebiges Mush-System, dessen Oberseite sich in ca. 8 Kilometern Tiefe befindet, liefert Wärme und magmatische Fluide. Diese steigen entlang struktureller Schwächezonen auf und erreichen den Bereich von 3 bis 4 Kilometern Tiefe. Dort speisen sie ein hydrothermales System, erhöhen Druck und Temperatur und treiben die Bodenhebung an. Gleichzeitig kann Wasser aus dem hydrothermalen System zur weiteren Fluidansammlung beitragen und ausfallende Minerale die Deckschicht abdichten. Wird eine kritische Druckschwelle überschritten, bricht das System – es kommt zu Erdbebenschwärmen und einer teilweisen Druckentlastung durch stärkere Entgasung. Anschließend kann der Prozess von Neuem beginnen.

Die Rolle des meteorischen Wassers bleibt eine wichtige offene Frage. Vanorio et al. betonen dessen Bedeutung für die Reservoirauffüllung, während Bini et al. die aktuelle Beschleunigung vor allem mit dem Zustrom magmatischer Fluide erklären. Beides muss sich nicht widersprechen: Magmatische Fluide könnten den eigentlichen Energie- und CO₂-Impuls liefern, während Wasser die hydrothermale Zirkulation und die Druckentwicklung beeinflusst.

Der Bradyseismus wäre damit weniger das Aufblähen einer einzelnen Magmakammer als die oberflächennahe Reaktion auf einen mehrstufigen Fluidkreislauf, der tief im transkrustalen Mush-System beginnt. Das erklärt auch, warum die aktuelle Unruhe zugleich vulkanische und hydrothermale Eigenschaften besitzt – und weshalb steigende CO₂-Emissionen, Erwärmung, Bodenhebung und Seismizität gemeinsam betrachtet werden müssen.