Forscher berechnen Geschwindigkeit einer Erdbeben-Rissbildung

Kamera filmt Entstehung einer Erdbebenverwerfung in Echtzeit – Forscher ermitteln Ausbreitungsgeschwindigkeit der Rissbildung

Eine Überwachungskamera hat beim schweren Erdbeben in der japanischen Präfektur Kumamoto erstmals die Entstehung einer oberirdischen Verwerfung mit hoher zeitlicher Auflösung aufgezeichnet. Eine jetzt veröffentlichte Studie zeigt, dass sich der größte Teil der gemessenen Bodenverschiebung innerhalb von weniger als einer Sekunde entwickelte. Besonders interessant ist der geologische Schauplatz: Das Erdbeben ereignete sich in unmittelbarer Nähe des Vulkans Aso, einem der aktivsten Vulkansysteme Japans.



Das Erdbeben vom 28. Juli 2026 erreichte eine Magnitude von 7,1 und hatte sein Hypozentrum in etwa 16 Kilometern Tiefe. Es verursachte starke Schäden und eine ausgeprägte Nachbebenaktivität. Nach Angaben der japanischen Erdbebenforschung erstreckt sich die Aktivitätszone über rund 50 Kilometer in nordöstlich-südwestlicher Richtung. Die Hauptbruchzone folgt dabei dem tektonisch aktiven Hinagu-Störungssystem.

Die von Bogdan Enescu und Kollegen untersuchten Aufnahmen stammten von einer Kamera, diesich nahe einer Oberflächenverwerfung befand. Obwohl nur eine Kopie der ursprünglichen Aufnahme verfügbar war, konnten die Wissenschaftler die Bewegung mit zwei unabhängigen Bildanalyseverfahren rekonstruieren. Zur Anwendung kam das Verfahren Optical Flow und eine auf Bildkorrelation basierenden Methode. Beide Verfahren lieferten nahezu identische Ergebnisse.

Vor Ort wurde eine bleibende horizontale Verschiebung von 1,05 Metern sowie eine vertikale Bewegung von 0,90 Metern gemessen. Insgesamt wurde die gegenüberliegende Geländeseite damit um rund 1,38 Meter versetzt. Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit des Vorgangs: Zwischen 20 und 80 Prozent der endgültigen Verschiebung entstanden innerhalb von etwa 0,9 Sekunden. Die mittlere Verschiebungsrate lag dabei bei ungefähr 0,9 Metern pro Sekunde.

Der Vulkan Aso liegt in derselben geologisch hochaktiven Region Kyushus. Die Verbindung ist deshalb besonders interessant, weil die Region sowohl durch aktive Störungssysteme als auch durch Vulkanismus geprägt wird. Neuere Untersuchungen der Erdbebensequenz zeigen zudem Veränderungen der Seismizität im Bereich des Aso. Ein direkter Zusammenhang zwischen der aktuellen Erdbebenruptur und einer magmatischen Reaktivierung des Vulkans ist damit allerdings noch nicht nachgewiesen, obgleich die tektonsichen Prozesse auf den Vulkan einwirken könnten.

Die Studie zeigt zudem ein Potenzial von Kameraaufnahmen, das über die Untersuchung tektonischer Erdbeben hinausgeht. Immer mehr Überwachungskameras stehen in vulkanisch aktiven Regionen. Mit automatisierter Bildanalyse könnten solche Aufnahmen künftig genutzt werden, um auch die zeitliche Entwicklung von Bodenrissen und Deformationen während einer magmatischen Intrusion zu untersuchen. Kameras könnten damit eine zusätzliche Informationsquelle zur Beobachtung der Ausbreitung magmatischer Risse und von Dykes darstellen – insbesondere dort, wo klassische und oft seh kostspielige Messinstrumente nur begrenzt verfügbar sind. Eine automatische KI-Analyse der Videobilder könnte in vorhandenen Alarmsystemen integriert werden und zur schnelleren Gefahrenerkennugn beitragen.

Quelle: Enescu et al. (2026), Time-Resolved Surface-Fault Displacement During the 2026 Kumamoto Earthquake From Near-Fault Video, arXiv:2608.21045v2.

Deutschland: Spürbares Erdbeben erschüttert Worms

Erdbeben M 3,4 in Deutschland: Deutlich spürbare Erschütterung trifft Worms und Mannheim

Am Donnerstagnachmittag hat ein deutlich spürbares Erdbeben die Region zwischen Worms, Mannheim und Ludwigshafen erschüttert. Das Beben ereignete sich am 10. September 2026 um 17:27 Uhr MESZ und erreichte nach vorläufigen Daten eine Magnitude von 3,4. Das Hypozentrum lag in 10 Kilometern Tiefe bei 49,600° nördlicher Breite und 8,400° östlicher Länge. Damit befand sich das Epizentrum nur etwa 13 Kilometer nordnordwestlich von Mannheim und 13 Kilometer nord-nordwestlich Kilometer von Worms. Das Epizentrum manifestierte sich zwischen Silbersee und Rhein.



Deutschland © EMSC/Leaflet

Zahlreiche Menschen verspürten das Beben und meldeten ihre Eindrücke beim EMSC. In Worms wurde es als kurzer, aber kräftiger Erdstoß wahrgenommen. Aus Lampertheim wurden drei bis fünf Sekunden starken Rüttelns und ein ungewöhnlich hochfrequentes Geräusch beschrieben. In Frankenthal wackelte nach Angaben eines Beobachters das gesamte Haus. Auch aus Ludwigshafen, Mannheim und Viernheim gingen Meldungen über einen kräftigen Stoß, Vibrationen und klappernde Gegenstände ein. In Mannheim beschrieben Zeugen unter anderem ein tiefes Grummeln und anschließend mehrere Sekunden andauernde Vibrationen. Selbst aus Grünstadt, rund 18 Kilometer westlich des Epizentrums, wurde berichtet, dass das gesamte Haus gewackelt habe. Noch in Wiesbaden und Pforzheim gab es einzelne Wahrnehmungsmeldungen. Schäden wurden in den bisher vorliegenden Berichten nicht gemeldet.

Tektonisch liegt das Beben im Bereich des nördlichen Oberrheingrabens, einer seit dem Tertiär durch Dehnung geprägten Störungszone. Die Erdkruste wurde hier auseinandergezogen und durch zahlreiche Verwerfungen in einzelne Schollen zerlegt. Im nördlichen Abschnitt dominieren unter anderem listrische Abschiebungssysteme; im Untergrund der Rheinebene befinden sich zudem komplexe Störungsstrukturen zwischen dem Wormser und Mannheimer Raum.

Das Beben ist damit ein Ausdruck der weiterhin aktiven tektonischen Spannungen im Oberrheingraben. Vergleichbare, meist deutlich schwächere Erdbeben treten in der Region regelmäßig auf. Beispielsweise registrierte der Landeserdbebendienst erst im August ein schwaches Beben bei Worms und eines bei Mannheim.

Fuego: Livecam filmt Triple-Eruption am Morgen

Drei starke Explosionen am Fuego in Folge – Livecam filmt Ereignis

Gestern Morgen ereigneten sich am Fuego in Guatemala drei explosive Ascheeruptionen in kurzer Folge. Sie manifestierten sich zum Sonnenaufgang um 06:21 Uhr, 06:42 Uhr und 07:17 Uhr Ortszeit. Neben massiven Aschewolken wurden auch größere Pyroklastika gefördert, die nachts besonders ästhetische Rotglutspuren auf den Aufnahmen hinterlassen hätten. Da der Wind stark blies, wurden die Aschewolken sofort nach Westen verfrachtet und konnten nicht so hoch aufsteigen, wie man es angesichts der Stärke der Explosionen erwarten würde.



Fuego

Das VAAC erfasste die Aschewolken und gab VONA-Warnungen heraus, nach denen die Asche bis auf Flugfläche 140 aufstieg, was einer Höhe von etwa 4.300 m über dem Meeresspiegel entspricht. Die Vulkanologen von INSIVUMEH gaben eine Aschehöhe von 4.800 m an und eine Eruptionsfrequenz von 2 bis 5, was genau genommen ein unterdurchschnittlicher Wert ist. Möglicherweise erfolgen die Ausbrüche in längeren Zeitabständen, sind dafür aber stärker. Während die Aschewolken bis zu 20 Kilometer weit verfolgt werden konnten und es zu leichtem Aschefall in Ortschaften am Fuß des Vulkans kam, stieg bei nächtlichen Eruptionen rotglühende Tephra bis zu 300 m hoch auf.

Bemerkenswert ist, dass die guatemaltekische Katastrophenschutzbehörde CONRED sich zwar auf Daten und Beobachtungen von INSIVUMEH stützt, aber andere Daten zu den Eruptionen am Vortag veröffentlicht hat: Den Katastrophenschützern zufolge konnte die Asche zunächst 50 Kilometer weit verfolgt werden, während Prognosemodelle eine Ascheausbreitung von bis zu 75 Kilometern voraussagten.

Obwohl die Eruptionen stärker ausfielen als gewöhnlich, wurden bislang keine Geodaten veröffentlicht, die auf einen sich anbahnenden Paroxysmus hindeuten würden. Tatsächlich wurden einige Tage vor den bisherigen Lavafontänen-Episoden Explosionen beobachtet, die stärker als üblich waren und in immer kürzeren Intervallen aufeinanderfolgten, bis die paroxysmale Hauptphase einsetzte. So ist es nicht ausgeschlossen, dass wir in einigen Tagen einen jener Paroxysmen sehen werden, die für die Anwohner eine ernste Bedrohung darstellen.

Ätna: Häufig wechselnde VONA-Alarmstufe

Wechselspiel der VONA-Warnstufen am Ätna setzt sich fort – neben Aschewolken stromboliansiche Eruptionen beobachtet

Am Ätna auf Sizilien setzt sich das Wechselspiel der VONA-Warnstufen fort. Nachdem das Vulkanobservatorium des INGV am Mittwoch wegen einer anhaltenden Ascheemission den Flugfarbcode von Orange auf Rot erhöhte, wurde die Warnstufe am Donnerstagmorgen zunächst wieder auf Orange zurückgesetzt. Wenige Stunden später folgte wieder eine Hochstufung auf Rot, da es zu weiteren Ascheemissionen gekommen war. Zudem berichten Vulkanologen des INGV von schwachen strombolianischen Eruptionen aus der Bocca Nuova.



Ätna

Am Mittwoch gegen 09:57 UTC meldete das Ätna-Observatorium eine anhaltende Ascheemission, die auch via Livecam gut zu beobachten war. Die Vulkanasche erreichte eine Höhe von etwa 5000 Metern und driftete in Richtung Ost-Südost. Das Phänomen war sowohl auf den visuellen als auch auf den Wärmebildkameras deutlich erkennbar. Damit wurde der Flugfarbcode von Orange auf Rot gesetzt.

Am Donnerstag um 05:36 UTC schätzte das Observatorium die Aktivität zunächst als schwächer ein. Eine weiterhin bestehende, aber schwache Ascheemission führte zur Rückstufung auf Orange. Die Asche driftete zu diesem Zeitpunkt nach Osten. Um 09:11 UTC wurde dann wieder der rote Code ausgegeben, da es zu weiteren Ascheemissionen gekommen war, deren Wolke eine Höhe von etwa 4000 Metern erreichte und nach Nordosten driftete. Die wechselnden Warnstufen zeigen, wie rasch sich die Aktivität am Ätna verändern kann.

Während die Asche-Emissionen gestern anhielten, befand sich ein Gipfelstürmer am Kraterrand des Nordostkraters und dokumentierte das Geschehen mit seinem Smartphone. Zu sehen sind durchaus kraftvolle Emissionen, die mittlerweile mehr grau als rotbraun gefärbt sind, was auf den Einfluss frisch fragmentierter Lava hindeutet.

Das jüngste Wochenbulletin des INGV für den Beobachtungszeitraum vom 31. August bis 6. September hatte eine ausgeprägte Aktivität an den Gipfelkratern bestätigt. Demnach kam es am Nordostkrater zu nahezu kontinuierlichen Ascheemissionen, die sich besonders am 1. und 2. September verstärkten. Pulsierende Aschewolken stiegen mehrere hundert Meter über den Krater auf. An der Bocca Nuova wurde zudem bei einer Begehung des Vulkans von Seiten der Vulkanologen schwache strombolianische Aktivität beobachtet, die am 4. September zunahm und sogar glühende Lavabrocken über den Kraterrand schleuderte. Ab dem 5. September wurden auch dort sporadische Ascheemissionen registriert.

Bemerkenswert waren auch einzelne kräftige Infraschallereignisse. Die Aktivität lag zwar meist auf niedrigem Niveau, erreichte bei episodischen Ausbrüchen jedoch sehr hohe Werte. Die Quellen lagen hauptsächlich am Nordostkrater und an der Bocca Nuova.

Obwohl sich der Tremor letzte Woche überwiegend im Bereich niedriger Amplituden bewegte, sprechen die Beobachtungen strombolianischer Explosionen für aktive Eruptionen anstatt passive Ascheemissionen infolge von Kollapsereignissen.

Die Tremorquellen lagen vor allem im Bereich des Nordostkraters und der Voragine, dehnten sich aber zeitweise praktisch über den gesamten Gipfelbereich aus; sogar unter dem Südostkrater wurde Tremor detektiert, was für die Ausbreitung magmatischer Fluide spricht.

Die Bodendeformation blieb dagegen stabil. Weder das GNSS-Netz noch die Neigungsmesser registrierten in der Berichtswoche signifikante Veränderungen. Auch die thermische Aktivität war überwiegend niedrig, mit einzelnen moderaten Anomalien. Das Maximum lag am 2. September bei rund 20 MW.

Das INGV hält dennoch eine rasche Steigerung der Aktivität für möglich. Als Szenario werden häufige explosive Ereignisse mit Aschewolken und groben pyroklastischen Auswürfen genannt; auch eine Entwicklung zu energiereicheren Eruptionen mit hohen Eruptionssäulen und pyroklastischen Strömen könne nicht ausgeschlossen werden.

(Quellen: VONA-Meldungen, Wochenbulletin INGV, Copernicus-Sentinel2L, eigene Beobachtungen)

Furnas: Alarmstufe am Vulkan auf den Azoren erhöht

Vulkanalarm am Furnas auf São Miguel (Azoren) wegen zunehmender Seismizität erhöht

Auf den Azoren hat die seismische Aktivität unter dem Vulkan Furnas deutlich zugenommen. Das zuständige seismovulkanologische Überwachungszentrum CIVISA erhöhte deshalb am 8. September den vulkanischen Alarmzustand für den Vulkan auf der Insel São Miguel auf V1. Die Maßnahme erfolgte nach einer Serie von Erdbeben, die sich im Bereich des Vulkans ereigneten.



Furnas

Besonders auffällig war ein Erdbeben der Magnitude 2,9, dessen Hypozentrum vier Kilometer west-südwestlich von Furnas lag. Laut dem EMSC hatte das Beben eine Magnitude von 3,0 und ein Hypozentrum in 4500 m Tiefe. Der Erdstoß wurde auf São Miguel deutlich wahrgenommen. Bereits zuvor hatte es schwache Erschütterungen gegeben. In den folgenden Tagen setzte sich die erhöhte Seismizität fort; Erdbebendaten weisen weiterhin mehrere Beben im Umfeld des Vulkans aus.

Die Alarmstufe V1 bedeutet allerdings nicht, dass unmittelbar ein Vulkanausbruch erwartet wird. Sie markiert eine Phase erhöhter vulkanischer Unruhe, in der die Überwachung intensiviert wird. Dabei wird nicht nur auf die Seismizität geachtet, sondern auch darauf, ob sich andere geophysikalische und geochemische Parameter wie Bodenverformung, Temperatur oder die Zusammensetzung vulkanischer Gase verändern.

Furnas gehört zu den aktivsten Vulkansystemen der Azoren. Der große Vulkan im Osten von São Miguel ist durch eine ausgedehnte Caldera mit einem See und ein stark ausgeprägtes hydrothermales System mit Fumarolen, heißen Quellen und Schlammbecken geprägt. Seine letzte historische Eruption ereignete sich 1630 und war explosiver Natur.

Furnas ist nicht der einzige unruhige Vulkan der Azoren: Mehrere Vulkansysteme stehen hier bereits unter erhöhter Beobachtung. Auf Terceira gilt für Santa Bárbara und das westliche Fissurensystem ebenfalls V1, während auf São Jorge das Manadas-Fissurensystem besonders überwacht wird.

Alaid: Kurilenvulkan eruptiert Aschewolke

Alaid auf den Kurilen: Vulkanasche zieht über den Pazifik

Auf der russischen Kurileninsel Atlasow ist der Vulkan Alaid am 10. September aktiv geworden und erzeugte offenbar eine Eruption, die vom zuständigen Vulkanobservatorium noch bestätigt werden muss. Das VAAC Tokyo registrierte anhand von Satellitendaten des japanischen Wettersatelliten Himawari-9 eine mögliche Eruption. Gegen 01:10 UTC wurde eine Aschewolke beobachtet, die bis in etwa 3.000 Meter Höhe aufstieg. Um 02:10 UTC erstreckte sich die Wolke bereits mehrere Dutzend Kilometer östlich des Vulkans. Sie wurde mit einer Geschwindigkeit von 38 km/h Richtung Osten verfrachtet.

VONA

Der Alaid ist ein 2.285 Meter hoher Stratovulkan und bildet nahezu die gesamte unbewohnte Insel Atlasow im äußersten Norden der Kurilen. Die Insel liegt zwischen der Kamtschatka-Halbinsel und den übrigen Kurilen im Ochotskischen Meer. Der Alaid ist nicht nur der nördlichste, sondern auch einer der aktivsten Vulkane des Archipels und zählt zu den höchsten Vulkanen der Kurilen. Geologisch gehört er zum Kurilen-Kamtschatka-Inselbogen, der durch die Subduktion der Pazifischen Platte unter die Okhotsk-Platte geprägt wird.

Der Vulkan ist vor allem für explosive Ausbrüche aus seinem Gipfelkrater bekannt, kann aber auch Lavaströme fördern. Bei der letzten größeren Eruption im Jahr 2022 kam es zu einer Kombination aus explosiver und effusiver Aktivität. Dabei wurden unter anderem zwei Lavaströme am Südhang des Vulkans beobachtet. Die Eruptionsphase dauerte vom September bis in den November 2022 und erzeugte wiederholt Aschewolken und thermische Anomalien.

Die VONA-Meldung von heute war die erste in diesem Jahr. Um 05:50 UTC wurde eine zweite Meldung veröffentlicht, mit der die Warnung aufgehoben wurde, weil die Aschewolke nicht länger nachweisbar war. Dennoch stellt die aktuelle Aschewolke einen Hinweis auf das Wiederaufleben der Aktivität nach mehreren Jahren relativer Ruhe dar.

Anak Krakatau: Insel vergrößerte sich durch Vulkanausbruch

Vulkanausbruch am Anak Krakatau vergrößerte die Insel – Boot mit Journalisten an Bord verschollen

Nach dem jüngsten Paroxysmus des Inselvulkans Anak Krakatau, der am 4. September begann, am Folgetag seinen Höhepunkt durchlebte und am 6. September abebbte, machten sich am Montag 5 Journalisten in einem Boot mit 3 Besatzungsmitgliedern auf den Weg zum Vulkan, um die Veränderungen dort zu dokumentieren. Ob sie es tatsächlich bis zum Vulkan schafften, ist nicht bekannt, denn der Kontakt zum Boot brach ab und es gilt samt Besatzung als vermisst. Auf Satellitenbildern erkennt man aber die umwälzenden Veränderungen, die der Vulkan durch die Eruption erfuhr.



In den Berichten zur Eruption des Anak Krakatau war bis jetzt ausschließlich die Rede von Lavafontänen und hoch aufsteigenden Aschewolken, die den Flugverkehr in der Region mehrere Tage lang zum Erliegen brachten. Nicht erwähnt wurde der Umstand, dass die Lavafontänen logischerweise Lavaströme speisten, die ins Meer flossen und die Insel um ein Lavadelta erweiterten. Entsprechendes kann man gut auf Fotos sehen, die kurz vor und nach dem Ausbruch vom Sentinel-2L-Satelliten geschossen wurden. Auf dem SWIR-Bild vom 8. September erkennt man noch eine ausgeprägte thermische Anomalie im Süden des Vulkans, die nicht nur den gesamten Kraterbereich einnimmt, sondern bis zum Meer hinabreicht. Insofern weist die Eruption Parallelen zum Ausbruch von 2018 auf, bei dem ebenfalls ungewöhnlich viel Lava gefördert wurde.

Neues Lavadelta am Krakatau. © Copernicus-Sentinel-2L

Ob die eingangs erwähnten verschollenen Journalisten Gelegenheit hatten, diese Veränderungen zu dokumentieren, ist bis jetzt ungewiss. Gewiss ist, dass sich an Bord des Speedbootes fünf Journalisten, zwei Besatzungsmitglieder und ein Guide befanden, die am Montag, 7. September, gegen 14 Uhr Ortszeit mit einem Speedboat von Pagedongan bei Carita an der Westküste Javas aus in See stachen. Der letzte bekannte Kontakt erfolgte am Nachmittag, als einer der Journalisten gegen 15 Uhr seine Position einem Kollegen mitteilte. Später meldete die Gruppe, dass sie die Gewässer des Anak Krakatau erreicht habe. Danach brach der Kontakt vollständig ab.

Besonders bemerkenswert ist, dass der Guide kurz vor dem Verschwinden noch ein Foto vom Vulkan verschickt haben soll. Damit gibt es zumindest einen visuellen Hinweis darauf, dass sich die Gruppe tatsächlich in unmittelbarer Nähe des Anak Krakatau befand.

Die Suche wurde inzwischen auf große Bereiche der Sundastraße ausgeweitet. Mehrere Schiffe von BASARNAS (Badan Nasional Pencarian dan Pertolongan), Marine, Polizei und Militär sind mit Unterstützung von Drohnen im Einsatz. Schwierige Wetterbedingungen mit hohen Wellen und schlechter Sicht erschweren die Operation.

Die ca. 50 Kilometer weite Fahrt zum Krakatau ist besonders bei rauer See abenteuerlich, zumal aus dem flachen Wasser Pfähle herausragen, an denen Fischer wohl Reusen befestigt haben oder die früher Fischereiplattformen trugen. Läuft man auf einen dieser Pfähle auf, schlägt ein kleineres Boot unweigerlich Leck. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass sich das Boot zu nahe dem Vulkan annäherte und von einer vulkanischen Bombe versenkt wurde. Die Behörden scheinen jedoch eher davon auszugehen, dass das Boot abgetrieben wurde oder einfach kenterte.

Der Anak Krakatau ist weiterhin aktiv und emittiert weiterhin Aschewolken, die bis zu 1500 m hoch aufsteigen. Während die Erdbebenaktivität gestern noch hoch war, hat sie in den letzten Stunden nachgelassen. Dennoch besteht das Risiko stärkerer Eruptionen.

Island: Interessante Erdbebentätigkeit auf Wochensicht

Interessante Erdbebentätigkeit auf Island – fast 400 Beben im Laufe einer Woche

Auf Island ist es aus seismischer Sicht nicht so ruhig, wie die mangelnde Berichterstattung der letzten Wochen vermuten lässt. Im Laufe der vergangenen sieben Tage manifestierten sich 397 lokalisierbare Erdbeben unter der von Vulkanismus und tektonischen Prozessen geprägten Insel im Nordatlantik, die sich über den Mittelatlantischen Rücken erhebt. Diese transkontinentale Dehnungszone ist der Hauptmotor der Erdbebentätigkeit, die allerdings gehäuft im Bereich der Zentralvulkane auftritt. Neu hinzugekommen sind Erdbeben im Bereich des nordisländischen Vulkans Krafla am Mývatn, dessen letzte Eruptionsphase gerne als Vergleich für die aktuelle Tätigkeit entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe herangezogen wird.

Island © IMO

In den vergangenen Tagen ereigneten sich im Krafla-Gebiet 18 Mikrobeben, die sich überwiegend südwestlich des Spaltenvulkans manifestierten. Dort befinden sich das Geothermalgebiet Námafjall sowie ein Geothermalkraftwerk. Die Hypozentren der Beben liegen mit 3 bis 4 Kilometern relativ flach, allerdings eigentlich zu tief, um eindeutig durch menschliche Aktivitäten verursacht worden zu sein. Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass die Beben mit dem Geothermalkraftwerk in Verbindung stehen. Andererseits könnten sie durch magmatische Fluide verursacht werden, die entlang von Störungszonen aufsteigen und das Spannungsfeld beeinflussen. Eine eindeutige Beben-Ursache lässt sich derzeit nicht bestimmen.

Erdbeben gibt es auch wieder gehäuft im Westen Islands, vor allem am Langjökull und am Grjótárvatn. Im Südwesten Islands bebte es praktisch an jedem der fünf großen Spaltensysteme auf Reykjanes, ausgenommen dem Bodenhebungsgebiet bei Svartsengi, wo nur vereinzelte Erdbeben registriert wurden, obwohl die Bodenhebung unverändert anhält.

Besonders auffällig sind zwei Bebencluster südöstlich und südwestlich des Kleifarvatns im Krýsuvík-System sowie ein Schwarmbeben bei Bláfjöll, über das ich bereits berichtet habe.

Weiter im Osten Islands setzte sich die Erdbebenaktivität unter Katla und Torfajökull, aber auch im Bereich des Vatnajökull fort. Die seismische Tätigkeit lässt zwar keine unmittelbaren Rückschlüsse auf bevorstehende Vulkanausbrüche zu, verdeutlicht aber, dass Island weiterhin sehr aktiv ist und dass sich mehrere Vulkansysteme auf Eruptionen vorbereiten könnten.

Campi Flegrei: 4,60 m Bodenhebung seit 1950

Erdbebentätigkeit der Campi Flegrei nimmt wieder zu – 4,60 m Bodenhebung seit Beginn des Bradyseismos

Nach einigen ruhigeren Tagen hat die Erdbebentätigkeit in den Campi Flegrei wieder angezogen. Seit dem 6. September wurden im Bereich der Caldera 17 schwache Erdbeben registriert. Besonders aktiv war der Abend des 7. September: Innerhalb von rund 40 Minuten ereigneten sich mehrere Beben, darunter ein Ereignis der Magnitude Md 1,7 in 2,6 Kilometern Tiefe sowie ein Beben Md 1,4 in 2,7 Kilometern Tiefe. Am 8. September folgten weitere Erschütterungen, darunter ein Beben Md 1,6 in 1,5 Kilometern Tiefe. Am 9. September wurden zwei weitere Beben der Magnitude Md 0,3 registriert.



Campi Flegrei. © INGV

Die aktuelle Aktivität manifestierte sich im Rahmen der seit 2005 anhaltenden Bodenhebungsphase. Das am 8. September veröffentlichte Wochenbulletin des Vesuv-Observatoriums des INGV zeigt, dass sich die übergeordneten Trends nicht verändert haben. Zwischen dem 31. August und 6. September wurden 18 Erdbeben registriert, davon 13 mit Magnituden ab Md 0,0. Das stärkste erreichte Md 1,6. Gleichzeitig hebt sich der Boden im Bereich der stärksten Deformation seit Anfang Februar mit durchschnittlich 10 Millimetern pro Monat.

An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die korrigierte Bodenhebung seit Januar 2025 inzwischen auf etwa 31 Zentimeter. Der starke Erdbebenschwarm vom 31. Juli mit einem Beben der Magnitude 4,7 verursachte zwar messbare coseismische Sprünge in den Messreihen, änderte den langfristigen Trend der Bodenhebung jedoch nicht wesentlich. Mit „coseismisch“ ist gemeint, dass ein Sprung bzw. ein schlagartiger Bodenversatz parallel zum Erdbeben stattfand.

Wie groß die Dimensionen des Bradyseismus sind, wurde am Dienstag bei Anhörungen im italienischen Parlament deutlich. Der Vulkanologe und ehemalige Direktor des Osservatorio Vesuviano, Mauro Antonio Di Vito, erklärte, dass sich das Gebiet der Campi Flegrei seit 1950 insgesamt um 4,60 Meter gehoben habe, obwohl es zwischen den Hebungsphasen auch Senkungsphasen gab. Die Folgen seien besonders entlang der Küste sichtbar. Durch die langfristige Hebung hat sich das Verhältnis zwischen Land und Meer verändert; unter anderem kam es zu einem deutlichen Zurückweichen der Küstenlinie, was sich negativ auf den Hafen von Pozzuoli auswirkt, da das Wasser relativ gesehen immer flacher wird und große Schiffe kaum noch anlegen können. Di Vito betonte zudem, dass die Erdbeben nahezu ausschließlich mit der Bodenhebung zusammenhängen.

Die geophysikalische Entwicklung der Caldera und insbesondere das letzte starke Erdbeben vom 31. Juli hat eine politische Debatte über eine Sondergesetzgebung für die Campi Flegrei ausgelöst. Nach dem schweren Erdbeben fordern Kommunen und Bevölkerung dauerhafte Regelungen für Gebäudesicherheit, Evakuierungen, Entschädigungen und den Katastrophenschutz. Der Präsident der Region Kampanien, Roberto Fico, sprach sich ausdrücklich für ein spezielles Gesetz aus. Auch Innenminister Matteo Piantedosi erklärte, eine dauerhafte gesetzliche Regelung zur besonderen Situation der Campi Flegrei sei vorstellbar.

Bei einer Demonstration in Pozzuoli forderten Bürger zudem einen formellen Notstand und verlässliche langfristige Finanzmittel. Infolge der Krise sind inzwischen ca. 4000 Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben worden, da sie unbewohnbar wurden. Die regionale Politik drängt darauf, das derzeitige Notstandsdekret bei seiner Umwandlung in ein Gesetz deutlich zu erweitern. Vorgeschlagen wurden unter anderem Hilfen für beschädigte Gebäude, Unternehmen und Mieter sowie erleichterte Verfahren für Sicherungsmaßnahmen.

Dass sich die durch die Bodenhebungskrise verursachten Probleme in den Campi Flegrei von selbst auflösen, ist relativ unwahrscheinlich: Die geochemischen und geophysikalischen Messgrößen folgen den langjährigen Trends der Druck- und Temperaturbeaufschlagung des magmatischen und hydrothermalen Systems des Calderavulkans. Weitere Erdbeben mit Zerstörungspotenzial sind wahrscheinlich und langfristig betrachtet könnte es zu einem Vulkanausbruch kommen. Politische Lösungen sind daher zwingend erforderlich.

(Quellen: INGV, Fanpage.it, FB: „Quelli della zona rossa del vulcano Campi Flegrei“ )