Ätna: Veränderte Eruptionsdynamik des Vulkans

Fluktuierende Ätna-Eruption rückt verändertes Fördersystem in den Fokus der Forscher

Die Aktivität am Ätna bleibt auch am 18. August ausgesprochen wechselhaft. Während der Lavastrom aus der Öffnung auf rund 1900 Metern Höhe weiter gespeist wird und inzwischen bis auf etwa 1330 Meter im Bereich Rocca Capra in der Valle del Bove vorgedrungen ist, öffnete sich am frühen Morgen auf etwa 3100 Metern eine weitere Eruptionsöffnung. Der daraus gespeiste Lavastrom war wegen dichter Bewölkung zunächst nicht einsehbar, kann inzwischen auf Wärmebildkameras aber visualisiert werden. Gleichzeitig ist die explosive Aktivität am Krater Voragine seit Mitternacht erloschen und es werden nur noch schwache Emissionen beobachtet. Der Flughafen Catania hat seinen Betrieb inzwischen wieder uneingeschränkt aufgenommen.



Wärmebild der Lavaströme © INGV

Der abrupte Wechsel hatte sich bereits am Vorabend angekündigt. Nach zunächst hohem Tremor fiel dessen Amplitude gegen 23:30 UTC innerhalb kurzer Zeit in den niedrigen Bereich zurück. Seitdem bewegt er sich mit stark fluktuierenden Amplituden im gelben Bereich und erzeugt dabei ein Muster, wie es häufig in den Ruhephasen zwischen 2 Paroxysmen auftaucht. Parallel dazu brach auch die Infraschallaktivität nahezu vollständig ein. Die Tremorquellen liegen weiterhin im Bereich der Voragine, inzwischen zwischen 1900 und 2500 Metern Höhe. Das GNSS-Netz zeigt keine signifikanten Veränderungen. Das Klinometer am Cratere del Piano registrierte nach vorherigen Schwankungen eine kumulative Änderung von etwa einem Mikroradiant, ausgelöst durch Deflation. Seit etwa 23:50 UTC zeichnet sich dort allerdings eine Trendwende ab.

Vulkantourist im Sperrgebiet tödlich vom Blitz getroffen

Wie unberechenbar die Situation am Berg derzeit ist, zeigte sich auch am Sonntag. Ein 29-jähriger US-Tourist aus Kansas wurde im Bereich Rocca Capra von einem Blitz getroffen und starb später im Krankenhaus. Der Mann war in einem von offizieller Stelle gesperrten Bereich unterwegs. Die Behörden hatten wegen der anhaltenden vulkanischen Aktivität Teile des Ätna gesperrt. Ob es sich bei dem Blitz um ein meteorologisches Phänomen handelte oder um einen vom Vulkan erzeugten Vulkanblitz, wurde nicht kommuniziert. Generell ist im Alpin mit Gewittern nicht zu spaßen.

Änderung der internen Dynamik des Fördersystems

Vulkanologisch besonders interessant ist die Rolle der Voragine. Bereits früher hatte ich die Vermutung geäußert, dass bei den Eruptionen der letzten Wochen das Magma nicht nur aus dem flachen Magmenkörper unterhalb des Gipfels stammen kann, da es dünnflüssiger und heißer zu sein scheint als bei vorherigen Eruptionen. Der Vulkanologe Marco Viccaro wies nun gegenüber italienischen Medien darauf hin, dass die Reaktivierung der Voragine mit tiefgreifenden Veränderungen im Magmafördersystem des Ätna verbunden ist und Forscher an Studien hierzu arbeiten. Die Voragine ist nicht lediglich einer der vier Gipfelkrater, sondern steht mit dem tiefreichenden zentralen Versorgungssystem des Vulkans in Verbindung. Untersuchungen zeigen, dass sich nach ihrer Reaktivierung die Dynamik des Magmatransports verändern kann – einschließlich der Geschwindigkeit, mit der Magma durch die oberen Bereiche des Systems aufsteigt.

Damit könnte die seit 2024 beobachtete Dominanz der Voragine auf eine längerfristige Veränderung der internen Dynamik des Vulkans hinweisen. Zu diesem Kontext passt auch das Erdbeben M 3,9 an der Pernicana-Störung, dass den Norden des Ätna am 15. August erschütterte.

Die jüngste Aktivität mit gleichzeitigem Lavaausfluss an der oberen Ostflanke, wechselnder Aktivität aus Voragine und dem Nordostkrater und abrupten Änderungen von Tremor und Infraschall passt zu einem komplexen, sich neu organisierenden Fördersystem. Die aktuelle Beruhigung der Voragine bedeutet daher nicht zwangsläufig eine nachhaltige Entspannung des Vulkans. Möglicherweise wird uns der Ausbruch noch länger beschäftigen.

Spanien: Granada von Erdbebenserie erschüttert

Seit Tagen anhaltende Erdbebenserie erschüttert Granada und richtet Schäden an

Das spanische Granada ist ein beliebtes Urlaubsidyll, doch seit Tagen kommt die Region nicht zur Ruhe: Eine seit dem 14. August anhaltende Erdbebenserie hat Bevölkerung und Urlauber im Großraum der andalusischen Stadt in Angst versetzt. Nach dem starken Beben der Magnitude 5,2 in der Nacht zum 15. August folgten zahlreiche Nachbeben. Am Dienstag, 18. August, intensivierte sich die Aktivität erneut. Ein flaches Beben der Magnitude 4,8 bei Gójar wurde von weiteren Erschütterungen begleitet, darunter mehrere Ereignisse über Magnitude 3.



Spanien. © EMSC/Leaflet

Die Beben bilden etwa 10 Kilometer südlich des Stadtzentrums von Granada einen Cluster im Bereich des Flughafens. Hier verlaufen mehrere aktive Störungszonen im Übergangsbereich des Granada-Beckens und der Betischen Kordillere.

Bereits das Beben vom 15. August blieb nicht folgenlos und wirkte sich auf Gebäude und Infrastruktur aus: Fassadenteile, Dachziegel und andere Bauteile stürzten von Häusern herab, Fahrzeuge wurden beschädigt und in mehreren Gebäuden entstanden Risse. Mehr als 300 Notrufe gingen ein, Feuerwehr und Rettungskräfte absolvierten zahlreiche Einsätze. Verletzte gab es zunächst nicht, dennoch verließen viele Menschen aus Angst ihre Wohnungen und verbrachten die Nacht im Freien.

Am 18. August kamen weitere Schäden hinzu. In Wohngebäuden wurden größere Risse festgestellt. Erneut lösten sich Fassadenteile und die Trümmer fielen auf Straßen. Mindestens drei Menschen erlitten leichte Verletzungen, darunter ein Kind, das zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht wurde. Teile der Alhambra wurden vorsorglich geräumt. Auch öffentliche Gebäude und Sportstätten wurden geschlossen und die Metro musste ihre Geschwindigkeit reduzieren.

Die Tektonik der Region ist komplex: Einerseits wird sie durch die Konvergenz der Afrikanischen und Eurasischen Platte geprägt, andererseits unterliegt die zentrale Betische Kordillere einer aktiven Krustendehnung. Im Granada-Becken wird diese Dehnung durch mehrere überwiegend normal verlaufende Störungen aufgenommen, an denen es immer wieder zu flachen Erdbeben kommt. Geodätische Messungen belegen für das Granada-Becken eine Dehnung von bis zu etwa 1,3 Millimetern pro Jahr.

Historisch betrachtet sind in der Region auch deutlich stärkere Erdbeben dokumentiert. Das schwere Andalusien-Erdbeben von 1884 erreichte etwa Magnitude 6,1 und verursachte insbesondere in Granada und Málaga starke Schäden. Studien zeigen zudem, dass mehrere aktive Störungen der Granada-Bucht grundsätzlich Erdbeben oberhalb der Magnitude 6 hervorbringen können.

Vulkan Klyuchevskoy eruptiert am 17. August Aschewolken

Klyuchevskoy mit explosiven Eruptionen – Aschewolke zieht weit über den Pazifik

Am Klyuchevskoy auf der russischen Halbinsel Kamtschatka kam es gestern zu einer Serie starker explosiver Eruptionen, nachdem der 4750 Meter hohe Vulkan am 15. August 2026 in eine neue Phase strombolianischer Aktivität aus dem Gipfelkrater eingetreten war. In der Nacht zum 17. August verstärkte sich die Tätigkeit deutlich und führte zu starken Ascheemissionen, wie sie für Paroxysmen typisch sind.



Klyuchevskoy

Nach Angaben des VAAC Tokyo begann am 16. August um 23:23 UTC eine explosive Eruption, bei der die Asche zunächst bis in eine Höhe von 9,1 Kilometern über dem Meeresspiegel (FL300) aufstieg. Zum Zeitpunkt der Beobachtung um 00:00 UTC erstreckte sich die Aschewolke bis in etwa 7,6 Kilometer Höhe und wurde mit einer Geschwindigkeit von fast 70 km/h nach Osten verfrachtet.

Besonders interessant und zugleich gefährlich waren mehrere Kollapsereignisse an den Flanken des Vulkans. Nach Angaben von KVERT stürzten am Apakhonchich-Schuttkanal über einen Zeitraum von etwa 30 Minuten große Mengen pyroklastischen Materials ab. Dabei entstanden Aschewolken, die Höhen von 7 bis 8 Kilometern erreichten. Eine Aschefahne zog anschließend gut 50 Kilometer weit nach Osten.

Die Ascheemissionen setzten sich am 17. August fort. Um 05:20 UTC wurde eine ausgedehnte Aschewolke beobachtet, die sich bereits mehrere hundert Kilometer südöstlich des Vulkans erstreckte. In höheren Luftschichten wurde die Asche mit bis zu 78 km/h verfrachtet. Das VAAC Tokyo erwartete eine weitere Ausbreitung über den Nordpazifik und übergab die Zuständigkeit für die höher gelegene Aschewolke an das VAAC Anchorage.

Auch eine VONA-Meldung von KVERT bestätigte die anhaltende Eruption. Die Aschewolke erreichte demnach eine Höhe von 6000 Metern über dem Meeresspiegel und erstreckte sich 420 Kilometer nach Südosten. Wegen der anhaltenden Ascheemissionen besteht insbesondere für tiefer fliegende Luftfahrzeuge eine Gefährdungslage. Der Luftfahrt-Farbcode bleibt daher auf Orange.

Ätna: Wiederaufgelebte Ascheeruption stört Flugverkehr

Aschewolke stört Flugverkehr am Ätna – weitere Spaltenöffnung erzeugte pyroklastischen Dichtestrom

Am Ätna hat sich die eruptive Aktivität ein weiteres Mal deutlich verstärkt. Seit dem Abend des 16. August werden wieder intensive Ascheeruptionen registriert, deren Auswirkungen auch auf den Flugverkehr der Region übergreifen. Das VAAC Toulouse setzte den Alarmcode für den Flugverkehr auf Rot. Eine am 17. August um 09:00 UTC beobachtete Aschewolke erreichte nach Angaben des VAAC etwa 7000 Meter über dem Meeresspiegel und driftete mit fast 40 km/h nach Südosten. Die Aschekonzentration ist vor allem im Umkreis von 100 Kilometern um den Vulkan hoch.


Dichtestrom

Am Flughafen Catania wurde deshalb die Einschränkung des Flugbetriebs verlängert. Im Sektor B1 dürfen bis Dienstagmittag, 18. August, nur noch zehn ankommende Flugzeuge pro Stunde abgefertigt werden. Abflüge sind dagegen nicht eingeschränkt. Reisende werden aufgefordert, vor der Fahrt zum Flughafen den Status ihrer Flüge zu überprüfen. Vor allem sollte man bedenken, dass nur Flugzeuge, die in Catania landen konnten, auch wieder abheben können. Von daher täuschen die Informationen des Flughafens oft über die tatsächliche Lage hinweg: Trotz der vermeintlichen freien Startmöglichkeit für Flugzeuge gibt es starke Einschränkungen auch bei den abgehenden Flügen.

Neben der explosiven Aktivität des Voragine-Kraters hat sich die effusive Aktivität im Valle del Bove weiterentwickelt. Das INGV dokumentierte am 17. August um 06:09 UTC die Öffnung einer neuen effusiven Spalte im Valle del Bove, die sich auf einem Höhenniveau zwischen 2200 und 2350 Metern befindet. Aus der neu entstandenen Öffnung trat nicht nur Lava aus, sondern im Initialstadium der Öffnung wurde von zahlreichen Beobachtern ein kleiner pyroklastischer Dichtestrom dokumentiert. Das Phänomen tritt bei den meisten Öffnungen neuer Eruptionsspalten auf und kann unter Umständen gefährlich werden. Daher sollte man es tunlichst unterlassen, das Valle del Bove unterhalb der Eruptionszentren zu betreten.

Auch die Lavaströme aus den Ausbruchsöffnungen auf etwa 2750 und 1990 Metern werden weiterhin gespeist; ihre Front erreichte rund 1395 Meter Höhe.

Die Messdaten bestätigen die erneute Verstärkung der Eruption. Der vulkanische Tremor stieg am 16. August auf hohe Werte und blieb anschließend trotz leichter Schwankungen auf erhöhtem Niveau. Die Tremorquellen konzentrierten sich im Bereich der Voragine. Die Infraschallaktivität schwankte stark. Das INGV registrierte zudem Veränderungen an einzelnen Neigungsmessstationen mit Werten zwischen 0,5 und 2 µrad, obwohl das GNSS-Netz keine signifikanten Veränderungen zeigte. Die Hangneigung nimmt infolge der Deflation durch die Lavaförderung ab.

Was mich persönlich bei den Daten des INGV verwundert, ist der Umstand, dass zwar von Deflation gesprochen wird, aber in den wöchentlichen Zustandsberichten zum Ätna nie die Rede von Inflation ist. Wird tatsächlich Lava gefördert, deren Magmen sich bereits seit Jahrzehnten im flachen Speicherreservoir des Ätnas befinden, oder wird Magmaaufstieg explizit nicht erwähnt, wohlmöglich um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen?

Rincón de la Vieja: Phreatische Eruptionen am 16. und 17. August

Neue phreatische Eruptionen erschütterten den Rincón de la Vieja am 16. und 17. August

Der Rincón de la Vieja in Costa Rica ist ungewöhnlich aktiv geworden und erzeugt häufig Dampfexplosionen. Nachdem der Vulkan bereits am 15. August eine schwache phreatische Eruption produziert hatte, wurden am Wochenende zwei weitere Explosionen registriert. Nach Angaben von OVSICORI-UNA ereignete sich die jüngste am 17. August um 21:04 Uhr Ortszeit. Bereits am 16. August um 11:35 Uhr war eine weitere kleine phreatische Eruption registriert worden. Beide Ereignisse wurden durch seismische Messungen und Infraschallsensoren erfasst. Eine Aschewolke oder ein Aschefall wurde aufgrund der Dunkelheit nicht beobachtet.

Rincón de la Vieja

Damit setzte sich die Serie überwiegend schwacher phreatischer Explosionen fort, die den Vulkan seit mehreren Wochen prägt. Seit Anfang Juli hat die Aktivität deutlich zugenommen. Zwischen Anfang Juli und dem 7. August dokumentierte OVSICORI bereits 62 phreatische Eruptionen. Mehrere der Ereignisse waren stärker und lösten Lahare an den Flanken des Vulkans aus. Die bisher stärkste Eruption der jüngsten Aktivitätsphase ereignete sich am 20. Juli.

Besonders auffällig waren zwei Explosionen am 11. August. Sie ereigneten sich um 17:17 und 17:25 Uhr. Trotz dichter Bewölkung zeigten Webcams weiße Eruptionswolken, die überwiegend aus Wasserdampf bestanden und gut 1000 Meter über den Krater aufstiegen. Eine der Eruptionen erzeugte zudem einen Lahar.

Die jüngsten Ereignisse waren dagegen schwach, zeugen aber von der anhaltenden Aktivität des hydrothermalen Systems des Rincón de la Vieja.

Phreatische Explosionen entstehen durch die schlagartige Freisetzung von Wasserdampf und müssen nicht mit einem neuen Magmaaufstieg verbunden sein. Allerdings berichten die Vulkanologen von steigendem Schwefeldioxid-Ausstoß, was nahelegt, dass es eine wachsende Magmaansammlung in geringer Tiefe gibt.

OVSICORI führt den Rincón de la Vieja weiterhin unter Aktivitätsstufe „Precaución“ (Vorsicht). Auch künftig sind sowohl weitere kleine Explosionen als auch stärkere Ereignisse mit Laharen möglich.

Cumbre Vieja: Einfluss von Magmaüberhitzung auf Eruptionen untersucht

Studie untersucht Einfluss überhitzen Magmas auf Eruption am Cumbre Vieja auf La Palma

Eine aktuelle Studie aus Nature Communications zeigt, dass die thermische Vorgeschichte von Magma einen entscheidenden Einfluss auf Vulkanausbrüche haben kann. Im Zentrum der Forschung steht die Fragestellung, wieso es während eines Vulkanausbruchs sich abwechselnde Eruptionsphasen mit unterschiedlichem Verhalten gibt. Im Zentrum der Forschung steht die Eruption von Tajogaite auf La Palma, die sich am Cumbre Vieja im Jahr 2021 ereignete. Lavaströme zerstörten Tausende Häuser und es kam zu einem häufigen Wechsel zwischen Lavaströme speisenden Fontänen, aschereichen Phasen und strombolianischen Eruptionen. Das Geschehen erinnerte in seinem Verlauf an Paroxysmen, wie wir sie auch vom Ätna her kennen, mit dem Unterschied, dass es praktisch keine richtigen Eruptionspausen gab.

Ausbruch des Tajogaite-Vulkans auf La Palma 2021. © Marc Szeglat

Die Wissenschaftler unter Leitung von Barbara Bonechi (Universität Manchester) untersuchten, wie sogenanntes „Superheating“, also das starke Überhitzen des Magmas über seine Kristallisationsgrenze hinaus, die Bildung von Kristallen beeinflusst. Laborexperimente, bei denen Lavaproben geschmolzen wurden, zeigen, dass stark überhitzte Schmelze vorhandene Kristallkeime auflöst und dadurch die Neubildung von Mineralen deutlich verzögert.

In den Laborversuchen dauerte die Kristallisation der Gesteinsschmelze ohne Überhitzung etwa zwanzig Minuten, während sie nach starker Überhitzung erst nach mehr als acht Stunden einsetzte. Diese Verzögerung beeinflusst direkt die Viskosität des Magmas, also wie zähflüssig es ist und wie schnell es durch die Erdkruste aufsteigen kann.

Der Begriff „Überhitzung“ (aus dem Englischen „Overheating“) ist insofern irreführend, als beim Aufstieg des Magmas von außen keine neue Wärmeenergie zugefügt wird, so wie es im Laborversuch geschah, sondern dass sich das Magma während des Aufstiegs infolge veränderter Druckbedingungen und des Verlusts flüchtiger Komponenten wie Gase endotherm erhitzen kann. Bei den Experimenten muss man auch berücksichtigen, dass wieder aufgeschmolzene Lava nicht mit Magma gleichzusetzen ist, da dieser Schmelze die wichtigen volatilen Komponenten bereits zum großen Teil fehlen.

Als Untersuchungsmethoden wurden hochauflösende Röntgentomographie, Laborpetrologie und Computersimulationen eingesetzt, um die Prozesse in der Gesteinsschmelze sichtbar zu machen. Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass nicht nur Druck und Gasgehalt, sondern auch die thermische Vorgeschichte des Magmas entscheidend für den Ablauf eines Vulkanausbruchs sind.

Nukleation

Die Modelle der Forscher zeigen, dass lange Nukleationsverzögerungen (verzögerte Bildung von Kristallkeimen) zu schnellerem Schmelzaufstieg und höheren Eruptionsraten führen können. Im Gegensatz dazu führt geringe oder keine Überhitzung der Schmelze zu schneller Kristallbildung, höherer Viskosität und eher ruhigen effusiven Eruptionen. Die Ergebnisse helfen zu verstehen, warum ein und dasselbe Vulkansystem sehr unterschiedliche Ausbruchsformen zeigen kann.

Im Fall der Eruption von Tajogaite zeigt sich, dass solche thermischen Effekte wahrscheinlich eine Rolle bei den beobachteten Wechseln zwischen Lavafontänen, strombolianischer Aktivität und effusiven Lavaströmen gespielt haben. Die Forschenden weisen aber darauf hin, dass Superheating nur ein Faktor unter mehreren ist und nicht allein die Komplexität vulkanischer Eruptionen erklärt.

Weitere Untersuchungen sollen helfen, diese Prozesse besser in Gefahrenmodelle für Vulkane zu integrieren und Vorhersagen über Eruptionsstile zu verbessern. Die Ergebnisse sind besonders relevant für basaltische Vulkane, da diese oft schnelle Übergänge zwischen effusiven und explosiven Phasen zeigen, und könnten auch für den Ätna und seine Paroxysmen relevant sein.

Quelle: Bonechi, B., Arzilli, F., Polacci, M., Fabbrizio, A., La Spina, G., Michailidou, E., Biagioli, E., Brooker, R. A., Hazemann, J.-L., Atwood, R. C., Di Genova, D., Abeykoon, S., Neave, D. A., Burton, M. R. (2026). „Superheating in mafic magmas controls clinopyroxene nucleation delay and magma ascent dynamics.“ Nature Communications.
https://www.nature.com/articles/s41467-026-73352-1, Lizenz der CC

Ätna: Rissbildungen und Entstehung eines Pitkraters

Signifikante morphologische Veränderungen am Ätna – multiple Rissbildungen nach Erdbeben ML 3,9

 – Der Artikel erhielt ein Update –

Das äußerst interessante Erdbeben, das sich am Samstag im Norden des Ätnas an der Penicana-Fault ereignete und eine Magnitude von ML 3,9 hatte, führte zu multiplen Rissbildungen in der Nähe des Epizentrums, die an der Mareneve-Straße deutlich zu Tage treten und diese unpassierbar machten. Darüber hinaus kam es bereits in den letzten Tagen zu mehreren morphologischen Veränderungen am Ätna, die zeigen, dass sich der Vulkan in Bewegung befindet.



Der Pit bildete sich in der Nacht zum 14. August und befindet sich an der Basis des Nordostkraters, in der Nähe der Hornitos der Eruption vom Sommer 2014 und hat einen Durchmesser von ca. 50 Metern.

Bereits zuvor entstand eine Fraktur in der Flanke des Monte Simone. Der Schlackenkegel befindet sich im Valle del Bove, dem effusiven Zentrum der aktuellen Eruption.

Die Eruption hat sich deutlich abgeschwächt, ist aber noch nicht ganz beendet. Nach einer ruhigen Phase ohne nennenswerte Ascheemissionen gab es gestern Morgen erneut Ascheausstoß aus der Voragine. Auf der Thermalcam erkennt man noch die Wärmestrahlung von Lavaströmen im Valle del Bove, die aber zusehends schwächer wird.

Tremor. © INGV

Die Amplitude des vulkanischen Tremors kletterte nach ihrem jähen Absturz am 15. August wieder bis in den oberen gelben Bereich und kratzt am roten Bereich, der hohe Tremoramplituden abbildet.

Die Interpretationen des Geschehens lassen sowohl ein baldiges Ende des Vulkanausbruchs möglich erscheinen als auch eine signifikante Verstärkung bis hin zu einer tiefen Flankeneruption, die sich innerhalb weniger Tage entwickeln könnte.

Das INGV hat bis jetzt zwar das Erdbeben gemeldet, aber noch keine weiteren mit bekannten Interpretationen veröffentlicht. Verständlicherweise will man die Anwohner der Ätnaregion nicht aufgrund von Spekulationen beunruhigen. Spätestens mit der Veröffentlichung des nächsten Wochenberichts, den wir für Dienstag erwarten können, sollten wir weitere Daten erhalten, die detailreichere Schlussfolgerungen zulassen.

Update 02:00 Uhr: Abends nahm der Ätna seine explosive Aktivität am Gipfel wieder auf, während die auf der Thermalcam sichtbaren Lavaströme bis auf einen kleinen Bereich weiter abkühlten. Der Tremor stieg sprunghaft an, die Eruption geht weiter.

Krasheninnikov eruptierte erneut Vulkanasche

Ascheemissionen am Krasheninnikov – Lavastromeruption hält an

Am Vulkan Krasheninnikov auf der russischen Halbinsel Kamtschatka hält die aktuelle effusive Eruption an. Nach Angaben des zuständigen Vulkanobservatoriums KVERT strömt weiterhin Lava an den östlichen Hängen des Nordkegels des 1.856 Meter hohen Vulkans ab. Die effusive Aktivität wird von Gas- und Dampfemissionen begleitet, die zeitweise auch Asche enthalten. Gelegentlich kommt es auch zu stärkeren Ascheeruptionen. Der Vulkan steht weiterhin unter dem Flugalarmcode Gelb.

Die jüngsten Satellitenbeobachtungen dokumentieren die anhaltende Aktivität. Am 15. August registrierte der Satellit MODIS eine starke thermische Anomalie mit einer Leistung von 137 MW. Sie deutet auf einen Wärmeeintrag durch die weiterhin aktiven Lavaströme hin. KVERT meldete zudem eine bis zu 60 Kilometer lange Aschewolke, die sich vom Vulkan nach Südosten erstreckte.

Auch der aktuelle Vulkansonderbericht des VAAC Tokyo bestätigt die Ascheemission. Demnach wurde am 15. August um 22:50 UTC eine Aschewolke bis auf eine Höhe von etwa 2.100 Metern über dem Meeresspiegel, ausgestoßen. Die Wolke bewegte sich mit 18 km/h nach Südosten. Für die folgenden Stunden wurde eine weitere Ausbreitung der Aschewolke über dem östlichen Kamtschatka prognostiziert.

Krasheninnikov ist ein komplexer Vulkan im Osten Kamtschatkas und wurde im letzten August nach einer gut 500 Jahre dauernden Ruhe aktiv. Wahrscheinlich wurde die Eruptionsphase durch ein sehr starkes Megabeben der Magnitude 8,8 getriggert, das sich am 30. Juli manifestierte.

Die aktuelle Eruption ist vor allem durch effusiven Lavaausfluss geprägt, wobei die begleitenden Ascheemissionen eine zusätzliche Gefahr für den Flugverkehr darstellen.

Eine unmittelbare Verschärfung des Aviation Colour Codes wurde bislang nicht gemeldet. Die weitere Entwicklung hängt insbesondere davon ab, ob die Lavaförderung zunimmt oder die explosive Aktivität am Nordkegel stärker wird.

Antarktis: Eisschmelze könnte sich auf Vulkanaktivität auswirken

Studie zeigt: Schmelzende Eisbedeckung könnte sich auf Aktivität der antarktischen Vulkane auswirken

In Zeiten immer stärker werdender Auswirkungen des Klimawandels auf die Ökosphäre machen sich Geowissenschaftler auch zunehmend Gedanken über mögliche Auswirkungen auf den Vulkanismus. Eine neue Studie, die im Fachjournal „Geochemistry, Geophysics, Geosystems“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass der Klimawandel langfristig gesehen auch den Vulkanismus der Antarktis beeinflussen könnte. Die Forschenden untersuchten mithilfe von Computermodellen, wie Magmakammern unter dem Westantarktischen Eisschild auf den fortschreitenden Eisverlust reagieren könnten. Zwar gibt es keine Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Vulkanausbrüche jenseits des bereits aktiven Mount Erebus, doch die Arbeit zeigt einen geologischen Mechanismus auf, der über lange Zeiträume die Aktivität subglazialer Vulkane verstärken könnte.

Die Westantarktis gehört zu den vulkanisch aktivsten Regionen der Erde unter einer Eisdecke. Dort erstreckt sich das Westantarktische Rift-System, ein Dehnungsgebiet der Erdkruste, in dem mehr als 130 bekannte oder vermutete Vulkane liegen. Viele von ihnen sind vollständig von bis zu mehreren Kilometern mächtigem Eis bedeckt. Diese Eismassen üben einen enormen Druck auf den Untergrund und die darunter liegenden Magmakammern aus.

Genau dieser Druck steht im Mittelpunkt der neuen Studie. Die Wissenschaftler simulierten, wie sich Magmareservoire verhalten, wenn der Eisschild durch die globale Erwärmung allmählich dünner wird. Nimmt die Auflast des Eises ab, sinkt der Druck auf das Magma. Dadurch können sich Schmelze und darin gelöste Gase ausdehnen. Die Gasblasenbildung setzt früher ein, wodurch der Druck innerhalb der Magmakammer steigt. Unter bestimmten Bedingungen kann dies die Wahrscheinlichkeit von Eruptionen erhöhen oder dazu führen, dass bei einem Ausbruch größere Magmamengen gefördert werden.

Zu den wichtigsten Vulkanen der Westantaktis gehören:

Mount Erebus

  • Der südlichste dauerhaft aktive Vulkan der Erde.
  • Liegt allerdings nicht in der Westantarktis, sondern auf Ross Island am Übergang zur Ostantarktis.
  • Bekannt für seinen seit Jahrzehnten bestehenden Lavasee.

Mount Sidley

  • Mit 4.181 m der höchste Vulkan der Antarktis.
  • Ein großer Schildvulkan mit einer Gipfelcaldera.
  • Letzte Eruptionen liegen vermutlich im Pleistozän.

Mount Berlin

  • Einer der geologisch aktivsten Vulkane Westantarktikas.
  • Fumarolen mit Temperaturen von über 90 °C wurden gemessen.
  • Ascheablagerungen belegen holozäne Eruptionen (innerhalb der letzten etwa 10.000 Jahre).

Hudson Mountains

  • Vulkanfeld mit mehreren subglazialen Vulkanen.
  • Hier ereignete sich vermutlich vor rund 2.200 Jahren eine subglaziale Eruption, deren Asche in Eisbohrkernen identifiziert wurde.

Allerdings schreiben die Autoren ausdrücklich, dass ihre Ergebnisse keine Vorhersage bevorstehender Eruptionen darstellen. Vielmehr handelt es sich um einen physikalischen Mechanismus, der sich erst über sehr lange Zeiträume bemerkbar macht. Selbst wenn der Westantarktische Eisschild in den kommenden Jahrhunderten deutlich an Masse verliert, würde die geologische Reaktion verzögert erfolgen. Die Modelle zeigen, dass sich Magmakammern über mehrere Jahrhunderte bis Jahrtausende an die veränderten Druckverhältnisse anpassen. Ein verstärkter Vulkanismus wäre daher frühestens in einigen hundert Jahren zu erwarten und könnte sich über viele tausend Jahre erstrecken.

Ein ähnlicher Zusammenhang ist bereits aus der Erdgeschichte bekannt. Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren nahm beispielsweise auf Island die Häufigkeit großer Vulkanausbrüche deutlich zu. Damals verschwand der mehrere hundert Meter mächtige Eisschild innerhalb weniger Jahrtausende. Durch die Entlastung des Untergrundes stieg nicht nur Magma leichter auf, sondern auch die Magmaproduktion im Erdmantel nahm zu.

Für die Antarktis liefert die neue Studie nun erstmals detaillierte Modellrechnungen, die diesen Zusammenhang für subglaziale Magmakammern beschreiben. Sollten sich die heutigen Klimaprognosen bestätigen und der Westantarktische Eisschild weiter schrumpfen, könnte der Eisverlust langfristig zu einer stärkeren vulkanischen Aktivität beitragen. Für die heutige Generation besteht allerdings kein erhöhtes Vulkanrisiko – die entscheidenden Prozesse laufen auf geologischen Zeitskalen ab und werden sich, wenn überhaupt, erst weit in der Zukunft bemerkbar machen. Die Zeitskalen, in denen sich geologische Prozesse abspielen, verdeutlicht ein weiterer nacheiszeitlicher Effekt: Mit dem Verschwinden der Eisbedeckung begann sich die skandinavische Landmasse langsam zu heben – ein Prozess, der heute noch nicht abgeschlossen ist.

Quelle: Coonin, A. N. et al. (2024): Magma Chamber Response to Ice Unloading: Applications to Volcanism in the West Antarctic Rift System. Geochemistry, Geophysics, Geosystems, 25(12). DOI: 10.1029/2024GC011743.