Lipari: Schlammfluten durch Unwetter

Starkregen löst Schlamm- und Sturzflut auf Lipari aus – Wellen beschädigten Boote

In der Nacht zum 10. Oktober wurde die Äolische Insel Lipari von einem starken Unwetter getroffen, das innerhalb kurzer Zeit eine Schlamm- und Sturzflut ausgelöst hat. Besonders betroffen waren die Bereiche Zinzolo und Salita San Leonardo. Nach Angaben italienischer Medien fielen zeitweise rund 50 Millimeter Regen in kurzer Zeit. Die intensivste Phase wurde zwischen 1:00 und 1:40 Uhr registriert; am Morgen setzte zwischen etwa 7:00 und 8:30 Uhr ein weiteres Mal kräftiger Regen ein.

Lipari

Die Wassermassen überforderten die Entwässerung und ließen die Torrenti Ponte und Valle über die Ufer treten. Wasser, Schlamm und Geröll strömten durch bewohnte Gebiete und überfluteten zahlreiche Straßen und rissen allerlei Unrat mit. Besonders eindrücklich sind Bilder aus Zinzolo und von der Salita San Leonardo, wo sich zeitweise regelrechte Wasser- und Schlammströme durch die Straßen bewegten.

Dutzende Häuser wurden von den Sturzflutmassen erfasst, wo Keller und Geschäfte vollliefen. Im Bereich des Hafens Sottomonastero gerieten mehrere Fahrzeuge in den Wassermassen beziehungsweise im Schlamm unterhalb der Kaimauer in Schwierigkeiten. Die aus den höher gelegenen Bereichen herabströmenden Fluten transportierten große Mengen Sediment und Geröll bis in den Küstenbereich. Teile des Materials gelangten schließlich an die Strände und ins Meer, wo eine starke Brandung wütete, die ihrerseits Schäden anrichtete und Fischerboote an Land warf.

Die Feuerwehr war mit zahlreichen Einsätzen beschäftigt und musste unter anderem Autofahrer aus gefährlichen Situationen befreien sowie überflutete Gebäude und Verkehrswege sichern. Zeitweise waren Familien in ihren Häusern durch die Wasser- und Schlammmassen eingeschlossen. Nach Angaben von Bürgermeister Riccardo Gullo konnte die Situation im Laufe des Tages weitgehend stabilisiert werden; die betroffenen Familien wurden befreit und wichtige Straßen wieder passierbar gemacht. Gleichzeitig blieb die Gefahr weiterer starker Niederschläge bestehen.

Das Ereignis verdeutlicht die hohe Sturzflutgefährdung der vulkanischen Insel: Bei extremem Starkregen kann das Wasser von den steilen Hängen innerhalb kürzester Zeit in die dicht besiedelten Küstenbereiche abfließen und dabei Schlamm und Geröll mitreißen. Die regionale Protezione Civile hatte für Sizilien eine orange Wetterwarnung ausgegeben.

Die Unwetter machten auch vor den anderen Inseln des Archipels nicht halt. Meldungen über katastrophale Zustände liegen von ihnen nicht vor. Allerdings ist der Fährverkehr zu den äußeren Inseln bereits seit Mittwoch eingeschränkt oder teilweise sogar ganz eingestellt. Stromboli, Alicudi und Filicudi sind praktisch von der Außenwelt abgeschnitten.

Campi Flegrei: Studien liefern ein Bild des Untergrunds

Der verborgene Motor des Bradyseismus: Wie ein tiefes Magma-Mush-System die Campi Flegrei antreiben könnte

Was treibt die seit Jahren anhaltende seismomagmatische Bodenhebungskrise der Campi Flegrei an? Drei aktuelle Studien liefern darauf Teilantworten, die sich zu einem erstaunlich konsistenten Bild zusammenfügen. Sie beschreiben nicht einfach einen einzelnen Magmakörper, der sich unter Pozzuoli aufbläht, sondern ein mehrstufiges System aus kristallreichem Magma, aufsteigenden magmatischen Fluiden und einem unter Druck stehenden hydrothermalen Reservoir nahe der Oberfläche.



Die tiefste Ebene des komplexen Systems wurde 2025 durch eine dreidimensionale magnetotellurische Untersuchung sichtbar. Isaia und Kollegen identifizierten zwischen etwa 8 und mehr als 20 Kilometern Tiefe eine ausgedehnte Zone, die als kristallreiches Magma-Mush interpretiert wird. Nur ungefähr zehn Prozent des Volumens bestehen dem Modell zufolge aus Schmelze – dennoch entspräche dies rund 90 Kubikkilometern Magma. Oberhalb dieser tiefen Mush-Zone verlaufen kanalartige Strukturen bis in den Bereich von etwa 3 bis 8 Kilometern Tiefe. Sie könnten als Aufstiegswege für Magma und insbesondere für magmatische Fluide dienen. Darüber schließt sich das flachere hydrothermale System an.

Damit verändert sich auch die Vorstellung davon, woher die für den Bradyseismus verantwortlichen Fluide stammen könnten. Sie müssen nicht zwangsläufig aus einem einzelnen flachen Magmakörper stammen. Vielmehr könnte das ausgedehnte Mush-System eine langfristige Quelle für Wärme und flüchtige Komponenten darstellen. Die mittlere Kruste fungiert dabei als Transferzone, in der Magma steckenbleiben, kristallisieren und entgasen kann. Die Autoren schreiben allerdings auch, dass aus den geophysikalischen Daten kein durchgehender, aktuell aktiver Fluidstrom direkt nachgewiesen werden kann.

Die zweite Ebene beschreibt die im Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung von Bini und Kollegen. Mehr als 30.000 CO₂-Messungen über zwei Jahrzehnte zeigen eine enge Verbindung zwischen zunehmender Bodengasfreisetzung, Bodenhebung und Seismizität. Die Autoren interpretieren die Entwicklung als Folge einer Druckzunahme durch magmatische Fluide in etwa 3 bis 4 Kilometern Tiefe. Besonders zwischen 2018 und 2022 registrierten sie einen markanten Impuls der magmatischen Gaszufuhr unterhalb der Solfatara. Aufsteigende Fluide heizen dem Modell zufolge das darüberliegende hydrothermale System auf und führen zu Kondensation, wobei große Mengen latenter Wärme an das Gestein abgegeben werden.

Hier setzt die dritte Studie an. Vanorio und Kollegen zeigen, warum die Campi Flegrei überhaupt wiederholt in Phasen intensiver Deformation und Seismizität eintreten können. In einem Reservoir zwischen etwa 2 und 4 Kilometern Tiefe können sich Fluide sammeln und Druck aufbauen. Gleichzeitig kann hydrothermales Wasser die darüberliegende Deckschicht durch mineralische Ausfällungen zunehmend abdichten. Dadurch wird das System gewissermaßen selbstversiegelnd: Fluide können nachströmen, während ihre Entweichung erschwert wird. Steigt der Porendruck ausreichend an, kommt es schließlich zur Deformation und zum Bruch der Gesteine.

Zusammengenommen ergibt sich damit ein möglicher Kreislauf: Ein langlebiges Mush-System, dessen Oberseite sich in ca. 8 Kilometern Tiefe befindet, liefert Wärme und magmatische Fluide. Diese steigen entlang struktureller Schwächezonen auf und erreichen den Bereich von 3 bis 4 Kilometern Tiefe. Dort speisen sie ein hydrothermales System, erhöhen Druck und Temperatur und treiben die Bodenhebung an. Gleichzeitig kann Wasser aus dem hydrothermalen System zur weiteren Fluidansammlung beitragen und ausfallende Minerale die Deckschicht abdichten. Wird eine kritische Druckschwelle überschritten, bricht das System – es kommt zu Erdbebenschwärmen und einer teilweisen Druckentlastung durch stärkere Entgasung. Anschließend kann der Prozess von Neuem beginnen.

Die Rolle des meteorischen Wassers bleibt eine wichtige offene Frage. Vanorio et al. betonen dessen Bedeutung für die Reservoirauffüllung, während Bini et al. die aktuelle Beschleunigung vor allem mit dem Zustrom magmatischer Fluide erklären. Beides muss sich nicht widersprechen: Magmatische Fluide könnten den eigentlichen Energie- und CO₂-Impuls liefern, während Wasser die hydrothermale Zirkulation und die Druckentwicklung beeinflusst.

Der Bradyseismus wäre damit weniger das Aufblähen einer einzelnen Magmakammer als die oberflächennahe Reaktion auf einen mehrstufigen Fluidkreislauf, der tief im transkrustalen Mush-System beginnt. Das erklärt auch, warum die aktuelle Unruhe zugleich vulkanische und hydrothermale Eigenschaften besitzt – und weshalb steigende CO₂-Emissionen, Erwärmung, Bodenhebung und Seismizität gemeinsam betrachtet werden müssen.

Vulkan Kanlaon eruptiert Asche bis zu 8 Kilometer hoch

Stärkere explosive Eruption stößt am Kanlaon Aschewolke bis auf fast 8 Kilometer Höhe aus

Auf der philippinischen Insel Negros ist der Vulkan Kanlaon am 10. Oktober explosiv ausgebrochen. Die Eruption ereignete sich um 12:46 Uhr Ortszeit und stieß eine Eruptionswolke aus, die laut PHILVOLCS eine Höhe zwischen fünf und sechs Kilometern über den Gipfelkrater erreichte. Anschließend driftete sie in nordnordöstliche Richtung. Videoaufnahmen der Überwachungskameras an den Stationen Lower Masulog und Pandanon dokumentierten die explosive Eruption, die deutlich stärker als die fast alltäglichen Ascheemissionen dieses Vulkans war.



Auch das für die Überwachung des Flugverkehrs zuständige Vulkanasche-Warnzentrum Tokyo (VAAC Tokyo) registrierte das Ereignis. In seiner Warnmeldung wurde eine Eruption um 04:46 UTC gemeldet, bei der die Aschewolke bis auf Flugfläche FL250 aufstieg. Das entspricht rund 7.620 Metern über dem Meeresspiegel. Die Wolke driftete nach Nordnordosten.

In den sozialen Medien wurden mehrere Videos zur Eruption geteilt. Eins zeigt sogar einen pyroklastischen Strom, der aus der Wolkenbedeckung unterhalb des Gipfels hervorbrach. Ob es sich tatsächlich um neue Aufnahmen handelt oder ob hier Bilder einer der stärkeren Eruptionen der Vorjahre erneut hochgeladen wurden, ist zurzeit unklar. Die PHILVOLCS-Vulkanologen arbeiten noch an einem ausführlichen Bericht.

Die Eruption ereignete sich vor dem Hintergrund anhaltender vulkanischer Unruhe. Im 24-stündigen Beobachtungszeitraum vor der Eruption registrierte PHIVOLCS insgesamt 16 vulkanotektonische Erdbeben. Die Schwefeldioxidfreisetzung lag am 9. Oktober bei hohen 2.138 Tonnen pro Tag. Zudem zeigen die geodätischen Messungen eine Aufblähung des Vulkangebäudes, die von kurzfristigen Deflationsphasen unterbrochen wird. Diese Messwerte weisen auf anhaltende magmatische Prozesse im vulkanischen Fördersystem und starke Unruhe hin. Aus diesem Stadium heraus kann es jederzeit zu stärkeren Eruptionen kommen. Zudem ereignete sich Anfang Oktober ein starker Erdbebenschwarm im Westen des Vulkans, der auf eine Magmaintrusion hinwies und rückblickend als Vorläufer für den heutigen Ausbruch interpretiert werden kann.


PHIVOLCS belässt den Kanlaon auf Alarmstufe 2. Der Zutritt zur permanenten Sperrzone mit einem Radius von vier Kilometern um den Gipfelkrater bleibt untersagt. Auch Flugzeuge sollen sich dem Vulkan nicht nähern. Die Behörden warnen vor möglichen weiteren explosiven Ausbrüchen, phreatischen Explosionen und anderen vulkanischen Gefahren. Dazu zählen pyroklastische Ströme, die aus heißen Gasen, Asche und Gesteinsfragmenten bestehen, sowie ballistische Gesteinsblöcke und Ascheregen. Bei starken Niederschlägen können außerdem Lahare entstehen, wenn lockeres vulkanisches Material an den Hängen mobilisiert wird.

Quellen: PHIVOLCS, Vulkanbulletin vom 10. Oktober 2026; VAAC Tokyo, Vulkanasche-Warnung 2026/256, vulkane.net

Panama: Erdbeben Mw 7,7 richtete Schäden an

Sehr starkes Erdbeben erschüttert Panama – Schäden aber bis jetzt keine Totesopfer gemeldet

Datum: 09.10.2026 | Zeit: 17:56:07 UTC | Koordinaten: 7.565 ; -80.672 | Tiefe: 13 km | Mw 7,7

Ein ungewöhnlich starkes Erdbeben hat am 9. Oktober 2026 Panama erschüttert. Das Beben erreichte nach Angaben des USGS eine Magnitude von 7,7 und ereignete sich um 17:56 UTC in 13 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag im Landesinneren, 23 Kilometer südwestlich von Macaracas. Besonders stark betroffen waren Regionen in den Provinzen Los Santos, Herrera, Coclé und Veraguas.


Shakemap © EMSC/Leaflet

Die relativ geringe Tiefe und die hohe Magnitude sorgten für starke Erschütterungen, die bis in die Nachbarländer hinein deutlich zu spüren gewesen waren. Der USGS ermittelte für das Epizentralgebiet eine maximale Intensität von IX auf der zwölfstufigen Mercalli-Skala. Mehrere Gebäude wurden beschädigt oder stürzten teilweise ein. Unter anderem wurden in Penonomé eine Kirche, ein Regierungsgebäude und ein Hotel schwer beschädigt. Auch historische Bauwerke in der Provinz Los Santos erlitten Schäden. Straßen wurden teilweise durch Risse und Bodenbewegungen unpassierbar. Trotz der erheblichen Zerstörungen wurden bis jetzt keine Todesopfer gemeldet. Mehrere Personen wurden verletzt. Im Angesicht der Schäden ist es allerdings wahrscheinlich, dass es Todesopfer gegeben hat.

Dem Hauptbeben folgte eine intensive Nachbebensequenz. Innerhalb weniger Stunden wurden mehr als 60 Nachbeben mit Magnituden zwischen 4,0 und 6,6 registriert. Die Sequenz erstreckt sich über einen größeren Bereich entlang des longitudinalen Störungsgürtels, der sich größtenteils an Land parallel zur Nazca-Plattengrenze verläuft. Die Bebensequenz verdeutlicht, dass bei dem Hauptbeben ein beträchtlicher Abschnitt einer Störungszone aktiviert wurde, der offenbar unter großen Spannungen stand.

Wegen der zunächst auf 8,0 geschätzten Magnitude gab das Pacific Tsunami Warning Center kurz nach dem Erdbeben eine Tsunami-Bedrohungsmeldung für Teile der Pazifikküste Mittel- und Südamerikas heraus. Für Panama wurden zeitweise Wellen von bis zu mehreren Metern als möglich angesehen. Da sich das Epizentrum jedoch an Land befand und keine ausreichende Verlagerung des Meeresbodens festgestellt wurde, wurde die Tsunami-Bedrohung später aufgehoben.

Tektonisch ist das Ereignis besonders interessant. Das Beben ereignete sich nicht an der eigentlichen Subduktionszone vor Mittelamerika, sondern innerhalb des komplex deformierten Panama-Blocks. Als wahrscheinlich beteiligte Struktur gilt das Azuero-Soná-Störungssystem, eine aktive Störungszone, die Panama in nordwestlich-südöstlicher Richtung durchzieht und dabei die Azuero-Halbinsel quert. Es handelt sich um ein System aus Blattstörungen (Strike-Slip-Faults) mit dextralen (rechtsgerichteten) oder sinistralen (linksgerichteten) Scherkomponenten. Dort wird ein Teil der Bewegungen zwischen der Nazca-Platte und dem Panama-Block durch Blattverschiebungen aufgenommen. Das Ereignis zeigt damit eindrucksvoll, dass auch aktive Störungen im Landesinneren Panamas das Potenzial für sehr starke Erdbeben besitzen.

Obwohl Panama an einer der komplexesten Plattengrenzen der Welt liegt und von zahlreichen Störungen durchzogen wird, gibt es keinen rezenten Vulkanismus, wohl aber einen alten Vulkanbogen, der als inaktiv eingestuft wird. Panama liegt am östlichen Ende des mittelamerikanischen Subduktionssystems, an dem die Cocos- und weiter östlich die Nazca-Platte unter den Panama-Block abtauchen. Als wichtiger Grund dafür, dass es keine aktiven Vulkane gibt, gilt die Subduktion der mächtigen und relativ auftriebsstarken Cocos Ridge, die die Geometrie der Subduktionszone und die Magmenbildung im darüberliegenden Mantel beeinflusst. Dafür gibt es in den Nachbarländern Costa Rica und Kolumbien aktive Vulkane, die durchaus im Wirkungskreis der starken Erdbeben mit Magnituden ab 6,0 liegen. Die nächstgelegenen Vulkane sind jene in Costa Rica, wo Poás und Rincón de la Vieja aktiv sind. Auch der Masaya in Nicaragua könnte von den Erschütterungen beeinflusst werden. Aktuell gibt es aber noch keine Reaktionen der Feuerberge.

Anak Krakatau eruptiert am 9. Oktober in kurzen Intervallen

Anak Krakatau eruptiert in kurzen Abständen – Aschewolken und glühende Tephra werden ausgestoßen.

Der Anak Krakatau ist weiterhin aktiv und steigerte in den letzten 24 Stunden seine Aktivität deutlich. Nachdem der Vulkan am Donnerstagabend eine Eruption erzeugte, die 4 Minuten und 45 Sekunden andauerte, folgten heute Nachmittag und Abend (Ortszeit) weitere Ausbrüche in kurzen zeitlichen Abständen. Live-Cambilder zeigen mehrere Hundert Meter hoch aufsteigende Aschewolken, die schnell vom Wind zur Seite verdriftet werden, so wie rotglühende Tephra, die besonders auf Nachtaufnahmen sichtbar wird.



Die Eruption vom 8. Oktober begann um 18:28 Uhr Ortszeit und erreichte eine maximale seismische Amplitude von 46 Millimetern. Eine Aschewolke konnte wegen der Bewölkung nicht beobachtet werden.

Anak Krakatau

Am Freitag folgten dann zwischen 16:17 und 19:57 Uhr Ortszeit 10 weitere Explosionen, bei denen Vulkanaschewolken mehrere hundert Meter hoch aufstiegen. Augenzeugen beschreiben die Wolken als dunkelgrau und dicht. Eine Eruption erzeugte eine 250 Meter über den Gipfel aufsteigende Wolke und dauerte 36 Sekunden. Die seismische Amplitude der Explosion belief sich auf 56 Millimeter.

Das VAAC Darwin kommt auf andere Höhenangaben und meldete Aschewolken, die bis auf eine Höhe von 1.800 Metern aufsteigen und mit 19 km/h nach Westen drifteten. Die Beobachtung, dass die indonesischen Vulkanbeobachter die Höhe der Aschewolken anders als internationale Agenturen einschätzen, ist nicht neu.

Die seismischen Daten vom 8. Oktober zeigen einen Anstieg der Seismizität, nachdem es in den Vortagen recht ruhig war. Das Monitoring registrierte insgesamt 20 Hybrid- bzw. Mehrphasenbeben, 18 flache und 2 tiefe vulkanotektonische Beben sowie kontinuierlichen Tremor. Diese Seismizität deutet auf vermehrte Fluidbewegung bzw. Magmaaufstieg hin.

Die aktuelle Aktivität kommt nicht völlig überraschend. Bereits Anfang Oktober meldete das Smithsonian/USGS eine Fortsetzung der Eruptionstätigkeit; zwischen dem 1. und 7. Oktober wurden unter anderem vier eruptive Ereignisse registriert.

Anak Krakatau bleibt damit klar eruptiv aktiv. Die wiederholten Explosionen in kurzen Intervallen und die erhöhte Seismizität zeigen, dass der Vulkan derzeit keineswegs zur Ruhe gekommen ist. Der Warnstatus liegt aktuell bei Stufe 2 („Waspada“/Vorsicht); der Sicherheitsradius von zwei Kilometern um den aktiven Krater bleibt bestehen.

Quellen: VAAC Darwin; CVGHM/PVMBG/MAGMA Indonesia; Smithsonian Global Volcanism Program.

Sizilien: Tornadoserie richtet Zerstörungen an

Tornado richtete Verwüstungen in Marsala auf Sizilien an – Verletzte und schwere Schäden

Erst gestern berichtete Vnet über die Unwetter in Süditalien und warnte vor den von Wetterdiensten prognostizierten Tornados, heute wurden sie dann Realität: Ein heftiger Tornado hat am Freitag die Westküste Siziliens getroffen und in der Gegend um Marsala und Petrosino ernstzunehmende Schäden verursacht. Nach italienischen Medienberichten wurden Autos umgeworfen und Dächer abgedeckt. Auch Verletzte wurden gemeldet. In sozialen Netzwerken verbreitete Aufnahmen zeigen einen gewaltigen Windwirbel, der zusammen mit weiteren Wasserhosen zunächst über dem Meer zu sehen war und anschließend auf das Festland traf.

Tornado

Besonders betroffen waren die südlichen Ortsteile von Marsala, darunter Strasatti und Terrenove-Bambina. Auch in der benachbarten Gemeinde Petrosino richtete der Wirbelwind starke Verwüstungen an. Neben Wohnhäusern und landwirtschaftlichen Gebäuden wurden Straßeninfrastruktur und Strommasten beschädigt. Der kommunale Wertstoffhof von Petrosino soll ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Besorgniserregend ist auch der Schaden an der Schule Alcide De Gasperi im Raum Terrenove-Bambina. Dort wurden unter anderem Fenster, Türen und Teile des Daches beschädigt. Zum Zeitpunkt des Ereignisses befanden sich Kinder und Schulpersonal im Gebäude.

Die italienische Feuerwehr leitete einen umfangreichen Rettungs- und Sicherungseinsatz ein. Berichten zufolge wurden bei einem Vorfall in Petrosino zwei Menschen verletzt, nachdem ein Fahrzeug von den Windkräften erfasst und in einen Abhang geschleudert worden war. Die Insassen wurden medizinisch versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Weitere Verletztenmeldungen waren zunächst nicht bestätigt.

Wasserhosen ziehen über das Meer

Nach ersten Berichten des Centro Meteorologico Siciliano bildeten sich vor der Küste von Marsala zwei Wasserhosen, die anschließend das Festland erreichten. Solche Wirbel entstehen häufig unter kräftigen Gewitterwolken, wenn feuchtwarme Luft und geeignete Windverhältnisse zusammenkommen.

Als mögliche Ursache kommt eine ausgeprägte atmosphärische Instabilität infrage. Dabei trifft kühlere Luft in höheren Atmosphärenschichten auf warme, feuchte Luft in Bodennähe. Ob zusätzlich eine starke vertikale Windscherung die Tornadoentwicklung begünstigte, muss noch untersucht werden. Generell gelten die zu hohen Wassertemperaturen des Mittelmeeres als Verstärker von Unwettersituationen.

In ersten Meldungen wurde eine Stärke von möglicherweise F2 auf der Fujita-Skala vermutet. Diese Einstufung ist bislang jedoch nicht offiziell bestätigt. Ein F2-Tornado erreicht nach der ursprünglichen Skala geschätzte Windgeschwindigkeiten von rund 181 bis 253 Kilometern pro Stunde. Für eine belastbare Klassifizierung müssen Fachleute die entstandenen Schäden systematisch untersuchen.

Ätna: Zunahme der Erdbebentätigkeit im Oktober

Erdbebentätigkeit am Ätna nimmt zu – mehr als 20 Erschütterungen in zwei Tagen

Nach einer vergleichsweise ruhigen seismischen Phase hat die Erdbebentätigkeit am Ätna in den vergangenen Tagen zugenommen. Zwischen dem 5. und 7. Oktober ereigneten sich 21 Erschütterungen unter Siziliens mächtigstem Vulkan, darunter einige Beben in Tiefen von mehr als zehn Kilometern. Zu diesen Erschütterungen zählt auch das stärkste Beben mit einer Magnitude von 2,2. Es manifestierte sich in 18,5 Kilometern Tiefe, 4,7 Kilometer westlich von Bronte.



Shakemap © INGV

Interessant ist ein kleiner Erdbebenschwarm im Bereich der Via Mareneve und des Valle del Bove, der möglicherweise mit Fluidbewegungen entlang der Pernicana-Störung in Verbindung steht. Diese markante Störung wird am Ätna häufig durch magmatische Intrusionen unter der Nordflanke des Vulkans aktiviert, wobei auch rein tektonisch bedingte Erdbeben auftreten.

Das jüngste INGV-Wochenbulletin für den Beobachtungszeitraum vom 28. September bis zum 4. Oktober enthält bei den Bodenhebungsdaten keine Hinweise auf ausgeprägte Bodendeformationen. Im vorherigen Bericht war das noch anders: Damals deuteten die GNSS-Daten auf eine Inflation des Vulkangebäudes hin. Allerdings spiegeln die Messdaten jeweils nur einen begrenzten Zeitraum wider. Daher ist es durchaus möglich, dass inzwischen wieder eine beschleunigte Inflation eingesetzt hat. Ob dies tatsächlich der Fall ist, könnte sich aus dem nächsten Wochenbericht ergeben.

Auch ansonsten beschreibt das Bulletin eine eher ruhige Woche am Ätna, die von niedrigem Tremor und nachlassenden Ascheemissionen aus den Gipfelkratern geprägt war. Darüber hinaus wurden mäßige Gasemissionen beobachtet. Die Analyse der Tremorquellen zeigt jedoch, dass sich Fluide unter dem zentralen Kraterbereich bewegten. Dabei hielt die Tendenz an, sich in Richtung Nordwesten auszubreiten.

Das jüngste Copernicus-Satellitenbild vom 8. Oktober zeigte im kurzwelligen Infrarotbereich (SWIR, Band 4) keine thermischen Anomalien an den Gipfelkratern. Auf dem Bild vom 5. Oktober war dagegen noch eine winzige thermische Anomalie zu erkennen, die einen der neuen Schlote zwischen der Voragine und dem Nordostkrater markierte.

Insgesamt ist die Lage am Ätna weiterhin vergleichsweise ruhig. Die jüngsten Erdbeben könnten jedoch darauf hindeuten, dass der Wiederaufladungsprozess des Vulkans langsam voranschreitet.

Island: Schwarmbeben westlich von Eldey

Erdbebenschwarm westlich von Eldey erschüttert den isländischen Reykjanes-Rücken

Vor der Südwestküste Islands hat gestern Abend ein neuer Erdbebenschwarm eingesetzt. Das seismische Netzwerk des IMO registrierte seit 17 Uhr Ortszeit mehr als 150 überwiegend schwache Erschütterungen, die sich am Reykjanes-Rücken, gut 20 Kilometer west-südwestlich der kleinen Insel Eldey, ereigneten. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 3,4. Sein Hypozentrum lag in 11,4 Kilometern Tiefe.


Shakemap © IMO

Die Beben konzentrieren sich auf einen Bereich des Reykjanes-Rückens, an dem die Eurasische und die Nordamerikanische Platte auseinanderdriften. Die Region gehört zum Mittelatlantischen Rücken und ist sowohl durch intensive tektonische Aktivität als auch durch Vulkanismus geprägt. Erdbebenschwärme sind dort keine Seltenheit und können über Stunden oder Tage hinweg auftreten.

Vergleichbare Schwärme wurden in den vergangenen Jahren immer wieder westlich und südwestlich von Eldey beobachtet. So registrierte das IMO Ende 2024 innerhalb kurzer Zeit rund 200 Erdbeben in diesem Gebiet, darunter mehrere Ereignisse mit Magnituden über 3. In diesem Jahr gab es bislang nur wenige Erdbebenschwärme mit ähnlich starken Erschütterungen wie beim aktuellen Ereignis.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand gibt es keine konkreten Hinweise darauf, dass der aktuelle Schwarm durch eine neue Magmenintrusion ausgelöst wurde. Allerdings könnten die Erdbeben auf weitreichende Spannungsänderungen zurückzuführen sein, die mit einer Magmenintrusion oder der Migration von Fluiden im Untergrund zusammenhängen. Selbst die anhaltende Magmenintrusion bei Svartsengi könnte sich am Reykjanes-Rücken bemerkbar machen. Was bis vor Kurzem noch Spekulation war, wird inzwischen in mehreren Studien als plausible Möglichkeit beschrieben.

GNSS © IMO

Bei Svartsengi hält die Bodenhebung infolge der Magmenakkumulation weiterhin an. Die Vulkanüberwachung geht deshalb davon aus, dass es künftig erneut zur Bildung eines magmatischen Gangs oder sogar zu einem Vulkanausbruch im Bereich der Sundhnúkur-Kraterreihe kommen könnte. Die GNSS-Daten deuteten in den vergangenen Tagen zunächst auf eine nachlassende Hebegeschwindigkeit hin. Wie bereits mehrfach beobachtet, zeigten die jüngsten Messungen jedoch erneut einen kleinen Sprung nach oben, der den zuvor scheinbaren Rückgang ausgleicht. Somit kann weiterhin von einer nahezu konstanten Hebegeschwindigkeit ausgegangen werden.

Darüber hinaus ereignete sich unter der vom Gletscher Mýrdalsjökull bedeckten Katla-Caldera ein kleiner Erdbebenschwarm. Das IMO registrierte innerhalb von 48 Stunden fast 20 Beben in diesem Gebiet.

Bemerkenswert sind auch zwei Beben M 2,2, die an unterschiedlichen Lokatinen zutrugen, wo sich sonst wenige BEben ereigne: Eines der Beben manfesteirte sich unmittelbar vor der Westküste von Heimaey auf den Westmännerinseln. Das zweite Beben trug sich im Norden von Snaeffelsjökull zu.

Auch wenn der letzte Vulkanausbruch auf Island bereits mehr als ein Jahr zurückliegt, bleibt die Insel im Nordatlantik ein Brennpunkt der Erdgewalten.

Chile: Unwetter löst Schlammfluten aus

Schlammflut verwüstet Las Condes – schwere Unwetter in Santiago

Extreme Unwetter haben in Santiago de Chile eine schwere Naturkatastrophe ausgelöst. Besonders betroffen war die östlich gelegene Gemeinde Las Condes am Fuß der Anden. Nach außergewöhnlich starken Niederschlägen verwandelten sich Bäche und Entwässerungswege in reißende Ströme aus Wasser, Schlamm und Geröll. Zahlreiche Fahrzeuge wurden von den Wassermassen erfasst und mitgerissen.



Chile

Besonders dramatische Szenen spielten sich an einem Bus der städtischen Verkehrsgesellschaft Red Movilidad ab. Das Fahrzeug wurde von der Flut erfasst und mehrere Hundert Meter weit mitgerissen. Fahrgäste konnten sich teilweise auf das Dach retten, während die Wassermassen durch die Straßen strömten. Auch zahlreiche Autos blieben in den Schlamm- und Geröllmassen stecken. Videos zeigen Menschen, die nach ihrer Rettung vollständig mit Schlamm bedeckt waren.

Nach ersten Angaben wurden mehrere Menschen verletzt, darunter auch ein Kleinkind. Todesopfer wurden bislang nicht gemeldet. Rettungskräfte waren im gesamten betroffenen Gebiet pausenlos im Einsatz.

Die Behörden sprechen von einer plötzlich anschwellenden Flut beziehungsweise einem Aluvión. Dabei können innerhalb weniger Minuten große Mengen Wasser, Sediment und Geröll aus den höher gelegenen Bereichen der Anden in bewohnte Gebiete gelangen. Die Böden waren nach den vorausgegangenen Niederschlägen bereits stark mit Wasser gesättigt. Zusätzlich könnte die Blockierung von Entwässerungsleitungen die Überflutungen verschärft haben.

Die Katastrophe wurde auch durch die Topografie Santiagos begünstigt. Die Metropole liegt unmittelbar am Fuß der Anden, sodass intensive Niederschläge in den steilen Einzugsgebieten rasch in Richtung Stadt abfließen können. In den betroffenen Hanglagen besteht zudem nach früheren Waldbränden eine erhöhte Erosionsgefahr. Darüber hinaus werden Pflanzenreste von den Wassermassen mitgerissen, was die Schlammfluten noch gefährlicher macht.

Der starke El Niño liefert einen möglichen großräumigen klimatischen Hintergrund für die ungewöhnlichen Niederschläge. Im östlichen äquatorialen Pazifik, wo sich das El-Niño-Phänomen besonders deutlich ausprägt, liegen die Oberflächentemperaturen des Meeres aktuell bei 30 Grad Celsius. Damit wird ein neuer Rekord erreicht – noch nie wurden seit Beginn der Messungen derart hohe Werte registriert. Während eines El Niño schwächen sich die Passatwinde ab oder verändern ihre Stärke und ihr Strömungsmuster. Dadurch verändern sich auch die Strömungen des pazifischen Oberflächenwassers und die Verteilung der Niederschläge. An der Pazifikküste Südamerikas kann es dadurch zu außergewöhnlich starken Regenfällen kommen, während Australien und Indonesien unter ausgeprägter Trockenheit leiden können. El Niño ist jedoch nicht allein für die Katastrophe in Chile verantwortlich. Entscheidend war das Zusammenspiel aus extremen Niederschlägen, wassergesättigten Böden, steilem Gelände und einer Entwässerung, deren Limit überschritten war.

Präsident José Antonio Kast erklärte Las Condes zur Katastrophenzone. Angesichts der weiterhin instabilen Verhältnisse warnen die Behörden vor weiteren Überschwemmungen und Massenbewegungen.