Deutschland: Erdbeben Mb 3,0 bei Leipzig

Deutlich spürbares Erdbeben in Deutschland – Häuser wackelten im Großraum Leipzig

Datum: 14.04.2026 | Zeit: 16:22:31 UTC | Koordinaten: 51.111 ; 12.299 | Tiefe: 13 km | Mb 3,0

Am Abend des 14. Aprils manifestierte sich um 18:22:31 Uhr Ortszeit ein Erdbeben der Magnitude 3,0, dessen Erdbebenherd laut EMSC-Angaben in 13 Kilometern Tiefe lag. Das Epizentrum wurde 26 Kilometer südlich von Leipzig und 13 km nordöstlich von Leitz verortet. Messstationen, unter anderem der TU Bergakademie Freiberg sowie des LfULG, bestimmten die Magnitude zunächst auf etwa 3,2 und die Herdtiefe mit 21 km. Es ist das erste Erdbeben mit einer Magnitude im Dreierbereich, das die Region seit 2017 erschütterte. Den Erdbebendiensten liegen zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen aus erstaunlich großem Umkreis vor.



Deutschland. © EMSC/Leaflet

Nach Angaben von Geophysikern waren die Erdstöße in einem Radius von etwa 60 bis 70 Kilometern zu spüren. Meldungen kamen nicht nur aus Leipzig, sondern auch aus dem Vogtland, dem Raum Döbeln und weiten Teilen Thüringens.

Beim EMSC berichteten zahlreiche Menschen von kurzen, aber deutlich wahrnehmbaren Erschütterungen. Typische Schilderungen umfassen „ein plötzliches Rütteln“ oder „einen dumpfen Schlag“. Zudem wurde von vibrierenden Fenstern und klirrendem Geschirr und von einem dumpfen Grollen berichtet. Die Intensität des Bebens wurde überwiegend als schwach bis moderat beschrieben – Schäden wurden nicht gemeldet.

Auffällig ist zudem, dass viele Wahrnehmungen aus südlicher und östlicher Richtung gemeldet wurden. Dies deutet auf eine gerichtete Ausbreitung der seismischen Wellen hin, was bei komplexen geologischen Strukturen nicht ungewöhnlich ist.

Die Ursache des Bebens liegt in der geologischen Struktur Mitteldeutschlands. Die Region südlich von Leipzig gehört zu einer Zone alter Störungen in der Erdkruste, die Teil der Leipzig–Regensburg-Störungszone sind. Diese mehrere 100 Kilometer lange Störungszone wurde bereits während der variszischen Orogenese angelegt und schuf vor fast 300 Millionen Jahren Magmaaufstiegswege für den Vulkanismus bei Chemnitz, von dem heute noch der „steinerne Wald“ zeugt. Innerhalb dieser Zone bildeten sich auch in der jüngeren Vergangenheit Störungen, die bis heute aktiv sind. An einer dieser Störungen manifestierte sich der aktuelle Erdstoß.

Auf der EMSC-Shakemap ist nordwestlich des diskutierten Erdbebens ein weiterer Erdstoß der Magnitude 1,8 markiert. Auch in Süddeutschland und den Nachbarländern gab  es vergleichbare Erdstöße.

Island: 13 Erdbeben unter Fagradalsfjall

Magma-Ansammlung unter Svartsengi bei 25 Millionen Kubikmetern – 13 Erdbeben unter Fagradalsfjall auf Island registriert

Obwohl es im Bereich von Svartsengi täglich nur ein bis zwei schwache Erdbeben gibt, die zudem so geringe Magnituden haben, dass sie auf der Shakemap des Icelandic Meteorological Office nicht angezeigt werden, hat die Magmaansammlung im flachen Magmakörper inzwischen die Marke von 25 Millionen Kubikmetern erreicht. Dies ist eine Folge der langsamen, aber stetigen Akkumulation von Schmelze, die aus größerer Tiefe aufsteigt. Seit Beginn der Eruption an der Sundhnúkur-Spalte hat sich noch nie so viel Magma im Untergrund befunden. Umso erstaunlicher ist es, dass der erwartete Ausbruch weiterhin auf sich warten lässt.

Island. © IMO

Nicht weniger bemerkenswert ist, dass am 13. April unter dem Fagradalsfjall genau 13 schwache Erdbeben registriert wurden, die ebenfalls nicht auf den Erdbebenkarten erscheinen. Die Hypozentren wurden in etwa 10 Kilometern Tiefe lokalisiert.

Die Daten zur Seismizität wurden in der jüngsten Gefahrenanalyse des IMO zur Situation bei Svartsengi und Grindavík erwähnt, verbunden mit der Feststellung, dass es in diesem Areal, das von 2021 bis 2023 eruptiv aktiv war, seit Längerem keine derart hohe Anzahl an Erdbeben mehr gegeben hat. Das normale Tagesmaximum liegt bei 3 Beben.

Wir erinnern uns: Unter Svartsengi befindet sich in mehr als acht Kilometern Tiefe eine Magmadomäne, die das flache Reservoir in 4-5 Kilometern Tiefe unter Svartsengi mit Schmelze versorgt. Eine Magmadomäne ist eine großvolumige Ansammlung von Magma, das sich – ähnlich den Poren eines Schwamms – in zahlreichen kleinen Magmataschen im Gestein verteilt, was den Nachweis der Schmelze im Untergrund erschwert. Somit ist es jederzeit möglich, dass sich das Magma einen neuen Weg an die Oberfläche sucht und sich das Eruptionszentrum erneut verlagert.

Bislang betrachten Vulkanologen weiterhin Sundhnúkur als wahrscheinlichsten Ausbruchsort der nächsten Eruption, die nach Einschätzung des IMO theoretisch jederzeit beginnen könnte. Die Vorwarnzeit könnte mit etwa 20 Minuten extrem kurz ausfallen, weshalb dazu aufgerufen wird, das Gebiet um Sundhnúkur zu meiden.

Piton Fournaise: Das Ende der On-off-Eruption?

Unsichere Lage am Piton de la Fournaise: Nach Stopp des Vulkanausbruchs kehrt der Tremor zurück

Nach mehreren Wochen vulkanischer Aktivität bleibt die Situation am Piton de la Fournaise auf La Réunion schwer vorhersehbar. Nachdem Aktivität und Tremor am Abend des 12. Aprils vollständig stoppten, wurde am Nachmittag des 14. Aprils erneut die Wiederaufnahme eines schwachen Tremors registriert. Lava tritt allerdings noch nicht aus.

Die letzten beiden Mitteilungen des Observatoire Volcanologique du Piton de la Fournaise (OVPF-IPGP) zeigen, dass sich der Vulkan derzeit in einer Übergangsphase befindet und sein Status unklar ist und zwischen scheinbarer Ruhe und möglicher erneuter Aktivität pendelt.

Laut einem Kommuniqué vom frühen Morgen des 13. Aprils kam der Ausbruch nach zwei vorangegangenen Stillstandsphasen endgültig zum Erliegen. Gegen 23:10 Uhr Ortszeit am 12. April 2026 stoppte die Lavaförderung vollständig. Obwohl keine Lava mehr austrat, wurde noch an einigen Stellen Rotglut gesichtet. Außerdem gab es Entgasungen. Diese Restaktivität deutet darauf hin, dass das magmatische System unter der Oberfläche noch nicht vollständig zur Ruhe gekommen ist.

Bereits zu diesem Zeitpunkt teilten die Vulkanologen mit, dass sowohl ein endgültiges Ende der Eruption als auch eine Wiederaufnahme – entweder am gleichen Ort oder an anderer Stelle – möglich bleiben. Hintergrund sind anhaltende seismische Aktivitäten im Untergrund.

Am Nachmittag des 14. April meldete das Observatorium dann die neue Entwicklung, dass seit etwa 15:00 Uhr Ortszeit wieder ein schwacher vulkanischer Tremor aufgezeichnet wird.

Die Wissenschaftler interpretieren den Tremor als Hinweis darauf, dass sich weiterhin Magma in geringer Tiefe befindet. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es kurzfristig zu einer neuen Lavaförderung kommen könnte. Als wahrscheinlichster Ort für eine mögliche Wiederaufnahme gilt der zuletzt aktive Eruptionskegel des Ausbruchs, der am 13. Februar 2026 begann.

USA: Erdbeben Mw 5,7 in Nevada

Mittelstarkes bis starkes Erdbeben erschüttert US-Bundesstaat Nevada – Erdstoß entlang des Walker-Lane-Belts

Datum: 14.04.2026 | Zeit: 01:29:15 UTC | Koordinaten: 39.335 ; -119.008 | Tiefe: 5 km | Mw 5,7

Heute Nacht um 01:29:15 UTC wurde im US-Bundesstaat Nevada ein Erdbeben der Magnitude 5,7 registriert. Die Lokalisierung des Epizentrums ergab, dass es sich gut 73 Kilometer östlich von Reno manifestierte und mit einer sehr geringen Herdtiefe von etwa 5 km aufwarten konnte. Noch näher als Reno lag in 25 Kilometern Entfernung die Kleinstadt Fallon, in der 8400 Menschen leben. Das Erdbeben löste einen starken Nachbebenschwarm aus und wurde von den Anwohnern der Region deutlich wahrgenommen. Berichte über größere Schäden liegen nicht vor. Während bei uns zum Zeitpunkt des Bebens schon der 14. April war, verweilte man in den USA noch am Abend des 13. April.


Erdbebenfolgen

Das relativ starke und flache Beben führte zu deutlich spürbaren Erschütterungen in weiten Teilen des westlichen Nevada und darüber hinaus. Besonders in den dichter besiedelten Bereichen um die Spielerstadt Reno – der ich im vergangenen Jahr einen Besuch abstattete – sowie in kleineren Ortschaften der Lahontan-Region wurde das Schütteln als kräftig und ungewöhnlich lang anhaltend beschrieben. Das Gewackel dauerte demnach fast eine Minute. Bebenzeugen berichteten in US-Medien von stark vibrierenden Gebäuden, klirrenden Fenstern und deutlich wahrnehmbaren horizontalen Bewegungen. In Supermärkten und Geschäften fielen Waren aus Regalen, vereinzelt kam es zu zerbrochenen Flaschen und umgestürzten Auslagen.

Trotz der hohen Intensität der Erschütterungen blieb die Schadensbilanz insgesamt begrenzt. Es wurden keine strukturellen Schäden an größeren Gebäuden oder kritischer Infrastruktur gemeldet. Die Auswirkungen beschränkten sich somit überwiegend auf geringfügige Sachschäden im Innenraum von Gebäuden sowie kurzfristige Störungen im Alltag. Verletzte oder Todesopfer wurden nicht bestätigt. Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte im Epizentralbereich blieb das Schadenspotenzial insgesamt reduziert, obwohl die Erschütterung lokal als intensiv empfunden wurde.

Tektonischer Kontext des Nevada-Erdbebens

Fallon und Reno. © EMSC

Das Erdbeben ereignete sich an einer Störung im Bereich des sogenannten Walker-Lane-Belts, einer bedeutenden tektonischen Scherzone im Westen der USA. Diese Struktur verläuft parallel zur San-Andreas-Verwerfung und nimmt einen Teil der relativen Bewegungen zwischen der Pazifischen und der Nordamerikanischen Platte auf.
Im Gegensatz zu einer einzelnen klar definierten Hauptverwerfung handelt es sich beim Walker-Lane-System um ein Netzwerk aus zahlreichen kleineren, parallel zueinander verlaufenden Störungen. Diese verteilen die tektonische Spannung über eine breite Zone hinweg. Die Region ist dadurch seismisch aktiv und erzeugt regelmäßig Erdbeben im mittleren Magnitudenbereich.

Es gibt Hinweise darauf, dass es in den letzten Monaten eine überdurchschnittlich starke Seismizität in Nevada und insbesondere im Walker-Lane-Belt gab, was auch auf einen hohen Spannungsaufbau zwischen Pazifik- und Nordamerikanischer Platte hinweisen könnte.

Red Sprites über Puerto Rico

Rote Blitze über Puerto Rico: Überwachungskamera zeichnet seltene „Red Sprites“ auf

Letzte Nacht gab es am Himmel über Puerto Rico des seltene Phänomen der „Red Sprites“ zu bewundern. Laut Aufnahmen einer Überwachungskamera ereignete sich das Phänomen um 03:49 Uhr Ortszeit und zeigte für wenige Millisekunden gleich 5 der leuchtend roten, senkrecht nach oben gerichteten Strukturen über einem entfernten Gewittersystem nordwestlich der Insel.



Red Sprites

Diese seltenen Erscheinungen gehören zu den sogenannten Transient Luminous Events (TLEs) – kurzlebigen Lichtphänomenen in der oberen Atmosphäre, die oberhalb normaler Gewitter entstehen. Während klassische Blitze zwischen Wolke und Erde oder innerhalb von Wolken auftreten, bewegen sich Red Sprites in die entgegengesetzte Richtung: Sie steigen von der Gewitteroberseite in Höhen von etwa 50 bis 90 Kilometern in die Mesosphäre auf.

Physikalisch entstehen Sprites durch besonders starke positive Wolke-Erde-Blitze. Diese entladen große Mengen elektrischer Energie, wodurch sich das elektrische Feld über dem Gewitter kurzfristig umkehrt. In der dünnen Hochatmosphäre trifft dieses Feld auf Stickstoffmoleküle, die dadurch angeregt werden und in charakteristischem Rotlicht aufleuchten.

Obwohl Sprites heute wissenschaftlich gut verstanden sind, blieb ihre Existenz lange umstritten. Erst im Jahr 1989 gelang die erste fotografische Aufnahme, die die zuvor vereinzelten Augenzeugenberichte bestätigte. Seither konnten Forscher mithilfe empfindlicher Low-Light-Kameras und Satelliten zahlreiche Varianten dokumentieren – darunter „Jellyfish-Sprites“, „Gigantic Jets“ und „Elves“.

Puerto Rico gilt als einer der weltweit besten Beobachtungsorte für solche Phänomene, da es hier ideale Voraussetzungen für die Entstehung und Beobachtung der „Red Sprites“ gibt. Sie besteht aus einer Kombination tropischer Gewittern und feuchter Luft bei geringer Lichtverschmutzung. Besonders der Fotograf Frankie Lucena hat in den vergangenen Jahren mehrfach hochwertige Video- und Bildaufnahmen solcher Ereignisse geliefert und damit zur wissenschaftlichen Dokumentation und Erforschung beigetragen.

Die aktuelle Aufnahme um fügt sich in diese Reihe ein und zeigt erneut, wie dynamisch die obere Atmosphäre über dem Atlantik ist. Obwohl Sprites mit bloßem Auge theoretisch sichtbar sein können, dauern sie meist nur wenige Millisekunden und sind daher fast ausschließlich durch Kameras nachweisbar.

Neues Modell zur Entstehung von Erdbeben

Wenn Gestein „klebt“: Ein neues Modell erklärt Erdbeben anders

Erdbeben zählen zu den verheerendsten geologisch bedingten Naturkatastrophen unseres Planeten. Sie können starke Schäden anrichten und vor allem in urban dicht besiedelten Gegenden viele Menschenleben fordern. Sie können sekundäre Phänomene wie Tsunamis und Vulkanausbrüche auslösen, die eine Erdbebenkatastrophe verstärken. Dabei gelten Erdbeben nur als bedingt vorhersagbar und treten meistens überraschend auf. Wissenschaftler arbeiten daran, die Prozesse hinter Erdbeben besser zu verstehen, in der Hoffnung, Erdbeben eines Tages besser vorhersagen zu können.



San-Andreas-Fault. © Marc Szeglat

Lange ging man davon aus, dass starke Erdbeben an tektonischen Plattengrenzen durch Blockaden in Form von mechanischen Verhakungen an Unebenheiten der beteiligten Platten zustande kommen. Durch diese Blockaden bauen sich große Spannungen auf, die dazu führen, dass sich die Verhakungen explosionsartig lösen, was Erdbebenwellen auslöst. Doch ein neues Modell von Forschenden des Forschungszentrums Jülich und des Saarlandes stellt diese klassische Sicht infrage. Die Forschenden zeigen, dass der entscheidende Mechanismus hinter den Erdbeben im Mikrokosmos chemischer Bindungen zu finden sein könnte.

Im Zentrum der neuen Erklärung steht die Reibung zwischen Gesteinsoberflächen. Anders als lange angenommen ist diese nicht konstant. Stattdessen wird sie durch winzige chemische Bindungen bestimmt, die sich an den Kontaktflächen bilden und wieder lösen. Diese Bindungen wirken wie mikroskopische „Klebestellen“.

Solange sich zwei Gesteinsflächen nur sehr langsam gegeneinander bewegen, können sich diese Bindungen immer wieder neu ausbilden. Das erhöht die Reibung – die Bewegung bleibt stabil und langsam. Steigt jedoch die Geschwindigkeit der Plattenbewegungen, gerät dieses Gleichgewicht ins Wanken: Die Bindungen reißen schneller, als sie sich neu bilden können. Gleichzeitig entsteht Wärme. Ab einem kritischen Punkt bricht die Reibung plötzlich ein – und genau hier könnte ein Erdbeben beginnen.

Der entscheidende Unterschied zu bisherigen Modellen liegt im Ablauf: Klassisch galt ein relativ stabiles System, das erst bei Überschreiten einer Belastungsgrenze versagt. Das neue Modell beschreibt dagegen einen kontinuierlichen Prozess, bei dem die Instabilität aus der Dynamik der Reibung selbst entsteht. Erdbeben wären demnach kein abruptes „Versagen“, sondern das Ergebnis eines schleichenden Übergangs, der plötzlich kippt.

So überzeugend diese Idee ist, so wichtig ist ein genauer Blick auf die zugrunde liegenden Laborexperimente. Die Forscher simulierten eine Plattengrenze im Labor, in der zwei Granitblöcke verwendet wurden. Um die Daten des Reibungsexperiments zu verifizieren, ließen sie Granit über Korund-Schmirgelpapier gleiten, um das Verhalten von Reibung unter kontrollierten Bedingungen mit einem neutralen Material zu untersuchen. Die Daten der Laborexperimente wurden genutzt, um ein Computermodell zu füttern.

Granit ist ein Gestein, das bei Experimenten in der Geophysik gerne genutzt wird. Allerdings ist er nicht typisch für die Gesteine einer aktiven Plattengrenze. Dort dominieren häufig basaltische Gesteine, Sedimente oder stark metamorphosierte Zonen. Granit steht also eher für eine vereinfachte Version der Erdkruste.

Noch deutlicher wird die Einschränkung bei Korund. Das extrem harte Mineral ist in natürlichen Verwerfungen praktisch nicht relevant. Seine Verwendung dient vor allem dazu, grundlegende physikalische Effekte klar sichtbar zu machen. Es ist gewissermaßen ein „Modellmaterial“, das hilft, die Prinzipien zu verstehen. Es bildet aber nicht die Realität ab.

In der Übertragbarkeit des Laborexperiments auf die Wirklichkeit der Natur liegt die zentrale Schwäche solcher Studien. Im Labor lassen sich Druck, Temperatur und Bewegung exakt kontrollieren. Doch reale Plattengrenzen sind deutlich komplexer. Sie bestehen aus einem Gemisch unterschiedlicher Gesteine, enthalten Wasser und andere Fluide und verändern sich über enorme Zeiträume. Diese Faktoren beeinflussen die Reibung entscheidend.

Die neue Studie zeigt, dass Reibung unter Laborbedingungen nicht statisch ist, sondern sich dynamisch verändert und instabil werden kann. Ob dieser Mechanismus in der Natur tatsächlich eine zentrale Rolle spielt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Quelle: Sukhomlinov, S. V., Müser, M. H., & Persson, B. N. J. (2026):
“Granite sliding on granite: friction, wear rates, surface topography, and the scale-dependence of rate–state effects.”
Reports on Progress in Physics. DOI: 10.1088/1361-6633/ae4b66

Semeru: Pyroklastischer Strom in den Morgenstunden

Pyroklastischer Strom löste sich vom Semeru – Vulkanasche in 4600 m Höhe

In den frühen Morgenstunden des 14. Aprils löste sich ein pyroklastischer Strom vom Lavadom im Krater des indonesischen Vulkans Semeru. Er legte eine Gleitstrecke von ca. 3000 m zurück und ließ eine Aschewolke aufsteigen, die eine Höhe von 4600 m über dem Meer erreichte und nach Nordosten driftete. Laut einer VONA-Warnung bewegte sich die Aschewolke mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h und breitete sich über besiedeltes Gebiet aus, wo es zu Ascheniederschlag kam.

Livecamaufnahmen dokumentierten das Ereignis, das bei schönstem Wetter kurz vor Sonnenaufgang um 05:22 Uhr WIB stattfand. Zu dieser Zeit befanden sich bereits zahlreiche Touristen auf der Aussichtsterrasse am Rand der Tengger-Caldera, die den Sonnenaufgang genießen wollten, tatsächlich aber sogar aus sicherer Entfernung eines der gefährlichsten Naturphänomene der Welt bewundern konnten.

Der Abgang des Dichtestroms sorgte nicht nur für schöne Bilder, sondern verursachte auch ein seismisches Signal mit einer Dauer von 3 Minuten und 23 Sekunden und einer Maximalamplitude von 20 Millimetern. Zeit genug, damit sich der pyroklastische Dichtestrom über eine Länge von 3 Kilometern in Richtung Besuk Kobokan ausbreiten konnte. Laut dem örtlichen Observatorium stieg die dabei freigesetzte Aschewolke bis zu 1.500 Meter über den Kraterrand auf.

Pyroklastische Ströme zählen zu den zerstörerischsten vulkanischen Phänomenen, da sie mit hoher Geschwindigkeit und extremen Temperaturen ins Tal rasen. Sie bestehen aus einem Gemisch aus Gas, Vulkanasche und Lavablöcken und zerstören nicht nur durch Hitze, sondern auch durch die Gewalt einer Schuttlawine.


Laut den Behörden im Regierungsbezirk Lumajang stoppte der pyroklastische Strom noch auf der Flanke des Semeru, ohne bewohntes Gebiet zu erreichen.  Schäden oder direkte Auswirkungen auf Siedlungen wurden nicht gemeldet. Vorsichtshalber wurden Einsatzkräfte in Bereitschaft versetzt, um im Falle weiterer Aktivität schnell reagieren zu können.

Die Ablagerungen des Dichtestroms können nicht nur über lange Zeiträume heiß bleiben, sondern auch durch Regenwasser mobilisiert werden und sich in Lahare verwandeln. Solche Schlammströme richteten am Semeru bereits häufiger Zerstörungen in Ortschaften an.

Die Aktivitätsstufe des Vulkans bleibt weiterhin auf Alarmstufe III. Behörden warnen eindringlich vor Aufenthalten im südöstlichen Sektor sowie entlang der Flüsse, die vom Gipfel ausgehen.

Burundi: Erdbeben Mb 4,4

Erdbeben in Burundi: Tektonik und Vulkanismus im Westarm des Ostafrikanischen Riftvalleys

Am 13. April 2026 wurde der Süden von Burundi von einem mittelstarken Erdbeben der Magnitude 4,4 erschüttert. Die Tiefe des Hypozentrums wird beim EMSC mit 10 km angegeben, was vermutlich darauf hindeutet, dass die Tiefe in Ermangelung eines dichten seismischen Netzwerks nicht exakt bestimmt werden konnte, es sich jedoch um ein vergleichsweise flaches Erdbeben handelte. Das Epizentrum befand sich nahe der Grenze zu Tansania, in der Nähe der Ostküste des Tanganjikasees, und wurde 41 km südlich von Bururi verortet.

Burundi. © EMSC

Die Stärke des Erdstoßes lag durchaus im wahrnehmbaren Bereich und könnte bei geschwächter Infrastruktur leichte Schäden verursacht haben. Abgesehen von möglichen Auswirkungen auf die menschliche Infrastruktur ist das Beben auch wissenschaftlich von Interesse, da es sich in einer der geologisch spannendsten Regionen des afrikanischen Kontinents ereignete und mehrere Vulkangebiete in relativer Nähe liegen. Im Süden des Tanganjikasees befindet sich das wenig bekannte Rungwe-Vulkansystem, das während des Holozäns aktiv war. Bekannter sind jedoch die etwa 320 Kilometer entfernten Virunga-Vulkane im Osten der Demokratischen Republik Kongo, von denen der Nyamuragira und der Nyiragongo aktuell aktiv sind. Der Erdstoß war jedoch zu schwach, um sich auf diese Vulkane auszuwirken.

Tektonisch betrachtet ereignete sich das Beben im Westarm des zweigeteilten Ostafrikanischen Riftvalleys, das auch als Großer Afrikanischer Grabenbruch bekannt ist. Hier droht sich Ostafrika langfristig vom Rest des Kontinents abzuspalten – ein Prozess, der maßgeblich von einem großen Mantelplume gesteuert werden könnte. Entlang dieser sich entwickelnden divergenten Plattengrenze dünnt die Erdkruste aus. Mit diesem Prozess geht die Bildung von Staffelbrüchen entlang von Abschiebungen am Rand des Grabenbruchs einher. Durch die Ausdünnung und den vertikalen Versatz entstehen Spannungen, die sich in Erdbeben wie diesem entladen können.

Teneriffa: Zwischenbericht zur Erdbebenaktivität

Seismovulkanische Aktivität auf Teneriffa hält an – IGN veröffentlichte Zwischenbericht

Zwischen dem 11. und 13. April wurde auf der Insel Teneriffa erneut eine Phase seismovulkanischer Aktivität registriert. Nach Angaben des spanischen Nationalen Geographischen Instituts (IGN), das heute außer der Reihe der wöchentlichen Bulletins einen Zwischenbericht zur Aktivität veröffentlichte, traten die Ereignisse in zwei unterschiedlichen Bereichen der Insel auf: zunächst – wie berichtet – im Gebiet von Izaña (Arafo) und später westlich der Caldera von Las Cañadas del Teide.


Teide. © IGN

Am 11. April wurde rund um Izaña eine Serie schwacher Erdbeben festgestellt. Insgesamt registrierten die automatischen Systeme 16 Ereignisse, von denen 11 bei der Überprüfung durch einen Seismologen genau lokalisiert werden konnten. Die Magnituden lagen zwischen 1,0 und 1,9, die Tiefen zwischen 3 und 10 Kilometern. Es handelte sich um typische vulkanotektonische Beben, wie sie bereits in ähnlicher Form in dieser Region des Teide zwischen Mai und November 2025 beobachtet wurden.

In der Nacht auf den 13. April kam es dann zu einer weiteren Aktivitätsphase. Zwischen 0:10 und 0:30 Uhr wurden neben mehreren schwachen hybriden Erdbeben auch zwei Erdbeben mit langen Perioden (LP-Events) registriert. Insgesamt erkannte das automatische System 38 Ereignisse, von denen drei in Tiefen von etwa 12 bis 13 Kilometern im westlichen Bereich von Las Cañadas del Teide lokalisiert werden konnten. Die nicht lokalisierbaren Beben hatten zu geringe Magnituden für eine genaue Ortsbestimmung. Im Vergleich zu ähnlichen Signalen aus den Monaten Februar und März waren diese Ereignisse kürzer und weniger intensiv. Zudem zeigte die aktuelle Aktivität kein wiederkehrendes Muster, wie es bei früheren Schwärmen in diesem Jahr vorkam.

Keines der registrierten Ereignisse wurde von der Bevölkerung gespürt. Nach Einschätzung des IGN deutet diese Art von seismischer Aktivität nicht auf eine erhöhte Ausbruchsgefahr hin. Solche Kombinationen aus hybriden Erdbeben und LP-Signalen sind auf vulkanisch aktiven Inseln wie Teneriffa nicht ungewöhnlich und werden kontinuierlich überwacht.

Meiner Meinung nach sind solche Erdbeben zwar an sich nicht ungewöhnlich, doch wenn sie jahrzehntelang nicht oder selten auftraten und es dann zu einer Häufung kommt, weisen die Beben auf Änderungen im magmatischen System des Vulkans hin.