Kilauea: Lavafontänen-Episode Nr. 53 hat angefangen

Vulkanausbruch am Kilauea: Episode 53 mit neuen Lavafontänen hat begonnen

Am Gipfel des Kilauea auf Hawaii hat die 53. Lavafontänen-Episode der seit Ende 2024 anhaltenden Eruption begonnen. Nach einer Phase zunehmender Inflation setzte am 12. August um 15:45 Uhr Ortszeit (HST) starkes Lavafontänieren im Halemaʻumaʻu-Krater ein. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels erreichten die Fontänen etwa 40 Meter Höhe und begannen, einen ausgeprägten Lavastrom zu speisen, der sich schnell über dem Kraterboden des sich mehr und mehr auffüllenden Kraters ausbreitete.



Kilauea

Der Pit im Halemaʻumaʻu-Krater hatte infolge des Kollapses von 2018 im Zuge der Leilani-Eruption eine Tiefe von mehr als 500 m erreicht. Inzwischen ist der gewaltige Pit aufgefüllt und auch ein Großteil des Kraterbodens wurde von Lava geflutet. Die HVO-Vulkanologen gehen davon aus, dass bei anhaltenden Lavafontänen-Episoden der Boden bald wieder den Stand wie vor 2018 erreicht haben wird.

Der Eruption gingen mehrere Stunden intensiver Unruhe voraus. Bereits am Vormittag traten aus dem Nordschlot erste kleine Lavaspatter-Erscheinungen und kurzlebige Lavaüberläufe auf. Ab 13 Uhr entwickelte sich daraus ein anhaltender Lavastrom. Gegen 13:45 Uhr nahm die Förderrate abrupt zu. Gleichzeitig wechselte das Signal der Bodenhebung von Inflation zu Deflation, und eine Doppel-Domfontäne entstand. Der daraus gespeiste Lavaüberlauf breitete sich schnell über mehr als 600 Meter auf dem Kraterboden aus.

Kurz vor Beginn der eigentlichen Episode kam es auch am Südschlot zu mehreren starken Überläufen. Zudem wurde Lava aus einem Kollapskrater hinter dem Südschlot beobachtet. Diese Strukturen entstanden möglicherweise infolge des gestrigen Erdbebens Mb 5,2 vor der Küste.

Sollte die Episode dem typischen Muster der letzten Monate folgen, dürften die Fontänen ihren Höhepunkt etwa ein bis zwei Stunden nach Beginn der Episode erreichen. Für die einzelnen Episoden dieser Eruptionsphase werden typischerweise Höhen von 150 bis 450 Metern erwartet. Gleichzeitig können sich die Gas- und Aschewolken bis in Höhen von mehreren Kilometern entwickeln. Bis jetzt wurde eine Wolkenhöhe von 3.700 Metern über dem Meeresspiegel gemeldet. Für den Flugverkehr gilt die Warnfarbe Orange, während die Vulkanwarnstufe auf „Watch“ steht.

Der Wind kann Tephra und vulkanische Gase in Richtung Südwesten transportieren; in höheren Luftschichten wird eine westliche Verfrachtung erwartet. Besonders im Umkreis von etwa fünf Kilometern um die Schlote ist mit Ascheniederschlag zu rechnen. Leichte Partikel, darunter feine Asche und Pele’s Hair, können jedoch deutlich weiter verfrachtet werden. Die meisten bisherigen Eruptionsepisoden des Kīlauea dauerten weniger als einen Tag.

Vulkan Merapi: Pyroklastische Ströme ändern Richtung

Merapi mit drei pyroklastischen Strömen in Folge – der letzte änderte Richtung

Am Merapi auf Java hat sich die Aktivität in den vergangenen Tagen leicht verstärkt. Zwischen dem 10. und 12. August gingen an drei aufeinanderfolgenden Tagen pyroklastische Dichteströme vom Dom im Gipfelkrater ab. Besonders bemerkenswert ist dabei eine Veränderung der Fließrichtung: Während die ersten beiden Ereignisse nach Südwesten abgingen, erreichte der jüngste Strom erstmals den Bereich der südlichen Abflussrinne Kali Boyong.



Merapi

Am 10. August registrierte das BPPTKG einen pyroklastischen Dichtestrom mit einer Reichweite von 2.000 Metern. Das zugehörige seismische Signal erreichte eine maximale Amplitude von 66,31 Millimetern und dauerte 134,77 Sekunden. Am folgenden Tag wurde ein Abgang mit einer Reichweite von 2.000 Metern registriert: Der Strom lief ebenfalls nach Südwesten in Richtung Kali Sat und Kali Putih. Am 12. August folgte um 08:50 Uhr ein dritter Dichtestrom, der 1.800 Meter weit bis in die Oberläufe von Kali Krasak und Kali Boyong glitt. Die maximale Signalamplitude betrug 49,58 Millimeter bei einer Dauer von 82,61 Sekunden.

Die neue Fließrichtung ist für die Gefahreneinschätzung relevant. Für den Kali Boyong gilt ein Gefahrenbereich von fünf Kilometern ab dem Gipfel, während für Kali Bedog, Krasak und Bebeng bis zu sieben Kilometer angegeben werden.

Hintergrund der Aktivität ist das anhaltende Wachstum des Lavadoms. Eine Drohnenvermessung vom 1. August ergab für den südwestlichen Dom ein Volumen von rund 4,04 Millionen Kubikmetern. Gegenüber der vorherigen Vermessung nahm das Volumen um etwa 18.400 Kubikmeter zu. BPPTKG geht weiterhin von einer anhaltenden Magmazufuhr aus. Das neu aufsteigende Material wird am Dom abgelagert und anschließend durch die Schwerkraft und Instabilität teilweise wieder in Form von Schuttlawinen und pyroklastischen Strömen abgetragen.

Auch die Seismizität zeigt eine leichte Zunahme. Am 12. August wurden 76 Hybrid-/Mehrphasenbeben und 11 flache vulkanotektonische Beben registriert. Hinzu kamen 86 Schuttlawinenbeben. Insgesamt wurden an diesem Tag sieben Lavaabgänge mit einer maximalen Reichweite von 1.900 Metern beobachtet.

Der Merapi bleibt auf Alarmstufe III (Siaga). Die aktuelle Entwicklung spricht für eine weiterhin aktive Magmazufuhr und eine leicht intensivierte Domkollaps-Aktivität, liefert allerdings keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende große explosive Eruption.

Ätna: Multiple Lavaströme und Chaos am Flughafen

Vulkanausbruch am Ätna verursacht Chaos am Flughafen Catania – Mehrere Lavaströme aktiv, erste Fronten kühlen ab

Die außergewöhnlich starke Eruptionsphase am Ätna hält bei fluktuierender Intensivität weiter an und sorgt inzwischen nicht nur am Vulkan selbst, sondern auch im sizilianischen Flugverkehr für Probleme: Die Aschewolken bedingten inzwischen für eine vollständige Einstellung des Flugbetriebs und Tausende Urlauber sind gestrandet oder von Verzögerungen betroffen.



Nach Angaben des INGV setzte sich am 12. August die effusive Aktivität an mehreren Eruptionsöffnungen fort. Lava tritt weiterhin aus den Öffnungen auf  2750, 2090 und 1900 Metern Höhe aus. Die Front des aktivsten Lavastrom erreichte am Vormittag ein Höhenniveau von 1365 Metern und floss damit bis in die Nähe der Rocca Capra im Valle del Bove. Die Fronten des älteren Stroms aus der Öffnung auf 2360 Metern kühlen dagegen ab.

Gleichzeitig hält die explosive Aktivität am Krater Voragine an. Immer wieder wird Asche ausgestoßen, die überwiegend nach Süden verfrachtet wird. Am Vortag hatte eine explosive Ascheemission aus der Bocca Nuova sogar kleinere pyroklastische Ströme ausgelöst, die aber auf den Gipfelbereich beschränkt blieben. Der vulkanische Tremor bleibt auf hohem Niveau und zeigt zuletzt eine langsame Zunahme. Die Aktivität im Infraschallbereich ging dagegen am 12. August zurück.

Besonders gravierend sind die Folgen für den Flugverkehr. Wegen der Aschewolke wurde der Luftraumsektor B3 erneut gesperrt. Der Flughafen Catania-Fontanarossa stellte daraufhin sämtliche Starts und Landungen ein. Die Sperrung wurde am 12. August erneut verlängert und soll nach Angaben der Betreibergesellschaft SAC nun bis zum 13. August um 16 Uhr gelten. Entscheidend ist dabei die Entwicklung der Aschewolke, die sich abhängig von Windrichtung und Eruptionsintensität jederzeit verändern kann.

Für Reisende entwickelte sich die Situation zum Verkehrschaos. Seit Beginn der aktuellen Störungen sind in Catania rund 700 Flüge ausgefallen. Mehr als 250 weitere Flüge wurden auf andere Flughäfen umgeleitet oder neu organisiert. Zahlreiche Verbindungen gingen nach Palermo, Trapani und Comiso. Allein nach Palermo wurden seit Beginn der Krise rund 190 Flüge umgeleitet, wodurch etwa 30.000 Passagiere betroffen waren.

Am Flughafen bildeten sich lange Schlangen an den Schaltern der Fluggesellschaften. Gestrandete Passagiere mussten teilweise kurzfristig auf andere Flughäfen ausweichen. Gleichzeitig waren Busse überfüllt, Mietwagen kaum verfügbar und Taxis teilweise nur zu hohen Preisen zu bekommen. Auch der Flughafen Comiso war zeitweise wegen der Asche geschlossen, konnte inzwischen jedoch wieder vollständig geöffnet werden.

Das VAAC Toulouse registrierte am 12. August eine Aschewolke bis etwa 5500 Meter Höhe und prognostizierte eine weitere Verlagerung nach Süden. Damit bleibt die Luftfahrtlage unsicher.

Hawaii: Erdbeben Mb 5,2 vor der Küste

Relativ starkes Erdbeben vor Hawaii – Kilauea wartet auf Lavafontänen der Episode 53

Ein Erdbeben der Magnitude 5,2 hat am Dienstagabend den Südosten der Insel Hawaii erschüttert. Das Beben ereignete sich um 17:48 Uhr Ortszeit und hatte sein Epizentrum 42 Kilometer südöstlich von Naʻalehu vor der Küste. Nach Angaben des US Geological Survey (USGS) lag der Erdbebenherd etwa 11 Kilometer unter dem Meeresspiegel – direkt unter dem submarinen Vulkan Kamaʻehuakanaloa, dem früheren Lōʻihi.



Hawaii

Das Beben wurde in weiten Teilen der Süd- und Ostküste von Big Island wahrgenommen. Schäden wurden nicht gemeldet, ebenso wenig die Auslösung eines Tsunamis. Bereits in den frühen Morgenstunden hatte es in derselben Region eine Serie kleinerer Erdbeben gegeben. Die stärksten Ereignisse erreichten Magnituden von weniger als 3,2.

Die Geoforscher des HVO werteten die Aktivität als Teil eines seit Sonntag, dem 9. August, andauernden Schwarmbebens unter Kamaʻehuakanaloa. Hinweise darauf, dass die Beben die beiden großen Vulkane Mauna Loa oder Kilauea beeinflussen, gibt es nach Ansicht der Forscher nicht. Dennoch gab es nach dem Erdebben zwei bemerkenswerte Ereignisse am Kilauea.

Dort herrscht derzeit eine Eruptionspause. In den Förderschloten im Halemaʻumaʻu-Krater ist weiterhin schwaches bis mäßiges Glühen zu beobachten, während sich der Vulkan auf Lavafontänen-Episode No. 53 vorbereitet. Wie schon bei den beiden Vorgängereruptionen läuft der Wiederaufladungsprozess nicht so gleichmäßig ab wie zuvor: Es wechseln sich Inflations- und Deflationsphasen ab. Das Auffällige: Die letzte Deflationsphase endete just in dem Moment des Erdbebens Mb 5,2 und wechselte zur Inflation. Das Uēkahuna-Tiltmeter registrierte innerhalb von rund zwölf Stunden mehr als zwei Mikroradiant an Inflation; zeitweise lag die Rate bei etwa drei Mikroradiant pro Tag.

Kurz nach dem Beben kam es zudem zu einem Kollaps im Bereich des Südschlotes. Danach begann der Bereich zu glühen und Gasflammen stiegen auf. Zusammen mit dem weiterhin aktiven Nordschlot und einer neuen Fissur sind damit derzeit drei glühende Öffnungen im Gipfelbereich von Halemaʻumaʻu sichtbar.

Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich Magma unter dem Gipfel sammelt. Modelle des USGS prognostizieren deshalb den Beginn der Episode 53 zwischen dem 13. und 17. August. Sollte die derzeitige Inflationsrate anhalten, könnte die nächste Phase bereits am Donnerstagnachmittag einsetzen.

Wie bei den vorherigen Episoden werden erneut spektakuläre Lavafontänen erwartet. Die einzelnen Fountaining-Phasen dauern gewöhnlich weniger als zwölf Stunden und werden von unterschiedlich langen Pausen unterbrochen. Seit Dezember 2024 eruptiert der Kilauea auf diese episodische Weise aus dem Gipfelbereich.

Totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026

Totale Sonnenfinsternis über Island: Der Mond lässt den Tag zur Nacht werden

Am Mittwoch, 12. August 2026, zieht der Mondschatten über den Nordatlantik und sorgt für ein seltenes Himmelsschauspiel: Eine totale Sonnenfinsternis wird unter anderem in Island sichtbar sein. Der schmale Streifen der Totalität beginnt im hohen Norden, überquert Grönland und den westlichen Teil Islands und zieht anschließend weiter über den Atlantik nach Spanien und einen kleinen Teil Portugals.

Sofi Archiv

Bei uns in Deutschland kommt es leider nicht zur Totalität, dennoch wird sich die Sonne – je nach Standort des Betrachters – bis zu 90% verfinstern. Bei gutem Wetter, wie es vorhergesagt ist, dürfte es trotzdem für viele Menschen ein faszinierendes Naturschauspiel sein, das man allerdings nicht ungeschützten Augen betrachten darf.

Für Island ist die Finsternis besonders interessant. Der Totalitätsstreifen verläuft über die Westfjorde, die Halbinsel Snæfellsnes sowie die Reykjanes-Halbinsel und reicht bis nach Reykjavík. In den westlichsten Bereichen der Westfjorde dauert die vollständige Bedeckung der Sonne bis zu 2 Minuten und 13 Sekunden. In Reykjavík beginnt die Totalität gegen 17:48 Uhr Ortszeit und dauert rund eine Minute. Auch Keflavík liegt im Kernschatten; dort dauert die Totalität knapp 1:40 Minuten.

Damit bietet sich entlang der Westküste eine besonders gute Gelegenheit, das Ereignis zu verfolgen – vorausgesetzt, die Wolken geben den Blick auf die Sonne frei. Gerade in Island kann das Wetter zum entscheidenden Faktor werden. Außerhalb des Totalitätsstreifens ist die Finsternis ebenfalls sichtbar, allerdings nur partiell.

Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn Mond, Erde und Sonne nahezu auf einer Linie stehen und der Mond von der Erde aus gesehen vor die Sonne tritt. Trifft der Kernschatten des Mondes die Erdoberfläche, wird die Sonnenscheibe vollständig verdeckt. Für wenige Minuten werden dabei die äußere Sonnenatmosphäre, die Korona, und helle Sterne sichtbar.

Bei der Beobachtung ist höchste Vorsicht geboten: Während der gesamten partiellen Phase darf niemals ungeschützt in die Sonne geblickt werden. Erforderlich sind geprüfte Sonnenfinsternisbrillen nach ISO 12312-2 oder geeignete Sonnenfilter. Auch Ferngläser, Teleskope und Kameras dürfen nur mit speziellen Filtern vor der Optik verwendet werden. Nur während der kurzen Totalität ist der direkte Blick ohne Schutz sicher.

Telica: Vulkan in Nicaragua stößt Vulkanasche aus

Telica in Nicaragua eruptiert erneut – Aschewolke zieht über 140 Kilometer

Der Telica im Westen Nicaraguas befindet sich weiterhin in einer Phase erhöhter eruptiver Aktivität. Am Dienstag, 11. August 2026, registrierte das Washington Volcanic Ash Advisory Center (VAAC) erneut eine Ascheemission. Satellitenaufnahmen des Wettersatelliten GOES-19 zeigten gegen 12:30 UTC eine Vulkanaschewolke über dem Krater. Sattelittenaufnahmen zeigten, dass sie weit über das Meer hinaus zog.

Telica. © VAAC Waschington

Die Asche erreichte nach Angaben des VAAC eine Höhe von bis zu Flugfläche FL055, entsprechend etwa 1.700 Metern über dem Meeresspiegel. Da der Gipfel des Telica rund 1.036 Meter hoch ist, stieg die Eruptionswolke damit ungefähr 650 Meter über den Kraterrand auf. Starke Höhenwinde verfrachteten die Asche mit 58 km/h nach Südwesten bis Westsüdwesten. Auf Satellitenbildern konnte die Aschewolke bis zu 75 nautische Meilen, also rund 140 Kilometer, vom Vulkan verfolgt werden.

Die Eruption steht im Zusammenhang mit einer seit Ende Juli anhaltenden Aktivitätsphase. Am 24. Juli war eine Explosion registriert worden, bei der eine Aschewolke etwa 150 Meter über den Gipfel aufstieg. In den folgenden Tagen kam es wiederholt zu Ascheemissionen. Ende Juli wurden dabei deutlich größere Wolken beobachtet. Das Smithsonian Global Volcanism Program wertete die Entwicklung als neue eruptive Aktivität.

Der Telica gehört zu den aktivsten Vulkanen Nicaraguas. Sein Vulkankomplex besteht aus mehreren ineinander verschachtelten Kegeln und Förderschloten. Der Gipfel wird von einem etwa 700 Meter breiten Doppelkrater geprägt. Historisch sind zahlreiche explosive Eruptionen überliefert.

Die aktuelle Aktivität beschränkt sich nach den vorliegenden Beobachtungen bislang auf Explosionen und Ascheemissionen. Hinweise auf größere Lavaströme oder pyroklastische Ströme liegen nicht vor. Aufgrund der wiederholten Explosionen bleibt der Vulkan jedoch aufmerksam zu beobachten.

Island: Schwarmbeben am 11.08.2026

Erdbebenaktivität auf dem Reykjanes-Rücken – Bodenhebung geht weiter

Am Dienstag, 11. August 2026, hat sich auf dem Reykjanes-Rücken südwestlich von Island ein moderates Erdbeben ereignet. Nach IMO-Angaben wurde um 08:40 Uhr Ortszeit ein Beben der Magnitude Mb 3,3 registriert. Das Epizentrum lag 30 Kilometer südwestlich von Reykjanestá, der südwestlichsten Spitze der Reykjanes-Halbinsel, die für ihren markanten Leuchtturm bekannt ist. Das Hypozentrum lag in ca. 10 km Tiefe.

Island. © IMO

Das Beben war Teil eines Schwarmbebens aus ca. 30 Erschütterungen. Bereits um 08:32 Uhr wurde ein Beben der Magnitude M2,3 registriert. Das IMO weist darauf hin, dass Erdbeben auf diesem Abschnitt des Reykjanes-Rückens häufig auftreten und Menschen normalerweise nicht gefährden.

Tektonisch befindet sich das Gebiet in einer besonders aktiven Zone des Mittelatlantischen Rückens. Hier driften die nordamerikanische und die eurasische Platte auseinander. Der mittelozeanische Rücken tritt im Bereich Islands an die Oberfläche und setzt sich südwestlich der Insel unter dem Atlantik fort. Die Dehnung der Erdkruste wird durch zahlreiche Störungen und Erdbeben aufgenommen. Das Reykjanes-Gebiet ist deshalb auch unabhängig von den jüngsten vulkanischen Ereignissen auf der Halbinsel seismisch aktiv.

Die aktuelle Aktivität liegt auf dem Reykjanes-Rücken und damit deutlich westlich der vulkanisch aktiven Zone bei Grindavík und der Sundhnúkur-Kraterreihe. Ein einzelnes M3,3-Beben mit anschließenden Nachbeben stellt daher zunächst keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch dar. Allerdings zeigen wiederkehrende Schwarmaktivitäten, dass sich die tektonischen Spannungen in dieser Region regelmäßig durch Serien kleiner und moderater Erdbeben abbauen.

Die Bodenhebung im Svartsengigebiet geht praktisch unverändert auf niedrigem Niveau weiter. Ob der Druckaufbau reicht, um zeitnah eine neue Eruption auszulösen, ist ungewiss. IMO-Vulkanologen halten einen Ausbruch bei Sundhnukur nach wie vor für ein wahrscheinliches Szenario.

Die meisten Islandreisenden dürften sich aktuell allerdings mehr für die Sonnenfinsternis am 12. August interessieren, wo im Westen Islands Totalität herrscht. Leider sind die Wetteraussichten für morgen Abend nicht besonders gut. Es könnten sich im äußersten Nordwesten an einigen Orten allerdings Wolkenlücken auftun.

Vulkanausbruch am Ätna: Weitere Spaltenöffnung

Ätna bleibt hochaktiv – neue Eruptionsöffnung in der Valle del Bove

Der Vulkanausbruch am Ätna auf Sizilien geht nicht nur weiter, sondern hat sich seit gestern weiter intensiviert. Neben den anhaltenden explosiven Eruptionen am Krater Voragine speist der Vulkan mehrere Lavaströme an seiner Ostflanke. In der Nacht zum Dienstag kam es zudem zur Öffnung einer neuen Eruptionsstelle im Valle del Bove. Gleichzeitig führt die Ascheentwicklung zu Einschränkungen am Flughafen Catania.



Nach Angaben des INGV öffnete sich am Montagabend gegen 21:30 UTC eine neue Eruptionsöffnung im Valle del Bove auf etwa 1900 Metern Höhe in der Nähe des Monte Simone. Damit verlagerte sich die effusive Aktivität weiter hangabwärts. Bereits zuvor waren Lavaströme aus Öffnungen auf etwa 2750 und 2360 Metern Höhe aktiv.

Lavaströme. © INGV

Bei einer Erkundung am Montagnachmittag stellten INGV-Mitarbeiter fest, dass die am weitesten vorgedrungene Lavastromfront weiterhin gut gespeist wird. Gegen 17:00 UTC hatte sie bereits die Rocca delle Palombe passiert und befand sich auf einer Höhe von etwa 1370 Metern. Das Valle del Bove (Tal des Ochsen) ist eine mehrere Kilometer große, nach Osten geöffnete Depression an der Ostflanke des Ätna, die vor etwa 9500 Jahren durch den Kollaps der Vulkanflanke entstand. Ihre steilen Hänge leiten Lavaströme bevorzugt in Richtung des unbewohnten Talbodens.

Am Gipfelkrater setzt sich die starke explosive Aktivität fort. Sie geht in erster Linie von der Voragine aus und fördert reichlich Vulkanasche, die sich vor allem über die Südflanke des Ätna verteilt. Der Ascheausstoß hält auch am heutigen Morgen an und ist via Livecam gut zu beobachten. Das VAAC Toulouse gab deshalb den Luftfahrt-Farbcode Rot aus. Die Aschewolke steigt bis in etwa 15.000 Fuß (4600 Meter) Höhe auf und driftet mit dem Wind in südliche Richtungen, was den Flugverkehr am Flughafen Catania beeinträchtigt: Die Sperrung des Luftraumsektors C1 wurde verlängert und eingehende Flüge bleiben zunächst bis 19:00 Uhr ausgesetzt bzw. werden auf andere Flughäfen Siziliens umgeleitet. Starts von der Startbahn 08 sind aber weiterhin möglich. Fluggäste wurden aufgefordert, sich vor der Anreise bei ihrer Fluggesellschaft über den aktuellen Flugstatus zu informieren.

Die geophysikalischen Messungen bestätigen die anhaltend hohe Aktivität. Das vulkanische Tremor-Signal blieb im Bereich hoher Werte. Die Tremorquellen liegen überwiegend im Bereich der Voragine beziehungsweise zwischen Voragine und Nordostkrater in 2500 bis 3000 Metern Höhe. Die Infraschallaktivität nahm zunächst ab und lag zuletzt auf mittlerem Niveau. Bei den Bodenverformungen zeigten sich keine signifikanten neuen Veränderungen. Die Neigungsmessungen bestätigen weiterhin die zuvor beobachteten Trends.

Prognosen des weiteren Eruptionsverlaufs lassen sich anhand der Messdaten nicht anstellen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass Lavastromeruptionen zuletzt bis zu 14 Tage andauerten. Frühere Lateraleruptionen im Valle del Bove konnten aber auch mehrere Monate oder sogar Jahre anhalten.

Sakurajima: Japanischer Vulkan hält Kagoshima in Atem

Sakurajima bleibt explosiv: Sechs VONA-Warnungen innerhalb von 24 Stunden

Der japanische Vulkan Sakurajima liegt im Süden der japanischen Insel Kyushu und ist weiterhin explosiv aktiv. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden löste der Vulkan sechs VONA-Warnungen für den Flugverkehr aus. Mehrere explosive Eruptionen schleuderten Vulkanasche und Gesteinsfragmente in die Atmosphäre. Dunkle Eruptionswolken zogen dabei in Richtung Kagoshima, wo mehr als eine halbe Million Menschen leben.



In den vergangenen Tagen stand der Wind ungünstig für die Metropole in rund 10 Kilometern Entfernung zum Vulkan, sodass die Eruptionswolken in Richtung Stadt geweht wurden und Ascheregen verursachten. Auch für den Flugverkehr könnten die Aschewolken, die zuletzt bis auf 2.700 m Höhe (FL090) aufgestiegen waren, problematisch sein. Allerdings wurden die Eruptionswolken in den vergangenen Tagen auch nach Süden geweht, während der Flughafen Kagoshima nördlich des Vulkans liegt.

Eine der jüngsten vom VAAC Tokio registrierten Eruptionen ereignete sich am 10. August um 20:41 UTC. Eine Aschewolke stieg bis auf etwa 2.700 Meter über dem Meeresspiegel auf und wurde vom Wind mit einer Geschwindigkeit von 9 km/h nach Westen verfrachtet. Die Aschewolke konnte sich anschließend über größere Entfernungen ausbreiten.

Auch die japanische Wetterbehörde JMA meldete in den vergangenen Tagen explosive Aktivität am Minamidake-Gipfelkrater. Demnach stieg eine Eruptionswolke sogar bis zu 3.000 Meter über den Kraterrand auf. Vulkanasche wurde in südwestlicher Richtung transportiert. Für Teile von Kagoshima wurde kurzfristig mäßiger Aschefall erwartet. Zudem bestand in einem Bereich bis etwa drei Kilometer vom Krater die Gefahr niedergehender kleiner vulkanischer Bomben.

Die Aktivität entspricht dem länger anhaltenden Muster des Sakurajima. Nach Angaben der JMA wurden zwischen dem 7. und 10. August mehrere Eruptionen registriert, die vom Gipfelkrater Minamidake ausgingen. Dabei wurden Lavabrocken ballistisch bis in die Umgebung der achten Messstation geschleudert, die sich etwa 600 Meter vom Krater entfernt befindet. Für das Gebiet um den Gipfel- und den Showa-Krater gilt weiterhin Alarmstufe 3 mit Zugangsbeschränkungen.

Auch die längerfristigen Messungen deuten auf anhaltenden Magmanachschub hin. GNSS-Daten zeigen seit Mai leichte Veränderungen bestimmter Messstrecken auf Sakurajima und eine allmähliche Ausdehnung des Untergrunds der Aira-Caldera, unter der sich ein großes Magmareservoir befindet. Gleichzeitig bleibt der Schwefeldioxidausstoß vergleichsweise hoch.

Die Daten und Beobachtungen sprechen dafür, dass die vulkanische Aktivität zunächst anhält. Neben Ascheregen stellen insbesondere ballistische Geschosse und pyroklastische Ströme Gefahren dar, die im Umfeld des Sakurajima auftreten können.