Tonga: Erdbeben und Vulkanausbruch am 18. Juni

Home-Reef-Volcano ist ausgebrochen – Starkes Erdbeben Mw 5,9 nördlich des Vulkans

Datum: 18.06.2024 | Zeit: 06:40:36 UTC | Lokation: -16.535 ; -173.831 | Tiefe: 35 km | Mw 5,9

Das Inselreich Tonga wurde heute Morgen von einem starken Erdbeben der Moment-Magnitude 5,9 erschüttert. Der Erdstoß ereignete sich im äußersten Norden des Archipels, auf der geografischen Breite von Fidschi und etwa 350 Kilometer südlich von Samoa, wo das Beben spürbar war. Dem EMSC liegt eine Wahrnehmungsmeldung von dort vor. Offiziell wurde das Epizentrum 236 Kilometer nördlich von Neiafu lokalisiert. Zum Erdbebenherd gibt es unterschiedliche Angaben: Während das EMSC die Tiefe mit 35 Kilometern angibt, wird beim GFZ eine fixe Tiefe von 10 Kilometern angegeben. Dies deutet darauf hin, dass es Unsicherheiten bezüglich der exakten Tiefe gibt, es sich jedoch um ein flach liegendes Erdbeben handelte.

Der Erdstoß ist nicht das einzige Naturphänomen, das derzeit die Menschen in Tonga beschäftigt, denn es hat auch einen neuen Vulkanausbruch gegeben. Gestern kam es am Home-Reef-Vulkan zu einer Ascheemission, und es wurde eine VONA-Warnung vom VAAC Wellington veröffentlicht. Die Höhe der Aschewolke konnte nicht bestimmt werden. Bereits seit dem 13. Juni werden thermische Anomalien detektiert, die eine moderate Wärmestrahlung mit einer Leistung von bis zu 40 MW erzeugen. Die Anomalie erstreckt sich bis zur Küste der winzigen Vulkaninsel und könnte dort einen Ocean Entry verursachen, bei dem Lava ins Meer fließt. Zuletzt gab es am Home-Reef im Oktober letzten Jahres eine mehrtägige Eruption.

Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Vulkanausbruch und dem Erdbeben gibt es nicht, doch beide Phänomene haben ihren Ursprung in den plattentektonischen Prozessen entlang des Tongagrabens. Entlang der 1250 Kilometer langen und bis zu 10.882 Meter tiefen Tiefseerinne hat sich eine Subduktionszone gebildet, die die Grenze zwischen der Australischen und Pazifischen Platte markiert. Westlich der Plattengrenze befindet sich der vulkanische Inselbogen von Tonga. Südlich des Home-Reef-Vulkans befindet sich mit dem Tofua ein weiterer Inselvulkan, der derzeit ebenfalls ausbricht. Noch ein wenig weiter südlich liegt der allseits bekannte Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai-Vulkan, der im Januar 2022 die stärkste Eruption der letzten 150 Jahre verursachte.

Campi Flegrei: Erdbeben Md 3,4 am 18.06.24

Ein weiteres spürbares Beben erschüttert den Calderavulkan Campi Flegrei bei Pozzuoli

Datum: 18.06.2024 | Zeit: 01:58:24 UTC | Lokation: 40.828 ; 14.088 | Tiefe: 3 km | Md 3,4

Heute Nacht bebte die Erde des süditalienischen Calderavulkans Campi Flegrei erneut spürbar. Der Erdstoß hatte eine Magnitude von 3,4 und zählt somit zu den stärkeren Erdstößen der Region, die viel mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch die Bevölkerung reagiert besorgt, besonders, wenn sie von den Erdbeben wachgerüttelt werden. Der Erdstoß manifestierte sich um 03:58:24 Lokalzeit. Trotz nachtschlafender Zeit gingen bei den Erdbebendiensten Wahrnehmungsmeldungen ein. Sie stammten aus einem Umkreis von ca. 5 Kilometern um das Epizentrum, das kurz an der Küste im Westen des Golfs von Pozzuoli lokalisiert wurde und sich direkt südlich des Monte Nuovo befand. Das Hypozentrum lag in 2900 Metern Tiefe.

Das Beben manifestierte sich im Bereich einer bekannten Störungszone innerhalb der Caldera und könnte somit ein tektonisches Beben infolge des veränderten Spannungsfelds durch die Bodenhebung entstanden sein. Im letzten Bulletin hieß es noch, dass die Hebungsrate des Bodens bei 2 Zentimetern im Monat liegt. Heute sollte das neue Bulletin herauskommen und es wird spannend sein zu erfahren, ob die Hebungsrate konstant geblieben ist. Ich werde diesem Artikel hier dann ein Update verpassen.

Das Erdbeben löste diesmal keinen Erdbebenschwarm aus. Allerdings gab es zwei Tage zuvor ein kleines Schwarmbeben. Ansonsten bewegte sich die Seismizität der letzten Tage auf einem normalen Niveau mit weniger als 10 Erschütterungen pro Tag. Das „normal“ bezieht sich auf die seit 2005 anhaltende Bradyseismos-Phase. Ohne diese wären an einem normalen Vulkan auch 10 Erschütterungen am Tag auffällig, und man würde sich sorgen, dass der Feuerberg langsam erwachen könnte.

Update 13 Uhr: Inzwischen ist das erwartete INGV-Bulletin für den Beobachtungszeitraum 10. -16- Juni erschienen. es beinhaltet keine großartigen Überraschungen: In der vergangenen Woche wurden 43 Erdbeben detektiert. Der Boden hob sich weiterhin mit einer Geschwindigkeit von 2 Zentimetern pro Monat. Die Geochemie zeigte keine signifikanten Veränderungen und die Fumarolentemperatur von Pisciaralli blieb bei 95 Grad. Mit weiteren Erdbebenschwärmen und auch stärkeren Einzelbeben ist jeder Zeit zu rechnen. Es ist nicht vollkommen ausgeschlossen, dass es im Bereich der Solfatara/ Pisciarelli zu phreatischen Eruptionen kommt.

Indonesien: Erdbeben Mb 5,8 in der Molukkensee

Ein Erdbeben Mb 5,8 erschüttert Region in der Molukkensee – Vulkane in der Nähe

Datum: 15.06.2024 | Zeit: 13:08:16 UTC | Lokation: 3.136 ; 127.295 | Tiefe: 65 km | Mb 5,8

Die indonesische Molukkensee wurde gestern erneut von einem relativ starken Erdbeben erschüttert. Es hatte eine Raumwellen-Magnitude von 5,8 und ein Hypozentrum in 88 Kilometern Tiefe. Diese Daten stammen vom GFZ. Das EMS ermittelte eine Magnitude von 5,6 und ein Hypozentrum in 65 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum wurde 175 km nordwestlich von Tobelo auf Halmahera verortet, aber den Talaud-Inseln zugeordnet. In diesem Archipel befindet sich der Inselvulkan Awu. Nahe Tobelo liegen die Vulkane Dukono und Ibu. Auch die Inselvulkane Karangetang und Ruang liegen in relativer Nähe zum Epizentrum. Während der Ibu in den letzten Wochen außergewöhnlich aktiv war, gibt es erste Anzeichen, dass sich am Karangetang ein neuer Ausbruch aufbauen könnte. Starke Erdbeben sind in der Lage, Vulkanausbrüche zu beeinflussen und können das Auftreten einer Eruption beschleunigen oder verzögern.

Das Erdbeben stand in Verbindung mit dem Halmahera-Graben und manifestierte sich einige Kilometer westlich dieser prägnanten Störungszone. Der Halmahera-Graben zweigt vom bekannteren Philippinen-Graben nordöstlich der Talaud-Inseln ab und knickt südlich von Halmahera in Richtung Osten ab, um in die Sorong-Blattverschiebung überzugehen. Diese verläuft durch den Norden der großen Insel Papua.

Die Inselwelt der Molukken ist wunderschön und nicht nur für Vulkanbeobachter hochinteressant, sondern vor allem bei Tauchern sehr beliebt, da es hier eine fantastische Unterwasserwelt gibt. Leider ist die Region politisch gesehen nicht sonderlich stabil: Zur Jahrtausendwende kam es zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen radikalen Christen und Muslimen. Mehr als 3000 Menschen starben. Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert. Das Auswärtige Amt ruft Reisende in dieser Region dennoch zu erhöhter Vorsicht auf, da es auch schon zu Entführungen von Touristen kam. Es wird auch vor vulkanischer Aktivität gewarnt, wobei der Ibu im Fokus der Besorgnis steht.

Pazifik: mehrere starke Erdbeben

Mehrere starke Erdbeben erschüttern antarktische Pazifikregion – Stärkstes Beben Mw 6,2

Datum: 10.06.2024 | Zeit: 09:55:50 UTC | Lokation: -53.979 ; -133.878 | Tiefe: 10 km | Mw 6,2

Der Untergrund des Pazifiks wurde gestern von einer Erdbebenserie erschüttert, deren stärkste Erschütterung eine Magnitude von 62 aufwies. Das Hypozentrum wurde in 10 Kilometern Tiefe ausgemacht. Das Epizentrum befand sich 3432 Kilometer südlich von Rikitea, einem Ort in Französisch-Polynesien. Es gab vier weitere Beben mit Magnituden im Fünferbereich.

Die Bebenserie manifestierte sich am Pacific-Antarctic-Ridge. Im Zentrum dieses 6000 Kilometer langen Mittelozeanischen Rückens verläuft ein Grabenbruch, der die Plattengrenze zwischen der Pazifischen- und Antakrtischen Platte definiert. Die kontinentale Naht ist divergent, was heißt, dass sich die beiden Platten voneinander entfernen. Erdbeben mit Magnituden über 6 sind an solchen divergenten Plattengrenzen eher selten.

Die Divergenz der Platten bewirkt, dass sich der Grabenbruch immer weiter öffnet. Durch die Naht dringt Magma nach oben, so dass neuer Ozeanboden entsteht. Wie bei vielen mittelozeanischen Rücken gibt es auch am Pacific-Antarctic-Ridge submarine Vulkane (Seamounts) und hydrothermale Quellen. Diese Quellen, auch „Schwarze Raucher“ genannt, entstehen durch das Eindringen von Meerwasser in die Erdkruste, wo es sich erhitzt und mineralreiche Flüssigkeiten an die Oberfläche zurückführt. Diese Quellen sind Ökosysteme für einzigartige Lebensformen, die ohne Sonnenlicht überleben.

Der Pacific-Antarctic-Ridge streicht grob in Nordwest-Südostrichtung und zieht sich einmal quer durch einen Großteil des Pazifiks zwischen der Nordspitze der Antartik bis zum Kermadec-Fidschi-Graben nördlich von Neuseeland. Im Bereich von Neuseeland gibt es momentan auch viele Erdbeben, die allerdings deutlich schwächere Magnituden haben, wie die Beben am Ridge. Besonders viele Erdbeben ereignen sich an der Südostküste und ganz im Norden Neuseelands. Dort liegt der Inselvulkan White Island, der seit gut 3 Wochen Anzeichen erhöhter Unruhen zeigt. Mit dem Ruapehu ist in der letzten Woche ein weiterer Vulkan Neuseelands unruhig geworden. Einen direkten Zusammenhang zwischen den Unruhen in Neuseeland und den Erdbeben am Pacific-Antarctic-Ridge gibt es aber nicht.

Campi Flegrei: Starker Erdbebenschwarm am 08.06.24

Neuer Erdbebenschwarm rockt Calderavulkan Campi Flegrei – Stärkstes Beben Mb 3,7 sogar in Neapel zu spüren gewesen

Datum: 08.06.2024 | Zeit: 02:09:03 UTC | Lokation: 40.8313 ; 14.1517 | Tiefe: 2,6 km | Mb 3,7

Der Untergrund des süditalienischen Calderavulkans Campi Flegrei kommt nicht zur Ruhe: Heute Nacht begann ein weiteres starkes Schwarmbeben, das sich bis heute Morgen um 9:30 Uhr aus mehr als 100 Einzelbeben bestand. Doch nicht nur die schiere Anzahl der Beben besorgt, sondern auch die Magnituden einiger Beben, die wieder im Dreierbereich angesiedelt waren. Der stärkste Erdstoß der Serie brachte es auf Mb 3,7 und hatte einen Erdbebenherd in 2,6 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag neben der Via Pisciarelli, unweit der bekannten Fumarole. Im direkten Umfeld der Fumarole mit ihrem brodelnden Fangopool manifestierten sich 4 Beben mit Magnituden zwischen 2,1 und 3,5, die die folgenden Plätze im Magnitudenranking des Schwarms einnahmen.

Bei der Pisciarelli-Fumarole handelt es sich um die stärkste postvulkanische Erscheinung der Caldera. Sie liegt an der Nordostbasis des Solfatarakraters und direkt am Ortsrand der Stadtteile Pisciarell/Agano, die zur Gemeinde von Pozzuoli gehören. Ich halte es für durchaus möglich, dass sich hier phreatische Explosionen ereignen könnten. Im Extremfall könnten phreatische Explosionen auch Gesteinstrümmer bis auf die benachbarte Sportanlage und sogar darüber hinaus schleudern.

Die stärksten Erdstöße konnten von den Anwohnern der Caldera Campi Flegrei gespürt werden und rissen diese teilweise aus dem Schlaf. Obwohl sich die Erdbeben zu nachtschlafender Zeit ereigneten, liegen dem EMSC mehrere Wahrnehmungsmeldungen aus einem 10 Kilometer durchmessenden Umkreis vor. Der stärkste Erdstoß wurde sogar in der Hafengegend von Neapel wahrgenommen. In einigen Berichten heißt es, dass man nahe der Epizentren ein brüllendes Geräusch gehört hat. Dieses unterschwellig wahrnehmbare Grummeln kenne ich selbst von den Erdbeben, die ich bis jetzt erlebt habe. Dieses niedrigfrequente Grummeln oder Brüllen trifft mit den ersten P-Wellen ein, kurz bevor einen die stärkeren S-Wellen erreichen, die die stärksten Erschütterungen auslösen. Man kann ein Erdbeben also Sekunden vor seinen stärksten Auswirkungen hören: Kostbare Sekunden, die einem im Falle eines starken Erdbebens vielleicht Zeit geben, Deckung zu suchen. Doch dazu muss man natürlich sofort reagieren und nicht länger auf das lauschen, was da kommt.



Aschestromcaldera Campi Flegrei und der Kampanische Ingnimbrit

Bei der Caldera Campi Flegrei handelt es sich um eine sogenannte Aschestromcaldera. Im Unterschied zu normalen Vulkanen, die einen Einbruchskessel im Gipfelbereich des Vulkanbergs haben, existierte an der Stelle der Campi Flegrei sehr wahrscheinlich niemals ein normaler Vulkanberg, obgleich es einer These nach eine  große vulkanische Vorgängerstruktur in Form eines Vulkankomplexes gegeben haben könnte. Die Calderabildung geht auf eine gigantische Eruption zurück, die sich vor 39.000 Jahren manifestierte und den Kampanischen Ingnimbrit förderte. Hierbei handelt es sich um eine enorm große Ablagerung vulkanischen Materials aus pyroklastischen Dichteströmen. Diese flossen bis zu 70 Kilometer weit und überwunden bis zu 1000 Meter hohe Gebirgsrücken des Apennins. Der Kernbereich der Ablagerungen hat einen Durchmesser von ca. 50 Kilometern. Am Rand der Campi Flegrei sind die Ablagerungen des Ignimbrits bis zu 80 Meter mächtig. Im Stadtgebiet von Neapel sind sie zwischen 50 und 40 Meter dick. Insgesamt bedeckten die Ablagerungen der pyroklastischen Dichteströme ein Gebiet von ca. 30.000 Quadratkilometern, wobei sie zum Rand hin immer dünner werden. Zum Vergleich: Das Bundesland NRW hat eine Fläche von ca. 34.000 Quadratkilometern. Man kann davon ausgehen, dass es in größerer Entfernung zur Caldera vor allem zu Ablagerungen aus Aschewolken kam, die von den pyroklastischen Strömen ausgingen, und dass nicht das gesamte Verbreitungsgebiet des Ignimbrits direkt von den pyroklastischen Strömen überrollt wurde. Sollte sich so eine Eruption heutzutage wiederholen, würde es im Großraum Neapel keine Überlebenden geben. Zugegeben, dass so eine Eruption zu unseren Lebzeiten eintritt, ist sehr unwahrscheinlich, doch die reine theoretische Möglichkeit solcher Eruptionen schürt natürlich Sorgen bei der Bevölkerung.

Campi Flegrei: Erdbeben und Evakuierungen halten an

Erdbeben in der Caldera Campi Flegrei gehen weiter – Die Evakuierungen in Pozzuoli auch

Die Erde unter der süditalienischen Caldera Campi Flegrei kommt nicht zur Ruhe und bebt weiterhin. Seit gestern wurden 29 schwache Erschütterungen registriert. Die Magnituden der meisten Beben lagen im Bereich der Mikroseismizität und spielten sich innerhalb des Hydrothermalsystems ab. Wie es weitergehen wird, ist ungewiss, denn seriöse Vorhersagen lassen sich nicht erstellen, aber es besteht weiterhin die Möglichkeit von moderaten Erdbeben, wie wir sie im letzten Monat gesehen haben. Diese Erdbeben haben ältere Häuser teilweise so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass bis jetzt 76 Gebäude in Pozzuoli evakuiert werden mussten, weil die Sicherheit nicht gewährleistet ist. Bauinspekteure sind mit ihrer Arbeit noch nicht fertig, denn praktisch jedes Gebäude der Stadt soll begutachtet werden. So ist mit weiteren Räumungsbefehlen zu rechnen, die vom Bürgermeister Gigi Manzoni unterzeichnet werden.

Die Onlinezeitung Pozzuoli News 24 berichtete darüber, dass die Eigentümer der Häuser per Verordnung dazu verpflichtet sind, die Mängel unverzüglich zu beseitigen und die Sicherheit und Bewohnbarkeit der Gebäude wiederherzustellen. Andernfalls drohen Freiheitsstrafen von bis zu 6 Monaten und Geldstrafen von bis zu 1000 Euro. Offenbar sind überwiegend Häuser von den Erdbebenschäden betroffen, die bereits zuvor im schlechten Zustand waren. Natürlich bekommt der oft betagten Bausubstanz das Auf- und Ab des Bodens auf Dauer nicht besonders gut. Bei uns im Ruhrgebiet würde man solche Schäden als Bergschäden deklarieren, für die der Kohlebergbau verantwortlich ist. Aber ganz klar: Das grundlegende Problem in Pozzuoli ist nicht menschengemacht, sondern ein Zeugnis der Erddynamik. Es stellt sich natürlich die Frage nach langfristigen Konsequenzen, denn selbst wenn die aktuelle Hebungsphase ohne Vulkanausbruch enden sollte, kommen danach eine Senkungsphase und eine neuerliche Hebungsphase. Und so sind doch einige Probleme in Pozzuoli menschengemacht, denn nach heutigem Kenntnisstand dürfte es die Stadt in dieser Form an diesem Ort nicht geben, denn schließlich weiß man heute, dass man nicht nur am größten Vulkan des europäischen Festlandes lebt, sondern in diesem Vulkan! Sollte es zu einem starken Erdbeben oder sogar zu einem Vulkanausbruch kommen, ist das Chaos vorprogrammiert: Obwohl erst vor Kurzem ein neues Gesetz erlassen wurde, das den Zivil- und Katastrophenschutz in Kampanien stärken soll, wurden viele Maßnahmen wie der Bau von Fluchtwegen noch nicht umgesetzt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann einmal zu einer Eruption in oder bei Pozzuoli kommen wird, ist groß. Da stellt sich natürlich die Sinnfrage, ob man marode Häuser unter Strafandrohung wieder renovieren sollte oder ob es nicht schlauer wäre, wenn die Kommune sie aufkauft und abreißt. Denn langfristig wären ein Rückbau und eine Verlagerung des Siedlungsgebietes schlau. Selbst wenn man die Stadt erhalten will, sollten hier nur so viele Menschen leben, wie man in kurzer Zeit entlang geschützter Wege evakuieren und woanders unterbringen kann. Zudem sollten Gebäude so ausgelegt sein, dass sie Erdbeben bis zu Magnituden von 6 standhalten können und Schutz vor Einschlag vulkanischer Bomben und Ascheniederschlag bieten. Pozzuoli könnte zu einem europäischen Vorzeigeprojekt dafür werden, wie man in einem Vulkan sicher lebt. Aber Menschen und Politiker im Speziellen denken nicht langfristig, was eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft darstellt.

Costa Rica: Erdbebenserie nahe Vulkan Arenal

Erdbebenserie in Costa Rica schürt Sorgen von einem stärkeren Erdbeben – Auch Vulkane liegen in der Nähe

Im Lateinamerikanischen Land Costa Rica wachsen gerade die Sorgen vor einem starken Erdbeben, denn seit dem 1. Juni 2024 werden im Gebiet Tierras Morenas bedeutende seismische Aktivitäten verzeichnet. Die Beben manifestieren sich etwa 10 km nordöstlich der Stadt Tilarán. Bis zum Nachmittag des 5. Juni registriert das Nationale Seismologische Netzwerk (RSN) der Universität von Costa Rica 253 Erdbeben mit Magnituden zwischen 1,9 und 4,9. Man kann also von einem starken Erdbebenschwarm sprechen, der immer noch nicht ganz vorbei zu sein scheint, denn selbst das EMSC meldete heute noch eine Erschütterung in der Region.

Die Analyse der Seismizität von Seiten der Geoforscher der Uni Costa Rica zeigt, dass der Ursprung der Erdbeben auf mehrere Abschnitte des Chiripa-Verwerfungssystems zurückzuführen ist, das durch das Gebiet des Arenal-Sees verläuft, an dessen Ostufer der bekannte Vulkan Arenal liegt. Das Verwerfungssystem erstreckt sich über etwa 30 km, und streicht überwiegend in nordwestlicher Richtung. Vom Typ her handelt es sich überwiegend um Transformstörungen. Sie durchschneiden auch den Vulkan Tenorio. Die Beben ereignen sich nahe der Südostflanke dieses Vulkans.

Die Herdmechanismen der zehn größten Erdbeben (Magnitude 3,5–4,9) entsprechen den Richtungen mehrerer Segmente des Chiripa-Systems. Diese Erdbeben weisen darauf hin, dass mindestens zwei verschiedene Verwerfungssegmente zur Seismizität beigetragen haben. Im Laufe der Tage wanderten die Beben von einem Segment zum anderen.

Das Gebiet um das Chiripa-Verwerfungssystem war Schauplatz mehrerer historischer Erdbeben. Zu ihnen zählen das Guatuso-Erdbeben von 1911 und das Tilarán-Erdbeben von 1973. Beide Erschütterungen brachten es auf eine Magnitude von 6,5. Diese Ereignisse verursachten erhebliche Schäden in vielen Gemeinden der Provinzen Alajuela und Guanacaste.

Da Erdbeben nicht vorhersehbar sind, bleibt unklar, wann und wo das nächste starke Beben in Costa Rica auftreten wird. Angesichts der hohen Seismizität des Landes ist es wichtig, sich auf solche Ereignisse vorzubereiten. Das Nationale Seismologische Netzwerk der Universität von Costa Rica wird die seismische Aktivität weiterhin beobachten.

Inwiefern die tektonischen Erdbeben die Aktivität des Vulkans Tenorio beeinflussen können, ist unklar. Spekulatius meinerseits ist, dass die Beben im Zusammenhang mit einem geänderten Spannungsverhältnis des Untergrunds stehen und sich in größerer Tiefe unter dem Tenorio magmatische Fluide bewegen könnten. Der letzte Ausbruch des Vulkans ereignete sich 1816.

Türkei: Moderates Erdbeben im Osten

Der Osten der Türkei wird von Erdbeben Mb 4,2 erschüttert – Möglicher Auftakt zu neuer Erdbebenserie

Datum: 06.06.2024 | Zeit: 10:47:49 UTC | Lokation: 38.088 ; 38.336 | Tiefe: 11 km | Mb 4,2

Heute Vormittag manifestierte sich im Osten der Türkei ein moderates Erdbeben der Magnitude 4,2. Das Hypozentrum lag in 11 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum wurde vom EMSC 29 km südlich von Malatya lokalisiert. Es folgten mehrere schwache Nachbeben mit Magnituden zwischen 1 und 2, die sich weiter nördlich ereigneten. Das Beben war kein Einzelfall, denn in dieser Region der Türkei gibt es momentan häufig Erdbeben, die sich am mittleren Segment der Ostanatolischen Verwerfung manifestieren. Dieses Segment liegt nordöstlich des Erdbebengebiets von Gaziantep, wo im vergangenen Jahr zwei Starkbeben große Schäden anrichteten und weit über 55.000 Menschen starben. Die aktuellen Erschütterungen werden keine Nachbeben der Starkbeben sein, dafür liegen sie zu weit entfernt. Vielmehr sieht es danach aus, als hätten sich große Spannungen entlang der Störung aufgebaut, und meiner Meinung nach besteht die Gefahr, dass sich hier in den nächsten Monaten oder Jahren ein weiteres starkes Erdbeben ereignen könnte. Bleibt zu hoffen, dass sich die Spannungen stattdessen weiterhin über schwächere Erdbeben abbauen werden, so wie es momentan der Fall ist.

In der Türkei bebt es nicht nur direkt an der Ostanatolischen Verwerfung, sondern auch im Bereich des Van-Sees. Die Ostanatolische Verwerfung läuft etwas westlich des Sees aus. Er liegt in einem Zwickel nahe des Kreuzungspunktes zwischen der Ostanatolischen Verwerfung, dem Nordanatolischen Pendant und dem Bitlis-Zagros-Störungsgürtel, der südlich des Van-Sees entlang zieht. Der Van-See ist im Kontext von Vnet von besonderem Interesse, da sich hier einige der prominentesten Vulkane der Türkei befinden. Zu diesen zählen der Nemrut Dağı und der Süphan Dağı. Die Erdbeben zeugen von der geologischen Aktivität der Region, bedeuten aber nicht, dass die Vulkane kurz vor einer Eruption stehen. Im Prinzip kann man entlang der gesamten Ostanatolischen Verwerfung zwischen dem Erdbebengebiet bei Malatya bis zum Van-See mit starken Erdbeben rechnen. Westlich des Sees besteht momentan ein eher geringes Starkbebenrisiko, da es dort zuletzt 2011 ein entsprechendes Beben der Magnitude 7,3 gegeben hatte.

Schweiz: Moderates Erdbeben während der Nacht

Erdbeben der Magnitude 4,1 riss viele Bewohner der Schweiz aus dem Schlaf

Datum: 04.06.2024 | Zeit: 00:34:33 UTC | Lokation: 47.187 ; 8.881 | Tiefe: 5 km | Mw 4,1

In der Schweiz ereignete sich heute Nacht ein Erdbeben der Magnitude 4,1. Der Erdbebenherd lag in nur 5 Kilometern Tiefe. Das Hypozentrum wurde vom EMSC 6 km ostsüdöstlich von Rapperswil verortet. Besser bekannt dürfte der Wägitalersee sein, der sich im Kanton Schwyz befindet.

Der als moderat einzustufende Erdstoß manifestiert sich um 2.34 Uhr Ortszeit und wurde von zahlreichen Anwohnern gespürt. Dem EMSC liegen Wahrnehmungsmeldungen aus 100 Kilometern Entfernung zum Epizentrum vor.

Der Erdbebendienst der ETH Zürich hatte zunächst eine Magnitude von 4,4 angegeben, korrigierte den Wert aber später. Beim GFZ Potsdam ist das Beben mit Mb 4,0 angegeben.

Dass es viele Schweizer aus dem Schlaf riss, dürfte auch dem flach liegenden Hypozentrum geschuldet gewesen sein. Das Beben war stark genug, um geringfügige Schäden an Häusern und Straßen zu verursachen. Es könnten sich Risse gebildet haben. Auch Steilwände können durch solche Erschütterungen destabilisiert werden. Große Bergstürze gab es in den letzten Wochen ja in anderen Erdteilen genug.

Ein ähnlich starkes Erdbeben ereignete sich in der Schweiz im Oktober 2020. Am 6. März 2017 gab es das bislang stärkste Erdbeben der Region. Es hatte eine Magnitude von 4,6.

Die Gesteine des Wägitaler Tals werden vom gleichnamigen Flysch dominiert, der zu Zeiten der obersten Kreide und des mittleren Eozäns abgelagert wurde. Hierbei handelt es sich um marine Sedimente, die bei der Orogenese der Alpen aufgeschoben, gefaltet und oft auch zerbrochen wurden. Mehrere Meter mächtige Brekzien aus zerbrochenem Gestein zeugen von den Kräften des Erdinneren. Entsprechend gibt es lokale Störungszonen, die mit der Alpenbildung assoziiert sind und sich für das Beben verantwortlich zeigen.