Venezuela: Erdbeben verschiebt Boden um 60 Zentimeter

NASA-Satellit zeigt enorme Bodenverschiebungen nach Venezuelas Erdbeben – Hinweise auf komplexen Bruchprozess

Die starken Erdbeben, die Venezuela am 24. Juni erschütterten, haben nicht nur an der Erdoberfläche verheerende Spuren hinterlassen, sondern ermöglichten auch tiefe Einblicke in die Dynamik der beteiligten Verwerfungen. Neue NASA-Auswertungen der Daten des Radarsatelliten NISAR zeigen nun, wie stark sich der Boden entlang der venezolanischen Karibikküste durch die Erdbeben verformte.



Die Katastrophe begann mit einem Erdbeben der Magnitude 7,2 vor der Küste Nordvenezuelas. Weniger als eine Minute später folgte ein noch stärkerer Erdstoß mit einer Magnitude von 7,5. Die beiden Erschütterungen trafen insbesondere die Regionen um Caracas und La Guaira schwer. Zahlreiche Hochhäuser stürzten wie Kartenhäuser ein, Verkehrswege wurden beschädigt und ganze Küstenabschnitte waren von den Folgen betroffen. Nachdem die Rettungskräfte fast zwei Wochen lang nach Überlebenden gesucht hatten, wurden die Rettungsarbeiten eingestellt. Die Zahl der bestätigten Todesopfer liegt bei fast 3.900 Menschen. Tausende weitere Personen gelten weiterhin als vermisst.

Bodendeformationen Venezuela

Die neuen NASA-Auswertungen liefern jetzt wichtige Erkenntnisse darüber, warum die Zerstörungen in einigen Gebieten besonders massiv waren. Mithilfe der InSAR-Technik verglichen Wissenschaftler Radaraufnahmen des NISAR-Satelliten vor und nach den Erdbeben. Dabei wurde sichtbar, dass sich der Untergrund großräumig verschob. Besonders auffällig sind starke horizontale Bewegungen entlang einer langgestreckten Zone zwischen der Küste und dem Landesinneren.

Die Messungen zeigen, dass sich der Boden in einigen Bereichen um bis zu 60 Zentimeter seitlich verschoben hat. Die Bewegungsmuster passen zu einer Blattverschiebung, bei der sich Gesteinsblöcke seitlich gegeneinander bewegen. Die betroffene Störung gehört zum komplexen Bruchsystem an der Grenze zwischen der Karibischen Platte im Norden und der Südamerikanischen Platte im Süden.  Die Bodenbewegungen fanden dabei überwiegend entlang des San-Sebastián-Verwerfungssystems statt.

Besonders interessant ist die Rekonstruktion des Bruchverlaufs. Nach Angaben der NASA breitete sich die Bruchzone zunächst unter dem Meer nach Osten aus und setzte sich anschließend wieder an Land nördlich von Caracas fort. Diese räumliche Ausdehnung deutet auf einen sehr komplexen Bruchprozess hin.

Die Satellitendaten beantworten allerdings noch nicht endgültig die Frage, ob es sich tatsächlich um ein klassisches Doppelbeben mit zwei getrennten Hauptbrüchen handelte oder um einen einzigen, mehrphasigen Bruchvorgang. Die kurze zeitliche Abfolge der beiden starken Erschütterungen könnte sowohl durch zwei eng benachbarte Brüche als auch durch eine stufenweise Ausbreitung eines einzigen großen Bruchs erklärt werden.

Die Auswertungen der NASA zeigen ungeachtet dieser Fragestellung eindeutig, dass zumindest das stärkere Erdbeben einen komplexen Bruch- und Verschiebungsmechanismus in Gang setzte, der das San-Sebastián-Verwerfungssystem auf mehrere Hundert Kilometer Länge mobilisierte.

Für die Wissenschaft sind die NISAR-Daten ein wichtiger Fortschritt in der Interpretation des Geschehens. Sie ermöglichen es, die unterirdischen Bewegungen nach einem schweren Erdbeben präziser zu rekonstruieren und künftig besser abzuschätzen, welche Regionen bei ähnlichen Ereignissen besonders gefährdet sind. Mir drängt sich der Vergleich mit der San-Andreas-Fault in Kalifornien auf, wo man sich seit Jahren vor ein ähnlich starkes Erdbeben fürchtet.

Island: Erdbeben am Rand des Ljósufjöll-Vulkansystems

Erdbebenschwarm unter dem Ljósufjöll-Vulkansystem auf Island hält an

Unter der Snæfellsnes-Halbinsel im Westen Islands setzt sich die seismische Aktivität im Bereich des Grjótárvatn–Háleiksvatn nördlich von Borganes fort. Innerhalb von nur zwei Tagen registrierten die Messstationen insgesamt 22 Erdbeben in der Region. Die meisten Ereignisse waren schwach und für Menschen nicht spürbar, doch die Häufung der Erschütterungen reiht sich in einen bereits länger anhaltenden Erdbebenschwarm unter dem Ljósufjöll-Vulkansystem ein.

Island. © IMO

Das stärkste dieser Beben ereignete sich am 8. Juli 2026 um 21:40 Uhr UTC. Es erreichte eine Magnitude von 2,1 und lag in einer Tiefe von 16,7 Kilometern. Das Epizentrum befand sich nördlich des Grjótárvatn-Sees und genau unter dem Háleiksvatn. Die Lage und Tiefe entsprechen dem typischen Muster der bisherigen Schwarmaktivität in diesem Gebiet, wobei es auffällig ist, dass sich die Beben in den letzten Wochen von einem Bereich südlich des Grjótárvatn hin zum nördlich gelegenen Háleiksvatn verlagerten. Auf der Shakemap sticht der Erdbebencluster oben links im Bild hervor und ist durch einen blauen Punkt mit vielen kleineren roten markiert.

Das Ljósufjöll-System gehört zu den weniger bekannten, aber geologisch bedeutenden Vulkansystemen Islands. Es erstreckt sich über die Snæfellsnes-Halbinsel und umfasst eine lange Zone mit zahlreichen Kratern und Eruptionsspalten. Die letzte größere eruptive Aktivität des Systems liegt mehrere Jahrtausende zurück, doch geophysikalische Untersuchungen zeigen, dass es als weiterhin potenziell aktiv einzustufen ist.

Die aktuelle Erdbebenserie wird von Vulkanologen mit möglichen Fluidbewegungen im tiefen Untergrund in Verbindung gebracht. Besonders auffällig sind die relativ großen Tiefen der Hypozentren von etwa 15 bis 20 Kilometern. Solche tiefen Schwärme können auf Spannungsveränderungen in der Erdkruste oder auf das Eindringen von Magma in den unteren Krustenbereich hindeuten. Ein direkter Hinweis auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch besteht derzeit jedoch nicht.

Das Ljósufjöll-System ist bekannt für wiederkehrende Phasen erhöhter Seismizität. Seit 2021 wurden dort mehrfach Schwarmbeben beobachtet, ohne dass es zu einer Eruption kam. Das IMO verfolgt die Entwicklung weiterhin genau, da eine Zunahme der Bebenstärke, eine Verlagerung der Aktivität in geringere Tiefen oder zusätzliche geophysikalische Veränderungen wichtige Hinweise auf eine mögliche Veränderung des vulkanischen Zustands liefern könnten.

Neben den Beben am Háleiksvatn kam es in den letzten 48 Stunden zu Erdbeben unter den subglazialen Vulkanen Bardarbunga und Katla sowie zu überwiegend verstreut liegenden Erschütterungen entlang der 5 Spaltensysteme auf der Reykjaneshalbinsel, mit einer Konzentration auf das Krýsuvík-System. Die Bodenhebung bei Svartsengi geht unverändert weiter.

Vulkaninsel Jan Mayen von moderatem Erdbeben erschüttert

Jan Mayen im Nordatlantik von mehreren Erdbeben erschüttert – stärkstes Beben Mb 4,7

Datum: 08.07.2026 | Zeit: 04:21:46 UTC | Koordinaten: 71.158 ; -7.173 | Tiefe: 10 km | Mb 4,7

Jan Mayen ist heute von einer Serie moderater Erdbeben erschüttert worden. Das stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von 4,7 und manifestierte sich ca. 20 km vor der Nordostküste der Vulkaninsel, die wegen des Beerenberg-Vulkans bekannt ist. Hierbei handelt es sich um den nördlichsten aktiven Vulkan Europas. Weitere Beben hatten Magnituden zwischen 2,1 und 3,5. Die Erdbebenherde befand sich überwiegend in geringer Tiefe. Das Muster spricht zunächst für tektonische Spannungsumlagerungen entlang der komplexen Plattengrenze, an der sich die nordamerikanische und die eurasische Platte voneinander entfernen. In dieser Region überlagern sich Prozesse der Meeresbodenspreizung mit dem Einfluss eines hypothetischen Hotspots, der den Vulkanismus von Jan Mayen speisen soll.

Jan Mayen. © EMSC/Leaflet

Die Insel wird vom Beerenberg dominiert, einem mächtigen, eisbedeckten Schichtvulkan, der mit einer Höhe von 2 277 Metern zugleich der höchste aktive Vulkan Norwegens ist. Sein nahezu symmetrischer Kegel erhebt sich unmittelbar aus dem Meer und prägt die Landschaft der rund 55 Kilometer langen Insel. Die jüngste bestätigte Eruption des Beerenbergs ereignete sich 1985, als Lavaströme an seiner Nordostflanke austraten. Seitdem blieb der Vulkan ruhig, wenngleich seismische Aktivität im Umfeld immer wieder auf die anhaltende Dynamik des Systems hinweist.

Die heutigen Erdbeben liefern für sich genommen noch keine Anzeichen für einen möglicherweise bevorstehenden Ausbruch und waren wahrscheinlich rein tektonischer Natur. Dennoch sind die Beben von wissenschaftlichem Interesse und können Geoforschern wichtige Hinweise auf die Prozesse im Umfeld von Jan Mayen liefern.

Die Beben heute waren nicht die einzigen. In den vergangenen Tagen hatte es bereits 4 schwache Beben gegeben, von denen eins unter der Nordspitze der Vulkaninsel lag. Eine weitere Häufung könnte ein Indiz für Magmenaufstieg sein, der Spannungsumlagerungen in der Erdkruste verursacht und langfristig betrachtet einen neuen Vulkanausbruch vorbereiten könnte. Hinweise hierauf wären neben einer Zunahme der Seismizität direkt unter dem Vulkangebäude vor allem Bodenhebungen oder Veränderungen der Gasemissionen. Für die kleine Besatzung der norwegischen Station auf Jan Mayen besteht nach derzeitigem Kenntnisstand kein Anlass zur Besorgnis.

Reykjanes-Ridge: Weitere mittelstarke Erdbeben südlich von Island

Erneute Erdbebenserie erschüttert den Reykjanes-Rücken im Nordatlantik

Datum: 07.07.2026 | Zeit: 05:55:41 UTC | Koordinaten: 59.495 ; -30.297 | Tiefe: 10 km | Mb 5,3

Innerhalb von weniger als vier Stunden hat eine ungewöhnlich dichte Serie mittelstarker Erdbeben den Reykjanes-Rücken im Nordatlantik erschüttert. Es wurden vier Beben mit Magnituden zwischen 4,4 und 5,3 registriert, die sich am 7. Juli in einem eng begrenzten Gebiet bei etwa 59,5° Nord und 30,3° West ereigneten. Die Epizentren wurden vom EMSC 636 km süd-südwestlich von Grindavík verortet. Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass sich ein Erdbebenschwarm auf der Breite der Südspitze von Grönland und auf der Länge von Island manifestierte.



Island © IMO/Leaflet

Den Auftakt bildete um 04:56 UTC ein Erdbeben der Magnitude 4,4 in 13 Kilometern Tiefe. Nur wenige Minuten später folgte ein stärkeres Beben der Magnitude 5,1. Gegen 05:55 UTC registrierten Seismologen schließlich das stärkste Ereignis der Serie mit einer Magnitude von 5,3 in rund 10 Kilometern Tiefe. Etwa zweieinhalb Stunden später erschütterte ein weiteres Beben der Magnitude 5,0 dieselbe Region.

Die nahezu identischen Epizentren und die vergleichbaren Herdtiefen sprechen dafür, dass alle vier Erschütterungen Teil eines zusammenhängenden tektonischen Prozesses sind. Der Reykjanes-Rücken bildet einen Abschnitt des Mittelatlantischen Rückens, an dem sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte jährlich um einige Zentimeter voneinander entfernen. Durch diese Dehnung entstehen regelmäßig Spannungen, die sich in Erdbeben entladen.

Da die Magnituden der einzelnen Erschütterungen vergleichsweise nah beieinander liegen, könnte es sich um einen Erdbebenschwarm oder eine fortlaufende Aktivierung mehrerer Störungssegmente handeln.

Da sich die Erdbeben auf dem offenen Ozean ereigneten, sind keine Auswirkungen auf Menschen zu erwarten. Auch die Magnituden, Herdtiefen und Bruchprozesse entlang der divergenten Störung sprechen nicht für die Entstehung eines gefährlichen Tsunamis.

Erdbeben auf Island

Die Beben wirkten sich zwar nicht auf das nördlich gelegene Island aus, doch auch dort gab es heute wieder interessante Erdbeben mit teils widersprüchlichen Daten. Bereits gestern Mittag registrierte das EMSC ein Beben Mb 4,2 im Zentralbereich des Vatnajökulls, das bei IMO jedoch mit einer Magnitude von 2,8 eingestuft wurde. Abends gab es im Bardarbunga-Gebiet ein weiteres theoretisch spürbares Beben Mb 3,0, das auch von IMO bestätigt wurde. Darüber hinaus gab es mehrere schwächere Erschütterungen in verschiedenen Arealen des Gletschers.

Auffallend viele Mikrobeben gab es im Krysuvik-System auf der Reykjanes-Halbinsel. Darüber hinaus hält die Bodenhebung im Svartsengigebiet unverändert an.

Teneriffa: Fast 500 Erdbeben auf Wochensicht

Erhöhte Erdbebenaktivität auf Teneriffa bleibt im Fokus der Vulkanüberwachung

Auf den Kanarischen Inseln ist in der vergangenen Woche erneut eine erhöhte seismische Aktivität registriert worden. Nach Angaben des kanarischen Vulkanüberwachungsprogramms GUAYOTA wurden zwischen dem 26. Juni und dem 3. Juli insgesamt 498 Erdbeben mit geringer Magnitude aufgezeichnet. Der Schwerpunkt der Aktivität lag auf Teneriffa, daneben wurden auch einige Erdbeben auf Gran Canaria, El Hierro und La Palma registriert. Die Anzahl der Erdbeben auf der Gesamtübersicht und jener der einzelnen Inseln weicht etwas voneinander ab, was auf eine nicht akkurate Datenverarbeitung bei den Vulkanologen von INVOLCAN hindeutet. Auf der Shakemap der Gesamtübersicht sind bei Gran Canaria 5 Beben eingezeichnet und auf La Palma 3. Das GUYOTA für La Palma zeigt hingegen 5 Beben an. Das stärkste Erdbeben der Woche erreichte eine Magnitude von 3,6 und ereignete sich am 30. Juni rund 50 Kilometer nordöstlich von Gran Canaria. Insgesamt wurde im Archipel eine seismische Energie von 2,73 Gigajoule freigesetzt.


Teneriffa

Auf Teneriffa registrierte das Überwachungsnetz 491 Erschütterungen. Die meisten davon waren so schwach, dass sie von der Bevölkerung nicht gespürt wurden. Das ist immer noch eine sehr hohe Anzahl, aber deutlich weniger als in der letzten Woche, als mehr als 1240 Beben festgestellt wurden. Diese waren 2 außergewöhnlich starken Schwarmbeben zu verdanken gewesen und stellten eine deutliche Aktivitätsspitze dar. Dass im aktuellen Berichtszeitraum weniger Beben auftraten, ist kein Signal einer Entschärfung der Situation. Die Lage bleibt angespannt und zeugt weiterhin von einer fortlaufenden Magmenakkumulation in 10 Kilometern Tiefe.

Neben der erhöhten Erdbebentätigkeit beobachten die Vulkanologen auf Teneriffa weiterhin vergleichsweise hohe Kohlendioxid-Emissionen sowie erhöhte Gastemperaturen. Die höchsten diffusen CO₂-Emissionen der Kanaren werden nach wie vor auf der größten Insel gemessen. Wissenschaftler führen dies auf einen seit 2016 andauernden Druckaufbau im vulkanisch-hydrothermalen System zurück. Nach Einschätzung der Experten handelt es sich dabei um einen normalen Prozess, der bei aktiven Vulkansystemen über kurze bis mittlere Zeiträume auftreten kann und derzeit keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch darstellt.

Veränderungen der Bodendeformation wurden nach offiziellen Angaben der Vulkanüberwachungsbehörde in der vergangenen Woche auf keiner der Inseln festgestellt. Auch die Vulkanampel für Teneriffa bleibt unverändert auf Grün. Damit bestehen für Einwohner und Urlauber keine Einschränkungen im Alltag. Nur die Warnampel für La Palma bleibt auf gelb.

Nach inoffiziellen Angaben ereignete sich auf Teneriffa sehr wohl eine Versteilung der Südflanke des Vulkans. GIS-Datenanalyst Martin Kelko, der auch von Volcanodiscovery bekannt ist, veröffentlichte in seinem LinkedIn-Profil ein neues INSAR-Bild von Teneriffa, diesmal mit einer Interpretation der Daten. Demnach hob sich die Südflanke des Teide innerhalb von 12 Tagen zwischen dem 11. und 23. Juni 2025 um 18 mm. Innerhalb von einem Monat also gut 45 mm. Deutlich zu viel, um es zu ignorieren!

Kanarische Inseln: Zwei spürbare Erdbeben an einem Tag

Kanarische Inseln von zwei Erdbeben mit Magnituden über 3 erschüttert – anhaltende vulkanotektonische Seismizität auf Teneriffa

Auf den Kanarischen Inseln hat die seismische Aktivität in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen. Innerhalb von weniger als 24 Stunden registrierten die seismischen Messnetze zwei Erdbeben mit Magnituden über 3. Gleichzeitig setzt sich auf Teneriffa die Serie schwacher Erschütterungen fort, die bereits seit mehreren Tagen anhält. Das wirft die Frage auf, wie sicher die bei Touristen beliebten Kanarischen Inseln im Hinblick auf Erdbeben und Vulkanausbrüche während der Urlaubszeit sind.


Kanarische Inseln. © EMSC/Leaflet

Das stärkste Erdbeben ereignete sich am 30. Juni um 01:31 UTC nordöstlich von Gran Canaria. Das Beben erreichte eine Magnitude von 3,9 und hatte ein Hypozentrum in 10 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum befand sich etwa 34 Kilometer nordöstlich von Las Palmas de Gran Canaria im Atlantik. Aufgrund seiner Stärke wurde das Erdbeben auf mehreren Inseln wahrgenommen, ohne dass bislang Schäden oder Verletzte gemeldet wurden. Beim EMSC schrieb ein Bebenzeuge, dass er zum ersten Mal in seinem Leben ein Erdbeben gespürt habe, das fünf bis sechs Sekunden dauerte.

Bereits am Vortag hatte sich ein weiteres, theoretisch spürbares Erdbeben der Magnitude 3,4 im nördlichen Bereich der Kanarenregion ereignet. Das Hypozentrum wurde ebenfalls in 10 Kilometern Tiefe lokalisiert. Das Epizentrum lag rund 230 Kilometer südwestlich von Madeira und damit deutlich nördlich des eigentlichen Inselarchipels. Solche Beben in der ozeanischen Übergangszone zwischen Madeira und den Kanaren sind zwar nicht ungewöhnlich, werden aufgrund ihrer Lage jedoch meist nicht wahrgenommen.

Während diese beiden Erdbeben wahrscheinlich rein tektonischer Natur waren und sich entlang lokaler Störungszonen ereigneten, hält auf Teneriffa die magmatisch bedingte Seismizität weiter an. In den vergangenen 48 Stunden wurden 22 Erdbeben mit Magnituden zwischen 0,9 und 1,9 registriert. Hinzu dürften zahlreiche Mikrobeben gekommen sein, die in den öffentlichen Erdbebentabellen nicht aufgeführt werden. Die meisten Erschütterungen konzentrieren sich auf den Bereich zwischen Vilaflor, Guía de Isora, La Orotava und Los Realejos im Umfeld des Teide-Vulkans, insbesondere westlich der Caldera Las Cañadas. Die Hypozentren lagen überwiegend in Tiefen zwischen 10 und 18 Kilometern.

Die örtlichen Vulkanologen stufen diese vulkanotektonische Seismizität als normal für einen als aktiv eingestuften Vulkan ein und sehen derzeit keine Anzeichen für einen unmittelbar oder mittelfristig bevorstehenden Vulkanausbruch. Durch die Ansammlung magmatischer Fluide in rund 10 Kilometern Tiefe hebt sich der Boden im Bereich des Vulkans langsam an. Erhöhte Kohlendioxid-Emissionen sprechen ebenfalls für eine tiefe Magmenakkumulation. Im ungünstigsten Fall könnte Magma von dort aus rasch aufsteigen und eine Eruption auslösen, was derzeit allerdings vergleichsweise unwahrscheinlich erscheint. Langfristig halte ich eine weitere Eruption am Teide für wahrscheinlich, wenn auch nicht zwangsläufig in naher Zukunft.

Spürbare Erdbeben und ein möglicherweise heranreifender Vulkanausbruch werfen die Frage auf:

Wie sicher sind die Kanarischen Inseln derzeit im Hinblick auf Erdbeben und Vulkanausbrüche?

Erdbeben stellen in vielen Regionen der Erde eine latente Gefahr dar und können sowohl in Gebieten mit Hotspot-Vulkanismus als auch in der Nähe von Plattengrenzen jederzeit ohne Vorwarnung auftreten. Den Kanarischen Inseln wird insgesamt ein geringes bis mäßiges Erdbebenrisiko attestiert. Das stärkste mit modernen Instrumenten registrierte Erdbeben ereignete sich 1989 nahe des Unterwasservulkans Enmedio zwischen Teneriffa und Gran Canaria und erreichte eine Magnitude von 5,2. Ein solches Beben ist deutlich spürbar und kann leichte Gebäudeschäden verursachen. Katastrophale Zerstörungen sind bei dieser Magnitude allerdings nur unter sehr ungünstigen Bedingungen zu erwarten.

Wer als Urlauber in einem stabil errichteten Gebäude übernachtet, muss sich wegen des Erdbebenrisikos auf den Kanaren keine grauen Haare wachsen lassen. Dennoch ist es sinnvoll, sich bereits bei der Ankunft über mögliche Evakuierungsrouten zu informieren. Das gilt nicht nur für den Fall eines stärkeren Erdbebens, sondern auch im Hinblick auf Tsunamis oder einen Vulkanausbruch.

Im Falle einer bevorstehenden Eruption auf Teneriffa ist damit zu rechnen, dass sich die Seismizität in den Wochen und Tagen zuvor noch weiter steigert. Kritisch wird die Situation meist dann, wenn täglich mehrere Hundert bis Tausend Erdbeben registriert werden. Als Tourist würde ich unter solchen Bedingungen keine Reise mehr nach Teneriffa buchen. Warnungen der Behörden sollten dann unbedingt ernst genommen werden.

Sollte es zu einer Eruption kommen, würde sie sich nach heutigem Kenntnisstand wahrscheinlich innerhalb der Caldera oder an der Nordwestflanke des Vulkans ereignen. Im letztgenannten Fall wäre ein überwiegend effusiver Lavaausbruch zu erwarten, vor dem man sich in der Regel rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Explosivere Ascheeruptionen könnten hingegen den Flugverkehr stark beeinträchtigen.

Dass es bereits während der diesjährigen Sommerferien zu einer Eruption kommt, ist derzeit eher unwahrscheinlich. Einen Grund, eine bereits gebuchte Reise zu stornieren, gibt es nach der aktuellen Lage nicht. Dennoch empfiehlt es sich, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und sich regelmäßig über die Einschätzungen der zuständigen Behörden und Vulkanologen zu informieren. Darüber hinaus besteht immer das Risiko unerwarteter Entwicklungen die zu einer Naturkatastrophe führen können und sich nicht vorhersagen lassen.

Venezuela: Opferzahlen der Erdbebenkatastrophe steigen

Erdbebenkatastrophe in Venezuela: Opferzahlen steigen, internationale Hilfe läuft an

Die beiden schweren Erdbeben der Magnituden 7,5 und 7,2, die Venezuela am 25. Juni erschüttert haben, lösten eine massive humanitäre Krise aus. Nach aktuellen Angaben wurden bislang mindestens 235 Todesopfer offiziell bestätigt, mehr als 4.000 Menschen erlitten Verletzungen. Zahlreiche Personen gelten weiterhin als vermisst oder verschüttet. Die tatsächliche Opferzahl dürfte noch deutlich steigen.

Caracas

Besonders betroffen sind die Regionen rund um La Guaira und die Hauptstadt Caracas, wo ganze Wohnblöcke eingestürzt sind. Selbst Krankenhäuser wurden beschädigt. Die Infrastruktur ist vielerorts zusammengebrochen und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung ist gefährdet. Touristen sollten das Land verlassen. Insgesamt wurden mindestens 250 Gebäude schwer beschädigt oder zerstört.

Die venezolanische Regierung hat unmittelbar nach den Beben den Notstand ausgerufen und steht vor großen Problemen bei der Bewältigung der Lage. Rettungskräfte arbeiten an mehreren Schauplätzen gleichzeitig, häufig unter schwierigsten Bedingungen und mit begrenzter Ausrüstung. Viele Einsatzkräfte sind überlastet und oft fehlt schweres Gerät. Viele Betroffene erhielten noch gar keine Hilfe und sind auf sich allein gestellt. So graben Nachbarn und Angehörige mit bloßen Händen nach Verschütteten. Stromausfälle und unterbrochene Kommunikationsnetze erschweren die Koordination der Einsätze zusätzlich.

Hilfsorganisationen berichten zudem, dass Venezuela bereits vor der Katastrophe strukturell geschwächt war: Zahlreiche Menschen waren auf humanitäre Unterstützung angewiesen, während das Gesundheitssystem und der Katastrophenschutz als nur eingeschränkt funktionsfähig gelten. Schuld hieran tragen u.a. jahrelange Korruption und in mafiose Strukturen der Drogenkartelle versickerten Gelder.

Ähnlich wie nach dem verheerenden Erdbeben von 2023 in der Osttürkei, kristallisiert sich auch in Venezuela zunehmend heraus, dass vielfach moderne Bauvorschriften nicht eingehalten wurden. Nach dem schweren Erdbeben ML 6,5 von 1967 hatte man eigentlich vermehrt auf erdbebensichere Bauweise setzen wollen. Doch vermutlich gab es häufig Pfusch am Bau durch abgezwackte Gelder.

Deutschland und internationale Hilfe

Deutschland gehört zu den ersten Staaten, die umfangreiche Unterstützung mobilisiert haben. Das Technische Hilfswerk (THW) entsendet rund 50 Spezialkräfte inklusive Rettungshunden in das Katastrophengebiet. Parallel bereitet die Bundeswehr mehrere A400M-Transportflugzeuge für den Einsatz vor, um Hilfsgüter und Personal in die Region zu bringen. Dazu zählen Zelte, Feldbetten, Wasseraufbereitungssysteme und Generatoren. Auch europäische Partner, die USA sowie lateinamerikanische Staaten haben umfangreiche Hilfe angekündigt.

Debatte in der Seismologie: ein Doppelbeben oder ein komplexes Einzelereignis?

Epizentrum. © GFZ

Neben der humanitären Lage wird auch die seismologische Einordnung der Ereignisse diskutiert. Offiziell werden die Beben bislang als seismisches Doublet geführt: zwei starke Erdbeben mit Magnituden von 7,2 und 7,5, die zeitlich nur etwa 35 Sekunden auseinanderlagen.

Doch einige Seismologen halten auch eine alternative Interpretation für möglich: ein komplexes Einzelbeben mit mehrphasiger Ruptur entlang derselben Störungszone. Dabei würde sich ein einziger großer Bruch entlang mehrerer Segmente einer Störung ausbreiten, wobei unterschiedliche Abschnitte zeitversetzt versagen. Diese Theorie wird in der jüngeren Vergangenheit auch gerne für andere Doppelbeben diskutiert.

Argumente für diese Hypothese sind vor allem:

  • die extrem kurze Zeitspanne zwischen den beiden Energiepulsen
  • die Tatsache, dass Großbeben ohnehin über Dutzende Sekunden ablaufen können
  • mögliche Unsicherheiten in der automatischen Katalogisierung direkt nach dem Ereignis

Gegen diese Sicht sprechen hingegen Hinweise auf räumlich getrennte Hypozentren und unterschiedliche Bruchmechanismen, die eher für zwei eigenständige Beben entlang benachbarter Störungen sprechen.

Erwähnenswert ist auch, dass das GFZ Potsdam das Epizentrum des zweiten stärkeren Bebens neu verortet hat: Dieses Beben soll sich direkt nordwestlich von Caracas ereignet haben, was die großen Schäden dort besser erklärt als die vorherige Lage in 160 Kilometern Entfernung. Die Verortung des ersten Bebens blieb hingegen unverändert. Dass zwei über 100 Kilometer voneinander entfernte Epizentren errechnet wurden, spricht gegen die neue Theorie eines komplexen Einzelbebens.

Fazit zum Erdbeben in Venezuela

Venezuela erlebt derzeit eine der schwersten Naturkatastrophen seiner jüngeren Geschichte. Während Rettungskräfte und internationale Helfer unter Hochdruck arbeiten, bleibt die Lage dynamisch und unübersichtlich. Neben der humanitären Krise steht auch die wissenschaftliche Aufarbeitung noch am Anfang – und könnte das Verständnis des Ereignisses in den kommenden Wochen entscheidend verändern.

Teneriffa: Weiterer Erdbebenschwarm am Vulkan Teide

Caldera des Vulkans Teide von weiterem Erdbebenschwarm erschüttert – mehr als 100 Beben an einem Tag

Auf Teneriffa registrieren die seismologischen Messnetze des Instituto Geográfico Nacional de España (IGN) seit den frühen Morgenstunden eine erneute Verstärkung der seismomagmatischen Aktivität unter dem Vulkan Teide. Innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 100 Erdbeben aufgezeichnet. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von Mb 2,0 und wurde von der Bevölkerung nicht wahrgenommen.

Teneriffa. © IGN

Die Epizentren konzentrieren sich überwiegend auf den westlichen Bereich der Gipfelcaldera Las Cañadas del Teide im Grenzgebiet der Gemeinden Guía de Isora und Vilaflor de Chasna. Die Hypozentren wurden in Tiefen zwischen 10 und 16 Kilometern unter dem Meeresspiegel lokalisiert. Damit ähnelt der aktuelle Schwarm den meisten Ereignissen der vergangenen Wochen. Allerdings muss klargestellt werden, dass es sich de facto um einen anhaltenden Erdbebenschwarm handelt, dessen Intensität phasenweise zunimmt. Die Aktivität geht zwischenzeitlich nie so weit zurück, dass der Schwarm als beendet betrachtet werden könnte.

Die aufgezeichneten Signale umfassen überwiegend hybride Ereignisse sowie vulkanotektonische und niederfrequente Erdbeben. Sie zeugen von der Bewegung magmatischer Fluide im tieferen Untergrund. Hervorzuheben ist dabei, dass sich die Erdbebenherde allmählich in geringere Tiefen verlagern, was als Hinweis auf aufsteigendes Magma interpretiert werden kann.

Die aktuelle Episode ähnelt laut IGN den Ereignissen der vergangenen Monate und gilt als Teil eines wiederkehrenden seismischen Musters. Die Daten werden als vorläufig eingestuft und können nach weiteren Analysen noch angepasst werden.

Trotz der erneuten Aktivität sieht das IGN derzeit kein erhöhtes kurz- oder mittelfristiges Eruptionsrisiko für die Insel. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass unter Teneriffa komplexe magmatische Systeme existieren, die regelmäßig schwache seismische Aktivität erzeugen können. Vergleichbare Schwärme wurden in der Vergangenheit wiederholt beobachtet, ohne dass es zu einem Vulkanausbruch gekommen ist.

Als jemand, der seit mehr als drei Jahrzehnten Vulkane und Erdbeben beobachtet und darüber berichtet, beunruhigt mich die öffentliche Einschätzung der IGN-Forscher mehr als die Erdbeben selbst. Die Erdbebenschwärme zeigen aus meiner Sicht recht deutlich, dass sich der Vulkan auf einen Ausbruch vorbereitet. Zwar kann niemand genau prognostizieren, ob und wann es zu einer Eruption kommen wird, doch die Erfahrung lehrt, dass die Situation ausgehend vom aktuellen Stadium der Magmenakkumulation in etwa zehn Kilometern Tiefe innerhalb weniger Tage eskalieren könnte. Zwar sind die wiederkehrenden Erdbebenschwärme noch keine Anzeichen final aufsteigenden Magmas, aber es sind klar Prozesse in Vorbereitung einer Eruption. Wahrscheinlich wird sich der finale Magmenaufstieg durch eine signifikante Steigerung der Erdbebenaktivität hin zu mehreren Tausend Beben am Tag ankündigen. Dann steht ein Vulkanausbruch unmittelbar bevor.

Die Einschätzung der Vulkanologen hinsichtlich eines kurzfristigen Zeitraums von wenigen Stunden oder Tagen teile ich grundsätzlich. Betrachtet man jedoch mittelfristige Zeiträume von mehreren Tagen bis Wochen, ergibt sich bereits ein anderes Bild. Auf Sicht von Monaten oder Jahren halte ich eine Eruption des Teide sogar für sehr wahrscheinlich.

Campi Flegrei: Erdbeben Md 3,6 am 25. Juni 2026

Der Monte Nuovo und Pozzuoli

Deutlich spürbares Erdbeben der Magnitude 3,6 weckt Bevölkerung der Campi Flegrei in der Nacht

Ein Erdbeben der Magnitude Md 3,6 hat in den frühen Morgenstunden des 25. Juni die Bewohner der Phlegräischen Felder westlich von Neapel aus dem Schlaf gerissen. Nach Angaben des Vesuvianischen Observatoriums ereignete sich der Erdstoß um 04:17 Uhr Ortszeit im Bereich von Arco Felice nahe der Via Miliscola am Südhang des Monte Nuovo. Das Hypozentrum lag in einer Tiefe von 2,6 Kilometern, wodurch die Erschütterungen in der Umgebung deutlich wahrgenommen wurden.

Lage des Epizentrums

Das Beben war mit Abstand das stärkste Ereignis einer seismischen Sequenz aus 11 Beben, die sich über die Nacht und den Morgen erstreckte. Bereits wenige Minuten nach dem Hauptbeben registrierten die Messstationen mehrere Nachbeben. Um 04:18 Uhr folgte ein Ereignis der Magnitude 1,3, kurz darauf ein weiterer schwacher Erdstoß. Auch in den Stunden danach blieb die Aktivität erhöht. Die meisten verorteten Beben erreichten Magnituden zwischen 0,0 und 1,3 und lagen in Tiefen von weniger als zwei Kilometern.

Die Epizentren konzentrierten sich auf den zentralen Bereich der Campi Flegrei, insbesondere um die beiden jüngsten Vulkankegel der Phlegräischen Felder, den Monte Nuovo und das Solfatara-Gebiet. Diese Verteilung entspricht dem Muster der anhaltenden Bodenhebungsphase, bei der Hebungen des Untergrunds und magmatisch bedingte Spannungsänderungen in der Erdkruste zu ständigen Erdbeben führen.

Der Bürgermeister von Pozzuoli informierte die Bevölkerung unmittelbar nach dem Beben. Nach ersten Einschätzungen wurden keine größeren Schäden gemeldet. Aufgrund der geringen Herdtiefe war der Erdstoß aber von zahlreichen Bewohnern deutlich gespürt worden und hatte vereinzelt Besorgnis ausgelöst.

In den letzten Tagen kommt es zu einer Häufung von Erdbeben im Dreierbereich. Nach den stärkeren Beben mit Magnituden ab 4 rufen diese Beben nur geringes mediales Interesse hervor. Vor wenigen Jahren, bevor es Erdbeben mit Magnituden im Viererbereich gab, sah das noch ganz anders aus. Tatsächlich zeigen auch die schwächeren Beben deutlich, dass der Druckanstieg im Hydrothermalsystem des Vulkans weiter zunimmt und es jederzeit zu schadenverursachenden Erdbeben kommen könnte.