Peru: Mindestens 5 Tote durch Erdbeben Mw 5,5

Erdbeben der Magnitude 5,5 erschüttert Peru – Tote und Schäden in der Region Junín

Datum: 19.07.2026 | Zeit: 02:24:36 UTC | Koordinaten: -12.052 ; -75.287 | Tiefe: 5 km | Mw 5,5

Ein moderates bis starkes Erdbeben hat in der Nacht zum 19. Juli 2026 die zentralperuanische Andenregion Junín erschüttert. Nach Angaben des EMSC erreichte der Erdstoß eine Magnitude von 5,5. Die Erschütterung ereignete sich um 02:24:36 UTC, entsprechend 21:24 Uhr Ortszeit am 18. Juli. Das Epizentrum befand sich im Gebiet Central Peru, etwa 9 Kilometer westlich von Huancayo, einer Stadt mit rund 376.000 Einwohnern, und etwa 190 Kilometer östlich der Hauptstadt Lima.  Die Herdtiefe wurde mit 10 Kilometern angegeben, wodurch die Erdbebenenergie relativ oberflächennah freigesetzt wurde und starke Bodenbewegungen verursachen konnte.



Peru. © EMSC/Leaflet

Die Folgen des Bebens waren stärker, als man anhand der moderaten Magnitude vermuten würde. Besonders betroffen waren die ländlichen Gemeinden im Umfeld von Huancayo und Chupaca, darunter der Bezirk Chongos Bajo mit dem Ortsteil Pumpunya. Medienberichten zufolge kamen mindestens fünf Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Mehrere Gebäude hielten den Erschütterungen nicht stand und stürzten teilweise ein oder erlitten schwere Schäden. Bilder dokumentierten, dass unter den beschädigten Gebäuden auch eine Kirche ist. Besonders anfällig waren traditionelle Häuser aus Lehmziegeln und Mauerwerk, die in vielen Andendörfern noch weit verbreitet sind. Zudem wurden Straßen durch herabstürzende Felsen und kleinere Hangrutsche beeinträchtigt.

Die Angst vor Nachbeben führte dazu, dass viele Bewohner ihre Häuser verließen und die Nacht im Freien verbrachten. Wegen der niedrigen Temperaturen in der hoch gelegenen Andenregion errichteten Familien provisorische Lager und machten Lagerfeuer, um sich warmzuhalten. Rettungskräfte und Behörden begannen mit der Erfassung der Schäden und warnten davor, instabile Gebäude zu betreten.

Tektonisch liegt Junín in einer der aktivsten Erdbebenzonen der Erde. Peru befindet sich am Pazifischen Feuerring, wo die ozeanische Nazca-Platte mit hoher Geschwindigkeit unter die kontinentale Südamerikanische Platte abtaucht. Diese Subduktion ist die Ursache für die gewaltige Gebirgsbildung der Anden und häufig auch für die Erdbeben des Landes. Der aktuelle Erdstoß stand aber nur indirekt mit dieser Subduktionszone in Verbindung, denn er manifestierte sich an einer lokalen Störungszone des Westlichen-Anden-Überschiebungssystems (West Andean Thrust System) am Rand der Anden.

Mexiko: Starkes Erdbeben Mw 7,3 vor der Küste

Starkes Erdbeben Mw 7,3 erschüttert Mexikos Pazifikküste – Tsunamiwarnung, Vulkane werden beobachtet

Datum: 17.07.2026 | Zeit: 14:48:41 UTC | Koordinaten: 14.687 ; -92.859 | Tiefe: 25 km | Mw 7,3

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 7,3 hat die Pazifikküste des mexikanischen Bundesstaates Chiapas erschüttert. Das Epizentrum lag vor der Küste nahe der Grenze zu Guatemala im Bereich des Mittelamerikagrabens. Dort taucht die Cocos-Platte unter die Nordamerikanische Platte ab. Das Beben ereignete sich in mittlerer Tiefe und war in weiten Teilen Südmexikos sowie in Guatemala und El Salvador deutlich zu spüren. Obwohl die Erschütterungen vielerorts Panik auslösten und Gebäude vorsorglich evakuiert wurden, blieben größere Schäden nach ersten Berichten aus. Vorsorglich wurde Tsunami-Alarm gegeben.

Mexiko. © EMSC/Leaflet

Das Epizentrum wurde vom EMSC 47 km west-südwestlich von Puerto Madero in Mexiko verortet. Die Herdtiefe befand sich in 25 Kilometern, was zwar eine mittlere Tiefe ist, aber eigentlich zu tief für ein großes Tsunamirisiko. Dennoch wurden Wellen bis zu 1 m Höhe für möglich gehalten. Die Warnung wurde inzwischen aufgehoben.

Auf das Hauptbeben folgte eine intensive Nachbebenserie. Innerhalb von nur drei Stunden registrierten die Seismometer mindestens acht mittelstarke bis starke Nachbeben. Bereits 30 Minuten nach dem Hauptstoß ereignete sich ein Nachbeben der Magnitude 6,0 in 10 Kilometern Tiefe, gefolgt von mehreren Erschütterungen über Magnitude 5. Die räumliche Konzentration der Beben auf ein relativ kleines Gebiet vor der Küste spricht dafür, dass sich entlang derselben Bruchzone weitere Spannungen abbauen. In den kommenden Tagen und Wochen ist mit weiteren Nachbeben zu rechnen.

Tektonisch ist die Erdbebenserie typisch für die aktive Subduktionszone vor Südmexiko. Die ozeanische Cocos-Platte bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa sieben bis acht Zentimetern pro Jahr unter die Nordamerikanische Platte. Dabei bauen sich enorme Spannungen auf, die sich schließlich in Form von Erdbeben entladen. Gleichzeitig speist die Subduktion den mittelamerikanischen Vulkanbogen, zu dem zahlreiche aktive Vulkane gehören, von denen mehrere im Wirkungskreis des Bebens liegen.

Dem Epizentrum am nächsten liegt der Vulkan Tacaná, dessen Gipfel ca. 90 Kilometer nordöstlich des Epizentrums aufragt. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten bereits nach dem großen Chiapas-Erdbeben von 2017, dass  sich die Erschütterungen auf die Seismizität des Vulkans auswirkten und ihrerseits vulkanotektonische Beben am Vulkan triggerten, allerdings blieb eine Eruption aus.

Auch der etwa 175 Kilometer entfernte Santiaguito in Guatemala dürfte besonders aufmerksam überwacht werden. Der Lavadom gehört zu den aktivsten Vulkanen Mittelamerikas und befindet sich in einer kontinuierlichen Eruptionsphase. Ob sich das aktuelle Erdbeben tatsächlich auf die vulkanische Aktivität auswirkt, werden die Messdaten der kommenden Tage zeigen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand gibt es jedoch keine Hinweise auf bevorstehende neue Vulkanausbrüche.

Neuseeland: Erdbebenserie erschütterte die Südinsel

Erdbebenserie erschüttert den Süden der neuseeländischen Südinsel – Stärkstes Beben Mw 5,9

Datum: 16.07.2026 | Zeit: 09:14:54 UTC | Koordinaten: -45.025 ; 167.665 | Tiefe: 68 km | Mw 5,9

Eine Serie von Erdbeben hat am Donnerstagmorgen den äußersten Süden der neuseeländischen Südinsel erschüttert. Die stärkste Erschütterung erreichte eine Magnitude von 5,9 und ereignete sich um 09:14 UTC in ca. 68 Kilometern Tiefe. Innerhalb der folgenden 30 Minuten registrierten die seismischen Netzwerke mindestens sieben weitere Nachbeben mit Magnituden zwischen 3,2 und 4,1. Die Epizentren lagen dicht beieinander westlich der Region Fiordland und wurden vom EMSC 38 km nord-nordwestlich von Te Anau verortet. Die Daten sind als vorläufig anzusehen und könnten korrigiert werden.

Update: Die Werte wurden korrigiert und hier ergänzt. Zuerst wurde ein Beben Mb 5,6 gemeldet. Zudem wurde vorsorglich Tsunamialarm gegeben.

Neuseeland. © EMSC/Leaflet

Das EMSC erhielt zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen von Bebenzeugen. Die meisten beschrieben das Hauptbeben als deutlich spürbar, aber vergleichsweise sanft. Häufig wurde von einem kurzen Ruck mit anschließendem rollenden Schütteln von bis zu 15 Sekunden Dauer berichtet. In Orten im Süden der Südinsel schwankten Möbel und Lampen, vereinzelt fielen kleinere Gegenstände um. Schäden wurden zunächst nicht bekannt. Die Intensität der Erschütterungen nahm mit der Entfernung vom Epizentrum schnell ab.

Tektonisch sind die Erdbeben Teil der äußerst aktiven Plattengrenze zwischen der Australischen und der Pazifischen Platte. Im Bereich von Fiordland geht die überwiegend seitliche Bewegung entlang der Alpine Fault weiter nördlich in die Puysegur-Subduktionszone über. Dort taucht die Australische Platte unter die Pazifische Platte ab. Dieser Übergangsbereich gehört zu den seismisch aktivsten Regionen Neuseelands und erzeugt regelmäßig mittelstarke bis starke Erdbeben. Die Herdtiefe des Hauptbebens von 60 Kilometern spricht dafür, dass der Bruch innerhalb der absinkenden Platte stattfand.

Die Nachbeben sind ein typisches Merkmal solcher Ereignisse. Sie entstehen, weil sich das Spannungsfeld in der Erdkruste nach dem Hauptstoß neu verteilt. Dass mehrere Erschütterungen innerhalb kurzer Zeit auftraten, deutet daher nicht zwangsläufig auf eine weitere Eskalation hin, sondern entspricht dem üblichen Verlauf einer Nachbebenserie.

Neuseeland liegt auf dem Pazifischen Feuerring und zählt weltweit zu den Regionen mit der höchsten seismischen Aktivität. Der Vulkanismus Neuseelands konzentriert sich allerdings auf die Nordinsel und es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Erdbeben im Süden und den Vulkanen im Norden. Dort ist in den letzten Monaten vor allem der Whakaari auf White Island aktiv gewesen und emittiert viel Gas mit gelegentlichem Ascheinhalt. Der Alarmstatus steht auf 2.

Philippinen: Erdbeben Mw 6,2 löste Tsunamialarm aus

Starkes Erdbeben erschütterte erneut den Süden der Philippinen – Kurzzeitig Tsunamialarm ausgerufen

Datum: 14.07.2026 | Zeit: 15:49:41 UTC | Koordinaten: 5.362 ; 125.200 | Tiefe: 55 km | Mw 6,2

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,2 hat am späten Dienstagabend die Küstenregion südlich der philippinischen Insel Mindanao erschüttert. Das Hypozentrum lag nach Angaben des EMSC in 55 Kilometern Tiefe, etwa 84 Kilometer südöstlich von General Santos. Das philippinische Institut DOST-PHIVOLCS bestimmte eine Magnitude von 6,3 bei einer Herdtiefe von 33 Kilometern und lokalisierte das Epizentrum vor der Küste von Davao Occidental.

Philippinen. © EMSC/Leaflet

Das Beben ereignete sich um 23:49 Uhr Ortszeit und war in weiten Teilen des südlichen Mindanao deutlich zu spüren. Vorsorglich veröffentlichte DOST-PHIVOLCS unmittelbar nach dem Ereignis eine Tsunami-Warnung für die Küstengebiete der Provinzen Sarangani und Davao Occidental sowie für die Stadt General Santos. Die Behörden warnten vor möglichen geringfügigen Meeresspiegelschwankungen und empfahlen Anwohnern in Küstennähe erhöhte Aufmerksamkeit. Während einer dreistündigen Beobachtungsphase überwachten Pegelmessstationen die Entwicklung des Meeresspiegels. Da weder Messstationen noch Augenzeugen ungewöhnliche Wellen registrierten, wurde die Warnung kurz nach Mitternacht (Ortszeit) wieder aufgehoben.

Nach ersten Berichten liefen zahlreiche Menschen aus Gebäuden ins Freie. Vereinzelt wurden herabgefallene Gegenstände und kleinere Gebäudeschäden gemeldet. Größere Zerstörungen oder Todesopfer wurden nicht bekannt. Aufgrund der Magnitude rechnen Seismologen mit weiteren Nachbeben.

Die Region war bereits vor wenigen Wochen von einer schweren Erdbebenkatastrophe heimgeuscht worden. Am 8. Juni 2026 ereignete sich nahezu am selben Abschnitt der Plattengrenze ein Erdbeben der Magnitude 7,8. Dabei kamen mindestens 35 Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt, Gebäude stürzten ein und Erdrutsche richteten schwere Schäden an. General Santos wurde besonders stark getroffen. Das Hauptbeben löste zudem einen kleinen Tsunami aus und zog eine intensive Nachbebensequenz nach sich. PHIVOLCS registrierte bereits unmittelbar nach dem Hauptbeben zahlreiche Nachbeben, die sich über Wochen fortsetzten. Auch in den Tagen vor dem jetzigen Erdbeben war die Region weiterhin seismisch aktiv, sodass sich das aktuelle Ereignis in eine anhaltende Erdbebenserie einfügt.

Tektonisch gehört Süd-Mindanao zu den aktivsten Erdbebengebieten der Erde. Hier treffen die Philippinische Seeplatte, die Sunda-Platte und mehrere Mikroplatten aufeinander. Entlang des Mindanao-Grabens und der Cotabato-Subduktionszone wird ozeanische Kruste in den Erdmantel geschoben. Die dabei entstehenden Spannungen entladen sich regelmäßig in starken Erdbeben. Die vergleichsweise große Herdtiefe des aktuellen Bebens deutet darauf hin, dass der Bruch innerhalb der bereits abtauchenden ozeanischen Platte stattfand. Solche intermediären Erdbeben sind oft über große Entfernungen spürbar, verursachen an der Oberfläche jedoch meist geringere Schäden als flachere Ereignisse vergleichbarer Magnitude.

Vulkane im Wirkungskreis der Erdbeben

Die Philippinen und das angrenzende Indonesien sind Teil des Pazifischen Feuerrings und als solche nicht nur von Erdbeben betroffen, sondern auch von Vulkanausbrüchen. Auf den Philippinen sind aktuell Bulusan, Kanlaon, Mayon und Taal aktiv bzw. stehen unter besonderer Beobachtung der Vulkanologen. Im Norden Indonesiens machen gerade Awu und Karangetang von sich reden, aber auch Dukono und Ibu. Diese Vulkane liegen im Wirkungskreis der starken Erdbeben in Südmindanao und könnten entsprechend auf die Erschütterungen reagieren.

Papau Neuguinea: Starkes Erdbeben nahe Titan Ridge Vulkan

Starkes Erdbeben nahe dem Titan-Ridge-Vulkan in der Bismarcksee vor Papua-Neuguinea

Datum: 13.07.2026 | Zeit: 08:53:26 UTC | Koordinaten: -3.248 ; 148.559 | Tiefe: 0 km | Mw 6,4

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,4 hat am Montag die Bismarcksee vor der Nordküste Papua-Neuguineas erschüttert. Das Hypozentrum wurde mit einer Tiefe von 0 Kilometern angegeben und lag damit theoretisch auf Höhe des Meeresbodens beziehungsweise unmittelbar darunter. Das Epizentrum wurde 197 Kilometer ostsüdöstlich von Lorengau auf den Admiralitätsinseln lokalisiert. Trotz der beachtlichen Magnitude wurden zunächst weder Schäden noch ein Tsunami gemeldet.

Papua Neuguinea. © EMSC/Leaflet

Das Epizentrum liegt in der Nähe des Titan Ridge, eines submarinen Vulkans, der im Mai dieses Jahres durch einen Ausbruch auf sich aufmerksam machte. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Erdbeben und einer erneuten vulkanischen Aktivität lässt sich derzeit zwar nicht nachweisen, dennoch besteht die Möglichkeit, dass der Vulkan reaktiviert wird, sofern sich noch genügend Magma im Untergrund befindet. Denkbar wäre auch ein Zusammenhang mit einer Calderabildung, doch dafür gibt es bislang keine Anhaltspunkte. Wahrscheinlicher ist ein tektonischer Ursprung des Bebens, da es sich unmittelbar an der Plattengrenze zwischen der Nördlichen und der Südlichen Bismarckplatte ereignete.

Die Bismarcksee zählt zu den tektonisch aktivsten Regionen der Erde. Hier treffen die Pazifische Platte, die Süd-Bismarck-Platte sowie mehrere kleinere Mikroplatten aufeinander. Entlang zahlreicher Transformstörungen und Spreizungszonen wird die Erdkruste gedehnt und seitlich verschoben. Diese komplexe Plattentektonik führt regelmäßig zu starken Erdbeben und begünstigt zugleich intensiven Vulkanismus. Der Titan Ridge liegt in einem Bereich, in dem sich neue ozeanische Kruste bildet und Magma vergleichsweise leicht aufsteigen kann.

Die mit 0 Kilometern angegebene Herdtiefe deutet auf ein äußerst oberflächennahes Ereignis hin. Solche Angaben können bei Erdbeben unter dem Meer jedoch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sein, da die nächstgelegenen Seismometer oft weit entfernt sind und die Lokalisierung dadurch erschwert wird. Flache Erdbeben verursachen häufig besonders starke Erschütterungen und stehen meist mit Brüchen in der oberen Erdkruste in Verbindung.

Ob das Erdbeben Auswirkungen auf das hydrothermale System oder die magmatischen Prozesse unter dem Titan Ridge hat, wird sich erst anhand weiterer seismischer Daten und geophysikalischer Untersuchungen zeigen. Auf aktuellen Satellitenaufnahmen sind weiterhin kleinräumige Wasserverfärbungen im Bereich des submarinen Vulkans zu erkennen. Während seiner eruptiven Hochphase hatte der Titan Ridge gewaltige Mengen Bimsstein ausgestoßen, deren schwimmende Felder in der umliegenden Inselwelt teilweise noch immer Probleme für die Schifffahrt und die Küsten verursachen.

Interessent ist, dass heute ein anderer Vulkan in PNG aktiv geworden ist: Der Bagan auf der Insel Bougainville stößt kleine Aschewolken aus, die laut VAAC Darwin bis auf 2700 m Höhe aufsteigen.

Karibik: Schlammvulkan und Küstenhebungen als Erdbebenfolge

Neuer Schlammvulkan an der Küste von Trinidad: Erdbeben in Venezuela verändern die Küstenregion der Karibik

Vor der Küste von Trinidad und Tobago hat sich nach den schweren Erdbeben im Nordosten Venezuelas ein ungewöhnliches geologisches Phänomen ereignet: Kurz vor der Küste bildete sich ein neuer Schlammvulkan und schuf eine kleine temporäre Sedimentinsel. Das Ereignis lenkt den Blick auf die außergewöhnlich aktive tektonische Zone im südlichen Karibikraum, wo Erdbeben, Schlammvulkane und aktive Vulkangebiete eng miteinander verbunden sind.


Schlammvulkaninsel

Trinidad und Tobago liegt am südöstlichen Rand der Karibik, unmittelbar vor der Küste Venezuelas. Die beiden Inseln befinden sich am Übergangsbereich zwischen der Karibischen Platte und der nach Osten beziehungsweise Süden driftenden Südamerikanischen Platte. Besonders der Bereich vor der venezolanischen Küste ist von komplexen Störungszonen geprägt, an denen sich seit Äonen Spannungen aufbauen und durch Erdbeben abbauen.

Am 24. Juni erschütterten zwei starke Erdbeben den Nordosten Venezuelas. Die Erdstöße wurden auch auf Trinidad deutlich wahrgenommen und könnten weitreichende Folgen für die instabilen Sedimentstrukturen vor der Küste gehabt haben. Wenige Tage später entdeckten Geologen und lokale Beobachter vor der Region Palo Seco und Galfa Point eine neue Schlammextrusion kurz vor dem Strand. Das austretende Material bestand überwiegend aus weichen Tonen, Wasser, Gasen und Sedimenten, die aus tieferen Schichten nach oben gepresst wurden. Das Phänomen bildete sich ca. 3 Kilometer von früheren Schlammvulkanbildungen entfernt.

Anders als ein klassischer Vulkan fördert ein Schlammvulkan kein Magma und keine Lava. Er entsteht, wenn unterirdischer Druck in Sedimentbecken zunimmt und Wasser, Gase und feinkörniges Material entlang von Schwächezonen aufsteigen. Starke Erdbeben können solche Systeme destabilisieren, indem sie den Porendruck im Untergrund verändern und bereits gespannte Strukturen aktivieren.

Die neu entstandene Schlamminsel erhebt sich mehrere Meter über den Meeresboden und gut 2 bis 3 Meter über dem Meeresspiegel. Die keine Insel ist aber dem Untergang geweiht, denn die Erosion der Wellen hat bereits gut ein Drittel des Eilandes abgetragen; ein äußerst vergängliches Naturphänomen.

Zeitgleich sorgten Berichte über mögliche Bodenhebungen an der Küste Trinidads für Aufmerksamkeit in der Fachwelt. Lokale Beobachter sprechen von deutlichen Veränderungen im Küstenbereich, teilweise wurden Höhenänderungen von bis zu 6 Metern genannt, die bis jetzt aber nicht von wissenschaftlichen Quellen belegt wurden. Wissenschaftlich erwiesen ist hingegen ein horizontaler Versatz der Gesteinsblöcke entlang der San-Sebastián-Blattverschiebung von 60 Zentimetern infolge der starken Erdbeben.

Der Süden der Karibik ist generell von intensiver geologischer Aktivität geprägt. Weiter nördlich erstreckt sich der Vulkanbogen der Kleinen Antillen, der durch die Subduktion des ozeanischen Teils der Platten von Nord- und Südamerika unter die Karibische Platte entsteht. Zu dieser Vulkankette gehören bekannte Feuerberge wie Soufrière Hills, La Soufrière und Mount Pelée. Diese Vulkane entstehen durch einen völlig anderen Prozess als die Schlammvulkane Trinidads, zeigen aber ebenfalls die außergewöhnliche Dynamik der Karibikregion.

Der neue Schlammvulkan vor Trinidad ist also kein klassischer Vulkanausbruch, sondern ein seltenes Beispiel dafür, wie Erdbeben die Landschaft auch weit entfernt vom eigentlichen Epizentrum kurzfristig verändern können.

Island: Erdbeben bei Reykjanesta und Katla

Moderate Erdbebenaktivität auf Island – Kleine Schwärme unter der Katla und bei Reykjanestá, Fluktuationen der Bodenhebung bei Svartsengi

Die Erdbebenaktivität auf Island ist derzeit moderat: Innerhalb der vergangenen zwei Tage wurden 94 Erschütterungen registriert. Die meisten Beben konzentrierten sich auf einen kleinen Erdbebenschwarm vor der Westspitze der Reykjanes-Halbinsel. Aber auch unter der Katla sowie im Norden an der Tjörnes Fracture Zone kam es zu einer erhöhten seismischen Aktivität.



Island

Besonders hervorzuheben ist ein kleiner Erdbebenschwarm unter der Katla und dem den Vulkan bedeckenden Gletscher Mýrdalsjökull, wo sich ein halbes Dutzend schwacher Erschütterungen ereignete. Seit einigen Monaten kommt die Seismizität dort nicht mehr vollständig zur Ruhe, sodass man inzwischen von einem lang anhaltenden Erdbebenschwarm sprechen kann. Die Aktivität wird aller Wahrscheinlichkeit nach von magmatischen Fluiden ausgelöst, die entlang von Störungszonen aufsteigen und diese zum Beben anregen.

Markant war zudem ein Erdbebenschwarm mit 22 Erschütterungen, der sich bereits in der Freitagnacht vor der Westspitze der Reykjanes-Halbinsel ereignete. Die Beben konzentrierten sich vor der Küste bei Reykjanestá mit seinem markanten Leuchtturm. Das stärkste Erdbeben erreichte eine Magnitude von 2,2 und hatte eine Herdtiefe von zehn Kilometern. Hier trifft das Reykjanes-Störungssystem auf das Festland. Die Erschütterungen könnten entweder durch anhaltende Riftingprozesse verursacht worden sein oder eine Reaktion auf die fortgesetzte Magmenakkumulation im Bereich von Svartsengi darstellen.


Interessanterweise gibt es im Gebiet der Bodenhebung selbst kaum Erdbeben. Es wirkt beinahe so, als würde das Svartsengi-Spaltensystem von der Seismizität ausgespart, während sowohl westlich als auch östlich davon regelmäßig Erschütterungen auftreten. Östlich davon ist insbesondere das Krýsuvík-System zu nennen, an dem sich täglich mehrere Erdbeben ereignen. Eine nennenswerte Bodendeformation lässt sich dort jedoch derzeit nicht erkennen.

Bodenhebung

Anders verhält es sich im weitgehend erdbebenarmen Svartsengi-System. Dort gibt es zwar nur wenige Erschütterungen, dafür hält die Bodenhebung inzwischen seit fast einem Jahr an. Die aktuellen Messwerte spielen allerdings ein wenig Achterbahn: Nach einem kurzen, aber raschen Anstieg fallen die Messpunkte derzeit wieder ab. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um Messartefakte, wie sie bereits mehrfach beobachtet wurden. Das Muster ähnelt allerdings auch jenem, das in den Stunden vor früheren Eruptionen registriert wurde. Da bislang jedoch keine Meldungen über abrupte Änderungen der Druck- und Temperaturwerte aus den Messinstrumenten in den Geothermiebohrungen des Kraftwerks veröffentlicht wurden, sind Messfehler derzeit die plausibelste Erklärung für die beobachteten Schwankungen.

Polen: Deutlich spürbares Erdbeben erschütterte Niederschlesien

Bergbaubedingte Erdbeben erschüttern Niederschlesien in Polen nahe der deutschen Grenze

Datum: 11.07.2026 | Zeit: 06:11:59 UTC | Koordinaten: 51.512 ; 16.186 | Tiefe: 10 km | Mb 4,8

Eine Serie von Erdbeben hat am Samstagmorgen die Umgebung von Polkowice und Rudna in Niederschlesien erschüttert. Das stärkste Ereignis erreichte nach Angaben des EMSC eine Magnitude von 4,8 und hatte eine Herdtiefe von zehn Kilometern. Mehrere schwächere Erschütterungen folgten innerhalb weniger Stunden. Auffällig ist, dass zwei dieser Beben in einer Tiefe von nur gut einem Kilometer lokalisiert wurden, was dem vermuteten Ursprung der Erschütterungen eher entspricht: Die Epizentren konzentrieren sich auf das bedeutendste Kupferbergbaugebiet Polens unmittelbar nördlich von Polkowice. Daher wird davon ausgegangen, dass es sich um bergbaubedingte, also induzierte Erdbeben handelt.

Chalkopyrit

Die Region gehört zur Vorerzgebirgsmulde und beherbergt einige der größten Kupfer- und Silberlagerstätten Europas. In den Bergwerken Rudna, Polkowice-Sieroszowice und Lubin werden kupfer- und silberhaltige Erze abgebaut. Neben den wirtschaftlich bedeutenden Metallen treten zahlreiche Begleitmineralien auf, darunter hervorragend ausgebildete Kristalle von Gips und Selenit sowie Mineralien wie Chalkopyrit, die unter Sammlern weltweit geschätzt werden.

Die enge räumliche Bindung der Erdbeben an die Abbaugebiete sowie die langjährige Erfahrung mit induzierter Seismizität sprechen dafür, dass die Erschütterungen durch Spannungsumlagerungen infolge des untertägigen Bergbaus ausgelöst wurden. Solche sogenannten Gebirgsschläge zählen zu den bekannten Risiken des Tiefbaus und können gelegentlich Magnituden erreichen, die weit über die Grenzen des Bergbaureviers hinaus wahrgenommen werden.

Polen. © EMSC/Leaflet

Zu diesen Ereignissen gehört auch das heutige Beben der Magnitude Mb 4,8, das weit über Niederschlesien hinaus verspürt wurde. Dem EMSC liegen Wahrnehmungsmeldungen aus einer Entfernung von bis zu 103 Kilometern vom Epizentrum vor. Dieses befindet sich zudem im Bereich eines großen Absetzbeckens. Augenzeugen aus der Nähe des Epizentrums berichten von einem außergewöhnlich heftigen Stoß, wie er dort nur selten erlebt wird. Kleinere Gegenstände fielen von Tischen und Regalen. Meldungen über größere Schäden oder Verletzte liegen bislang nicht vor.

Für die Bevölkerung sind derartige Erschütterungen zwar beunruhigend, im niederschlesischen Kupferrevier jedoch kein unbekanntes Phänomen. Moderne Überwachungssysteme registrieren selbst kleinste Bewegungen des Gesteins und helfen den Bergbauunternehmen, die Sicherheit unter Tage weiter zu verbessern.

Doch nicht immer gehen Bergschläge glimpflich aus. Im November 2016 starben im Bergwerk Polkowice 8 Bergleute bei einem Grubenunglück, dass eine Erschütterung der Magnitude 3,8 auslöste.

Teneriffa: Hohe Anzahl an Erdbeben unter dem Vulkan Teide

Weiterhin sehr viele Erdbeben unter dem Vulkan Teide auf Teneriffa – 649 Erschütterungen auf Wochensicht

Die Erdbebenaktivität unter dem höchsten Vulkan des politischen Europas bleibt weiterhin deutlich erhöht und hat gegenüber der Vorwoche nochmals zugenommen. Nach Angaben des Überwachungsprogramms GUAYOTA von INVOLCAN wurden zwischen dem 3. und 10. Juli insgesamt 649 schwache Erschütterungen registriert, nachdem in der Vorwoche bereits 491 Erdbeben aufgezeichnet worden waren. Damit setzt sich der seit Jahren beobachtete Trend einer zunehmenden Seismizität und eines steigenden Drucks im hydrothermalen System des Vulkans fort.



GUAYOTA

Obwohl die Schwarmbebentätigkeit schwankt, kommt sie de facto nicht mehr zum Erliegen – inzwischen vergeht kein Tag mehr ohne Erdbeben. Zwar treten auch Erschütterungen in der Meerenge zwischen Teneriffa und Gran Canaria auf, die deutliche Mehrzahl der Beben ereignet sich jedoch am Westende der Caldera de Las Cañadas im Bereich des Teide-Pico-Viejo-Komplexes.

Die stärkste Erschütterung erreichte eine Magnitude von 2,2. Keines der Beben wurde von der Bevölkerung Teneriffas verspürt, und auch die insgesamt freigesetzte Energie blieb gering. Die im Wochenbericht dargestellte Häufung der Hypozentren westlich der Caldera de Las Cañadas unterstreicht den Charakter eines Erdbebenschwarms, wie er für vulkanische Systeme typisch ist. Im Gegensatz zu den Vulkanologen von INVOLCAN gehe ich allerdings weniger davon aus, dass sich die Erdbeben überwiegend im hydrothermalen System des Vulkans abspielen. Dafür liegen die Hypozentren mit Tiefen von mehr als zehn Kilometern meiner Ansicht nach zu tief. Meiner Einschätzung nach werden die Erdbeben direkt durch Magma verursacht, das sich unterhalb der Erdkruste akkumuliert und versucht, weiter aufzusteigen.

Die Verantwortlichen auf Teneriffa sehen dennoch keine unmittelbare Gefahr für Bewohner oder Besucher der Insel. Die Vulkanampel des kanarischen Zivilschutzes steht daher weiterhin auf Grün. Einwohner und Touristen können ihre Aktivitäten uneingeschränkt fortsetzen.

Im gesamten Archipel wurden in der vergangenen Woche 664 Erdbeben registriert. Neben Teneriffa traten schwache Erschütterungen auch auf Gran Canaria, El Hierro und La Palma auf. Letztere Insel befindet sich als einzige weiterhin auf der gelben Warnstufe. Mehr als vier Jahre nach dem Ende des Tajogaite-Ausbruchs haben sich dort einige geophysikalische und geochemische Parameter noch immer nicht vollständig normalisiert.