Panama: Erdbeben Mw 7,7 richtete Schäden an

Sehr starkes Erdbeben erschüttert Panama – Schäden aber bis jetzt keine Totesopfer gemeldet

Datum: 09.10.2026 | Zeit: 17:56:07 UTC | Koordinaten: 7.565 ; -80.672 | Tiefe: 13 km | Mw 7,7

Ein ungewöhnlich starkes Erdbeben hat am 9. Oktober 2026 Panama erschüttert. Das Beben erreichte nach Angaben des USGS eine Magnitude von 7,7 und ereignete sich um 17:56 UTC in 13 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag im Landesinneren, 23 Kilometer südwestlich von Macaracas. Besonders stark betroffen waren Regionen in den Provinzen Los Santos, Herrera, Coclé und Veraguas.


Shakemap © EMSC/Leaflet

Die relativ geringe Tiefe und die hohe Magnitude sorgten für starke Erschütterungen, die bis in die Nachbarländer hinein deutlich zu spüren gewesen waren. Der USGS ermittelte für das Epizentralgebiet eine maximale Intensität von IX auf der zwölfstufigen Mercalli-Skala. Mehrere Gebäude wurden beschädigt oder stürzten teilweise ein. Unter anderem wurden in Penonomé eine Kirche, ein Regierungsgebäude und ein Hotel schwer beschädigt. Auch historische Bauwerke in der Provinz Los Santos erlitten Schäden. Straßen wurden teilweise durch Risse und Bodenbewegungen unpassierbar. Trotz der erheblichen Zerstörungen wurden bis jetzt keine Todesopfer gemeldet. Mehrere Personen wurden verletzt. Im Angesicht der Schäden ist es allerdings wahrscheinlich, dass es Todesopfer gegeben hat.

Dem Hauptbeben folgte eine intensive Nachbebensequenz. Innerhalb weniger Stunden wurden mehr als 60 Nachbeben mit Magnituden zwischen 4,0 und 6,6 registriert. Die Sequenz erstreckt sich über einen größeren Bereich entlang des longitudinalen Störungsgürtels, der sich größtenteils an Land parallel zur Nazca-Plattengrenze verläuft. Die Bebensequenz verdeutlicht, dass bei dem Hauptbeben ein beträchtlicher Abschnitt einer Störungszone aktiviert wurde, der offenbar unter großen Spannungen stand.

Wegen der zunächst auf 8,0 geschätzten Magnitude gab das Pacific Tsunami Warning Center kurz nach dem Erdbeben eine Tsunami-Bedrohungsmeldung für Teile der Pazifikküste Mittel- und Südamerikas heraus. Für Panama wurden zeitweise Wellen von bis zu mehreren Metern als möglich angesehen. Da sich das Epizentrum jedoch an Land befand und keine ausreichende Verlagerung des Meeresbodens festgestellt wurde, wurde die Tsunami-Bedrohung später aufgehoben.

Tektonisch ist das Ereignis besonders interessant. Das Beben ereignete sich nicht an der eigentlichen Subduktionszone vor Mittelamerika, sondern innerhalb des komplex deformierten Panama-Blocks. Als wahrscheinlich beteiligte Struktur gilt das Azuero-Soná-Störungssystem, eine aktive Störungszone, die Panama in nordwestlich-südöstlicher Richtung durchzieht und dabei die Azuero-Halbinsel quert. Es handelt sich um ein System aus Blattstörungen (Strike-Slip-Faults) mit dextralen (rechtsgerichteten) oder sinistralen (linksgerichteten) Scherkomponenten. Dort wird ein Teil der Bewegungen zwischen der Nazca-Platte und dem Panama-Block durch Blattverschiebungen aufgenommen. Das Ereignis zeigt damit eindrucksvoll, dass auch aktive Störungen im Landesinneren Panamas das Potenzial für sehr starke Erdbeben besitzen.

Obwohl Panama an einer der komplexesten Plattengrenzen der Welt liegt und von zahlreichen Störungen durchzogen wird, gibt es keinen rezenten Vulkanismus, wohl aber einen alten Vulkanbogen, der als inaktiv eingestuft wird. Panama liegt am östlichen Ende des mittelamerikanischen Subduktionssystems, an dem die Cocos- und weiter östlich die Nazca-Platte unter den Panama-Block abtauchen. Als wichtiger Grund dafür, dass es keine aktiven Vulkane gibt, gilt die Subduktion der mächtigen und relativ auftriebsstarken Cocos Ridge, die die Geometrie der Subduktionszone und die Magmenbildung im darüberliegenden Mantel beeinflusst. Dafür gibt es in den Nachbarländern Costa Rica und Kolumbien aktive Vulkane, die durchaus im Wirkungskreis der starken Erdbeben mit Magnituden ab 6,0 liegen. Die nächstgelegenen Vulkane sind jene in Costa Rica, wo Poás und Rincón de la Vieja aktiv sind. Auch der Masaya in Nicaragua könnte von den Erschütterungen beeinflusst werden. Aktuell gibt es aber noch keine Reaktionen der Feuerberge.

Island: Schwarmbeben westlich von Eldey

Erdbebenschwarm westlich von Eldey erschüttert den isländischen Reykjanes-Rücken

Vor der Südwestküste Islands hat gestern Abend ein neuer Erdbebenschwarm eingesetzt. Das seismische Netzwerk des IMO registrierte seit 17 Uhr Ortszeit mehr als 150 überwiegend schwache Erschütterungen, die sich am Reykjanes-Rücken, gut 20 Kilometer west-südwestlich der kleinen Insel Eldey, ereigneten. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 3,4. Sein Hypozentrum lag in 11,4 Kilometern Tiefe.


Shakemap © IMO

Die Beben konzentrieren sich auf einen Bereich des Reykjanes-Rückens, an dem die Eurasische und die Nordamerikanische Platte auseinanderdriften. Die Region gehört zum Mittelatlantischen Rücken und ist sowohl durch intensive tektonische Aktivität als auch durch Vulkanismus geprägt. Erdbebenschwärme sind dort keine Seltenheit und können über Stunden oder Tage hinweg auftreten.

Vergleichbare Schwärme wurden in den vergangenen Jahren immer wieder westlich und südwestlich von Eldey beobachtet. So registrierte das IMO Ende 2024 innerhalb kurzer Zeit rund 200 Erdbeben in diesem Gebiet, darunter mehrere Ereignisse mit Magnituden über 3. In diesem Jahr gab es bislang nur wenige Erdbebenschwärme mit ähnlich starken Erschütterungen wie beim aktuellen Ereignis.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand gibt es keine konkreten Hinweise darauf, dass der aktuelle Schwarm durch eine neue Magmenintrusion ausgelöst wurde. Allerdings könnten die Erdbeben auf weitreichende Spannungsänderungen zurückzuführen sein, die mit einer Magmenintrusion oder der Migration von Fluiden im Untergrund zusammenhängen. Selbst die anhaltende Magmenintrusion bei Svartsengi könnte sich am Reykjanes-Rücken bemerkbar machen. Was bis vor Kurzem noch Spekulation war, wird inzwischen in mehreren Studien als plausible Möglichkeit beschrieben.

GNSS © IMO

Bei Svartsengi hält die Bodenhebung infolge der Magmenakkumulation weiterhin an. Die Vulkanüberwachung geht deshalb davon aus, dass es künftig erneut zur Bildung eines magmatischen Gangs oder sogar zu einem Vulkanausbruch im Bereich der Sundhnúkur-Kraterreihe kommen könnte. Die GNSS-Daten deuteten in den vergangenen Tagen zunächst auf eine nachlassende Hebegeschwindigkeit hin. Wie bereits mehrfach beobachtet, zeigten die jüngsten Messungen jedoch erneut einen kleinen Sprung nach oben, der den zuvor scheinbaren Rückgang ausgleicht. Somit kann weiterhin von einer nahezu konstanten Hebegeschwindigkeit ausgegangen werden.

Darüber hinaus ereignete sich unter der vom Gletscher Mýrdalsjökull bedeckten Katla-Caldera ein kleiner Erdbebenschwarm. Das IMO registrierte innerhalb von 48 Stunden fast 20 Beben in diesem Gebiet.

Bemerkenswert sind auch zwei Beben M 2,2, die an unterschiedlichen Lokatinen zutrugen, wo sich sonst wenige BEben ereigne: Eines der Beben manfesteirte sich unmittelbar vor der Westküste von Heimaey auf den Westmännerinseln. Das zweite Beben trug sich im Norden von Snaeffelsjökull zu.

Auch wenn der letzte Vulkanausbruch auf Island bereits mehr als ein Jahr zurückliegt, bleibt die Insel im Nordatlantik ein Brennpunkt der Erdgewalten.

Marsili-Seamount: Erdbeben nahe des Unterwasservulkans

Marsili. KI-gerendert nach Grafikvorlage eines Radarbildes.

Mittelstarkes Erdbeben in großer Tiefe nahe dem Marsili-Seamount

Ein ungewöhnlich tiefes Erdbeben hat am Donnerstagmorgen das südliche Tyrrhenische Meer erschüttert. Das Beben ereignete sich um 05:42 Uhr Ortszeit und wurde vom italienischen Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) zunächst mit einer Magnitude von 4,7 und einer Herdtiefe von 372 Kilometern bestimmt. Internationale Messnetze kommen auf eine Magnitude von 4,9 und eine Tiefe von 367 Kilometern. Die unterschiedlichen Koordinaten sind auf die noch laufende Neubestimmung des Hypozentrums zurückzuführen. Das EMSC verortet den Erdstoß 56 Kilometer nordwestlich von Lipari. Damit wird deutlich, dass neben dem Marsili-Seamount auch der Inselvulkan Stromboli in relativer Nähe zum Epizentrum liegt.



Shakemap © EMSC/Leaflet

Das Epizentrum befand sich nördlich der Äolischen Inseln und damit in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Marsili-Seamount. Nach der internationalen Lokalisierung beträgt die Entfernung zu dem submarinen Vulkan nur etwa zehn Kilometer. Trotz dieser auffälligen Lage gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass das Erdbeben durch eine Aktivierung des riesigen Unterwasservulkans ausgelöst wurde.

Das entscheidende Merkmal, das Beben als tektonisch bedingt einzustufen, ist die extreme Herdtiefe. Erdbeben, die durch Magmaaufstieg ausgelöst werden, treten nur sehr selten in Tiefen von mehr als 40 Kilometern auf. Der Grund liegt darin, dass die Gesteine der Asthenosphäre und des oberen Erdmantels aufgrund der dort herrschenden Druck- und Temperaturbedingungen zunehmend plastisch reagieren. Ein aufsteigender Magmakörper kann das Gestein daher eher verformen und verdrängen, als dass es spröde bricht. Sehr tiefe Erdbeben stehen deshalb meist mit einer subduzierten Lithosphärenplatte in Verbindung, die auch in großen Tiefen noch spröde genug ist, um durch Spannungsänderungen zu brechen.

Tektonisch befindet sich die Region über der nach Nordwesten abtauchenden Ionischen Platte. Ihre Subduktion unter den Kalabrischen Bogen ist maßgeblich für die komplexe Geodynamik des südlichen Tyrrhenischen Meeres verantwortlich. Der abtauchende Slab bildet eine ausgeprägte Wadati-Benioff-Zone, in der Erdbeben bis in Tiefen von etwa 500 Kilometern auftreten können. Die heutige Geometrie der Subduktionszone und ihr Rückzug nach Südosten standen zugleich mit der Öffnung des Marsili-Backarc-Beckens in Zusammenhang.

Das aktuelle Erdbeben ist daher am ehesten als tiefes Subduktionsbeben innerhalb beziehungsweise im Umfeld der abtauchenden ionischen Lithosphäre einzuordnen. Die räumliche Nähe zum Marsili ist geologisch interessant, stellt jedoch keinen Beleg für eine vulkanische Ursache dar. Allerdings lässt sich nicht grundsätzlich ausschließen, dass starke Erschütterungen auf den nahe gelegenen Stromboli einwirken und dort möglicherweise Veränderungen der vulkanischen Aktivität auslösen. Ob ein solcher Effekt tatsächlich auftritt, lässt sich erst anhand der weiteren Entwicklung der Aktivität beurteilen.

An der Oberfläche blieben die Auswirkungen gering. Schäden wurden nicht gemeldet. Lokale Berichte sprechen allerdings von einzelnen Wahrnehmungen eines leichten, einige Sekunden dauernden Tremors auf den Äolischen Inseln und an der tyrrhenischen Küste. Die große Herdtiefe dürfte dazu beigetragen haben, dass die Bodenbewegungen an der Oberfläche deutlich abgeschwächt wurden.

Warum Marsili als gefährlich eingestuft wird

Der Marsili gilt trotz seiner Lage unter dem Meer als potenziell gefährlicher Vulkan: Der Seamount erhebt sich bis zu 3000 m über dem Meeresboden und weist teils instabile Hänge auf, an denen es zu Hanginstabilitäten und großen submarinen Rutschungen kommen kann. Solche Rutschungen könnten besonders durch Eruptionen oder starke Erdbeben ausgelöst werden. Ein größerer Flankenkollaps könnte erhebliche Wassermengen verdrängen und dadurch einen Tsunami im Tyrrhenischen Meer auslösen, der insbesondere die Küsten Süditaliens gefährden würde.

Griechenland: Erdbebenserie zwischen Kreta und Kasos

Erdbebenserie zwischen Kreta und Kasos – spürbare Erschütterungen in der Nacht

In der Nacht zum 7. Oktober hat sich im Meeresraum zwischen Ostkreta und der Insel Kasos eine kleine, aber deutlich spürbare Erdbebenserie manifestiert. Das stärkste Ereignis ereignete sich um 02:43 Uhr Ortszeit und erreichte nach der revidierten Berechnung des Geodynamischen Instituts des Nationalen Observatoriums Athen eine Magnitude von 4,1. Das Epizentrum lag 29 Kilometer westlich von Kasos und 41 km nordöstlich von Palekastro (Kreta). Die Herdtiefe wurde mit 14,5 Kilometern angegeben.

Shakemap © EMSC/Leaflet

Nur sieben Minuten später, um 02:50 Uhr, folgte ein weiteres Beben der Magnitude 3,9. Sein Epizentrum lag 28 Kilometer westlich von Kasos, die Herdtiefe bei etwa 13 Kilometern. Danach setzte sich die Aktivität mit weiteren schwachen Erdbeben fort. Bis zum Vormittag wurden insgesamt acht Erschütterungen zwischen Magnitude 2,4 und 4,1 registriert.

Die Daten vom EMSC kommen teilweise zu etwas anderen Ergebnissen. Für das Beben um 02:50 Uhr wurde eine Magnitude von 4,2 angegeben. Die Abweichungen sind bei solchen regionalen Ereignissen nicht ungewöhnlich.

Die Erschütterungen wurden vor allem in der näheren Umgebung der Epizentren verspürt. Berichte sprechen von schwach wahrnehmbaren Bodenbewegungen auf Kasos und im östlichen Kreta. Auf Kreta wurden insbesondere in Sitia und Palekastro Erschütterungen mit einer schwachen Intensität von etwa MMI III angegeben; in Agios Nikolaos, Ierapetra und Heraklion war die Bewegung deutlich schwächer. Schäden oder Verletzte wurden nicht gemeldet.

Tektonisch liegt das Epizentrum in einer besonders komplex gegliederten Störungszone des Kreta-Kasos-Beckens, einem mehr als 50 Kilometer langen, SW-NE gestreckten Tiefseebecken zwischen Ostkreta und Kasos. Das Becken wird von großen SW-NE verlaufenden Randverwerfungen sowie untergeordneten SSW-NNE orientierten Störungen begrenzt und durch diese in mehrere, bis etwa 2.800 Meter tiefe Teilbecken gegliedert. Die Störungen stehen mit der großräumigen Tektonik des östlichen Hellenischen Bogens in Verbindung, wo die Afrikanische Platte unter die Ägäische Mikroplatte abtaucht, ein Prozess, der in der gesamten Region zu Spannungen in den Erdkrustensegmenten führt und Erdbeben auslöst.

Bei Kasos traten bereits früher deutlich stärkere Erdbebenserie auf. Eine der markantesten Erschütterungen stammte von einem Mw-6,1-Beben im Jahr 2015, das gleich durch verschiedene Bewegungen entlang komplexer Störungszonen entstand.

Österreich: Erneutes Erdbeben bei Innsbruck

Spürbares Erdbeben Mb 3,4 erschütterte Innsbruck in Österreich – zahlreiche Wahrnehmungsmedungen

In der Nacht hat ein erneutes Erdbeben die Region rund um Innsbruck erschüttert. Der Erdstoß ereignete sich am 7. Oktober 2026 um 03:02 Uhr MESZ und erreichte eine Magnitude von 3,4. Das Hypozentrum lag nur vier Kilometer tief. Das Epizentrum befand sich laut EMSC-Daten neun Kilometer südöstlich von Innsbruck. Der Erdstoß konnte von Anwohnern deutlich gespürt werden und riss Menschen aus dem Schlaf.



Shakemap © EMSC/Leaflet

Wegen der geringen Herdtiefe fiel die Wahrnehmung trotz der moderaten Magnitude vergleichsweise stark aus, Meldungen über Schäden liegen aber nicht vor. Bebenzeugen beschrieben einen kurzen, kräftigen Ruck beziehungsweise ein starkes Schütteln. Mehrere Personen berichteten von lautem Grollen oder einem Geräusch, das wie eine Explosion klang. In Lans wurde das Beben als „kurz, aber extrem stark“ beschrieben. In Aldrans vibrierte das Gebäude drei bis fünf Sekunden lang, Fensterscheiben und Gläser klirrten und mehrere Bewohner wurden aus dem Schlaf gerissen. Auch aus Hall in Tirol, Rum, Mieders und verschiedenen Stadtteilen Innsbrucks wurden deutliches Rütteln, schwankende Gebäude und aufgewachte Personen gemeldet.

Tektonisch liegt das Beben in einer der aktivsten Erdbebenregionen Österreichs und steht mit der anhaltenden Orogenese des Gebirges im Zusammenhang. Die Alpen wachsen durch die langsame Kollision der Adriatischen Mikroplatte mit Europa. Dabei werden Spannungen in der Erdkruste aufgebaut und über bereits vorhandene Störungszonen abgebaut. Im Inntal konzentriert sich die Seismizität unter anderem auf Störungen, die mit der Inntal-Störungszone und tiefer reichenden Überschiebungen verbunden sind.

Das aktuelle Beben ist kein alleine vorkommendes Ereignis, denn besonders im Inntal kommt es relativ häufig zu vergleichbaren Erschütterungen der Erde. Erst am 26. September ereignete sich in dem Gebiet ein Erdbeben der Magnitude 3,8. Das Epizentrum lag sieben Kilometer südöstlich von Innsbruck. Es wurde von mehr als 1700 Menschen gemeldet und erreichte Intensität 5 auf der EMS-98-Skala. Damit gab es erst vor elf Tagen ein sogar etwas stärkeres, räumlich sehr nahe gelegenes Beben. Bereits am 8. August wurde bei Hall in Tirol ein Beben der Magnitude 3,5 registriert.

Island: TFZ von einem weiteren Erdbebenschwarm erschüttert

Neues Schwarmbeben an der Tjörnes-Fracture-Zone nördlich von Island – stärkstes Beben M 3,8

Der Norden Islands wurde gestern Mittag von einem neuen Erdbebenschwarm erschüttert, dessen stärkstes Einzelbeben eine Magnitude von 3,8 hatte. Es ereignete sich um 13:13 Uhr nordwestlich von Grímsey vor der Küste. Das Hypozentrum lag in 10 Kilometern Tiefe. Zwei weitere Erschütterungen des insgesamt etwa 50 Beben umfassenden Schwarms hatten Magnituden im niedrigen Dreierbereich. Bereits in den vergangenen Tagen waren in diesem Gebiet ähnliche Erdbeben registriert worden.



Shakemap © IMO

Die Beben stehen mit tektonischen Prozessen an der Tjörnes-Fracture-Zone (TFZ) im Zusammenhang, wobei ein Einfluss magmatischer Fluide nicht ausgeschlossen werden kann. Eine submarine Eruption als Ursache der Beben gilt allerdings als sehr unwahrscheinlich.

Die TFZ verbindet das isländische Störungs- und Riftsystem mit dem Kolbeinsey-Rücken, der Teil des Mittelatlantischen Rückens ist. Dieser bildet die divergente Plattengrenze zwischen Europa und Nordamerika. Divergent bedeutet, dass die tektonischen Platten nicht zusammenstoßen, sondern auseinanderdriften und sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2,5 Zentimetern pro Jahr voneinander entfernen. Dadurch wird der Atlantik langsam, aber stetig größer. Die entstehende Lücke im Ozeanboden wird durch aufsteigendes Magma beziehungsweise die daraus hervorgehende Lava geschlossen, wodurch neuer Ozeanboden entsteht.

Darüber hinaus ereignete sich unter dem Vatnajökull ein Erdbeben der Magnitude 3,1, dessen Epizentrum 6,8 Kilometer östlich des subglazialen Vulkans Hamarinn lag. Der Vulkan gehört zum Bárðarbunga-System. Das Hypozentrum befand sich mit 1,8 Kilometern Tiefe relativ oberflächennah. Auch im Bereich der Bárðarbunga-Caldera war die seismische Aktivität erhöht. Innerhalb von 48 Stunden wurden dort gut 20 Erdbeben registriert.

Die GNSS-Messstation KISTA, die am Westrand des Vatnajökulls auf Höhe der Bárðarbunga installiert ist, registriert seit Februar eine relativ konstant verlaufende Bodenhebung von gut 7 Zentimetern. In diesem Zusammenhang ist von Interesse, dass unter der Bárðarbunga und dem Vatnajökull das Zentrum des isländischen Mantelplumes vermutet wird. Dieser gilt als wichtigste Magmaquelle der zentralisländischen Vulkane und zählt neben dem Hawaii-Mantelplume zu den produktivsten Magmaquellen der Erde.

Campi Flegrei: Seismische Aktivität nimmt wieder zu

Seismische Aktivität der Campi Flegrei nimmt wieder zu – Gasausstoß zeigt steigende Tendenz

An den Campi Flegrei bei Neapel hat die Erdbebenaktivität am Wochenende wieder zugenommen. Nach den aktuellen Daten des INGV wurden seit dem 3. Oktober 20 Erschütterungen registriert. Besonders auffällig war der Samstag mit mehreren Erdbeben innerhalb weniger Stunden. Das stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von 1,7 und hatte ein Hypozentrum in 2,4 km Tiefe. Das Epizentrum lag östlich der Solfatara. Zwei weitere Beben schafften Md 1,0. Bei den restlichen Erschütterungen handelte es sich um Mikrobeben.



Erdbeben Campi Flegrei. © INGV

Zwischen 07:53 und 08:08 UTC kam es zudem zu einer kleinen Erdbebenserie. Dabei wurden innerhalb von etwa 14 Minuten sechs schwache Beben registriert. Am 4. Oktober setzte sich die Aktivität mit weiteren Ereignissen fort.

Die aktuelle Zunahme folgt auf eine vergleichsweise ruhige Phase. Im jüngsten Wochenbulletin des Osservatorio Vesuviano für den Beobachtungszeitraum 21. bis 27. September wurden insgesamt 30 Erdbeben registriert, von denen 18 lokalisiert werden konnten. Die stärkste Erschütterung erreichte Md 1,5. Am 23. September wurde ein kleiner Schwarm mit sieben Beben im Bereich des Astroni-Kraters festgestellt, über den Vnet bereits berichtete.

Bodenhebung © INGV

Die Bewertung der Bodenhebung ist ein wichtiger Bestandteil des aktuellen Aktivitätsbildes und ihre Geschwindigkeit bleibt seit Anfang Februar im Bereich der stärksten Deformation bei etwa 10 ± 3 Millimetern pro Monat. An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summierte sich die korrigierte Hebung seit Januar 2025 auf rund 32 Zentimeter. Betrachtet man den Graphen zur Bodenhebung zeigen die letzten beiden grauen Messpunkte, die jeweils eine Woche repräsentieren fast eine Stagnation. Ein ähnliches Muster trat vor den jüngsten stärkeren Erdbeben mit Magnituden im Viererbereich auf.

Die geochemischen und geophysikalischen Messungen bestätigen weiterhin die längerfristigen Veränderungen des hydrothermalen Systems. Das INGV beschreibt eine anhaltende Erwärmung und zunehmende Fluidzirkulation. Die Fumarole BG in der Solfatara erreichte zuletzt etwa 173 °C. Die Temperatur im Pisciarelli-Gebiet liegt bei 95 Grad. Hier gibt es einen klaren Trend zur Erhöhung des Kohlendioxidausstoßes.

Trotz der aktuellen Erdbebenzunahme sieht das INGV im Wochenbulletin keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende grundlegende Änderung der vulkanischen Aktivität.

Island: Spürbares Erdbeben bei Brennisteinsfjöll

Erdbeben bei Brennisteinsfjöll auf Island – Landhebung bei Svartsengi hält an

Auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel hat sich am Sonntagmorgen ein Erdbebenschwarm im Bereich der Brennisteinsfjöll ereignet, dessen stärkstes Erdbeben von der Bevölkerung verspürt wurde. Es wurde um 00:40 Uhr Ortszeit registriert und erreichte Magnitude 3,4. Das Hypozentrum lag in rund 6,8 Kilometern Tiefe südlich des Berges Helgafell. Der Erdstoß wurde vor allem im Südwesten Islands wahrgenommen.

Shakemap © IMO

In den folgenden Stunden registrierten die Messstationen etwa 15 weitere, überwiegend schwache Erschütterungen. Mehrere Ereignisse konzentrierten sich südlich und südöstlich des Helgafell in Tiefen zwischen etwa vier und sieben Kilometern. Daneben traten Mikrobeben in geringer Tiefe auf. Um 03:32 Uhr folgte noch ein Erdstoß der Magnitude 2,3. Die Aktivität ist geringer als bei einem ausgeprägten tektonischen Erdbebenschwarm, spiegelt aber dennoch eine erhöhte Seismizität in den vulkanischen Brennisteinsfjöll wider.

Auf der Reykjanes-Halbinsel treten immer wieder Erdbeben entlang verschiedener Störungszonen auf. IMO registrierte innerhalb von 48 Stunden insgesamt 38 lokalisierbare Erschütterungen, was im Vergleich der letzten Jahre nicht besonders viel ist. Besonders im Bodenhebungsgebiet von Svartsengi bleibt die seismische Aktivität gering, obwohl die Bodenhebung mit kleinen Fluktuationen anhält.

Nach Angaben des isländischen Wetterdienstes vom 30. September hat sich der Boden bei Svartsengi innerhalb der vergangenen drei Monate um etwa vier Zentimeter gehoben. Die Deformation verlief dabei relativ gleichmäßig. Sie wird als Hinweis darauf interpretiert, dass sich weiterhin Magma in mehreren Kilometern Tiefe ansammelt und der Druck im magmatischen System zunimmt.

Die wahrscheinlichste Entwicklung bleibt deshalb ein neuer Magmenaufstieg von Svartsengi in Richtung der Sundhnúkur-Kraterreihe, der schließlich in einem Vulkanausbruch münden könnte. Ein Zeitpunkt lässt sich nicht vorhersagen. Da seit dem letzten Ereignis zunehmend Zeit vergangen ist, wächst die Unsicherheit hinsichtlich des möglichen Ausbruchstermins. Der Wetterdienst warnt weiterhin vor einem kurzen Vorlauf.

Das Vulkansystem Reykjanes-Svartsengi steht unverändert auf Alarmstufe 2 („deutlich erhöhte Aktivität“). Für Grindavík gilt weiterhin eine erhebliche Gefährdung.

Interessant sind auch 2 Erdbeben der Magnituden 3,0 und 2,9, die sich gestern Nacht unter dem vom Myrdalsjökull bedeckten Vulkan Katla ereignet haben. Die seismovulkansichen unruhen gehen als auch hier weiter.

Kamtschatka: Starker Erdbebenschwarm vor der Südostküste

Starker Erdbebenschwarm vor Kamtschatka erinnert an Vorboten des Mw 8,8-Bebens von 2025

Seit dem Nachmittag des 2. Oktobers hat sich vor der Südostküste Kamtschatkas ein weiterer starker Erdbebenschwarm entwickelt. Den Auftakt bildete ein Beben der Magnitude 5,8, dem innerhalb weniger Stunden zahlreiche weitere Erschütterungen folgten. Darunter waren mehrere Beben der Magnitude 5,0 bis 5,3 sowie zahlreiche Ereignisse im 4er-Magnitudenbereich. Am 3. Oktober setzte sich die Aktivität fort. Die EMSC-Daten zeigen dabei Herdtiefen zwischen etwa 10 und 80 Kilometern.



Kamtschatka. © EMSC/Leaflet

Das stärkste Beben der Magnitude 5,8 manifestierte sich um 16:34:39 UTC und hatte laut EMSC-Daten ein Hypozentrum in 21 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum befand sich 155 Kilometer südöstlich von Petropawlowsk-Kamtschatski. Bis zum Abend gingen beim EMSC acht Wahrnehmungsmeldungen ein. Die USGS-Daten verorteten das Beben etwas weiter südlich bei 51,69° Nord und 159,74° Ost und ermittelte eine HEdtiefe von 29,5 Kilometer. Die unterschiedlichen Angaben sind für offshore gelegene Beben nicht ungewöhnlich.

Tektonisch befindet sich die Schwarmregion an der Kurilen-Kamtschatka-Subduktionszone. Dort taucht die Pazifische Platte unter die Okhotsk-Platte ab. Die zahlreichen flachen bis mitteltiefen Beben können daher mit Spannungsumlagerungen im Bereich der Plattengrenze und der darüberliegenden Kruste zusammenhängen. Der aktuelle Schwarm erstreckt sich allerdings über ein relativ großes Gebiet, sodass aus den Herdtiefen allein noch kein eindeutiger Bruchmechanismus abgeleitet werden kann.

Besonders interessant ist die räumliche Nähe zum Mw 8,8 vom 29. Juli 2025. Das damalige Megabeben ereignete sich etwa 90 Kilometer nordöstlich des aktuellen Schwarmzentrums. Vor dem Großbeben hatte es ebenfalls eine außergewöhnlich aktive Vorbebensequenz gegeben, die mehrere Wochen anhielt. Zu den direkten Vorläufern zählte am 20. Juli eine Erschütterung Mw 7,4. Untersuchungen zeigten eine Migration der Vorbeben in Richtung des späteren Hauptbruchs; als möglicher Mechanismus wird eine Kombination aus seismischem und aseismischem Gleiten diskutiert.

Eine Wiederholung des Szenarios lässt sich daraus noch nicht ableiten. Der jetzige Schwarm ist bislang deutlich schwächer, und es gibt noch keinen Nachweis einer vergleichbaren gerichteten Migration. Er zeigt aber, dass die Subduktionszone weiterhin stark aktiv ist und weiter unter großen Spannungen steht.

In der Folge des Megabebens vom 29. Juli 2025 (30. Juli UTC-Zeit) erwachte der Vulkan Krasheninnikov nach einem mehr als 500 Jahre währendem Schlaf und ist seitdem aktiv. Der Vulkan leigt etwa 200 km nordöstlich von Petropawlowsk-Kamtschatski.