Burundi: Erdbeben Mb 4,4

Erdbeben in Burundi: Tektonik und Vulkanismus im Westarm des Ostafrikanischen Riftvalleys

Am 13. April 2026 wurde der Süden von Burundi von einem mittelstarken Erdbeben der Magnitude 4,4 erschüttert. Die Tiefe des Hypozentrums wird beim EMSC mit 10 km angegeben, was vermutlich darauf hindeutet, dass die Tiefe in Ermangelung eines dichten seismischen Netzwerks nicht exakt bestimmt werden konnte, es sich jedoch um ein vergleichsweise flaches Erdbeben handelte. Das Epizentrum befand sich nahe der Grenze zu Tansania, in der Nähe der Ostküste des Tanganjikasees, und wurde 41 km südlich von Bururi verortet.



Burundi. © EMSC

Die Stärke des Erdstoßes lag durchaus im wahrnehmbaren Bereich und könnte bei geschwächter Infrastruktur leichte Schäden verursacht haben. Abgesehen von möglichen Auswirkungen auf die menschliche Infrastruktur ist das Beben auch wissenschaftlich von Interesse, da es sich in einer der geologisch spannendsten Regionen des afrikanischen Kontinents ereignete und mehrere Vulkangebiete in relativer Nähe liegen. Im Süden des Tanganjikasees befindet sich das wenig bekannte Rungwe-Vulkansystem, das während des Holozäns aktiv war. Bekannter sind jedoch die etwa 320 Kilometer entfernten Virunga-Vulkane im Osten der Demokratischen Republik Kongo, von denen der Nyamuragira und der Nyiragongo aktuell aktiv sind. Der Erdstoß war jedoch zu schwach, um sich auf diese Vulkane auszuwirken.

Tektonisch betrachtet ereignete sich das Beben im Westarm des zweigeteilten Ostafrikanischen Riftvalleys, das auch als Großer Afrikanischer Grabenbruch bekannt ist. Hier droht sich Ostafrika langfristig vom Rest des Kontinents abzuspalten – ein Prozess, der maßgeblich von einem großen Mantelplume gesteuert werden könnte. Entlang dieser sich entwickelnden divergenten Plattengrenze dünnt die Erdkruste aus. Mit diesem Prozess geht die Bildung von Staffelbrüchen entlang von Abschiebungen am Rand des Grabenbruchs einher. Durch die Ausdünnung und den vertikalen Versatz entstehen Spannungen, die sich in Erdbeben wie diesem entladen können.

Teneriffa: Zwischenbericht zur Erdbebenaktivität

Seismovulkanische Aktivität auf Teneriffa hält an – IGN veröffentlichte Zwischenbericht

Zwischen dem 11. und 13. April wurde auf der Insel Teneriffa erneut eine Phase seismovulkanischer Aktivität registriert. Nach Angaben des spanischen Nationalen Geographischen Instituts (IGN), das heute außer der Reihe der wöchentlichen Bulletins einen Zwischenbericht zur Aktivität veröffentlichte, traten die Ereignisse in zwei unterschiedlichen Bereichen der Insel auf: zunächst – wie berichtet – im Gebiet von Izaña (Arafo) und später westlich der Caldera von Las Cañadas del Teide.


Teide. © IGN

Am 11. April wurde rund um Izaña eine Serie schwacher Erdbeben festgestellt. Insgesamt registrierten die automatischen Systeme 16 Ereignisse, von denen 11 bei der Überprüfung durch einen Seismologen genau lokalisiert werden konnten. Die Magnituden lagen zwischen 1,0 und 1,9, die Tiefen zwischen 3 und 10 Kilometern. Es handelte sich um typische vulkanotektonische Beben, wie sie bereits in ähnlicher Form in dieser Region des Teide zwischen Mai und November 2025 beobachtet wurden.

In der Nacht auf den 13. April kam es dann zu einer weiteren Aktivitätsphase. Zwischen 0:10 und 0:30 Uhr wurden neben mehreren schwachen hybriden Erdbeben auch zwei Erdbeben mit langen Perioden (LP-Events) registriert. Insgesamt erkannte das automatische System 38 Ereignisse, von denen drei in Tiefen von etwa 12 bis 13 Kilometern im westlichen Bereich von Las Cañadas del Teide lokalisiert werden konnten. Die nicht lokalisierbaren Beben hatten zu geringe Magnituden für eine genaue Ortsbestimmung. Im Vergleich zu ähnlichen Signalen aus den Monaten Februar und März waren diese Ereignisse kürzer und weniger intensiv. Zudem zeigte die aktuelle Aktivität kein wiederkehrendes Muster, wie es bei früheren Schwärmen in diesem Jahr vorkam.

Keines der registrierten Ereignisse wurde von der Bevölkerung gespürt. Nach Einschätzung des IGN deutet diese Art von seismischer Aktivität nicht auf eine erhöhte Ausbruchsgefahr hin. Solche Kombinationen aus hybriden Erdbeben und LP-Signalen sind auf vulkanisch aktiven Inseln wie Teneriffa nicht ungewöhnlich und werden kontinuierlich überwacht.

Meiner Meinung nach sind solche Erdbeben zwar an sich nicht ungewöhnlich, doch wenn sie jahrzehntelang nicht oder selten auftraten und es dann zu einer Häufung kommt, weisen die Beben auf Änderungen im magmatischen System des Vulkans hin.

Island: Schwarmbeben im Süden bei Selfoss

Erdbebenschwarm im Süden von Island: Hinweise auf tektonische Spannungen und mögliche Fluidbewegung

Am Vormittag des 12. Aprils wurde im Süden Islands ein Erdbebenschwarm registriert. Innerhalb weniger Stunden ereigneten sich mehr als 50 Einzelbeben, die sich räumlich in einem engen Cluster konzentrierten, der bei Þjórsárbrú lokalisiert wurde. Außerdem gab es zuvor einige Beben abseits des Clusters im Gebiet von Hestfjall.

Island. © IMO

Die Magnituden bewegten sich größtenteils im Bereich zwischen 0,0 und 2,5. Das stärkste Ereignis erreichte Magnitude 2,5, das aufgrund seiner geringen Herdtiefe von 3,2 Kilometern von Anwohnern wahrgenommen werden konnte. Die Herdtiefen lagen überwiegend in einem sehr flachen Bereich von etwa 2 bis 4 Kilometern. Eine klassische Hauptbeben-Nachbeben-Sequenz ist nicht erkennbar, was den Schwarmcharakter unterstreicht.

Zusätzlich zur Hauptaktivität trat eine kleinere Gruppe von Beben im Bereich des Hengill-Vulkansystems auf, nahe Hrómundartindur. Diese Ereignisse zeigen ähnliche Tiefen und deuten darauf hin, dass die gesamte Region derzeit tektonisch aktiv ist.

Der Schwarm ereignete sich in einer geologisch hochkomplexen Zone Islands. Hier überlagern sich zwei zentrale Strukturen:

  • die East Volcanic Zone, eine aktive Riftzone, in der sich die eurasische und nordamerikanische Platte voneinander entfernen
  • die South Iceland Seismic Zone, eine Transformzone, die horizontale Verschiebungen aufnimmt

Diese Kombination führt regelmäßig zu Spannungsumlagerungen in der Erdkruste und begünstigt die Entstehung von Erdbebenschwärmen.

Der Schwarm liegt zudem in unmittelbarer Nähe des Vulkans Hekla, einem der aktivsten Vulkane Islands, der in den letzten Jahren aber auf eine Eruption warten ließ Auch das geothermisch aktive Hengill-System befindet sich in der Region. Beide Systeme sind bekannt für ihre enge Kopplung zwischen tektonischen Spannungen und magmatischen Prozessen. Möglicherweise verursachten Fluidbewegungen entlang von Störungszonen die Erdbeben.

Situation bei Svartsengi

Bodenhebung Svartsengi. © IMO

Auf der Reykjanes-Halbinsel und hier insbesondere im Svartsengi-Gebiet lassen Erdbeben weiter auf sich warten. Allerdings ist es dort heute sehr windig, sodass schwache Erdbeben der Registrierung entgehen könnten.

Weitere GNSS-Messungen zeigen, dass die Bodenhebung auf geringem Niveau weitergeht und nicht stagniert, wie man anhand früherer – und scheinbar ungenauer – Messungen hätte meinen können. Die Magma-Aufstiegsrate dürfte unter 0,5 Kubikmetern pro Sekunde liegen. Die Gesamtmenge der Magmaakkumulation strebt langsam in Richtung 25 Millionen Kubikmeter seit Ende der letzten Eruption.

Ob und wann es zu einem weiteren Ausbruch kommt, ist Gegenstand von Spekulationen, wissenschaftlich vorhersagen lässt es sich derzeit nicht.

Campi Flegrei: Kritik an blockierte Fluchtwege

Kritik an Verkehrschaos und blockierten Fluchtwegen in Pozzuoli – stärkeres Erdbeben der Campi Flegrei würde zu Chaos führen

Die Kritik an Evakuierungsplänen und ausgewiesenen Fluchtrouten in Pozzuoli und Umgebung ist nicht neu, doch jetzt wurde sie vom ehemaligen Direktor des Vesuv-Observatoriums öffentlich zur Diskussion gestellt: Giuseppe De Natale äußerte sich gegenüber italienischen Medien sehr kritisch in Bezug auf die existierenden Notfallmaßnahmen der Kommune Pozzuoli und ist der Meinung, dass ein einziges stärkeres Erdbeben ausreichen würde, um die gesamte Region ins Chaos zu stürzen: Eine geordnete Evakuierung von mehr als einer halben Million Menschen wäre angesichts der problematischen Verkehrslage mit zahlreichen Baustellen, kaputten Straßen und blockierten Notfallwegen schlichtweg unmöglich.


Notfallübung

Der Vulkanologe Giuseppe De Natale zeichnet ein alarmierendes Bild der Lage in den Phlegräischen Feldern, insbesondere zwischen Bagnoli und der Via Diocleziano. In einem seit rund 20 Jahren vom Bradyseismus betroffenen Gebiet, in dem Erdbeben zahlreiche Gebäude beschädigt haben, seien wichtige Straßen teils seit Wochen unpassierbar. Gleichzeitig verschärfen Baustellen und der intensive Verkehr schwerer Lastwagen die Situation erheblich, sodass es besonders in Bagnoli regelmäßig zu chaotischen Verhältnissen und stundenlangen Blockaden kommt – auch ohne dass es einen Notfall gibt.

De Natale kritisiert zudem die Notfallplanung als realitätsfern. Konzepte wie funktionierende Fluchtwege oder die Evakuierung von bis zu 600.000 Menschen stünden in starkem Widerspruch zur tatsächlichen Verkehrslage, die im Ernstfall zur Falle für viele Bewohner werden könne. Auch groß angelegte Projekte wie der America’s Cup würden das Chaos weiter verstärken und grundlegenden Prinzipien der Risikovorsorge widersprechen.

Besonders besorgniserregend sei ein mögliches stärkeres Erdbeben, das schnell Panik auslösen könnte. Schon bei Großveranstaltungen komme es zu vollständigen Verkehrsblockaden, wodurch ganze Stadtteile von Fluchtwegen abgeschnitten seien.

Insgesamt bemängelt De Natale gravierende organisatorische Defizite und fehlende praktische Prävention. Seine Analyse stellt die Fähigkeit zur effektiven Bewältigung eines Notfalls in der Region grundlegend infrage.

Marode Infrastruktur auch in potenziellen Erdbebenregionen auf Sizilien

Marode Infrastruktur und Verkehrschaos sind nicht nur ein Problem Pozzuolis und der Campi Flegrei. Auf meiner Sizilienreise zu Ostern wunderte ich mich über die desolaten Straßenzustände im Norden der Insel. Es sind nicht nur die Vulkanregionen wie Ätna und Vulcano betroffen, sondern auch die Großstädte Catania und Palermo. In der gesamten Region besteht latent ein großes Erdbebenrisiko und wenn neben dem alltäglichen Chaos in schmalen Einbahnstraßen und kaputten Stadtumfahrungen noch Blockaden durch eingestürzte Häuser dazukommen, wird nichts mehr gehen. Auch das Autobahnkonzept mit Abfahrten über Hochstraßen auf ebenfalls maroden Brücken ist in erdbebengefährdeten Gebieten mehr als fragwürdig Insbesondere da selbst dem Laien auffällt, dass an vielen Brücken der Rost nagt und es bereits zu abgeplatzten Betonstücken kommt. Da darf man sich als steuerzahlender EU-Bürger durchaus fragen, in welchen mafiösen Strukturen Fördergelder versickern!

Teneriffa: Erdbebenschwarm im Nordosten

Teneriffa weiter Brennpunkt seismischer Aktivität – Erdbebenschwarm in der nordöstlichen Riftzone des Teide

Am Abend des 11. Aprils manifestierte sich im Nordosten des Teide auf Teneriffa bei Arafo ein kleiner Erdbebenschwarm, der aus 11 Beben mit Magnituden zwischen 1,0 und 1,9 bestand. Die Beben ereigneten sich unter dem Nordost-Rücken (Dorsal) des Teide, dessen Verlauf eine Riftzone markiert. Die Hypozentren lagen in Tiefen zwischen etwa 3 und 10 Kilometern. Dabei lässt sich eine gewisse Zweiteilung erkennen: flachere Ereignisse im Bereich um 3 Kilometer und tiefere im Bereich zwischen 6 und 10 Kilometern. Eine solche Tiefenverteilung kann darauf hindeuten, dass die seismische Aktivität durch aufsteigende Fluide entlang der Störung des Rifts ausgelöst wird. Alternativ kann sie aber auch durch rein tektonische Spannungsumlagerungen in der Riftzone erklärt werden.



Teneriffa

Bei der nordöstlichen Riftzone („Dorsal NE“) markiert eine langgestreckte geologische Struktur, die sich vom Zentralbereich rund um den Pico del Teide nach Nordosten erstreckt. Es handelt sich um eine von drei Riftzonen, die tektonisch geschwächte Bereiche der Insel darstellen, in denen sich Magma bevorzugt bewegt und entlang derer in der Vergangenheit zahlreiche Eruptionen stattgefunden haben.

In dieser Region von Teneriffa haben wir im letzten Jahr bereits kleinere Erdbebenschwärme gesehen, noch bevor die Seismizität unter der Caldera „Los Cañadas“ selbst anzog. Dort wurden in der letzten Woche 290 Beben festgestellt.

Die zentrale offene Frage ist derzeit, ob die beobachtete Druckzunahme in der nordöstlichen Riftzone durch rein tektonische Prozesse verursacht wird oder ob tatsächlich neues Magma aus größeren Tiefen nach oben dringt. Im ersten Fall würde man eher mit einer vorübergehenden seismischen Episode rechnen, die ohne weitere Entwicklung abklingt. Im zweiten Fall könnten zusätzliche Anzeichen folgen, etwa Bodenhebung oder veränderte Gasemissionen, die auf eine fortschreitende magmatische Intrusion hinweisen.

Zusammengefasst handelt es sich um einen lokalisierten Erdbebenschwarm in der nordöstlichen Riftzone bei Arafo, in einem geologisch sensiblen Bereich des Vulkansystems von Teneriffa. Der Erdbebenschwarm passt in das Muster der Reaktivierung des magmatischen Systems, liefert aber keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch.

Teneriffa: Erdbeben gehen auch im April weiter

Anhaltend hohe Seismizität unter Teneriffa und den Kanaren – 324 Erdbeben auf Wochensicht

Der aktuelle GUAYOTA-Bericht für die Kanarischen Inseln zeigt, dass auch in der vergangenen Woche die seismisch-vulkanische Aktivität unvermindert anhielt. Für den Berichtszeitraum von Freitag, 3. April 2026, um 00:00 Uhr bis Freitag, 10. April 2026, um 00:00 Uhr wurden unter dem gesamten Archipel 327 Erdbeben festgestellt. Besonders im Fokus steht dabei Teneriffa, wo mit 308 registrierten Erdbeben der Großteil der gemessenen Ereignisse auftrat. Dieser Wert liegt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, als es auf Teneriffa meistens weniger als 30 Beben in der Woche gab. Man kann mindestens von einer Verzehnfachung der Seismizität ausgehen.



GUAYOTA Teneriffa. © INVOLCAN

Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 3,4 und ereignete sich am 9. April 2026 in der Meerenge zwischen Teneriffa und Gran Canaria. Dieses Ereignis steht im Zusammenhang mit einer bekannten tektonischen Störungszone zwischen den beiden Inseln, in deren Nähe auch der submarine Vulkan Enmedio liegt. Insgesamt wurde in dieser Woche eine seismische Energie von rund 1,12 Gigajoule freigesetzt – ein Wert, der im langfristigen Vergleich als moderat einzustufen ist.

Auf Teneriffa wurden auch in dem genannten Beobachtungszeitraum wieder erhöhte Kohlendioxid-Emissionen festgestellt. Qualitativ lagen sie im Bereich des Durchschnitts der letzten 30 Tage. Leicht erhöht war hingegen die Gastemperatur, deren Maximalwert bei 81 Grad lag und damit 1 Grad über den langfristigen Durchschnittswerten.

Auch auf den übrigen Inseln wie Gran Canaria, El Hierro und La Palma wurde seismische Aktivität registriert, allerdings auf niedrigem Niveau. Auf La Palma wurden 15 Beben festgestellt, was deutlich weniger ist als während des Ausbruchs im Jahr 2021. Allerdings sind die geophysikalischen und geochemischen Parameter noch nicht vollständig zum Normalzustand zurückgekehrt. Insbesondere werden in einigen Regionen nahe des zuletzt aktiven Eruptionsgebiets am Tajogaite erhöhte Kohlendioxid-Emissionen festgestellt.

Die vulkanischen Warnstufen bleiben auf den meisten Inseln stabil: Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und El Hierro befinden sich weiterhin auf „Grün“, was uneingeschränkte Alltagsaktivitäten ermöglicht. Für La Palma gilt hingegen weiterhin „Gelb“, was eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber offiziellen Mitteilungen der Behörden erfordert.

Insgesamt bestätigt der Bericht eine stabile, wenn auch aufmerksam zu beobachtende Lage ohne unmittelbare Gefährdung für Bevölkerung und Besucher.

Reykjanes-Ridge: 2 mittelstarke Erdbeben

Zwei mittelstarke Erdbeben erschütterten den Reykjanes Ridge im Nordatlantik

Am 8. April 2026 erschütterten zwei mittelstarke Erdbeben den Nordatlantik entlang des Reykjanes Ridge. Das erste Beben ereignete sich um 21:29 UTC und erreichte eine Magnitude von 4,5. Knapp zwei Stunden später folgte ein stärkeres Ereignis der Magnitude 4,8 um 23:23 UTC. Beide Erdbeben hatten eine Herdtiefe von etwa 10 Kilometern und lagen nur wenige Dutzend Kilometer voneinander entfernt. Das Epizentrum befand sich weitab bewohnter Gebiete, rund 1400 Kilometer süd-südwestlich von Reykjavík sowie südöstlich von Nanortalik.

Reykjanes-Ridge. © EMSC/Leaflet

Die räumliche und zeitliche Nähe der beiden Beben deutet darauf hin, dass sie Teil derselben tektonischen Aktivität sind. Wahrscheinlich handelt es sich um eine zusammenhängende Spannungsentladung innerhalb der ozeanischen Erdkruste. Solche Sequenzen sind entlang mittelozeanischer Rücken keine Seltenheit.

Der Reykjanes Ridge ist ein Abschnitt des Mittelatlantischer Rücken, einer der markantesten geologischen Strukturen der Erde. Hier driften die Nordamerikanische Platte und die Eurasische Platte kontinuierlich auseinander. Durch diese Bewegung steigt Magma aus dem Erdmantel auf, erstarrt und bildet entlang des Rückens neue ozeanische Kruste. Die dabei entstehenden Spannungen entladen sich regelmäßig in Form von Erdbeben, die typischerweise relativ flach sind und moderate Magnituden erreichen – so wie bei den aktuellen Ereignissen.

Obwohl das Reykjanes-Ridge bei Island den Meeresspeigel durchbricht und in Form einer Grabenbruchzone Island durchzeiht, besteht kein direkter Zusammenhang der Beben mit der erhöhten Vulkanaktivität auf Island. Zwar ist Island selbst Teil dieses Rückensystems und stellt eine besonders aktive Zone dar, da hier zusätzlich ein Hotspot wirkt. Doch der Magmanachschub im Bodenhebungsgebiet des isländischen Svartsengi scheint in den letzten Wochen ins Stocken gekommen zu sein: GNSS Messungen zeigen eine Stagnation der Hebungsphase. Meiner Meinung nach nimmt die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Ausbruchs weiter ab, vorausgesetzt, die Hebung setzt nicht wieder ein oder der Ausbruch erfolgt in kürze.

Deutschland: Erdbeben im April

Mehrere Erdbeben im Süden und in der Mitte Westdeutschlands – stärkste Erschütterung Mb 2,6

Seit einigen Tagen wird im Süden und in der Mitte des Westens Deutschlands eine leicht erhöhte Erdbebenaktivität registriert. Das bislang stärkste Erdbeben manifestierte sich am 7. April: Es hatte eine Magnitude von 2,6 und eine Herdtiefe von nur 5200 m, weshalb es im näheren Umkreis des Epizentrums gespürt wurde. Dieses lag im Grenzgebiet zur Schweiz, 14 km östlich von Lörrach. In der Region des Alpenvorlands manifestierten sich heute zwei weitere Erdbeben Mb 1,5. 


Deutschland. © EMSC/Leaflet

Weiter nördlich im Breisgau bei Freiburg und dem angrenzenden Gebiet in der Schweiz ereigneten sich im Wochenverlauf 5 Mikrobeben mit Magnituden kleiner als 1. Die Erschütterungen dürften mit Spannungsabbau entlang lokaler Störungszonen zusammengehangen haben.

Im Kontext von Vulkane.net sind die Mikrobeben in der Osteifel von besonderem Interesse, die infolge von Fluidbewegungen entlang von Störungszonen entstanden sein könnten. Hier gab es südwestlich des Laacher-See-Vulkans 2 Mikroben. Das jüngste ereignete sich gestern und brachte es auf Mb 0,8 in 11 Kilometern Tiefe. Das andere Beben wurde am 7. April registriert und hatte eine Magnitude von 0,5 in 10 km Tiefe. Beide Beben lagen im Bereich der Ochtendunger-Störung, die mit dem schräg im Boden sitzenden Magmenkörper unter dem Laacher-See-Vulkan interagiert. Die Beben deuten aber nicht auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch hin, sondern zeigen, dass der tiefe Untergrund magmatotektonisch aktiv ist.

Ein Blick in unsere Nachbarländer zeigt, dass es auch hier Seismizität gibt, die zum Teil sogar deutlich stärker ist, als es bei uns der Fall ist. Besonders erwähnen möchte ich die Beben in Frankreich, wo es in den letzten Wochen öfter bebte. Besonders betroffen ist die Vulkanprovinz des Zentralmassivs bei Clermont-Ferrand Die Region ist auch als Auvergne bekannt und von besonderem landschaftlichen Reiz. Hier wurden in der letzten Woche drei Beben mit Magnituden im Zweierbereich registriert.

Campi Flegrei: Erdbebenaktivität zieht weiter an

Weiteres spürbares Erdbeben Md 3,4 erschüttert Campi Flegrei – Erdbebenherd direkt unter Bahnlinie

Am Nachmittag des 8. Aprils manifestierte sich unter der süditalienischen Caldera Campi Flegrei ein weiterer deutlich spürbarer Erdstoß der Magnitude Md 3,4. Die Herdtiefe betrug nur 900 m unter dem Meeresspiegel. Besonders brisant ist die Lage des Erdstoßes: Das Epizentrum lag westlich des Monte Olibano, genauer, direkt auf der Bahnlinie die Pozzuoli mit Neapel verbindet und wenige Hundert Meter vor dem Tunnel, der bei den starken Erdbebensequenzen im letzten Jahr beschädigt wurde. 


Campi Flegrei. © INGV

Beim Monte Olibano handelt es sich um einen alten Domkomplex am Südrand des Solfatara-Kraters. Ausgerechnet diesen Standpunkt wählte die italienische Luftwaffe für eine Luftwaffen-Akademie aus, in der Offiziersanwärter ausgebildet werden. Warum man ausgerechnet diesen Standpunkt wählte, ist mir rätselhaft, vielleicht wegen des schönen Ausblicks über den Golf von Pozzuoli und jenen von Neapel oder der Nähe zum Flughafen Neapel, der auch als Militärflughafen genutzt wird. Geologisch betrachtet hätte man sich auf jeden Fall keinen ungünstigeren Platz suchen können, was zeigt, dass man bei der Standortwahl auch ein wenig über den eigenen Horizont hinausblicken sollte.

Der Untergrund des Monte Olibano ist alles andere als stabil und steht im Fokus der dynamischen Prozesse des Solfatara-Gebiets: Am Monte Olibano wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren bei diversen Messkampagnen eine negative Schwereanomalie festgestellt, das heißt, die lokale Gravitation ist schwächer als erwartet. Ursache dafür sind vor allem poröse Gesteine von geringerer Dichte im Untergrund, wie vulkanische Tuffe sowie durch heiße Fluide aufgelockerte Bereiche. Auch Hohlräume und gasreiche Zonen tragen dazu bei. Über die Zeit gab es leichte Schwankungen bei den Schweremessungen, was auf eine gewisse Dynamik des Untergrunds hindeutet. Diese steht in engem Zusammenhang mit der magmatischen Aktivität und liefert wichtige Hinweise auf unterirdische Prozesse wie hydrothermale Systeme oder mögliche Magmaansammlungen. Außerdem befindet sich der Monte Olibano am Rand der Zone mit der größten Bodenhebung. Bei den Erdbeben mit Magnituden im Viererbereich vom letzten Jahr gab es deutlich messbare Bodenbewegungen, sowohl vertikaler Natur als auch horizontaler. Die Hangneigung veränderte sich um 110 µrad.

Die aktuell auflebende Seismizität stärkerer Erdbeben konzentriert sich erneut auf das weitere Umfeld des Monte Olibano und könnte mit Spannungen infolge von Fluidbewegungen und Druckumlagerungen im Zusammenhang stehen.

Natürlich blieb es nicht bei dem Erdbeben Md 3,4: Heute wurden bereits 28 Erschütterungen registriert.