Campi Flegrei: Erdbebenschwarm am 9. Juni

Erdbebenschwarm in den Campi Flegrei – mehr als 20 Erdbeben während der Nacht

Die süditalienische Caldera Campi Flegrei wurde heute Nacht ein weiteres Mal von einem Erdbebenschwarm erschüttert. Er begann um 01:59 Uhr UTC und dauerte gut 2 Stunden. In dieser Zeit haben sich schwache 23 Einzelbeben zugetragen. Das stärkste hatte eine Magnitude von 1,2 und eine Herdtiefe von 2,6 Kilometern Das Epizentrum lag nördlich der Solfatara, an der Tangentiale. Während gut die Hälfte der Beben in dem gleichen Bereich auftrat, streuten die restlichen über ein größeres Areal um die Solfatara herum. Die Erschütterungen waren zu schwach, um verspürt zu werden. Trotzdem dämpft das erneute Auftreten eines Erdbebenschwarms die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der seismo-magmatischen Krise.


Campi Flegrei. © INGV

Dem heute erschienenen INGV-Bulletin für den Beobachtungszeitraum 1. bis 7. Juni ist zu entnehmen, dass in dieser Periode 116 Erdbeben auftraten. Die Maximalamplitude lag bei Md 1,6. Die meisten Beben spielten sich innerhalb des Hydrothermalsystems ab. Vereinzelte tiefer auftretende Erschütterungen könnten mit Gesteinsbruch im Dach der Caldera zusammenhängen. Aufgrund der weiter fortschreitenden Hebung gerät dieses unter immer größere Spannungen. Die Hebegeschwindigkeit wird weiterhin mit 10 mm pro Monat angegeben.

Die geophysikalischen Messgrößen zeigten keine signifikanten Schwankungen und folgten dem langjährigen Trend der Druckbeaufschlagung. Die Fumarolentemperatur bei Pisciarelli betrug durchschnittlich 95 Grad, die der BG-Fumarole der Solfatara 173 Grad. Betrachtet man hier die Dezimalstellen, bewegte sich die Temperatur im oberen Schwankungsbereich. Der Kohlendioxidausstoß blieb ebenfalls hoch, ohne Spitzenwerte zu erreichen.

Momentan bewegen sich die Parameter zwar weiterhin in einem erhöhten Bereich, zeigen aber keine Eskalation der Situation an. Obwohl die Aktivität geringer als im letzten Jahr ist, in dem es meiner Meinung nach zu mehreren kleinen Magmaintrusionen in 4 bis 5 Kilometern Tiefe kam, gibt es keine Anzeichen einer nachhaltigen Entspannung der Situation. Die für die Krise ursächlich verantwortlichen Prozesse in der Tiefe laufen weiterhin ab und es kann jederzeit zu einer erneuten Steigerung der Begleiterscheinungen wie Erdbeben und beschleunigte Bodenhebung kommen.

Island: Forscher sieht Katla nahe an Belastungsgrenze

Erhöhte Erdbebenaktivität: Geophysiker sieht Katla an der Belastungsgrenze

Die Erdbebenaktivität auf Island war in der letzten Woche besonders hoch und der Fokus der Seismizität konzentrierte sich auf die Spalten- und Vulkansysteme Hengill und Langjökull. Aber auch abseits dieser beiden Erdbebenschwärme gab es zahlreiche Erdbeben unter den großen Zentralvulkanen Bardarbunga und Katla. Die Aktivität hat seit dem Wochenende wieder abgenommen, wirkt in der medialen Berichterstattung aber nach.



Einem MBL-Bericht zufolge trat der Geophysikprofessor Halldór Geirsson in der Sendung Dagmál auf und äußerte sich in einem Interview besorgt darüber, dass der subglaziale Vulkan Katla in vielerlei Hinsicht nahe an seiner Belastungsgrenze sein könnte. Bereits kleinste Veränderungen des Magmastands im Speicher- und Fördersystem der Katla könnten demnach ausreichen, um Erdbeben auszulösen. Einen Teil der beobachteten seismischen Aktivität führte Halldór genau darauf zurück. Der Professor geht also von einer weiterhin andauernden Magmaakkumulation unter Katla aus. Auch andere Wissenschaftler sind der Meinung, dass sich der Vulkan auf einen Ausbruch vorbereitet. Allerdings lässt sich nach wie vor kein Zeitfenster für eine mögliche Eruption eingrenzen. Dass der Vulkan für eine Eruption bereit sein könnte, sind Spekulationen, die bereits seit mehr als einem Jahrzehnt andauern.

Tatsächlich gibt es seit Wochen kaum einen Tag, an dem keine Erdbeben unter dem Myrdalsjökull registriert werden. Bei diesem Gletscher handelt es sich um die Eisbedeckung der Katla.

Einschränkend wurde in dem Interview darauf hingewiesen, dass diese Einschätzung nicht unumstritten ist. Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor besteht darin, dass nur ein relativ kurzer Zeitraum an Messdaten zur Verfügung steht und die Erfassung von Krustenbewegungen unter einem Gletscher technisch besonders schwierig ist. Zudem wurde in den letzten Jahren das seismische Netzwerk auf Island kontinuierlich ausgebaut, so dass nun auch besonders schwache Erdbeben registriert werden, die früher unbemerkt blieben. Schließt man nur unter Berücksichtigung der Seismizität auf eine Belastungsgrenze, gewinnt man den Eindruck, Gesamtisland würde kurz vor einer Eruption stehen. Dabei sind hier tektonische und magmatische Prozesse am Werk, die sich gegenseitig beeinflussen.

Betrachtet man die neue IMO-Shakemap in der Monatsansicht, erkennt man, dass es in den letzten 4 Wochen unter mehreren Zentralvulkanen, einschließlich Hekla, vermehrt zu Erdbeben gekommen ist. Früher galt gerade dieser Vulkan als seismisch vergleichsweise ruhig und es hieß, dass jede Erdbebenhäufung auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch hinweisen könnte. Eine gute Messlatte, um dem Problem einer vermeintlich gesteigerten Registrierung und Wahrnehmung von Erdbeben auf die Spur zu kommen.

Weiterführender Link: MBL- Artikel zum Interview

Kuba: Starkes Erdbeben Mw 6,1 vor Nordwestküste

Kuba von stärkstem Erdbeben seit fast 150 Jahren erschüttert – möglicherweise alte Störungszone reaktiviert

Ein Erdbeben der Magnitude 6,1 hat am Abend des 8. Juni 2026 die Region vor der Nordwestküste Kubas erschüttert. Nach Angaben des EMSC ereignete sich das Beben um 18:00 Uhr UTC in einer Tiefe von 26 Kilometern. Das Epizentrum lag etwa 104 Kilometer westnordwestlich von Mantua und 155 Kilometer westlich von Pinar del Río im äußersten Westen Kubas. Obwohl es das stärkste Erdbeben in der Kuba-Region seit 150 Jahren war, entstanden keine größeren Schäden, dennoch gerieten Anwohner der Region in Panik.

Kuba. © EMSC/Leaflet

Die Erschütterungen wurden nicht nur auf Kuba deutlich wahrgenommen, sondern auch auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán sowie in Teilen Floridas. In den Touristenzentren Cancún, Playa del Carmen und Tulum verließen Menschen vorsorglich Gebäude. Auch in Florida meldeten Bewohner spürbare Bodenbewegungen. Eine Tsunamiwarnung wurde nicht ausgegeben. Beim EMSC berichtete eine Bebenzeugin aus Cancun, dass ihr Computer und Stuhl gewackelt hätten. Ähnliche Beschreibungen gibt es aus anderen Regionen in einem Umkreis von gut 250 Kilometern um das Epizentrum herum.

Auf Kuba löste das Beben neben großer Besorgnis auch Fluchtreflexe aus. Berichte über schwere Schäden oder Opfer liegen aber nicht vor. Dennoch reagierten viele Menschen verunsichert. Bewohner der Provinz Pinar del Río berichteten von ungewöhnlich starken Erschütterungen. Zahlreiche Menschen liefen ins Freie, da Erdbeben dieser Stärke in der Region äußerst selten sind. Die Sorge ist besonders groß, weil viele Gebäude infolge der langjährigen Wirtschaftskrise in schlechtem baulichem Zustand sind.

Aus tektonischer Sicht war das Beben ungewöhnlich, da es sich innerhalb der Karibischen Platte und nicht direkt an einer aktiven Plattengrenze ereignete. Wahrscheinlich stand es mit der alten Nortecubana-Störungszone in Zusammenhang, die sich vor der Nordküste Kubas über eine Länge von rund 1200 Kilometern erstreckt und bereits während des Mesozoikums angelegt wurde. Die Nortecubana gilt nach Einschätzung vieler Geologen als weitgehend inaktiv, bringt jedoch in großen zeitlichen Abständen immer wieder Erdbeben hervor. Der Erdstoß vom Abend des 8. Juni ereignete sich einige Kilometer westlich dieser Störung. Möglicherweise bauen sich entlang der Nortecubana infolge der Rotation der Karibischen Platte noch immer langsam Spannungen auf.

Nach Einschätzung von USGS-Seismologen handelte es sich um das stärkste Erdbeben innerhalb eines Radius von etwa 322 Kilometern seit dem Jahr 1880. Damals ereignete sich nahe San Cristóbal im Westen Kubas ein Beben der Magnitude 6,0, welches wahrscheinlich ebenfalls mit der Nortecubana assoziiert war. Damit war das aktuelle Ereignis das stärkste bekannte Erdbeben in diesem Gebiet seit nahezu 150 Jahren und eines der ungewöhnlichsten seismischen Ereignisse der jüngeren Karibikgeschichte.

Hawaii: Erdbeben Mb 4,1 vor der Südküste

Spürbares Erdbeben Mb 4,1 erschütterte Südküste von Big Island Hawaii

Gestern Vormittag manifestierte sich vor der Südküste von Big Island Hawaii ein mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 4,1. Trotz der relativ großen Herdtiefe von 33 Kilometern konnte es im Raum Pāhala verspürt werden. Das Epizentrum wurde vom EMSC 18 km südöstlich von Pāhala verortet. Das Beben war Teil eines Schwarms im Offshorebereich zwischen der Küste von Big Island und dem submarinen Vulkan Kamaʻehuakanaloa.

Hawaii. © HVO/Leaflet

Die Herdtiefe spricht dafür, dass es mit den Beben unter der Küstenebene bei Pāhala zusammenhängt, die infolge von Magmenaufstieg stattfinden. Das HVo schreibt jedoch, dass das Beben einen ähnlichen Ursprung hat wie die Beben der letzten Wochen vor der Südwestküste der Insel, die tektonisch bedingt sein sollen und durch Spannungen infolge der Auflast von Hawaii auf den Ozeanboden ausgelöst wurden.

Das tektonische Umfeld Hawaiis kann als komplex bezeichnet werden, obwohl es nicht an einer Plattengrenze gekoppelt ist, sondern an einem stationären Mantelplume. In diesem schlauchartigen Gebilde steigt Magma aus dem Erdmantel auf, das die Vulkane des Archipels speist. Während die Pazifische Platte langsam nach Nordwesten driftet, bildeten sich nacheinander Vulkane wie Mauna Loa und Kilauea. Der Kamaʻehuakanaloa ist der jüngste Vulkan dieser Kette. Während Forschungsarbeiten bestätigten, dass die tiefen Erdbeben bei Pāhala mit Magmenaufstieg in ein Reservoir in Zusammenhang stehen, das sowohl Mauna Loa als auch Kīlauea speist, ist es unklar, ob es auch eine direkte Verbindung zum Kamaʻehuakanaloa gibt.

Nach einer vergleichsweise ruhigen Periode zieht die Seismizität unter Big Island aktuell deutlich an. Wie ein Blick auf die Erdbebenkarte der letzten 14 Tage verdeutlicht, gibt es nicht nur tiefe Erdbeben im Küstenbereich, sondern auch flache Beben unter den Vulkanen Mauna Loa und Kilauea. Letzterer lädt nach der Lavafontänen-Episode 48 wieder auf und bereitet sich auf Episode 49 vor. Das Prognosefenster für die Eruption wurde vom HVO auf den 12. bis 15. Juni gelegt.

Philippinen: Starkes Erdbeben im Süden löst Tsunamialarm aus

Sehr starkes Erdbeben der Magnitude 7,8 erschüttert den Süden der Philippinen – Schäden und kleine Tsunamis

Datum: 07.06.2026 | Zeit: 23:37:41 UTC | Koordinaten: 5.679 ; 125.071 | Tiefe: 45 km | Mw 7,8



Ein schweres Erdbeben der Magnitude 7,8 hat am Morgen des 8. Juni 2026 (Ortszeit) die südlichen Philippinen erschüttert. Das Epizentrum lag vor der Küste von Mindanao, etwa 49 Kilometer südlich der Großstadt General Santos und 22 Kilometer südwestlich des Ortes Glan. Der Erdstoß ereignete sich in einer Tiefe von 45 Kilometern und war nicht nur in weiten Teilen der südlichen Philippinen deutlich zu spüren, sondern verursachte auch moderate Schäden und kleine Tsunamis. Es gab auch Tote und Verletzte.

Philippinen. © EMSC/Leaflet

Berichte über Gebäudeschäden, Stromausfälle und beschädigte Infrastruktur gingen bereits kurz nach dem Erdbeben ein. Mehrere zum Teil starke Nachbeben, von denen da stärkste eine Magnitude von 6,5 hatte, erschwerten die Lage zusätzlich und sorgten für weitere Verunsicherung bei den Anwohnern der Region. Nach ersten offiziellen Angaben kamen mindestens 15 Menschen ums Leben, 129 weitere wurden verletzt.

Unmittelbar nach dem Beben gaben die Behörden Tsunamiwarnungen für Küstenabschnitte von Mindanao heraus. An mehreren Messstationen wurden später keine Tsunamiwellen registriert, die örtlich etwa einen Meter Höhe erreichten. Tausende Bewohner verließen vorsorglich die Küstengebiete und brachten sich auf höher gelegenem Gebiet in Sicherheit.

In den sozialen Medien veröffentlichte Bilder zeigen wie die Wellen gegen die Küste branden. Obwohl die eigentliche Höhe der Tsunamis vergleichsweise klein blieben, schoben sie sich an einigen flachen Küstenabschnitten dennoch ins Land hinein und verursachten Überflutungen und Zerstörungen.

Kollaps

Das Erdbeben ereignete sich in einer der tektonisch aktivsten Regionen Südostasiens. Die Philippinen liegen am komplexen Übergang zwischen der Philippinischen Seeplatte und der Sundaplatte, die wiederum Teil des eurasischen Plattensystems ist. Südlich von Mindanao taucht ozeanische Kruste entlang der Mindanao- beziehungsweise Cotabato-Tiefseerinne in den Erdmantel ab. Dieser Prozess wird als Subduktion bezeichnet und zählt zu den wichtigsten Ursachen für starke Erdbeben und Tsunamis in der Region. Außerdem ist die Subduktion maßgeblich für die zahlreichen Vulkane entlang des Pazifischen Feuerrings verantwortlich, an dem auch die Philippinen liegen.

Die aktuelle Erschütterung passt in dieses geologische Muster. Die Herdtiefe von 45 Kilometern deutet darauf hin, dass der Bruch innerhalb der abtauchenden Platte oder an deren Kontaktfläche stattfand. Solche sogenannten Megathrust-Zonen können enorme Spannungen aufbauen und bei ihrer plötzlichen Freisetzung Beben mit Magnituden von deutlich über 8 hervorbringen. Die vergleichsweise große Herdtiefe begünstigte, dass die Schäden moderat und die Anzahl der Todesopfer überschaubar blieben und keine ganz große Naturkatastrophe verursacht wurde.

Historisch gehört die Region zu den gefährlichsten Erdbebengebieten der Philippinen. Besonders das Moro-Golf-Erdbeben von 1976 mit einer Magnitude von etwa 8,0 und dem daraus resultierenden Tsunami gilt als eine der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte des Landes. Das aktuelle Ereignis zeigt erneut, wie hoch das geologische Risiko entlang der aktiven Subduktionszonen des westlichen Pazifiks bleibt.

Die Erdbeben können auch auf die zahlreichen Vulkane der Region wirken, Eruptionen verhindern oder triggern Neben den aktiven philippinischen Vulkanen Kanlaon, Mayon und Taal können auch Vulkane Indonesiens beeinflusst werden. In der Nähe des Epizentrums liegen Awu, Karangetang und Ruang, aber auch Ibu und Dukono, um nur die bekanntesten zu nennen. Insbesondere Awu und Karangetang könnte mit einer Eruption auf die Erdbebentätigkeit antworten.

Griechenland: Erdbeben Mb 5,2 erschüttert Euböa

Mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 5,2 erschüttert in Griechenland Nord-Euböa und Athen – Leichte Schäden und Erdrutsche gemeldet

Datum: 07.06.2026 | Zeit: 10:02:50 UTC | Koordinaten: 38.769 ; 23.379 | Tiefe:  10 km | Mb 5,2



Ein Erdbeben der Magnitude 5,2 hat am Sonntagmittag die griechische Insel Euböa erschüttert und wurde in große Teile Mittel- und Südgriechenlands deutlich wahrgenommen. Nach Angaben seismologischer Dienste ereignete sich das Hauptbeben um 10:02 UTC (13:02 Ortszeit) mit einem Epizentrum 5 Kilometer ost-nordöstlich von Limni im Norden Euböas. Die Markierung auf der EMSC Shakemap weicht von der Verortung allerdings deutlich ab. Die Herdtiefe wird aktuell mit rund 10 Kilometern angegeben, womit das Beben als relativ flach einzuordnen ist und entsprechend deutlich an der Oberfläche wahrgenommen wurde. Griechische Erdbebendienste geben die Herdtiefe mit 5 Kilometer an.

Griechenland (Euböa). © EMSC/Leaflet

Dem Hauptstoß gingen mehrere schwächere Beben voraus, darunter ein Ereignis der Magnitude 4,8 sowie weitere Vorbeben im Bereich von 4,3 bis 3,0. In den Minuten und Stunden nach dem Hauptbeben setzte zudem ein dichter Nachbebenschwarm ein, der zahlreiche Erschütterungen zwischen Magnitude 2,5 und 3,6 umfasste. Diese Sequenz deutet klar auf eine klassische Foreshock–Mainshock–Aftershock-Abfolge entlang einer lokal begrenzten Störungszone hin.


Die Erschütterungen waren in weiten Teilen Griechenlands deutlich spürbar, darunter in der Region Attika und der Hauptstadt Athen, wo viele Bewohner von vibrierenden Fenstern und kurzzeitiger Verunsicherung berichteten. In der Nähe des Epizentrums erreichten die Bodenbewegungen hingegen deutlich höhere Intensitäten.

Besonders betroffen war der Norden Euböas, wo es infolge der starken Bodenbeschleunigungen zu mehreren Erdrutschen kam. Nach Angaben lokaler Behörden wurden Straßen in bergigen Gebieten teilweise blockiert, während Einsatzkräfte mit der Räumung und der Überprüfung der Infrastruktur beschäftigt waren. Größere Gebäudeschäden oder Verletzte wurden bislang nicht gemeldet. Es kam jedoch zu vereinzelten Rissen in Wohngebäuden und kleineren Schäden an älteren Bauwerken. Laut einem Medienbericht sollen auch einige Gebäudemauern eingestürzt sein.

Tektonisch betrachtet ereignete sich das Erdbeben in der geologisch hochaktiven Ägäis-Region, die durch die Subduktion der Afrikanischen Platte unter die Eurasische Platte geprägt ist. Nord-Euböa befindet sich innerhalb einer ausgedehnten Dehnungszone mit zahlreichen aktiven Normalstörungen. Diese Strukturen führen regelmäßig zu seismischen Schwärmen und moderaten Erdbeben, die durch Krustendehnung in der obersten Erdschicht ausgelöst werden. Das aktuelle Ereignis passt in dieses bekannte Muster aktiver extensionaler Tektonik.

Update 19:30 Uhr: Auf der EMSC-Shakemap werden inzwischen weitere Erdbeben in dem beschriebene Bereich angezeigt, die sich tatsächlich zeitnahe mit den anderen ereignete. Darunter ein Beben Mb 5,5, das vor der Südküste von Euböa lag.

Zahlreiche Erdbeben entlang des südlichen Pazifischen Feuerrings

Hohe Seismizität am Pazifischen Feuerring – Indonesien, Tonga und Neuseeland im Fokus der Erdbeben

Datum: 06.06.2026 | Zeit: 14:09:46 UTC | Koordinaten: -17.598 ; -172.335 | Tiefe:  6 km | Mw 5,3

Entlang des südlichen Pazifischen Feuerrings – vor allem im Bereich der australischen Plattengrenze – gibt es aktuell eine besonders hohe Seismizität, die von Dutzenden moderater Erdbeben geprägt ist. Die stärkste Erschütterung hatte eine Magnitude von 5,3 und ereignete sich um 14:09:46 UTC in der nördlichen Tonga-Region. Die Herdtiefe betrug lediglich sechs Kilometer. Weitere Erdbeben konzentrierten sich entlang des Kermadec-Grabens sowie im Norden der neuseeländischen Nordinsel, wo in der Bay of Plenty der Inselvulkan White Island liegt. Er steht auf Alarmstufe 2, zeigte in den vergangenen Wochen jedoch nur geringe Aktivität.

Pazifischer Feuerring. © EMSC/Leaflet

Blickt man nach Papua-Neuguinea, erkennt man eine Reihe von Erdbeben entlang des Highland Fold and Thrust Belt, aber auch an der Nordküste. Das stärkste Beben erreichte hier eine Magnitude von 4,8. Im Bereich der Bismarcksee und des Titan-Ridge-Vulkans wurden keine stärkeren Erschütterungen registriert. Aufgrund des nur schwach ausgebauten seismischen Messnetzes ist jedoch nicht davon auszugehen, dass alle schwächeren Beben erfasst werden. Der submarine Vulkan bleibt weiterhin aktiv und erzeugt neben Dampfwolken auch thermische Signale.

In Indonesien manifestierten sich entlang des Sundabogens zahlreiche Erschütterungen. Auffällig ist ihre Häufung vor der Küste Zentraljavas, wo der Vulkan Merapi liegt, der ebenfalls aktiv bleibt. Auch in der Balisee sowie im Gebiet der Molukken bis hin zu den Philippinen kam es häufig zu Erdbeben. Auf den Molukken gibt es mehrere aktive Vulkane, von denen der Dukono vielen noch gut in Erinnerung sein dürfte. Nach seinem verheerenden Ausbruch im Mai wurde der Aufstieg zum Krater gesperrt. Das gleiche Schicksal ereilte nun vorsorglich auch den Nachbarvulkan Ibu – ganz so, wie ich es vorausgesagt hatte. Angesichts des ausufernden Vulkantourismus in Indonesien ist dies einerseits eine sinnvolle Maßnahme, andererseits jedoch ein Schlag ins Gesicht für ernsthafte Vulkanbeobachter.

Australien scheint derzeit unter erheblichen tektonischen Spannungen zu stehen, sodass es auch auf dem Kontinent selbst zunehmend zu Erdbeben kommt. In den vergangenen 24 Stunden wurden drei Erschütterungen registriert. Die stärkste erreichte eine Magnitude von 3,1.

Der Pazifische Feuerring ist ein etwa 40.000 Kilometer langer Gürtel aus Vulkanen und Erdbebenzonen, der den größten Teil des Pazifischen Ozeans umschließt. Er erstreckt sich von Neuseeland über Indonesien, die Philippinen, Japan, die Aleuten, Alaska sowie die Westküsten Nord- und Südamerikas bis nach Chile.

Der Feuerring entsteht überwiegend an Plattengrenzen, an denen ozeanische Erdplatten unter andere Platten abtauchen (Subduktion). Dabei werden starke Spannungen aufgebaut, die häufig Erdbeben auslösen. Gleichzeitig schmilzt Gestein in der Tiefe auf, wodurch Magma entsteht und Vulkane gespeist werden.

Rund 75 Prozent aller aktiven Vulkane der Erde und etwa 90 Prozent aller Erdbeben ereignen sich im Bereich des Pazifischen Feuerrings. Deshalb gilt er als die geologisch aktivste Region unseres Planeten.

Erdbebenaktivität auf Island bleibt vor allem unter Vulkanen hoch

Hohe Erdbebenaktivität im Bereich mehrerer Vulkansysteme auf Island – Langjökull weiter im Fokus

Auf Island registriert das seismische Netzwerk des IMO weiterhin eine hohe Erdbebenaktivität. Innerhalb von 48 Stunden wurden 345 Erschütterungen aufgezeichnet, die sich auf mehrere Spalten- und Vulkansysteme verteilen. Obwohl es auch im Norden an der Tjörnes-Fracture-Zone bebt, liegt der Schwerpunkt derzeit auf der Südhälfte der Insel. Hier stehen neben den Dauerbrennern Bárðarbunga und Katla auch die Vulkane Hekla und Langjökull im Fokus der seismischen Aktivität.



Island. © IMO

Besonders deutlich wird die Konzentration der Beben beim Blick auf die Shakemap der vergangenen sieben Tage. Neben den bereits erwähnten Regionen fallen auch Erdbebencluster am Grjótárvatn auf der Snæfellsnes-Halbinsel sowie in den Systemen Hengill, Krýsuvík, Fagradalsfjall und Reykjanestá auf der Reykjanes-Halbinsel auf. Auch im Svartsengi-System bei Grindavík stieg die Zahl der Erdbeben leicht an.

All diese Erdbebenlokationen stehen letztlich mit den beiden großen isländischen Riftsystemen im Osten und Westen der Insel in Zusammenhang, entlang derer sich die meisten Zentralvulkane aufreihen. Generell zeigen die Beben, dass die Extensionalspannungen (Dehnungsspannungen bzw. tensional stress) entlang der kontinentalen Nähte zwischen Nordamerika und Eurasien derzeit besonders hoch sind. Dadurch kommt es vermehrt zu Erdbeben, die den Stress abbauen.

Wie in dem Bericht über die gestern vorgestellte Studie beschrieben, können tektonische Riftingprozesse auf Island Vulkanausbrüche vorbereiten. Das Magma nutzt dabei die durch das Rifting geschaffenen Schwächezonen als Aufstiegswege. Darüber hinaus dürfte das Magma selbst einen gewissen Einfluss auf die tektonischen Prozesse entlang des Mittelatlantischen Rückens haben.

An vielen der vulkanischen Bebenspots, an denen sich in den vergangenen Tagen zahlreiche Erdbeben ereigneten, ist zudem bekannt, dass bereits Magmenakkumulationen in flachen Krustenbereichen existieren, die ihrerseits Erdbeben verursachen können. Neu ist hingegen die Intensivierung der Bebentätigkeit im Hengill-System und am Langjökull. Dort kam es zum bislang stärksten Erdbebenschwarm zwischen den Vulkanen Prestahnúkur und Ok.

Bei Letzterem handelt es sich um einen 1.198 Meter hohen Schildvulkan, der bis zum Jahr 2014 von einem Gletscher bedeckt war. Der Okjökull zählt zu den ersten Gletschern Islands, die aufgrund des anthropogenen Klimawandels für tot erklärt wurden. Die aktuellen Erdbebenschwärme an beiden Lokationen sind die stärksten seit mehreren Jahren. Insbesondere am Langjökull ist seit 2022 eine langsam zunehmende Verstärkung der Aktivität zu beobachten.

Die Beben ereignen sich entlang von Störungszonen des Rifts und könnten die oben beschriebenen Prozesse einleiten, die letztlich auch auf Reykjanes zu den Eruptionen am Fagradalsfjall und an der Sundhnúkur-Kraterreihe führten.

Die Bodenhebung bei Svartsengi, die mit den Eruptionen an der Sundhnúkur-Kraterreihe assoziiert ist, setzt sich langsam fort. Dennoch bleibt ungewiss, ob und wann es zu einem weiteren Ausbruch kommen wird. Der Graph zur Bodenhebung zeigte in den vergangenen Monaten wiederholt Schwankungen, wie sie auch unmittelbar vor den letzten Eruptionen beobachtet wurden.

Daher stellt sich die Frage, ob es sich damals um zufällige Schwankungen handelte, die lediglich aufgrund ihres zeitlichen Zusammenhangs mit den Ausbrüchen entsprechend interpretiert wurden, oder ob das Magma seit dem Ende der letzten Eruption bereits mehrfach versucht hat aufzusteigen, ohne die Oberfläche erreichen zu können.

Wir dürfen jedenfalls gespannt sein, welche Entwicklungen sich auf Island in den kommenden Wochen und Monaten noch ergeben werden.

Island: Ungewöhnliches Schwarmbeben im Langjökull-System

Ungewöhnliches Schwarmbeben im Langjökull-System auf Island deutet auf große Spannungen im Untergrund hin

Die Erdbebenserie im Südwesten des zentralisländischen Langjökull-Systems, zu dem mehrere Vulkane und Fissuren gehören, hat sich in der Nacht zum Donnerstag deutlich intensiviert. Um 23:08 UTC ereigneten sich kurz hintereinander zwei deutlich spürbare Erdbeben der Magnituden 3,8 und 3,3. Die Herdtiefen lagen bei etwa vier Kilometern und damit relativ flach – in einem Tiefenbereich, in dem sich häufig Magma akkumuliert, in dem aber auch tektonische Erdbeben auftreten können. Es folgten weit über 150 schwächere Erschütterungen.

Langjökull. © Google Maps

Dennoch würde ich in diesem Fall weniger von Haupt- und Nachbeben sprechen als vielmehr von der Eskalation eines Schwarmbebens, das bereits Anfang Mai nordwestlich des Þórisjökull am Rand des Langjökull-Gebiets begonnen hatte. Nach Angaben des Isländischen Wetteramtes (IMO) handelt es sich um die stärksten Erschütterungen in diesem Gebiet seit Mai 2008.

Schaut man sich die Erdbebenkarte des IMO im Detail an, erkennt man, dass die Beben entlang einer nordost-südwestlich streichenden Bruchstufe auftreten, der auch der Fluss Geitá folgt und an der sich mehrere kleine Seen gebildet haben. Allein die Morphologie belegt, dass hier eine Störungszone verläuft, die Teil der westlichen Vulkan- und Riftzone Islands ist. Entlang dieser divergenten Plattengrenze bewegen sich die Eurasische und die Nordamerikanische Platte voneinander weg, wodurch aufsteigendem Magma aus dem Erdmantel der Weg erleichtert wird. Entsprechend zahlreich sind die Vulkane entlang dieser Plattengrenze.

Island © IMO

Doch nicht nur tektonische Prozesse begünstigen den Magmenaufstieg. Auch der Island-Mantelplume spielt eine wichtige Rolle, da er von unten gegen die ozeanische Kruste drückt und diese im Bereich Islands aufwölbt. Obwohl die Seismizität an dieser Stelle vordergründig tektonischen Ursprungs zu sein scheint, könnte dennoch Magma involviert sein – entweder als treibende Kraft oder als „Lückenfüller“ in neu entstandenen Bruchstrukturen. Das hier nur dünn ausgebaute GNSS-Netz zeigt allerdings keine Bodendeformationen an, was gegen einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch spricht.

Anders verhält es sich am zweiten großen isländischen Erdbeben-Hotspot, der in den vergangenen Tagen für Unruhe sorgte: Das Schwarmbeben an der Grenze zwischen den Spaltensystemen von Hengill und Brennisteinsfjöll brachte inzwischen fast 1.400 Erschütterungen hervor. Obwohl die Aktivität inzwischen nachgelassen hat, treten weiterhin Erdbeben auf. Hier zeigt die Messstation NVEL am Nordrand des Gebiets eine Subsidenz von rund 25 Millimetern an, die bereits im April einsetzte. Die Bodendeformation hat auch eine Horizontalkomponente, die zeigt, dass sich die Kruste dehnt. Auch dort scheint derzeit kein Vulkanausbruch unmittelbar bevorzustehen. Trotz der leichten Absenkung könnten die Schwarmbeben Frühindikatoren für tiefe Magmaakkumulationen oder Fluidumlagerungen sein, die von der Divergenz getriggert wird – ähnlich wie in den Jahren vor der vulkanischen Aktivität am Fagradalsfjall und bei Sundhnúkur im Svartsengi-Gebiet.

Am Langjökull könnte der gleichnamige Zentralvulkan selbst aktiviert werden, der unter dem Gletscher verborgen liegt. Mit ihm assoziiert ist das Prestahnúkur-Vulkansystem, das nur etwa fünf Kilometer nordöstlich der aktuellen Erdbeben liegt. In vergleichbarer Entfernung befindet sich auch der Þórisjökull, ein gletscherbedeckter Tafelvulkan.

Die Entwicklung am Langjökull zählt zu den bemerkenswertesten geologischen Ereignissen auf Island in diesem Frühjahr. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, in welche Richtung sich die Situation entwickelt.