Erdbebensequenz erschüttert Costa Rica – mehrere Beben nahe der Pazifikküste
In Costa Rica hat sich seit dem 10. September eine ausgeprägte Erdbebensequenz entwickelt. Das stärkste Ereignis erreichte am 10. September um 08:26:54 UTC die Magnitude 5,0. Das Hypozentrum lag nach EMSC/USGS in nur etwa 10 Kilometern Tiefe bei 9,03° Nord und 84,06° West, gut 55 Kilometer südwestlich von San Isidro und etwa 100 Kilometer südlich von San José. Am Abend folgte in 16 Kilometern Tiefe das zweitstärkste Beben M 4,8. Beide Beben wurden von den Küstenbewohnern verspürt.

Dem Beben der Magnitude 5,0 gingen bereits mehrere schwächere Erdstöße voraus. Im spürbaren Magnitudenbereich lagen auch zwei Beben der Magnituden 3,5 und 3,4. Weitere Ereignisse ereigneten sich im Raum der zentralen und südlichen Pazifikregion Costa Ricas. Am Abend folgte bei 9,07° Nord und 84,26° West ein weiteres stärkeres Beben der Magnitude 4,8 in 16 Kilometern Tiefe. Auch am 11. September setzte sich die Aktivität mit Beben bis Magnitude 3,4 und 2,9 fort. Die räumliche Verteilung spricht allerdings nicht für eine vollkommen kompakte Nachbebenserie an einem einzigen Punkt, sondern für eine breitere Aktivierung von Störungsstrukturen.
Bei den Erdbebendiensten und örtlichen Polizeidienststellen gingen Wahrnehmungsmeldungen teils besorgter Bürger ein. Ein Beobachter in Daniel Flores, nur 32 Kilometer vom Epizentrum entfernt, berichtete, dass das Bett schwankte. In Escazú, rund 92 Kilometer entfernt, wurde eine kurzweilige Erschütterung registriert. Schäden wurden nicht gemeldet.
Die Region liegt in einer tektonisch hochaktiven Zone Mittelamerikas, die praktisch täglich von zahlreichen Erdbeben erschüttert wird. Am Mittelamerikanischen Tiefseegraben wird die ozeanische Cocos-Platte unter die Karibische Platte beziehungsweise den Panama-Block subduziert. Im südlichen Costa Rica trifft diese Plattengrenze auf die komplexe Region um den Cocos-Rücken und die Panama-Fracture-Zone. Dadurch entstehen sowohl Subduktionsbeben als auch zahlreiche flache Krustenbeben innerhalb des darüberliegenden Plattenblocks.
Die geringe Herdtiefe der aktuellen stärkeren Beben spricht zunächst für eine Aktivierung oberflächennaher Störungen entlang der Plattengrenzen. Ein direkter Zusammenhang mit Magmenbewegungen ist nicht erkennbar, obwohl die tektonischen Prozesse, die die Erdbeben auslösten, auch für die Magmenbildung mitverantwortlich sind.
Dennoch ist die Nähe zu mehreren aktiven Vulkanen interessant. Vom Epizentrum des stärksten Bebens liegen die Vulkane Irazú und Turrialba ungefähr 110 bis 120 Kilometer entfernt. Auch die oft in den Schlagzeilen stehenden Vulkane Poás und Rincón de la Vieja liegen im Wirkungskreis des Erdbebens. Dass hierdurch Vulkanausbrüche getriggert werden, ist allerdings wenig wahrscheinlich.
Die aktuelle Erdbebensequenz ist damit vor allem als tektonisches Geschehen im komplexen Plattenrandbereich Costa Ricas einzuordnen. Eine vulkanische Ursache lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten.







