Sehr starkes Erdbeben erschüttert Panama – Schäden aber bis jetzt keine Totesopfer gemeldet
Datum: 09.10.2026 | Zeit: 17:56:07 UTC | Koordinaten: 7.565 ; -80.672 | Tiefe: 13 km | Mw 7,7
Ein ungewöhnlich starkes Erdbeben hat am 9. Oktober 2026 Panama erschüttert. Das Beben erreichte nach Angaben des USGS eine Magnitude von 7,7 und ereignete sich um 17:56 UTC in 13 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag im Landesinneren, 23 Kilometer südwestlich von Macaracas. Besonders stark betroffen waren Regionen in den Provinzen Los Santos, Herrera, Coclé und Veraguas.

Die relativ geringe Tiefe und die hohe Magnitude sorgten für starke Erschütterungen, die bis in die Nachbarländer hinein deutlich zu spüren gewesen waren. Der USGS ermittelte für das Epizentralgebiet eine maximale Intensität von IX auf der zwölfstufigen Mercalli-Skala. Mehrere Gebäude wurden beschädigt oder stürzten teilweise ein. Unter anderem wurden in Penonomé eine Kirche, ein Regierungsgebäude und ein Hotel schwer beschädigt. Auch historische Bauwerke in der Provinz Los Santos erlitten Schäden. Straßen wurden teilweise durch Risse und Bodenbewegungen unpassierbar. Trotz der erheblichen Zerstörungen wurden bis jetzt keine Todesopfer gemeldet. Mehrere Personen wurden verletzt. Im Angesicht der Schäden ist es allerdings wahrscheinlich, dass es Todesopfer gegeben hat.
Dem Hauptbeben folgte eine intensive Nachbebensequenz. Innerhalb weniger Stunden wurden mehr als 60 Nachbeben mit Magnituden zwischen 4,0 und 6,6 registriert. Die Sequenz erstreckt sich über einen größeren Bereich entlang des longitudinalen Störungsgürtels, der sich größtenteils an Land parallel zur Nazca-Plattengrenze verläuft. Die Bebensequenz verdeutlicht, dass bei dem Hauptbeben ein beträchtlicher Abschnitt einer Störungszone aktiviert wurde, der offenbar unter großen Spannungen stand.
Wegen der zunächst auf 8,0 geschätzten Magnitude gab das Pacific Tsunami Warning Center kurz nach dem Erdbeben eine Tsunami-Bedrohungsmeldung für Teile der Pazifikküste Mittel- und Südamerikas heraus. Für Panama wurden zeitweise Wellen von bis zu mehreren Metern als möglich angesehen. Da sich das Epizentrum jedoch an Land befand und keine ausreichende Verlagerung des Meeresbodens festgestellt wurde, wurde die Tsunami-Bedrohung später aufgehoben.
Tektonisch ist das Ereignis besonders interessant. Das Beben ereignete sich nicht an der eigentlichen Subduktionszone vor Mittelamerika, sondern innerhalb des komplex deformierten Panama-Blocks. Als wahrscheinlich beteiligte Struktur gilt das Azuero-Soná-Störungssystem, eine aktive Störungszone, die Panama in nordwestlich-südöstlicher Richtung durchzieht und dabei die Azuero-Halbinsel quert. Es handelt sich um ein System aus Blattstörungen (Strike-Slip-Faults) mit dextralen (rechtsgerichteten) oder sinistralen (linksgerichteten) Scherkomponenten. Dort wird ein Teil der Bewegungen zwischen der Nazca-Platte und dem Panama-Block durch Blattverschiebungen aufgenommen. Das Ereignis zeigt damit eindrucksvoll, dass auch aktive Störungen im Landesinneren Panamas das Potenzial für sehr starke Erdbeben besitzen.
Obwohl Panama an einer der komplexesten Plattengrenzen der Welt liegt und von zahlreichen Störungen durchzogen wird, gibt es keinen rezenten Vulkanismus, wohl aber einen alten Vulkanbogen, der als inaktiv eingestuft wird. Panama liegt am östlichen Ende des mittelamerikanischen Subduktionssystems, an dem die Cocos- und weiter östlich die Nazca-Platte unter den Panama-Block abtauchen. Als wichtiger Grund dafür, dass es keine aktiven Vulkane gibt, gilt die Subduktion der mächtigen und relativ auftriebsstarken Cocos Ridge, die die Geometrie der Subduktionszone und die Magmenbildung im darüberliegenden Mantel beeinflusst. Dafür gibt es in den Nachbarländern Costa Rica und Kolumbien aktive Vulkane, die durchaus im Wirkungskreis der starken Erdbeben mit Magnituden ab 6,0 liegen. Die nächstgelegenen Vulkane sind jene in Costa Rica, wo Poás und Rincón de la Vieja aktiv sind. Auch der Masaya in Nicaragua könnte von den Erschütterungen beeinflusst werden. Aktuell gibt es aber noch keine Reaktionen der Feuerberge.











