Costa Rica: Erdbebensequenz vor der Küste

Erdbebensequenz erschüttert Costa Rica – mehrere Beben nahe der Pazifikküste

In Costa Rica hat sich seit dem 10. September eine ausgeprägte Erdbebensequenz entwickelt. Das stärkste Ereignis erreichte am 10. September um 08:26:54 UTC die Magnitude 5,0. Das Hypozentrum lag nach EMSC/USGS in nur etwa 10 Kilometern Tiefe bei 9,03° Nord und 84,06° West, gut 55 Kilometer südwestlich von San Isidro und etwa 100 Kilometer südlich von San José. Am Abend folgte in 16 Kilometern Tiefe das zweitstärkste Beben M 4,8. Beide Beben wurden von den Küstenbewohnern verspürt.

Costa Rica. © EMSC/Leaflet

Dem Beben der Magnitude 5,0 gingen bereits mehrere schwächere Erdstöße voraus. Im spürbaren Magnitudenbereich lagen auch zwei Beben der Magnituden 3,5 und 3,4. Weitere Ereignisse ereigneten sich im Raum der zentralen und südlichen Pazifikregion Costa Ricas. Am Abend folgte bei 9,07° Nord und 84,26° West ein weiteres stärkeres Beben der Magnitude 4,8 in 16 Kilometern Tiefe. Auch am 11. September setzte sich die Aktivität mit Beben bis Magnitude 3,4 und 2,9 fort. Die räumliche Verteilung spricht allerdings nicht für eine vollkommen kompakte Nachbebenserie an einem einzigen Punkt, sondern für eine breitere Aktivierung von Störungsstrukturen.

Bei den Erdbebendiensten und örtlichen Polizeidienststellen gingen Wahrnehmungsmeldungen teils besorgter Bürger ein. Ein Beobachter in Daniel Flores, nur 32 Kilometer vom Epizentrum entfernt, berichtete, dass das Bett schwankte. In Escazú, rund 92 Kilometer entfernt, wurde eine kurzweilige Erschütterung registriert. Schäden wurden nicht gemeldet.

Die Region liegt in einer tektonisch hochaktiven Zone Mittelamerikas, die praktisch täglich von zahlreichen Erdbeben erschüttert wird. Am Mittelamerikanischen Tiefseegraben wird die ozeanische Cocos-Platte unter die Karibische Platte beziehungsweise den Panama-Block subduziert. Im südlichen Costa Rica trifft diese Plattengrenze auf die komplexe Region um den Cocos-Rücken und die Panama-Fracture-Zone. Dadurch entstehen sowohl Subduktionsbeben als auch zahlreiche flache Krustenbeben innerhalb des darüberliegenden Plattenblocks.

Die geringe Herdtiefe der aktuellen stärkeren Beben spricht zunächst für eine Aktivierung oberflächennaher Störungen entlang der Plattengrenzen. Ein direkter Zusammenhang mit Magmenbewegungen ist nicht erkennbar, obwohl die tektonischen Prozesse, die die Erdbeben auslösten, auch für die Magmenbildung mitverantwortlich sind.

Dennoch ist die Nähe zu mehreren aktiven Vulkanen interessant. Vom Epizentrum des stärksten Bebens liegen die Vulkane Irazú und Turrialba ungefähr 110 bis 120 Kilometer entfernt. Auch die oft in den Schlagzeilen stehenden Vulkane Poás und Rincón de la Vieja liegen im Wirkungskreis des Erdbebens. Dass hierdurch Vulkanausbrüche getriggert werden, ist allerdings wenig wahrscheinlich.

Die aktuelle Erdbebensequenz ist damit vor allem als tektonisches Geschehen im komplexen Plattenrandbereich Costa Ricas einzuordnen. Eine vulkanische Ursache lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten.

Island: Erdbebenaktivität am 11. September

Erdbeben auf Island verteilen sich über die gesamte Insel

Die Erdbebenaktivität auf Island bewegt sich weiterhin auf einem mittelhohen Niveau, und die IMO-Shakemap ist entsprechend relativ bunt: Innerhalb von 48 Stunden wurden mehr als 100 Beben registriert, die sich auffallend homogen über die bekannten Erdbebenzonen Islands verteilen, ohne ausgeprägte Erdbebenschwärme zu bilden. Das stärkste Beben der letzten Stunden hatte eine Magnitude von 2,7 und manifestierte sich an der Tjörnes-Fracture-Zone vor der Nordküste Islands. Während die Erdbebentätigkeit hier nichts Ungewöhnliches ist, finde ich die anhaltende Seismizität in der Krafla-Region durchaus bemerkenswert.

Island. © IMO

Weiter südlich liegen der Tafelvulkan Herdubreid und die Caldera Askja, wo die Seismizität in den letzten Tagen ebenfalls erhöht ist. Während die Bodenhebung an der Messstation OLAC, die ziemlich im Zentrum der Askja-Caldera liegt, zum Erliegen gekommen ist, verzeichnet die Messstation JONC im Norden des Gebiets eine anhaltende Hebung, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch sich im Untergrund akkumulierende magmatische Fluide verursacht wird.

Ein weiterer interessanter Bebenspot ist der Gletscher Vatnajökull, unter dem sich mehrere Zentralvulkane befinden. Hier konzentriert sich die Bebentätigkeit weiterhin auf Bárðarbunga und Grímsvötn. An beiden Vulkanen gibt es anhaltende Bodenhebungen, die allerdings aufgrund der Eisbedeckung schwer zu quantifizieren sind. Die Bodenhebungen verlaufen relativ langsam und sind keine Anzeichen für unmittelbar bevorstehende Eruptionen.

Anhaltende Erdbebentätigkeit wird auch im Süden Islands registriert, etwa in dem Gebiet zwischen Torfajökull und Hekla, während es im Westen der Insel weiterhin am Langjökull und am Grjótárvatn bebt.

Auf der Reykjanes-Halbinsel im Südwesten ereigneten sich die meisten Beben im Krýsuvík-System und vor der Küste bei Reykjanestá. Im Svartsengi-System ist es nach wie vor auffällig ruhig, obgleich die Bodenhebung weiterhin konstant anhält und sich im Untergrund Magma ansammelt. Die Gefahr eines Vulkanausbruchs ist also noch nicht gebannt.

Deutschland: Spürbares Erdbeben erschüttert Worms

Erdbeben M 3,4 in Deutschland: Deutlich spürbare Erschütterung trifft Worms und Mannheim

Am Donnerstagnachmittag hat ein deutlich spürbares Erdbeben die Region zwischen Worms, Mannheim und Ludwigshafen erschüttert. Das Beben ereignete sich am 10. September 2026 um 17:27 Uhr MESZ und erreichte nach vorläufigen Daten eine Magnitude von 3,4. Das Hypozentrum lag in 10 Kilometern Tiefe bei 49,600° nördlicher Breite und 8,400° östlicher Länge. Damit befand sich das Epizentrum nur etwa 13 Kilometer nordnordwestlich von Mannheim und 13 Kilometer nord-nordwestlich Kilometer von Worms. Das Epizentrum manifestierte sich zwischen Silbersee und Rhein.



Deutschland © EMSC/Leaflet

Zahlreiche Menschen verspürten das Beben und meldeten ihre Eindrücke beim EMSC. In Worms wurde es als kurzer, aber kräftiger Erdstoß wahrgenommen. Aus Lampertheim wurden drei bis fünf Sekunden starken Rüttelns und ein ungewöhnlich hochfrequentes Geräusch beschrieben. In Frankenthal wackelte nach Angaben eines Beobachters das gesamte Haus. Auch aus Ludwigshafen, Mannheim und Viernheim gingen Meldungen über einen kräftigen Stoß, Vibrationen und klappernde Gegenstände ein. In Mannheim beschrieben Zeugen unter anderem ein tiefes Grummeln und anschließend mehrere Sekunden andauernde Vibrationen. Selbst aus Grünstadt, rund 18 Kilometer westlich des Epizentrums, wurde berichtet, dass das gesamte Haus gewackelt habe. Noch in Wiesbaden und Pforzheim gab es einzelne Wahrnehmungsmeldungen. Schäden wurden in den bisher vorliegenden Berichten nicht gemeldet.

Tektonisch liegt das Beben im Bereich des nördlichen Oberrheingrabens, einer seit dem Tertiär durch Dehnung geprägten Störungszone. Die Erdkruste wurde hier auseinandergezogen und durch zahlreiche Verwerfungen in einzelne Schollen zerlegt. Im nördlichen Abschnitt dominieren unter anderem listrische Abschiebungssysteme; im Untergrund der Rheinebene befinden sich zudem komplexe Störungsstrukturen zwischen dem Wormser und Mannheimer Raum.

Das Beben ist damit ein Ausdruck der weiterhin aktiven tektonischen Spannungen im Oberrheingraben. Vergleichbare, meist deutlich schwächere Erdbeben treten in der Region regelmäßig auf. Beispielsweise registrierte der Landeserdbebendienst erst im August ein schwaches Beben bei Worms und eines bei Mannheim.

Island: Interessante Erdbebentätigkeit auf Wochensicht

Interessante Erdbebentätigkeit auf Island – fast 400 Beben im Laufe einer Woche

Auf Island ist es aus seismischer Sicht nicht so ruhig, wie die mangelnde Berichterstattung der letzten Wochen vermuten lässt. Im Laufe der vergangenen sieben Tage manifestierten sich 397 lokalisierbare Erdbeben unter der von Vulkanismus und tektonischen Prozessen geprägten Insel im Nordatlantik, die sich über den Mittelatlantischen Rücken erhebt. Diese transkontinentale Dehnungszone ist der Hauptmotor der Erdbebentätigkeit, die allerdings gehäuft im Bereich der Zentralvulkane auftritt. Neu hinzugekommen sind Erdbeben im Bereich des nordisländischen Vulkans Krafla am Mývatn, dessen letzte Eruptionsphase gerne als Vergleich für die aktuelle Tätigkeit entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe herangezogen wird.

Island © IMO

In den vergangenen Tagen ereigneten sich im Krafla-Gebiet 18 Mikrobeben, die sich überwiegend südwestlich des Spaltenvulkans manifestierten. Dort befinden sich das Geothermalgebiet Námafjall sowie ein Geothermalkraftwerk. Die Hypozentren der Beben liegen mit 3 bis 4 Kilometern relativ flach, allerdings eigentlich zu tief, um eindeutig durch menschliche Aktivitäten verursacht worden zu sein. Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass die Beben mit dem Geothermalkraftwerk in Verbindung stehen. Andererseits könnten sie durch magmatische Fluide verursacht werden, die entlang von Störungszonen aufsteigen und das Spannungsfeld beeinflussen. Eine eindeutige Beben-Ursache lässt sich derzeit nicht bestimmen.

Erdbeben gibt es auch wieder gehäuft im Westen Islands, vor allem am Langjökull und am Grjótárvatn. Im Südwesten Islands bebte es praktisch an jedem der fünf großen Spaltensysteme auf Reykjanes, ausgenommen dem Bodenhebungsgebiet bei Svartsengi, wo nur vereinzelte Erdbeben registriert wurden, obwohl die Bodenhebung unverändert anhält.

Besonders auffällig sind zwei Bebencluster südöstlich und südwestlich des Kleifarvatns im Krýsuvík-System sowie ein Schwarmbeben bei Bláfjöll, über das ich bereits berichtet habe.

Weiter im Osten Islands setzte sich die Erdbebenaktivität unter Katla und Torfajökull, aber auch im Bereich des Vatnajökull fort. Die seismische Tätigkeit lässt zwar keine unmittelbaren Rückschlüsse auf bevorstehende Vulkanausbrüche zu, verdeutlicht aber, dass Island weiterhin sehr aktiv ist und dass sich mehrere Vulkansysteme auf Eruptionen vorbereiten könnten.

Griechenland: Deutlich spürbares Erdbeben im Westen

Deutlich spürbares Erdbeben der Magnitude 4,5 erschüttert den West von Griechenland

Datum: 08.09.2026 | Zeit: 07:46:32 UTC | Koordinaten: 38.540 ; 21.360 | Tiefe: 18 km | Mb 4,5

Ein Erdbeben der Magnitude 4,5 hat am 8. September 2026 um 10:46 Uhr Ortszeit den Westen Griechenlands erschüttert. Nach Angaben des EMSC lag das Epizentrum 10 Kilometer südwestlich von Agrinio und 46 Kilometer nordwestlich von Patras. Das Hypozentrum wurde in 18 Kilometern Tiefe bestimmt. Der Erdstoß wurde von den Anwohnern der Region und darüber hinaus wahrgenommen. Größere Schäden entstanden nicht.


Griechenland. © EMSC

In der nahe gelegenen Stadt Agrinio wurde der Erdstoß besonders deutlich wahrgenommen. Mehrere Beobachter beschrieben ein kräftiges, teilweise mehrere Sekunden dauerndes Rütteln. In einem Fall sollen durch die Erschütterungen sogar Gegenstände aus einem Regal gefallen sein. Andere Bebenzeugen berichteten von einem einzelnen starken Stoß, der Gebäude und Fensterscheiben zum Klirren brachte.

Auch im gut 50 Kilometer entfernten Patras wurde das Beben registriert. Dort beschrieben Bewohner kurze, abrupte Erschütterungen; in einem Fall gerieten auf einem siebten Stockwerk Möbel in Bewegung. Wahrnehmungsmeldungen liegen außerdem aus Ithaka und dem 100 Kilometer entfernten Laganas auf Zakynthos vor.

Tektonisch betrachtet ereignete sich das Beben an einer Störung des Aetolia-Akarnania-Fault-Systems. Sie befindet sich in einer seismisch ausgesprochen aktiven Übergangszone am westlichen Ende des Korinth-Rifts, wo die Dehnungstektonik des Golfs von Korinth und komplexe Störungsbewegungen im Übergangsbereich zum Ionischen Raum aufeinandertreffen. Während im eigentlichen Rift vor allem ost-west-streichende Abschiebungen die Nord-Süd-Dehnung aufnehmen, treten westlich davon auch Blattverschiebungen auf. Studien zeigen insbesondere im Raum zwischen Patras und dem Trichonida-Becken eine komplizierte Kombination aus Abschiebungs- und Scherbewegungen, die immer wieder zu Erdbeben führen. So kam es im Jahr 2007 zu einem ausgeprägten Erdbebenschwarm nahe des Trichonis-Sees, dessen stärkste Erschütterungen bis in den Fünfer-Magnitudenbereich reichten.

Das Beben passt damit grundsätzlich zur aktiven Deformation Westgriechenlands. Mit Magnitude 4,5 war es deutlich spürbar, blieb aber weit unter der Größenordnung schwerer Schadensbeben.

Pazifik: Erdbebenserie mit Magnituden im Fünferbereich

Erdbebenserie am East Pacific Rise – vier Erdbeben mit Magnituden 5,0 bis 5,2

Am 6. September hat sich am südlichen East Pacific Rise (EPR) eine interessante Serie mittelstarker Seebeben ereignet. Zwischen 10:32 und 12:00 UTC registrierten die weit entfernten seismischen Messstationen vier Beben der Magnituden 5,0 bis 5,2. Die Epizentren konzentrierten sich auf einen vergleichsweise kleinen Bereich zwischen 24,02 und 24,54° südlicher Breite sowie 115,69 und 116,03° westlicher Länge. Drei der Beben lagen nur 35 bis 40 Kilometer voneinander entfernt, während das nördlichste Ereignis etwa 60 Kilometer Abstand aufwies. Damit handelt es sich eindeutig um eine lokale seismische Sequenz. Das jüngste Beben wurde vom EMSC 728 km westlich von Hanga Roa in Chile verortet. Ein fünftes Erdbeben wurde einige Hundert Kilometer weiter nördlich festgestellt. 

Pazifik. © EMSC

Tektonisch befindet sich das Gebiet an einer der aktivsten Spreizungszonen der Erde. Am East Pacific Rise driften die Pazifische und die Nazca-Platte auseinander. Entlang des mittelozeanischen Rückens steigt heißes Mantelmaterial auf, bildet neue basaltische Ozeankruste und treibt die Platten auseinander. Die schnelle Spreizung erzeugt zahlreiche Störungen, an denen sich Spannungen durch Erdbeben abbauen.

Komplexer wird die Situation durch die Lage im Bereich der Easter-Mikroplatte. Hier verzweigen sich Spreizungsachsen und Riftstrukturen, sodass neben den eigentlichen Rückenachsen zusätzliche aktive Störungen auftreten. Die registrierten Herdtiefen von etwa 9 bis 10 Kilometern passen zu flachen Beben in der ozeanischen Kruste, wobei die genaue Lokalisierung der Beben aufgrund der großen Entfernung zu den nächsten Seismometern oft ungenau sind.

Eine magmatische Beteiligung lässt sich daher nicht ausschließen, ist aber nicht belegt. Wahrscheinlicher ist zunächst eine tektonische Bruchaktivität im Umfeld des Spreizungszentrums.

Weitere Beben in der Region zeigen, dass die Aktivität großräumig ist. Ein M5,0 bei 22,08°S gehört wahrscheinlich ebenfalls zum EPR-System, liegt aber deutlich außerhalb der aktuellen Sequenz. Das M5,9 vom 2. September bei 34,93°S ist hingegen rund 1.350 Kilometer entfernt und als eigenständiges Ereignis am südlichen EPR zu betrachten. In sofern handelt es sich bei der aktuellen Sequenz um eine eigenständige und nicht um Nachbeben des stärkeren aber weit entfernten Events.

Gran Canaria: Schwarmbeben im Nordwesten

Erdbebenschwarm auf Gran Canaria – Seismizität auf Teneriffa rückläufig

Auf den Kanarischen Inseln ist die seismische Aktivität in der vergangenen Woche insgesamt geringer als in den Vorwochen gewesen. Besonders auffällig war allerdings eine Serie relativ flacher Erdbeben im Raum Agaete im Nordwesten Gran Canarias. Dort registrierte das spanische Instituto Geográfico Nacional (IGN) mehrere Beben mit Herdtiefen zwischen 1 und 10 Kilometern. Das stärkste Erdbeben hatte eine Magnitude von 2,1 und wurde vom EMSC 27 km westlich von Las Palmas de Gran Canaria und
6 km südsüdwestlich von Gáldar verortet. Zwei der Erdbeben wurden von Anwohnern wahrgenommen.

Gran Canaria. © IGN

Der Schwarm begann am 3. September gegen 11:06 Uhr Ortszeit. Bis in die Nacht zum 4. September wurden zehn Erdbeben registriert. Diese manifestierten sich in einer Region, in der bereits in der Vergangenheit kleinere Erdbebenserien beobachtet wurden. Eine unmittelbare Verbindung zu einer Magmaintrusion lässt sich aus den aktuellen Messungen nicht ableiten. Bemerkenswert ist allerdings die geringe Tiefe der Herdzentren.

Auch auf den anderen Inseln wurden Erdbeben registriert. Nach dem Wochenbericht von INVOLCAN verzeichnete das Kanarische Seismische Netzwerk zwischen dem 28. August und dem 4. September 45 schwache Erdbeben. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 2,4 und ereignete sich am 30. August zwischen Fuerteventura und Gran Canaria. Wie so oft gibt es allerdings Diskrepanzen bezüglich der Anzahl der Beben in den Angaben der INVOLCAN-Berichte zu den einzelnen Vulkanen und der Gesamtübersicht.

Auf Teneriffa wurden 36 Erdbeben festgestellt. Damit ist die Aktivität gegenüber den ausgeprägten Schwarmbeben im Sommer deutlich zurückgegangen. Dennoch bleibt Teneriffa die Insel mit den vergleichsweise höchsten diffusen vulkanischen Gasemissionen. Dort hält zudem seit 2016 ein Prozess der Druckzunahme im vulkanisch-hydrothermalen System an. Nach Einschätzung der kanarischen Vulkanologen handelt es sich dabei um einen für vulkanische Systeme auf kurzen bis mittleren Zeitskalen normalen Prozess.

Auf La Palma setzt sich die schwache Seismizität mehr als vier Jahre nach dem Ende der Eruption von 2021 fort. Sie liegt allerdings weit unter den während des Ausbruchs gemessenen Werten. Im Berichtszeitraum wurde lediglich eine Erschütterung registriert. Auf El Hierro wurden ebenfalls zwei Beben registriert. Zählt man nun die 10 Beben des Schwarms auf Gran Canaria zu den drei Erdbeben auf La Palma und El Hierro und addiert die 36 Beben auf Teneriffa, kommt man auf 49 statt auf 45 Erschütterungen im gesamten kanarischen Archipel.

Heute kam es auf Teneriffa erneut zu einer kleinen Erdbebenserie: Auf der südlichen Vulkanflanke bei Vilaflor wurden 4 schwache Beben in Tiefen zwischen 8 und 9 Kilometern registriert. Sie stehen wahrscheinlich nicht direkt mit den Schwarmbeben unter der La-Canadas-Caldera im Zusammenhang, über die in den letzten Wochen berichtet wurde. Dass sich diese Schwarmbeben abgeschwächt haben, bedeutet nicht, dass die auslösende Magmenakkumulation an der Grenze zur Erdkruste abgeschlossen ist. Magmaaufstieg kommt typischerweise in Schüben, daher muss man mit weiteren Ereignissen rechnen.

Aleuten: Schwarmbeben nahe vulkanischen Fox-Islands

Erdbebenschwarm erschüttert vulkanreiche Fox Islands der Aleuten – Mount Cleveland in der Nähe

Eine ungewöhnliche Erdbebenserie erschüttert derzeit die Fox Islands im östlichen Teil der Aleuten vor Alaska. Seit dem 1. September wurden in einem relativ kleinen Gebiet an der Subduktionszone des Aleutengrabens 32 Beben registriert. Statistisch betrachtet gab es pro Stunde ein Beben. Die Erschütterungen konzentrieren sich auf einen Bereich zwischen etwa 52,05 und 52,26 Grad nördlicher Breite sowie 169,18 und 169,44 Grad westlicher Länge. Die meisten Hypozentren liegen in 7 bis 20 Kilometern Tiefe.

Aleuten. © EMSC

Auffällig ist neben der hohen Ereignisdichte die Stärke einzelner Erdbeben. Bereits am 1. September wurde ein Beben der Magnitude 5,3 registriert. Es folgten zahlreiche Magnitude-3- und -4-Erschütterungen. In den frühen Morgenstunden des 2. September intensivierte sich die Serie erneut: Innerhalb weniger Stunden ereigneten sich unter anderem Beben der Magnituden 5,2, 4,9, 4,6 und 4,3.

Tektonisch betrachtet befindet sich die Region in einer der aktivsten Subduktionszonen der Erde. Die Pazifische Platte taucht entlang des Aleutengrabens unter die Nordamerikanische Platte ab. Dadurch entstehen sowohl starke tektonische Erdbeben als auch das Magma, das die Vulkane des Aleutenbogens speist. Der aktuelle Schwarm ist wahrscheinlich tektonischen Ursprungs, könnte sich aber auf die ca. 50 Kilometer nördlich gelegenen Vulkane auswirken.

Nordwestlich des Schwarmzentrums liegen die Islands of Four Mountains, eine Gruppe mehrerer vulkanischer Inseln. Zu ihr gehören unter anderem die Stratovulkane Cleveland, Carlisle, Herbert und Kagamil. Auf Chuginadak Island befindet sich zudem neben dem mächtigen Cleveland der Vulkan Tana.

Mount Cleveland ist hier von besonderer Relevanz. Der 1.730 Meter hohe Stratovulkan gehört zu den aktivsten Vulkanen Alaskas und zeigte in den vergangenen Jahrzehnten öfters explosive Eruptionen, Lavafontänen, Lavaströme und die Bildung kleiner Lavadome. Zwischen 2001 und 2020 kam es nahezu jährlich zu intermittierenden Eruptionen. Zuletzt sorgte der Vulkan im Sommer 2024 für Schlagzeilen: Erhöhter SO₂-Ausstoß veranlasste das AVO, den Alarmstatus auf Gelb zu erhöhen. Inzwischen steht er aber wieder auf Grün.

Die aktuelle Erdbebenserie liegt südöstlich der Four-Mountains-Vulkane. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit Magmenbewegungen unter Cleveland oder einem anderen Vulkan der Fox Islands ist daher unwahrscheinlich.

Campi Flegrei: Politische Debatten während Krise anhält

Bodenhebung der Campi Flegrei hält an und könnte sich beschleunigt haben – Politiker diskutieren Hilfen für Tausende Betroffene

Obwohl aus seismischer Sicht die letzten Tage in den Campi Flegrei vergleichsweise ruhig verliefen, hält die Bodenhebung weiter an. Den aktuellen Rohdaten zufolge deutet sich sogar eine Beschleunigung der Hebung an. Währenddessen wächst nicht nur der Druck im Untergrund des Vulkans, sondern auch der politische: Betroffene diskutierten mit Innenminister Matteo Piantedosi, der einen finanziellen Zuschuss für die Evakuierten in Aussicht stellt.



Das aktuelle Wochenbulletin des Vesuv-Observatoriums für den Zeitraum vom 24. bis 30. August 2026 führt eine vergleichsweise geringe Erdbebentätigkeit auf. Insgesamt wurden 16 Erdstöße registriert, von denen 13 lokalisiert werden konnten. Die stärksten Ereignisse erreichten eine Magnitude von 1,8 und ereigneten sich in 2,8 bis 3,0 Kilometern Tiefe.

Bodenhebung. © INGV

Die Forscher attestieren dem Vulkan eine konstant anhaltende Bodenhebung mit einer Rate von durchschnittlich etwa 10 ± 3 Millimetern pro Monat. An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die Hebung seit Januar 2025 inzwischen auf 31 Zentimeter, wenn die durch das starke Erdbeben vom 31. Juli verursachte sprunghafte Abschiebung herausgerechnet wird. Nach Korrektur der Daten zeigen sich laut INGV bislang keine wesentlichen Veränderungen des Deformationsmusters infolge des Bebens und des anschließenden Erdbebenschwarms. Betrachtet man die bisher unkorrigierten Daten, die im Messgramm blau eingezeichnet sind, könnte sich allerdings eine Beschleunigung der Bodenhebung abzeichnen.

Die geochemischen Messungen entsprechen weiterhin einem Trend zunehmender Erwärmung bei steigenden Entgasungen und Erhöhung des Drucks im Untergrund. Die CO₂-Emissionen bei Pisciarelli zeigen kurzfristig keine Veränderung, folgen aber dem langfristigen Aufwärtstrend. Die Temperatur der Fumarole Bocca Gramne in der Solfatara lag zuletzt bei durchschnittlich 173 °C. Auch hier gibt es einen langfristig steigenden Trend.

Neben dem Druck im magmatischen System der Caldera wächst auch jener auf die Politik, um die Folgen der Bodenhebnungsphase dauerhaft zu bewältigen. Nach Angaben italienischer Medien sind derzeit ca. 4.000 Menschen von ihren Wohnungen ausgeschlossen bzw. mussten aufgrund von Gebäudeschäden evakuiert werden. Wer nicht bei Familie oder Bekannten untergekommen ist, lebt nun dauerhaft in Hotels. Im Rahmen eines Treffens mit Innenminister Matteo Piantedosi wurde deshalb ein Maßnahmenpaket für die Rückkehr der Betroffenen diskutiert. Vorgesehen ist unter anderem ein pauschaler Zuschuss von bis zu 30.000 Euro für Gebäude mit leichten Schäden, damit notwendige Reparaturen schnell durchgeführt werden können. Zudem sollen Verwaltungsverfahren beschleunigt und unter bestimmten Voraussetzungen Reparaturen an gemeinschaftlichen Gebäudeteilen trotz kleiner, nicht sicherheitsrelevanter baurechtlicher Abweichungen ermöglicht werden. Bisher trauen sich viele Betroffene nicht, Hilfsanträge zu stellen, da nicht genehmigte bauliche Veränderungen an den Häusern unternommen wurden.

Piantedosi zeigte sich außerdem offen für ein Sondergesetz für die Campi Flegrei, das die Region dauerhaft und nicht nur im Rahmen wechselnder Notstandsregelungen unterstützen soll. Ziel wäre ein systematischer Ansatz für eine Situation, die durch die anhaltende Bodenhebung langfristig bestehen bleibt. Den Betroffenen ist zu wünschen, dass es nicht nur bei den üblichen leeren Versprechungen und Absichtserklärungen der Politiker bleibt.