Taal: Starke phreatomagmatische Eruption mit Blitzen

Taal eruptiert phreatomagmatisch – Rotglut und Blitze in der Eruptionswolke

Nach einer mehrwöchigen Phase ohne nennenswerte eruptive Aktivität erzeugte der philippinische Taal-Vulkan heute eine magmatophreatische Eruption, die stärker war als alles, was der Vulkan in diesem Jahr hervorgebracht hat. Bilder der Überwachungskameras zeigen, dass nicht nur eine Aschewolke aus dem Main Crater auf Volcano Island aufstieg und rotglühende Tephra mitführte, sondern dass sich auch vulkanische Blitze in der Eruptionswolke bildeten.



Die markante Eruption begann am Donnerstagabend um 18:06 Uhr Ortszeit und dauerte nach Angaben der philippinischen Vulkanüberwachungsbehörde PHIVOLCS gut fünf Minuten. Dabei entstand am Main Crater eine dunkelgraue Eruptionswolke, die bis auf eine Höhe von 4.000 Metern über dem Krater aufstieg.

Das VAAC Tokio registrierte die Eruption um 10:06 UTC und schätzte, dass die Aschewolke bis auf Flugfläche 150 aufstieg, was einer Höhe von etwa 4.600 Metern über dem Meeresspiegel entspricht. Sie wurde in südwestlicher Richtung verfrachtet. In den unmittelbar danach verfügbaren Satellitendaten ließ sich die Aschewolke allerdings nicht eindeutig identifizieren.

PHIVOLCS erwartet leichten Aschefall in den südwestlich des Vulkans gelegenen Gemeinden Agoncillo, Lemery, San Nicolas und Taal sowie in angrenzenden Gebieten. Die Bevölkerung muss insbesondere mit kurzfristigen und lokal begrenzten Ascheablagerungen rechnen.

Auf den Videoaufnahmen ist außerdem zu sehen, wie sich die Eruptionswolke über dem Boden von Volcano Island ausbreitete und dabei pyroklastische Dichteströme bildete. Sollte sich jemand widerrechtlich in Kraternähe aufgehalten haben, hätte dies lebensgefährliche Folgen haben können.

Der Ausbruch kam nicht völlig überraschend, doch die geophysikalischen Parameter waren am Vortag nicht so ausgeprägt, dass sie auf eine derart starke Explosion am Folgetag hingedeutet hätten. Das deutlichste Signal stammte von einem vulkanischen Tremor, der 82 Minuten lang anhielt. Der Schwefeldioxidausstoß lag am 6. Oktober bei 952 Tonnen pro Tag. Zudem weist die Überwachung auf eine Inflation von Volcano Island hin, was auf eine Veränderung des Druckzustands im flachen Vulkansystem hindeuten kann. Allerdings wird dieses Phänomen bereits seit mehreren Jahren beobachtet. Zusätzlich wurde eine moderate, etwa 1.500 Meter hohe Gas- und Dampfemission registriert, die nach Südwesten driftete.
Trotz der aktuellen Eruption bleibt die Warnstufe 1 bestehen. PHIVOLCS stuft die Aktivität damit weiterhin als niedriggradige Unruhe ein. Der Zutritt zur Permanent Danger Zone, insbesondere zum Main Crater und den Daang-Kastila-Spalten, bleibt verboten. Auch der Aufenthalt auf dem Taal Lake und der Bootsverkehr sowie Flüge in unmittelbarer Nähe des Vulkans werden nicht empfohlen.

Die aktuelle Eruption zeigt, dass trotz vergleichsweise geringer Seismizität weiterhin explosive Dampf-Wasser-Interaktionen im Krater möglich sind. PHIVOLCS weist daher auch auf die Gefahr weiterer phreatischer oder gasgetriebener Explosionen, vulkanischer Erdbeben, Aschefalls und gefährlicher Gaskonzentrationen hin.

Vesuv: Niederfrequente Erdbeben und hohe Fumarolentemperaturen

Niederfrequente Erdbeben und weiterhin hohe Fumarolentemperaturen: Droht ein Regimewechsel am Vesuv?

Nach offiziellen Angaben des INGV blieb die seismische Aktivität des Vesuv im September 2026 auf einem insgesamt moderaten Niveau. Das aktuelle Monatsbulletin weist 121 Erdbeben aus, von denen 107 lokalisiert werden konnten. Die meisten Hypozentren lagen im Bereich des Kraters und konzentrierten sich auf den obersten Kilometer. Das stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von Md 1,7. Auf Jahressicht ereigneten sich bereits 819 lokalisierte Beben; das sind bereits 25 Beben mehr als im gesamten letzten Jahr.



Spektogram © INGV

Fünf seismische Signale fielen aus dem üblichen Rahmen und stehen besonders im Fokus der Vulkanbeobachter: Bei ihnen handelte es sich um Erdbeben mit langen Perioden und niedrigen Frequenzen zwischen 2 und 5 Hz, die am 3., 9., 14. und 17. September registriert wurden. Damit unterscheiden sie sich vom klassischen vulkanotektonischen Erdbeben, das durch spröde Gesteinsbrüche infolge von Fluidbewegungen entsteht. Niederfrequente beziehungsweise LP-Ereignisse können dagegen direkt mit der Bewegung von Fluiden und Gasen im vulkanischen System zusammenhängen und erzeugen Druckschwankungen und Schwingungen, die über das umgebende Gestein als seismische Signale registriert werden. Veranschaulichen lässt sich das mit den Vibrationen, wie sie in einem Topf mit kochendem Wasser entstehen.

Derartige Signale wurden am Vesuv bereits früher beobachtet, sind aber vergleichsweise selten. Wenn sie vorkommen, dann meistens gehäuft. Obwohl es sich bei Fluiden auch um Magma handeln kann, sehen die INGV-Wissenschaftler keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption des Vesuv.

Auffällig bleiben zudem die Temperaturen einiger Fumarolen. An der Station FLXOV6 im südwestlichen Kraterrand lag die Temperatur der überwachten Fumarole im September rund 5 °C über dem Mittelwert. Gleichzeitig blieb der diffuse CO₂-Fluss des Bodens unverändert. Auch die Bodentemperaturen und Temperaturgradienten zeigten keine entsprechende großräumige Zunahme. Das INGV interpretiert den Temperaturanstieg deshalb als lokale Veränderung des Entgasungsprozesses.

Die thermischen Messungen der permanenten Infrarotkamera zeigen zudem, dass die Oberflächentemperaturen nach dem seit Juni beobachteten Anstieg im September zwar eine Stabilisierung erkennen lassen, der langfristige Trend aber weiterhin erhöht ist.

Insgesamt ergibt sich damit kein Hinweis auf eine kurzfristige magmatische Aktivierung des Vulkans. Die wiederkehrenden LP-Signale und lokal erhöhten Fumarolentemperaturen bleiben aber interessantere Beobachtungsaspekte des aktuellen Vesuv-Zustands, die langfristig anhaltend auf einen Regimewechsel von einer Abkühlung des Systems zu einer beginnenden Aufheizung hindeuten könnten. Sollte die anhaltende schwache Subsidenz des Vulkans in eine Inflation umschwenken, wäre dies ein starker Beleg für solch eine Veränderung des Systemzustandes.

Kilauea zeigt sich nach Intrusionen relativ ruhig

Kilauea weiter unter Druck, doch Episode 55 verliert ihre Vorhersagbarkeit

Am Kilauea bleibt die seit Wochen erwartete Episode 55 aus – und inzwischen kann das Hawaiian Volcano Observatory (HVO) ihren Beginn nicht mehr zuverlässig vorhersagen. Nach dem Ende von Episode 54 am 25. August setzte zwar erneut eine Aufblähung des Gipfelbereichs ein, doch die Deformation verlief ungewöhnlich unregelmäßig. Die für frühere Episoden charakteristische Abfolge aus Inflation, Vorläuferaktivität und anschließendem Lavafontänen-Ereignis wurde mehrfach unterbrochen.



Kilauea

Dabei akkumulierte sich seit Episode 54 erheblicher Druck im flachen Magmasystem. Der Uēkahuna-Neigungsmesser (UWD) registrierte zwischenzeitlich rund 16 Mikroradianen zusätzliche Inflation – mehr als die 12,7 Mikroradianen, um die der Gipfel während Episode 54 deflationierte. Mitte September öffneten sich zudem sechs neue kleine Schlote an der Nordwestwand von Halemaʻumaʻu. Zwischen dem 14. und 16. September förderten sie kleinere Lavaströme, ohne dass eine deutliche seismische oder deformative Vorwarnung vorausging. Das deutet darauf hin, dass Magma bereits vorhandene Risssysteme nutzte.

Eine zweite, deutlich ausgeprägtere Intrusion folgte am 30. September und 1. Oktober. Zunächst konzentrierten sich Erdbeben etwa 1,5 Kilometer unterhalb des aktiven Ventbereichs. Anschließend verlagerte sich die Seismizität nach Nordosten. Gleichzeitig setzte eine außergewöhnlich schnelle Deformation ein, die mit dem Wachstum eines annähernd ost-westlich orientierten Ganges unter Halemaʻumaʻu vereinbar ist. Der UWD-Neigungsmesser registrierte dabei innerhalb weniger Stunden rund 40 Mikroradianen Inflation. Am 2. Oktober gab es eine zweite, aber deutlich schwächere Intrusion, die eine Flankenversteilung von ca. 18 Mikrorad mit sich brachte.

Die flachen Intrusionen waren ein starkes Indiz für eine baldige Eruption im Halemaʻumaʻu-Krater, doch diese blieb aus. Damit handelt es sich bei den Vorgängen um klassische Beispiele, bei denen eine oberflächennahe Gangbildung vorläufig im Untergrund stecken blieb. Mehr noch, die Intrusion beendete die Überlaufaktivität der Nord- und Südschlote. Seit dem 5. Oktober gibt es dort lediglich wieder schwaches Spattering. Am 6. Oktober registrierte HVO zwar erneut geringfügige Inflation, doch die Intrusion hat sich bislang nicht reaktiviert. Offenbar hat sich im Fördersystem des Kilaueas etwas verändert, was eine Eruption erschwert.

Inzwischen sind mehrere Szenarien denkbar: Episode 55 könnte noch als Fontänenereignis aus dem bestehenden Nord-Süd-West-Komplex beginnen, ebenso könnte Magma erneut in die bestehenden Risssysteme eindringen oder einen neuen Schlot innerhalb der Gipfelcaldera öffnen. Gerade weil die jüngsten Intrusionen und Ausbrüche ohne die sonst erwartbaren eindeutigen Vorzeichen erfolgten, kann HVO das Zeitfenster für Episode 55 inzwischen nicht mehr modellieren. Der Kilauea bleibt hochgradig unter Druck, doch der nächste Schritt des Eruptionssystems ist nicht vorhersehbar.

Campi Flegrei: Verdopplung des CO2-Ausstoßes bei Pisciarelli

Extrem hoher CO₂-Ausstoß bei Pisciarelli – geringere Seismizität in den Campi Flegrei sind kein Signal einer nachhaltigen Entspannung

In der süditalienischen Caldera Campi Flegrei ist die Erdbebentätigkeit in den letzten Wochen niedriger gewesen als während der besonders aktiven Phasen der vergangenen zwei Jahre. Daraus lässt sich allerdings keine eindeutige Abschwächung der seismomagmatischen Krise ableiten. Das zeigen die jüngsten Daten des INGV-Wochenbulletins, das am Dienstag veröffentlicht wurde.



Zwischen dem 28. September und dem 4. Oktober registrierten die Messstationen 36 Erdbeben, von denen 23 lokalisiert werden konnten und eine Magnitude von mindestens 0,0 aufwiesen. Das stärkste Ereignis erreichte Magnitude 1,7. Damit liegt die Seismizität zwar deutlich unter den Spitzenwerten besonders aktiver Phasen, aber im Mittel des langjährigen Aktivitätsniveaus der seit über 20 Jahren dauernden Krise. Auch ohne augenblicklich stattfindendes stärkeres Erdbeben liegt die Seismizität deutlich über dem Normalzustand.

Bodenhebung © INGV

Leider wird eine Aktivität ohne ständige Superlative schnell als Anzeichen dafür angesehen, dass sich die Krise ihrem Ende nähert, wodurch Aufmerksamkeit und Engagement in der Krisenbewältigung nachlassen. Jüngstes Beispiel des grundlosen Optimismus wurde im Portal Pozzuoli News 24 in Form eines Interviews mit Vulkanologe a.D. Giuseppe Luongo verbreitet. Giuseppe interpretiert den Rückgang der seismischen Energie als mögliches Zeichen für eine beginnende Endphase der aktuellen bradyseismischen Krise. Die aktuellen Überwachungsdaten des INGV stützen diese Schlussfolgerung allerdings nicht. Sie zeigen vielmehr ein weiterhin aktives System, in dem sich einzelne Parameter unterschiedlich entwickeln.

Seit Anfang Februar hebt sich der Untergrund im Bereich der stärksten Deformation weiterhin mit durchschnittlich etwa zehn Millimetern pro Monat. In Spitzenzeiten war der Wert dreimal so hoch, was die Optimisten ebenfalls als Indiz eines insgesamt nachlassenden Bradyseismos ansehen. An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die Hebung seit Januar 2025 auf über 32 Zentimeter. Nach der Korrektur der durch den starken Erdbebenschwarm vom 31. Juli verursachten kurzfristigen Verschiebungen erkennt das INGV keine wesentliche Änderung des Deformationsmusters.

Verdoppelter CO₂-Ausstoß. © INGV

Auch die Geochemie liefert keinen Hinweis auf ein bevorstehendes Ende der Aktivitätsphase. Das INGV beschreibt weiterhin langfristige Trends einer Erwärmung und zunehmenden Fluidfreisetzung des hydrothermalen Systems. Besonders auffällig war in der letzten Woche ein starker Anstieg des CO₂-Flusses an der Station FLXOV8 im Gebiet von Pisciarelli. Dort erreichten die Tagesmittel etwa 70 Kilogramm CO₂ pro Quadratmeter und Tag – nahezu eine Verdoppelung gegenüber den vorherigen Werten. Das Observatorium weist allerdings darauf hin, dass dieser Anstieg an den anderen Messstellen nicht festgestellt wurde und wahrscheinlich auf einen lokalen Prozess zurückgeht.

Die emittierten Gase der Pisciarelli-Fumarole sind in 5 m Abstand zum Hauptstrom weiterhin 95 Grad heiß, während die Bocca-Grande-Fumarole im Sofatarakrater 173 Grad heiße Gase ausstößt. In den Nachkommastellen wird weiterhin eine leicht steigende Tendenz festgestellt. Somit kann von einer nachhaltigen Abschwächung des Geschehens keine Rede sein. Die stärkeren Erdbeben kommen zudem immer in Schüben, die nicht gleichmäßig verteilt sind. Mit der Zeit verändern sich die elastischen Eigenschaften des Bodens, so dass die Spannungen nicht immer gleichmäßig abgebaut werden und sich die Heberaten verändern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass von einer signifikanten Abschwächung oder gar einem unmittelbar bevorstehenden Ende der Krisederzeit nicht gesprochen werden kann. Das INGV sieht nach dem aktuellen Datenstand keine Anzeichen für eine wesentliche kurzfristige Veränderung der Situation.

Vulkan Alcedo: Erdbebenschwarm detektiert

Erdbebenschwarm unter Vulkan Alcedo erreicht Jahresrekord – Galápagos-Riesenschildkröten durch möglichen Vulkanausbruch bedroht

Der bei uns wenig bekannte Vulkan Alcedo liegt auf der zu den Galápagos-Inseln gehörenden Insel Isabela und zeigt seit Anfang Oktober eine signifikant verstärkte Erdbebenaktivität. Das für die Beobachtung des Vulkans zuständige Geografische Institut Ecuadors (IG-EPN) berichtet von einer ungewöhnlichen Zunahme sowohl der Zahl als auch der Stärke der Erdbeben. Besonders am vergangenen Wochenende erreichte die Aktivität ein für das Jahr 2026 bislang einmaliges Niveau.

Shakemap

Seit Jahresbeginn wurden unterhalb und in der näheren Umgebung des Kraters insgesamt 282 Erdbeben lokalisiert. Zwischen dem 3. und 4. Oktober registrierten die seismischen Stationen des IG-EPN mindestens 95 vulkanotektonische Ereignisse (VT), von denen aber nur 14 stark genug für eine Lokalisierung waren. Damit wurde der höchste Tageswert des Jahres erreicht. Die meisten dieser Beben entstanden durch das Zerbrechen von Gestein und hatten Magnituden zwischen 1,0 und 2,0. Zwei Ereignisse erreichten allerdings beinahe Magnitude 3,0.

Die Erdbebenherde konzentrieren sich in Tiefen zwischen etwa null und sechs Kilometern unter dem Meeresspiegel und liegen damit relativ oberflächennah unter dem Vulkan. Auf den Seismogrammen waren insbesondere die stärkeren Ereignisse vom 4. Oktober deutlich anhand ihrer hohen Amplituden zu erkennen.

Am 5. Oktober zeichnete sich eine Abschwächung des Erdbebenschwarms ab. Bis 12:57 Uhr Ortszeit wurden rund 20 weitere Erdbeben registriert. Sowohl die Anzahl als auch die Stärke der Signale gingen damit gegenüber dem Höhepunkt des Wochenendes zurück.

Die Erdbebenaktivität für sich betrachtet ist kein eindeutiger Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption. Der ungewöhnliche vulkanotektonische Schwarm zeigt aber, dass sich die Spannungsverhältnisse im Untergrund des Alcedo verändert haben. Dies kann infolge von aufsteigendem Magma geschehen sein. Die weitere Entwicklung der Erdbebenaktivität und mögliche begleitende Veränderungen der Vulkanstruktur werden daher besonders aufmerksam beobachtet.

Der Alcedo liegt im zentralen Bereich der Insel Isabela und ist von bewohnten Gebieten weitgehend isoliert. Die Caldera ist aber die Heimat zahlreicher Tiere. Unter ihnen befindet sich eine große Population der Galápagos-Riesenschildkröten, die im Falle einer Eruption gefährdet wären. Der letzte bekannte Ausbruch ereignete sich 1993 und war eine phreatische Explosion, bei der durch erhitztes Gestein aufgeheiztes Wasser explosionsartig verdampfte. Von benachbarten Vulkanen kennen wir große effusive Spalteneruptionen, die schon öfters seltene Tierarten gefährdeten.

Sangay eruptiert am 7. Oktober Aschewolken

Sangay in Ecuador bleibt aktiv – Ascheemissionen und glühende Schuttströme

Am ecuadorianischen Vulkan Sangay hält die seit September verstärkte eruptive Aktivität an. Das VAAC Washington meldete am 7. Oktober eine Ascheemission, die sich möglicherweise über einen längeren Zeitraum fortsetzte. Möglicherweise deswegen, weil Beobachter am Grund über einen längeren Zeitraum Asche feststellten, diese aber per Satellit nicht verfolgt werden konnte. Die Aschewolke wurde auf eine Höhe von bis zu rund 7.000 Metern über dem Meeresspiegel geschätzt und bewegte sich mit dem Wind mit etwa 20 km/h nach Westen.

Sangay

Die Aktivität passt zu einem seit dem 19. September 2026 beobachteten neuen Eruptionspuls. Das Geophysikalische Institut der Nationalen Polytechnischen Schule Ecuadors (IG-EPN) bewertet die Oberflächenaktivität derzeit als moderat, während die interne Aktivität als gering eingestuft wird. Beide Parameter zeigen laut dem aktuellen Tagesbericht keinen deutlichen Trend.

Am 5. Oktober registrierten die Überwachungsstationen nur zwei Explosionen, zwei Langperioden-Ereignisse und sieben Tremorphasen im Zusammenhang mit der Emission vulkanischer Gase und Asche. Bei der langjährigen Eruptionsphase, die 2019 begann, wurden bis zum letzten Jahr täglich oft mehrere hundert Explosionssignale festgestellt. Über die Kameras wurden Asche- und Gaswolken beobachtet, die bis zu 1.100 Meter über den Krater aufstiegen. Sie breiteten sich zeitweise in unterschiedliche Richtungen aus. Zusätzlich wurden mehrere thermische Anomalien registriert. Besonders auffällig war während der Nacht das Absteigen glühenden Materials über die Vulkanflanken bis etwa 200 Meter unterhalb des Kraters.

Die Schwefeldioxid-Emissionen belegen den anhaltenden Magmen- bzw. Entgasungsprozess. Das Satellitensystem MOUNTS erfasste am 5. Oktober eine SO₂-Emission von 73,9 Tonnen, was ein vergleichsweise niedriger Wert ist.

Die derzeitige Eruptionsphase verursacht zudem messbaren Aschefall. Das IG-EPN sammelte Ende September an 25 Messstellen im Kanton Guamote Ascheproben und wartete das dort installierte Messnetz. Zwischen dem 17. und 23. September waren 18 Ascheemissionen mit Wolkenhöhen von bis zu 3.200 Metern über dem Krater registriert worden. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen allerdings nur leichten Aschefall.

Der Sangay bleibt damit kontinuierlich aktiv, ohne dass die Überwachungsdaten derzeit auf eine signifikante Intensivierung hindeuten.

Karangetang: Kurzzeitige Ascheemission registriert

Karangetang im Jahr 2015. © Marc Szeglat

Ascheemission am Karangetang bis auf 2400 m Höhe – rotglühende Schuttlawinen fotografiert

Der Karangetang auf der indonesischen Insel Siau eruptierte am 6. Oktober und stieß dabei eine Aschewolke aus. Das Flugwarnzentrum Darwin veröffentlichte dazu eine Vulkansasche-Meldung, nach der eine Aschewolke beobachtet wurde, die eine Höhe von etwa 2.400 Metern über dem Meeresspiegel erreichte und in nordöstliche Richtung driftete. Auf Livecam-Aufnahmen sieht man zudem Rotglut im Kraterbereich und in einer schmalen Bahn auf der oberen Flanke. Bei diesem Phänomen handelt es sich entweder um einen zähen Lavastrom oder um Abgänge glühender Lava. Auf der MAGMA-Livecamaufnahme lässt sich das nicht einwandfrei erkennen.



Die Ascheeruption wurde anhand von Satellitendaten des Wettersatelliten Himawari-9 registriert. In der Meldung heißt es, dass die Aschewolke zuletzt um 07:28 UTC beobachtet worden war. Bei der späteren Auswertung um 13:20 UTC war die Aschewolke auf den Satellitenbildern allerdings nicht mehr eindeutig erkennbar. Das VAAC Darwin geht davon aus, dass sich die Asche inzwischen vollständig aufgelöst hat.

Die Aktivität steht im Zusammenhang mit der anhaltenden Unruhe des Karangetang, die Anfang August begann und sich auch in den seismischen Daten widerspiegelt. Am 5. Oktober wurden neben zwei Abgangsbeben insgesamt 54 Beben registriert, die von starken, teils explosionsartigen Entgasungen verursacht wurden. Hinzu kamen 21 harmonische Tremore und 33 nichtharmonische Tremorphasen. Außerdem wurden zwei Hybridbeben sowie jeweils ein tiefes vulkanotektonisches und ein lokales tektonisches Beben registriert. Die hohe Zahl an Ausgasungs- und Tremorsignalen deutet auf eine weiterhin aktive Dynamik im Vulkansystem hin, die von Fluidbewegungen und Magmaaufstieg dominiert wird.

Die Behörden warnen weiterhin davor, sich dem Gipfelbereich zu nähern. Eine Sperrzone gilt im Radius von 1,5 Kilometern um die Krater Dua und Utama. Südwestlich ist die Gefahrenzone auf 2,5 Kilometer erweitert. Besonders besteht die Gefahr von Lavaabbrüchen und pyroklastischen Strömen, da ältere Lavamassen instabil sind. Zudem wird vor Laharen und Sturzfluten in den Flussläufen gewarnt, die vom Vulkan bis zur Küste führen können.

Anak Krakatau wirft wieder rotglühende Tephra aus

KI-koloriert

Livecambild vom Anak Krakatau zeigt Auswurf rotglühender Tephra – Vulkanasche in 1500 Metern Höhe detektiert

Die vorgestern am Anak Krakatau erneut aufgeflammte eruptive Aktivität hält weiter an. Das VAAC Darwin registrierte am 6. Oktober eine Eruption, bei der Vulkanasche bis in eine Höhe von etwa 1.500 Metern über dem Meeresspiegel aufstieg. Die Aschewolke bewegte sich unter dem Einfluss des Windes mit einer Geschwindigkeit von 9 km/h in westliche Richtung. Außerdem wurde am Vorabend von MAGMA ein Livecam-Bild veröffentlicht, das um 20:18 Uhr Ortszeit den Auswurf rotglühender Tephra zeigt. Anak Krakatau eruptierte also innerhalb weniger Stunden mindestens 2 mal.



Livecambild

Nach Angaben des VAAC wurde die Ascheemission heute um 05:20 UTC beobachtet. Die Ausbreitung der Asche konnte anhand von Satelliten- und Modelldaten rekonstruiert werden. Auf den Satellitenbildern selbst war die Aschewolke zum Zeitpunkt der Meldung allerdings nicht eindeutig zu erkennen. Die Warnung basiert daher auf der Kombination verschiedener Datenquellen. Das VAAC erwartet zunächst eine weitere Ausbreitung der Asche nach Westen.

Auch die indonesische Vulkanüberwachung registrierte zuletzt wieder mehrere Eruptionen. Im Tagesbericht für den 5. Oktober wurden insgesamt vier Explosionsereignisse festgestellt. Dabei konnten wegen der Bewölkung keine Eruptionssäulen beobachtet werden. Die aufgezeichneten Eruptionsbeben dauerten zwischen 20 und 798 Sekunden und erreichten Amplituden von 39 bis 55 Millimetern.

Daneben wurden fünf Hybrid- bzw. Mehrphasenbeben, drei flache vulkanische Beben und zwei sogenannte Low-Frequency-Ereignisse registriert. Außerdem trat ein kontinuierliches Tremorsignal mit einer überwiegend geringen Amplitude von etwa 2 Millimetern auf. Die kombinierte Seismizität aus Explosionen, vulkanischen Erdbeben und Tremor zeigt, dass der Vulkan weiterhin sehr aktiv ist und seine Tätigkeit steigern könnte. Eine seismische Krise, wie sie kurz vor den starken Eruptionen Anfang September stattfand, findet bis jetzt nicht statt.

Die Behörden empfehlen weiterhin, einen Sicherheitsabstand von mindestens zwei Kilometern zum aktiven Krater einzuhalten. Dies gilt insbesondere für Besucher und Boote in der Umgebung des Vulkans.

Ambrym mit sehr hoher thermischer Strahlung

Ambrym emittiert sehr hohe Thermalstrahlung – größere effusive Eruption möglich

Der Inselvulkan Ambrym gehört zum Vanuatu-Archipel und liegt nordöstlich von Australien. Die per Satellit erfassten MODIS-Daten weisen heute eine sehr hohe Thermalstrahlung mit einer Leistung von fast 1600 MW auf, die am 6. Oktober um 04:05 UTC detektiert wurde. Die hohe Strahlung spricht für eine Intensivierung der eruptiven Aktivität im Marum-Krater, über die Vnet bereits in der vergangenen Woche berichtete. Da das VAAC Wellington keine Vulkanaschewarnung für Ambrym herausgegeben hat, kann man davon ausgehen, dass eine überwiegend effusive Eruption die Ursache für die Wärmestrahlung ist, wobei auch Lavafontänen generiert werden können.



Eines der wahrscheinlichsten Szenarien ist eine Flutung des Kraterbodens mit Lava oder die Entstehung eines neuen Lavasees, wie er bis 2018 im Marum-Krater brodelte. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich die eruptive Aktivität ausgeweitet hat und auch Bereich ausßerhalb des Marumkraters betrifft.

Ambrym

Bereits das jüngste Satellitenfoto vom 4. Oktober zeigte ausgeprägte Wärmeanomalien, die sich auf zwei aktive Schlote konzentrierten. Auffällig waren auch thermische Signaturen entlang des Randes des Kraterbodens, die entweder von Lavaströmen zeugen oder auf Risse hinweisen, aus denen heiße Gase austreten. Das hier gezeigte Bild ist eine Kombination aus dem Infrarot-Wärmesignal im SWIR-Band und einem Satellitenbild im sichtbaren Lichtspektrum. Ungewöhnlich ist, dass selbst auf dem Bild im sichtbaren Lichtspektrum bei entsprechender Vergrößerung schwache Rotglut in den beiden Förderschloten zu sehen ist. Dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass sich hier bereits Lavalinsen gebildet haben, wobei der größere Westschlot einen Durchmesser von gut 50 m hat.

Leider sind keine aktuellen Online-Daten mehr verfügbar. Das Vanuatu Geological Hazards Department verfügte bis vor einigen Jahren noch über eine gut ausgebaute Infrastruktur inklusive Webcams und Webcodern, die seit einiger Zeit jedoch offline sind. Ebenso fehlen aktuelle Updates zur Aktivität des Vulkans. Der Alarmstatus steht weiterhin auf 2. Um die aktiven Krater der Ambrym-Caldera gibt es Sperrzonen von bis zu 2 Kilometern.

Bislang konzentrierte sich der Fokus der Vulkanologen aus Vanuatu auf den Inselvulkan Ambae, der südlich von Ambrym liegt und seit Monaten effusiv und teilweise auch explosiv aktiv ist. Hier steht der Alarmstatus auf 3, und es gibt eine 3-Kilometer-Sperrzone um den Kratersee Lake Voui. Aktuelle Satellitenfotos zeigen hier zwar hoch aufsteigende Dampfwolken, aber keine thermische Anomalie, die auf anhaltende Lavastromtätigkeit hindeuten würde.

Die Aktivität konzentriert sich als auf Ambrym, wo sehr wahrscheinlich eine stärkere effusive Eruption im Gang ist.