Tremor am Ätna ist im roten Bereich – keine sichtbare Eruption
Der Tremor am Ätna ist heute Nacht steil bis in den roten Bereich gestiegen, wie er es sonst nur bei Paroxysmen macht, erreichte allerdings nicht ganz so hohe Werte. Dennoch ist aktuell auf den Livecams keine Eruption zu erkennen. Bereits in der letzten Woche stieg die Amplitude des vulkanischen Zitterns schnell an, ohne dass Aktivität gemeldet worden wäre. Kurz vor dem starken Schwarmbeben in der ersten Märzwoche stieg der Tremor bis in den gelben Bereich, um einige Tage später ebenfalls den roten Bereich zu erreichen.
Wenige Stunden nach der Initialphase des Schwarmbebens ereignete sich eine kurze, aber heftige Ascheexplosion aus dem Zentralkrater. Der Erdbebenschwarm ist tatsächlich noch nicht ganz vorbei, denn es gibt jeden Tag einige Erdbeben in der gleichen Region. Meine Vermutung ist, dass sich in ca. 5 Kilometern Tiefe ein größerer Magmenkörper bildet, der den Druck im Fördersystem deutlich erhöht und das Magma anschiebt, das sich bereits wenige Hundert Meter unter den Gipfelkratern befindet. Das Risiko einer größeren Eruption war schon lange nicht mehr so hoch wie heute.

Das INGV-Catania meldete den Tremoranstieg und beobachtete, dass die Aktivität an den Gipfelkratern vor allem durch Entgasung geprägt ist. Die stärksten Entgasungen manifestierten sich aus dem Nordostkrater. Bei der Infraschallaktivität wurden keine Veränderungen festgestellt. Sie ist weiterhin auf den Nordostkrater konzentriert und schwankt in ihrer Häufigkeit zwischen mittleren und hohen Werten.

Eine genaue Analyse des Tremors ergab, dass die durchschnittliche Amplitude gegen 04:40 Uhr (UTC) anzusteigen begann und um etwa 06:15 Uhr (UTC) hohe Werte erreichte. Seit dem Maximum gegen 08:10 Uhr (UTC) ist eine allmähliche Abnahme erkennbar. Gegen Abend bewegte sich der Tremor aber noch im Bereich hoher Werte. Das Epizentrum der Tremorquellen befindet sich im Bereich des Voragine-Kraterkomplexes in etwa 2.800 m Höhe über dem Meeresspiegel.
Interessant ist die Beobachtung, dass die Werte des Bodenverformungs-Messnetzes auf eine leichte Trendänderung am DRUV-Dilatometer sowie am Klinometer am Piano-Krater hinweisen Es gibt also Spannungsänderungen, die mit Magmenaufstieg im Zusammenhang stehen. Zusammen mit dem starken Tremor und den Erdbeben der letzten Woche bei gleichzeitigem Fehlen sichtbarer Tätigkeit bestätigen die Daten eine größere Magmaansammlung im Vulkan.









