Vulkanausbruch am Krasheninnikov bringt Lavaströme hervor

Vulkan Krasheninnikov auf Kamtschatka bleibt aktiv und fördert Lavaströme am Nordkegel

Der Vulkan Krasheninnikov befindet sich auf der russischen Halbinsel Kamtschatka und ist weiterhin aktiv: aktuelle Copernicus-Satellitenbilder und MIROVA-Daten zeigen eine anhaltende effusive Eruption, die auch von den zuständigen Vulkanologen von KVERT bestätigt wird. Seit letztem August fließt Lava an den Osthängen des Nordkegels des Vulkans ab. Gleichzeitig werden aus dem Kraterbereich Gas- und Dampfwolken freigesetzt. Für den Flugverkehr gilt weiterhin die Warnstufe Gelb.

Die Aktivität begann wenige Tage nach dem starken Erdbeben Mw 8,8 vor der Südostküste Kamtschatkas. Nach mehreren Jahrhunderten der Ruhe erwachte der Krasheninnikov zunächst mit einer explosiven Eruption, bei der Aschewolken gefördert wurden. Inzwischen gibt es keine Explosionen mehr und der Vulkanausbruch ist rein effusiv. Ein mehrarmiger Lavastrom entspringt der Basis des Kraters und fließt über die Ostflanke ab. Er bildete ein ausgeprägtes Lavafeld mit einer Länge von gut 2 Kilometern und einer maximalen Breite von 1 Kilometer. Aktuell lässt sich die Wärmesignatur auf eine Länge von 1500 m verfolgen.

Darüber hinaus meldete auch das globale Vulkanüberwachungsnetzwerk MIROVA eine thermische Anomalie von rund 260 Megawatt, die von dem Lavastrom und dem heißen Förderschlot im Nordkrater ausgeht. Solche Werte deuten auf erhebliche Wärmestrahlung an der Oberfläche hin. Parallel dazu erfassten Satellitenaufnahmen im kurzwelligen Infrarotbereich (SWIR) deutlich erhöhte Temperaturen auf den Flanken des Vulkans. Die Aufnahmen zeigten die charakteristischen thermischen Signaturen frischer Lavaströme, die sich vom Nordkegel aus hangabwärts bewegen. Das hier vorliegende Bild ist eine von mir mit KI-Unterstützung erstellte Kombination zweier Satellitenfotos im sichtbaren Licht und im kurzwelligen SWIR-Band, das die thermische Signatur der Lava erfasst und visualisiert.



Der 1.856 Meter hohe Krasheninnikov gehört zu den weniger bekannten Vulkanen Kamtschatkas. Die aktuelle Aktivität ist daher von besonderem wissenschaftlichem Interesse. Die fortlaufenden Satellitenbeobachtungen ermöglichen es Vulkanologen, die Entwicklung der Eruption nahezu in Echtzeit zu verfolgen und mögliche Veränderungen des Aktivitätsniveaus frühzeitig zu erkennen.

Teneriffa: 289 Erdbeben auf Wochensicht

Teneriffa bleibt Zentrum der Seismizität auf den Kanaren

Obwohl die Medien seltener über die Erdbebenkrise auf Teneriffa berichten, die Anfang des Jahres deutlich an Schwung gewonnen hat, halten die Erdbeben weiter an. Der Fokus der vulkanotektonischen Aktivität liegt weiterhin auf der Las-Canadas-Caldera des Teide, unter der sich in der Woche vom 29. Mai bis zum 5. Juni ein Großteil der 289 Erdbeben ereignete, die im Bereich von Teneriffa registriert wurden. Im gesamten kanarischen Archipel wurden von den Seismometern 296 Erdstöße detektiert. 

GUAYOTA

Die meisten dieser schwachen Erschütterungen unter der Caldera des Teide hatten geringe Magnituden unterhalb der Wahrnehmbarkeitsgrenze von 3,0 und beschränkten sich auf das vulkanisch-hydrothermale Umfeld des Teide. Der stärkste Erdstoß manifestierte sich allerdings in der Meerenge zwischen Teneriffa und Gran Canaria und hatte eine Magnitude von 2,5. Dieses Beben wurde am 4. Juni registriert. In dem Bereich liegen sowohl tektonische Störungszonen als auch submarine vulkanische Manifestationen.

Insgesamt wurden im Archipel während des Beobachtungszeitraums rund 0,62 Gigajoule seismische Energie freigesetzt. Dies schließt die 7 Beben ein, die auf La Palma registriert wurden. Die Erschütterungen dort stehen noch mit der Eruption von 2021 im Zusammenhang und gehen mit erhöhtem Gasausstoß einher, weswegen die Vulkanwarnampel auf La Palma noch auf „Gelb“ steht. Die der anderen Inseln, einschließlich Teneriffa, stehen auf „Grün“.

Während die Farbe „Grün“ in der öffentlichen Wahrnehmung keine Gefahr symbolisiert und oft fälschlich als Anzeichen interpretiert wird, dass es am Vulkan keinerlei Aktivität gibt, zeigt sie aus vulkanologischer Sicht jedoch an, dass es eine gewisse Unruhe gibt, weswegen der Vulkan besonderer Beobachtung bedarf. Nur Vulkane ohne Farbcode werden als ruhend und damit vorübergehend ungefährlich betrachtet.

Die IGN-INVOLCAN- Wissenschaftler beobachten die Entwicklung auf Teneriffa seit Jahren besonders aufmerksam. Die Daten des geochemischen Überwachungsnetzes zeigen, dass dort weiterhin die höchsten diffusen Kohlendioxid-Emissionen der Kanaren gemessen werden. Die Emissionen gehen mit dem seit 2016 anhaltenden Druckaufbauprozess innerhalb des vulkanisch-hydrothermalen Systems unter dem Teide einher. Dennoch sehen die Forscher noch keine Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch. Meiner Meinung nach sollte man diese Einschätzung überdenken, denn mit der deutlichen Zunahme der Erdbebenaktivität, die seit Wochen konstant hoch ist, gibt es ein weiteres Indiz für Magmenakkumulation unter dem Vulkan.

Anmerkung: Betrachtet man die Daten und Karten genauer, stellt man fest, dass es auch auf Gran Canaria einige Erdbeben gab, die offenbar in den Statistiken unterschlagen oder den Erdbeben auf Teneriffa hinzugezählt wurden.

Taal: Phreatomagmatischer Vulkanausbruch am 5. Mai

Taal-Vulkan erzeugte weitere phreatomagmatische Eruption – Video zeigt Schlammfontäne

Der südlich von Manila gelegene Taal-Vulkan erzeugte am Freitagnachmittag eine kurze phreatomagmatische Eruption. Nach Angaben der Vulkanbeobachtungsbehörde PHIVOLCS ereignete sich das Ereignis zwischen 16:24 Uhr und 16:28 Uhr Ortszeit im Hauptkrater von Volcano Island, einer Insel im Calderasee des Taal. Der Krater beherbergt einen Kratersee und so förderte die Explosion neben Dampf mit etwas Vulkansache vor allem schlammige Sedimente vom Seegrund. Diese mehrere Dutzend Meter hohe Schlammfontäne mit anschließender Dampfwolke ist sehr gut auf Livecam-Aufnahmen zu sehen. Auffällig ist die ungewöhnliche Stelle am südlichen Seerand, von dem die Eruptionswolke aus aufstieg. Hier scheint sich ein Schlot zu befinden, der in den letzten Monaten selten aktiv war.



Taal

Die Dampf- und Aschewolke stieg etwa 300 m über Kraterhöhe auf. Das Ereignis wurde von den Beobachtungsstationen Main Crater (VTMC) am westlichen Kraterrand sowie Daang Kastila (VTDK) am nördlichen Kraterrand aufgezeichnet. PHIVOLCS klassifizierte den Ausbruch als geringfügige phreatomagmatische Eruption, bei der Magma mit Wasser in Kontakt kommt und explosionsartig Dampf erzeugt.

Das VAAC Tokio registrierte den Ausbruch ebenfalls. Einer VONA-Warnung zufolge begann die Eruption um 08:24 UTC und erzeugte eine Eruptionswolke, die bis auf 600 Meter Höhe über dem Meeresspiegel aufstieg. Satellitenbilder von Himawari-9 zeigten eine Ausbreitung der Vulkanasche in südwestlicher Richtung.

Die tägliche Aktivitätsübersicht von PHIVOLCS attestiert dem Vulkan eine insgesamt niedrige, aber weiterhin bestehende innere Unruhe. In dem Bericht für den 5. Juni werden die Daten des Vortages veröffentlicht, in dem auch die größere phreatomagmatische Eruption gelistet ist, die sich für uns am Mittwochabend zutrug, als es auf den Philippinen aber bereits Donnerstagmorgen war. Neben dieser zweiminütigen Eruption wurden innerhalb von 24 Stunden zwei vulkanische Tremorphasen mit einer Dauer von einer bis neun Minuten registriert. Die Schwefeldioxid-Emissionen lagen am 4. Juni bei 3.105 Tonnen pro Tag. Über dem Hauptkrater stieg eine bis zu 1.500 Meter hohe Dampffahne auf, die vom Wind nach Nordosten verfrachtet wurde.

Trotz der beiden phreatomagmatischen Eruptionen bleibt die Alarmstufe bei Alert Level 1, was einem Zustand niedriger vulkanischer Unruhe entspricht. PHIVOLCS verweist aber darauf, dass weiterhin plötzliche Explosionen, vulkanische Erdbeben, kleinere Ascheniederschläge sowie gefährliche Konzentrationen vulkanischer Gase möglich sind. Das Betreten der Vulkaninsel, insbesondere des Hauptkraters und der Daang-Kastila-Spalten, bleibt verboten.

Häufiger auftretende phreatomagmatische Explosionen und der deutlich gestiegene Schwefeldioxid-Ausstoß könnten auf ein gestiegenes Risiko für das Auftreten größerer Eruptionen hindeuten.

Vulkan Lewotobi Laki-laki zeigt Aktivitätszunahme

Lewotobi Laki-laki zeigt eine Zunahme der explosiven Aktivität – Aschewolken bis auf 4100 Meter Höhe

Auf der indonesischen Insel Flores zeigt der Vulkan Lewotobi Laki-laki eine Zunahme seiner explosiven Aktivität und erzeugte mehrere Eruptionen, bei denen Aschewolken bis auf 4100 m Höhe aufgestiegen sind. Parallel dazu nahm die Seismizität leicht zu. Der Alarmstatus steht auf Orange.

Lewotobi

Nach Angaben des VSI wurden in der ersten Tageshälfte des 5. Juni bereits 4 Explosionen registriert. Zuletzt förderte ein Ausbruch um 11:15 WITA eine Aschewolke, die eine Höhe von 2.500 Meter über den Gipfel bzw. etwa 4.084 Meter über dem Meeresspiegel erreichte. Die Asche driftete in Richtung Westen und Nordwesten. Das Ereignis wurde auf Seismografen mit einer maximalen Amplitude von 29,6 mm und einer Dauer von 137 Sekunden aufgezeichnet. Auch das VAAC Darwin meldete die Eruption und löste eine VONA-Warnung für den Flugverkehr aus.

Die explosive Tätigkeit des Vulkans stellt insbesondere für die Luftfahrt im östlichen Indonesien ein Risiko dar, da Aschepartikel in großer Höhe in Flugrouten gelangen können. Auch für die Bevölkerung in den windabwärts gelegenen Gebieten besteht eine erhöhte Belastung durch feine Asche, die Atemwege und Infrastruktur beeinträchtigen kann.

Seismische Signale deuten darauf hin, dass im Verlauf des Tages mehrere explosive Phasen stattgefunden haben. Sie wurden von anhaltendem Tremor und vulkanotektonischen Erschütterungen begleitet. Vergleicht man die Werte der ersten Tageshälfte und vergleicht sie mit den Werten von gestern, erkennt man, dass sich bereits jetzt so viele Beben zugetragen haben wie gestern am ganzen Tag. Auffällig sind insbesondere 17 Tremorphasen und 7 vulkanotektonische Beben. Letztere wurden gestern gar nicht registriert. Insbesondere die Kombination aus vulkanotektonischen Beben und Tremorphasen gilt als Hinweis aufsteigenden Magmas. Eine weitere Verstärkung der Tätigkeit bis hin zu Paroxysmen ist möglich.

Die Situation muss weiterhin genau überwacht werden, da sich die Aktivität schnell verändern kann und weitere stärkere Eruptionen nicht ausgeschlossen werden können.

Vulkanausbruch Mayon erzeugt Strombolianer am laufenden Band

Mayon bleibt hochaktiv: Effusive Eruption dauert seit 151 Tagen an

Der philippinische Vulkan Mayon setzt seine anhaltende Eruptionsphase, die offiziell am 6. Januar begann, sich aber bereits früher durch Domwachstum ankündigte, unvermindert fort. Somit dauert die überwiegend effusive Eruption inzwischen 151 Tage und es werden kontinuierlich Lavaströme, glühende Gesteinslawinen und pyroklastische Dichteströme erzeugt. Hinzu kommen Phasen strombolianischer Explosionen, wie es heute wieder der Fall war. Die Alarmstufe 3 bleibt weiterhin in Kraft.

Strombolianer

Am Morgen des 5. Juni registrierten Beobachter eine schwache strombolianische Aktivität im Gipfelkrater. Auf Videoaufnahmen ist zu erkennen, wie Vulkanasche rhythmisch ausgestoßen wurde. Zeitgleich zeigten Überwachungskameras anhaltende Lavaförderung am Dom, die Lavaströme speist. Außerdem kommt es zu kollapsbedingten pyroklastischen Dichteströmen, die an den Flanken des Vulkans talwärts zogen. Diese heißen Asche- und Gaslawinen, lokal als „uson“ bezeichnet, entstehen durch den Einsturz instabiler Bereiche der aktiven Lavafronten.

Auch aus der Luft war die Aktivität deutlich sichtbar. Das VAAC Tokio meldete um 03:25 UTC eine Eruption, in deren Folge eine Aschewolke bis auf etwa 2.700 Meter Höhe aufstieg und sich in ostnordöstlicher Richtung ausbreitete. Die Ascheemission war in Satellitenbildern sowie durch Beobachtungen von PHIVOLCS bestätigt worden.

Die jüngsten geophysikalischen Daten veranschaulichen die Aktivität des Vulkans Mayon. Innerhalb von 24 Stunden wurden zwölf vulkanische Erdbeben registriert. Hinzu kamen 210 Signale von Steinschlägen sowie zwei Signale, die mit pyroklastischen Dichteströmen in Verbindung standen. Die Schwefeldioxid-Emissionen betrugen am 4. Juni 1.267 Tonnen pro Tag. Dieser Wert eignet sich gut für einen Vergleich mit den gestiegenen Schwefeldioxidemissionen am Taal, die in den letzten 24 Stunden bei gut 3100 Tonnen lagen, ohne dass an der Oberfläche Lava austrat.

Lavaströme fließen weiterhin durch die Schluchten von Basud, Bonga und Mi-isi und erreichen dort Längen von bis zu 3,8 Kilometern. Gleichzeitig zeigen geodätische Messungen eine kurzfristige Deflation des Vulkangebäudes bei gleichzeitiger Inflation im nordöstlichen Flankenbereich.

PHIVOLCS warnt weiterhin vor möglichen Gefahren durch pyroklastische Ströme, Lavafontänen, ballistische Auswürfe, Steinschläge und Lahare während starker Regenfälle. Das Betreten der sechs Kilometer umfassenden permanenten Gefahrenzone bleibt strikt untersagt.

Shiveluch Vulkan fördert 8800 m hohe Aschewolke

Shiveluch bleibt aktiv: Aschewolken und Lavadom-Wachstum auf Kamtschatka

Der Vulkan Shiveluch auf der russischen Halbinsel Kamtschatka gelegen, zeigt weiterhin eine erhöhte Aktivität. In den vergangenen Tagen wurden sowohl explosive Eruptionen als auch anhaltende Ascheemissionen registriert. Aktuell warnt das VAAC Tokio vor Aschewolken in 8.800 m Höhe. Vulkanologen von KVERT beobachten zudem das fortgesetzte Wachstum des Lavadoms, das von starken Gas- und Dampfausstößen begleitet wird. Es kommt zu Kollapsen und der Generierung von Schuttlawinen und kurzen Dichteströmen. Nachts kann temporär Rotglut am Dom beobachtet werden.

Shiveluch (Archiv)

Am 4. Juni ereignete sich um 11:35 UTC eine explosive Eruption, bei der eine Aschewolke bis auf etwa acht Kilometer Höhe aufstieg. Nach Angaben des Kamtschatka Volcanic Eruption Response Team (KVERT) driftete die Aschewolke anschließend bis zu 370 Kilometer weit nach Nordwesten und Norden. Satellitendaten zeigten zudem eine ausgeprägte thermische Anomalie am Vulkan, ein Hinweis auf weiterhin aktive Magmenbewegungen im Domkomplex.

Bereits in den frühen Morgenstunden des 4. Juni war eine weitere Aschefreisetzung beobachtet worden. Nach Angaben der Kamtschatka-Abteilung des Geophysikalischen Dienstes der Russischen Akademie der Wissenschaften begann der Ausbruch um 02:03 Uhr Ortszeit und dauerte rund zwölf Minuten. Dabei wurde ebenfalls eine Aschewolke bis in etwa acht Kilometer Höhe ausgestoßen.

Das zuständige VAAC Tokio meldete darüber hinaus, dass Aschewolken auch am 5. Juni kontinuierlich in Satellitenaufnahmen erkennbar waren. Die höchste registrierte Ascheschicht reichte bis Flugfläche 290, was einer Höhe von knapp 8.800 Metern entspricht. Die Wolken bewegten sich überwiegend in nordöstliche und westliche Richtungen und stellen insbesondere für den Luftverkehr in der Region ein potenzielles Risiko dar.

Der Shiveluch ist mit einem Alter von schätzungsweise 60.000 bis 70.000 Jahren einer der größten und aktivsten Vulkane Kamtschatkas. Derzeit wächst im nördlichen Teil des Lavadoms ein neuer Lavablock heran. Aufgrund der anhaltenden Aktivität gilt weiterhin die Luftfahrt-Warnstufe Orange, die kurzfristig zum Höhepunkt stärkerer Explosionen auch auf Rot erhöht wird. Vulkanologen schließen weitere explosive Ereignisse mit Aschewolken bis in Reiseflughöhen nicht aus. Die Entwicklung wird daher rund um die Uhr mittels Satellitenüberwachung verfolgt.

Taal-Vulkan zeigt deutlich gestiegenen Gasausstoß

Signifikant gestiegene Schwefeldioxid-Emissionen am Taal-Vulkan – Erinnerungen an extreme Zeiten werden wach

Der philippinische Taal-Vulkan eruptierte gestern nicht nur phreatomagmatisch und erzeugte dabei eine mehr als 1.200 Meter hohe Asche-Dampf-Wolke, sondern stieß bereits vor der Eruption deutlich mehr Schwefeldioxid aus als zuvor. Dabei wurden Werte erreicht, wie sie noch vor gut zwei Jahren typisch waren, bevor es zu einem plötzlichen Rückgang des Gasausstoßes kam und nur noch etwa zehn Prozent der früheren Emissionsraten gemessen wurden.


Taal-Archiv

Damals lag der tägliche SO₂-Ausstoß oft zwischen 4.000 und 6.000 Tonnen – Werte, die selbst viele eruptierende Vulkane nur dann erreichen, wenn größere Lavaströme gefördert werden. Den Daten von PHIVOLCS ist zu entnehmen, dass der Ausstoß gestern bei 6.287 Tonnen lag und damit wieder ein Niveau erreichte, das an die besonders aktiven Phasen der vergangenen Jahre erinnert. Ein deutlicher Anstieg zeichnete sich bereits Ende Mai ab, als am 29. des Monats ein SO₂-Ausstoß von 4.159 Tonnen registriert wurde.

Die Höhe des Schwefeldioxid-Ausstoßes steht oft in direktem Zusammenhang mit der Menge an Magma im oberflächennahen Speichersystem. Steigende Werte gelten als Hinweis auf eine Magmenakkumulation in geringer Tiefe, wobei die aktuellen Veränderungen innerhalb eines so kurzen Zeitraums außergewöhnlich stark ausfallen. Daher müssen weitere Prozesse den SO₂-Ausstoß beeinflussen, die bislang nur teilweise erforscht sind.

Sprunghafte Veränderungen der SO₂-Entgasung können am Taal auch durch Änderungen im hydrothermalen System oder im Gastransport verursacht werden. Häufig kommt es zu einer kurzfristigen „Entblockung“ von Förderschloten, wodurch zuvor gestautes und im Hydrothermalsystem gespeichertes Gas schlagartig entweichen kann. Ebenso können Druckänderungen im Hydrothermalsystem dazu führen, dass gelöste Schwefelverbindungen freigesetzt werden, ohne dass frisches Magma beteiligt ist. Auch Umverteilungen bereits vorhandener Gase oder die fortschreitende Entgasung älteren Magmas in der Tiefe können den SO₂-Ausstoß deutlich erhöhen.

Um belastbare Ausbruchsprognosen zu erstellen, muss ein erhöhter oder rasch ansteigender SO₂-Wert stets im Zusammenhang mit anderen geophysikalischen Parametern wie Seismizität und Bodendeformation interpretiert werden. Nur so lässt sich beurteilen, ob tatsächlich Magmanachschub erfolgt oder lediglich eine Veränderung der Durchlässigkeit des Systems vorliegt.

Die aktuellen Daten zeigen keine kurzfristigen signifikanten Veränderungen dieser Parameter. Volcano Island ist zwar weiterhin aufgebläht, stärkere Schwarmbeben wurden jedoch nicht registriert. Daher erscheint ein „Umschalten“ des Hydrothermalsystems in einen anderen Betriebsmodus derzeit als die wahrscheinlichste Erklärung für den erhöhten Gasausstoß. Einzig das Auftreten der phreatomagmatischen Explosion deutet darauf hin, dass es zu einer neuen Magmaansammlung oder der Umverteilung von Magma in geringer Tiefe gekommen sein könnte.

Mit den steigenden Schwefeldioxid-Emissionen nimmt nun – abhängig von der Wetterlage – auch das Risiko für VOG deutlich zu. Dabei handelt es sich um vulkanischen Smog, der gesundheitsschädlich sein kann und insbesondere bei empfindlichen Personen Atemwegsbeschwerden hervorrufen kann.

Vulkan Ätna mit Intrakrater-Explosionen und Erdbeben

Intrakrater-Explosionen im Nordostkrater des Ätnas – Kleine Erdbebenschwärme im Nordwesten

Der Ätna auf Sizilien durchlebte einen vergleichsweise ruhigen Mai, wobei die Unruhe zum Monatsende leicht zunahm. Hervorzuheben ist ein kleiner Erdbebenschwarm am 30. Mai, der aus acht Erschütterungen mit Magnituden zwischen 1,2 und 1,9 bestand und sich in etwa 24 Kilometern Tiefe ereignete. Dieser Schwarm wurde am 3. Juni durch einen zweiten ergänzt, der sich in gleicher Tiefe weiter südlich und damit in Richtung Gipfel abspielte. Hier wurden sieben Beben registriert. Das stärkste erreichte eine Magnitude von 2,8 in 24 Kilometern Tiefe. Wahrscheinlich standen die Beben mit dem Eindringen von Magma in die Erdkruste in Zusammenhang. Darüber hinaus wurden im Nordostkrater tief im Schlot sitzende strombolianische Explosionen detektiert.

Ätna. © INGV

Diese Phänomene wurden im INGV-Monatsbulletin für den Mai beschrieben, das gestern veröffentlicht wurde. Die Aktivität wurde mittels Infraschallmessungen und thermischer Anomalien nachgewiesen. Zudem gibt es aktuell eine starke Dampfentwicklung aus diesem Krater. Ein Vnet-Leser bestätigte mir vorgestern die intensive Dampfentwicklung aus dem Nordostkrater und berichtete, dass die anderen Krater nur schwach dampfen würden. In dieses Bild passt auch die Tremorquellenanalyse des INGV: In den letzten Wochen konzentrierte sich der Tremor weiterhin unter dem nördlichen Bereich des Gipfelkraterkomplexes, wobei seine Ausdehnung in Richtung Nordwesten gegen Monatsende abnahm.

Interessant ist außerdem, dass die klinometrischen Messstationen mit Ausnahme der Station ECPN keine signifikanten Bodendeformationen registrierten. An besagter Station verringerte sich die Hangneigung um 2 µrad, was auf eine Umlagerung von Fluiden im nördlichen Gipfelbereich hindeuten könnte.

Der Gasausstoß war moderat, zeigte jedoch eine leicht steigende Tendenz der CO₂-Komponente, was durch eine schwache Magmenintrusion in der Tiefe verursacht worden sein könnte. Die Daten liefern keinen Anlass zu der Annahme, dass sich eine größere Eruption anbahnt, bestätigen jedoch den langsamen Aufladeprozess des Vulkans auf Sizilien. Generell ist der Ätna jedoch immer für Überraschungen gut und entzieht sich häufig längerfristigen Prognosen.

Titan-Ridge-Vulkan: Bimssteinflöße erreichen Inselküsten in PNG

Bimssteinflöße vom Unterwasser-Vulkanausbruch des Titan-Ridge-Vulkans in Papua-Neuguinea erreichen Inselküsten in der Bismarcksee

Bereits gestern Abend berichtete ich über die hohen Thermalwerte im Wasser über dem submarinen Titan-Ridge-Vulkan in der zu Papua-Neuguinea gehörenden Bismarcksee. Heute veröffentlichte das europäische Copernicus-Programm die dazugehörigen Satellitenaufnahmen, aus denen ich mehrere Ausschnittsvergrößerungen und Renderbilder erstellt habe. Auf einem der Bilder habe ich die Thermalsignatur im SWIR-Band mit einer Aufnahme aus dem sichtbaren Lichtspektrum überlagert. Dadurch wird deutlich, wie viele heiße Bimssteine im Bereich des Unterwasservulkans an der Meeresoberfläche treiben.

Am 2. Juli erreichte die Thermalstrahlung eine Spitzenleistung von 226 MW. Gestern wurden noch 152 MW gemessen, heute sind es lediglich 55 MW. Weitere Satellitenbilder sowie Aufnahmen von Augenzeugen belegen, dass die Bimssteinflöße inzwischen die Inseln im Norden der Bismarcksee erreicht haben und die dortige Bevölkerung vor enorme Herausforderungen stellen. Besonders betroffen sind die Fischer, deren Häfen und Anlegestellen durch die schwimmenden Gesteinsmassen blockiert werden.

Vor allem die Inseln rund um Lou Island, die südlich der größeren Insel Lorengau liegt, sind betroffen. Entlang der Ost- und Südküste haben sich große Mengen Bimsstein angesammelt, die den Fischern die Ausfahrt mit ihren kleinen Booten unmöglich machen. Besonders kritisch ist die Situation im Bereich von Baon Village. Für die Menschen dort, die häufig von der Hand in den Mund leben, stellt dies eine Katastrophe dar. Die aktuellen Satellitenaufnahmen zeigen zudem, dass sich die Probleme in den kommenden Tagen weiter verschärfen und auf weitere Küstenabschnitte ausweiten dürften, denn ein Großteil der Bimssteinflöße hat die Küsten noch nicht erreicht. Je nach Windverhältnissen könnten die Beeinträchtigungen zudem lange anhalten, da nur Wind und Strömungen die Bimssteine wieder von den Küsten wegtransportieren können.

Die Bilder aus dem Bereich des Vulkans selbst zeigen, dass die Stärke der Eruption deutlich nachgelassen hat. Die Austritte von Bimsstein und Dampf konzentrieren sich inzwischen auf ein Gebiet, das offenbar oberhalb eines Kraters liegt. Zu Beginn der Eruption war dagegen eine mindestens 2,5 Kilometer lange Eruptionsspalte aktiv. Zeitweise erstreckte sich die Zone intensiver Dampfaustritte über mehr als vier Kilometer Länge.

Der submarine Vulkanausbruch folgt damit einem Muster, das auch von Spalteneruptionen an Land bekannt ist: Nach einer intensiven Initialphase konzentriert sich die Aktivität auf ein einzelnes Eruptionszentrum, das jedoch über Wochen oder sogar Monate aktiv bleiben kann. Derzeit tritt Dampf aus einem Gebiet mit einem Durchmesser von rund 1.200 Metern aus. Die großen Mengen heißer Bimssteine, die weiterhin die Meeresoberfläche erreichen, deuten darauf hin, dass die Förderraten noch immer hoch sind und sich der Abstand zwischen dem Krater und der Wasseroberfläche weiter verringert. Ob wir in den nächsten Wochen Zeugen der Geburt einer neuen Vulkaninsel werden bleibt offen.

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