Starke Eruptionen am Shiveluch verteilen Aschewolken bis zu 1500 km weit – neue Eruption fördert Asche auf 12 Kilometer Höhe
Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka hat der Vulkan Shiveluch am Dienstag weitere kräftige explosive Eruptionen erzeugt. Nach Angaben des Kamchatkan Volcanic Eruption Response Teams (KVERT) begann der Ausbruch gegen 05:30 UTC und dauerte etwa zwei Stunden. Dabei wurde Vulkanasche bis in eine Höhe von 10,5 Kilometern über dem Meeresspiegel geschleudert. Aufgrund der intensiven Aktivität wurde der Luftfahrt-Farbcode von Orange auf Rot angehoben, der Flugverkehr über dem Nordpazifik ist gefährdet.
Shiveluch
Satellitenaufnahmen des Wettersatelliten Himawari-9 registrierten die Eruptionswolke bereits wenige Minuten nach Beginn der Explosionen. Das Tokyo Volcanic Ash Advisory Center (VAAC) meldete eine ausgedehnte Aschewolke, die sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 75 Kilometern pro Stunde in südöstlicher Richtung bewegte. Zeitweise erreichte die Wolke Flughöhen bis FL400, entsprechend mehr als 12 Kilometern Höhe. Prognosen zufolge sollte sich die Asche in den folgenden Stunden über weite Bereiche des Nordpazifiks ausbreiten.
Auf der Karte zur VONA-Warnung erkennt man die Ausbreitung der Aschewolke über der Bering-See, die über weite Teile der Aleuten in Richtung Alaska zog.
Der Shiveluch zählt zu den aktivsten und gefährlichsten Vulkanen Kamtschatkas. Seine derzeitige Aktivitätsphase wird als explosive-extrusive Eruption charakterisiert. Während zähflüssige Lava im Gipfelbereich einen neuen Lavablock aufbaut, sorgen aufsteigende Gase und der Einsturz instabiler Domstrukturen regelmäßig für heftige Explosionen.
Diese Explosionen sorgten in den vergangenen Wochen wiederholt für die weiträumige Ausbreitung von Vulkanaschewolken. Besonders zwischen dem 3. und 9. Juli wurden mehrere explosive Ereignisse registriert, bei denen Aschewolken Höhen von bis zu 12 Kilometern erreichten. Satellitendaten zeigten dabei Aschefahnen, die je nach Windrichtung und Stärke der Winde bis zu 1.500 Kilometer weit transportiert wurden.
Die aktuelle Aktivität hebt das hohe Gefahrenpotenzial des Vulkans hervor. KVERT warnt, dass jederzeit weitere Explosionen auftreten können, die Asche bis in Höhen von 12 Kilometern fördern. Für den internationalen Flugverkehr über dem Nordpazifik stellen solche Eruptionen eine erhebliche Gefahr dar, da Vulkanasche Triebwerke beschädigen und die Sicht beeinträchtigen kann.
Magmatische Unruhe unter Alaskas kaum erforschtem Gletschervulkan Mount Kupreanof nimmt zu
Der auf der amerikanischen Alaska-Halbinsel gelegene Vulkan Mount Kupreanof ist weiterhin unruhig. Nach Angaben des Alaska Volcano Observatory (AVO) wurden in der vergangenen Woche zum wiederholten Male zahlreiche schwache Erdbeben sowie Schwefeldioxid-Emissionen registriert. Zusätzlich detektierten InSAR-Messungen Bodenhebungen. Die Beobachtungen stützen die Einschätzung der Vulkanologen, dass sich unter dem stark vergletscherten Stratovulkan eine oberflächennahe magmatische Intrusion entwickelt.
Die stärksten Erdbeben der vergangenen Woche ereigneten sich am 10. Juli und erreichten Magnituden von 1,9 und 2,5. Darüber hinaus wurden mehrere niederfrequente Erdbeben in Tiefen von mehr als 20 Kilometern unter dem Meeresspiegel aufgezeichnet. Solche Signale entstehen häufig, wenn Magma oder Fluide im Untergrund aufsteigen. Ergänzt werden diese Beobachtungen durch Schwefeldioxid-Emissionen, die am 7. und 8. Juli mithilfe von Satelliten nachgewiesen wurden. Das Gas gilt als wichtiger Hinweis darauf, dass frisches Magma entgast und relativ hoch im Fördersystem steht.
Das AVO berichtet bereits seit einigen Wochen immer wieder über die sich steigernde Unruhe am Vulkan, der lange Zeit für inaktiv gehalten wurde und daher über kein eigenes Monitoringsystem verfügt. Das nächstgelegene Seismometer befindet sich 27 Kilometer östlich am Vulkan Mount Veniaminof. Inzwischen wird die vermutete Intrusion durch satellitengestützte Radarmessungen (InSAR) bestätigt, die eine Bodenverformung im Bereich des Vulkans nachweisen. Solche Hebungen oder Deformationen entstehen, wenn sich Magma in der Erdkruste ansammelt.
Der 1.895 Meter hohe Mount Kupreanof zählt zu den am wenigsten erforschten Vulkanen Alaskas. Historische Eruptionen sind nicht bekannt, lediglich ein vermutlich holozäner Block-und-Aschenstrom oder Schuttstrom wurde südlich des Vulkans kartiert. Sollte es zu einem Ausbruch kommen, wären aufgrund der mächtigen Vergletscherung des Vulkans phreatomagmatische Explosionen, Gletscherfluten und Lahare möglich. Aschewolken könnten zudem den Flugverkehr über der Alaska-Halbinsel sowie Siedlungen im Lee des Vulkans beeinträchtigen.
Extrem hohe Kohlendioxid-Werte im Metrotunnel der Campi Flegrei sorgen für Unruhe und Besorgnis – INGV verteidigt Veröffentlichung der Messwerte
Einen Monat nach der Sperrung des Metrotunnels der Linie 2 zwischen Pozzuoli Solfatara und Napoli Campi Flegrei infolge hoher Kohlendioxidkonzentrationen in der Luft veröffentlichte das INGV in seinem Monatsbericht zu den Campi Flegrei die tatsächlich gemessenen Werte. In der Spitze lagen sie sogar noch höher als bisher durchgesickert war, was deutlich macht, warum die Behörden offenbar versuchten, die Veröffentlichung der Messdaten zu vermeiden. Deren Publikation löste in der Region Neapel eine kontroverse Diskussion aus, aufgrund derer sich das INGV nun zu einer Stellungnahme in Form einer Pressemitteilung veranlasst sah.
Nach Angaben des INGV wurden im Tunnel lokal Kohlendioxidkonzentrationen von mehreren Volumenprozent gemessen. Zeitweise registrierten die Messgeräte Werte von bis zu etwa 7 Vol.-% CO₂, was rund 70.000 ppm entspricht. Zum Vergleich: Die normale atmosphärische Konzentration liegt derzeit bei etwa 420 ppm. Bereits Konzentrationen von einigen Tausend ppm können bei längerer Exposition zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Bei den tatsächlich gemessenen, deutlich höheren Werten besteht insbesondere in schlecht belüfteten Bereichen nicht nur die Gefahr von Schwindel, Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen – es droht bereits akute Erstickungsgefahr. Kein Wunder also, dass man sich gezwungen sah, diese wichtige Metroverbindung stillzulegen.
Die Messungen bedeuten jedoch nicht automatisch, dass eine vulkanische Eskalation in den Campi Flegrei unmittelbar bevorsteht. Entscheidend für die Bewertung der vulkanischen Aktivität ist nicht ein einzelner Messwert, sondern die Entwicklung verschiedener Parameter über längere Zeiträume hinweg – darunter Bodenhebung, Seismizität, Temperatur sowie die chemische Zusammensetzung der austretenden Gase. Obwohl der Calderavulkan im Juni täglich mehr als 5.000 Tonnen CO₂ ausstieß, an denen die Emissionen des Solfatara-Kraters zu etwa einem Viertel beteiligt waren, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sich Magma bereits unmittelbar unter der Erdoberfläche befindet. Kohlendioxid entweicht dem Magma bereits in einem relativ frühen Stadium seines Aufstiegs und erreicht die Erdoberfläche früher als andere magmatische Gase. Die hohen CO₂-Konzentrationen, die im Juni weiter zunahmen, deuten jedoch darauf hin, dass sich in der Tiefe bereits eine große Magmaansammlung befindet.
Dass sich ausgerechnet in dem Tunnel so hohe Kohlendioxidkonzentrationen messen lassen, ist zum Teil seiner Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zur Solfatara geschuldet. Selbst an den Straßen rund um den Krater gibt es heiße Stellen und Gasaustritte, die den Asphalt aufweichen oder sogar schmelzen lassen. Im Tunnel tritt das Gas vermutlich überwiegend diffus aus Gesteinsporen und Klüften aus und sammelt sich aufgrund der unzureichenden Belüftung in alarmierenden Konzentrationen an. Das INGV schätzt den aktuellen CO₂-Zufluss in den Tunnel auf etwa 95 ± 40 Tonnen pro Tag.
Die Bekanntgabe der Messdaten führte dennoch zu Verunsicherung in der Bevölkerung. Viele Anwohner fragten sich, ob für Fahrgäste oder Beschäftigte eine Gefahr bestanden habe. Gleichzeitig entstand eine Diskussion darüber, ob die Veröffentlichung der Daten zu einer unnötigen Alarmierung beitragen könnte. Die Sperrung der Bahnstrecke verstärkte diese Sorgen zusätzlich, da einige Beobachter darin ein Zeichen für eine außergewöhnliche Gefahrenlage sahen.
Mit der am heutigen Tag veröffentlichten Stellungnahme reagierte das INGV auf die zunehmenden Spekulationen. Das Institut betonte, dass es für die wissenschaftliche Überwachung geophysikalischer und geochemischer Prozesse verantwortlich sei, nicht jedoch für Entscheidungen über den Betrieb der Eisenbahninfrastruktur. Die Dauer einer Streckensperrung oder technische Maßnahmen des Betreibers könnten daher nicht als wissenschaftliche Bewertung der CO₂-Situation interpretiert werden.
Das INGV stellte klar, dass die gemessenen CO₂-Anomalien auf instrumentellen Daten beruhen und unabhängig von organisatorischen Entscheidungen bewertet werden müssten. Gleichzeitig warnte das Institut vor vereinfachenden Darstellungen, die zu Verwirrung in der Öffentlichkeit führen könnten. Die Veröffentlichung der Messwerte sei Teil der wissenschaftlichen Transparenz und diene dazu, die zuständigen Behörden mit verlässlichen Daten bei möglichen Schutzmaßnahmen zu unterstützen.
Für die Campi Flegrei bleibt die Situation somit aufmerksam zu beobachten. Die erhöhten CO₂-Werte im Tunnel stellen einen ernst zu nehmenden Sicherheitsaspekt dar, liefern für sich allein jedoch keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.
Die übrigen Überwachungsdaten zeigten im Juni keine ungewöhnlichen Veränderungen und bestätigen den langjährigen Trend einer fortschreitenden Druckbeaufschlagung des Systems. Allerdings wurde bekannt gegeben, dass an der Pisciarelli-Messstation FLXOV8 derzeit keine Wartungsarbeiten mehr durchgeführt werden können, weil sich die Zugangsbedingungen zur Messstelle weiter verschlechtert haben. Ursache dürfte die zunehmende fumarolische Aktivität sein. Darauf deutet auch der weiter angestiegene fumarolische Tremor hin, der auf eine intensivere Entgasung schließen lässt.
Weitere Deflationsphase verzögert erwartete Lavafontänenepisode 51 des anhaltenden Vulkanausbruchs
Eigentlich wurde am Wochenende die 51. Lavafontänen-Episode am Kilauea auf Hawaii erwartet. Doch aufgrund einer erneut einsetzenden Deflation kam es zunächst nicht dazu, obwohl der Anstieg der Bodenhebung bis zum Einsetzen der Deflation hoch genug war, um eine weitere Eruptionsphase zu starten. Das Prognosefenster für die Eruption wurde daher erneut verschoben.
Nach Ansicht der HVO-Vulkanologen befindet sich der Kilauea weiterhin in einer ungewöhnlichen Phase, die durch einen Wechsel zwischen mehrstündigen Lavafontänen-Episoden und mehrtägigen Ruhepausen gekennzeichnet ist. Nach dem Ende der 50. Eruptionsepisode im Halemaʻumaʻu-Krater warten Vulkanfans und das Hawaiian Volcano Observatory (HVO) nun auf den Beginn von Episode 51.
Bodenhebung
Ursprünglich hatten die Deformationsdaten auf eine neue Lavafontänen-Phase im Zeitraum vom 12. bis 14. Juli hingedeutet. Nachdem am 11. Juli erste Vorläuferaktivität mit nahezu kontinuierlichem Lavaspattering aus der Nordöffnung beobachtet worden war, setzte unerwartet eine weitere Deflation ein. Die Aktivität an den Schloten nahm daraufhin ab, und die Prognose wurde zunächst auf den Zeitraum vom 13. bis 15. Juli verschoben. Nach aktuellen Angaben des HVO ist ein Beginn von Episode 51 nun frühestens am späten Montag, dem 13. Juli Hawaiizeit, wahrscheinlich.
Die Ursache für die Verzögerung liegt in der anhaltenden Entleerung des flach gelegenen Magmareservoirs unter dem Gipfel. Am UWD-Neigungsmesser wurde seit Beginn der aktuellen Deflationsphase am Samstag eine Absenkung von insgesamt etwa 1,5 Mikroradiant gemessen. Die Erholung der Bodenhebung, die nach Episode 50 eingesetzt hatte, verlangsamte sich dadurch zum dritten Mal. Seit dem Beginn des Wiederaufladens des flachen Magmenkörpers direkt nach Episode 50 waren bereits zwei weitere Deflationsphasen aufgetreten. Während der 50. Episode zeigte der Gipfelbereich insgesamt 15,3 Mikroradiant an Inflation und anschließender Entspannung infolge des Lavaausstoßes.
Trotz der Deflation deuten Beobachtungen darauf hin, dass Magma weiterhin sehr oberflächennah im Fördersystem steht. In der Nacht zum 12. Juli war eine starke Rotglut am Nordschlot sichtbar, während der Südschlot wechselnde thermische Aktivität zeigte. Gleichzeitig stabilisierte sich das vulkanische Tremor-Signal und wurde wieder kontinuierlich registriert, was auf anhaltende Magmabewegungen im Untergrund hindeutet.
Auffällig ist die hohe Seismizität im Bereich der Küstenebene und des Offshoregebiets vor der Küste bei Pahala. Während des episodischen Vulkanausbruchs, der bereits am 23. Dezember 2024 begann, war die Seismizität dort über weite Strecken niedriger. Es ist durchaus möglich, dass die Beben im tieferen Bereich des Magmenspeichersystems auf Prozesse hindeuten, die auch das flach liegende Speicherreservoir und den Magmaaufstieg insgesamt beeinflussen.
Es stellt sich die Frage, wohin das Magma während der Deflationsphasen abfließt. Sinkt der Pegel im Fördersystem lediglich ab, oder wandert Magma tatsächlich in die Ostriftzone, wie es in der Vergangenheit bereits beobachtet wurde? Die nächsten Tage und Wochen könnten hierzu weitere Hinweise liefern. Bis jetzt meldet das HVO keine ungewöhnlichen Vorkommnisse entlang der beiden Riftzonen des Vulkans.
Livecam filmt pyroklastischen Dichtestrom am Santiaguito – Vulkanasche in 4300 m Höhe detektiert
Trotz der Regenzeit in Guatemala war das Wetter am Sonntag in Teilen des Landes freundlich. So konnte eine Livecam in den frühen Morgenstunden den Abgang eines pyroklastischen Dichtestroms am Lavadom des Santiaguito aufzeichnen. Zudem kam es zu mehreren Explosionen, die Vulkanasche bis auf eine Höhe von 4300 Metern über dem Meeresspiegel förderten. Die Aschewolken wurden vom Wind nach Westen verfrachtet und verursachten in mehreren Ortschaften leichten Ascheniederschlag.
Der pyroklastische Dichtestrom ging um 06:06 Uhr Ortszeit ab und wurde durch eine explosive Eruption ausgelöst, die am Kraterrand einen kleineren Kollaps verursachte. Dabei brach ein heißes Lavapaket ab und wurde durch die explosionsartige Freisetzung der im Inneren eingeschlossenen Gase fragmentiert. Dadurch entstand die Glutwolke aus heißen Gasen, Asche und gröberen Lavafragmenten. Auf den Videoaufnahmen ist gut zu erkennen, wie der Dichtestrom einer Erosionsrinne folgt, entlang derer bei starken Regenfällen Wasser abfließt. Erst in der Nähe der Dombasis trat der Strom über die Begrenzung der Rinne hinaus, stellte jedoch keine Gefahr für die Bewohner der Plantagen am Fuß des Vulkans dar.
Dem aktuellen Bulletin des INSIVUMEH zufolge werden am Lavadom weiterhin kontinuierliche Entgasungen beobachtet. Die Gasfahne steigt bis auf etwa 400 Meter über den Dom auf. Zusätzlich wurden schwache bis mäßige Explosionen registriert, die Gas- und Aschewolken erzeugten, welche bis zu 800 Meter über den Dom aufstiegen.
Während der Nacht und in den frühen Morgenstunden ist im Gipfelbereich des Doms sowie entlang seiner westlichen und südwestlichen Flanken ein deutliches Glühen sichtbar. Dieses steht im Zusammenhang mit wiederkehrenden glühenden Block- und Schuttlawinen, die an diesen Hängen niedergehen.
Aufgrund der anhaltenden Aktivität kann die Bildung weiterer pyroklastischer Dichteströme jederzeit nicht ausgeschlossen werden. Die Bevölkerung und Besucher werden daher aufgefordert, das Gebiet um den Vulkan zu meiden und die bereits kommunizierten Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten.
Darüber hinaus besteht bei stärkeren Niederschlägen im Bereich des Vulkans die Gefahr der Entstehung von Laharen. Besonders gefährdet sind die Abflussrinnen an der Südflanke des Vulkans, darunter die Bachläufe Nimá I, Tambor und Cabello de Ángel. Eine Besteigung des Lavadoms ist ebenso untersagt wie ein Aufenthalt im Tal zwischen dem Santa-María-Vulkan und dem Santiaguito-Domkomplex.
Aschephase am Mayon nach verstärkter Seismizität – Druck im Fördersystem könnte wieder steigen
Der philippinische Schichtvulkan Mayon bleibt auch am 189. Tag seiner überwiegend effusiven Eruption hochaktiv. Am Morgen des 13. Juli dokumentierten Beobachter des Vulkaninstituts PHIVOLCS kurzlebige Lavafontänen und Ascheemissionen aus dem Gipfelkrater. Darüber hinaus speist der wachsende Lavadom weiterhin Lavaströme, die durch die Schluchten Basud, Bonga und Mi-isi fließen und Längen von bis zu 3,8 Kilometern erreichen. Begleitet wird die Aktivität von Steinschlägen und pyroklastischen Dichteströmen, die lokal als „uson“ bezeichnet werden.
Am 13. Juli stieg um 01:13 UTC eine Aschewolke bis auf etwa 2,7 Kilometer Höhe über dem Meeresspiegel auf. Aufgrund dichter Bewölkung konnte die Wolke auf Satellitenbildern nicht eindeutig nachgewiesen werden. Livecams dokumentierten jedoch die intensive Fontänenphase, wie sie von den Vulkanbeobachtern vor Ort bezeichnet wurde. Die Aufnahmen zeigen, wie Asche mit relativ hohem Druck aus dem Dom ausgestoßen wird. Zwar wurden auch rotglühende Schlacken gefördert, doch meiner Einschätzung nach war das Geschehen noch weit von einer echten Lavafontäne entfernt, wie sie die Beschreibung des Ereignisses in einem PHIVOLCS-Beitrag in den sozialen Medien suggeriert.
Die geophysikalischen Daten sprechen weiterhin für eine Verstärkung der Eruption, die in den vergangenen Wochen etwas nachgelassen hatte. Innerhalb von 24 Stunden registrierten die Messstationen 92 vulkanotektonische Erdbeben sowie 299 Signale von Steinschlägen. Der Schwefeldioxid-Ausstoß lag zuletzt bei 5.840 Tonnen pro Tag – ein sehr hoher Wert, der deutlich über den Messungen der Vorwoche liegt, als an den meisten Tagen rund 2.000 Tonnen SO₂ emittiert wurden. Ein erster signifikanter Anstieg der Schwefeldioxid-Emissionen wurde bereits am 10. Juli registriert, als mehr als 7.000 Tonnen des vulkanischen Gases gemessen wurden. Einen Tag später verdoppelte sich dieser Wert nahezu auf rund 13.100 Tonnen SO₂. Der hohe Schwefeldioxid-Ausstoß deutet darauf hin, dass vermehrt Magma im Fördersystem aufsteigt oder bereits den Lavadom erreicht. Dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit größerer pyroklastischer Dichteströme deutlich an.
Zudem zeigen Messungen der Bodenverformung eine kurzfristige Deflation des Vulkangebäudes, während gleichzeitig an der Nordostflanke eine Inflation registriert wird. Auch diese Entwicklung könnte auf eine erneute Intensivierung der Aktivität hindeuten.
Für den etwa 2.460 Meter hohen Vulkan gilt weiterhin Alarmstufe 3, die auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit weiterer explosiver Eruptionen hinweist. Das Betreten der permanenten Gefahrenzone mit einem Radius von sechs Kilometern bleibt untersagt. Auch der Luftverkehr sollte den Gipfelbereich meiden, da jederzeit Ascheeruptionen, stärkere Lavafontänen, ballistische Blöcke oder neue pyroklastische Dichteströme auftreten können. Hinzu kommt während der Regenzeit die Gefahr von Laharen, wenn lockere Asche und vulkanisches Geröll durch starke Niederschläge mobilisiert werden.
Vulkan Karangetang auf Siau eruptiert – Lavaströme auf der Vulkanflanke möglich
Am Abend des 12. Juli hat am Karangetang auf der indonesischen Insel Siau eine neue Eruptionsphase begonnen. Nach Angaben des VAAC Darwin und des PVMGB setzte gegen 19:13 Uhr Ortszeit verstärkte Aktivität ein, die von Lavaförderung, zunehmender Seismizität und einer thermischen Anomalie im Gipfelbereich begleitet wurde. Eine größere Aschewolke konnte satellitengestützt zwar nicht nachgewiesen werden, dennoch hielt die Eruption zunächst an. Wahrscheinlich handelt es sich um einen effusiven Vulkanausbruch mit Lavadomwachstum, möglicherweise begleitet von strombolianischen Eruptionen, wie es für den Karangetang typisch ist.
Die Messstationen registrierten neben einem Eruptionsbeben mehrere flache und tiefe vulkanotektonische Erschütterungen sowie nicht-harmonischen Tremor – typische Anzeichen für aufsteigendes Magma.
Eine Phase mit deutlich erhöhter Seismizität hatte es bereits Mitte Juni gegeben, als zeitweise mehr als 50 vulkanotektonische Erdbeben an einem Tag registriert worden waren. Wahrscheinlich gab es zu dieser Zeit einen größeren Magmaaufstieg.
Ein Livecambild zeigt nicht nur Rotglut am Gipfel, sondern auch an mehreren Stellen im Hangbereich. Inzwischen wurde bestätigt, dass die Rotglut von Lavaströmen stammt. Sie fließen etwa 700–1000 m nach Süden, rund 400 m nach Westsüdwesten sowie etwa 700–1000 m nach Nordnordwesten. Außerdem gab es eine größere strombolianische Eruption am Nordkrater.
Die Behörden warnten vor Lavablockstürzen, pyroklastischen Strömen und möglichen Laharen in den Flusstälern, die bis zur Küste reichen können. Sperrzonen von bis zu 2,5 Kilometern bleiben in Kraft.
Der Karangetang bildet zusammen mit dem benachbarten Vulkan Api den langgestreckten Rücken der Insel Siau, die zwischen Sulawesi und den Philippinen liegt. Der auch als Api Siau bekannte Gipfel zählt zu den aktivsten Stratovulkanen Indonesiens. Sein steiler Kegel erhebt sich auf knapp 1.800 Meter Höhe und wird von 5 Gipfelkratern gekrönt, aus denen häufig zähflüssige Lavaströme austreten. Aufgrund der hohen Förderrate und der steilen Flanken kollabieren diese Ströme regelmäßig und erzeugen gefährliche Glutlawinen. Historische Berichte belegen zahlreiche Ausbrüche, die wiederholt Siedlungen auf der dicht besiedelten Insel bedrohten.
Die aktuelle Eruption fügt sich damit in das bekannte Verhaltensmuster des Vulkans ein. Für die Bewohner Siaus bedeutet dies erhöhte Wachsamkeit, zugleich unterstreicht das Ereignis die anhaltende Dynamik des Inselbogens im Norden Indonesiens.
Bis in den roten Bereich: Tremor am Ätna deutlich gestiegen – Vulkanausbruch wahrscheinlich
Eine Woche nach der finalen Hochphase der jüngsten Eruption am Ätna geschieht das, worauf zahlreiche Vulkanfans gewartet und gehofft haben: Der Tremor – ein geophysikalischer Indikator für Magmabewegungen im Untergrund bis hin zu einem Vulkanausbruch – ist am Sonntagnachmittag bis in den roten Bereich angestiegen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass bereits ein neuer Vulkanausbruch eingesetzt hat.
Allerdings geben die Livecam-Aufnahmen bislang nur wenig her. Visuelle Anzeichen einer Eruption sind derzeit ebenso wenig zu erkennen wie entsprechende Berichte des INGV. Denkbar ist, dass es in einem der vier Gipfelkrater zu strombolianischen Eruptionen oder zu einer verdeckten effusiven Tätigkeit gekommen ist. Ebenso ist möglich, dass sich das Magma noch im Aufstieg befindet und es erst in den kommenden Stunden zu einem neuen Vulkanausbruch kommt.
Sollten sich diese Spekulationen bewahrheiten und tatsächlich eine neue Eruption begonnen haben, könnte sich ein episodisches Aktivitätsmuster entwickeln, das an die Paroxysmen der vergangenen Jahre erinnert. In diesem Fall wären weitere Eruptionsphasen wahrscheinlich.
Bereits gestern Morgen war es zu einem kurzen Tremorpeak gekommen, der weit in den roten Bereich reichte. Dieser sorgte unter den Mitgliedern unseres Vulkanvereins für Diskussionen. Viele waren sich einig, dass der Ätna „noch nicht fertig hat“. AschewölkchenDie aktuelle Tremorerhöhung spiegelt sich nicht nur im entsprechenden Tremorgraphen wider, sondern auch in den Seismogrammen. Dort ist eine deutliche Verdickung der Grundlinie des sogenannten Hintergrundrauschens zu erkennen. Zwar können sich auch schlechtes Wetter und insbesondere starker Wind ähnlich auf die Seismogramme auswirken, doch die Wetterbedingungen sind derzeit gut: Die Sicht ist nahezu wolkenfrei und der Wind weht nicht ungewöhnlich stark.
Noch während ich diese Zeilen schreibe, zeigt ein aktualisiertes Webcambild eine Dampfwolke, die aus dem Zentralkraterbereich aufsteigt und meiner Einschätzung nach auch geringe Mengen Vulkanasche enthält. Es könnte also durchaus sein, dass bereits schwache explosive Eruptionen im Gange sind.
Update: Nachdem der Ätna einige kleine Aschewolken ausgestoßen hatte und im Dunklen kleine strombolianische Eruptionen aus der Voragine dokumentiert wurden, sank der Tremor wieder ab und es fand keine größere Eruption statt. Nach einer seismisch ruhigen Phase ohne neue Erdbeben, hatte es am Samstag einige Erschütterungen in geringen Tiefen unter dem Gipfelbereich gegeben. Sie zeigen, dass einer der mächtigsten Vulkane Europas nicht plötzlich eingeschlafen ist.
Weitere phreatische Eruption aus dem Kratersee von Volcano Island in der Taal-Caldera
Am Sonntagabend hat der philippinische Vulkan Taal seine anhaltende Unruhe ein weiteres Mal unter Beweis gestellt, als sich um 20:27 Uhr Ortszeit eine kurze phreatomagmatische Eruption ereignete. Wie die Vorgängereruptionen auch manifestierte sie sich aus dem Kratersee auf Volcano Island, dem aktuellen Eruptionszentrum des großen Calderavulkans nahe der philippinischen Hauptstadt.
Das Zusammenspiel von magmatisch bedingter Erdwärme und Wasser löste eine rund drei Minuten andauernde Explosion aus, die asche- und dampfreiche Fontänen bis auf etwa 1.200 Meter Höhe schleuderte. Die Wolke zog anschließend nach Nordosten. Das Ereignis wurde seismisch, infrasonisch und visuell erfasst. Hinzu kam eine thermische Erfassung mit Hilfe der automatisch betriebenen Messstationen am Westrand des Kraters und bei Daang Kastila.
Die Aschewolke erreichte nach Angaben des VAAC Tokyo eine Höhe von Flughöhe 050, was rund 1.500 Metern entspricht. Trotz des Ausbruchs bleibt die Alarmstufe 1 bestehen, die für geringe, aber anhaltende vulkanische Unruhe steht. Die Insel im Taal-See bleibt Sperrgebiet, da jederzeit weitere Ausbrüche auftreten können.
Die Eruption kam keineswegs überraschend und wurde eigentlich bereits früher erwartet, denn besonders in der ersten Juniwoche gab es eine signifikant erhöhte Seismizität, mit einer Spitze von 120 vulkanisch bedingten Erdbeben am 6. Juni. Interessanterweise ließen die Beben nach und in den 244 Stunden vor der Eruption wurde nicht eine einzige Erschütterung registriert.
Bemerkenswert ist, dass bei der letzten Messung am 9. Juli eine Schwefeldioxid-Emission von lediglich 542 Tonnen SO₂ pro Tag gemessen wurde, während es in der Vorwoche mehr als 800 Tonnen am Tag waren. Dieser Rückgang lässt erneut auf eine Teilblockade des Fördersystems schließen, weswegen sich ein hoher Druck im Vulkaninneren aufbaute, der letztendlich die Explosion verursacht haben könnte.
Die derzeit registrierte kurzfristige Inflation der Vulkaninsel deutet zudem darauf hin, dass sich weiterhin Druck im hydrothermalen und magmatischen System aufbaut. Für die Bevölkerung rund um den Taal bedeutet dies, wachsam zu bleiben und die Anweisungen der Behörden strikt zu befolgen.