Alpen: Zwei spürbare Erdbeben in Österreich und Schweiz

Zwei spürbare Erdbeben erschüttern die Alpen – Österreich und Schweiz betroffen

In den Alpen haben sich innerhalb von gut zehn Stunden zwei Erdbeben ereignet, die stark genug waren, um von den Anwohnern zumindest theoretisch verspürt zu werden. Das erste Beben traf am Freitagabend die Schweizer Alpen, das zweite am Samstagmorgen die Region um Innsbruck im österreichischen Tirol. Beide Ereignisse erreichten Magnituden von etwa 3,5 und stehen im Zusammenhang mit den anhaltenden tektonischen Prozessen des Alpenraums.



Shakemap © EMSC/Leaflet

Das Schweizer Beben ereignete sich am 25. September um 23:42 Uhr MESZ. Das Epizentrum lag 17 Kilometer südlich von Disentis. Die Magnitude wurde mit 3,4 angegeben, die Herdtiefe mit 37 Kilometern. Damit lag der Erdbebenherd ungewöhnlich tief innerhalb der alpinen Kruste. Das Ereignis wurde von Erdbebendiensten registriert; belastbare öffentliche Wahrnehmungsmeldungen aus der unmittelbaren Region liegen bislang nur in begrenztem Umfang vor.

Deutlich mehr Rückmeldungen gibt es zum zweiten Beben. Es ereignete sich am 26. September um 9:56 Uhr MESZ nur etwa neun Kilometer südöstlich von Innsbruck. Die übermittelten Daten nennen eine Magnitude von 3,5 und eine Herdtiefe von sieben Kilometern. In Innsbruck und Umgebung wurde die Erschütterung von zahlreichen Menschen wahrgenommen. Berichtet wurde unter anderem, dass Häuser und Wohnungen kurzzeitig wackelten. Einige Beobachter nahmen einen deutlichen Knall oder ein Rumpeln wahr. Einzelne Personen wurden nach eigenen Angaben sogar aus dem Schlaf gerissen. Auch aus Hall und dem Innsbrucker Stadtgebiet gingen Meldungen ein.

Die unterschiedliche Wahrnehmung lässt sich vor allem durch die Herdtiefe erklären. Das Tiroler Beben lag mit etwa sieben Kilometern wesentlich flacher als das Schweizer Ereignis. Dadurch erreichten die Erdbebenwellen die Oberfläche mit geringerer Abschwächung. Zudem befindet sich das Epizentrum unmittelbar im tektonisch aktiven Raum des Inntals.

Die Alpen entstehen durch die fortdauernde Kollision der Adriatischen beziehungsweise Apulischen Platte mit der Eurasischen Platte. Die Bewegung führt auch heute noch zu einer Deformation der Erdkruste. Dabei werden vorhandene Störungszonen reaktiviert und Spannungen durch Erdbeben abgebaut. Besonders der Raum Innsbruck und das Inntal gehören zu den seismisch aktiveren Gebieten Österreichs.

Dass beide Beben innerhalb weniger Stunden auftraten, bedeutet allerdings nicht, dass sie miteinander verbunden sind. Die Epizentren liegen mehrere hundert Kilometer auseinander und die Herdtiefen unterscheiden sich deutlich. Es handelt sich daher um zwei eigenständige Bruchvorgänge innerhalb des großräumigen alpinen Spannungsfeldes.

Island: Schwarmbeben am Kolbeinsey-Rücken

Erdbebenserie am Kolbeinsey-Rücken erschüttert Nordisland

Nördlich von Island hat sich heute eine Erdbebenserie ereignet, die sich vom weiten Offshorebereich bis zur Tjörnes-Fracture-Zone im Norden von Island erstreckt und mehrere Cluster bildete. Besonders aktiv war der Bereich des Kolbeinsey-Rückens, wo es mehrere Beben im Dreierbereich gab. Die stärksten Erschütterungen erreichten die Magnituden 3,8 und 3,6 und wurden am Morgen registriert. Hinzu kamen mehrere Erschütterungen mit Magnituden zwischen 2 und 3. Die Aktivität erstreckte sich über ein großes Gebiet nördlich von Island und reichte bis in den Bereich von Grímsey und Kópasker.

Shakemap © IMO

Tektonisch liegt die Region an einer besonders interessanten Stelle. Island wird vom Mittelatlantischen Rücken durchquert, an dem sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte voneinander entfernen. Nördlich von Island verläuft der Rücken als Kolbeinsey-Rücken unter dem Meer weiter, wird aber im Allgemeinen als Teil des Mittelatlantischen Rückens betrachtet. Die Plattenbewegung erfolgt nicht gleichmäßig entlang einer geraden Linie. Stattdessen wird die Spreizungszone durch mehrere Transformstörungen und Bruchzonen versetzt.

Die Tjörnes-Fracture-Zone (TFZ) bildet dabei eine komplexe Übergangszone zwischen dem Kolbeinsey-Rücken im Westen und der nordisländischen Riftzone im Osten. Mehrere aktive Störungen nehmen die Bewegungen zwischen den tektonischen Platten auf. Dadurch gehört die Region zu den seismisch aktivsten Gebieten Islands.

Die aktuelle Erdbebenserie ist deshalb als Ausdruck der anhaltenden tektonischen Aktivität im Nordatlantik zu verstehen. Besonders die räumliche Verteilung der heutigen Beben zeigt, dass nicht nur ein einzelner Störungsabschnitt aktiv ist. Vielmehr kommt es entlang verschiedener Strukturen der TFZ zu Spannungsfreisetzungen.

Für Island besitzt die Region große Bedeutung. Die Tjörnes-Fracture-Zone kann auch stärkere Erdbeben hervorbringen und stellt neben den Vulkanzonen im Süden und Südwesten eine der wichtigsten seismischen Gefahrenregionen des Landes dar.

Entlang der Spreizungszone entstehen aber nicht nur Erdbeben, sondern Magma schafft neuen Ozeanboden, indem es entlang des Rifts aufsteigt, und manchmal entstehen bei diesem Prozess sichtbare Vulkanausbrüche.

Die heutige Aktivität liefert allerdings keinen direkten Hinweis auf eine bevorstehende Vulkanausbruchstätigkeit. Sie verdeutlicht vielmehr die permanente tektonische Dynamik, durch die Island überhaupt erst entstanden ist und bis heute weiter auseinandergezogen wird.

Island: Erdbeben Mb 3,0 südwestlich vom Langjökull

Erdbeben zwischen Geitlandsjökull und Þórisjökull südwestlich des Langjökull

Heute Nacht wurde die isländische Gletscherlandschaft südwestlich des Langjökull erneut von mehreren Erdbeben erschüttert. Das stärkste hatte eine Magnitude von 3,0 und lag damit im für Menschen wahrnehmbaren Bereich. Das Besondere an dieser Gletscherregion im isländischen Hochland ist der Umstand, dass unter jedem der Gletscher ein Vulkan verborgen liegt. Somit könnten die Beben im Zusammenhang mit der Aktivität einer bedeutenden Vulkanregion stehen.

Shakemap Island. © IMO

Das Hypozentrum wurde in gut 4 Kilometern Tiefe verortet. Das Epizentrum lag laut IMO bei 64,57568° nördlicher Breite und 20,68865° westlicher Länge. Anders als frühere Erdbeben manifestierte sich dieser Erdstoß nicht an einer tektonischen Störungszone, die bereits anhand der Morphologie des Geländes erkennbar ist, sondern näher bei Geitlandsjökull und Þórisjökull. Auch direkt unter der subglazialen Langjökull-Caldera ereigneten sich gestern einige Erschütterungen. Die Seismizität nimmt hier seit 2022 deutlich zu, und IMO-Wissenschaftler schrieben bereits über eine mögliche Reaktivierung des Zentralvulkans.

Darüber hinaus gab es auf Island auch Erdbeben im Bereich der Reykjanes-Halbinsel, insbesondere südlich von Reykjanestá, wo sich in der Bucht von Vík ein Schwarm von Mikrobeben manifestierte. Die Erdbebentätigkeit im Bodenhebungsgebiet von Svartsengi blieb in den vergangenen beiden Tagen gering, obwohl die Bodenhebung unverändert anhält. Dafür ereigneten sich weitere Erschütterungen im östlich gelegenen Krýsuvík-Gebiet.

Tatsächlich sprechen die GNSS-Messungen an der Messstation KRIV langsam wieder an und lassen eine leichte Bodenhebung vermuten, die sich im Bereich von 10 mm bewegt. Bereits gegen Ende der Fagradalsfjall-Feuer wurde vermutet, dass sich die vulkanische Aktivität in dieses System verlagern könnte. Nach einer kurzen Phase der Bodenhebung wurde jedoch eine länger andauernde Subsidenz registriert. Nun deutet sich wieder eine langsame Umkehrung dieses Prozesses an, die allerdings viel zu schwach ist, um auf eine bevorstehende Eruption schließen zu lassen.

Irazú mit Erdbebenschwarm entlang einer Störung

Erdbebenschwarm am Irazú in Costa Rica – Ausbruchsgefahr des Vulkans eher gering

Am Vulkan Irazú in Costa Rica hat sich am Sonntag, dem 20. September, ein ungewöhnlicher Erdbebenschwarm ereignet. Das Observatorio Vulcanológico y Sismológico de Costa Rica (OVSICORI) registrierte zwischen 6:30 und 11:00 Uhr Ortszeit mehr als 50 Erschütterungen. Bis 9:30 Uhr konnten 33 Beben lokalisiert werden. Die restlichen Beben wurden zwar detektiert, waren für eine genaue Lagebestimmung allerdings zu schwach. Die lokalisierten Beben lagen in weniger als drei Kilometern Tiefe und reihten sich entlang einer NW-SO-streichenden Zone auf. Mehrere Beben mit Magnituden unter 3 wurden von Anwohnern verspürt. Das stärkste automatisch bestimmte Ereignis erreichte M 3,1 und lag nur etwa 700 Meter südöstlich von San Juan de Chicuá.

Irazú. © OVISCORI-UNA

Nach Einschätzung des OVSICORI-Seismologen Marino Protti steht der Schwarm nicht mit einer zunehmenden Aktivität des Vulkans in Verbindung. Ursache ist demnach eine oberflächennahe tektonische Störung innerhalb des Vulkangebäudes. Solche Erdbebenschwärme sind aus dem Irazú-Massiv bereits bekannt. Auch nach dem Erdbeben von Valle de la Estrella im Jahr 1991 kam es in derselben Region zu zahlreichen flachen Beben. Allerdings halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass die Störungszone durch Spannungsänderungen infolge von Fluidbewegungen aktiviert wird. Dennoch liefert die Seismizität nach derzeitigem Kenntnisstand keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.

Der Irazú ist mit 3.432 Metern der höchste Vulkan Costa Ricas. Sein Gipfelbereich wird von mehreren Kratern geprägt; an den Flanken befinden sich zahlreiche ältere pyroklastische Kegel. Der Vulkan besitzt ein hydrothermales System und ist trotz seiner langen Ruhephase keineswegs erloschen.

Seine letzte größere Eruptionsphase begann am 13. März 1963 und dauerte mehrere Jahre bis 1965. Die überwiegend explosive Aktivität förderte große Mengen Asche und vulkanisches Lockermaterial, jedoch keine Lavaströme. Besonders während des Höhepunkts im Dezember 1963 und Januar 1964 wurden große Mengen Asche und glühende Schlacken ausgestoßen. Die Asche wurde weit nach Westen verfrachtet und erreichte auch San José. In Verbindung mit starken Regenfällen entstanden zudem Lahare, Überschwemmungen und Hangrutschungen.

Heute ist der Irazú vor allem wegen seinem grünlichen Kratersee bekannt.

Papua-Neuguinea: Zwei tiefe Erdbeben

Zwei starke Tiefenbeben erschüttern Papua-Neuguinea – stärkste Erschütterung Mw 6,4 in 104 Kilometern Tiefe

Papua-Neuguinea ist am Sonntag von zwei starken Tiefenbeben erschüttert worden, die sich innerhalb weniger Stunden manifestierten. Das stärkere Beben erreichte nach Angaben des EMSC eine Magnitude von 6,4 und ereignete sich um 19:17 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum wurde 49 Kilometer nordnordöstlich von Kainantu in der Eastern Highlands Province verortet. Das Hypozentrum lag in 104 Kilometern Tiefe.

Papua Neuguinea. © EMSC/Leaflet

Knapp dreieinhalb Stunden später folgte um 22:45 Uhr ein weiteres Beben der Magnitude 5,4. Es lag etwa 20 Kilometer südöstlich des ersten Epizentrums und entstand in 116 Kilometern Tiefe. Damit handelte es sich bei beiden Ereignissen um intermediäre Tiefenbeben, die deutlich unterhalb der typischen Herdtiefen oberflächennaher Krustenbeben lagen.

Das Erdbeben Mw 6,4 wurde in der Region deutlich wahrgenommen und dem EMSC liegen konkrete Meldungen vor: In Madang, rund 82 Kilometer vom Epizentrum entfernt, berichteten Bebenzeugen von starken Erschütterungen und einem hörbaren Grollen. Ein weiterer Beobachter in Madang beschrieb das Beben als relativ stark. Selbst in der mehr als 400 Kilometer entfernten Hauptstadt Port Moresby wurde ein kurzes Schütteln registriert.

Aufgrund der großen Herdtiefe blieben die Auswirkungen an der Oberfläche geringer, als man anhand der Magnitude vermuten würde.

Komplexe Plattengrenze in PNG

Die Beben ereigneten sich in einer der tektonisch kompliziertesten Regionen der Erde. Papua-Neuguinea liegt im Übergangsbereich der Australischen und Pazifischen Platte, wobei mehrere kleinere Platten und tektonische Blöcke die Bewegung aufnehmen und wie zwischen zwei gigantischen Schraubstöcken eingespannt sind. Konvergenz, Subduktion, Überschiebungen und Blattverschiebungen treten auf engem Raum nebeneinander auf. Die Epizentren liegen an der Ramu-Markham-Störungszone, bei der es sich um eine der prominentesten Störungen in PNG handelt. Aufgrund der großen Tiefe erscheint es wahrscheinlich, dass sich die Beben nicht an der Störung ereigneten, sondern an einem Stück subduzierter Kruste.

Auch Vulkanismus ist eng mit dieser Tektonik verbunden. In der weiteren Region liegen zahlreiche aktive Vulkane. Besonders im Norden befinden sich die Inselvulkane Manam und Kadovar, während weiter östlich der aktive Bismarck-Vulkanbogen verläuft. Das Global Volcanism Program führt für Papua-Neuguinea insgesamt 39 holozäne Vulkane. Manam war sogar bereits 2026 eruptiv aktiv. So besteht die Möglichkeit, dass einer der Vulkane mit einer Eruption auf die Beben reagiert.

Atlantik: Zwei Erdbeben am Reykjanes-Rücken

Zwei mittelstarke Erdbeben erschüttern den atlantischen Reykjanes-Rücken

Am Reykjanes Ridge südwestlich von Island haben sich innerhalb weniger Stunden zwei vergleichsweise starke Erdbeben ereignet. Das erste Beben erreichte am 20. September 2026 um 00:58 UTC eine Magnitude von 5,3. Es hatte sein Hypozentrum in rund 10 Kilometern Tiefe bei 57,121° nördlicher Breite und 33,546° westlicher Länge. Bereits am 19. September um 20:24 UTC hatte sich in der gleichen Gegend des Atlantiks ein Erdbeben der Magnitude 5,2 ereignet. Auch dieses Beben wurde in 10 Kilometern Tiefe verortet. Somit sind beide Erdbeben als flach liegend einzustufen.

Reykjanes-Rücken. © EMSC/Leaflet

Die Epizentren liegen ca. 1.000 Kilometer südwestlich der isländischen Hauptstadt Reykjavík und damit weit außerhalb der Insel. Mit einer Entfernung von 750 Kilometern liegt die Südspitze Grönlands deutlich näher an den Epizentren. Trotz der relativ hohen Magnituden stellen die beiden Ereignisse daher keine unmittelbare Gefährdung für Menschen dar. Dennoch sind die Beben von wissenschaftlichem Interesse.

Tektonisch liegen die Beben in einer besonders interessanten Region. Der Reykjanes Ridge ist ein untermeerischer Abschnitt des Mittelatlantischen Rückens, an dem die Nordamerikanische und die Eurasische Platte auseinanderdriften. Durch die Spreizung des Meeresbodens entsteht ständig neue ozeanische Kruste. Die dabei auftretenden Spannungen werden durch häufig auftretende Erdbeben abgebaut.

Der Reykjanes-Rücken ist allerdings nicht durchgehend geradlinig aufgebaut. Mehrere versetzte Rückenabschnitte und Transformstörungen prägen die Struktur. Dadurch können neben typischen Dehnungsbeben auch Erdbeben entlang nahezu vertikaler Störungen auftreten. Magnituden um 5 sind an diesem Teil des Mittelatlantischen Rückens zwar nicht alltäglich, treten aber immer wieder auf.

Interessant ist zudem ein Magnitude-2,8-Beben, das am 19. September um 12:32 UTC in der Region Island registriert wurde. Sein Epizentrum lag 81 Kilometer südwestlich von Grindavík und 121 Kilometer südwestlich von Reykjavík. Mit einer Magnitude von 2,8 war es deutlich schwächer und ereignete sich ebenfalls in etwa 10 Kilometern Tiefe, wobei es wichtig ist, zu wissen, dass 10 Kilometer standardmäßig immer dann angegeben werden, wenn es sich um flache Erdbeben handelt, deren exakte Tiefe nicht ermittelt werden konnte.

Ein direkter Zusammenhang zwischen diesem schwachen Beben und den beiden weiter südwestlich gelegenen Beben lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten. Die Ereignisse liegen in unterschiedlichen tektonischen Bereichen des Reykjanes-Systems.

Teneriffa: Erdbebenaktivität bleibt Mitte September erhöht

Erdbebenaktivität unter Teneriffa bleibt erhöht, hat sich aber gegenüber der Hochphase abgeschwächt

Unter Teneriffa und im Meeresgebiet zwischen Teneriffa und Gran Canaria ist die Erdbebenaktivität weiterhin erhöht. Nach Angaben des aktuellen Wochenberichts des kanarischen Vulkanologischen Instituts INVOLCAN wurden dort zwischen dem 11. und 18. September insgesamt 42 Erdbeben registriert. Das stärkste Ereignis hatte eine Magnitude von 2,1. Die meisten Beben manifestierten sich unter dem Teide-Vulkan. Damit liegt die Aktivität in diesem Bereich der Kanaren weiterhin deutlich über der langjährigen Größenordnung von etwa 20 bis 25 Erdbeben pro Woche, aber deutlich unter den Spitzen der letzten Monate.

Teneriffa. © INVOLCAN

Die Entwicklung ist besonders vor dem Hintergrund der seismischen Unruhe, die auf Teneriffa seit Herbst 2025 verstärkt beobachtet wird, bemerkenswert. Zuletzt hat sich die Aktivität zwar abgeschwächt, sie liegt aber weiterhin über dem längerfristigen Niveau, was auf anhaltende seismomagmatische Unruhe im tiefen Untergrund hindeutet. Die meisten Beben sind sehr schwach und werden von der Bevölkerung nicht wahrgenommen. Ein Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Eruption stellen die aktuellen Messwerte nicht dar.

Insgesamt registrierte das kanarische Seismometernetz in der vergangenen Woche 55 Erdbeben auf dem Archipel. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 2,6 und ereignete sich westlich von Lanzarote. Weitere Schwerpunkte der Seismizität lagen auf Gran Canaria, El Hierro und La Palma. Auf La Palma hält eine schwache Erdbebentätigkeit auch mehr als vier Jahre nach dem Ende der Tajogaite-Eruption an. Sie ist allerdings wesentlich geringer als während des Ausbruchs von 2021 und nähert sich dem Hintergrundniveau weiter an.

Für Teneriffa meldet INVOLCAN weiterhin erhöhte diffuse CO₂-Emissionen, wo derzeit die höchsten vulkanischen Gasemissionen des Archipels gemessen werden. Dort läuft seit 2016 ein Prozess der Druckzunahme im vulkanisch-hydrothermalen System. INVOLCAN bezeichnet diesen Prozess als für vulkanische Systeme auf kurzen bis mittleren Zeitskalen normal.

Signifikante Veränderungen der Bodendeformation wurden während der vergangenen Woche auf keiner Kanareninsel festgestellt. Die Vulkanampeln stehen auf Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und El Hierro weiterhin auf Grün. Auf La Palma gilt wegen der noch nicht vollständig normalisierten geophysikalischen und geochemischen Parameter weiterhin Gelb.

Die aktuelle Seismizität zeigt damit eine anhaltende Unruhe im Untergrund Teneriffas, ohne dass die übrigen überwachten Parameter derzeit auf eine unmittelbare Eruptionsentwicklung hindeuten.

Island: Schwarmbeben trifft TFZ am 19. September

Schwarmbeben an der Tjörnes-Fracture-Zone auf Island – 119 Beben innerhalb von 2 Tagen

An der Tjörnes-Fracture-Zone (TFZ) im Norden Islands kam es zu mehreren Erdbebenschwärmen, die sich in den letzten 48 Stunden ereigneten und aus insgesamt 118 Einzelbeben bestanden. Fünf der Beben hatten Magnituden im Zweierbereich. Die Hälfte der übrigen Beben hatte Magnituden im Einserbereich, während es sich bei der anderen Hälfte um Mikrobeben handelte.

Island. © IMO

Im Wesentlichen bildeten die Beben drei Cluster mit unterschiedlichen Herdtiefen. Das erste bildete sich 12 Kilometer östlich der Insel Grímsey in 10 Kilometern Tiefe. Der zweite Schwarm manifestierte sich in 7 Kilometern Tiefe, 8 bis 9 Kilometer östlich von Flatey. Der dritte Erdbebencluster ist zugleich der jüngste und wurde 20 Kilometer nordwestlich von Gjögurtá lokalisiert. Hier liegen die Hypozentren überwiegend in 5 bis 8 Kilometern Tiefe.

Schwarmbeben kommen an der verzweigten Tjörnes-Fracture-Zone häufig vor und können noch deutlich mehr Erdbeben hervorrufen, als es aktuell der Fall ist. Für gewöhnlich stehen sie mit tektonischen Prozessen entlang des Mittelatlantischen Rückens in Verbindung. Die TFZ stellt die Verbindung zwischen dem unterseeischen Teil des Rückens und dem östlichen Arm des Hauptrifts dar, der durch Island verläuft. In die TFZ münden auch Störungen des Krafla-Systems, womit eine Verbindung zu diesem System besteht. Im Bereich der Krafla – deren letzte Eruption als Blaupause für die Ausbrüche am Fagradalsfjall und entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe gilt – gab es in den letzten 48 Stunden fünf schwache Erdbeben.

Im Bereich von Sundhnúkur bei Grindavík gab es vier schwache Erschütterungen, während die Bodenhebung bei Svartsengi unverändert anhält. Stärker war ein Erdbebenschwarm am Kleifarvatn im Krýsuvík-System, wo sich mehr als 20 Beben ereigneten. Eine detektierbare Bodenhebung gibt es hier zurzeit nicht.

Darüber hinaus ist die Seismizität am Langjökull-Gletscher auffällig, wo es auch gestern weitere Erschütterungen gab. Leider gibt es direkt im Südwesten des Gletschers, der wie üblich einen Zentralvulkan bedeckt, keine GNSS-Stationen. Allerdings befinden sich Messstationen östlich des Langjökulls. Hier wird seit dem Sommer eine leichte Bodenhebung festgestellt. An der Messstation Hveravellir beläuft sie sich auf gut 20 mm. Einen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch liefern die Daten nicht.

Aleuten: Starkes Erdbeben MW 6,5 bei den Fox Islands

Starkes Erdbeben in großer Tiefe erschüttert die Fox Islands der Aleuten – Vulkane in der Nähe

Datum: 18.09.2026 | Zeit: 14:19:52 UTC | Koordinaten: 52.837 ; -171.402 | Tiefe: 101 km | Mw 6,5

In der Region der Fox Islands im westlichen Teil der Aleuten hat sich am 17. September 2026 ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,5 ereignet. Das Beben manifestierte sich um 14:19:52 UTC in einer Tiefe von 101 Kilometern. Das Epizentrum lag 340 Kilometer west-südwestlich von Unalaska und wurde 1.590 Kilometer südwestlich von Anchorage verortet. Es gab mehrere schwächere Nachbeben. Ein Tsunami wurde nicht erwartet.

Aleuten. © EMSC/Leaflet

Tektonisch befindet sich das Erdbebengebiet an einer der aktivsten Plattengrenzen der Erde. Hier taucht die Pazifische Platte unter die Nordamerikanische Platte ab. Die Subduktion verläuft an einem Tiefseegraben entlang des gut 3.000 Kilometer langen Aleutenbogens und ist sowohl für die zahlreichen starken Erdbeben als auch für die Entstehung des vulkanischen Inselbogens der Aleuten verantwortlich. Im Bereich der Fox Islands bewegt sich die Pazifische Platte mit mehreren Zentimetern pro Jahr nach Nordwesten und wird unter den Inselbogen gezogen.

Auffällig ist die große Herdtiefe des aktuellen Bebens. Die meisten Erdbeben entstehen hier normalerweise unmittelbar an der Plattengrenze in deutlich geringeren Tiefen. Der aktuelle Erdstoß ereignete sich hingegen nördlich des Inselbogens in einer Entfernung, in der die abtauchende Pazifikplatte bereits größere Tiefen erreicht hat. Das Beben dürfte sich daher in der abtauchenden Pazifischen Platte ereignet haben und steht nicht mit einer Störungszone in Zusammenhang.

Die Region ist zugleich ausgesprochen vulkanisch aktiv. Nur wenige Dutzend Kilometer vom Epizentrum entfernt liegen unter anderem die Vulkane Amukta und Yunaska. Amukta ist ein 1.066 Meter hoher Stratovulkan und gehört zu den historisch aktiven Vulkanen Alaskas. Auch Yunaska besitzt mehrere vulkanische Zentren und ist in historischen Zeiten ausgebrochen.

Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem starken Erdbeben und einer möglichen Aktivitätszunahme dieser Vulkane lässt sich allerdings nicht beobachten. Die große Herdtiefe spricht vielmehr für einen tiefen tektonischen Prozess innerhalb des Subduktionssystems. Grundsätzlich können starke Erdbeben die Spannungsverhältnisse in einem Vulkansystem verändern und Vulkanausbrüche verhindern oder auslösen.