Campi Flegrei: Erdbebenaktivität zieht weiter an

Weiteres spürbares Erdbeben Md 3,4 erschüttert Campi Flegrei – Erdbebenherd direkt unter Bahnlinie

Am Nachmittag des 8. Aprils manifestierte sich unter der süditalienischen Caldera Campi Flegrei ein weiterer deutlich spürbarer Erdstoß der Magnitude Md 3,4. Die Herdtiefe betrug nur 900 m unter dem Meeresspiegel. Besonders brisant ist die Lage des Erdstoßes: Das Epizentrum lag westlich des Monte Olibano, genauer, direkt auf der Bahnlinie die Pozzuoli mit Neapel verbindet und wenige Hundert Meter vor dem Tunnel, der bei den starken Erdbebensequenzen im letzten Jahr beschädigt wurde. 


Campi Flegrei. © INGV

Beim Monte Olibano handelt es sich um einen alten Domkomplex am Südrand des Solfatara-Kraters. Ausgerechnet diesen Standpunkt wählte die italienische Luftwaffe für eine Luftwaffen-Akademie aus, in der Offiziersanwärter ausgebildet werden. Warum man ausgerechnet diesen Standpunkt wählte, ist mir rätselhaft, vielleicht wegen des schönen Ausblicks über den Golf von Pozzuoli und jenen von Neapel oder der Nähe zum Flughafen Neapel, der auch als Militärflughafen genutzt wird. Geologisch betrachtet hätte man sich auf jeden Fall keinen ungünstigeren Platz suchen können, was zeigt, dass man bei der Standortwahl auch ein wenig über den eigenen Horizont hinausblicken sollte.

Der Untergrund des Monte Olibano ist alles andere als stabil und steht im Fokus der dynamischen Prozesse des Solfatara-Gebiets: Am Monte Olibano wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren bei diversen Messkampagnen eine negative Schwereanomalie festgestellt, das heißt, die lokale Gravitation ist schwächer als erwartet. Ursache dafür sind vor allem poröse Gesteine von geringerer Dichte im Untergrund, wie vulkanische Tuffe sowie durch heiße Fluide aufgelockerte Bereiche. Auch Hohlräume und gasreiche Zonen tragen dazu bei. Über die Zeit gab es leichte Schwankungen bei den Schweremessungen, was auf eine gewisse Dynamik des Untergrunds hindeutet. Diese steht in engem Zusammenhang mit der magmatischen Aktivität und liefert wichtige Hinweise auf unterirdische Prozesse wie hydrothermale Systeme oder mögliche Magmaansammlungen. Außerdem befindet sich der Monte Olibano am Rand der Zone mit der größten Bodenhebung. Bei den Erdbeben mit Magnituden im Viererbereich vom letzten Jahr gab es deutlich messbare Bodenbewegungen, sowohl vertikaler Natur als auch horizontaler. Die Hangneigung veränderte sich um 110 µrad.

Die aktuell auflebende Seismizität stärkerer Erdbeben konzentriert sich erneut auf das weitere Umfeld des Monte Olibano und könnte mit Spannungen infolge von Fluidbewegungen und Druckumlagerungen im Zusammenhang stehen.

Natürlich blieb es nicht bei dem Erdbeben Md 3,4: Heute wurden bereits 28 Erschütterungen registriert.

Griechenland: Erdbeben Mb 4,8 westlich von Kreta

Mittelstarkes Erdbeben erschütterte Mittelmeerregion westlich von Kreta – Erdbeben wurde im große Umkreis gespürt

Datum: 08.04.2026 | Zeit: 11:34:58 UTC | Koordinaten: 35.709 ; 22.272 | Tiefe: 9 km | Mb 4,8

Ein Erdbeben der Magnitude 4,8 hat am 8. April 2026 um 11:34 UTC das zentrale Mittelmeer erschüttert. Das Epizentrum lag südlich von Griechenland, rund 260 Kilometer westlich von Irákleion auf Kreta und etwa 120 Kilometer südlich der Peloponnes. Mit einer Herdtiefe von nur 9 Kilometern handelte es sich um ein relativ flaches Beben, das in den umliegenden Küstenregionen deutlich wahrgenommen wurde, jedoch keine Schäden verursacht haben dürfte.

Kreta. &copy:; EMSC/Leaflet

Bebenzeugen aus Griechenland nahmen ein leichtes, aber relativ lange anhaltendes Zittern des Erdbodens wahr, das sich auch auf Wände und Möbel übertrug. Bis jetzt liegen allerdings nur wenige Meldungen vor. Vergleichbare Ereignisse in der Region wurden in der Vergangenheit als deutlich spürbar beschrieben: Bewohner berichten von einem plötzlichen Ruck, leicht schwankenden Möbeln oder klirrendem Geschirr. In höheren Stockwerken kann die Bewegung stärker empfunden werden, während sie im Freien oft unbemerkt bleibt. Aufgrund der moderaten Magnitude und der Entfernung zu dicht besiedelten Gebieten ist jedoch nicht mit Schäden zu rechnen.

Tektonisch liegt das Ereignis im Bereich des sogenannten Hellenischen Bogens, einer aktiven Subduktionszone, in der die Afrikanische Platte unter die Eurasische Platte abtaucht. Diese Plattengrenze gehört zu den seismisch aktivsten Regionen Europas. Durch die kontinuierliche Annäherung der beiden Platten bauen sich Spannungen in der Erdkruste auf, die sich regelmäßig in Form von Erdbeben entladen. Besonders südlich von Kreta treten häufig kleinere bis mittelstarke Seebeben auf, die typisch für diese geodynamische Umgebung sind.

Das aktuelle Beben reiht sich in die anhaltende seismische Aktivität entlang des Hellenischen Bogens ein. Solche Ereignisse sind ein Ausdruck der fortlaufenden Plattentektonik im Mittelmeerraum und stellen für die Wissenschaft wichtige Daten zur Überwachung und zum Verständnis der Dynamik dieser Region dar.

Darüber hinaus gab es heute auch mehrere schwache bis moderate Erdbeben in der Ägäis, u. a. im bekannten Erdbebengebiet nordöstlich von Santorin und dem submarinen Vulkan Kolumbos. Das stärkste Beben hier hatte eine Magnitude von 4,0 und lag somit ebenfalls im spürbaren Bereich.

Campi Flegrei: Erdbeben Md 3,3 in 2,4 km Tiefe

Spürbares Erdbeben Md 3,3 erschüttert Südostrand der Solfatara – Teil eines starken Erdbebenschwarms in den Campi Flegrei.

Heute Nacht manifestierte sich in den Campi Flegrei um 04:32:57 UTC ein deutlich spürbares Erdbeben der Magnitude 3,3. Das Epizentrum des Bebens lag unter dem Südostrand der Solfatara am Rand des Monte Olibano. Die Herdtiefe betrug 2,4 km. Sechs Minuten später ereignete sich an genau der gleichen Stelle, nur 100 m tiefer, ein weiterer Erdstoß Md 2,6. Beide Beben wurden von der Bevölkerung deutlich verspürt. Trotz nachtschlafender Zeit liegen dem EMSC Wahrnehmungsmeldungen vor.


Schwarmbeben. © INGV

Die Bebenzeugen wurden von den Erschütterungen aus dem Schlaf gerissen. Unsanft geweckt wurden nicht nur die Bewohner Pozzuolis, sondern auch Menschen in angrenzenden Regionen Neapels. Ein Wahrnehmungsbericht stammt von einer Person, die von wellenförmigen Bewegungen im siebten Stock eines größeren Gebäudes im neapolitanischen Stadtteil Fuorigrotta wohnt. Die Menschen näher am Epizentrum wunderten sich, dass das stärkste Beben nur eine Magnitude von 3,3 gehabt haben soll. Ihnen kam der Erdstoß deutlich stärker vor, was an der geringen Tiefe des Hypozentrums gelegen haben kann, sowie an geologischen Strukturen der Calderafüllung, die Erdbebenwellen verstärkt. Außerdem sind nächtliche Wahrnehmungen durch die Stille anders als solche am Tag.

Die Beben waren Teil eines stärkeren Schwarmbebens, das sich aus über 50 Einzelerschütterungen zusammensetzt. Bereits am Montag gab es einen Anstieg der Seismizität im Vergleich zum Vortag. Auffällig ist, dass die Beben mit Magnituden oberhalb von 1,5 mehrheitlich in Tiefen von mehr als 2 Kilometern lagen und sich somit unterhalb des Hydrothermalsystems in der festen Gesteinsschicht des Calderadaches abspielten und vermutlich mit Rissbildung zusammenhingen. Dadurch destabilisierte sich die Gesteinsschicht zusehends.

Das INGV und die Kommune Pozzuoli gaben Mitteilungen vor den Erdbeben heraus und veröffentlichten erneut Notfalltelefonnummern, an die sich Bürger wenden können, insbesondere um Schäden an ihren Gebäuden zu melden.

Der Erdbebenschwarm zeigt, dass es trotz der aus seismischer Sicht vergleichbar ruhigen Phase der letzten Monate keinen Anlass zur Entwarnung gibt: Das Vulkansystem heizt weiter auf und in der Tiefe akkumuliert sich Magma. Dieser Prozess unterliegt Schwankungen und kann sich unangekündigt jederzeit verstärken oder abschwächen. Die Langfristprognose der Region bleibt ungünstig. Jederzeit kann es zu stärkeren Erdbeben kommen, die Schäden verursachen. Mittelfristig drohen phreatische Explosionen, langfristig ein Vulkanausbruch.

Hafen von Pozzuoli. © Marc Szeglat

Doch wie geht man am besten mit der Bedrohungslage um? Dummerweise liegt die Zone der größten Bodenhebung nicht etwa unter dem Solfatara-Krater, sondern unter Rione Terra, dem historisch bedeutungsvollen Stadtteil Pozzuolis direkt neben dem Hafengebiet. Seit 2005 hob sich der Boden um 163 cm und übertrifft damit sogar die Hebung aus den 1980er Jahren. Die Bodendeformationen schwächen die Gebäude massiv und mit dem Renovieren kommt man kaum hinterher. Sollte es hier zu einem Vulkanausbruch kommen, wäre die Katastrophe perfekt. Macht es Sinn, an einer Stadt festzuhalten, die möglicherweise dem Untergang geweiht ist? Politik und Bewohner hoffen verständlicherweise, dass die Bodenhebungsphase ohne größere Katastrophe enden wird, so wie es in der Vergangenheit bereits vorkam, mit dem Unterschied, dass frühere Hebungsphasen nur 2 bis 3 Jahre dauerten. Doch selbst wenn das der Fall sein sollte, handelt es sich um geschenkte Zeit: Denn die Vorgänge zeigen, dass die Campi Flegrei keinesfalls erloschen sind und eines Tages das machen werden, was Vulkane am liebsten machen: ausbrechen!

Auf der Shakemap des EMSC oben sieht man nur die Erdbeben mit Magnituden über 2. Am rechten Bildrand liegt der Vesuv, unter dessen Gipfel es ebenfalls ein Erdbeben Md 2,1 in nur 400 m Tiefe unter dem Meeresspiegel gegeben hat. Auch dieses Beben war Teil eines Schwarmbebens. Später mehr dazu.

Teneriffa: Zahlreiche Erdbeben zwischen 3. und 6. April

Seismisch-vulkanische Aktivität auf Teneriffa ist seit dem 3. April hoch

Seit dem 3. April registriert das Nationale Geographische Institut erneut eine erhöhte seismisch-vulkanische Aktivität unter dem Vulkan Teide auf der Insel Teneriffa. Bisher wurden 131 Hybriderdbeben aufgezeichnet, die sich im Seismogramm als kurze Impulse äußern. Diese sind energiearm und werden von kurzzeitigen Signalen niedriger Frequenz begleitet. Dieses Erdbebenmuster ist typisch für Bewegungen magmatischer Fluide. Hierbei handelt es sich entweder um Magma selbst oder um Gase in einem überkritischen Zustand, die sich unter den hohen Druck-/Temperaturbedingungen in der Tiefe ähnlich wie Flüssigkeiten verhalten.


Erdbebentätigkeit der Kanaren und Teneriffa der letzten 3 Monate. © IGN

Das automatische System des IGN hat mindestens 131 hybride Ereignisse erfasst, von denen 31 manuell lokalisiert wurden. Das erste Ereignis trat am 3. April um 22:47 Uhr auf. Seitdem hält die Aktivität an. Die Magnituden liegen zwischen Mb 0,4 und 1,6. Die Herdtiefen werden zwischen 5 und 18 km unter dem Meeresspiegel ausgemacht und sind somit vergleichbar mit den Beobachtungen der vergangenen Wochen. Keines der Ereignisse wurde von der Bevölkerung wahrgenommen.

Solche hybriden seismischen Aktivitäten in Kombination mit langperiodischen Signalen (LP-Events) erhöhen – laut Aussage der IGN-Forscher – die Gefahr für einen Vulkanausbruch auf Teneriffa nicht. Was auch meiner Meinung nach zutrifft, allerdings wird andersherum ein Schuh draus: Die Beben zeigen an, dass das Vulkansystem auflädt und sich mittel- bis langfristig gesehen auf einen Vulkanausbruch vorbereitet.

TN 13

Unmittelbar scheint kein Vulkanausbruch bevorzustehen, dafür ist die Bodenverformung noch zu gering. Auf den öffentlich zugänglichen Grafiken lässt sich nur eine geringe Bodenhebung ausmachen. Einige Messstationen zeigen zudem eine schwache horizontale Deformation vornehmlich in Richtung Osten.

Das IGN, zuständig für die Vulkanüberwachung in Spanien, betreibt ein dichtes Netzwerk von über 100 festen Messstationen, Instrumenten und Probenahmestellen. Damit werden zentrale Parameter kontinuierlich und in Echtzeit überwacht, um mögliche Veränderungen oder Anomalien in Seismizität, Bodenverformung und Geochemie frühzeitig zu erkennen und die kurz-, mittel- und langfristige Entwicklung eines möglichen Ausbruchsrisikos zu bewerten.

Aufgrund der geringen Signalstärke sind die Angaben zur Anzahl der Ereignisse sowie zu ihren Magnituden derzeit noch vorläufig. Eine genauere Auswertung könnte sowohl die Gesamtzahl der registrierten Ereignisse als auch die Einordnung ihrer Stärke weiter präzisieren, so wie wir es bereits früher sahen, als eine KI-gestützte Auswertung zwischen den stärkeren Signalen tausende schwächere Beben ausmachte.

Betrachtet man die Shakemap mit den Erdbeben der letzten 3 Monate, sieht man, dass die seismische Aktivität nicht nur auf Teneriffa hoch ist, sondern auch in der Meerenge zwischen der Insel und Gran Canaria. Auch auf El Hierro gab es ungewöhnlich viele Erdbeben.

Neuseeland: Serie starker Erdbeben bei Kermadec

Erdbebenserie bei den südlichen Kermdaec-Inseln – Zahlreiche Unterwasservulkane in der Nähe

Datum: 05.04.2026 | Zeit: 13:22:14 UTC | Koordinaten: -32.111 ; -177.835 | Tiefe: 5 km | MW 5,5

Die südlichen Kermadec-Inseln liegen nördlich von Neuseeland und sind Schauplatz tektonischer Spannungen, die sich in den letzten 24 Stunden in 6 Erdbeben mit Magnituden im Fünferbereich entluden. Das Brisante: Der vulkanische Inselbogen beherbergt eine große Ansammlung von Unterwasservulkanen, die auf die Erdbeben reagieren könnten.

Kermadec

Das stärkste Beben hatte eine Magnitude 5,5 und ereignete sich am 5. April 2026 um 13:22 UTC südlich der Kermadec-Inseln. Das Epizentrum lag bei 32,1° Süd und 177,8° West, also weit im offenen Pazifik, und mehr als 700 km nordnordöstlich von Neuseeland entfernt. Mit einer sehr geringen Herdtiefe von nur 5 km handelt es sich um ein flaches Erdbeben, das typischerweise in der oberen Erdkruste entsteht. Aufgrund der großen Entfernung zu bewohnten Gebieten dürfte es kaum oder gar nicht verspürt worden sein und keine Schäden verursacht haben.

Dieses Ereignis war Teil einer Serie von sechs Beben im Magnitudenbereich 5,1 bis 5,5, was auf eine aktive Spannungsumlagerung in der Region hindeutet.

Die Meeresregion gehört zum Kermadec-Graben, einer der aktivsten Subduktionszonen der Erde. Hier taucht die Pazifische Platte mit hoher Geschwindigkeit unter die Indisch-Australische Platte ab. Dieser Prozess erzeugt Spannungen im Untergrund, die sich oft in Erdbeben entladen. Die Beben lagen einige Kilometer hinter dem Tiefseegraben, wo man eigentlich tiefere Hypozentren vermuten würde.

Die beobachtete Erdbebenserie könnte durch reibungsbedingtes Ruckgleiten (Stick-Slip) entlang der Subduktionsfläche oder durch Bruchbildung in der oberen Erdkruste verursacht worden sein.

Obwohl die Beben tektonischen Ursprungs waren, sind sie stark genug gewesen, um Vulkane zu beeinflussen. In der Region liegen mehrere Unterwasservulkane, von denen Havre Seamount und Monowai die bekanntesten sind.

Interessant ist auch eine relativ hohe Seismizität entlang des neuseeländischen Archipels. Besonders im Norden der vulkanisch geprägten Nordinsel sind auf der Shakemap mehrere moderate Erdbeben zu erkennen. Hier liegt der aktive Inselvulkan White Island, der immer wieder kleinere Ascheeruptionen erzeugt.

Indonesien: Sehr starkes Erdbeben mit kleinem Tsunami

Sehr starkes Erdbeben Mw 7,3 erschütterte Molukkensee in Indonesien – Schäden und ein kleiner Tsunami

Datum: 01.04.2026 | Zeit: 22:48:13 UTC | Koordinaten: 1.20 ; 126.23 | Tiefe: 26 km | MW 7,3

Gestern Abend ereignete sich in der Molukkensee ein sehr starkes Erdbeben der Magnitude 7,4. Das Beben manifestierte sich um 22:48 UTC und hatte ein Hypozentrum in 26 km Tiefe. Das Epizentrum lag in der Molukkensee zwischen Sulawesi und Halmahera, genauer 156 km östlich von Manado und 136 km westlich von Ternate.

Das Beben verursachte einige Schäden, die aber nicht so verheerend ausfielen, wie man alleine aufgrund der Magnitude annehmen würde In Manado und Umgebung kam es zu Gebäudeschäden und einzelnen eingestürzten Bauten, darunter Wohnhäuser und eine Kirche. Mindestens eine Person kam ums Leben, mehrere weitere wurden verletzt. Die Auswirkungen konzentrierten sich vor allem auf schwächer gebaute Strukturen.

Das Beben wurde in weiten Teilen von Nord-Sulawesi und den nördlichen Molukken stark wahrgenommen. Augenzeugen berichteten von abrupt einsetzendem, heftigem Schütteln, das vielerorts 10 bis 30 Sekunden andauerte. In zahlreichen Städten liefen Menschen aus Angst vor Einstürzen auf die Straßen. Besonders in Küstenorten wurde das Ereignis als „sehr stark“ beschrieben, begleitet von zahlreichen spürbaren Nachbeben. Insgesamt gab es Hunderte Nachbeben.

Nach dem Hauptbeben wurde eine Tsunamiwarnung ausgegeben. Messstationen registrierten Wellenhöhen von bis zu etwa 0,75 Metern, die jedoch keine größeren Schäden verursachten, allerdings einige Küstenabschnitte überfluteten. Die Warnung wurde später aufgehoben.

Tektonisch liegt das Ereignis in einer der komplexesten Plattengrenzenzonen der Erde. Die Molukkensee ist von einer doppelten Subduktionszone geprägt, in der die ozeanische Kruste gleichzeitig nach Westen unter die Sunda-Platte und nach Osten unter die Philippinische Platte abtaucht. Das Beben ereignete sich wahrscheinlich entlang der Molukken-Kollisionszone, genauer im Bereich der Halmahera-Subduktionszone, wo sich Spannungen durch verhakte Platten aufbauen und ruckartig entladen.

Solche geodynamischen Bedingungen führen regelmäßig zu starken Erdbeben und machen die Region besonders gefährdet für seismische und sekundäre Naturgefahren. Dazu zählen auch Vulkanausbrüche, die von dem starken Erdbeben getriggert werden könnten. Im Wirkungskreis des Bebens liegen zahlreiche Vulkane: Lokon, Soputan, Karangetang, Dukono und Ibu sind die bekanntesten und aktivsten.

Vanutau: Sehr starkes Erdbeben in großer Tiefe

Vanuatu von Erdbeben Mw 7,3 erschüttert – deutliche Wahrnehmungen im Königreich

Ein sehr starkes Erdbeben der Magnitude 7,3 hat am 30. März 2026 den Inselstaat Vanuatu im Südpazifik erschüttert. Das Epizentrum lag kurz vor der Küste der Insel Espiritu Santo nahe Luganville, etwa 31 Kilometer nordnordöstlich der Stadt. Das Hypozentrum wurde in einer Tiefe von 126 Kilometern ausgemacht. Damit handelt es sich um ein Erdbeben in der Asthenosphäre, das sich deutlich unterhalb der Erdkruste ereignet.

Vanuatu. © EMSC

Trotz der hohen Magnitude fielen die Auswirkungen an der Oberfläche bislang vergleichsweise moderat aus. Aus verschiedenen Teilen des Archipels gingen Wahrnehmungsmeldungen ein: Bewohner berichteten von deutlich spürbaren, aber gleichmäßigen Erschütterungen ohne einen Peak. Wie es für ein tiefes Beben typisch ist, wurde das Schütteln über eine große Distanz hinweg wahrgenommen, ohne lokal extreme Intensitäten zu erreichen. Größere Schäden oder Opfer wurden zunächst nicht bestätigt, und auch eine Tsunami-Warnung blieb aus.
Dennoch sind solche Ereignisse nicht harmlos. Selbst bei geringerer Intensität können vereinzelt Gebäude beschädigt werden, insbesondere bei schwacher Bausubstanz. In den sozialen Medien gibt es Berichte über Erdrutsche und leichte Schäden, diese wurden von größeren Medienagenturen bisher nicht bestätigt.
Nachbeben – darunter mindestens eines im Bereich der Magnitude 5 – zeigen zudem, dass die Region weiterhin seismisch aktiv bleibt.

Tektonisch liegt Vanuatu im Bereich des Pazifischer Feuerring, einer Zone intensiven Vulkanismus und Plattenbewegungen: Hier taucht die Pazifische Platte unter die Australische Platte ab. Entlang dieser Subduktionszone entstehen regelmäßig starke Erdbeben. Das aktuelle Ereignis passt in dieses Muster: Es entstand wahrscheinlich innerhalb der abtauchenden Platte entlang der sogenannten Wadati-Benioff-Zone.

Insgesamt zeigt das Beben einmal mehr die hohe seismische Gefährdung der Region – auch wenn dieses Ereignis vergleichsweise glimpflich verlief.

Island: Erdbeben südwestlich von Grindavik

Dächer von Grindavik aus dem Südwesten aus gesehen. © Marc Szeglat

Mehrere Erdbeben südwestlich von Grindavik auf Island – Spekulationen um Verlagerung der Aktivität

In den vergangenen Tagen gab es auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel häufiger als üblich Erdbeben an der Küste südwestlich von Grindavik. In der vulkanisch geprägten Netzwelt lässt das Spekulationen über eine mögliche Verlagerung der vulkanischen Aktivität in diese Region aufleben. Sie liegt am Randgebiet der magmatisch bedingten Bodenhebung, dessen Zentrum sich unter Svartsengi befindet und seit Oktober 2023 für die Eruptionen und Intrusionen der Sundhnúkur-Kraterreihe verantwortlich ist.

Erdbeben

Der Grund für diese Spekulationen liegt nicht alleine in den Erdbeben, sondern darin, dass die seit Monaten erwartete Eruption bei Sundhnúkur weiter auf sich warten lässt. Es wird vermutet, dass der Untergrund zwischen Svartsengi und der Kraterreihe durch die zahlreichen Magmaintrusionen versiegelt und verhärtet ist, so dass frühere Aufstiegswege des Magmas blockiert sind. Da der Druck im flachen Speicherreservoir unter Svartsengi weiter anwächst, ist es nur logisch, wenn etwaige Schwächezonen entlang von Störungen in andere Richtung nun aktiviert werden. An der Stelle der aktuellen Erdbeben gibt es zwar ein Lavafeld, dieses wurde aber von der Eldvörp-Eruptionsspalte westlich von Svartsengi mit Lava versorgt. Schon früher äußerten sich isländische Vulkanologen dahingehend, dass dieses Spaltensystem als nächstes aktiviert werden könnte, was ins Muster des Westwärtsshifts der Aktivität passen würde.

Wir erinnern uns: Die Eruptionsserie auf Reykjanes begann bereits im März 2021 mit den Vulkanausbrüchen im Fagradalsfjall-Gebiet, das östlich von Svartsengi liegt. Unter diesem Vulkansystem befindet sich wahrscheinlich auch eine große und tiefer liegende Magma-Domäne, von der ausgehend das flacher liegende Reservoir unter Svartsengi und der Blauen Lagune gespeist wird. Theoretisch könnte die Schmelze von hier aus auch nach Osten in das Krysúvik-System migrieren, wofür es auch in den Monaten vor Beginn der Bodenhebung bei Svartsengi Anzeichen gab.

Ob es in dem aktuellen Erdbebengebiet Bodendeformation auftreten ist unklar, denn hier gibt es eine größere Lücke im Messnetz. Die vorhandenen GNSS-Daten zeigten in den vergangenen Tagen bei Svartsengi eine leichte Deflation, doch hierbei könnte es sich um Messfehler handeln.

Tatsächlich rechnen die IMO-Vulkanologen in ihrer Gefahreneinschätzung weiterhin damit, dass es wieder bei Sundhnúkur zu einem Ausbruch kommen wird. Im Prinzip bleibt die Situation dynamisch und wenig vorhersehbar.

Island: Schwarmbeben unter Katla am 26. März

Katla und Myrdalsjökull von Schwarmbeben getroffen – stärkste Magnitude Mb 3,1

In der Nacht zum 26. März manifestierte sich unter dem subglazialen Vulkan Katla ein Erdbebenschwarm. Laut EMSC hatte die stärkste Erschütterung eine Magnitude von 3,1 und eine Herdtiefe von 0 km, womit Meeresspiegelniveau gemeint ist. Das IMO stufte den Erdstoß schwächer ein und zeigt eine Magnitude von 2,7 an. Insgesamt wurden in dem Bereich des Gletschers Myrdalsjökull, unter dem die Katla verborgen liegt, innerhalb von 48 Stunden 28 Erdbeben registriert. Eines dieser Erdbeben ereignete sich unter dem benachbarten Vulkan Hekla.

Katla. © IMO

Erdbebenschwärme dieser moderaten Intensität manifestieren sich unter Katla mehrmals im Jahr und sind kein Grund zur Beunruhigung. Allerdings zeigen sie, dass es sich bei Katla um ein aktives und dynamisches Vulkansystem handelt, in dessen Speicher- und Fördersystem magmatische Fluide zirkulieren. Stärkere Schwarmbeben in geringen Tiefen wurden in der jüngeren Vergangenheit mit kleinen Eruptionen unter dem Gletschereis in Verbindung gebracht, dessen zweifelsfreien Nachweis die Wissenschaft bis heute schuldig bleibt. Stärkste Hinweise hierauf lieferten Gletscherläufe, die nach Schwefelwasserstoff riechendes Schmelzwasser unter dem Gletscher hervorschießen ließen. Doch dieses Schmelzwasser könnte auch „nur“ auf eine gesteigerte hydrothermale Tätigkeit des Vulkans hindeuten.

Dennoch bleibt Katla einer jener genaustens unter Beobachtung stehenden Zentralvulkane Islands, der als ein Kandidat für eine große Eruption innerhalb weniger Jahre gilt. Doch trotz allen wissenschaftlichen Fortschritts ist es bis heute nicht möglich, Eruptionen über längere Zeiträume hinweg vorherzusagen. Bei subglazialen und submarinen Feuerbergen ist das besonders schwierig, da schon die reine Datensammlung besonders aufwendig und damit kostenintensiv ist.

Das Beispiel Svartsengi verdeutlicht diesen Umstand: Obwohl man ein engmaschiges Messnetzwerk betreibt und neueste Techniken zum Einsatz kommen, gibt es im Untergrund eines vulkanisch aktiven Gebiets zu viele unbekannte und unbestimmbare Faktoren, die darüber entscheiden, ob und wann es zu einem Vulkanausbruch kommt, so dass selbst wenn bekannt ist, wie viel Magma sich in welchem Tempo im Speichersystem ansammelt, keine zuverlässige Prognose getroffen werden kann. Wie sich zeigte, geschehen Prognosen eigentlich immer aus einem „Bauchgefühl“ heraus, das gepaart mit wissenschaftlichen Daten zwar oft, aber nicht immer Treffer in Bezug auf die Vorhersage von Vulkanausbrüchen zulässt. In noch komplexeren Systemen ohne regelmäßige Ausbrüche in historischen Zeiten, wie etwa bei den italienischen Campi Flegrei, sind Prognosen noch schwieriger und unzuverlässiger als auf Island.