29. April: Internationaler Tag der Erdbebenopfer

UN erklärt den 29. April zum Internationalen Gedenktag der Erdbebenopfer

Heute, am 29. April 2026, wird erstmals der von den Vereinten Nationen eingeführte Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer von Erdbeben begangen. Der neue Gedenktag soll nicht nur an die Millionen Opfer von Erdbebenkatastrophen erinnern, sondern auch den Blick nach vorn richten: erdbebensichere Bauweise, bessere Vorbereitung und internationale Zusammenarbeit sollen künftige Katastrophen abmildern. Verhindern wird man sie wohl kaum können.

Die Idee eines Erdbeben-Gedenktages ist keineswegs völlig neu. Bereits seit Jahren wird etwa in China am 12. Mai – dem Jahrestag des Sichuan-Erdbeben 2008 – der Erdbebenopfer gedacht. Der Unterschied: Während dieser Tag historisch begründet ist, schafft die UN nun erstmals einen weltweit einheitlichen Rahmen für das Gedenken der Opfer.

Die folgenreichsten Erdbeben der Geschichte

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Indonesien

Ein Blick in die Geschichte zeigt, warum ein solcher Gedenktag notwendig ist. Erdbeben zählen zu den tödlichsten Naturgefahren und haben immer wieder ganze Regionen verwüstet.

Das stärkste jemals gemessene Beben war das Valdivia-Erdbeben 1960 mit einer Magnitude von 9,5. Es löste Tsunamis im gesamten Pazifik aus und forderte tausende Todesopfer.

Die wohl folgenschwerste moderne Katastrophe war das Sumatra-Erdbeben von 2004 im Indischen Ozean. Das Beben selbst und der darauffolgende Tsunami töteten fast 300.000 Menschen in mehreren Ländern und löste ein globales Trauma aus.

In Bezug auf die Opferzahlen noch verheerender war das historische Shaanxi-Erdbeben von 1556, das vermutlich über 830.000 Menschen das Leben kostete als in einem Hang gebaute Höhlenwohnungen von Yao-Dong verschüttet wurden. Hier zeigt sich: Nicht nur die Stärke eines Bebens entscheidet, sondern vor allem Bauweise und Bevölkerungsdichte.

Verhalten im Ernstfall

Da Erdbeben meist ohne kurzfristige Vorwarnung auftreten, ist das richtige Verhalten im Ernstfall entscheidend. Geoforscher empfehlen die einfache Regel: „Hinlegen, schützen, festhalten“.

In Gebäuden sollte man Schutz unter oder neben stabilen Möbeln oder an tragenden Wänden suchen und Abstand von Glas halten. Im Freien gilt: Abstand zu Gebäuden und Stromleitungen. Im Auto bleibt man stehen und wartet ab.

Langfristig noch wichtiger ist die Vorbereitung: auf ein Erdbeben: Notfallpläne und Fluchtwege, gesicherte Möbel und regelmäßige Übungen können Leben retten. Laut UN hängt die Zahl der Opfer stark von Bauqualität und Vorbereitung der Bevölkerung ab – nicht allein von der Stärke des Bebens.

Warum Vorhersagen so schwierig sind

Ein zentrales Problem bei Erdbeben bleibt: Sie lassen sich nicht exakt vorhersagen. Zwar können Seismologen Erdbeben-Gefahrenzonen identifizieren und Spannungen im Untergrund messen, die irgendwann einmal Erdbeben auslösen können, doch der genaue Zeitpunkt wann ein beben entsteht und wie stark es sein wird,  bleiben ungewiss.

Bios jetzt ist es nur möglich Risikokarten zu erstellen und die Bevölkerung einer Region vor ein langfristiges Risiko zu warnen. Dabei geht man von Wahrscheinlichkeiten innerhalb von Jahrzehnten aus. Frühwarnsysteme verschaffen Menschen nur Sekunden vor einem Erdbeben um zu fliehen oder schutzhaltung einzunehmen.

Daher weißt die UN darauf hin, dass Erdbebenunvermeidlich sind, sich ihre Auswirkungen aber mit geeigneten Maßnahmen abmildern lassen. ein Problem in der Prävention liegt darin, dass sie oftmals teuer ist und man davon ausgeht, dass Erdbeben irgendwann einmal auftreten werden, ähnlich wie es beim Klimawandel und Umweltschutzmaßnahmen der Fall ist.

Wo künftig große Beben drohen

Auch ohne exakte Vorhersage wissen Geowissenschaftler, wo das Erdbebenrisiko besonders hoch ist. Dazu zählen vor allem kontinentale Plattengrenze und Großstörungen infolge von Gebirgsbildungen:

  • Pazifischer Feuerring (Japan, Chile, Indonesien): regelmäßig Megabeben
  • Kalifornien (San-Andreas-Verwerfung): hohes Risiko in den kommenden Jahrzehnten
  • Türkei und Iran: aktive Bruchzonen mit wiederkehrenden Starkbeben
  • Himalaya-Region: aufgestaute Spannungen könnten große Beben auslösen

In vielen dieser Regionen steigt das Risiko zusätzlich durch zunehmende Urbanisierung und schwache Bauvorschriften, oft in Ermangelung ausreichender finanzieller Mittel.

Erdbeben betreffen nicht nur ferne Kontinente: Auch in Europa und selbst in Deutschland gibt es Regionen mit erhöhtem Erdbebenrisiko. Während das stärkste Beben in Deutschland eine Magnitude von geschätzten 6,0 bis 6,4 hatte, gab es im Mittelmeerraum durchaus schon Erdbeben mit Magnituden über 8, die katastrophale Schäden verursachten.

Fazit

Der neue internationale Gedenktag am 29. April ist mehr als Symbolik. Er verbindet Erinnerung mit einer klaren Botschaft: Katastrophen lassen sich nicht verhindern, aber ihre Folgen sehr wohl begrenzen.

Die Geschichte der großen Erdbeben zeigt, wie zerstörerisch diese Naturgewalt ist – und gleichzeitig, dass gute Vorbereitung, stabile Gebäude und Wissen über Erdbebenrisiken den entscheidenden Unterschied machen und die Grenze zwischen Naturphänomen und Naturkatastrophe verschieben können.

Griechenland: Erdbeben Mb 4,7 bei Skiathos

Mittelstarkes Erdbeben Mb 4,7 erschütterte griechische Insel Skiathos – zahlreiche Erdbebenmeldungen

Datum: 28.04.2026 | Zeit: 11:12:24 UTC | Koordinaten: 42.722 ; 142.955 | Tiefe: 7 km | Mb 4,7

Am Dienstagmittag hat ein moderates Erdbeben Teile der griechischen Ägäis erschüttert und die Menschen auf der Insel Skiathos besonders aufgerüttelt. Nach ersten Meldungen wurde um 11:12:24 UTC (14:12 Uhr Ortszeit) ein Beben der Magnitude 4,7 registriert. Das Epizentrum lag im Bereich der Ägäis etwa 9 Kilometer westsüdwestlich der Ortschaft Skiathos auf der gleichnamigen Insel, an dessen Westküste sich das Beben ereignete. Die Herdtiefe wurde mit nur 7 Kilometern angegeben, was auf ein oberflächennahes Ereignis hinweist.

Skiathos. © EMSC/Leaflet

Entsprechend wurde das Beben wahrgenommen. In der näheren Umgebung wurden die Erschütterungen als stark beschrieben. Besonders eindrücklich ist eine beim EMSC veröffentlichte Meldung vom Flughafen der Insel Skiathos: „Παρα πολύ δυνατό κούνημα και θόρυβος! Μας εκκένωσανε από το αεροδρόμιο Σκιάθου“ – übersetzt: „Sehr starkes Rütteln und Lärm! Wir wurden vom Flughafen von Skiathos evakuiert.“ Diese Schilderung deutet auf eine lokal kräftige Erschütterung hin, die angesichts der geringen Herdtiefe von nur 7 Kilometern plausibel ist.

Auch vom Festland gingen Wahrnehmungsmeldungen ein. Aus der Küstenregion bei Pagasetic Gulf, genauer aus Milina im südlichen Pilion, hieß es: „No damages but it was felt in Milina, South Pelion.“ Die Erschütterung war dort also deutlich spürbar, verursachte jedoch keine Schäden. Ähnlich äußerten sich Beobachter aus Chalcis (griechisch Chalkida): „Αισθητός με ελαφρύ κούνημα στη Χαλκίδα.“ – „Spürbar mit leichtem Schütteln in Chalkida.“

Insgesamt berichten die Bebenzeugen weiter entfernter Destinationen von einem kurzen, aber deutlich spürbaren Ruck, begleitet von leichtem Grollen. Auch auf dem griechischen Festland wurde das Beben registriert, vor allem von Menschen, die sich in den oberen Stockwerken höherer Gebäude aufgehalten haben. Größere Schäden sind bei einem Erdbeben dieser Magnitude nicht zu erwarten, wenngleich leichte Schäden wie Rissbildungen, abgeplatzte Putzteile und herabstürzende Platten von Innendecken durchaus möglich sind.

Tektonisch liegt das Ereignis in einer der aktivsten Dehnungszonen Europas. Die Ägäisplatte ist Teil eines komplexen Störungssystems, das durch die Subduktion der Afrikanischen Platte unter die Eurasische Platte im Bereich des Hellenischen Bogens geprägt wird. Gleichzeitig erfährt die Ägäisregion eine starke Krustendehnung, die zur Ausbildung zahlreicher Abschiebungen führt.

Das aktuelle Beben dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer dieser aktiven Normalstörungen im nördlichen Ägäisraum entstanden sein. In Frage kommt insbesondere die Fortsetzung der Nordanatolischen Verwerfungszone, die sich westwärts in die Ägäis hinein verzweigt. Diese Störungszone ist bekannt für ihre rechtsseitige Blattverschiebung, geht jedoch lokal in Dehnungsstrukturen über, an denen es in der Vergangenheit vergleichbare Erdbeben gegeben hatte. Mir liegen allerdings keine tektonischen Karten vor, auf denen genau am Epizentrum eine Störung eingezeichnet ist.

Australien: Schwaches Erdbeben im Süden

Schwaches Erdbeben Mb 2,7 im Westen von New South Wales registriert – tektonische Spannungen im Inneren Australiens

Gestern wurde im Westen des australischen Bundesstaates New South Wales ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,7 registriert. Das Erdbeben ereignete sich am 26. April um 15:12:14 UTC. Sein Hypozentrum lag in etwa 10 km Tiefe bei den Koordinaten 30,650°S / 141,224°E, rund 148 km nordnordwestlich von Broken Hill -wo es bekannte Erzlagerstätten gibt -und etwa 535 km nordnordöstlich von Adelaide. Aufgrund der geringen Magnitude war das Beben für die Bevölkerung wahrscheinlich nicht spürbar gewesen und wurde ausschließlich von seismischen Messstationen erfasst. Dennoch ist es von geologischem Interesse und liefert mir Gelegenheit, etwas über Tektonik und Vulkane Australiens zu schreiben.

Australien

Das Erdbeben manifestierte sich im Inneren der Indo-Australischen Platte, weit entfernt von aktiven Plattengrenzen des Pazifiks. Erdbeben in dieser Region entstehen nicht durch Kollisionen zwischen Platten, sondern durch die Reaktivierung alter, tiefreichender Störungszonen in der als stabil geltenden kontinentalen Kruste. Der Bereich um Broken Hill ist Teil eines sehr alten kristallinen Grundgebirges, das über Milliarden Jahre hinweg mehrfach deformiert wurde, wobei sich Nord-Süd-verlaufende Störungen entwickelten. Diese Strukturen wirken heute als Schwächezonen, in denen sich die durch die Plattenbewegung erzeugten Spannungen gelegentlich entladen.

Solche intraplatten Erdbeben sind in Australien selten, ihr gelegentliches Auftreten gilt nicht als besorgniserregend. Die Spannungen resultieren aus Fernkräften der Plattenränder, insbesondere der Kollision im Norden Richtung Indonesien sowie komplexen Spannungsfeldern im Südwestpazifik.

Erdbeben unweit australischer Vulkanzone

Im weiteren regionalen Kontext ist Australien zudem geologisch keineswegs vollständig inaktiv. Im Südosten des Kontinents und in relativer Nähe des Epizentrums liegt die sogenannte „Newer Volcanics Province“, ein ausgedehntes Vulkanfeld mit rund 400 kleinen Vulkanen. Dieses Feld umfasst Mount Gambier und Mount Schank und ist geologisch betrachtet sehr jung – die jüngsten Eruptionen ereigneten sich vor etwa 5.000 Jahren im Holozän. Der Vulkanismus äußerte sich überwiegend in Form kleiner Schlackenkegel, Maare und Lavaflüsse und war nur wenig explosiv. Die Newer-Vulkanprovinz ähnelt dem Vulkanfeld der deutschen Westeifel und weist sogar jüngere Aktivität auf und könnte eines Tages wieder ausbrechen.

Erdbeben und Vulkane im Inneren Australiens zeigen, dass der Kontinent trotz seiner tektonischen Stabilität weiterhin von inneren Spannungs- und Mantelprozessen geprägt ist.

Japan: Starkes Erdbeben auf Hokkaidō

Starkes Erdbeben Mw 6,0 erschütterte den Süden von Hokkaidō in Japan

Datum: 26.04.2026 | Zeit: 20:23:55 UTC | Koordinaten: 42.722 ; 142.955 | Tiefe: 79 km | Mw 6,0

Am Abend des 26. Aprils europäischer Zeit ereignete sich im Süden der japanischen Nordinsel Hokkaidō ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,0. Zu diesem Zeitpunkt war es vor Ort bereits frühmorgens am 27. April. Das Epizentrum befand sich rund 30 km südlich von Obihiro und etwa 111 km ostnordöstlich von Tomakomai, wo ca. 174.000 Menschen leben. Das Hypozentrum lag in 79 km Tiefe, womit es sich um ein vergleichsweise tiefes Erdbeben handelte, das sich an der Oberfläche geringer auswirkte, als man anhand der Magnitude vermuten würde, da sich die seismische Energie über eine größere Strecke verteilte. Solche Beben werden oft weniger stark wahrgenommen als flache Ereignisse ähnlicher Magnitude, dennoch wackelten Häuser und die Bewohner der Region wurden aufgeschreckt. Meldungen über größere Schäden liegen nicht vor.

Hokkaido. © EMSC/Leaflet

Großtektonisch betrachtet liegt die Region im Einflussbereich der Subduktionszone am Japan Trench, wo die Pazifische Platte unter die Okhotsk-Platte abtaucht. In diesem System entstehen Erdbeben entlang der sogenannten Wadati-Benioff-Zone, die den Weg der absinkenden ozeanischen Platte in den Mantel markiert. Die Tiefe von etwa 79 km deutet darauf hin, dass das Ereignis innerhalb der subduzierten Platte stattfand, also ein sogenanntes Intraslab-Erdbeben war. Solche Beben werden durch Spannungen verursacht, die beim Abtauchen der Platte entstehen, etwa durch Biegung oder Kompression.

Das Epizentrum liegt zudem am Ostrand des Hidaka-Gebirges und befindet sich somit in einer komplexen Kollisionszone innerhalb des Inselbogens, wo der Kurillenbogen auf den Japanbogen trifft. Dort wird die Kruste durch das Aufeinandertreffen verschiedener Krustenblöcke stark verkürzt und deformiert, was zu einer Überlagerung von Subduktionsprozessen und oberflächennaher Stauchung führt. Diese tektonische Komplexität beeinflusst die Spannungsverteilung auch in der Tiefe, sodass sich Spannungen in der subduzierten Platte lokal konzentrieren können. Das Erdbeben steht daher primär mit der Subduktion in Zusammenhang, wurde jedoch wahrscheinlich durch die besondere tektonische Situation im Bereich des Hidaka-Gebirges zusätzlich begünstigt.

Die Subduktion führt zudem zur Bildung eines ausgeprägten vulkanischen Bogens in Hokkaidō. In der Umgebung des Epizentrums befinden sich mehrere aktive oder potenziell aktive Vulkane, darunter der Mount Tarumae nahe Tomakomai, der häufig aktiv ist, sowie der Mount Tokachi und der Meakan-dake, der im letzten Jahr phreatische Eruptionen erzeugte. Ebenfalls bedeutend ist der Mount Usu, der im 20. Jahrhundert mehrfach ausgebrochen ist. Diese Vulkane entstehen, weil Fluide aus der subduzierten Platte in den darüberliegenden Mantel gelangen und dort Schmelzprozesse auslösen, die Magma entstehen lassen.

Das Erdbeben steht zwar im direkten Zusammenhang mit der aktiven Plattentektonik der Region, könnte aber magmatische Prozesse beeinflussen und Eruptionen triggern oder unterdrücken. Während man ersteres dann ggf. beobachten kann, lässt sich letzteres kaum nachweisen.

Island: Erhöhte Seismizität am Wochenende

Erdbebenaktivität in Island: Aktuelle Schwarmbeben vor Reykjanes und am Vatnajökull

Island zählt zu den seismisch aktivsten Regionen Europas. Die Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken, wo die Nordamerikanische und Eurasische Platte auseinanderdriften, führt zu häufigen Erdbeben und intensiver vulkanischer Aktivität. Aktuelle Daten vom Wochenende zeigen eine ausgeprägte Phase seismischer Unruhe, insbesondere vor der Spitze der Reykjanes-Halbinsel, wo es bei Reykjanestá fast 100 Erschütterungen gab, und im Bereich des Vatnajökull-Gletschers mit dem Bárðarbunga, wo mehr als 60 Beben registriert wurden.

Island

Auf der IMO-Shakemap für Gesamtisland sind aktuell 248 Beben eingetragen, die sich in mehreren Regionen Islands entlang der Haupt-Divergenz-Zonen manifestierten. Einschränkend sei erwähnt, dass viele der Beben nur eine Signalqualität von 50 % hatten und noch nicht von einem Seismologen bestätigt wurden.

Der Fokus der Aktivität lag wenige Kilometer nordwestlich von Reykjanestá, wo am 25. April um 19:00 Uhr ein Erdbebenschwarm begann. Innerhalb kurzer Zeit wurden dort insgesamt gut 90 Beben registriert. Die meisten Ereignisse lagen unter Magnitude 2, doch es traten auch stärkere Beben auf: Ein Ereignis erreichte Magnitude 3,0, ein weiteres 2,5. Das stärkste Beben des genannten Zeitraums wurde am 26. April um 00:19 Uhr mit Magnitude 2,5 gemessen, mit einem Epizentrum, das 4,5 km westlich von Reykjanestá in geringer Tiefe von ca. 6 km lag.

Bodenhebung

Solche Schwärme sind typisch für die Region und stehen oft im Zusammenhang mit Spannungsabbau in der Erdkruste oder magmatischen Bewegungen. Erdbeben hier könnten auch mit den magmatisch bedingten Bodenhebungen bei Svartsenig in Verbindung stehen. Die neusten GNSS-Messungen zeigen, dass sich die Bodenhebung im April beschleunigt zu haben scheint. Schätzungen nach erhöhte sich die Magma-Aufstiegsrate in dem flachen Speichersystem auf über 1 Kubikmeter pro Sekunde.

Auch der Nordosten Islands zeigte erhöhte Aktivität im Bereich des Vatnajökull-Gletschers und des Bárðarbunga-Vulkansystems. Dort wurden 62 Beben registriert. Die meisten waren sehr schwach, wobei das stärkste Beben vom 25. April eine Magnitude von 3,2 erreichte. Das letzte Ereignis über Mb 3,0 manifestierte sich in diesem Gebiet Ende März (M3,8).

Die Tiefenverteilung reicht von oberflächennahen Ereignissen bis etwa 20 km, was auf komplexe Prozesse hinweist. Bárðarbunga ist bekannt für wiederkehrende seismische Aktivität, die häufig mit Druckveränderungen im magmatischen System des Zentralvulkans in Verbindung steht.

Interessant sind auch zwei Beben Mb 4,4 und 4,2, die sich am Sonntagnachmittag auf dem Reykjanes-Ridge ereignet haben. Ihre Epizentren lagen gut 200 Kilometer vor der Küste von Reykjanes. Die Herdtiefen wurden mit 10 km angegeben.

Teneriffa: Erdbebenaktivität seit Freitag weiter hoch

Anhaltende Erdbebenserie auf Teneriffa: Aktivität weiterhin deutlich erhöht

Die Erdbebenaktivität auf der Kanareninsel Teneriffa ist weiterhin hoch und seit meinem letzten Update am Freitag gab es neue Erschütterungen. Messdaten des Instituto Geográfico Nacional (IGN) und des INVOLCAN zeigen eine Häufung schwacher, aber aus geologischer Sicht interessanter Erdbeben, die vor allem mit Prozessen im vulkanisch geprägten Untergrund zusammenhängen.

Teneriffa. © IGN

Zwischen Donnerstagabend und Freitagmorgen wurde unter dem Teide-Massiv eine Serie sogenannter hybrider Erdbeben registriert. Insgesamt lokalisierten die Messnetze rund 29 Einzelereignisse mit Magnituden zwischen 0,7 und 1,7 in Tiefen von etwa 8 bis 15 Kilometern. Kurz danach kam es zu einem erneuten Erdbebenschwarm, der sich über mehrere Stunden erstreckte und aus hunderten sehr schwachen Einzelbeben bestand.

Diese Art von Beben gilt als typisch für aktive Vulkansysteme, da sie sowohl durch Gesteinsbrüche als auch durch Bewegungen von Magma, Gasen oder hydrothermalen Fluiden verursacht werden.

Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass sich im Untergrund weiterhin Prozesse abspielen, die für ein aktives Vulkansystem typisch sind: Hierbei handelt es sich um Bewegungen von magmatischen Fluiden, die Druckveränderungen im hydrothermalen System erzeugen und zu erhöhten CO₂-Emissionen im Bereich des Teide führen.

Diese Faktoren werden seit 2016 beobachtet und zeigen, dass der Vulkan „arbeitet“. Gleichzeitig weisen die Geowissenschaftler darauf hin, dass solche Schwarmbeben für ein magmatisches System nicht ungewöhnlich sind und Teil der natürlichen Dynamik eines Inselvulkansystems darstellen.

Trotz der auffälligen Aktivität sehen die zuständigen Behörden derzeit keine unmittelbare Ausbruchsgefahr. Die Magnituden bleiben niedrig, und die meisten Erdbeben sind für die Bevölkerung nicht spürbar. Dennoch: Seit etwa einem Jahrzehnt wird unter Teneriffa eine erhöhte Unruhe registriert, die auf einen anhaltenden Druckaufbau im Vulkansystem hinweist.

Teneriffa: Erdbebenschwarm am 24. April unter dem Teide

Teide auf Teneriffa mit zahlreichen Erdbeben – darunter hybride Ereignisse

Die seismische Aktivität auf der Kanareninsel Teneriffa war in den vergangenen Tagen hoch und hat sich letzte Nacht nochmals gesteigert. Im Bereich von Las Cañadas del Teide registrierte das Instituto Geográfico Nacional (IGN) zwischen Donnerstagabend und Freitagmorgen eine neue Serie hybrider Erdbeben. Insgesamt wurden 29 Ereignisse lokalisiert, die Magnituden zwischen 0,7 und 1,7 hatten. Die Erdbebenherde befanden sich in Tiefen von 8 bis 15 Kilometern. Diese Art von Signalen gilt als typisch für aktive Vulkansysteme, da sie sowohl tektonische Spannungen als auch Bewegungen von Magma oder Gasen bzw. Fluiden widerspiegeln.

Teneriffa. © IGN

Neben der gesteigerten Seismizität werden am Teide auf Teneriffa weiterhin erhöhte Kohlendioxid-Emissionen gemessen. Dieser seit Jahren beobachtete Druckaufbau im Untergrund wird von den Geowissenschaftlern als normaler Bestandteil eines aktiven Vulkansystems bewertet. Langfristig besteht das Risiko eines Vulkanausbruchs am Teide.

Im Wochenverlauf setzte sich die seit Jahresanfang erhöhte seismische Aktivität unter Teneriffa und der Meerenge zu Gran Canaria fort. In diesem Gebiet wurden insgesamt 284 Erdbeben registriert, das stärkste erreichte eine Magnitude von 2,1. Die Konzentration entlang dieser Zone deutet auf strukturelle Schwächen in der Erdkruste hin, die regelmäßig durch tektonische und magmatische Prozesse aktiviert werden.

Auch auf Gran Canaria selbst wurde am Freitagmorgen ein spürbares Ereignis gemessen: Südlich von Agüimes ereignete sich um 09:29 Uhr ein Erdbeben der Magnitude 2,3 in etwa 22 Kilometern Tiefe unter dem Meeresboden. Solche Beben stehen häufig im Zusammenhang mit regionalen Störungszonen zwischen den Inseln.

Im gesamten Archipel wurden in der Woche vom 17. bis 24. April insgesamt 309 Erdbeben geringer Magnitude aufgezeichnet. Das stärkste Ereignis mit einer Magnitude von 2,9 ereignete sich rund 90 Kilometer westlich von Lanzarote. Die gesamte freigesetzte Energie lag bei etwa 0,37 Gigajoule. Neben Teneriffa und Gran Canaria blieb auch La Palma seismisch aktiv, allerdings deutlich schwächer als während des Ausbruchs im Jahr 2021.

Trotz dieser Entwicklungen bleibt die vulkanische Warnstufe für Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und El Hierro auf Grün. Lediglich für La Palma gilt weiterhin Gelb, da sich die geophysikalischen und geochemischen Parameter dort seit der Eruption von 2021 noch nicht vollständig normalisiert haben.

Kreta: Starkes Erdbeben Mw 5,8 vor der Südostküste

Erdbeben vor der Südostküste von Kreta. © EMSC/Leaflet

Ein starkes Erdbeben Mw 5,8 erschüttert Südostküste von Kreta – Beben war deutlich spürbar

Datum: 24.04.2026 | Zeit: 03:18:54 UTC | Koordinaten: 34.984 ; 25.889 | Tiefe: 10 km | Mw 5,8

Ein deutlich spürbares Erdbeben hat am frühen Freitagmorgen die bei Touristen beliebte griechische Insel Kreta erschüttert. Nach ersten Angaben erreichte das Beben eine Magnitude von 5,8 und trat um 03:18 Uhr UTC (06:18 Uhr Ortszeit) auf. Das Epizentrum lag vor der Südostküste der Insel und wurde vom EMSC 14 Kilometer östlich der Stadt Ierápetra und etwa 78 Kilometer ostsüdöstlich von Heraklion verortet. Mit einer Herdtiefe von 10 Kilometern handelte es sich um ein relativ oberflächennahes Ereignis, das in der Region deutlich wahrgenommen wurde. Es gab bereits mehrere Nachbeben.

Bebenzeugen berichten einheitlich davon, dass viele Menschen aus dem Schlaf gerissen wurden. „Das Bett hat stark gewackelt“, schreibt ein Bewohner aus Ierápetra beim EMSC. Andere beschreiben das Beben als „sehr stark und ungewöhnlich lang“, mit einer Dauer von etwa 20 Sekunden. Für einige war es nach eigenen Angaben das erste Erdbeben dieser Stärke. Größere Schäden wurden zunächst nicht gemeldet, doch die Intensität reichte aus, um in Gebäuden deutliches Schwanken und Klirren von Gegenständen auszulösen. Außerdem ist mit kleineren Schäden an der Infrastruktur zu rechnen.

In den sozialen Medien wurden bis jetzt nur wenige Schadensbilder geteilt, die eingestürzte Mauern und Wände zeigen.  Ob sie echt sind bzw. vom aktuellen Beben stammen, ist noch nicht verifiziert.

Tektonisch liegt Kreta in einer der aktivsten Erdbebenzonen Europas, die vom Hellenischen Bogen dominiert wird. Dort schiebt sich die Afrikanische Platte unter die Ägäische Mikroplatte. Diese komplexe Plattengrenze führt regelmäßig zu Spannungsaufbau und Erdbeben, sowohl in größerer Tiefe als auch – wie in diesem Fall – in der oberen Erdkruste.

Das aktuelle Beben reiht sich in eine Serie ähnlicher Ereignisse ein, die die Region in den vergangenen Jahren erlebt hat. Besonders in Erinnerung ist das starke Erdbeben von 2021 geblieben, das mit einer Magnitude von 6,0 nahe Arkalochori auftrat und mittelstarke Schäden verursachte. Auch wenn das jetzige Beben etwas schwächer war und offshore lag, zeigt es erneut, wie aktiv die Region ist.

In der gleichen Region hatte es erst am 19. April ein Erdbeben der Magnitude 4,6 gegeben, das nun als Vorbeben des aktuellen Ereignisses interpretiert werden kann. Es zeigt, dass es größere Spannungen in der Erdkruste gibt, die noch nicht abgebaut sein könnten. Seismologen rechnen in den kommenden Tagen mit weiteren Nachbeben. Die Behörden beobachten die Lage aufmerksam, während die Bevölkerung zur Vorsicht aufgerufen ist.

Äthiopien: Erdbeben Mb 4,7 am 21. April

Mittelstarkes Erdbeben im Afar-Dreieck in Äthiopien weckt Erinnerungen an Gangintrusion im letzten Jahr

Datum: 21.04.2026 | Zeit: 07:27:57 UTC | Koordinaten: 9.178 ; 39.768 | Tiefe: 10 km | Mb 4,7

In Äthiopien manifestierte sich heute Morgen um 07:27 UTC ein mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 4,7. Das Hypozentrum lag in einer Tiefe von etwa 10 km, was typisch für Erdbeben in tektonisch aktiven Riftzonen ist. Allerdings wurde die Herdtiefe fixiert, was bedeutet, dass sie nicht genau ermittelt werden konnte und möglicherweise flacher lag. Daher war das Beben lokal gut spürbar. Das Epizentrum befand sich rund 89 km nordnordöstlich von Nazrēt sowie etwa 35 km nordwestlich von Metahāra. 

Äthiopien. © EMSC/Leaflet

In genau dieser Gegend im Übergangsbereich zwischen dem Ostafrikanischen Rift Valley und dem Afar-Dreieck ist es Anfang letzten Jahres zu einer massiven Erdbebenserie gekommen, die mit mehreren magmatischen Gangintrusionen einherging Neben den Erdbeben gab es starke Bodendeformationen, die auf ein Rifting-Ereignis schließen ließen. Zugleich gab es einige hydrothermale Explosionen entlang des Hauptgangs und der Vulkan Fentale zeigte thermische Anomalien, Gasausstoß und eine starke Subsidenz, was zu dem Schluss führte, dass die Gangintrusion zumindest teilweise von seinem Magmenkörper ausgegangen war.

Der aktuelle Erdstoß weckt Erinnerungen an dieses Ereignis, doch solange es sich um ein isoliertes Beben handelt und nicht wieder ein starker Erdbebenschwarm auftritt, könnte es ein rein tektonisches Beben gewesen sein oder eine Nachwirkung der Geschehnisse im letzten Jahr.

Das Beben liegt im Bereich des Ostafrikanischen Grabensystems, genauer im äthiopischen Teil des East African Rift. Hier handelt es sich um eine divergente Plattengrenze, an der sich die Afrikanische Platte in zwei Teile aufspaltet. Hierbei handelt es sich um die Nubische Platte im Westen und die Somalische Platte im Osten. Zusätzlich spielt die Arabische Platte im Norden eine Rolle bei den tektonischen Prozessen des Afar-Dreiecks, sodass sich in der Region ein sogenannter Triple-Junction-Bereich befindet.

Das Erdbeben passt sehr gut in das Muster der aktiven kontinentalen Riftbildung in Ostafrika, bei der Afrika langfristig auseinanderbricht und sich ein neuer Ozean bilden könnte.