Campi Flegrei: Spürbares Erdbeben Md 3,0 am 10. August

Neuer Erdbebenschwarm erschüttert Campi Flegre – vorläufige Schadensbilanz nach schwerem Beben vom 31. Juli

In der süditalienischen Caldera Campi Flegrei gab es nach einigen ruhigen Tagen mit wenigen Erdbeben heute Nacht erneut einen Erdbebenschwarm. Seit Beginn um 00:27 UTC (02:27 Uhr Ortszeit) wurden 18 Erschütterungen detektiert. Die stärkste hatte eine Magnitude Md 3,0 und wurde im gesamten Stadtgebiet von Pozzuoli gespürt. Das Hypozentrum lag in gut 3.600 Metern Tiefe bei Arco Felice zwischen Monte Nuovo und der Solfatara. Die Tiefe des Hypozentrums liegt unterhalb des eigentlichen Hydrothermalsystems und stand vermutlich mit Bruchmechanismen im Deckgestein der Caldera im Zusammenhang.



Erdbebenkarte © INGV

Der neue Schwarm ereignet sich nur wenige Tage nach dem schweren Md-4,7-Erdbeben vom 31. Juli. Das Beben war das stärkste in den Messaufzeichnungen der Campi Flegrei und verursachte insbesondere im Raum Pozzuoli vergleichsweise große Schäden. Nach einem am 6. August veröffentlichten Zwischenbericht konnten etwa 1.700 Menschen nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. 691 Wohnhäuser waren als unbewohnbar eingestuft worden. In Pozzuoli waren 1.652 Menschen untergebracht worden, darunter 1.514 in Ferienunterkünften, 78 in Hotels und 60 im Palatrincone. Weitere Betroffene gab es in Bacoli und Monte di Procida. 37 Feuerwehrteams führten zu diesem Zeitpunkt noch Gebäudeüberprüfungen durch. Zudem waren vier Schulen in Pozzuoli schwer betroffen und insgesamt 17 Kirchen als unbewohnbar eingestuft worden. Zudem wurde ein Tunnel der Cumana-Eisenbahnlinie beschädigt. Ein zweiter Tunnel ist seit Wochen aufgrund extrem hoher Kohlendioxidwerte gesperrt. Die letzten Messungen bestätigten eine CO₂-Konzentration von 7 Vol. % in der Luft, was unter Umständen bereits tödlich wirken kann.

Der neue Schwarm sorgt auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil in den vergangenen Tagen intensiv darüber diskutiert wurde, ob das Md-4,7-Beben eine überraschende Entwicklung darstellte. Der Seismologe Aldo Zollo erklärte in einem aktuellen Interview, Erdbeben dieser Größenordnung seien wissenschaftlich bereits untersucht und als mögliche Entwicklung des Systems berücksichtigt worden. Gemeint ist damit allerdings keine konkrete Vorhersage des Bebens vom 31. Juli. Vielmehr hatten Untersuchungen gezeigt, dass mit zunehmender Bodenhebung und dem damit verbundenen Spannungsaufbau auch stärkere Erdbeben möglich werden. Studien zeigten, dass Beben mit Magnituden von etwa 5,2 erwartet werden müssen, sollte die aktuelle Hebungsphase anhalten.

Interessant ist die neuerliche historische Aufarbeitung des Geschehens. Entgegen der landläufigen Annahme, den Bradyseismus habe es in den letzten Jahrhunderten ständig in wechselnden Phasen gegeben, zeigen Studienarbeiten, unter anderem von De Natale, dass dem nicht so war. Vor der Eruption des Monte Nuovo hatte es eine mehrere Jahrzehnte dauernde Hebungsphase gegeben, die nach der Eruption von 1538 in eine etwa 400 Jahre dauernde Senkung überging. Ob es zwischendurch Phasen mit einer Trendumkehr gegeben hat, lässt sich heute nicht mehr sagen. Dennoch resultierten vor der Eruption eine Hebung und danach eine Senkung.

Einen Regimewechsel setzte etwa 1950 ein, als es zu ersten Bodenhebungen kam, die sich ab 1970 verstärkten und von ersten Erdbeben begleitet wurden. Seitdem gab es mehrere Hebungs- und Senkungsphasen. Dabei steht einer summierten Hebung von etwa 5,7 m eine Senkung von ca. 0,94 m gegenüber. Netto hob sich der Boden also seit 1950 um gut 4,8 m, wobei utnerschiedliche Zahlen im Umlauf sind, weswegen man die hier genannten Werte als Näherungen betrachten sollte. Kein Wunder also, dass Bausubstanz und Menschen unter der Dauerkrise leiden.

Teneriffa: PEVOLCA berät über seismovulkanische Krise

Seismizität unter dem Teide war letzte Woche rückläufig – PEVOLCA berät nun Vierteljährlich

Die Erdbebentätigkeit unter der Kanareninsel Teneriffa hat sichin der vergangenen Woche abgeschwächt. Das aktuelle vulkanologische Wochenbulletin von INVOLCAN für den Zeitraum vom 31. Juli bis zum 7. August registriert auf Teneriffa 76 Erdbeben. Damit liegt die Aktivität deutlich unter den Werten der vergangenen Wochen, die von mehreren ausgeprägten Erdbebenschwärmen geprägt waren. Von einer Rückkehr zum langfristigen Normalniveau kann dennoch nicht gesprochen werden.

Guayota

Der Fokus der Aufmerksamkeit liegt weiterhin auf den Vulkan Teide und seiner Caldera Las Cañadas. Dort hatte sich die seismovulkansiche Tätigkeit insbesondere im Juli deutlich verstärkt. Am 23. und 24. Juli registrierte das seismsiche Netzwerk gut 1.600 schwache Erdbeben. Insgesamt wurden auf Teneriffa seit Februar bereits zehn seismische Schwärme festgestellt – mehr als in einzelnen früheren Jahren, wobei die Angaben zu der Anzahl der Schwärme beim IGN und INVOLCAN schwanken. Ein Teil der Signale steht nach Einschätzung der Vulkanologen mit der Bewegung von Fluiden in größerer Tiefe in Verbindung.

Trotz der erhöhten Aktivität gibt es derzeit keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch. Nach Angaben des IGN wurden bislang keine Anzeichen für eine magmatische Intrusion in die Erdkruste festgestellt. Auch wichtige Begleitparameter wie schnelle Bodenverformungen oder eine Zunahme der vulkanischen Gasemissionen zeigen kein für eine bevorstehende Eruption typisches Muster.

Die Geowissenschaftler gehen allerdings davon aus, dass die Schwarmbeben weiter auftreten können. Einzelne Erschütterungen könnten künftig auch so stark sein, dass sie von der Bevölkerung wahrgenommen werden.

Entscheidende Hinweise für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch wären eine Kombination aus stärkeren und oberflächennäheren Erdbeben, schneller Bodenhebung und zunehmenden Gasemissionen – entsprechende Veränderungen wurden bislang nicht beobachtet. Dennoch halte ich es für wahrscheinlich, dass sich in 10 Kilometern Tiefe bereits Magma akkumuliert, das die Untergrenze der Erdkruste erreicht hat. Die Wissenschaftler sprechen allgemein von Fluiden, was neben Magma auch Gas und Wasser sein kann, die unter den hohen Druck- und Temperaturbedingungen in einem superkritischen Zustand vorkommen.

Angesichts der ungewöhnlich hohen seismischen Aktivität hat PEVOLCA* beschlossen, die wissenschaftliche Überwachung zu intensivieren. Das Expertenkomitee kam in der letzten Woche zusammen und beschloss künftig alle drei Monate zu Kontroll- und Bewertungssitzungen zusammentreten. Damit soll die Entwicklung der Aktivität am Teide enger verfolgt und der Informationsaustausch zwischen den beteiligten Institutionen verbessert werden. Die häufigeren Sitzungen sind ausdrücklich nicht als Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption zu verstehen.

Auch auf den übrigen Kanaren wurde Seismizität registriert. Insgesamt wurden im betrachteten Zeitraum 80 Erdbeben auf dem Archipel erfasst. Neben Teneriffa waren insbesondere Gran Canaria, El Hierro und La Palma betroffen. Auf Teneriffa, Gran Canaria, El Hierro und Lanzarote steht die vulkanische Ampel weiterhin auf Grün. La Palma bleibt wegen noch nicht vollständig normalisierter geophysikalischer und geochemischer Parameter mehr als vier Jahre nach der Tajogaite-Eruption auf Gelb.

*PEVOLCA steht für „Plan Especial de Protección Civil y Atención de Emergencias por Riesgo Volcánico en la Comunidad Autónoma de Canarias“ – auf Deutsch etwa „Sonderplan für Zivilschutz und Notfallmaßnahmen bei vulkanischer Gefährdung auf den Kanarischen Inseln“. Er wurde 2018 von der Regierung der Kanaren in seiner heutigen Form beschlossen.

Östereich: Spürbares Erdbeben erschütterte Innsbruck

Deutlich spürbares Erdbeben der Magnitude 3,5 erschüttert den Raum Innsbruck in Österreich

Datum: 08.08.2026 | Zeit: 04:42:42 UTC | Koordinaten: 47.281 ; 11.522 | Tiefe: 8 km | Md 3,4

Ein Erdbeben der Magnitude 3,5 hat am Samstagmorgen, 8. August 2026, den Raum wenige Kilometer östlich von Innsbruck erschüttert. Nach den Daten vom EMSC ereignete sich das Beben um 06:42 Uhr MESZ in nur 8 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag bei 47,281° nördlicher Breite und 11,522° östlicher Länge, etwa 10 Kilometer ostnordöstlich von Innsbruck unmittelbar im Raum Hall in Tirol.

Österreich. © EMSC/Leafle

Aufgrund der geringen Herdtiefe und der Nähe zu dicht besiedelten Gebieten war das Beben deutlich spürbar. Besonders zahlreiche Meldungen gingen aus Hall in Tirol, Mils, Absam, Thaur und den östlichen Innsbrucker Stadtteilen ein. Bebenzeugen berichteten von einem kurzen, heftigen Ruck, vibrierenden Betten und Möbeln sowie klirrenden oder gegen Wände schlagenden Gegenständen. Mehrfach wurde ein dumpfer Knall oder ein tiefes grollendes Geräusch beschrieben, das ich selbst gut von herrannahenden Erdebben kenne und oft Sekunden vor den spürbaren Erdstößen der S-Wellen zu hören ist. Einige Menschen wurden durch die Erschütterungen aus dem Schlaf gerissen.

Auch in Innsbruck selbst wurde das Beben deutlich wahrgenommen. Berichte beschreiben unter anderem horizontales Schütteln, vibrierende Betten und einen kurzen, kräftigen Stoß. Wahrnehmungen liegen zudem aus Orten bis rund 20 Kilometer Entfernung vor. Die zahlreichen Meldungen bei der Europäischen-Mediterranen Seismologischen Zentrale (EMSC) zeigen, dass die Erschütterungen regional deutlich bemerkbar waren.

Tektonisch lässt sich das Beben zur aktiven Erdbebenzone des Inntals zurechnen. Tirol zählt zu den seismisch aktivsten Regionen Österreichs. Die Erdbeben stehen letztlich mit der fortdauernden alpinen Gebirgsbildung in Zusammenhang, die durch die Kollision der Adriatischen mit der Eurasische Platte angetrieben wird. Im Inntal verlaufen mehrere geologische Störungszonen, an denen sich Spannungen in der Erdkruste durch kleinere bis mittelstarke Beben lösen können.

Das Beben ist damit tektonischen Ursprungs. Schäden sind bei einer Magnitude von 3,5 normalerweise nicht zu erwarten. An alten und baufällöigen Gebäuden könnten dennoch kleine Risse auftreten.

Campi Flegrei: Menschen in Sorge vor dem nächsten Erdbeben

Geophysikalische Parameter der Campi Flegrei folgen nach Erdbeben bekannten Trends – Anwohner in großer Sorge

Gestern schrieb ich über die Proteste der Menschen in Pozzuoli, die von der Regierung bessere Unterstützung fordern, und darüber, dass offenbar nicht alle im Kommunalhaushalt zur Verfügung stehenden Mittel abgerufen wurden, die zur Stabilisierung jener Felswände vorgesehen waren, die beim Erdbeben Md 4,7 am 31. Juli kollabierten und Felsstürze verursachten. Besonders betroffen war eine steil abfallende Felswand am Monte Olibano oberhalb der Via Gerolomini, wo tonnenschwere Felsbrocken Fahrzeuge wie Getränkedosen zerquetschten. Ein in den sozialen Medien veröffentlichtes Foto zeigt nun, dass aus einem der Felssturzblöcke der abgerissene Stahlanker einer Befestigung ragt, die bereits vor Jahren installiert worden war.

Felsanker

Offenbar konnte die Befestigung den Fels nicht in ausreichendem Maße stabilisieren. Dies könnte entweder auf Fehleinschätzungen der Ingenieurgeologen hindeuten, die damals für das Setzen der Felsanker verantwortlich waren, oder darauf zurückzuführen sein, dass das Gestein durch andauernde Hebung und Erdbeben langfristig geschwächt wurde.

Schaut man sich die Lage der kollabierten Felswand auf Satellitenfotos an, erkennt man, dass sie sich in unmittelbarer Nähe zur Einfahrt in den Eisenbahntunnel der Cumana-Linie befindet, der bei dem Beben ebenfalls beschädigt wurde. Das spricht dafür, dass der Monte Olibano besonders instabil ist oder in überdurchschnittlichem Maße von den Erschütterungen getroffen wurde.

Die Via Gerolomini ist eine Parallelstraße zur bekannteren und hangaufwärts gelegenen Via San Gennaro Agnano, die am Eingang zum Solfatara-Krater vorbeiführt. Das Epizentrum des Bebens lag unter dem nördlichen Rand des Solfatara-Kraters. Dieser ist eigentlich ein Maar, wobei Maaren nachgesagt wird, sie seien monogenetisch und würden nur einmal in ihrer Geschichte eruptieren. Auf dem Solfatara-Krater scheint das nicht zuzutreffen, denn nach der phreatomagmatischen Eruption, die vor ca. 4000 Jahren zu seiner Bildung führte, gab es im Jahr 1198 eine weitere phreatische Explosion. Zudem liegt hier das Zentrum der aktuellen hydrothermalen Aktivität der Campi Flegrei.

Zu Beginn der Krise fürchteten sich die Bewohner der Caldera am meisten vor einem sich möglicherweise zusammenbrauenden Vulkanausbruch, der ihr Hab und Gut, aber auch ihr Leben gefährden könnte. Nun legen sie sich jede Nacht mit dem Gefühl der Angst schlafen, von einem noch stärkeren Erdbeben überrascht zu werden, das die teilweise stark geschwächten Häuser über ihnen zusammenstürzen lässt. Die Menschen fordern von den Verantwortlichen seit Jahren mehr Unterstützung, doch diese bleibt weitestgehend aus.

Der aktuelle INGV-Wochenbericht für den Beobachtungszeitraum vom 27. Juli bis 2. August 2026 bestätigt den langjährigen Trend der Druckbeaufschlagung des magmatischen Hydrothermalsystems des Vulkans und veröffentlicht die Erdbebenstatistik zum Schwarm, die im Wesentlichen die bereits von mir veröffentlichten Auswertungen bestätigt: Insgesamt ereigneten sich in dieser Woche 456 Erschütterungen. 245 Erdbeben hatten eine Magnitude größer als Md 0,0. Der stärkste Erdstoß war das bekannte Beben Md 4,7.

Die Geschwindigkeit der Bodenhebung wird weiterhin mit 10 mm pro Monat angegeben. Die Vulkanologen betonen, dass es vor dem Erdbeben keine Auffälligkeiten gegeben habe und die Deformation seit Jahresbeginn weitgehend konstant verlief. Im Zuge des Schwarmbebens kam es jedoch zu einigen Variationen, die noch ausgewertet werden müssen.

Zeitreihe der Bodendeformation in den Campi Flegrei. © INGV

Betrachtet man den Graphen zur Bodenhebung, stellt man fest, dass es zwei Wochen vor dem Erdbeben eine Deflation gab, über die ich bereits berichtet hatte. Damals meinte ich, man müsse noch Korrekturwerte abwarten, um zu sehen, ob sich diese Bodensenkung bestätigen würde. Kurz vor dem Erdbeben gab es einen schnellen Anstieg der Messreihe bis auf Werte, die dem seit Monaten üblichen Trend folgten. Nach dem Erdbeben fielen die (vorläufigen) Werte genauso schnell ab, wie sie zuvor angestiegen waren.

Bei einigen der anderen stärkeren Erdbeben konnte man Tage vor den Erschütterungen ebenfalls einen Rückgang der Hebegeschwindigkeit beobachten. Hier könnte sich ein mögliches Warnsignal andeuten, das meiner Meinung nach weitere Untersuchungen wert ist.

Campi Flegrei: Tausende protestierten nach Erdbeben

Nach Erdbeben Md 4,7 in den Campi Flegrei: Angst, Wut und Proteste erschüttern Pozzuoli

Vier Tage nach dem Erdbeben der Magnitude 4,7 kommt die Region der Campi Flegrei nicht zur Ruhe, was allerdings weniger tektonisch als menschlich begründet ist. Während Einsatzkräfte weiterhin beschädigte Gebäude überprüfen und zahlreiche Familien noch immer nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können, wächst unter den Einwohnern von Pozzuoli die Wut über das – in ihren und in meinen Augen – schlechte Krisenmanagement. Am Dienstag entlud sich diese Unzufriedenheit in einem Protestmarsch, an dem mehr als tausend Menschen teilnahmen. Die Demonstranten zogen bis zum Hafen von Pozzuoli, wo sie den Fährverkehr blockierten. Sie forderten ein entschlosseneres Eingreifen des Staates und verlangten, dass Vertreter der Bürger an den Beratungen der Präfektur beteiligt werden.



Proteste im Hafen

Das Erdbeben vom 31. Juli war das stärkste, das die Region bislang erschütterte. Die Erschütterungen stehen mit der anhaltenden Bodenhebungsphase des Calderavulkans Campi Flegrei im Zusammenhang und selbst wenn Wissenschaftler keinen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch erkennen können, hat das Beben die Sorgen vieler Menschen verstärkt. Zahlreiche Gebäude wurden beschädigt, mehrere Dutzend Häuser als unbewohnbar eingestuft. Zirka 330 Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Viele Betroffene beklagen lange Wartezeiten bei den Sicherheitsüberprüfungen sowie Unsicherheit darüber, wann sie in ihre Häuser zurückkehren können. Zeitgleich trauen sich viele Hausbesitzer vor Angst eines Totalverlustes ihres Wohneigentums überhaupt keine Überprüfungen zu beantragen.

Viele Anwohner fühlen sich seit Jahren mit den Risiken des offiziell als Bradyseismos bezeichneten Phänomens allein gelassen. Sie kritisieren schleppende Hilfsmaßnahmen und fehlende Vorsorge für eine Region, die von anhaltenden Bodenhebungen, Erdbeben und gesundheitsschädlichem Gasausstoß betroffen ist. Viele Bewohner der Region sind überzeugt, dass der Zustand ihrer Häuser schlecht ist: Die seit Jahren anhaltende Krise schwächt die Bausubstanz, die oft bereits mehrere Jahrhunderte alt ist, zusehends. Die Menschen sind überzeugt: Eines Tages kommt ein noch stärkeres Erdbeben, das ihre Häuser zu Todesfallen werden lässt.

Felssturz

Zusätzlichen Zündstoff liefert nun eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft Neapel. Die Ermittler gehen Hinweisen nach, dass dringend notwendige Sicherungsarbeiten an den Steilhängen von Pozzuoli über Jahre verschleppt wurden. Nach italienischen Medienberichten standen für die Stabilisierung gefährdeter Felswände elf Millionen Euro bereit, die aber offenbar nicht eingesetzt wurden. Ausgerechnet nach dem jüngsten Erdbeben kam es an mehreren Hängen zu Felsabbrüchen, bei denen Gesteinsmassen auf Straßen stürzten und Fahrzeuge zerquetschten. Es war reines Glück, dass dabei keine Menschen getötet wurden.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte dies die ohnehin angespannte Stimmung weiter aufheizen. Für viele Einwohner wäre dies der Beleg, dass bekannte Gefahren trotz vorhandener Finanzmittel nicht rechtzeitig entschärft wurden. Die Justiz will nun klären, ob bürokratische Verzögerungen oder Versäumnisse dafür verantwortlich sind.

Bereits gestern kam es zu Protesten vor dem Amphitheater von Pozzuoli, das vom Minister für Kultur, Giuli, besucht wurde. Doch er stellte sich den Fragen der aufgebrachten Bürger nicht.

Die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, dass die Krise in den Campi Flegrei längst nicht mehr nur eine geologische ist. Neben den anhaltenden Erdbeben, Bodenhebungen und Gasaustritten rücken nun – wie nach jedem der Erdbeben mit Magnituden ab 4 – Fragen nach politischer Verantwortung, Katastrophenvorsorge und dem Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen in den Mittelpunkt. Doch eine Lösung der Probleme zeichnet sich ein weiteres Mal nicht ab. Und so bleibt der Bradyseismos eine schleichende Naturkatastrophe, die in einem gewaltigen Desaster mit Ansage enden könnte. Die zur Problemlösung Verantwortlichen machen das, was sie immer machen: Bürger vertrösten, Verantwortung delegieren und abwarten, in der Hoffnung, dass sich die Probleme von selbst lösen.

Italien: Erdbeben Mb 4,3 lässt Toskana-Urlauber aufschrecken

Erdbeben der Magnitude 4,3 erschüttert die Toskana – zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen aus dem Raum Livorno

Ein moderates Erdbeben hat heute Morgen den Westen der italienischen Region Toskana erschüttert und dürfte neben Anwohner auch zahlreiche touristen erschreckt haben. Das Beben erreichte nach Angaben des EMSC eine Magnitude von 4,3 und ereignete sich um 10:15 Uhr Ortszeit. Das Hypozentrum lag in einer Tiefe von 8 Kilometern. Das Epizentrum befand sich im Tyrrhenischen Küstenbereich der Toskana, zwischen Livorno und dem bekannteren Pisa, etwa 9 Kilometer nordwestlich von Livorno.

Italien. © EMSC/Leaflet

Das Erdbeben wurde von Anwohnern und Besuchern deutlich wahrgenommen. Über das Meldesystem des EMSC gingen zahlreiche Berichte aus der Umgebung des Epizentrums ein. Bewohner beschrieben unter anderem deutlich spürbare Bodenbewegungen, ein kurzes Rütteln von Gebäuden sowie klappernde Gegenstände in Wohnungen. Schäden oder größere Zwischenfälle wurden zunächst nicht bekannt.

Tektonisch betrachtet steht das Erdbeben mit Störungen im Bereich des nördlichen Apennin-Vorlandes und der westtoskanischen Dehnungszone in Verbindung. Das Erdbeben ereignete sich im tektonischen Einflussbereich des Livorno–Empoli-Störungssystems, einer bedeutenden Querstruktur des nördlichen Apennins. Die treibende Kraft hinter dem Erdbeben sind die plattentektonischen Prozesse, die zur Auffaltung des Apennins und der weiter nördlich gelegenen Alpen führten, wobei heute die Spannungen vor allem durch Dehnungsprozesse entlang regionaler Störungen zustande kommen.

Einen direkten Zusammenhang mit dem starken Erdbeben der Magnitude 4,7 in den Campi Flegrei vom 31. Juli 2026 gibt es daher nicht. Die beiden Ereignisse liegen mehr als 500 Kilometer voneinander entfernt und gehören unterschiedlichen seismotektonischen Systemen an.

Historisch betrachtet kommt es in der Toskana immer wieder zu schwachen und moderaten Erdbeben. Vor allem die Gebiete entlang des Apennins und einzelne Küstenabschnitte wurden in der Vergangenheit wiederholt von stärkeren Erdbeben getroffen. Beben mittlerer Stärke zwischen Magnitude 4 und 5 treten in Zentralitalien regelmäßig auf und sind meist Ausdruck der anhaltenden tektonischen Aktivität des italienischen Störungssystems.

Neuseeland: Erdbeben Mw 5,6 weithin spürbar

Erdbeben Mw 5,6 erschütterte Norden von Neuseeland – 5240 Wahrnehmungsmeldungen

Entlang der gut 2.500 Kilometer langen Subduktionszone von Neuseeland bis Tonga hat sich innerhalb von weniger als 24 Stunden eine Reihe von interessanten Erdbeben ereignet. Die stärksten Erschütterungen erreichten Magnituden von 5,6 vor der Ostküste der neuseeländischen Nordinsel und 5,3 in der Tonga-Region. Hinzu kamen mehrere schwächere Beben sowie Erdstöße in außergewöhnlich großen Tiefen von bis zu 469 Kilometern.

Neuseeland. © EMSC/Leaflet

Das stärkste Ereignis ereignete sich vor der Ostküste der Nordinsel Neuseelands. Das Erdbeben der Magnitude 5,6 hatte seinen Herd in 53 Kilometern Tiefe und wurde von zwei Nachbeben der Magnitude 3,2 begleitet. Bereits zuvor war in derselben Region ein Erdbeben der Magnitude 3,3 in einer Tiefe von 337 Kilometern registriert worden. Das Epizentrum wurde 15 km süd-südöstlich von Hicks Bay verortet. Beim neuseeländischen Erdbebendienst GeoNet gingen 5240 Wahrnehmungsmeldungen ein. Einige Bebenzeugen beschrieben die Erschütterungen als extrem. Die Lage des Bebens im Norden der Nordinsel ist interessant, da sich der Inselvulkan White Island in relativer Nähe befindet, der auf das Beben reagieren könnte. Bis jetzt tat er es aber nicht.

Erst in der letzten Woche hatte es im Süden der Taupo Volcanic Zone ein Beben gegeben, das offensichtlich eine hydrothermale Eruption bei Rotorua triggerte. Auch dieser Ort ist nicht weit vom aktuellen Epizentrum entfernt.

Weiter nördlich entlang der Kermadec-Inseln setzte sich die Aktivität fort. Südlich des Inselbogens erschütterte zunächst ein Beben der Magnitude 3,4 den Untergrund in einer Tiefe von 469 Kilometern. Wenige Stunden später folgte ein weiteres Erdbeben der Magnitude 3,9 in 251 Kilometern Tiefe. Den nördlichen Abschluss der Erdbebenserie bildete schließlich ein Erdbeben der Magnitude 5,3 in der Tonga-Region, dessen Herd in nur 10 Kilometern Tiefe lag. Auch in dieser Region gab es ein zweites Erdbeben.

Die Ereignisse stehen im Zusammenhang mit derselben tektonischen Struktur des Hikurangi-Grabens vor Neuseeland und der sich nordwärts anschließenden Kermadec- und Tonga-Subduktionszone, wo die Pazifische Platte unter die Australische Platte abtaucht. Es handelt sich um eine der aktivsten Subduktionszonen der Erde. Während flache Erdbeben wie jene vor Neuseeland oder Tonga an der Kontaktfläche der Platten oder innerhalb der oberen Kruste entstehen, manifestieren sich die sehr tiefen Erdbeben innerhalb der absinkenden Pazifischen Platte. Diese bleibt selbst in mehreren hundert Kilometern Tiefe noch spröde genug, um Spannungen durch Bruch freizusetzen.

Campi Flegrei: Diskussionen um die Sicherheit

Schwarmbeben in den Campi Flegrei umfasst inzwischen 440 Erdbeben und entfacht erneute Diskussionen um die Sicherheit – weitere Schäden im Eisenbahntunnel entdeckt

Das starke Erdbeben der Magnitude 4,7, das die süditalienische Caldera Campi Flegrei am Abend des 31. Juli erschütterte, markiert den bisherigen Höhepunkt einer seismovulkanischen Krise, die bereits im Jahr 2005 begann. Sie eskalierte in zwei klar erkennbaren Phasen in 2018 und 2023. Seit Beginn der jüngsten Phase traten erstmals Erdbeben mit Magnituden im Viererbereich auf, die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur verursachten. Bereits im Juni vergangenen Jahres wurden Schäden an einer der beiden Bahnstrecken bekannt, die den Golf von Pozzuoli mit Neapel verbinden und den Monte Olibano zwischen Küste und Solfatara in zwei voneinander getrennten Tunneln durchqueren. Heute wurde berichtet, dass durch den jüngsten Erdstoß weitere Schäden festgestellt wurden.

Bahnlinien

Besonders prekär ist die Situation, weil der nördliche der beiden Tunnel, durch den die Metrolinie 2 verläuft, zwar keine baulichen Schäden aufweist, jedoch aufgrund extrem hoher Kohlendioxidkonzentrationen bereits Mitte Juni gesperrt wurde. Damit fiel eine der wichtigsten Schienenverbindungen nach Neapel aus. Die weiter südlich verlaufende Cumana-Linie, die nach dem Erdbeben im Juni 2025 bereits sieben Monate lang gesperrt gewesen war, übernahm anschließend einen Teil des Passagieraufkommens der Metrolinie 2. Nach dem jüngsten Erdbeben wurde jedoch auch ihr Tunnel vorsorglich geschlossen. Die anschließenden Untersuchungen enthüllten ein weiteres Mal Schäden, sodass die Strecke ersteinmal außer Betrieb bleibt. Damit sind derzeit beide wichtigen Bahnverbindungen zwischen Pozzuoli und Neapel unterbrochen.

Während der Tunnel der Metrolinie 2 (Galleria Monte Olibano) bereits 1920 errichtet wurde – also zu einer Zeit, als die Campi Flegrei keinen aktiven Bradyseismos aufwiesen –, entstand der Tunnel der Cumana-Linie entlang der Küste erst in den späten 1980er Jahren. Er wurde somit nach der Bradyseismos-Krise von 1982 bis 1984 fertiggestellt, die zur Evakuierung der Altstadt von Pozzuoli geführt hatte.

Beide Tunnel verlaufen durch die geologisch äußerst instabile Struktur des Monte Olibano, eines vulkanischen Körpers aus Tuffen, pyroklastischen Ablagerungen und domartigen Intrusionen. Die zahlreichen Felsstürze an den steilen Tuffhängen der Campi Flegrei infolge des jüngsten Erdbebens verdeutlichen die geringe Stabilität dieses Gemenges vulkanischer Gesteine.

Über bauliche Schäden an der Galleria Monte Olibano der Metrolinie 2 ist bislang nichts bekannt geworden. Das Problem der hohen Kohlendioxidkonzentrationen besteht jedoch weiterhin und verhindert eine Wiederaufnahme des Betriebs.

Eine gute Nachricht gibt es dennoch aus Pozzuoli: Die Schäden am Kai des Fährhafens fielen offenbar geringer aus als zunächst befürchtet. Der Fährverkehr zu den Inseln konnte inzwischen wieder aufgenommen werden.

Erdbeben© INGV

Diese positive Entwicklung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, vor welch enormen Herausforderungen die Campi Flegrei stehen. Das größte Problem besteht darin, dass Erdbeben nach wie vor nicht vorhersagbar sind. Die meisten Fachleute gehen davon aus, dass jederzeit Erdbeben im niedrigen Fünfer-Magnitudenbereich auftreten könnten. Der Unterschied zwischen einem Erdbeben der Magnitude 4,7 und einem der Magnitude 5,2 ist dabei wesentlich größer, als die Differenz von lediglich 0,5 Magnitudeneinheiten vermuten lässt. Aufgrund der logarithmischen Magnitudenskala würde ein Erdbeben der Magnitude 5,2 etwa fünf- bis sechsmal mehr Energie freisetzen als das jüngste Beben. Gleichzeitig wären die Bodenbewegungen mehr als dreimal so stark, sodass deutlich schwerere Schäden zu erwarten wären. Hinzu kommt, dass die Tiefe des Hypozentrums, die Bruchmechanik der betrroffenen Störung und die Beschaffung des Untergrundes mit beeinflussen, wie stark sich ein Erdbeben an der Oberfläche auswirkt. Das kann bei gleicher Magnitude zu unterschiedlichen Bodenbeschleunigung führen und damit zu stark voneinander abweichenden Kräften, die auf Gebäude einwirken.

Berücksichtigt man zudem, dass die anhaltende Bodenhebung und Tausende schwächerer Erdbeben – alleine der aktuelle Schwarm besteht aus mehr als 440 Erschütterungen – die Bausubstanz bereits seit Jahren kontinuierlich schwächen, könnten selbst nur geringfügig stärkere Erschütterungen katastrophale Folgen haben.

Hinzu kommt die latente Gefahr eines Vulkanausbruchs sowie die schwierige Frage, ab welchem Grad der Vorwarnzeichen eine Evakuierung eingeleitet werden sollte. Um Fehlalarme zu vermeiden, dürfte diese Schwelle vergleichsweise hoch angesetzt sein. Die Hoffnung der Vulkanologen besteht darin, einen sich anbahnenden Ausbruch wewnigstens drei Tage im Voraus zu erkennen.

Derzeit lässt sich allerdings weder sagen, ob es in absehbarer Zeit zu einem Vulkanausbruch kommen wird, noch wie groß ein solcher ausfallen könnte. Fest steht lediglich, dass sich in Tiefen von mehr als acht Kilometern eine größere Magmaansammlung befindet. Unklar bleibt, wie schnell Magma von dort in flachere Bereiche aufsteigen kann.

Angesichts der schwer kalkulierbaren Entwicklung wird erneut intensiv über die Sicherheit in den Campi Flegrei und die Frage diskutiert, wann die Alarmstufe Orange ausgerufen werden sollte. Die Direktorin des INGV Neapel, Lucia Pappalardo, stellte in einem Fernsehinterview klar, dass die Vulkanwarnstufe vorerst auf Gelb bleibt und der Vulkan weiterhin engmaschig überwacht wird.

Campi Flegrei: Wachsende Angst nach Erdbeben unter dem Vulkan

Erdbebenkarte (M ab 2,0) des EMSC verortet das Beben Md 4,7 (großer roter Punkt oberer Bildrand) anders als das INGV (blauer Punkt an der Solfatara). © EMSC

Signifikante Schäden durch das stärkste Erdbeben der aktuellen Hebungsphase der Campi Flegrei – Verletztenzahlen steigen auf 21

Datum: 31.07.2026 | Zeit: 17:46:44 UTC | Koordinaten: 40.8315 ; 14.1402 | Tiefe: 2,6 km | Md 4,7

Das Erdbeben der Magnitude 4,7, das sich am Freitagabend um 19:46 Uhr nördlich der Solfatara bei Pozzuoli ereignete, hat die Anwohner der Campi Flegrei ein weiteres Mal in Angst und Schrecken versetzt. Das wissenschaftlich betrachtet als mittelstark einzustufende Beben war das stärkste instrumentell registrierte Erdbeben in der Region seit Beginn der modernen Überwachung des Vulkangebiets und löste in weiten Teilen des Großraums Neapel nicht nur Panik aus, sondern auch Zweifel an Sicherheitskonzepten und der Risikoeinstufung. Das Hauptbeben war Teil eines ausgedehnten Erdbebenschwarms, der nach Angaben des INGV mehr als 70 Einzelbeben umfasste. Drei davon erreichten Magnituden von mehr als 3,0, zahlreiche weitere Erschütterungen lagen im Bereich zwischen Magnitude 2 und 3. Viele Bewohner verbrachten die Nacht im Freien oder in ihren Fahrzeugen, weil sie weitere starke Erschütterungen befürchteten.

Wer sich die Mühe macht und die Daten zu den Erdbeben selbst auswertet, erkennt, dass die offiziellen Zahlen überholt sind. Bis heute Vormittag registrierten die Seismografen mehr als 360 Erdbeben. 194 Beben waren zu schwach, um lokalisiert oder eingestuft zu werden. Bei 169 Erschütterungen konnte eine Magnitude bestimmt werden. Neben dem einen Beben Md 4,7 gab es 5 Beben mit Magnituden im Dreierbereich und 12 Erschütterungen im Zweierbereich. Aufgrund der geringen Tiefe der Hypozentren und der besonderen Struktur der Caldera sind selbst die Beben im Zweierbereich oft spürbar. Die Seismizität hält weiter an und hat das Potenzial, sich zum größten Erdbebenschwarm der aktuellen Bodenebnungsphase zu entwickeln, die bereits 2005 begann. Seitdem hob sich der Boden der Campi Flegrei um bis zu 1,67 m an. Der Prozess, der von Tausenden Erdbeben jährlich begleitet wird, destabilisierte bereits zahlreiche Häuser und stärkere Erdbeben mit Magnituden an 4,0 richteten bereits früher sichtbare Schäden an.

Das tatsächliche Ausmaß der Schäden des aktuellen Erdbebens Md 4,7 wurde erst in den letzten Stunden sichtbar. Während am Freitagabend zunächst lediglich von vier Verletzten berichtet worden war, korrigierten die Behörden ihre Angaben inzwischen deutlich nach oben. Nach aktuellem Stand wurden 21 Menschen verletzt, darunter zwei Personen schwer. Die meisten Verletzungen entstanden durch herabfallende Fassadenteile, Glassplitter oder Stürze während der panischen Flucht aus Gebäuden.

Besonders betroffen war die Stadt Pozzuoli. Mehrere Wohnhäuser erlitten schwere Schäden, zwei bereits leerstehende Gebäude stürzten teilweise ein. Ein weiteres Wohngebäude musste geräumt werden und gilt vorerst als unbewohnbar. Zahlreiche weitere Häuser weisen Risse und statische Schäden auf und werden derzeit von Ingenieuren überprüft. Viele Bewohner wissen weiterhin nicht, ob sie in ihre Wohnungen zurückkehren können, und beschweren sich, dass die Überprüfungen so lange dauern. Dabei muss man berücksichtigen, dass es eine große Anzahl an Gebäuden gibt, die überprüft werden müssen. Generell ist die betagte Bausubstanz von Pozzuoli alles andere als erdbebensicher und wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, verspürt auch in ruhigen Zeiten den Drang, einen Helm zu tragen.

Ein Helm wird künftig auch für jene Menschen empfehlenswert sein, die sich in der Nähe steiler Tufffelsen befinden, von denen es im Bereich der Campi Flegrei viele gibt, denn sie dürften durch die Abbrüche nachhaltig destabilisiert worden sein. Besonders an der Hangflanke entlang der Via Cigliano lösten sich mächtige Tuffblöcke und Geröllmassen, die mehrere geparkte Autos unter sich begruben und Straßen blockierten. Der Hangrutsch schnitt zeitweise auch mehrere Wohnhäuser von der Außenwelt ab. Weitere große Gesteinsbrocken lösten sich in der Via Pergolesi und stürzten auf parkende Fahrzeuge. Auch entlang der Küste gab es zahlreiche Felsstürze.

Im Hafen von Pozzuoli wurden Schäden an einem Kai festgestellt, der daraufhin aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. Die Sperrung beeinträchtigt den Fährverkehr zu den Inseln Ischia und Procida. Mehrere Verbindungen mussten verlegt oder umorganisiert werden, wodurch es insbesondere zu Beginn des Ferienwochenendes zu Verzögerungen kam. Für den Tourismus auf Ischia bedeutet dies eine zusätzliche Belastung, da der Hafen von Pozzuoli eine der wichtigsten Anlaufstellen für den Personenverkehr vom Festland ist.

Obwohl die Einsatzkräfte schnell Notunterkünfte öffneten und hunderte Feldbetten einrichteten, verbrachten zahlreiche Menschen die Nacht in ihren Fahrzeugen. Viele der aus ihren Häusern Geflüchteten waren sich unsicher, ob ihre Häuser noch sicher sind.

In den italienischen Medien wird inzwischen erneut die Frage gestellt, ob die Region ausreichend auf eine solche Krise vorbereitet ist. Im Mittelpunkt der Debatte stehen die Sicherheit öffentlicher Gebäude, der Zustand vieler Wohnhäuser sowie die Evakuierungsplanung. Besonders kritisch wird diskutiert, dass in den gefährdeten Gebieten weiterhin Großveranstaltungen wie der America’s Cup im nächsten Jahr geplant werden, obwohl die Bradyseismus-Krise seit Jahren anhält. Bereits nach den letzten stärkeren Erdbeben, von denen sich das letzte im Mai dieses Jahres ereignete, wurde gefordert, die Alarmstufe von Gelb auf Orange zu erhöhen, wodurch staatliche Gelder für Evakuierungsmaßnahmen freigegeben werden müssten.

Ein Fanpage-Interview mit dem Vulkanologen Giuseppe De Natale, Forschungsdirektor am INGV, das er ausdrücklich als persönliche wissenschaftliche Einschätzung kennzeichnete, sorgt aktuell für Aufmerksamkeit. De Natale weist darauf hin, dass der seit Jahrzehnten andauernde Hebungsprozess deutliche Parallelen zu jener Entwicklung aufweist, die 1538 im Ausbruch des Monte Nuovo gipfelte. Daraus lasse sich zwar nicht ableiten, dass ein neuer Ausbruch unmittelbar bevorstehe, doch langfristig betrachtet ließe sich ein solcher nicht ausschließen.

Der Vulkanologe warnt ausdrücklich davor, die Gefahr in den Campi Flegrei zu unterschätzen oder sich von ruhigeren Phasen täuschen zu lassen. Kurzfristige Schwankungen der seismischen Aktivität änderten nichts am langfristigen Trend der Bodenhebung und der zunehmenden Spannungen im Untergrund. Deshalb müsse die Bevölkerung auf sämtliche denkbaren Szenarien vorbereitet werden – von weiteren starken Erdbeben bis hin zu einem möglichen Vulkanausbruch, dessen Wahrscheinlichkeit zwar gering sei, aber nicht ausgeschlossen werden könne. Seine zentrale Botschaft lautet, dass Vorsorge nicht erst dann beginnen dürfe, wenn sich die Situation weiter zuspitzt. Gerade in Phasen vergleichsweise geringer Aktivität müssten Schutzmaßnahmen, Gebäudesanierungen und Evakuierungspläne konsequent vorangetrieben werden, damit die Region auf zukünftige Krisen besser vorbereitet ist.